Entwicklung, Vertreter, Merkmale und Prinzipien der Verhaltenstherapie


Hausarbeit, 2018

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

I. Verhaltenstherapie zur Orientierung in einer komplexen Welt

II. Vertreter & historischer Hintergrund

III. Merkmale und Prinzipien der Verhaltenstherapie

IV. Verhaltensdiagnostik

V. Methoden der Verhaltenstherapie
a) Systematische Desensibilisierung
b) Flooding
c) Kognitive Verhaltenstherapie

VI. Anwendung der kognitiven Verhaltenstherapie beim Beispiel Depression

VII. Chancen und Grenzen der Verhaltenstherapie

VIII. Menschenbild

IX. Einordnung in sozialpadagogischen Handlungszusammenhang

X. Fazit: Spannungsfeld zwischen Lebensbewaltigung und Lebensbeherrschung

XI. Literaturverzeichnis

I. Verhaltenstherapie zur Orientierung in einer komplexen Welt

Die Verhaltenstherapie ist eine Form der Psychotherapie und bietet verschiedene Ansatze, wie man menschliches Leiden zuerst beschreiben, analysieren und mithilfe konkreter Zielsetzungen lindem kann. Neben der Intention Probleme zu losen, hangt die Suche nach Erklarungen ganz entscheidend mit dem in jedem Menschen verankertem Grundbedurfnis zusammen, sich in einer komplexen Welt zu orientieren und zurecht zu finden. Fragen wie „woher kommt meine Angst?“ oder „warum habe ich Depressionen?“ beschaftigen viele Menschen. Durch die Verhaltenstherapie lemt der Klient eigene Probleme und deren Ursachen zu verstehen und kann durch die Hilfe zur Selbsthilfe sein eigenes Leben bewaltigen.

II. Entwicklung und Vertreter der Verhaltenstherapie

Der Beginn der Verhaltenstherapie Anfang des 20. Jahrhunderts geht auf die Forschungen des russischen Physiologen und Mediziners Iwan P. Pawlow zuruck, der die behavioristische Lemtheorie, die klassische Konditionierung entdeckte.

Ursprunglich erforschte Pawlow den Zusammenhang von Verdauung und dem Speichelfluss bei Hunden. Wahrenddessen bemerkte er, dass bei den Hunden, die regelmabig von Pflegem gefuttert wurden nach einer Weile der Speichelfluss automatisch einsetzte, wenn Tierpfleger sich naherten, obwohl nicht gefuttert wurde.

Daraus folgerte der Wissenschaftler, dass das Verhalten eine Reaktion auf die Reize der Umwelt sein mussten und nannte den Prozess des angelemten Verhaltens dann klassische Konditionierung.

Die klassische Konditionierung ist die erlemte Verbindung zwischen einem vorher neutralen Reiz (Gerausche, der sich nahemden Pfleger) und einem unkonditionierten Reiz (Futter), was dann zu einer unkonditionierten Reaktion (Speichelfluss) fuhrt. Diese unkonditionierte Reaktion bedeutet, dass die Reaktion auf den Reiz automatisch erfolgt. Beim Experiment mit dem pawlowsch’en Hund fugte er dann einen neutralen Reiz (Lauten einer Glocke) hinzu, der nichts mit der eigentlichen Futterung zu tun hat. Nach mehrmaligem Lauten der Glocke, wahrend der Futterung, brachte der Hund den neutralen Reiz schlieblich mit dem unkonditionierten Reiz (Futter) in Verbindung und das Verhalten des Hundes anderte sich hin zu einer konditionierten Reaktion.

Der Speichelfluss des Hundes trat auch ein, wenn nur die Glocke lautete, also wurde der neutrale Reiz zum konditioniertem Reiz. Dieses Verhalten konnte in diesem Fall aber ebenso wieder geloscht werden, wenn man die Glocke mehrmals ohne Futterung ertonen lasst.1

Neben Pawlow’s Theorien gehoren unter anderem Theorien von Edward Thorndike zum Behaviorismus. Erweitert wurden diese Thesen durch Burrhus Frederic Skinner, der direkte und indirekte Bestrafung und Belohnung fur die Ausformung von bestimmten Verhaltensweisen verantwortlich macht.2

Die moderne Verhaltenstherapie hat ihre Ursprunge in verschiedenen Teilen der Erde wie in England, Sudafrika und in den Vereinigten Staaten, wodurch es keine eindeutige Grunderfigur gibt und die Entwicklung durch Wissenschaftler zuerst unabhangig voneinander begann. Eine stetige Entwicklung des Begriffs der Verhaltenstherapie erfolgte erst in den 1950er Jahren durch die Kognitive Wende. Lemtheoretische Konzepte wurden immer komplexer und unsichtbare Prozesse im Inneren des Menschen wurden hervorgehoben. Gedanken, Gefuhle, Erwartungen und Einstellungen des Individuums gewannen an Bedeutung, da man sich nicht mehr allein auf beobachtbares Verhalten beschrankte. Dies fuhrte dann zur Bezeichnung der kognitiven Verhaltenstherapie, die haufig auch die zweite Welle der Verhaltenstherapie genannt wird. Ein Verhaltenstherapeut, der zu diesem Wandel beigetragen hat, ist zum Beispiel Albert Bandura. Er entwickelte das Lemen am Modell oder auch Nachahmungslemen und stellte fest, dass Menschen nicht nur anhand von Verhaltenskonsequenzen, sondem auch durch Beobachtung von Anderen lemen konnen.3

In England wand H.J. Eysenck (I960) lemtheoretische Prinzipien an, um psychische Storungen zu erklaren und abzuandem. Zu diesen Lemtheorien zahlt man das klassische und operante Konditionieren sowie das Modellernen. Beim operanten Konditionieren wird das Verhalten mittels Verstarkung oder Bestrafung modifiziert. Wenn Reize mit angenehmen Konsequenzen zugefuhrt werden, spricht man von einer positiven Verstarkung. Es handelt sich um negative Verstarkung, wenn Reize mit unangenehmen Konsequenzen weggenommen werden.

Direkte Bestrafung erfolgt durch Zufuhrung von Reizen mit unangenehmen Konsequenzen und indirekte Bestrafung durch Wegnahme von Reizen mit angenehmen Konsequenzen.4

Der Englander M. Shapiro (1961) verstand unter Verhaltenstherapie :,,einen spezifisch psychologischen Zugang auf der Basis eines Einzelfalles.“5 Demnach wird es als Aufgabe des Therapeuten gesehen, beijedem einzelnen Fall Probleme zu analysieren und auf den das gesamte Repertoire psychologischer Methoden zuruckzugreifen, um Veranderungen hervorzubringen.

In Sudafrika hingegen erklarte Joseph Wolpe Neurosen anhand von Versuchen mit Katzen und entwickelte daraus das Behandlungsverfahren der „systematischen Desensibilisierung“ und das Stimulus Response Modell.6

Die Entwicklung der Verhaltenstherapie in den USA baut auf die grundlegenden Arbeiten von Skinner (1953) der sogenannten „operanten Technologie“ auf. Er machte Konsequenzen fur zukunftiges Verhalten verantwortlich und erstellt den Ansatz der funktionalen Analyse.7

Durch die vielen verschiedenen Entwicklungen der Verhaltenstherapie, beginnend mit dem Behaviorismus Ende der 20er Jahre, der klassischen Verhaltenstherapie, in den 1950er und 1960er Jahren, sowie der kognitiven Verhaltenstherapie, wurden die heutigen vielfaltigen Techniken und Methoden wesentlich gepragt.

III. Merkmale und Prinzipien der Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie (engl. behavior therapy) kann als eine auf der empirischen Psychologie basierende psychotherapeutische Grundorientierung verstanden werden, durch welche man auftretende Verhaltensstorungen erklaren, beschreiben und verandemkann. (vgl. Margraf, 1996, S. 3)8.

Diese psychologische Grundsatzorientierung gewahrleistet zudem eine systematische und kontrollierte Uberprufbarkeit, hinsichtlich der Effektivitat von Theorien.

Aufgabe der Verhaltenstherapie ist es dann, diesen Storungen systematisch entgegenzuwirken und neue brauchbare Verhaltensmuster zu erlemen.

Die Verhaltenstherapie macht es sich also zur Aufgabe menschliches Leiden zu lindem und die Selbststandigkeit und Handlungsfahigkeit von Patienten zu erweitem.

Durch die Aktivierung der bereits vorhandenen Ressourcen eines Menschen und die sogenannte Extinktion der Verhaltensstorung, kann der Patient lemen selbstkontrolliert zu handeln und sein eigenes Leben zu bewaltigen. Die grundlegende Annahme der Verhaltenstherapie ist, dass Verhaltensstorungen - ebenso wie jegliche Form von Verhalten - meist erlemt wurden. Jedes erlemte Verhalten, ebenso wie Verhaltensstorungen konnen also wieder verlemt und geandert werden. AuBerdem orientiert sich die Verhaltenstherapie an ethischen (normativen) Richtlinien.9

IV. Verhaltensdiagnostik

Eine Therapie beginnt ublicherweise mit der Verhaltensanalyse. Hierbei wird das symptomatische Verhalten der Verhaltensstorung mittels drei verschiedener Ebenen beschrieben. Die a-Variable beschreibt auslosende und aufrechterhaltende Bedingungen, wie Reize aus der Umwelt oder Konsequenzen des Verhaltens. Die fi- Variable beschreibt die kognitive und selbstorganisatorische Ebene des Verhaltens, wie z.B Erwartungen an sich selbst. Durch die y-Variable werden biologisch-somatische Bedingungen beschrieben. Es werden zum Beispiel derzeitige Deprivationsbedingungen festgehalten und untersucht, welche Auswirkungen Drogen, Medikamente, Nikotin oder andere korperlichen Krankheiten auf das Verhalten haben konnen (Organismus-Variablen).10

Neben der Verhaltensanalyse werden bei der Bedingungsanalyse die Bedingungen bestimmt, die zur Entwicklung des Symptoms und/oder zur Auslosung des Symptoms beitragen. Hierbei wird ganz entscheidend die Entstehung von Symptomen von deren Aufrechterhaltung unterschieden. Angesichts dieser funktionalen Problemanalyse hat sich das sog. Prinzip der Verhaltensgleichung, das SORCK-Modell von Kanter und Saslow herausgebildet. Dabei steht S fur Stimulus, also auslosende exteme oder interne Reize (z.B. Situation, Gedanken). O, die Organismus-Variable beschreibt individuelle Pradispositionen, wie Personlichkeitseigenschaften, Erfahrungen und Uberzeugungen. R steht fur Reaktion, das individuelle Verhalten einer Person. Die Konsequenzen C wirken dann auf das Verhalten zuruck. Diese Konsequenzen konnen zum Abbau, Aufbau oder zur Aufrechterhaltung des Verhaltens beitragen. K stellt die Kontingenz zwischen R und C dar.11

Nach der Verhaltensanalyse folgt die Zielbestimmung. Bei dieser wird festlegt, welche spezifischen Verhaltensmuster einer Veranderung in ihrer Auftrittshaufigkeit, Intensitat und Dauer bedurfen.12 Den Abschluss der Verhaltensdiagnostik bildet die Therapieplanung, die in der Praxis spatestens nach der funften Sitzung erfolgt. Diese Therapieplanung beinhaltet unter anderem die Diagnose (z.B. Zwangsstorung), die Planung des Therapieverlaufs (z.B. Sitzungsanzahl) und die Auswahl eines Therapiemodells (z.B. Methodenauswahl).13

V. Methoden der Verhaltenstherapie

Um, die vorher von Patienten und Therapeuten festgelegten Therapieziele zu erreichen, konnen uber 50 verhaltenstherapeutische Einzelverfahren eingesetzt werden. In dieser Arbeit werden im Folgenden drei Methoden der Verhaltenstherapie genauer beschrieben. AnschlieBend wird naher auf die Anwendung der Verhaltenstherapie bei Depression eingegangen.

a) Systematische Desensibilisierung

Eine weit verbreitete Methode, die zur Behandlung von psychischen Angststorungen und anderen Gefuhlsuberflutungen (z.B Phobien) eingesetzt wird, bildet die Systematische Desensibilisierung. Das Ziel dieses Beseitigungverfahrens ist die Aufhebung der Assoziation von einem angstauslosenden Reiz mit einer Angstreaktion. Hierbei findet eine schrittweise Konfrontation mit den angstauslosenden Objekten und Situationen in der Vorstellung (in sensu) statt.

Die systematische Desensibilisierung entstand durch die Forschung Joseph Wolpes auf Basis der klassischen Konditionierung.

[...]


1 vgl. Schorr, A. (Hrsg.). (1984). Die Verhaltenstherapie. Ihre Geschichte von den Anfangen bis zur Gegenwart. (S. 15 ff.) Weinheim, Basel: Beltz

2 vgl. Christoph-Lemke, C. (1974) Bestrafung. In Kraiker C. (Hrsg.). Handbuch der Verhaltenstherapie. (2. Aufl. S. 33 ff). Munchen: Kindler

3 vgl. Vogl, S., (1974) Modellernen. In Kraiker C. (Hrsg.). Handbuch der Verhaltenstherapie. (2. Aufl. S. 85 ff). Munchen: Kindler

4 vgl. Christoph-Lemke, C. (1974) Bestrafung. In Kraiker C. (Hrsg.) Handbuch der Verhaltenstherapie. (2. Aufl., S. 26 fl). Munchen: Kindler

5 Reinecker, H., (Hrsg.).(2005). Grundlagen der Verhaltenstherapie. (3. uberarb. Aufl., S. 3) Weinheim, Basel: Beltz

6 vgl. Schorr, A. (Hrsg.).(1984). Die Verhaltenstherapie. Ihre Geschichte von den Anjangen bis zur Gegenwart. (S. 153 fl). Weinheim, Basel: Beltz

7 vgl. Reinecker, H., (Hrsg.).(2005). Grundlagen der Verhaltenstherapie. (3. uberarb. Aufl., S. 4) Weinheim, Basel: Beltz

8 vgl. Margraf, J. (Hrsg.).(1996). Lehrbuch der Verhaltenstherapie. ( S. 3 ff). Berlin: Springer Verlag

9 vgl. Reinecker, H., (Hrsg.). (1994). Grundlagen der Verhaltenstherapie. (2. uberarb. Aufl., S. 8) Weinheim: Beltz

10 vgl. Reinecker, H., (Hrsg.). (1994). Grundlagen der Verhaltenstherapie. (2. uberarb. Aufl., S. 62) Weinheim: Beltz

11 vgl. Reinecker, H., (Hrsg.). (2005). Grundlagen der Verhaltenstherapie. (3. uberarb. Aufl., S. 42). Weinheim, Basel: Beltz

12 vgl. Reinecker, H., (Hrsg.). (1994). Grundlagen der Verhaltenstherapie. (2. uberarb. Aufl., S. 35). Weinheim: Beltz

13 vgl. Reinecker, H., (Hrsg.). (1994). Grundlagen der Verhaltenstherapie. (2. uberarb. Aufl., S. 94 ff). Weinheim: Beltz

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Entwicklung, Vertreter, Merkmale und Prinzipien der Verhaltenstherapie
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Chancen und Grenzen fördertherapeutischer Methoden
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V1034398
ISBN (eBook)
9783346453143
ISBN (Buch)
9783346453150
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Förderpädagogik, Verhalten, Therapie, Psychologie, Beratung, Entwicklung, Kognitive Verhaltenstherapie, Menschenbild, Vertreter, Depression, Flooding, Desensibilisierung
Arbeit zitieren
Elena Karl (Autor:in), 2018, Entwicklung, Vertreter, Merkmale und Prinzipien der Verhaltenstherapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1034398

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