Weserübung - Die Okkupation Dänemarks und Norwegens


Seminararbeit, 1998
35 Seiten, Note: 1,0

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Weserübung - Die Okkupation Dänemarks und Norwegens

Inhaltsverzeichnis

-Einleitung

1. Der„Schwarze Tag“ für Skandinavien

-Hauptteil

1. Die Vorbedingung der Okkupation
1.1 Die Besetzung Dänemarks
1.2 Die Besetzung Norwegens

2. Die deutsche Okkupation in Skandinavien
2.1 Die Okkupation in Dänemark
2.2 Die Okkupation in Norwegen
2.3 Das Ende der deutschen Okkupation in Skandinavien

- Schlußbetrachtung

- Anhang 1

- Anhang 2

- Literaturverzeichnis

I. Einleitung

1. Der „Schwarze Tag“ für Skandinavien

Hitler selbst soll gesagt haben, daß „ aus dem heutigen Tage das gro ß germanische Reich entstehen “ 1 würde. Doch die Ambitionen des dritten Reiches, speziell Hitlers, lagen nicht vorrangig in der Einigung der „germanisch-stämmigen Völker“, als am 9. April 1940 die Besetzung von Dänemark und Norwegen anlief. Hauptaspekt der „Operation Weserübung“ war die Sicherung der Erzlieferungen aus dem norwegischen Hafen Narvik. Dadurch kam es zum unvermeidbaren Konflikt mit Großbritannien, da die Briten planten, zum Schutz Norwegens Seeminenfelder vor der norwegischen Küste auszulegen. Hitler stellte diese Tatsache als „Schicksalskampf des deutschen Volkes“2 dar, und versuchte dadurch die „Operation Weserübung“, die Besetzung zweier neutraler Staaten, zu legitimieren.

Nicht nur in völkerrechtlicher Hinsicht war es ein heikles Unternehmen, denn diese Operation wurde quasi unter den Augen der weit überlegenen britischen Flotte ausgeführt, die sich zu diesem Zeitpunkt auch in norwegischen Gewässern befand. Auch, daß Oberst Hans Oster, der seit 1938 einem Verschwörerkreis gegen Hitler angehörte, die „Operation Weserübung“ an den niederländischen Gesandten verriet, konnte Dänemark und Norwegen nicht schützen. Den endgültigen Termin für die Aktion setzte Hitler erst am Tag vor Beginn der Operation fest. Somit kam die Information für Norwegen zu spät. Dänemark wußte zwar von der bevorstehenden Invasion, war aber außerstande ein genügend großes Truppenkontingent zu mobilisieren.3

Die Durchführung der „Weserübung“ geht auf die Initiative des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral Erich Raeder, zurück. Er konnte sich noch an die zwangsweise passive Rolle der deutschen Marine im ersten Weltkrieg erinnern, da die Zufahrt zum freien Meer durch Minenfelder versperrt war. Dadurch war der Aktionsradius der Marine auf die Deutsche Bucht beschränkt worden und führte auch durch die fehlenden Stützpunkte zu einer weitgehenden Untätigkeit der Kaiserlichen Marine. Der Seekrieg des ersten Weltkrieges wurde daraufhin hauptsächlich zum U-Bootkrieg. Diese Erkenntnis brachte Raeder dazu, auf eine Besetzung Norwegens zu drängen, um einen größeren Aktionsradius für die Kriegsmarine zu erlangen.4

Ein weiterer wichtiger Punkt, der die Besetzung Dänemarks und Norwegens für das Dritte Reich so notwendig machte, war das Erz aus Narvik. Deutschland brauchte dieses Erz, das aus dem Schwedischen Lulea über Narvik nach Deutschland gelangte.

Norwegen sollte vor allem wegen seiner strategischen Bedeutung besetzt werden, die ihm auch - und nicht zuletzt - im Hinblick auf die ö konomischen Ressourcen Nordeuropas zukam. Dabei ging es vornehmlich um die Erzbasis in Schweden, [...]. Bergbau- und H ü ttenbetriebe in Norwegen selbst galten von vornherein als besonders wichtig f ü r die deutsche R ü stungsindustrie. 5

II. Hauptteil

1. Die Vorbedingung der Okkupation

1.1 Die Besetzung Dänemarks

Dänemark sollte die Rolle einer Brücke bekommen, denn die kürzeste Seeverbindung nach Norwegen ging von Dänemark aus über den Skagerrak. Die schnelle Besetzung Dänemarks war eine wesentliche Voraussetzung für den weiteren Erfolg der gesamten „Operation Weserübung“. Daß die „Weserübung Süd“6 reibungslos voranging und quasi schon am 9. April 1940 abgeschlossen war, war auf die „ handstreichartige Besetzung der Zitadelle in Kopenhagen, der Residenz des d ä nischen Generalstabes “ 7 zurückzuführen. Major Glein, der als Kommandeur des I./ Infanterieregimentes 308 die Zitadelle besetzen sollte, wurde als Amtsrat getarnt am 4. April 1940 nach Kopenhagen geschickt. Dort sollte er die Anmarschwege zum dänischen Generalstab und die Zitadelle selbst erkunden. Am 5. April kehrte er mit allen nötigen Informationen nach Berlin zurück.8 Am 8. April war die Einschiffung der Kampfgruppe Glein abgeschlossen. In Kopenhagen angekommen, setzte sich das verstärkte Infanteriebataillon zur Zitadelle in Marsch und nahm diese ohne Widerstand ein. Somit war der dänische Generalstab in deutscher Gefangenschaft. K ö nig Christian X. und die d ä nische Regierung entschlossen sich, [daraufhin] um 7.30 Uhr fr ü h, den Widerstand einstellen zu lassen.9

Die weitere Besetzung Dänemarks ging danach ohne größeren Widerstand schnell voran. Lediglich die Wachgarde von Schloß Amalienborg versuchte, die von deutschen Soldaten besetzte Zitadelle anzugreifen und wurde dort in ein kurzes Feuergefecht verwickelt.10 Nicht zuletzt durch die Machtdemonstration der deutschen Luftwaffe, die über der dänischen Hauptstadt kreiste und die Bevölkerung an das Schicksal Warschaus erinnern sollte, wurde die Eindämmung der Gegenwehr beschleunigt.11

1.2 Die Besetzung Norwegens

Zeitgleich mit der Invasion in Dänemark begann die „Weserübung Nord“12. Deutsche Kriegsschiffe erzwangen die Einfahrt in die Häfen Narvik, Trondhein und Bergen. Stavanger wurde von der Luftwaffe angegriffen und Fallschirmjäger, sowie Flak- und Versorgungstruppen gelandet. Im Oslo-Fjord stießen deutschen Kriegsschiffe auf schweren Widerstand. Mit der Versenkung des Schweren Kreuzers „Blücher“, bei dem die höheren Offiziere des deutschen Verwaltungsstabes umkamen, erlebte die „Operation Weserübung“ ihren ersten Rückschlag. Dessen Folge war, das die bei Oslo gelandeten Truppen in der Anfangsphase nicht richtig koordiniert werden konnten.13 Aufgrund des Widerstandes konnte die norwegische Hauptstadt vorerst, zumindest nicht von der Seeseite aus, eingenommen werden.

Oslo wurde schlie ß lich erobert, aber nicht von See aus, sondern von Truppen, die im Fjord gelandet oder von Transportflugzeugen herangebracht worden waren. 14

Auch Narvik konnte nicht widerstandslos eingenommen werden. Erst nach der Versenkung eines der beiden vor Narvik liegenden norwegischen Küstenpanzerschiffe konnten deutsche Gebirgsjäger an Land gebracht werden. Danach wurde auch das zweite norwegische Schiff versenkt. Zwei Gebirgsjägerkompanien näherten sich Narvik. Deren Divisionskommandeur Generalleutnant Dietl begab sich zu der Zeit mit seinem ersten Generalstabsoffizier zum norwegischen Stadtkommandanten von Narvik Oberst Sundlo, um von diesem die widerstandslose Übergabe der Stadt und loyale Zusammenarbeit zu fordern. Sundlo gab den Forderungen nach.15

Die Vorgehensweise Dietls und alle sonstigen Umst ä nde der Stadt ü bergabe deuten auf eine abgekartete Sache hin, [...]. [...], [da] die Deutschen schon in der Planungsphase von dem deutschfreundlichen Oberst Sundlo, der zudem ein Anh ä nger Quislings 16 war, keinen Widerstand erwarteten. 17

Somit war die Eroberung des wichtigen Erzhafens Narvik geglückt. Doch die Besetzung der Stadt soll nicht lange anhalten. Ab dem 14. April 1940 landeten alliierte Truppen bei Narvik. Am 28. Mai besetzen die alliierten Truppen nach 14-tägigen heftigen Kämpfen Narvik. Die Gebirgsjäger unter Generalleutnant Dietl ziehen sich zur Erzbahntrasse zurück, um diese zu verteidigen. Am 8. Juni erobern die deutschen Gebirgsjäger Narvik wieder zurück, da die alliierten Truppen aufgrund der Westoffensive vom 10. Mai wieder nach Großbritannien zurückbeordert wurden.

Churchill schreibt dazu: In Narvik hielt eine bunt zusammengew ü rfelte, improvisierte deutsche Streitmacht von knapp 6 000 Mann sechs Wochen hindurch mehr als 20 000 Mann alliierter Truppen in Schach, und obwohl die Deutschen sp ä ter aus der Stadt vertrieben wurden, konnten sie doch ihre Feinde wieder abziehen sehen. 18

Da eine weiterführende Erläuterung der militärischen Aktionen bei der Ausführung der „Operation Weserübung“, den Rahmen der Einleitung sprengen würde, und auch die Betrachtung der deutschen Okkupationspolitik in Skandinavien zu kurz kommen ließe, möchte ich mich bei den militärischen Schilderungen auch nur auf die meiner Meinung nach wichtigsten Eckpunkte beschränken.

2. Die deutsche Okkupationspolitik in Skandinavien

Der Erfolg und die Art und Weise der Okkupationspolitik hingen nicht zuletzt vom Verlauf der Invasion ab. Es wurden sogar Regeln erlassen, wie der Bevölkerung in Dänemark und Norwegen zu begegnen ist, um der Besatzungsmacht den Mantel der Schutzmacht umzuhängen. (siehe Anhang Seite 32 und 33) So hatte Dänemark, da dort der Widerstand sehr gering war, eine bessere Voraussetzung für gewisse „eigenständige“ Entscheidungen als der Nachbar Norwegen. Da die deutschen Kampfeinheiten in Norwegen zum Teil auf sehr erbitterten Widerstand stießen, wurde bei diesem Land eine härtere Gangart bei der Okkupation eingelegt.

Die Erstellung des Okkupationsplanes für die beiden nordischen Staaten war von vornherein darauf ausgelegt, die deutsche Vorherrschaft über Skandinavien und den Ostseeraum zu erlangen. Mit der Besetzung von Dänemark und Norwegen war dies de facto geschehen, denn auch Schweden befand sich somit indirekt in deutscher Hand. Eine Auflehnung Schwedens gegen die deutsche Einflußnahme in Skandinavien, und die Einstellung der für die deutsche Kriegswirtschaft lebenswichtigen Erzlieferungen, hätte auch dessen Besetzung nach sich ziehen können. Dadurch waren die Schweden quasi mundtot gemacht, und die Erzlieferungen für Deutschland zunächst gesichert.

Die Besetzung Skandinaviens hatte natürlich auch eine strategische Bedeutung für die deutsche Kriegsführung, denn es waren nun neue vortrefflich positionierte Operationsbasen vorhanden. Diese sollten Deutschland zu einer Vormachtstellung im Kampf um die Vorherrschaft in Europa und der Welt verhelfen.19

Doch durch die schweren Gefechte mit der britischen Marine ist der Bestand an einsatzfähigen Kriegsschiffen stark dezimiert worden. Somit konnten die neu gewonnenen Operationsbasen nicht so genutzt werden, wie es sich Deutschland erhofft hatte.

Aus all diesen Fehlschl ä gen und dieser Verwirrung hob sich eine Tatsache von ü berragender Bedeutung hervor, die den ferneren Verlauf des Krieges weitgehend beeinflussen sollte. In ihrem verzweifelten Kampf gegen die britische Flotte hatten die Deutschen ihre eigene zugrunde gerichtet, bevor der H ö hepunkt des Krieges erreicht war. [...] Andererseits war Ende Juni 1940 - einem bedeutungsvollen Datum - der Effektivbestand der deutschen Flotte ein Kreuzer mit 20 cm-Best ü ckung, zwei leichte Kreuzer und vier Zerst ö rer. 20

Zwar konnte Deutschland die Operationsbasen in Skandinavien dadurch nicht so nutzen, wie es sich das erhofft hatte. Doch die wichtigen Erzlieferungen sollten die deutsche Kriegswirtschaft weiterhin am Leben erhalten

2.1 Die Okkupation in Dänemark

Die deutsche Führung richtete am 9. April 1940, unmittelbar nach dem Beginn der Operation, ein Memorandum an die Regierungen von Dänemark und Norwegen. Die beiden Staaten wurden darin aufgefordert, den Vormarsch der deutschen Truppen nicht zu behindern. Es wurde versichert, dann die staatliche und territoriale Integrität der Länder nicht anzutasten. Für Dänemark, was schon vor vollendeten Tatsachen stand, da die Wehrmacht nur innerhalb weniger Stunden das Land besetzt hatte, war das ein besonders wichtiger Punkt, da die bereits nazifizierte deutsche Minderheit in Südjütland den Anschluß ans Reich anstrebte. Aufgrund dieser Zusicherung nahm die dänische Regierung unter Ministerpräsident Thorvald Stauning und König Christian X. das Ultimatum (unter Protest) an. Desweiteren entschied sich die Regierung, um die Hager Konvention umgehen zu können, dafür, daß der Überfall nicht kriegerischer Natur war. Somit wollte sie erreichen, daß Dänemark auch weiterhin eigenständig regiert, und die Beziehung zur Besatzungsmacht rein diplomatischer Natur bliebe.21

Dieses kollaboratorische Verhalten der dänischen Regierung paßte sehr gut in die Pläne Deutschlands. So sollten Maßnahmen der Okkupanten durch die legitime dänische Regierung ausgeführt werden, wovon sich der Gesandte des Reiches22 Cecil von Renthe- Fink eine leichtere Durchsetzung von Zielen der deutschen Außenpolitik versprach.

Wie weit jedoch die Souveränität Dänemarks garantiert war, das zeigte sich, als v. Renthe-Fink auf Weisung von Außenminister v. Ribbentrop damit begann ein „Schattenregime“ aufzubauen. Die Befugnisse der Gesandtschaft wurden soweit ausgebaut, daß der gesandtschaftliche Status nur pro forma aufrecht erhalten wurde. So wurden an verschiedenen wichtigen Stellen des dänischen Staates deutsche Beobachter eingesetzt, die auch das politische und wirtschaftliche Handeln des skandinavischen Landes beeinflußten. Bemerkenswerter Weise war zum Beispiel das Amt III des SD-Inland für Dänemark zuständig. Das zeigt, daß Hitlers Ziel, die Schaffung eines großgermanischen Reiches nicht nur pure Phantasie gewesen sein muß, sondern auch praktisch verfolgt wurde. Zwar hatte dieses „Schattenregime“ keine legislative und exekutive Macht in Dänemark, konnte aber trotz allem die Geschicke des Landes verdeckt lenken.23 Unterstützt wurden diese Aktionen von Volks- und Reichsdeutschen, die in der dänischen Wirtschaft arbeiteten. Dadurch wurden auch Rüstungsaufträge nach Dänemark vergeben. Desweiteren hatte Deutschland willige Helfer in der DNSAP (Danmarks Nationalsocialistiske Arbejderparti), der Partei von Frits Clausen, gefunden. Doch die DNSAP, die eine schlechte Kopie der NSDAP darstellte, war weder mächtig genug, noch hatte sie ausreichend Zulauf, um eine wirklich tragende Rolle bei Okkupation spielen zu können. Außerdem war die deutsche Führung zunächst nicht daran interessiert, die politische Ordnung in Dänemark völlig auf den Kopf zu stellen. Paßte das doch gut in ihr Konzept, daß Deutschland eine Schutzmacht für Dänemark und Norwegen sei.

Den Schutzmachtanspruch hegte das Dritte Reich, weil England am 5. April 1940 die Küstengewässer Norwegens zu verminen begann. Goebbels schrieb dazu in seinen Tagebüchern:

Paris und London richten eine scheinheilige Botschaft an Norwegen: Sie werden die norwegischen Territorialgew ä sser mit Minen belegen. Ma ß nahme gegen deutsche Schiffahrt, auch offen als solche ausgegeben. Das ist das Sprungbrett, das wir suchten. 24 Sein Urteil über die englische Führung fällt demnach so aus: In London regiert augenblicklich das stupideste Gesindel, das Gottes Sonne bescheint. 25

Diese Äußerungen von Joseph Goebbels zeigen, welche Ambitionen das Dritte Reich eigentlich hatte, denn nichts lag der Realität ferner, als daß Deutschland die Schutzmacht für Dänemark und Norwegen gewesen wäre. Es wurden Gründe gesucht und damit auch gefunden, um die „Operation Weserübung“ zu legitimieren.

Desweiteren sollte Dänemark in eine Wirtschaftsunion mit dem Deutschen Reich geführt werden. Das hätte aber die Totalaufgabe der staatlichen Integrität bedeutet, so war angedacht, in Dänemark die Reichsmark als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen. Doch diese Bestrebungen der deutschen Führung wurden von den dänischen Unterhändlern, unter der Leitung des sonst recht kollaborationswilligen Industriellen Gunnar Larson, zurückgewiesen. Somit mußten die deutschen Verhandlungspartner ihr Konzept für die „Eingliederung Dänemarks in den Großwirtschaftsraum“ auch nach mehreren Verhandlungsrunden als gescheitert ansehen. Diese Verhandlungen sind in Gang gekommen, weil sich die dänische Regierung, aufgrund der militärischen Erfolge Deutschlands und der verstärkten Aktivitäten der einheimischen Faschisten, dazu genötigt sah enger mit Deutschland zusammenzuarbeiten, um ihre Stellung festigen zu können.

Nach dem 10. Juni 1940, dem Tag an dem der Feldzug in Norwegen endete, wurde Dänemark zum offiziellen „Heimatkriegsgebiet“ erklärt. Die dänische Regierung ließ sich, aufgrund des Scheiterns der

Gespräche zur Schaffung einer „Wirtschaftsunion“ und der Befürchtung von „norwegischen Zuständen“ zu immer mehr Zugeständnissen drängen. Auch die dänischen Faschisten übten immer mehr Druck aus, denn sie wollten die für sie günstige Okkupationspolitik nutzen, um rasch die Macht zu ergreifen. Doch v. Renthe-Fink hielt die DNSAP für nicht stark genug, um ohne maßgebliche deutsche Hilfe an die Macht zu kommen. Seiner Meinung nach sollten die dänischen Faschisten nicht durch einen Staatsstreich, sondern „demokratisch“ zur Machtergreifung gelangen, da er befürchtete, daß König Christian X. sich weigern würde, Frits Clausen mit der Regierungsbildung zu betrauen. Deshalb wurde nun von Seiten v. Renthe-Finks versucht, den Ministerpräsidenten Stauning zu stürzen, da man auf deutscher Seite eine Regierungs-, aber keine Königskrise hinnehmen konnte. Da der König Dänemarks höchste politische Instanz im Lande ist. Doch Stauning konnte nicht gestürzt werden, da Christian X. die Bildung einer parteipolitisch unabhängigen Regierung für verfassungswidrig erklärte. Deshalb blieb der dänische Ministerpräsident bis zu seinem Tod am 3. Mai 1942 im Amt.26

Daß es auch weiterhin bei der „gemäßigten“ Gangart der deutschen Okkupation blieb, war darauf zurückzuführen, daß Dänemark eine unverzichtbare Position für die deutsche Kriegsführung hatte, da zum Beispiel die Lieferung von landwirtschaftlichen Produkten äußerst wichtig war. Das Scheitern des Blitzkrieges im Osten hätte die Besatzungspolitik verschärfen können, doch Cecil v. Renthe-Fink riet, die dänische Regierung zu stärken. Es wurden, als letzter Versuch zur Beibehaltung der Zusicherungen vom 9. April 1940, verschiedene Zugeständnisse gemacht. So wurde darauf verzichtet, daß Dänemark den USA den Krieg erklären sollte. Außerdem brauchten die Dänen keine Gesetze gegen Juden nach deutschem Vorbild zu erlassen. Auch sollte die dänische Währung aufgewertet werden, wie es die Delegation schon bei den Gesprächen zur Wirtschaftsunion gefordert hatte, um die Inflation und die daraus resultierende Unzufriedenheit der Dänen zu bremsen.27

Nachdem jedoch der Widerstand und die Zahl der Sabotageakte bis 1942 stark angewachsen war, versuchte die deutsche Okkupationsmacht die Maßnahmen der Besatzung zu verschärfen. Daraufhin wurde die „Telegrammkrise“ inszeniert. Es handelte sich dabei allerdings um einen recht merkwürdigen Vorwand. Hitler schickte König Christian X. zu dessen 72. Geburtstag ein Glückwunschtelegramm. Der König dankte ihm in seinem Antworttelegramm, doch den neutralen Inhalt wollte Hitler als Affront auffassen und ordnete den Abzug des deutschen Gesandten aus Kopenhagen an. Der dänische Gesandte mußte ebenfalls seinen Posten verlassen. Doch die Bedenken, eine radikale Wendung der Politik würde sich ungünstig auswirken, vermehrten sich im Auswärtigen Amt. Es wurde befürchtet, daß das die eigentlichen machtpolitischen Ziele des deutschen Reiches zu früh offenbaren würde. Desweiteren wäre ein größerer Einsatz von Machtmitteln nötig, um die Situation in Dänemark beherrschen zu können. Auch der Rückgang der wichtigen

dänischen Kriegswirtschaft wurde befürchtet. Deshalb sollte die dänische Wirtschaft auf das Engste mit der deutschen verknüpft werden, um dem Land zu zeigen, daß es ohne Deutschland nicht lebensfähig sei. Das war notwendig, um Dänemark leichter kontrollieren zu können und das Land als militärische Brücke zur norwegischen Atlantikküste zu halten.28

Um diese Vorstellung einer völligen Abhängigkeit Dänemarks verwirklichen zu können, wurde der dänische Außenminister Scavenius von v. Ribbentrop, dem deutschen Außenminister angewiesen, eine neue Regierung zu bilden. Diese sollte alle diese Vorhaben des Dritten Reiches verwirklichen, und zwar mit einem vom Folketing, dem dänischen Parlament, verabschiedeten Ermächtigungsgesetz. Dieses Gesetz sollte dann die Vorstellungen der Besatzungsmacht auch gegen eventuellen Widerstand durchsetzen. Scavenius willigte ein, ließ sich aber die personelle Zusammensetzung seiner Regierung nicht vorschreiben. Nach der „Telegrammkrise“ wurde es jedoch nicht geschafft, die Okkupationspolitik grundlegend zu wandeln, denn die dänische Regierung war immer noch parlamentarisch und deshalb nicht völlig auf die Erfüllung der deutschen Forderungen ausgerichtet. Deshalb kann hierbei nur von einer Modifikation gesprochen werden. Zwar war nun der Dänische Außenminister auch Regierungschef, doch konnte er den Einfluß Deutschlands nicht übermäßig steigern.

Der Folketing verabschiedete zwar 11. November 1942 ein Ermächtigungsgesetz, doch es war nicht sicher, ob die Regierung davon Gebrauch machen würde. Obwohl sie eine Aktion gegen dänische Kommunisten, die festgenommen und deren Führungspersonen vor das Kriegsgericht gestellt wurden, billigte.29

Am 23. März 1943 fanden in Dänemark Reichstagswahlen statt, die von der Okkupationsmacht auch begrüßt wurden, denn es war notwendig, wenn der Deckmantel der Schutzmacht erhalten bleiben sollte, eine legitime Regierung zu haben, die kollaborationsbereit war.

Eine klare Absage an die Okkupanten erteilten die Dänen damit, daß die DNSAP nicht gestärkt in den Folketing ging.30

Aufgrund des Ansteigens der Sabotageakte forderte Best beim Auswärtigen Amt eine Verstärkung der Polizeikräfte. Desweiteren wurde geplant, das dänische Heer, das nicht wie die Marine in die deutsche Kriegsstrategie eingebunden war, größtenteils aufzulösen und die Ausrüstung an die Wehrmacht zu übergeben.

Dadurch, daß sich die militärische Lage Deutschlands verschlechterte und der Wehrmachtstransit durch Schweden nach Norwegen eingeschränkt wurde, gewann Dänemark zunehmend an Bedeutung. Norwegen zu halten, war einer der wichtigsten Grundsätze der deutschen Führung, deshalb wurde Dänemarks Brückenfunktion immer wichtiger. Aufgrund der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung und daraus resultierenden Arbeitsniederlegungen und Aktionen des Widerstandes wurden die deutschen Sicherheitskräfte in Dänemark verstärkt.

Nachdem sich die Proteste jedoch auf fast das ganze Land ausweiteten, plante Werner Best den Ausnahmezustand zu verhängen. Er wurde aber nach Deutschland zitiert, wo ihm der Reichsaußenminister ein Ultimatum für die dänische Regierung überreichte. Mit dieser Aktion sollte auf jeden Fall der Anschein erregt werden, daß man in Deutschland immer noch nach einer friedlichen Konfliktlösung suche. Die Regierung Dänemarks ging jedoch nicht auf die Forderungen nach der Verhängung des Ausnahmezustandes und der Einführung der Todesstrafe für Widerstandsakte ein. Die Nichtannahme der deutschen Forderungen stand für die Okkupanten von vornherein fest.31 Aus diesem Grunde konnte der militärische Befehlshaber General von Hanneken aktiv werden, er verhängte am 29. August 1943 den Ausnahmezustand für das ganze Land und erklärte die dänische Regierung für abgesetzt. Mit diesem Tage sollte sich das Blatt für Dänemark wenden.

Es kam zu einer neuen Qualität der Okkupation, vergleichbar mit Norwegen. Aufgrund dieser Wendung kann man von zwei Phasen in der deutschen Besatzungspolitik sprechen, die erste dauerte bis zum 29. August 1943, die ein scheinbar souveränes Dänemark zur Grundlage hatte. Die Zweite Phase dauerte bis in das Jahr 1945, bei der Dänemark de facto dem deutschen Reich einverleibt worden war. Best zeigte sich jedoch in einem Schreiben an Himmler vom 30. August 1943 unzufrieden mit dem Ablaufen der neuen Okkupationspolitik. Er wollte eigentlich in Dänemark mit einer parlamentarisch und politisch nicht gebundenen Zivilverwaltung arbeiten, nicht jedoch unter dem Oberbefehl von v. Hanneken.

Inzwischen haben sich ohne meine Schuld die Ereignisse ü berst ü rzt. Am 24. 8. 43 wurde ich zum Au ß enminister bestellt, der mir schwere Vorw ü rfe machte, weil in D ä nemark alles drunter und dr ü ber ginge. Ich stelle anhand der mir vorgelegten Fernschreiben fest, da ß seit einiger Zeit der General von Hanneken t ä glich jede Kleinigkeit, die in D ä nemark geschah, berichtet hatte. Von meinen Bem ü hungen, die Dinge mit politischen Mitteln - andere hatte ich ja kaum - zu bew ä ltigen und von den hierbei erzielten Erfolgen war selbstverst ä ndlich nie die Rede. [...] Ich bin jetzt immer noch der Ü berzeugung, da ß dieser gewaltsame Kurswechsel nicht n ö tig war. [...] Schlie ß lich ist das politische Paradepferd D ä nemark tot. 32

Trotz seiner Kritik trug Best auch weiterhin die politische Verantwortung der Okkupation in Dänemark.

Es kam aufgrund dessen zu Widerständen bei den dänischen Streitkräften, dort trafen deutsche Einheiten auf teilweise erheblichen Widerstand. Die dänische Marine organisierte ihren Widerstand gegen die „neuen Herren“ im Lande relativ straff und versenkte in 29 Fällen ihre eigenen Fahrzeuge. Ein Torpedoboot und ein Minenräumschiff konnten unterdessen nach Schweden fliehen.

Nachdem Deutschland nun freie Bahn hatte, sollte auch in Dänemark die „Judenfrage“ gelöst werden. Doch eine spektakuläre Rettungsaktion machte dem Okkupationsregime einen Strich durch die Rechnung. Hans Hedtoft-Hansen, der ehemalige Chef der dänischen Sozialdemokraten, wurde von Georg Ferdinand Duckwitz, dem deutschen Schiffssachverständigen, gewarnt. Daraufhin konnten über 7000 dänische Juden kurzfristig nach Schweden in Sicherheit gebracht werden. Diese Aktion war ein Ausdruck für die steigende Stärke des Widerstandes, dem keine Regierung mehr im Weg stand.

Die Okkupationspolitik wurde durch die Behörde des Reichsbevollmächtigten Werner Best geführt. Die Ministerposten wurden unter den dienstältesten Departementschefs aufgeteilt. Der Reichsbevollmächtigte hätte als Reichskommissar, wie in Norwegen, fungieren können, wenn er die entsprechende exekutive und legislative Gewalt bekommen hätte. Das war jedoch nur zum Teil der Fall, da er weiterhin dem Außenminister unterstellt war und auch die Verfügungsgewalt über die eingesetzten SS- und Polizeikräfte verlor. Demnach hatte sich nicht die Stellung Bests verbessert, sondern General v. Hanneken ging gestärkt aus der zweiten Okkupation hervor, seine Kompetenzen wurden erweitert, weil eine alliierte Invasion in Dänemark befürchtet wurde.

Es wurde von seiten des Reichsbevollmächtigten, des Höheren SS- und Polizeiführers und des Wehrmachtbefehlshabers darauf verzichtet, „Sühnemaßnahmen“ durchzuführen. Die Dänen sollten nicht in den Widerstand getrieben werden, denn sie wurden zum Beispiel für die Landwirtschaft gebraucht, die im übrigen äußerst wichtig für Deutschland war.

Der Widerstand sollte durch eine sicherheitspolizeiliche Durchdringung des Landes und die Vernichtung von Widerstandsgruppen ausgeschaltet werden. Deshalb verhaftete die Gestapo in den ersten drei Monaten ihrer Tätigkeit in Dänemark 169 Widerständler wegen Sabotage und 424 wegen sonstiger illegaler Betätigung. 184 von ihnen wurden in deutschen Konzentrationslagern interniert.

Doch Werner Best, der Höhere SS- und Polizeiführer Panke und Wehrmachtsbefehlshaber v. Hanneken konnten sich mit dieser Strategie nicht durchsetzen. Am 30. Dezember 1943 wurden sie ins Führerhauptquartier beordert, wo sie durch Hitler auf einen „terroristischen“ Kurs in der Okkupation festgelegt wurden. Die dänische Bevölkerung sollte durch Willkürakte eingeschüchtert werden, um das Land ruhig zu halten. Zu Beginn des Jahres 1940 wurden diese Maßnahmen begonnen. Dabei griffen die Okkupanten auch auf die dänischen Nationalsozialisten zurück, die die Entscheidungen willig mittrugen.

Außerdem erreichte Reichsbevollmächtigter Best bei der Beratung mit Hitler am 30. Dezember, daß er künftig auch Verordnungen erlassen konnte. Am 24. April 1944 verfügte er, daß das SS- und Polizeigericht dänische Widerständler aburteilen kann. Doch ungeachtet des nun immer härter werdenden Durchgreifens der Okkupationsmacht ließ sich die Zahl der Widerstandsakte nicht verringern. Am 6. Juni 1944, dem Tag der alliierten Landung in der Normandie, wurde ein wichtiger Zulieferbetrieb der Luftwaffe von dänischen bürgerlichen Partisanen gesprengt. Damit wurde der Partisanenkampf gegen die Okkupanten in Dänemark eingeläutet. Im Laufe der Zeit kam es zu immer mehr solcher Sabotageakte, bei denen zum Beispiel auch Waffen erbeutet wurden.

Reichsbevollmächtigter Best verhängte in diesen Fällen den „zivilen“ Ausnahmezustand. Es kam zu „Vergeltungsakten“. Die Okkupanten zerstörten berühmte Gebäude, wie das „Tivoli“. Die Aktionen riefen umgehend Proteste in der Kopenhagener Bevölkerung hervor. Als die Lage für die deutschen Truppen immer brenzliger wurde, besetzten sie Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke und kontrollierten somit die Versorgungsleitungen. Der Kommandant der deutschen Truppen auf Seeland33 General Ernst Richter verhängte den „militärischen“ Ausnahmezustand und übernahm die vollziehende Gewalt. Er ließ Kopenhagen hermetisch abriegeln und wichtige Plätze der Stadt besetzen. Patrouillen in gepanzerten Wagen versuchten die Streikenden von Demonstrationen abzuhalten. Dabei wurde rücksichtslos von den Schußwaffen Gebrauch gemacht. Es wurde sogar gedroht, einzelne Stadtviertel Kopenhagens zu bombadieren. Doch es gelang nicht, den „Volksstreik“ vom 1. Juli 1944 zu beenden. Die Demonstranten lenkten erst ein, als ihre Forderungen nach Aufhebung der Terrormaßnahmen und Verzicht auf Repressalien am 4. Juli erfüllt wurden. Außerdem wurde der Abzug der Gruppen von dänischen Nazis gefordert, auch das wurde erfüllt. Diese Proteste und Streiks veranlaßten die deutsche Führung zu einen noch härteren Durchgreifen in den besetzten Gebieten.

Richtlinien: Terror kann nur mit Gegenterror begegnet werden, Kriegsgerichtsurteile schaffen M ä rtyrer und Nationalhelden. Wird eine deutsche Truppe oder ein einzelner Soldat in irgendeiner Form angegriffen, so ist der F ü hrer dieser Truppe bzw. einzelner Soldat verpflichtet, sofort von sich aus selbst ä ndig Gegenma ß nahmen zu treffen, insbesondere Terroristen zu vernichten. 34

Am 30. Juli 1944 trat dann Hitlers „Terror- und Sabotageerlaß“ in Kraft. Dadurch wurde die Gerichtsbarkeit gegenüber Widerständlern aufgehoben. Jeder Soldat konnte diese erschießen oder sie der Gestapo übergeben.

Doch nicht nur Widerstandskämpfer wurden verfolgt, denn es wurde begonnen, auch Aktionen gegen die dänische Polizei und die Grenztruppen zu starten. Die Polizisten verhielten sich während der Proteste weitgehend passiv, wodurch sie aus deutscher Sicht nicht mehr tragbar waren. Außerdem konnten die Okkupanten somit auch noch die letzte legitime Gewalt in Dänemark ausschalten. Der Höhere SS- und Polizeiführer Panke erklärte die dänische Polizei für aufgelöst und übernahm die Polizeigewalt. Damit schaffte es die Okkupationsmacht, die Geschicke Dänemarks in jeder Hinsicht an sich zu binden. Über 2000 Polizisten und 250 Grenzer wurden deportiert. Der größte Teil von ihnen wurde in den KZs Buchenwald und Neuengamme interniert und dort teilweise umgebracht.

Das Ende der Okkupation in Dänemark und Norwegen werde ich gemeinsam betrachten.

2.2 Die Okkupation in Norwegen

Der Unterschied zwischen der Okkupation in Dänemark und der in Norwegen liegt darin, daß das Durchgreifen der deutschen Okkupanten dort von Anfang an mit äußerster Härte voranging. Es wurde nicht versucht ein „souveränes“ Norwegen zu erhalten, da die Gegenwehr bei der Besetzung dieses skandinavischen Landes sehr erbittert war.

Wie der dänischen Regierung wurde auch der norwegischen ein Memorandum der deutschen Führung am 9. April 1940 überreicht. Doch die geplante schnelle Besetzung des Landes verzögerte sich, es kam zu einem 62-tägigen Feldzug, der am 10. Juni 1940 endete. Wie wenig mit dieser starken Gegenwehr gerechnet wurde zeigt, daß aufgrund der Besetzung Norwegens der Westfeldzug um mehrere Wochen verschoben wurde.

Da die norwegische Küstenverteidigung am Morgen des 9. April den schweren Kreuzer „Blücher“ im Oslofjord versenkte, wurde die Besetzung der Hauptstadt um einige Stunden verzögert. Daraufhin waren keine deutschen Truppen in der Nähe, als der Gesandte und Bevollmächtigte des deutschen Reiches Curt Bräuer das Memorandum übergab. Die norwegische Regierung lehnte ab und konnte sich mit der königlichen Familie ins Landesinnere absetzen. Das verzögerte natürlich die Besetzung enorm. Hätte man der Regierung habhaft werden können, dann wäre Norwegen in relativ kurzer Zeit zu beherrschen gewesen. Denn sie sollte, im Falle einer Ablehnung der Forderungen, durch willige Helfer ersetzt werden.

Am 9. April rief Vidkun Quisling, der Führer der „Nasjonal Samling“ seine „nationale Regierung“ aus. Doch auch das verbesserte die Lage der Okkupanten nicht, da sie König Haakon VII. nicht in ihrer Gewalt hatten, der diese wohl eher scheinbar nationale Regierung anerkennen sollte.

Auch war die Regierung um Quisling kaum handlungsfähig, so daß eine Kollaboration, wie sie von einigen Kreisen des norwegischen Großbürgertums angestrebt wurde, nicht legitimiert werden konnte. Erst nachdem Bräuer Quisling zum Rücktritt bewegte, ernannte das oberste Gericht Norwegens einen „Verwaltungsausschuß für die besetzten norwegischen Gebiete“, dieser sollte mit den Besatzern kollaborieren. Doch der Ausschuß war nicht mächtig genug, die Kampfhandlungen beenden zu lassen. Daraufhin wurde Bräuer nach Berlin zurückbeordert und durch Josef Terboven ersetzt. Terboven wurde zum „Reichskommissar für die besetzten norwegischen Gebiete“ ernannt und damit betraut, die Geschicke Norwegens im Sinne des Dritten Reiches zu lenken. Auf Terbovens Betreiben hin wurde die Gesandtschaft aufgelöst. Dadurch verlor das Auswärtige Amt seine Zuständigkeit für das besetzte Norwegen.

Doch trotz dessen versuchte der Reichskommissar die vorher geplante Strategie, bei der die Okkupation wie in Dänemark vonstatten gehen sollte, zu verfolgen. Er nahm Kontakt zu im Lande verbliebenen Mitgliedern des Stortings35 auf, um eine kollaborationswillige Regierung aufzubauen. Es wurden bei den Verhandlungen durchaus Erfolge erzielt. Wenn Quisling bei diesen Planungen ausgeklammert und an die Stelle des Reichskommissars ein „Bevollmächtigter des deutschen Reiches“ treten würde, dann würden die Norweger kollaborieren. Doch diese Pläne stießen bei Hitler und verschiedenen Teilen der deutschen Führung auf Widerspruch. So sollte Quisling bedingungslos unterstützt werden und seine Anhänger in die norwegische Regierung kommen.

Daraufhin lehnten die norwegischen Verhandlungspartner ab. Terboven erklärte König Haakon VII. und die legitime Regierung für abgesetzt. Er baute dann eine „eigene“ Regierung auf, die aus Mitgliedern der NS (Nasjonal Samling) bestand und verbot alle politischen Parteien bis auf die NS.

Durch das Verbot aller anderen politischen Parteien war es gelungen dem Widerstand zunächst seine politische Plattform zu entziehen und das besetzte Norwegen „zu befrieden“.

Doch es ging natürlich nicht nur darum Norwegen politisch zu beherrschen. Es wurde eine wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und Norwegen angestrebt. Bei Planung und Ausführung dieses Vorhabens waren führende deutsche Banken und Firmen ausschlaggebend. Norwegen sollte wirtschaftlich ausgebeutet werden. Wichtige norwegische Firmen sollten schnell in deutschen Besitz übergehen, wobei Terboven die notwendigen Gesetze erlassen sollte. Doch nicht nur deutsche Firmen witterten große Gewinne, sondern zum Beispiel auch die „Norsk Hydro“, die einzige europäische Firma, die schweres Wasser (Deuterium) herstellte. Mit Hilfe des Deuterium, das nach der Besetzung für Deutschland produziert wurde, hätte die Atombombe entwickelt werden können. Durch diesen für die deutsche Führung „glücklichen Zufall“ hätte sich Hitlers „Traum von der Superwaffe“ erfüllen können.36 Auch das macht Norwegen zu einem unverzichtbaren Faktor bei der geplanten „Neuordnung Europas“. Durch diese angestrebte Vernetzung sollte laut Göring, Norwegen zu Deutschland kommen. Hitler plante Trondheim zum Flottenstützpunkt zu machen, und wollte eine deutsche Stadt in Norwegen errichten.

Auch die reichhaltigen Ressourcen des Landes wurden ausgebeutet. Besonders auf Aluminium wurde Wert gelegt, um zum Beispiel die Flugzeugproduktion anzukurbeln. Durch diese Maßnahmen wurde Norwegen quasi wirtschaftspolitisch annektiert.

Mit dem Einsetzen der Planungen für den Angriff auf die Sowjetunion wurde Nordnorwegen zur Operationsbasis erklärt. Daraufhin mußten Straßen und Brücken ausgebaut werden, um die geplanten Truppentransporte zu bewältigen. Außerdem wurden Küstenstreifen durch Artillerie gesichert, um die Transporte gegen alliierte Angriffe zu schützen. Diese Maßnahmen gingen an die Grenze der Belastbarkeit Norwegens. Reichskommissar Terboven protestierte - zwar erfolglos - gegen diese Vorhaben, weil er aufgrund dessen Unruhen in der Bevölkerung befürchtete.

Durch diese verstärkte militärische Nutzung Nordnorwegens und der befürchteten Unruhen mußte auch die erneute Einsetzung einer Quisling-Regierung ausbleiben.

Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Norwegens, aufgrund seines Status als „Operationsgebiet“ der Wehrmacht, führte zu einer Verschärfung der inneren Lage. Terboven versuchte, dem mit einem zivilen Ausnahmezustand zu begegnen, den er das erste Mal im Raum Oslo zwischen den 10. und 16. September 1942 verhängte. Dort ist es, aufgrund der Einführung einer Milchrationierung zum Streik gekommen. Dem „Milchstreik“ schlossen sich zirka 25 000 Norweger an. Um diesen niederzuschlagen ließ Terboven zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre verhaften und vom SS- und Polizeigericht Nord aburteilen. Nach gewaltsamer Beendigung des Streiks und Aufhebung des Ausnahmezustandes führte der Reichskommissar die Todesstrafe ein. Damit wurde die Okkupationspolitik gegen Norwegen stark verschärft.37

Unmittelbar nach der Niederschlagung des „Milchstreiks“ sollte der zweite Versuch unternommen werden, eine Quisling-Regierung zu etablieren. Die von Terboven ernannten kommissarischen Staatsräte, die in der Zwischenzeit zu Ministern gemacht wurden, sollten ihm den Rücktritt anbieten und Quisling um die Übernahme des Amtes als Ministerpräsident „bitten“. Es sollte eine „nationale“ Regierung geschaffen werden. Doch über Kompetenzen des „Ministerpräsidenten“ wurde nichts gesagt. Das läßt darauf schließen, daß dort eine Marionettenregierung installiert werden sollte, um die Ziele der Okkupanten zu legitimieren. In dem Fall ist ein Vergleich zum Vorgehen in Dänemark durchaus sinnvoll. Außerdem sollten die Schweden als Schutzmacht Norwegens dadurch ausgehebelt werden, denn Schweden hatte die diplomatische Vertretung Norwegens vorübergehend übernommen.

Die Regierung unter Vidkun Quisling wollte möglichst schnell „Frieden mit Deutschland“ schließen und einen „Riksting“38 konstituieren. Dieses Pseudoparlament sollte die NS-Regierung legitimieren. Doch aufgrund des hohen Interesses Deutschlands, insbesondere der deutschen Wirtschaft, Norwegens Ressourcen auszubeuten, und die kriegswichtige Infrastruktur des Landes auszubauen, konnten diese Pläne der Quisling-Regierung nicht verwirklicht werden. Die deutsche Seite behielt sich jedoch vor, die Lage zu prüfen, um nach neuen militärischen Siegen eventuell doch einen Friedensvertrag zu schließen. Norwegen wäre dadurch zu einer Art Protektorat geworden. Man setzte jedoch nicht allzuviel Vertrauen in das NS-Regime, da dessen Akzeptanz in der Bevölkerung sehr gering war, und versuchte insgeheim eine Kollaborationsregierung ohne Beteiligung der „Nasjonal Samling“ zu errichten. Diese Bestrebungen scheiterten.

Der Widerstand in Norwegen wird immer stärker. Über die Vorgehensweise waren sich die Widerstandsgruppen jedoch einig. Die norwegischen Kommunisten beschränken sich hauptsächlich auf den aktiven Widerstand. Die Berufs- und Interessenverbände versuchen sich mit Aktionsausschüssen am passiven Widerstand, wie er auch von der norwegischen Exilregierung gefordert wurde, zu beteiligen. Das Oberste Gericht hatte dominierenden Einfluß auf den wachsenden Widerstand gegen die Quisling-Regierung und die Okkupationsmacht.

Reichskommissar Terboven reagierte mit äußerster Härte auf den Widerstand. So wurde zum Beispiel jeder zehnte Lehrer festgenommen und zur Zwangsarbeit eingesetzt, als an den Schulen eine Protestwelle gegen die Vorhaben der Regierung, zum Aufbau von Jugendorganisationen nach deutschen Vorbild, anrollte. Ansonsten wurden zahlreiche Vergeltungsmaßnahmen durchgeführt, um Widerständler einzuschüchtern.

Nach Terbovens Bericht über die Lage in Norwegen, vom 11. August 1942, entschied Hitler, daß es zu Kriegszeiten zwischen beiden Ländern keinen Friedensschluß geben würde. Somit waren auch die Bestrebungen der „Nasjonal Samling“ zur Konstituierung des „Rikstings“ hinfällig geworden.

Trotz allem sollten die norwegischen Nationalsozialisten mit ihrer „nationalen“ Regierung weiterhin gestärkt werden. Daraufhin wurde die Verfolgung von norwegischen Juden stark verschärft. Am 6. Oktober 1942 verhängte Terboven abermals den zivilen Ausnahmezustand, diesmal für den Raum Trondheim. An den Razzien und Verhaftungen in Trondheim wirkten auch NS-Mitglieder mit. 34 Norweger wurden standrechtlich erschossen, um Sabotageakte zu rächen. Außerdem wurden sämtliche jüdische Männer verhaftet, die dann in norwegische Lager der Polizei, Sicherheitspolizei (Sipo) und des Sicherheitsdienstes (SD) interniert wurden. Nach außen hin standen die Judenrazzien, die schlagartig am 26. Oktober 1942 begannen, unter der Regie der Regierung Quislings. Es hatten sich jedoch zuvor zirka 800 von insgesamt 1700 jüdischen Norwegern über die schwedische Grenze geflüchtet.

Die deutsche Führung befürchtete, nachdem sich das Blatt im Krieg zu wenden begann, eine Landung alliierter Truppen in Norwegen. Aufgrund dessen sollten die militärischen Anlagen weiter ausgebaut werden, denn Hitler wollte Norwegen auf keinen Fall preisgeben. Doch es mangelte an Material, Transportmitteln und auch an Strafgefangenen, die sonst zur Zwangsarbeit herangezogen worden wären. Auch ein Transport der Häftlinge aus Deutschland oder anderen Gebieten kam nicht in Frage, weil das den engen Rahmen an Transportmöglichkeiten gesprengt hätte. Jedoch fanden Terboven und Quisling eine „Lösung“. Am 22. Februar 1942 proklamierten sie das „Gesetz über den nationalen Arbeitseinsatz“, das nicht Strafgefangene, sondern die Norweger selbst zur Zwangsarbeit verpflichtete. Die Zwangsarbeiter sollten in der Folgezeit die verschiedenen Planungen, um Norwegen halten zu können, umsetzen.39

Durch dieses Gesetz wurde der Widerstand natürlich immer stärker mobilisiert. Es kam zu mehreren Sprengstoffanschlägen auf Arbeitsämter. Es sollte verhindert werden, daß die massenhafte Zwangsrekrutierung anlaufen konnte. Dies geschah auch mit Erfolg. Nur 3000 Norweger, von anfangs geplanten 10 000, wurden bis Ende April 1943 zur Zwangsarbeit geschickt.

Der Übergang zum aktiven Widerstand in Norwegen wurde durch alliierte Angriffe begleitet. Wichtigstes Ziel dieser Aktionen war das Kraftwerk in Vemork, in dem die „Norsk Hydro“ schweres Wasser herstellte. Dadurch gingen, durch einen Luftangriff von 16. November 1943, zirka 60 Kilogramm Deuterium verloren. Dies geschah, nachdem schon ein Trupp von sechs norwegischen Soldaten, am 28. Februar 1943, die Konzentrationsanlage sprengt und daraufhin 1500 Kilogramm schweres Wasser vernichtet wurden. Deshalb wollte die deutsche Führung die Anlage nach Deutschland evakuieren, doch das für den Transport bestimmte Schiff wurde versenkt.40 Dadurch wurde die deutsche Atombombenentwicklung auf das Empfindlichste gestört.

Aufgrund dieses Zusammenwirkens von Widerstand und Alliierten reagierte der Reichskommissar wieder mit äußerster Härte gegen Opponenten. Es wurden unter anderem, am 16. August 1943, die norwegischen Polizeibeamten einer Loyalitätsprüfung unterzogen. Wer sich weigerte, wurde festgenommen. Etwa 470 Polizisten wurden in KZs interniert und einige von ihnen zur „Umerziehung“ geschickt. Auch norwegische Offiziere wurden dazu angehalten, ihre Loyalität zur Okkupationsmacht zu bekunden. Auch dabei wurden die, die sich weigerten, in Lager deportiert.

Alle militärischen Ziele der deutschen Okkupationsmacht standen in dieser Zeit unter dem Licht einer vermuteten Landung alliierter Truppen. Es wurde befürchtet, daß Schweden, das auch unwiederbringlich indirekt unter deutscher Einflußnahme stand, sich offen auf die Seite der Alliierten stellen könnte und dadurch die norwegische Ostgrenze einen guten Angriffspunkt böte. Daraufhin wurde die Grenze in Mittel- und Nordnorwegen stärker befestigt. Außerdem wurden weitere U-Boote an der nordnorwegischen Küste konzentriert. Die eigene Transportschiffahrt zu schützen wurde dabei die Hauptprämisse, da die Versuche die alliierte Schiffahrt im Nordmeer zu unterbinden fehlschlugen.

Mit der Vorbereitung der Maßnahmen zur Abwehr einer alliierten Invasion kam es zu einer weiteren Verschärfung der Terrormaßnahmen. Dadurch sollte auch noch der letzte Widerstand gebrochen werden, um sich voll auf die „Verteidigung“ Norwegens konzentrieren zu können. Initiator des Terror war wiederum Reichskommissar Josef Terboven. Nach einem Sprengstoffanschlag auf einen Wehrmachtstransport ließ er fünf völlig unbeteiligte Norweger erschießen. Ein Brand in der Osloer Universität diente als Aufhänger für die Verhaftung von 30 Lehrern und 1200 Studenten, die in Lagern interniert wurden. Von dort aus wurde ein Teil ins KZ Buchenwald und andere in Ausbildungslager der SS deportiert. Dieser fadenscheinige Grund, der zu diesen Verhaftungen führte, erinnert sehr stark an das Vorgehen nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933, der der Anfang der Kommunistenverfolgung im Dritten Reich war.

Obwohl diese verschärften Terrormaßnahmen teilweisen Widerspruch in der deutschen Führung hervorriefen, galt Terboven jedoch weiterhin als Garant für Ruhe und Ordnung in den besetzten norwegischen Gebieten. Auch die Rüstungsproduktion für Deutschland in Norwegen blieb weiter am Laufen, das blieb auch bis 1944 so. Die Produktionszahlen für die kriegswichtigen Rohstoffe stiegen weiter an. Deshalb wurden die norwegischen Industrieanlagen auch wichtige Angriffspunkte für die alliierte Kriegsführung.

Immer häufiger verbündeten sich die norwegischen Widerständler mit alliierten Einsatzkommandos. Angesichts dieser Entwicklung erklärte Himmler Norwegen zum „Bandenkampfgebiet“. Daraufhin kam es zu weiteren und härteren Schritten gegen die Widerstandsbewegung. Quisling wollte nun in Abstimmung mit dem Reichskommissariat das am 22. Februar 1943 verfügte Gesetz zum „nationalen Arbeitseinsatz“ erneut umsetzen. Alle norwegischen Männer im Alter von 21 bis 23 sollten zur Zwangsarbeit verpflichtet werden, solange sie nicht in der Rüstungsindustrie beschäftigt waren oder bewaffneten NS-Verbänden angehörten. Daraufhin flüchtete ein Großteil der norwegischen Jugendlichen in die Wälder und Berge, um der Zwangsarbeit zu entgehen. Sie nahmen dort häufig mit der Widerstandsbewegung Kontakt auf oder traten in norwegische Polizeiverbände ein, die sich in Schweden formierten.41

Die Reaktion der Quisling-Regierung war, daß diese Jugendlichen verfolgt wurden und keine Lebensmittelkarten mehr bekamen. Am 11. August 1944 wurde diese Regelung jedoch widerrufen, nachdem nach einem Überfall große Mengen Lebensmittelkarten von den Widerständlern erbeutet wurden. Danach sollten die Karten wieder über die Betriebe ausgeteilt werden.

Der Widerstand in Norwegen konnte auch durch die harten Repressalien nicht gebrochen werden, er wurde eher noch stärker. Das zeigt, daß die deutschen Okkupanten und die Quisling-Regierung sich nicht ewig oder nur mit größter Mühe in Norwegen hätten halten können, da die Akzeptanz beider niemals in genügendem Maße vorhanden war.

2.3 Das Ende der deutschen Okkupation in Skandinavien

Auch nach der alliierten Landung in der Normandie, dem D-Day, am 6. Juni 1944, konnte die Okkupation in Dänemark und Norwegen zunächst noch fortgesetzt werden.

Nachdem jedoch die Alliierten und der Widerstand ihre Aktionen gemeinsam koordinierten und Maßnahmen für die Zeit nach der Okkupation vorbereiteten, wurde die deutsche Position in Skandinavien immer wackliger. Besonderen Einfluß auf die Okkupationspolitik hatte die sowjetische Offensive in Karelien42, denn dadurch schied der Verbündete Finnland aus dem Krieg aus und Schweden stellte den Transitverkehr vollends ein.

Durch das Ausscheiden Finnlands war die nördliche Ostgrenze Norwegens nicht mehr zu halten. Nordnorwegen wurde aufgegeben. Am 4. Oktober 1944 ordnete Hitler den Rückzug an, es begann die „Operation Nordlicht“. Drei Tage nach dem Beginn dieser Operation beginnt auch die sowjetische Offensive im Polargebiet, deshalb gestaltet sich der deutsche Rückzug teilweise fluchtartig. Es wurde teilweise nur noch „verbrannte Erde“ zurückgelassen. Es sollte kein anderes Norwegen, außerhalb der deutschen Einflußnahme, entstehen. Deshalb wurden Gehöfte, Straßen und Brücken gesprengt, Industrie- und Hafenanlagen zerstört und Wohnhäuser gebrandschatzt. Hammerfest, Europas nördlichste Stadt, wurde von den zurückziehenden Besatzungstruppen dem Erdboden gleichgemacht. Das war auch das Schicksal verschiedener anderer nordnorwegischer Orte. 20 000 Norweger konnten sich einer zwangsweisen Evakuierung entziehen, indem sie sich vor den Wehrmacht-Suchtrupps versteckten. Fast 40 000 wurden hingegen auf Schiffen zusammengepfercht und in südliche Landesteile verschleppt.43

Das letzte deutsche Schlachtschiff, die „Tirpitz“, wurde am 12. November 1944 durch britische Luftstreitkräfte versenkt, nachdem es vom stark gesicherten Altafjord nach Tromsø verlegt wurde. Außerdem führten die Briten Päzisionsluftangriffe auf die GestapoZentralen in Århus, Kopenhagen, Oslo und Odense durch. Auf diese Aktionen reagierten die Okkupanten mit einer erneuten Verschärfung des Terrors, durch die vor allem auch Sabotageakte gegen Schiffahrt und Eisenbahnverkehr „gesühnt“ werden sollten.

Ganze Belegschaften von Betrieben, in denen es zu Sabotageakten kam, sollten bestraft werden. Das heißt, sie sollten keinen Lohn mehr bekommen oder als KZ-Arbeiter eingesetzt werden. Auf diese Weise wollte man die Sabotage unterbinden, weil davon ausgegangen wurde, daß die Arbeiter die Widerständler nur stillschweigend duldeten und nicht aktiv an der Sabotage beteiligt waren. Da die deutsche Führung

mit solchen Maßnahmen in Frankreich Erfolg hatte, wurde es auch für Dänemark und Norwegen favorisiert.

In Dänemark forderte Generaloberst Lindemann, Nachfolger von v. Hanneken, in Abstimmung mit dem Reichsbevollmächtigtem Best die Wiederaufnahme der Praxis, Widerstandskämpfer zum Tode zu verurteilen und zur Abschreckung die Vollstreckung des Urteils zu veröffentlichen. Bis zum 4. Mai 1945 wurden 65 Todesurteile gegen Widerständler vollstreckt.

Seit Ende 1944 wurde die deutsche Okkupationspolitik in Dänemark und Norwegen immer mehr von wirtschaftlichen Problemen und den Ereignissen an der immer näher rückenden Front überschattet. Nicht nur durch die steigende Zahl von Sabotageakten kam es zu Lieferschwierigkeiten. Auch der Transport von Soldaten und der nordnorwegischen Bevölkerung nahm enorme Mengen an verfügbarem Schiffsraum ein, so daß ausreichende Material- und Produktlieferungen an Deutschland zunächst nicht mehr möglich waren. Auch in Dänemark kam es zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten, da deutsche Flüchtlinge aus dem Osten des Reiches nach Dänemark evakuiert wurden. Bis Anfang Mai 1945 waren es zirka 200 000 Flüchtlinge, zu denen dann auch noch etwa 60 000 verwundete deutsche Soldaten kamen.

Nach dem Selbstmord Hitlers, am 30. April 1945, war Deutschland schon so gut wie geschlagen. Doch trotz dessen trafen sich am 3. Mai 1945 die Repräsentanten der Okkupationsmacht, Best, Terboven, Lindemann und Böhme, der Wehrmachtsbefehlshaber in Norwegen, um das weitere Vorgehen in den beiden skandinavischen Ländern zu besprechen. Bis auf Best sprachen sie sich für eine Fortsetzung des Kampfes aus. Terboven selbst hatte, bevor sich ein Teils der deutschen Führung umbrachte, vorgeschlagen, daß Hitler, Himmler, Goebbels und Bormann nach Norwegen kommen und den Krieg von dort aus weiterführen sollten, wenn Deutschland schon besetzt ist. Das läßt vermuten, daß Deutschland nur Mittel zum Zweck war, um der Naziideologie Auftrieb zu geben.

Dönitz, der Hitlers Nachfolge antrat, ordnete nach diesem Treffen an, daß in Dänemark und Norwegen auch weiterhin „stark und energisch“44 aufgetreten werden sollte. Doch er bezog Dänemark am folgenden Tag mit in die Teilkapitulation ein. Jedoch weigerten sich die Okkupanten, die Insel Bornholm an die sowjetischen Streitkräfte zu übergeben. Erst am 9. Mai 1945 wurde Bornholm nach Kampfhandlungen befreit.

Norwegen wurde aus dieser Teilkapitulation herausgenommen und sollte für weitere Verhandlungen als wichtiges Unterpfand dienen. Nachdem das vorläufige Protokoll zur Kapitulation Deutschlands, am 7. Mai, unterzeichnet war, wurde die Übergabe des deutschen Machtapparates in Skandinavien befohlen. Diese erfolgte am 8. Mai 1945. Dadurch ging die Schreckensherrschaft der „Schutzmacht“ in Dänemark und Norwegen zu Ende.

Der deutschen Okkupationspolitik fielen 1155 Dänen und 2091 Norweger zum Opfer. 113 Dänen und 366 Norweger wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. In Konzentrationslagern kamen von 6 000 internierten Dänen 583 und von 8 000 Norwegern 1 340 um.45 Norwegens „Kollaborateur Nr.1“, Vidkun Quisling, wurde am 9. Mai 1945 verhaftet und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 24. Oktober 1945 vollstreckt.

„Quisling“ wurde nach dem Krieg in Norwegen zur allgemeinen Bezeichnung für Landesverräter und Kollaborateur.

III. Schlußbetrachtung

Meiner Meinung nach sind Dänemark und Norwegen keinesfalls zum Schutz ihrer Neutralität besetzt worden. Auch die Gründe, die in den Verminungsaktionen der Briten gefunden wurden, rechtfertigen diesen Verstoß gegen das Völkerrecht nicht. Obwohl natürlich auch zu überlegen ist, ob die Alliierten nicht ebenfalls die Neutralität der beiden skandinavischen Länder verletzt haben, denn durch die Verminungen zogen sie die beiden Länder indirekt mit in den Krieg. Sie versuchten die strategische Lage Skandinaviens und die deutsche Abhängigkeit von norwegischen Erzlieferungen auszunutzen, um dort wirkungsvoll den Hebel für die Entscheidung des Krieges ansetzen zu können.

Das war im dem Fall auch die Befürchtung der deutschen Führung, dadurch wurde die Besetzung zum wirtschaftlichen und militärischen „Präventivschlag“. Die strategische Lage Norwegens bot viele Möglichkeiten, um dort „Operationsräume“ aufzubauen, die in Deutschland aufgrund seiner geographisch ungünstigen Lage nicht vorhanden waren. Doch da das deutsche Reich beim Kampf um Norwegen einen sehr großen Teil seiner Flotte verlor, schrumpfte die Nutzbarkeit der vermeintlichen „Operationsbasen“ auf ein Minimum.

Doch die Erzlieferungen aus Narvik waren so wichtig für Deutschland und dessen Kriegswirtschaft, daß aus diesem Grunde nicht darauf verzichtet werden konnte, Norwegen zu besetzen.

Ein weiterer strategischer Vorteil war, daß durch die Besetzung von Dänemark und Norwegen der Skagerrak kontrolliert werden konnte. Dadurch konnte die Zufahrt zur Ostsee dicht gemacht, und die Nordflanke Deutschlands zumindest von einer Seite geschützt werden. Doch genau diesen Vorteil hätten auch die Alliierten nutzen können, damit wäre Deutschland wieder in die Situation wie im ersten Weltkrieg gekommen, wo der Handlungsspielraum der Marine nur auf die Ostsee beschränkt war. Das erkannte Großadmiral Erich Raeder, der deshalb Hitler zu diesem Schritt riet. Somit gilt auch Raeder als „geistiger Vater“ der „Operation Weserübung“. Das zeigt deutlich, daß auf keinen Fall die „Einigung“ der „germanisch-stämmigen Völker“ als Hauptgrund des Überfall gelten kann.

Auf jeden Fall bin ich aufgrund meiner Beschäftigung mit diesem Thema auch zu der Ansicht gekommen, daß Deutschland den Krieg nie so lange hätte aushalten können, wenn nicht Dänemark und Norwegen besetzt worden wären. Das erklärt auch die Beharrlichkeit, mit der Dänemark und Norwegen gehalten werden sollten.

Anhang 1:46

Anhang 2:47

IV. Literaturverzeichnis

1. Bundesarchiv (Hrsg), Europa unterm Hakenkreuz, Bd.7, Berlin, Heidelberg 1992

➔ Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen

2. Ottmer, Hans-Martin, Weserübung: der deutsche Angriff auf Dänemark und Norwegen im April 1940, München, Oldenburg 1994

➔ Ottmer, Weserübung

3. Churchill, Winston S., Der zweite Weltkrieg, Bern, München, Wien 1992

➔ Churchill, Zweiter Weltkrieg

4. Fröhlich, Elke, Tagebücher des Josef Goebbels, Teil I Aufzeichnungen 1923 - 41, Bd. 8, München 1998 à Fröhlich, Goebbels Tagebücher, Bd. 8

5. Zentner, Christian, Der zweite Weltkrieg - Ein Lexikon, Wien

➔ Zentner, Zweiter Weltkrieg

6. Domarus, Max, Hitler: Reden und Proklamationen 1932 - 1945, 4. Auflage, 1988

➔ Domarus, Hitler, Bd. 3

7. Knopp, Guido, Hitler der Kriegsherr (CD-Rom), München 1997

➔ Knopp, Kriegsherr

[...]


1 Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 18,

2 siehe Ottmer, Weserübung, S. 60

3 siehe Knopp, Kriegsherr, Kap. Oberst Hans Oster verrät „Weserübung“ (CD- ROM)

4 siehe Ottmer, Weserübung, S. 5 - 7

5 Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 19

6 „Weserübung Süd“ ist der Deckname für die Besetzung Dänemarks

7 Ottmer, Weserübung, S. 67

8 siehe derselbe, S. 67

9 Domarius, Hitler, Bd. 3, S. 1491

10 siehe Ottmer, Weserübung, S. 71

11 siehe Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 19/20 oder Ottmer, Weserübung, S. 77

12 „Weserübung Nord“ ist der Deckname für die Besetzung Norwegens

13 siehe Ottmer, Weserübung, S. 80

14 Churchill, Zweiter Weltkrieg, S. 245/246

15 siehe Ottmer, Weserübung, S. 91 - 96

16 Quisling, Vidkun Abraham Lauritz, Führer der faschistischen, norweg. „Nasjonal Samling“

17 Ottmer, Weserübung, S. 96

18 Churchill, Zweiter Weltkrieg, S. 249

19 siehe Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 19

20 Churchill, Zweiter Weltkrieg, S. 252

21 siehe Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 19/20

22 genauer: Gesandter und Bevollmächtigter des deutschen Reiches bei der dänischen Regierung

23 siehe Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 21/22

24 Fröhlich, Goebbels Tagebücher, Bd. 8, S.101

25 Fröhlich, Goebbels Tagebücher, Bd. 8, S.101

26 siehe Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 34

27 siehe Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 39/40

28 siehe Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 41/42

29 siehe Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 42/43 und S. 153 (Dok. 75)

30 Die drei Mandate im Parlament erhielt die DNSAP durch die Stimmen der deutschen Minderheit in Nordschleswig.

31 siehe Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 183 (Dok. 103)

32 Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 183/184 (Dok. 103)

33 Seeland: dänische Insel, auf der Kopenhagen liegt

34 Fernschreiben zur Vorbereitung des „Terror- und Sabotageerlasses“: Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S.214 (Dok. 134)

35 Storting: norwegisches Parlament

36 siehe Zentner, Zweiter Weltkrieg, S. 401ff

37 siehe: Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 33

38 Riksting: verglb. mit Parlament, in dem Fall keine demokratische Machtbasis.

39 siehe: Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 44/45

40 siehe: Zentner, Zweiter Weltkrieg, S. 403

41 siehe: Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 53

42 Karelien: Region in Finnland und Nordrußland, wurde zu Zeiten der UdSSR zur Karelischen ASSR (Autonome sozialistische Sowjetrepublik)

43 siehe: Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 56

44 siehe: Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S.59

45 siehe: Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S.60

46 Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, Abb. 5

47 Europa unterm Hakenkreuz, Bd. Dänemark und Norwegen, S. 76

35 von 35 Seiten

Details

Titel
Weserübung - Die Okkupation Dänemarks und Norwegens
Veranstaltung
ProSeminar: "Der Zweite Weltkrieg"
Note
1,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
35
Katalognummer
V103443
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit der Besetzung Dänemarks und Norwegens am 9. April 1940 wollte Hitler seinem Ziel, der Erschaffung eines "großgermanischen Reiches" unter deutscher Führung, näherkommen.
Schlagworte
Weserübung, Okkupation, Dänemarks, Norwegens, ProSeminar, Zweite, Weltkrieg
Arbeit zitieren
Falk-Thoralf Günther (Autor), 1998, Weserübung - Die Okkupation Dänemarks und Norwegens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103443

Kommentare

  • Gast am 6.8.2001

    Skandinavien im WK 2.

    Bisher war mir die Tragweite der Besetzung Skandinanviens nicht so sehr bewußt. Ich hatte die Aufgabe während des Geschichtsunterrichts ein Kapitel des 2. Weltkrieges, nämlich die Besetzung Skandinaviens, näher unter die Lupe zu nehmen. Ich dachte, daß es kein besonders schönes Thema sei, aber siehe da, es ist interessanter als ich dachte. Dank dieser Unterstützung, ist mir die Aufgabe auch ziemlich gut gelungen. Ist nur zu empfehlen.

  • Gast am 6.8.2007

    Schade um die Zeit.

    Dieser Aufsatz ist wissenschaftlich völlig wertlos. Der Verfasser stützt seine Formulierungen - vor allem im militärgeschichtlichen Teil - nicht auf Tatsachen, hier wurde nicht nach und mit Quellenmaterial gearbeitet, sondern aus Sekundärliteratur abgeschrieben und zusammengestoppelt. Die zumeist einseitig tendenziösen Behauptungen werden in keiner Weise durch Belege untermauert, geschweige denn nachgewiesen. Gegen Hitler zu sein - oder zumindest so zu tun - macht noch keinen Historiographen, es zeugt höchstens von politischem Eifer, der von mangelnder fachlicher Kompetenz ablenken soll. Vor der ernsthaften Übernahme dieses Aufsatzes muß gewarnt werden! Bitte nicht ausdrucken, es gibt schon genug Altpapier, mir tun die Bäume leid, die dafür umgeschnitten werden.

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