Erstellung eines Fragebogens zum Thema Fremdenfeindlichkeit. Theoretischer Hintergrund, Operationalisierung und Pretest der These „Arbeitslose sind fremdenfeindlicher als Erwerbstätige


Hausarbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Allgemeine Vorgehensweise

2. Theoretische Ansätze

3. Design und Erhebungsverfahren

4. Operationalisierung der Hypothese „Arbeitslose sind fremdenfeindlicher als Erwerbstätige“

5. Zusammenstellung der Fragen für den Fragebogen

6. Pretest

7. Literatur

1. Allgemeine Vorgehensweise

Meine Arbeit wird im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität München zum Thema Fremdenfeindlichkeit verfasst. So werde ich zu Beginn erläutern, wie die Forschungshypothese „Arbeitslose sind fremdenfeindlicher als Erwerbstätige“ hergeleitet wurde. Anschließend soll über das Design und das Erhebungsverfahren der Studie informiert werden. Im Anschluss daran werden die abhängige und unabhängige Variable sowie Drittvariablen festgelegt, die kontrolliert werden müssen. Danach sind die Fragen, die in den Fragebogen aufgenommen werden sollen aufgelistet. Abschließend werden die Ergebnisse des Pretests sowie damit verbundene Änderungen des Fragebogens vorgestellt.

2. Theoretische Ansätze

Nach der These der relativen Deprivation sind Individuen frustriert, weil ein Missverhältnis besteht zwischen dem, was sie wollen und dem, was sie haben. Deshalb entsteht eine Feindseligkeit gegenüber anderen Randgruppen (vgl. Geißler 2010: 41). Diese äußert sich als Vorurteil infolge einer gefühlten sozialen Benachteiligung durch einen subjektiven sozialen Vergleichsprozess (vgl. Geißler 2010: 40). „Unter ‚Vorurteil‘ soll hier die negative Einstellung gegenüber einer Gruppe, zu der man selbst nicht gehört, - der sogenannten Outgroup oder Fremdgruppe – und gegenüber deren Mitgliedern verstanden werden und zwar im Vergleich zur eigenen Gruppe, der so genannten Ingroup“ (Hewstone 2004: 3). Das Ergebnis des Vergleichs ist subjektiv, weil jede Person einen anderen Maßstab hat, d.h. jeder vergleicht sich mit anderen Gruppen. Ein weiterer Grund für die Subjektivität der relativen Deprivation ist die Tatsache, dass nicht bei jeder Person ein Benachteiligungsgefühl entsteht, wenn sie sich objektiv in einer ungünstigen Lage befindet. Eine Benachteiligung wird empfunden, wenn die Person der Ansicht ist, dass sie einen Anspruch auf einen bestimmten Zustand hat (vgl. Kessler 2008: 252).

Hieraus schließe ich, dass Arbeitslose fremdenfeindlicher sind als Erwerbstätige, weil man davon ausgehen kann, dass bei Arbeitslosen eine materielle sowie ideelle Bedrohung eher empfunden wird als bei Erwerbstätigen, die in der Regel ein höheres Einkommen haben als Arbeitslose. Hier ist – wie schon beschrieben – entscheidend, mit welcher Personengruppe sich die Arbeitslosen vergleichen. Jedoch ist es wahrscheinlicher, dass sie sich mit anderen deutschen Erwerbstätigen vergleichen, was eine relative Deprivation wahrscheinlich macht.

Die These der Kollektivgüterproblematik besagt, dass sich Einheimische durch Immigranten benachteiligt und bedroht fühlen könnten, weil diese Sozialleistungen in Anspruch nehmen, obwohl sie üblicherweise keine Beiträge in das staatliche Versicherungssystem einbezahlt haben. Dadurch könnte bei den Arbeitslosen der Eindruck entstehen, dass Ausländer ihr Sozialsystem ausnutzen (vgl. Geißler 2010: 46).

Die Sündenbockhypothese beschreibt, dass Arbeitslose frustriert sein könnten, weil sie unzufrieden mit ihrem derzeitigen Erwerbsstatus sind. Daraus kann eine Aggression entstehen, die auf Ausländer gerichtet wird. Den Ausländern wird dann die Schuld für strukturelle Probleme im eigenen Land, wie die Arbeitslosigkeit gegeben (vgl. Geißler 2010: 47).

Der Ansatz der Konkurrenz um knappe sozialstaatliche Güter besagt, dass Arbeitslose mit Einwanderern um Arbeitsplätze, günstige Wohnungen und Sozialleistungen konkurrieren, da sich beide Gruppen häufig in einer ähnlichen finanziellen Situation befinden. Dieser Wettbewerb kann bei Arbeitslosen zu einer höheren Fremdenfeindlichkeit beitragen (vgl. Geißler 2010: 45).

3. Design und Erhebungsverfahren

Für die Untersuchung der probabilistischen Hypothese „Arbeitslose sind fremdenfeindlicher als Erwerbstätige“ wird eine Querschnitterhebung durchgeführt. Die Personen werden dabei einmalig befragt. Die Untersuchungseinheit der Kollektivhypothese sind Kollektive. Außerdem wird ein nichtexperimentelles Design verwendet. Bei diesem ex-post-facto-Design werden erst im Rahmen der Datenauswertung Gruppen gebildet.

Das Erhebungsverfahren ist ein Fragebogen, der schriftlich zu bearbeiten ist. Der Fragebogen ist vollständig strukturiert und besteht aus geschlossenen Fragen. Da den Fragen Ordinalskalen, Intervallskalen und eine Nominalskala zugrunde liegen, basieren sie auf der Verwendung einer Likert-Skalierung und Rating-Skalen. Die Festlegung der Stichprobe erfolgt per Wahrscheinlichkeitsauswahl.

4. Operationalisierung der Hypothese „Arbeitslose sind fremdenfeindlicher als Erwerbstätige“

Die Fremdenfeindlichkeit wird als abhängige Variable operationalisiert. Diese wird mit multiplen Items gemessen, um einen Index der Fremdenfeindlichkeit zu bilden und dann die befragten Personen hinsichtlich des Grades ihrer Fremdenfeindlichkeit einzuordnen. Fremdenfeindlichkeit soll unter anderem durch die Ablehnung fremder Kulturen gemessen werden, was mit den Antworten auf folgende Items geschieht:

Muslime bereichern unsere Kultur.
Der Bau von Moscheen bereichert das kulturelle Leben in München.
Die Muslime hier sollten das Recht haben, nach ihren eigenen Glaubensregeln zu leben.
Es ist gut für ein Land, wenn es eine Vielfalt unterschiedlicher Religionen gibt.
Die Sitten und Bräuche des Islams sind mir nicht geheuer.
Wir müssen unsere eigene Kultur vor dem Einfluss anderer Kulturen schützen.

Ein weiterer Indikator für Fremdenfeindlichkeit kann eine empfundene Bedrohung durch Ausländer sein, die sich auf die These der Kollektivgüterproblematik und den Ansatz der Konkurrenz um knappe sozialstaatliche Güter stützt. Eine wahrgenommene Bedrohung soll mit folgenden Items erfasst werden:

Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.
Ausländer, die hier leben, bedrohen meine persönliche Lebensweise.
Ausländer, die hier leben, bedrohen meine finanzielle Situation.
München ist durch Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.

Wenn Einheimische mit Ausländern nichts zu tun haben wollen bzw. sie ausschließen, weist diese Tatsache auf Fremdenfeindlichkeit hin. Dies wird mit den Antworten auf folgende Items gemessen.

Die Zuwanderung von Ausländern sollte eingeschränkt werden.
Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken.
In unserem Viertel wohnen zu viele Ausländer.
Ein Arbeitgeber sollte das Recht haben, nur Deutsche einzustellen.
Ich würde mein Kind nur ungern in einem Kindergarten/einer Schule mit vielen ausländischen Kindern anmelden.
Ausländer sollten so schnell wie möglich Deutschland verlassen.

Da angenommen wird, dass auch die relative Deprivation in Zusammenhang mit Fremdenfeindlichkeit steht, wird diese mit den Fragen „Im Vergleich dazu, wie andere hier in Deutschland leben: Wie viel, glauben Sie, erhalten Sie persönlich?“ und „Wenn Sie die wirtschaftliche Lage der Deutschen mit der wirtschaftlichen Lage der in Deutschland lebenden Ausländer vergleichen, wie geht es den Deutschen im Vergleich zu den Ausländern?“ erhoben. Sind Befragte der Meinung, dass sie weniger als ihren gerechten Anteil erhalten und die wirtschaftliche Lage der in Deutschland lebenden Ausländer besser als die der Deutschen beurteilen, fühlen sie sich benachteiligt und sind infolgedessen relativ depriviert.

Der Erwerbsstatus wird als unabhängige Variable festgelegt. Dieser wird im Fragebogen direkt erfasst („Bitte geben Sie an, ob Sie erwerbstätig sind.“), um herauszufinden, ob der Erwerbstatus das Ausmaß der Fremdenfeindlichkeit beeinflusst.

Man kann annehmen, dass die finanzielle Lage von Arbeitslosen meist eher schlecht ist und dass auch ihre allgemeine Lebenszufriedenheit niedriger ist als bei Erwerbstätigen. Deshalb könnte es sein, dass der Grund für eine Ausländerfeindlichkeit nicht der Erwerbsstatus ist, sondern dass vielmehr (finanzielle und persönliche) Unzufriedenheit zu Ausländerfeindlichkeit führen könnte. Deshalb wird die Drittvariable Zufriedenheit erhoben und mit folgenden Fragen kontrolliert: „Wie zufrieden sind Sie derzeit alles in allem mit Ihrem Leben?“ und „Wie beurteilen Sie Ihre derzeitige finanzielle Lage?“.

Darüber hinaus könnte es sein, dass Bevölkerungsgruppen, die in der Gesellschaft eine der unteren Positionen einnehmen eher fremdenfeindlich sind als solche, die eher oben stehen, weil Personen in niedrigeren Positionen sich eher in ihrer Existenz bedroht fühlen könnten. Die empfundene Bedrohung müsste dann auf irgendeine Art äußern, wie z. B. durch Fremdenfeindlichkeit. Da Arbeitslose häufig eher untere Positionen einnehmen, muss hier eine Scheinkorrelation ausgeschlossen werden, was mit der Frage „In unserer Gesellschaft gibt es Bevölkerungsgruppen, die eher oben stehen und solche, die eher unten stehen. Wo würden Sie sich auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen, wobei 1 für ein geringes Einkommen/Vermögen steht und 10 für ein hohes Einkommen/Vermögen?“ geschieht.

Ebenso kann vermutet werden, dass Arbeitslose eher vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden als Erwerbstätige. Ein Grund dafür kann ihre geringen finanziellen Mittel sein, weil diese die Voraussetzung zur Teilnahme an vielen Aktivitäten sind. Deshalb muss auch der Grad der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erfasst werden, um Korrelationen festzustellen. Die folgende Frage soll dies erfassen: „Man kann das Gefühl haben, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und dazuzugehören oder sich eher ausgeschlossen fühlen. Wie ist das bei Ihnen? Wo würden Sie sich selbst auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen? (Beziehen Sie dabei den Begriff der Gesellschaft auf alle Arten von Kontakten, die Sie mit anderen Menschen haben.)?“.

Außerdem sollen auch Daten zur Kindheit der befragten Personen erhoben werden. Aus dem Index des Fragenkomplexes zur Kindheit soll erkannt werden, ob die Person eine liebevolle Erziehung genoss, ob sie Gewalt erfahren hat und wie das familiäre Klima in ihrer Kindheit war. Dies geschieht, um auszuschließen, dass Personen, die eine negative Kindheit hatten eher arbeitslos werden und daher auch eher fremdenfeindlich werden. Dieser Zusammenhang könnte bestehen, weil negative erlernte Verhaltensmuster durch die Sozialisation eher zu Problemen (einschließlich Arbeitslosigkeit) führen könnten. Hier soll ermittelt werden, ob eher die Arbeitslosigkeit oder negative Erfahrungen in der Kindheit mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zu Fremdenfeindlichkeit führen.

5. Zusammenstellung der Fragen für den Fragebogen

Im Folgenden sind die Fragen und Antwortkategorien aus dem Fragebogen (mit geänderter Nummerierung) aufgeführt, die der Überprüfung meiner Hypothese dienen. Der Hintergrund der Fragen ist in Kapitel 5 erläutert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Erstellung eines Fragebogens zum Thema Fremdenfeindlichkeit. Theoretischer Hintergrund, Operationalisierung und Pretest der These „Arbeitslose sind fremdenfeindlicher als Erwerbstätige
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V1034436
ISBN (eBook)
9783346453464
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erstellung, fragebogens, thema, fremdenfeindlichkeit, theoretischer, hintergrund, operationalisierung, pretest, these, arbeitslose, erwerbstätige
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Erstellung eines Fragebogens zum Thema Fremdenfeindlichkeit. Theoretischer Hintergrund, Operationalisierung und Pretest der These „Arbeitslose sind fremdenfeindlicher als Erwerbstätige, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1034436

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