Peisistratos Weg zur Machtergreifung in Athen


Seminararbeit, 1999

12 Seiten, Note: 1,3


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Peisistratos Einleitung

In dieser Arbeit sollen Peisistratos von Athen und seine Wege zur Machtergreifung als Tyrann aufgezeigt werden. Peisistratos bietet sich hervorragend für diese Arbeit an, da er drei grundverschiedene Wege ging und erst mit dem dritten Anlauf die Macht ganz und gar an sich reißen konnte.

Peisistratos wurde um 600 v. Chr. wahrscheinlich in Brauron als Sohn eines Adelsgeschlechts geboren1 und verlebte eine normale Jugendzeit. Über diese Zeit ist keine besondere Aufzeichnung erhalten. Erst um ca. 560 v. Chr. taucht Peisistratos wieder auf, nämlich als πολεμαρχοσ (griechischer Heerführer2 ), als welcher er große militärische Erfolge feiert, und somit auch beim Volk einen gewissen Bekanntheitsgrad erhält. Er eroberte unter anderem den Hafen von Megara, Nisaia, und vollbrachte andere große Kriegstaten3.

Um nun aber diese militärischen Erfolge auch in politische Erfolge umzumünzen und seine Machtansprüche zu festigen, und das Volk hinter sich zu bringen, bedurfte es einiger Grundvorraussetzungen, die im folgenden Teil behandelt werden.

1. Grundvoraussetzungen

Um die Prämissen der ersten Machtergreifung zu verstehen, muß man ca. 80 Jahre in der Geschichte Athens zurückgehen. Seit 640 v. Chr. sind die Kleinbauern um und in Athen mit ihrer Lage sehr unzufrieden, da eine Bodenreform längst überfällig wäre, diese aber von den Herrschenden nicht vorgenommen wird. Durch die damalige Vererbungspraxis teilt sich das Land in immer kleinere Parzellen auf, da jeder Sohn seinen Teil zugestanden bekommt.

Kylon erkennt diese Sachlage und versucht die Macht 636 v. Chr. an sich zu reißen, tut dies aber nicht mit der Unterstützung des Volkes, sondern durch ηταιριε (Kameradschaft4 ) zu befreundeten Adligen. Da er das Volk aber nicht mit einbezieht, wendet es sich sehr schnell gegen ihn. Es kommt zum Kampf und Kylon flieht mit seinen Anhängern auf die Akropolis in den Tempelbereich, wo sie sich vor den Angreifern in Sicherheit wähnen. Aber der Adel unter der Führung der Alkmeoniden tötet Kylon und seine Anhänger trotzdem, was zur Folge hat, daß erstens die Tyrannis des Kylon beendet ist, und zweitens seit diesem Tag auf dem Geschlecht der Alkmeoniden eine Blutschuld lastet, die den Athenern noch lange in Erinnerung bleiben wird, da sie im heiligen Tempelbereich, in dem schon von Haus aus keine Waffen erlaubt sind, jemanden erschlagen haben. Diese Blutschuld spielt im weiteren Verlauf der Arbeit noch eine bedeutende Rolle5.

Erst Solon geht um 594/3 v. Chr. den Schritt in Richtung Reform, um den Kleinbauern die Situation zu erleichtern; seine Reformen sind aber zu mild, und bannen die Krise nicht. So kommt es zu keiner Bodenaufteilung, und die Leitung des Staates liegt weiter in den Händen des Adels. Solon kann sich mit seinen Reformen noch nicht gegen den mächtigen Adel durchsetzen. Zugleich entwirft Solon aber auch Gesetze gegen die Tyrannis, da er erkennt, daß der Keim einer Tyrannis in einem unzufriedenen Volk liegt, welches auf die Verbesserung seiner Lage aus ist. Diese Gesetze sehen zuerst die atimie (Ächtung6 ), als zweites die Todesstrafe (auch für Helfer) als gerechtes Strafmaß an7.

2. Machtergreifungen des Peisistratos

Zur Zeit der militärischen Erfolge des P. gab es nun drei Parteien, die Attika bevölkerten.

Das waren die Pediaker, die unter der Leitung des Lykurgos standen, die Paralier unter der Leitung des Megakles und schließlich die Hyperakrier unter Peisistratos8. Die Anhänger des P. waren vor allem arme Bauern und Lohnarbeiter, kurz gesagt, das einfache Volk. Diese drei Führer waren zugleich die mächtigsten Männer in Athen. P. hatte durch seinem Sieg gegen Megara eine noch größere Anhängerschaft hinter sich gebracht, die ihn verehrten und unterstützten9.

2.1. Die erste Tyrannis

Durch einen Trick gelang ihm nun die Machtübernahme. Er fügte sich angeblich selbst eine Verwundung bei, und bei seiner Rückkehr nach Athen wurde ihm von der Volksversammlung eine Leibwache zugestanden, was als Zeichen großer Macht zu verstehen ist, da er damit die Volksversammlung hinter sich hatte. Mit dem Selbstvertrauen, das Volk als Verbündeten zu haben, besetzte Peisistratos die Akropolis und schwang sich zum ersten Mal zum Tyrannen empor (560 v. Chr.)10.

Direkte Folgen davon waren, daß einige Adelige das Land verließen, da sie befürchteten, als potentielle Gegner des Tyrannen getötet zu werden.

Solons Verfassung blieb unter der ersten Tyrannis des Peisistratos bestehen. Diese erste Herrschaft des P. hielt allerdings nicht all zulange, denn Lykurgos und Megakles beendeten die Tyrannis sehr schnell (noch im selben Jahr). Die Tyrannisgesetze Solons griffen nicht, und so kann man von einem sehr milden Ende der ersten Herrschaft sprechen11.

2.2. Die zweite Tyrannis

Der Versuch, sich zum zweiten Mal zum Herrscher aufzuschwingen, folgte sehr bald, nämlich um 558 v. Chr., also nur zwei Jahre nach dem Scheitern der ersten Tyrannis. Megakles, der noch vor kurzem die Herrschaft des Peisistratos beendet hatte, bot seine Tochter Koisyra eben P. zur Hochzeit an. Zugleich mit diesem Angebot sicherte Megakles dem P. auch Unterstützung zu. Diese Hilfe kann nur so verstanden werden, daß Megakles hoffte, nach der erneuten Machtübernahme des P. auch einen hohen Posten zu erhalten, wenn nicht sogar gleichgestellt mit P. zu sein. Mit Blick auf die Zukunft sicherte er sich somit auch seiner Familie durch Enkelkinder die Macht12.

Auch bei der zweiten Machtübernahme erwies sich P. als besonders geschickt, sich das Volk wieder wohlgesonnen zu machen. So nahm er eine besonders große Frau, stattete sie mit einer Rüstung aus und ließ sie als Athene vorneweg nach Athen laufen, um sich von der unangefochtenen Stadtgöttin legitimieren zu lassen13.

Das Volk der Athener war zutiefst beeindruckt und hegte keine Zweifel; das mag für heutige, aufgeklärte Leute nicht ganz verständlich sein, sieht man jedoch auf den Background der Griechen damals, dem eine Weltanschauung zu Grunde lag, bei der laut Homer ohne weiteres Götter auf die Erde kommen können und dort die Geschicke der Menschen beeinflussen, kann man dem wohl doch Glauben schenken.

Peisistratos schwang sich also mit Hilfe des Megakles und der „Göttin Athene“ zum zweiten Mal zum Tyrann auf. Doch Megakles hatte P. falsch eingeschätzt; dieser vollzog, nachdem er die Macht inne hatte, die Ehe nicht. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß Megakles dem Geschlecht der Alkmeoniden angehörte, welches für die Tötung des Kylon und seiner Anhänger auf dem Tempelberg verantwortlich war. Obwohl dieser Vorfall schon fast 80 Jahre zurücklag, lastete immer noch diese Blutschuld auf den Schultern des Megakles, und somit auch auf seiner Tochter Koisyra. Hätte nun Peisistratos die Ehe vollzogen, so wäre auch er von dieser Schuld betroffen worden, wie auch potentielle Kinder, die aus dieser Ehe hervorgegangen wären. Dieses Risiko wollte P. nicht eingehen, nahm damit aber auch dem Megakles jedwede Hoffnung auf Enkelsöhne und damit auch auf einen beträchtlichen Machtanspruch. Megakles war bitterst enttäuscht, und aufgrund dieser herben Enttäuschung schloß er sich zwei Jahre später wiederum mit Lykurgos zusammen und vertrieb Peisistratos zum zweiten Mal (556 v. Chr.)14.

Dieses Mal kam Peisistratos nicht so glimpflich davon wie nach der ersten Vertreibung. Solons Tyrannisgesetze griffen in ihrem vollen Ausmaß. Peisistratos wurde geächtet und sein gesamter Besitz wurde versteigert. Der Todesstrafe konnte er noch mal entgehen, aus welchem Grund, ist nicht bekannt15.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, daß bei De Libero die zweite Tyrannis nicht die Beachtung wie bei Berve findet. De Libero geht davon aus, daß die zweite Machtübernahme in das Reich der Mythen gehöre, und diese Geschichte des Herodot nur als Ausschmückung diente bzw. als Beweis für die Cleverness des Peisistratos und zugleich die Gottesfurcht der Athener16.

2.3. Die dritte Tyrannis

Peisistratos hatte nun schon zweimal die Macht in Athen errungen, so ist es auch nicht verwunderlich, daß einer, der die Herrschaft inne hatte, es ein drittes Mal versucht, obwohl er zweimal jeweils nach sehr kurzer Zeit scheiterte.

2.3.1. Entstehung

Peisistratos ging nicht ins Exil, blieb aber selbstverständlich auch nicht in Athen, sondern er setzte um 555 v. Chr. ein Kolonisationsunternehmen in Gang, bei dem ihm seine noch verbliebenen Anhänger beiseite standen. So besiedelte er die Halbinsel Chalkidike im Nordwesten und gründete dort den Ort Rhaikelos. Diese Lage erwies sich für P. als sehr günstig, gab es doch im nahegelegenen Pangaion-Gebirge17 sehr ertragreiche Gold- und vor allem Silbervorkommen. Diese Minen wurden in den nächsten Jahren in sehr großem Umfang ausgebeutet, und Peisistratos kam zu großem Reichtum18. Diese finanziellen Mittel ermöglichten es P. nun, Söldnerheere zu bezahlen und Verbündete zu unterstützen, um ein weiteres Mal in Athen die Macht zu ergreifen. Ein wichtiger Verbündeter war Lygdamis von der Insel Naxos, der ihm in den nächsten Jahren zur Seite stand, und sich viel von einer eventuellen Tyrannis des P. versprach. Eine andere große Hilfe war für ihn sein Sohn Hegesistratos aus Argos, der ebenso Truppen hinter sich hatte19.

Um 546 v. Chr. hatte Peisistratos so viele Verbündete und Truppen um sich geschart, daß er einen weiteren Versuch der Machtübernahme starten konnte. Er rückte mit seinen Truppen nach Eretria vor und nahm dort Quartier20. Eretria wurde auch später von den Persern quasi als Sprungbrett zur Attika und dann nach Athen benutzt. P. erkannte also diesen taktischen Zug, und versuchte von dort, weiter vorzugehen. Als P. nach Marathon übersetzte, kamen ihm zu Hilfe Lygdamis aus Naxos, Hegesistratos mit 1000 Anhängern aus Argos und seine alten Anhänger seiner gescheiterten Tyranneien aus Athen. Mit dieser riesigen Truppenansammlung zog er Richtung Athen.

Die Athener ließen sich viel Zeit mit Gegenmaßnahmen, und konnten somit Peisistratos nur wenig entgegenbringen. Zwischen Athen und Marathon, bei einem Ort namens Pallene kam es zum Kampf, und wegen der Überlegenheit des P. zu einem problemlosen Sieg. Da seine Söhne21 angeblich nach Athen vorausritten und eine friedliche Übernahme der Stadt zusicherten, gaben die Verteidiger die Stadt kampflos auf, und es erfolgte die Übernahme Athens durch Peisistratos mit Hilfe fremder Truppen22.

Die darauf folgende Tyrannis bestand bis zum Tode des Peisistratos, 528/7 v. Chr..

2.3.2. Mittel der Aufrechterhaltung

Da Peisistratos die Macht schon zweimal kurz nach den Ergreifen wieder verlor, war er diesmal besser vorbereitet, die Macht länger in seinen Händen zu halten. Er hatte gut zehn Jahre die Machtübernahme vorbereitet, und diese Pläne setzte er möglichst schnell in die Tat um.

Zuallererst entwaffnete er den Adel und die Bürgerschaft, die beiden Volksgruppen, die ihm bei den ersten beiden Malen die Herrschaft streitig gemacht hatten. Die Entwaffnung fand nicht freiwillig statt, und so mußte wieder ein kleiner Trick angewandt werden. Peisistratos begab sich auf die Agora, und alle waffenfähigen Bürger sollten sich dort einfinden. Da man ihn angeblich nur sehr schlecht verstehen konnte, wurde die Versammlung auf die Burg verlegt. Dort mußte man nun aber alle Waffen ablegen, man durfte keine Waffe mit auf die Burg nehmen (s. Kylon). Als die Bürger dem P. folgten und ihre Waffen zurückließen, nahmen Helfer des P. die Waffen an sich und ließen sie wegbringen23.

So ging die Entwaffnung vor sich, und die Bürger konnten sich aufgrund der Macht des P. (Söldner) nicht zur Wehr setzen, schon gar nicht ohne Waffen. Die Entwaffnung des Bürgertums und des Adels war zugleich eine Entehrung derselben, die man normalerweise nicht so einfach hinnahm; aber P. hatte die Unterstützung des Volkes und ein solch großes Söldnerheer, daß man an einen Aufstand gar nicht zu denken wagte.

Man könnte nun denken, daß Athen ohne bewaffnete Bürger an Verteidigungskraft eingebüßt hätte, aber durch die reichen Gold- und Silbervorkommen im Pangaion, die P. auch als Tyrann in Athen immer noch kontrollierte und ausbeutete, konnte sich P. die Dienste der Söldner sichern, und somit die Verteidigung Athens im Notfall weiter zusichern.

Ein zweites Mittel der Aufrechterhaltung war die Besteuerung des Bodenertrags. Hierbei wurden alle Erträge, die der Boden abwarf - im agrarischen Griechenland fast nur Getreide - mit 10% direkt besteuert24. Dies brachte nicht nur Nachteile für die Bevölkerung mit sich, wie man weiter unten sehen wird. Mit dieser Steuer trieb P. Handel und sicherte sich ein hohes Einkommen; außerdem wurden von diesen Abgaben die großen Söldnerheere verpflegt.

Alle Grundbesitzer mußten diese Steuer bezahlen, gleich, ob sie arm waren oder hohes Ansehen genossen. P. sah sich also als Besitzer des durch Eroberung gewonnenen attischen Landes25.

So ergibt sich folgender Kreislauf, der für die lange Herrschaft des Peisistratos ausschlaggebend ist: Durch die hohen Einkommen steht P. sehr viel Geld zur Verfügung, mit diesem Geld kann er die Söldner bezahlen, die ihm Schutz bieten, sowohl nach innen wie auch nach außen, und dadurch bleibt er an der Macht und ist fast unangreifbar.

Daß der Adel über eine so lange Zeit still hielt, ist äußerst unwahrscheinlich, erklärt sich aber durch ein weiteres Mittel der Aufrechterhaltung.

Peisistratos ließ die Söhne der Adligen als Geiseln nach Naxos zu seinem Verbündeten Lygdamis bringen. Dadurch hatte er den Adel in der Hand, da diese bei einem Aufbegehren gegen P. befürchten mußten, daß dies harte Konsequenzen für ihre Söhne auf Naxos hätte.

2.3.3. Folgen für die Bevölkerung Attikas

Den Adel traf es (s. oben) am härtesten. Peisistratos hatte die Adligen militärisch wie politisch völlig entmachtet. Zur Entwaffnung kam nun auch noch, daß P. versuchte, möglichst viele Ämter innerhalb seiner Familie zu vergeben. Somit unterlagen fast alle wichtigen Entscheidungen ihm, oder er konnte zumindest seinen gewiß nicht geringen Einfluß geltend machen, sprich: er hatte die totale Kontrolle. Viele Familien gingen daraufhin außer Landes, da sie keine Zukunft für sich und ihre Angehörigen in Athen sahen.

Die Familien, die in Athen ansässig blieben, suchten nach anderen Beschäftigungen als der mit der Macht, und so entwickelte sich in der Folgezeit ein sog. ionischer Lebensstil, der durch die Hinwendung zur Kunst und durch engere Beziehungen zu Kulten und Riten gekennzeichnet war26. Auch sportliche Betätigungen sind hier mit anzusiedeln.

Später kam es dann aber doch wieder zu einer Miteinbeziehung des Adels (auch die Söhne wurden nicht mehr als Geiseln festgehalten). Doch Peisistratos war der alleinige Machthaber, also Tyrann27.

Auch für die Bauern waren die Folgen der Herrschaft sehr umfangreich. Peisistratos hatte ihnen gegenüber keine Verpflichtungen einzugehen, da sie ihm bei der Machtübernahme nicht direkt geholfen hatten (sie waren aber auch nicht gegen ihn eingeschritten).

Die Bauern mußten ebenfalls 10% direkt an Peisistratos abführen, von allem, was sie erwirtschafteten. In diesem Punkt waren sie mit den Großgrundbesitzern gleichgestellt. Dies zeigt auch die Habsucht des P. da er sogar von den armen Bauern den Zehnten einfordert, obwohl er dort bestimmt nicht auf große Erträge hoffen konnte.

Ganz anders soll es einem armen Bauern ergangen sein, der, als P. auf Inspektionsreise war, dem Peisistratos, den er nicht erkannte, auf die Frage, wie er so zurechtkomme, antwortete: die Arbeit sei sehr mühselig, und „von diesen Plagen und Mühsalen muß Peisistratos den Zehnten bekommen“28. Der Bauer wurde daraufhin von seinen Abgaben befreit; dies soll wohl doch auf eine gewisse Großzügigkeit des P. hindeuten, die Geschichte muß man aber nicht für bare Münze nehmen. Die oben erwähnten Inspektionsreisen sollten nicht nur der Kontrolle dienen, sondern auch dem Landvolk zeigen, wer der Herrscher ist, und daß sich dieser um seine Bauern Gedanken macht.

Außerdem entzog Peisistratos dem Adel die Gerichtsbarkeit und setzte Demenrichter (Bezirksrichter) ein, die unmittelbar vor Ort Recht sprachen, und so die Landbevölkerung davon abhielt, für jeden kleinen Rechtsstreit in die Stadt zu kommen; denn dort bestand immer die Gefahr der Zusammenrottung und damit eine Gefahr für die Herrschaft des Peisistratos29.

Ein weiterer Pluspunkt für die Bauern war die Gewährung von Darlehen. Damit konnten die Bauern dringend benötigte Anschaffungen gleich erledigen, somit mehr und effizienter arbeiten, durch diese Mehrarbeit größere Mengen produzieren, und schließlich mehr verdienen. Für P. rechneten sich diese Darlehen genauso. Er vergab das Darlehen bestimmt nicht zinslos, und die Bauern mußten ja weiterhin 10% an ihn abgeben. Bei größer werdenden Mengen profitierte P. also noch einmal. Insgesamt verbesserte sich die Lage der Bauern, die nun nicht mehr unter dem direkten Einfluß der Adligen standen, und die durch die gewährten Darlehen ihren Lebensstandard erhöhen konnten.

Die Stadtbevölkerung hatte auch ihre Vorteile durch Peisistratos, es gab für sie sehr viel Arbeit. So gingen viele in den Söldnerdienst und bekamen dort ihr Geld. Andere, vor allem Handwerker, bekamen in großem Umfang Aufträge für die zahlreichen von P. initiierten Bauten und Kunstwerke, die in der folgenden Zeit Athen schmücken sollten. Auch eine Wasserleitung wurde in die Stadt gebaut, womit sich der Lebensstandard erhöhte. Durch diese Arbeiten, sowohl als Söldner, wie auch als Handwerker oder einfacher Arbeiter versuchte P., diese Leute möglichst fest an sich zu binden, um möglichen Aufständen vorzubeugen. Die Bevölkerung dankte es ihm, und verhielt sich ruhig30.

2.3.4. Religion

Die Religion spielte auch bei Peisistratos eine immense Rolle. Die wichtigste Gottheit für ihn war ganz klar Athene. Das läßt sich daran sehen, daß P. bereits beim zweiten Versuch, die Macht zu ergreifen, eben eine Frau als Athene verkleidet vor sich in die Stadt ziehen läßt, und so, mit dieser Unterstützung und dem Irrglauben des Volkes, Herrscher wird. Athene bekam bei diesem Versuch schon den Vorrang vor anderen Gottheiten. Ein anderer Punkt ist, daß Athene selbst ja die Stadtgöttin Athens schon vor P. war, und dieser gar nicht anders konnte, als diesen Kult beizubehalten, wenn er keinen Aufstand herausfordern wollte.

Zur weiteren Ehre der Athene wurden die Panathenaien eingerichtet, ein Fest, ähnlich den olympischen Spielen, das im vierjährigen Rhythmus ausgetragen wurde. Ein 100 Fuß langer Tempel der Athene, der Hekatompedos (100 Fuß langer Tempel31 ), der auf der Akropolis errichtet wurde, spricht auch für eine sehr große Verehrung der Göttin in der Herrschaftszeit des Peisistratos.

Das normalerweise gut gepflegte Verhältnis zu Delphi wurde unter der Herrschaft des Peisistratos nicht weiter ausgebaut, es kam teilweise zum Erliegen. Grund dafür war das um so bessere Verhältnis der Alkmeoniden zu Delphi, das auf die frühere Herrscherrolle derselben zurückzuführen ist. Diese hielten sich sogar zeitweise in Delphi direkt auf.

Zusammenfassung

Wie hat es nun Peisistratos, der ein gutes Beispiel für die Tyrannis an sich gibt, endgültig geschafft, die Macht in Athen an sich zu reißen?

Er versuchte es auf verschiedene Arten, doch nur der dritte Versuch war erfolgreich. Weder der gewaltsame Versuch mit einer Besetzung der Akropolis durch ihn und seine Anhänger, noch der Trick mit einer Legitimation durch die Stadtgöttin Athene hatten den Erfolg auf Dauer gebracht. Der Grund dafür war, daß er es nicht verstand, seine Gegner, die ihm dadurch erwuchsen, rechtzeitig auf seine Seite zu bringen, oder politisch wie militärisch auszuschalten.

Erst der dritte Versuch, durch fremde, bezahlte Truppen aus anderen Landesteilen, brachte ihm den Erfolg. Durch diese Militärmacht und die nach der Übernahme der Stadt erfolgten Maßnahmen konnte er schließlich auch die Macht in seinen Händen behalten und seine Tyrannis ausüben. Das heißt, daß ein Mann, der eine Tyrannis aufbauen möchte, dies entweder mit der nötigen Unterstützung des Volkes (Bürger und Adlige) tun kann, oder auf die Mithilfe starker Truppen setzen muß, um seine Machtstellung zu festigen. Dies gelang Peisistratos nach zehn Jahren Exil und der Anhäufung großen Reichtums, ohne den er nicht in der Lage gewesen wäre, die militärische Stärke aufrecht zu erhalten.

Bibliographie

Berve, H., Die Tyrannis bei den Griechen, 2 Bde., München 1967.

De Libero, L., Die archaische Tyrannis, Stuttgart 1996.

Ziegler ,K. und Sontheimer, W.(Hrsg.), Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, 5 Bde., Stuttgart 1964.

[...]


1 Der Kleine Pauly, Bd. 4, Sp. 589

2 Der Kleine Pauly, Bd. 4, Sp. 968

3 Berve,H ,Tyrannis, S. 47.

4 Der Kleine Pauly, Bd. 2, Sp. 1124

5 Berve,H ,Tyrannis, S.42

6 Der Kleine Pauly, Bd. 1, Sp. 710

7 Berve,H.,Tyrannis, S. 45

8 Arist. Athen. Pol., 13,3

9 Arist. Athen. Pol., 14,1

10 Arist. Athen. Pol., 14,1

11 Berve,H., Tyrannis, S. 48

12 Ebd.

13 Hdt. 1,60

14 Berve,H., Tyrannis, S.50

15 Ebd.

16 De Libero,L., Die archaische Tyrannis, S. 59

17 Nordöstlich der Chalkidike gelegen

18 Ob in diesem Zusammenhang der Gold- und Silberminen die ersten Münzprägungen, von Peisistratos initiiert, aufkamen, ist ungewiß, liegt aber im Bereich des Annehmbaren.

19 Berve,H., Tyrannis, S.50/1

20 Hdt. 1,62

21 Es untersützte ihn nicht nur Hegesistratos, sondern auch seine anderen Söhne, die aber in diesem Zusammenhang eine eher untergeordnete Rolle spielen.

22 Hdt. 1,63

23 Arist. Athen. Pol. 15,2

24 Arist. Athen. Pol. 16,1

25 Berve,H., Tyrannis, S. 53

26 Bekannt gemacht durch Flüchtlinge von der kleinasiatischen Küste, die nach dem Sieg der Perser 545 v. Chr. nach Attika übersiedelten.

27 Berve,H., Tyrannis, S.54

28 Arist. Athen. Pol. 16,1

29 Berve,H., Tyrannis, S. 55

30 Berve,H., Tyrannis, S. 56

31 Berve,H., Tyrannis, S. 60

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Peisistratos Weg zur Machtergreifung in Athen
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
12
Katalognummer
V103502
Dateigröße
351 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Proseminararbeit
Schlagworte
Peisistratos
Arbeit zitieren
Leopold Fischer (Autor), 1999, Peisistratos Weg zur Machtergreifung in Athen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103502

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