Die Entwicklung des E-Books. Ein historischer Abriss


Hausarbeit, 2019

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitorische Abgrenzung

3. Phasen der Entwicklung
3.1 Erste Phase der Entwicklung des E-Books (1945 - 2010)
3.2 Zweite Phase der Entwicklung des E-Books (2010 - 2018)

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„People will soon read portable electronic books in preference to conventional ones. [...] In only 5-10 years a range of electronic books will be available.“1

Das Zitat von Frank Lukey 1989 in der Information World Review verdeutlicht die wechselhafte Entwicklung des E-Books, welche oftmals groB angekundigt worden ist: GroBe Unternehmer prophezeiten dem E-Book eine glorreiche Zukunft, wahrend sie in der Gesellschaft eine lange Zeit auf Skepsis trafen.

In der heutigen Zeit (2019) sind die verschiedenen E-Books kaum mehr wegzudenken: Es existiert ein abwechslungsreiches thematisches Angebot an E-Books, sodass vielfaltige Praferenzen abgedeckt werden und somit immer mehr Leser das neue Medium nachfragen. Doch wie entstand eigentlich das E-Book und welche Entwicklung vollzog sich? Die vorliegende Arbeit „Die Entwicklung des E-Books - ein historischer Abriss“ wird sich dieser Frage widmen und einen geschichtlichen Uberblick uber das Aufkommen des E-Books in der Gesellschaft geben.

Im ersten Teil wird eine kurze Definition des E-Books gegeben, in welcher der Begriff prazisiert wird. Das zweite Kapitel widmet sich der Entwicklung des E-Books, welche in zwei Phasen unterschieden wird. Die erste Phase ist von 1945 bis 2010. Die zweite somit ab 2010 bis zum heutigen Stand. In beiden Phasen werden die Entwicklungsschritte des E-Books genauer untersucht. Zudem werden die Fortschritte und die Fehltritte bei der Erarbeitung des E-Books herauskristallisiert. In der Schlussbetrachtung werden alle herausgearbeiteten Aspekte prazise zusammengefasst.

2. Definitorische Abgrenzung

Die Definition laut Zivkovic fur das E-Book wird in der vorliegenden Arbeit als gultig genommen:

An electronic book is one or several files of monographic character available to the public online or in their physical form (on CD Rom, diskette or the like physical carriers). In addition to text it may include images, sound, links to related online pages and software to change and supplement it.2

Diese Definition behalt somit den monographischen Charakter eines Buches, welches allerdings in einer elektronischen Datei gespeichert ist.3 Die Definition schlieBt Zusatzfunktionen wie Tone, Websuchfunktionen, Hyperlinks etc. ein, welche im Laufe der Zeit stetig vermehrt im E-Book zu finden sind, um dem Kaufer ein besseres Leseerlebnis zu bieten und um die Attraktivitat des E­Books zu steigern. Somit werden Artikel und andere Texte, die in digitaler Form vorliegen, sowie das Lesen am Bildschirm ausgeschlossen. Folglich ist ein E-Book ein traditionelles Buch, welches elektronisch angeboten wird.4

Nicht zu verwechseln mit dem E-Book ist der Begriff des Elektronischen Buches und des E-Book Readers: Das Elektronische Buch wird dem elektronischen Publizieren zugeordnet und gehort somit zum Herstellungs- und Vertriebsverfahren digitaler Publikationsformen.5 Die E-Book Reader sind die Hardware Gerate, die dazu da sind, um ein elektronisches Buch lesbar darzustellen - somit das Speichermedium fur die elektronische Datei, in dem das Buch gespeichert ist und vorliegt.6

3. Phasen der Entwicklung

3.1 Erste Phase der Entwicklung des E-Books (1945 - 2010)

Im Jahr 1945 war Vannevar Bush, Ingenieur (1890 - 1974), der Erste mit der Vision und Idee, das Buch mithilfe eines technischen Gerates zu lesen und entwickelte den ,Memex': einen kompakt- analog Rechner. Der Name ist eine Komposition aus den beiden englischen Wortern ,Memory‘ und ,Extender‘ (zu Deutsch: Gedachtnis und Erweiterung7 ) - ,Memex' sollte somit als Gedachtnisstutze helfen und Bucher, Zeitungen und Bilder mithilfe eines Mikrofilms archivieren und kombinieren. Uber den Bildschirm sollte folglich alles abrufbar sein. Der ,Memex' war tatsachlich eine ausgeklugelte Datenbank, die verschiedene Medienarten speicherte. In der Fachliteratur gilt der ,Memex' allerdings als das erste Modell des E-Books.8 Die Idee von Bush war somit der erste Schritt in die Entwicklung des E-Books - seine Idee bekam allerdings nicht allzu viel Aufmerksamkeit. Im Gegensatz dazu genoss das Project Gutenberg einige Jahre spater, 1971,
groBere Bekanntheit in der Offentlichkeit. Das Project Gutenberg wurde von Michael Hart, US- amerikanischer Schriftsteller (f 6. September 2011), gegrundet: Der Name des Projektes lehnt an den Erfinder des modernen Buchdruckes an. Hart wollte eine Online-Bibliothek grunden, in der Bucher und Informationen aller Art der allgemeinen Offentlichkeit zur Verfugung gestellt werden. Die Online-Bibliothek sollte fur eine groBtmogliche Anzahl an Benutzern frei zuganglich sein - und zwar umsonst: Er sah den Computer als bestes Mittel fur Speicherung. Die Bucher wurden damals von Hand abgetippt, auf den Server des Projektes hochgeladen und danach korrekturgelesen. Die Informationen, die schlieBlich ab Mitte der 1990er Jahre uber das Internet zur Verfugung standen, wurden in verschiedenen Formaten (EPUB, HTML, etc.)9 angeboten.10 Unmittelbar ein Jahr spater, 1972, wurde der erste Prototyp zum ,DynaBook‘, der Vorlaufer fur den Laptop und fur das elektronische Lesegerat, von Alan Kay, der beim Forschungszentrum Xerox Parc arbeitete, entwickelt.11 Die Entwicklung des Kopier- und Druckerunternehmen war die Initialzundung fur die eigenen Mobilrechner. Die Zielgruppe des ersten ,DynaBooks' waren Studenten, damit diese ihre Studienmaterialien und Lehrwerke uber einen tragbaren Computer uberall abrufen konnten.12 In den 1980er Jahren kamen kommerzielle Varianten des ,DynaBooks‘ auf den Markt: der ,GRID‘ von der ,Computer Systems Corporation4. 1989 folgte das ,DynaBook J-3100 SS001‘ von Toshiba auf den Markt. Beide ,DynaBooks' waren keine dezidierten Lesegerate. Das erste dezidierte Lesegerat wurde 1985 von den Bellcore Laboratories entwickelt: das , SuperBook'.13 Es war ein weiterer Entwicklungsschritt fur das zukunftige E-Book: Es gab eine nutzerorientierte Perspektive bei der Konzeption des Gerates, indem ein benutzerfreundliches Interface und eine Suchfunktion vorhanden waren. Zudem gab es ein Inhaltsverzeichnis, mit dem Informationen fur den Nutzer schneller aufzufinden waren: „Das Interface bestand aus vier Fenstern, die den Buchtitel, das Inhaltsverzeichnis, die Seite selbst sowie ein Feld, um Worte nachzuschlagen, enthielten.“14 Das , SuperBook' war allerdings keine Nachahmung des Buches, sondern es wurde ein verbessertes
Lesemedium geschaffen.15 Abgesehen vom Fortschritt der Entwicklung der Lesegerate fingen die Verlage an, Inhalte online anzubieten wie beispielsweise die Oxford University Press. Zusatzlich wurde 1987 der Roman Afternoon von Michael Joyce auf der Floppy Disk veroffentlicht. Im Jahr 1990 konnte das Programm ,PC-Book‘, entwickelt von John Galuskza, elektronische Bucher darstellen und verfugte erstmals uber Features wie Seitenanzeige und elektronische Lesezeichen.16 Nicht nur diese neuen Zusatzfunktionen wurden im Jahr 1990 entwickelt, sondern auch der ,Discman‘ von Sony. Der ,Discman‘ wurde als ,electronic book player‘ vermarktet. Er war neben dem Lesegerat auch der Vorlaufer der PDA's (Personal Digital Assistant). Der ,Discman‘ verfugte uber einen Speicher, ein Display, eine Tastatur, ein CD-ROM-Laufwerk und einen Multimedia-CD- Player. Das Gerat wog 870 Gramm und war fur den professionellen Gebrauch gedacht. Die Zielgruppe der Gerate waren, laut dem Chef der Sony GmbH Koln Sven Oliver Wirth, Unternehmen mit groBem AuBendienst und Service-Organisationen.17 Durch den ,Discman‘ war es ihnen moglich, elektronisch gespeicherte Handbucher, Prospekte und Zeitschriften in nur einem Gerat mitzunehmen, anstatt Unmengen an Papier mit sich zu tragen. Doch nicht nur elektronische Informationen konnte der Apparat speichern, sondern auch bewegte Bild-Prasentationen inklusive Sound und Lautsprechern wurden ermoglicht. Dank eines Stereo- und Video-Ausgangs konnte das Video an einen Beamer oder Fernsehapparat geschlossen werden. Der ,Sony Data Discman' ermoglichte somit einen bequemeren und einfacheren Arbeitstag. Weitere Funktionen waren ein beleuchtetes LCD-Display mit 320x200 Bildpunkten und die GroBe betrug 5x5 Zoll. Um das System des ,Discmans‘ allerdings nutzen zu konnen, mussten die Nutzer die von Sony extra entwickelte proprietare Software ,Electronic Book Authoring4 besitzen. Somit konnten ausschlieBlich die Bucher gelesen werden, die fur die proprietare Software hergestellt worden waren. Der Einkaufspreis fur den ,Discman‘ lag bei knapp 200 DM plus Mehrwertsteuer. Der ,Sony Data Discman‘ bekam hauptsachlich negative Kritik: Die kleinen Displays und die kurze Akkuzeit wurden bemangelt. Unter anderem wurde die Suchfunktion als mittelmaBig bewertet und der Content umfasste lediglich 20 Bucher des eigenen Sony Formates fur den ,Discman‘. Aufgrund der negativen Response waren die Verkaufszahlen des ,Discmans‘ niedrig und er wurde infolgedessen
ein paar Jahre spater, 1993, vom Markt genommen.18 Im selben Jahr brachte Apple das ,Newton Message Pad‘, einen mobilen Handcomputer, heraus. Auf dem Pad konnten Bucher fur das System von Apple und E-Books gelesen werden. Allerdings war das ,Newton Message Pad‘ nicht auf das Lesen langer Texte ausgerichtet.19 Funf Jahre spater nach einigen technologischen Entwicklungen wurde das ,Rocket eBook' von Nuvomedia und das ,SoftBook‘ von SoftBook-Press herausgebracht: Beide Gerate besaBen bessere Displays und somit eine bessere Darstellung des Textes. Zudem wurde die Batterielaufzeit verlangert, wodurch der Akku leistungsfahiger war. In Deutschland fuhrte dies zum ersten E-Book-Hype. Das Format der Gerate ahnelte optisch einem Taschenbuch, da das Taschenbuch bisher bei der Gesellschaft das beliebteste Format des Buches war. Es war moglich, die Seiten umzublattern und obendrein durch einen Menuknopf das Inhaltsverzeichnis angezeigt zu bekommen. Abgesehen davon gab es einen Fortschrittsbalken, der visualisierte, wie viel schon gelesen worden ist und wie viele noch zu lesende Seiten es gab. Zusatzlich dazu konnten Textpassagen markiert werden. Mit dem Akku wog jedes Gerat 500 Gramm, womit es minimal schwerer war als ein herkommliches Taschenbuch. Das Display verfugte uber eine Hintergrundbeleuchtung, war allerdings weiterhin schwarz-weiB und nicht in Farbe mit den Bildpunkten von 480x320. Der Speicher hatte nur wenige Megabyte20 und war an ein Verschlusselungsformat gekoppelt. Die Nutzer konnten aufgrund des Verschlusselungsprogramms die Bucher nicht untereinander austauschen und weitergeben. Zudem konnte das Buch weder ausgedruckt noch auf ein anderes Gerat geladen werden. Im System fur das ,Rocket eBook‘ und ,SoftBook‘ gab es circa 3.500 Buchtitel und 1.200 urheberrechtsfreie Klassiker. Durch den Erwerb eines Nuvomedia-E-Books erhielt der Nutzer folglich nur ein Leserecht und kein Eigentumsrecht des Buchtitels.21 Die Strategie von Nuvomedia war somit die Verschlusselung der Buchdatei und des zentralen Servers, damit ein Verlag mindestens funf Titel auf dem Server bereitstellte, die darauf in das ,Open eBook‘ Format konvertiert und ubernommen worden sind. Nuvomedia durfte durch solch einen Vertrag die elektronische Kopie an einen Internethandler weitergeben und dieser verkaufte sie dann an Kunden, womit Nuvomedia im Zentrum der Transaktion stand. Verlage
behielten dadurch die Freiheit, ihre Titel anderweitig zu verwerten und die Preisgestaltung lag auch weiterhin bei ihnen.

Die Reaktionen auf das ,Rocket eBook‘ waren allerdings verhalten: „Man kann auf dem Gerat problemlos langere Texte fur langere Zeit lesen und der Kauf hat mich auch nicht gereut - auch wenn die aktuelle Materialisierung meines Traumes bestenfalls ein Kompromiss ist.“22 Somit wird die Akkulaufzeit als positiv bewertet, die allgemeine Umsetzung jedoch als negativ. Der Spiegel behauptete, dass das E-Book ein revolutionares Produkt, die Gesellschaft dafur allerdings noch nicht bereit sei, Geld auszugeben.23

Interessant ist, dass Ende der 1990er Jahre und Anfang der 2000er Jahre die Unternehmer sehr positiv und ambitioniert bezuglich des E-Book-Marktes gestimmt waren. Goldhaber sah die Bucher bereits als nostalgisches Objekt an aufgrund des E-Books:

Plotzlich kommt das elektronische Buch in vielen Versionen. Zusammen fuhren die zu gewaltigen Veranderungen in den Beziehungen zwischen Autoren, Lesern, Verlagen, Buchhandlung, Bibliotheken und Rezensenten, also der gesamten Welt des Buches oder einfach der ganzen Welt. Das herkommliche Buch mit den Seiten aus Papier kann bereits auf dem Weg sein, ein nostalgisches Objekt zu werden [■■■].24

Doch nicht nur Goldhaber sondern auch der Grunder von Microsoft machte eine ambitionierte Vorhersage der Entwicklung in der Gesellschaft, die laut ihm so aussah: Elearcrwc textbooks appear and help reduce backpack load on students.

FCs end eflook dewces offer screens ilmosl os di.ir p ns paper | ] eH-toc. dewc« q n less than a pound, run e»gh1 hours and cc-asi as little as 199 Tahiti PCS Jrnvf w. Ih I'Bopk i^.idmu. ha nrfw fling input £nd pqwrrful .iF:i::liCJkliqnS The sales o<eBook tiles, e Magazines., and eNewspapers top 11 billion.

eBock stands proliferate, offering book and periodical tides |...' eBppk titles begin tn outset paper im many-categories [...J. tftook deuces '.->e qpi halJ a pound, <ui 24 h&uis, and hold as many asa million rites f JKtnphiK jnd paper books Comprte vigorously I J Ma/x newspapers publish their last paper editions [...]. Diese ambitionierte Einschatzung des E-Book-Marktes ist idealtypisch fur den Anfang der 2000er Jahre. Im Verlauf der vorliegenden Arbeit wird dargestellt werden, dass dies nicht der Fall war. Im Jahr 2000 kamen mehrere E-Book-Reader Varianten auf den Markt. Eins davon war das ,REB 1100‘ von Gemstar25 und war das Nachfolgemodell fur das ,Rocket eBook‘. Es besaB die GroBe eines Taschenbuchs, wog 500 Gramm, die Schrift konnte in verschiedenen Graustufen eingestellt werden und war mit einem Touchscreen und einer Auflosung von 320x480 Bildpunkten ausgestattet. Das ,REB 1100‘ verfugte uber einen Ethernetanschluss und hatte eine Speicherkapazitat von 16 MB, womit 8.000 Seiten Text gespeichert werden konnten, was circa 13 Buchern26 entspricht.27 Durch eine Smartmedia-Karte war es moglich, die Speicherkapazitat auf 73 MB zu erhohen. Der reflektierte Bildschirm bot ein besseres Leseerlebnis und sobald die AuBenbeleuchtung gering war, konnte eine Hintergrundbeleuchtung hinzugefugt werden. Das E­Book konnte alle Titel in HTML-Format28 lesen. Aufgrund der verschlusselten Buchdatei war es dem Nutzer moglich, die Buchdatei sofort uber den Online-Handler zu beziehen, da im ,REB 1100‘ ein eingebautes Modem vorhanden war. Hinsichtlich der seriellen Verbindung konnten eigene Dokumente auf das E-Book geladen werden. Das zweite E-Book von Gemstar im Jahr 2000 war das ,REB 1200‘, welches der Nachfolger des ,SoftBooks‘ war. Es wog 940 Gramm, somit eindeutig mehr als das ,REB 1100‘. Folglich ahnelte das ,REB 1200‘ eher einem Hardcover-Buch als einem Taschenbuch. Die Auflosung lag bei 480x640 Bildpunkten, es besaB ein eingebautes Modem und einen Ethernetanschluss sowie einen Touchscreen. Die Akkulaufzeit betrug bis zu zwolf Stunden und das ,REB 1200‘ besaB einen 8 MB Speicher, womit 3.000 Seiten mit Bildern gespeichert werden konnten. Durch eine Flash Memory Card konnte auch hier der Speicher auf 128 MB erweitert werden. Das Format der Buchtitel war beim ,REB 1200‘ das Openbook-Format: Inhalte konnten somit ausschlieBlich nur vom Gemstar E-Book-Shop bezogen werden und es war keine Verbindung zum PC vorhanden, welches ein Vorteil gegenuber den Verlagen war, da diese somit einen Kopierschutz hatten. Fur den Leser war dies allerdings negativ, da er kein eigenes Material auf das Gerat laden konnte. Das ,REB 1200‘ wurde laut Jurgen Rink im Computer Magazin C'T trotz des Farbdisplays als nicht gut lesbar beschrieben. Zudem war das Display kontrastarm und bei Sonnenlicht war es dem Nutzer nicht moglich zu lesen. 29 Die beiden Gerate waren folglich nicht kompatibel miteinander aufgrund der verschiedenen Formate. Das ,REB 1100‘ kostete 299 US - Dollar und das ,REB 1200‘ 699 US-Dollar und beide kamen 2000 auf den amerikanischen Markt unter der US Marke RCA von Thomson.

Im Jahr 2001 sollte das ,GEB 2200‘ von Gemstar den deutschen Markt erobern - das erste E-Book mit Farbdisplay. Es knupfte an das ,REB 1200‘ an und sollte im Einfuhrungspreis 549€ kosten inklusive einem 100€ Lesepaket Gutschein, der bei dem Kooperationspartner Bertelsmann online einzulosen war - so war es dem Nutzer moglich, sich eine Basis-Bibliothek aufzubauen. Nach dem Einfuhrungspreis sollte das ,GEB 2200‘ 649€ kosten. Nicht nur Bertelsmann kooperierte mit Gemstar, sondern auch Zeitschriften, die im E-Book-Format zu lesen waren: Der Spiegel, Financial Times Deutschland oder auch internationale Titel wie Wall Street Journal. Die Abonnenten dieser Zeitschriften bekamen die Zeitschrift zwei Tage vor dem offiziellen Erscheinungstag.30 Zudem versuchte sich die amerikanische Firma Franklin mit dem ,eBookMan‘, ein Lesegerat fur elektronische Bucher. Der ,eBookMan‘ hatte Zusatzfunktionen wie Notizbuch, MS Outlook, Terminverwaltung wie Rechner und Sprachaufnahmefunktion und einen MP3-Player. Die Firma versuchte die Lucke zwischen PDA und Lesegerat zu schlieBen. Das Gerat gab es entweder mit einem 8 oder einem 16 MB Speicher, der konnte allerdings mit einer MultimediaCard erweitert werden. Die Auflosung war bei 200x240 Bildpunkten mit 16 Graustufen. Mithilfe eines Eingabestiftes, Stylus, und einer virtuellen Tastatur konnten Eingaben vorgenommen werden. Der ,eBookMan‘ konnte mehrere Formate lesen: HTML, TXT, PALMDOC, Mobipocket und das eigene Franklin Format FUB. Damit die Nutzer sich E-Books herunterladen konnten, mussten sie sich bei der Firma mit einer einmalig integrierten Nummer im ,eBookMan‘ registrieren. Folglich wurde das Betriebssystem durch den Nutzer erst nach dem Kauf aus dem Internet heruntergeladen und dann auf dem Gerat installiert, womit Software Updates schnell und problemlos durchs Unternehmen ermoglicht wurden. Zudem konnte das Gerat durch einen USB-Anschluss an einen Computer geschlossen werden. Der Preis lag bei 549 DM fur 8 MB und bei 649 DM fur 16 MB.31 Unter anderem brachte Microsoft im Jahr 2000 den ,Microsoft Reader‘ heraus, der ein Teil eines Gesamtkonzeptes war. Es wurde zudem an ein dazugehoriges Lesegerat gedacht - es kam allerdings nie dazu. Der Reader wurde bis 2003 weiterentwickelt, litt jedoch an Kooperationen. Zusatzlich dazu konnten Inhalte nicht uber Amazon bezogen werden und der Reader konnte nicht an andere Plattformen angeschlossen werden.32 Im Jahr 2003 gab Gemstar seinen Ausstieg aus dem E-Book- Markt bekannt, da die Marktlage zu schwierig war: „Man sei nicht in der Lage gewesen, die GroBe und die notigen Umsatze zu generieren, um das E-Book-Geschaft auch durch das derzeitige Geschaftsklima zu bringen [... ]“33 Das E-Book konnte si ch weder bei privaten noch bei geschaftlichen Kunden durchsetzen. Gemstar war somit in Deutschland der letzte Anbieter von reinen E-Book-Reader und den Konsumenten blieben ausschlieBlich die PDAs, Notebooks und PCs als Lesegerate.34 Bis 2005 blieb der Markt fur E-Book-Reader sehr hinter den Erwartungen zuruck. Nicht nur Microsoft, sondern auch internationale Analysten wie Accenture, prognostizierten einen E-Book-Boom: Fur 2005 sagten sie einen Umsatz von drei Milliarden Dollar voraus. Zudem sollte es 28 Millionen E-Book-Nutzer geben.35 Spiegel Online beschrieb die Situation fur den deutschen Markt ahnlich: „Die erste Generation der eBooks war keineswegs an ihrer Technik gescheitert, sondern an ihren Preisen - sowohl fur die Hard-, als auch fur die Software.“36 Die Grunde fur das Scheitern der E-Book-Reader bis hierhin lagen besonders an den technischen Einschrankungen wie einer zu geringen Akkulaufzeit, kleinen und schlecht auflosenden Displays: Der Nutzer hatte somit kein ausreichendes Leseerlebnis. Der hohe Preis war unter anderem auch fur das Scheitern des E­Book-Reader auf dem Markt verantwortlich - im Verhaltnis zu gedruckten Buchern war das E­Book einfach zu teuer. Ein weiterer Punkt war der stark beeintrachtigende Kopierschutz: Die Furcht vor Datenraub und Rechtsverletzungen war in der fruhen Phase der Digitalisierung zu groB. AuBerdem wurden fur die Verlage kaum neue Rechte eingefuhrt, zusatzlich kam die Unsicherheit und die fehlende Erfahrung der Verlage bei dem Handel mit digitalen Rechten hinzu. Daruber hinaus war die Instabilitat des E-Book-Marktes oft ein Grund, weshalb Verleger nur sehr zogerlich investierten. Abgesehen davon war der Einkauf der internationalen E-Books schwierig, was ein weiterer Anlass fur die nur langsam wachsende Angebotspalette war. Eine weitere Ursache war, dass es kaum Content gab, den man dem Nutzer bieten konnte, da er abhangig von dem jeweiligen 25 Abbildung 1: Schrape, Jan - Felix, Der Wandel des Buchhandels durch Internet und Digitalisierung, Stuttgart, 2011, S.30.

[...]


1 Riehm, Ulrich/Bohle, Knud/Gabel-Becker, Ingrid/Wingert, Bernd, Elektronisches Publizieren. Eine kritische Bestandsaufnahme, Berlin, 1992, S. 249.

2 Zivkovic, Daniela, The electronic book. The Change of the Paradigm for a changing bookmarked. BibSpider, Berlin, 2005, S. 115.

3 Rapp, Katharina, E-Books 2008. Von den Anfangen bis zum Durchbruch. Eine verlagswirtschaftliche Studie, Heidelberg, 2009, S. 4.

4 Vgl. Ebd.

5 Rapp, Katharina, E-Books 2008. Von den Anfangen bis zum Durchbruch. Eine verlagswirtschaftliche Studie, Heidelberg, 2009, S. 5.

6 Vgl. Ebd.

7 Freie Ubersetzung der Verfasserin Eva Frischmuth.

8 Rapp, Katharina, E-Books 2008. Von den Anfangen bis zum Durchbruch. Eine verlagswirtschaftliche Studie, Heidelberg, 2009, S. 7.

9 andere Formate waren: HTTP, HFTP, Peer - to Peer download, Mobi fur das Amazon Kindle, EPUB und HTML.

10 Hart, Michael (2011): „a Pioneer of E-Books, Dies at 64.“ URL: https://www.nytimes.com/2011/09/09/business/ michael-hart-a-pioneer-of-e-books-dies-at-64.html? r=1&smid=tw-nytimes&seid=auto (abgerufen am: 14.08.2019, 19:16 Uhr).

11 K.A.(2019): „Zuruck in die Zukunft: Toshiba wird Dynabook.“ URL: https://www.wiso-net.de/document/ ITB 458882690 (abgerufen am: 14.08.2019, 19:42).

12 Rapp, Katharina, E-Books 2008. Von den Anfangen bis zum Durchbruch. Eine verlagswirtschaftliche Studie, Heidelberg, 2009, S. 8.

13 Vgl. Ebd. S. 10.

14 Vgl. Ebd. S. 9.

15 Vgl. Ebd.

16 Vgl. Ebd.

17 K.A. (1993): „Drei Tonnen Papier oder ein Discman.“ URL: https://www.wiso-net.de/document/ VDIN__199301102202%7CVDIA__199301102202 (abgerufen am: 14.08.2019, 21:44 Uhr).

18 K.A. (2017): „Vom Data Discman zum Multimedialen Digitalbuch.“ URL: https://www.buchreport.de/news/vom- data-discman-zum-multimedialen-digitalbuch-eine-kurze-geschichte-des-e-books/ (abgerufen am: 15.08.2019, 13:02 Uhr).

19 Rapp, Katharina, E-Books 2008. Von den Anfangen bis zum Durchbruch. Eine verlagswirtschaftliche Studie, Heidelberg, 2009, S. 11.

20 im Folgenden durch die Abkurzung MB gekennzeichnet.

21 Vgl. Ebd. S. 12f. Nirtfly perttnl r>1 all lfllh aw ndw ahO ?Old in r’lKEriJiX H WH ai paper f&iin

22 Schrape, Jan - Felix, Der Wandel des Buchhandels durch Internet und Digitalisierung, Stuttgart, 2011, S.36.

23 K.A. (1999): „Die Revolution stolpert voran.“ URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,53504,00.html (abgerufen am: 16.08.2019, 16:18 Uhr).

24 Goldhaber, Michael (1998): „Das Zeitalter des elektronischen Buchs.“ URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/ 2/2570/1.html (abgerufen am: 16.08.2019, 16:03 Uhr).

25 Gemstar kaufte Nuvomedia und Softpress im Jahr 2000 auf.

26 Wenn man die durchschnittliche Kapazitat von 1,2 MB pro Titel nimmt.

27 Rapp, Katharina, E-Books 2008. Von den Anfangen bis zum Durchbruch. Eine verlagswirtschaftliche Studie, Heidelberg, 2009, S. 13.

28 HTML Abkurzung fur „Hypertext Mark Up Language“.

29 Rink, Jurgen, Bildschirmschmoker. E-Books lesen und erstellen. In:c't Magazin fur Computertechnik, 2003, Nr. 22, S. 209.

30 Rapp, Katharina, E-Books 2008. Von den Anfangen bis zum Durchbruch. Eine verlagswirtschaftliche Studie, Heidelberg, 2009, S. 14f.

31 Vgl. Ebd. S. 16f.

32 Schrape, Jan - Felix, Der Wandel des Buchhandels durch Internet und Digitalisierung, Stuttgart, 2011, S. 31.

33 Hartmann, Helmut, E-Bucher: Vom Project Gutenberg zum Paper-Like Display Book: Eine Entwicklung. In: Medizin -bibliothek -information, 2003, Nr. 3, S. 14.

34 K.A. (2017): „Vom Data Discman zum multimedialen Digitalbuch.“ URL: https://www.buchreport.de/news/vom- data-discman-zum-multimedialen-digitalbuch-eine-kurze-geschichte-des-e-books/ (abgerufen am: 16.08.2019, 17:14 Uhr).

35 Schrape, Jan - Felix, Der Wandel des Buchhandels durch Internet und Digitalisierung, Stuttgart, 2011, S. 36.

36 Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des E-Books. Ein historischer Abriss
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
27
Katalognummer
V1035047
ISBN (eBook)
9783346443502
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, e-books, abriss
Arbeit zitieren
Eva Frischmuth (Autor:in), 2019, Die Entwicklung des E-Books. Ein historischer Abriss, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1035047

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