Stalinismus in Polen


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
5 Seiten, Note: 12 Punkte

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I. Definition Stalinismus

- von Stalin entwickelte und zum herrschenden Doktrin des Kommunismus erhobene Ausprägung des Marxismus-Leninismus

- Zentrum: “Aufbau des Sozialismus in einem Lande“ Rasche und gewaltsame Kollektivierung der Landwirtschaft

- seit XX. Parteitag der KpdSU 1956, als Chruschtschow Stalin öffentlich kritisierte, abwertend für den stalinistischen Totalitarismus

- Kennzeichen: willkürliche Unterdrückung der Massen, grotesker Personenkult, „Säuberung“ von Staat und Partei durch Hinrichtungen

- Stalinistisch auch Regime linker Diktatoren, die sich ähnlicher Methoden bedienten, z.B. Kambodscha > Pol Pot, Rumänien > Nicolae Ceausescu, Nordkorea > Kim Il Sung

- In Stalins letzten Lebensjahren einer Staatsregionen immer ähnlicher

- Versuch, die Entwicklung der Künste (sozialistischer Realismus), der Sozialwissenschaften, der Naturwissenschaften, insbesondere der Genetik zu bestimmen

- Stalinismus beruht auf der Annahme, dass der Aufbau des „Sozialismus in einem Land“ ungeachtet der umgebenden feindlichen kapitalistischen Länder möglich sei Ø russ. Kommunisten konnten an den russ. Nationalstolz appellieren

- von Revolutionären in anderen Ländern erwartet, notfalls für die Verteidigung des

„Vaterlandes aller Werktätigen“ zur Verfügung zu stehen

II. Die Rahmenbedingungen

- innere Entwicklung Polens nach 2.WK vor dem Hintergrund der Teilung Europas während des „Kalten Krieges“ gesehen werden

- „Anit-Hitler-Koaltion“ zerbrach bald nach dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland

- machtpolitische Gegensätze ausschlaggebend

- Jalta: Wiederherstellung der Souveränität und der Selbstregierung für alle europ. Staaten gefordert (Westmächte)

- SU errichtet in allen von Roten Armee eroberten Gebieten kommunist. Regime, die in Abhängigkeit von Moskau standen

- Polen: einer der ersten Staaten, denen die UdSSR das Selbstbestimmungsrecht vorenthielt

- Versuch poln. Kommunisten mit Unterstützung der Sowjetarmee, eine totalitäre Diktatur nach Moskauer Vorbild zu errichte

- Kennzeichen:

- Säuberung aller Bereiche des öffentlichen Lebens von demokratischen Elementen und Gleichschaltung

- Verbot demokratischer, nichtkommunistischer Parteien, bzw. zur Unterordnung unter den Führungsanspruch der KP gezwungen

- Umstellung der Wirtschaft auf zentral gelenkte Planwirtschaft

- Enteignung von Landbesitz und Privateigentum und Zwangskollektivierung

- Stimmung der polnischen Bevölkerung:

- Wunsch nach demokrat. und offener Gesellschaftsordnung

- Tief verwurzeltes Bewußtsein der kulturellen und zivilisatorischen Zugehörigkeit zu Westeuropa

- Historisch bedingte breite Ablehnung des Kommunismus und des Bündnisses mit der Sowjetunion

- Tiefe Verwurzelung der katholische Kirche im poln. Volk als bewährte Verteidigerin nationalen Selbstbewußtseins

- Unterdrückung jedes äußeren Zeichens einer Opposition durch Terror, mit Hilfe der

Demokratie, des Geheimdienstes, Polizeiapparates und Militärs

- Kommunisten konnten nie das sowjetische Herrschaftsmodell des „realen Sozialismus“ in Polen vollständig verwirklichen

- Genannte Faktoren zwangen in Krisenzeiten zur Rücksichtnahme

III. Reaktion der Westmächte

- rasch anwachsende Bedrohungsgefühle

- März 1946: „Eiserner Vorhang“, geprägt durch Winston Churchill, charakterisiert die Rivalität der gegensätzlichen politischen Systeme

- Zur Verhinderung eines weiteren Vordringens des Kommunismus: „Politik der Eindämmung“ durch Westmächte unter Führung der USA

- Verschärfung des Konfliktes, kaum Verständigung unter Bedingungen des „Kalten Krieges“ möglich

- Auch Gegensatz zwischen Bundesrepublik und der Volksrepublik Polen

IV. Zeit der kommunistischen Machtergreifung (1945-1947)

- Befreiung Polens begann kurz nach Einmarsch der Alliierten in Frankreich im Juli 1944

- Juni, Juli, August: Reihe von vernichtenden Niederlagen an der Ostfront durch die rote Armee

- Bis September: Rote Armee mit Unterstützung von Kontingenten poln. Truppen bis auf poln. Gebiet vorgerückt

- August 1944: Polnische Heimatarmee übernahm die Hauptstadt Warschau, löste auf

Veranlassung der Londoner Exilregierung den 2. Warschauer Aufstand aus

- Sowjets aber nicht im Stande oder nicht willens, den Aufstand zu unterstützen

- Oktober. Einnahme der Stadt durch die Deutschen, Evakuierung der Bevölkerung,

Zerstörung

- Januar 1945: Ruinenstadt von Roter Armee eingenommen

- März: Vertreibung der letzten deutsche Truppen aus dem Land

- Juli 1944: sowjet. Führung hatte die Bildung des poln. Nationalen Befreiungskomitees unterstützt, deutlich kommunistisch dominiert

- Auch „Lubliner Komitee“ genannt

- Dezember 1944: Gremium rief sich zur poln. Regierung aus

- Nach mehreren Versuchen gelang die Versöhnung zwischen der Londoner Exilregierung und dem Lubliner Komitee

- Poln. Bevölkerung wollte weder eine kommunistische Regierung noch eine von der SU abhängige „Volksrepublik“ als Staatsform

- Allmähliche Machtübernahme durch Kommunisten nicht ohne Widerstand hingenommen

> bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen

- 28.Juni 1945: „Provisorische Regierung der Nationalen Einheit“, +einige Exilpolitiker

- Regierung von GB und USA im Folgemonat anerkannt, nachdem SU auf Konferenz von Jalta freie Wahlen für Polen zugesagt hatte

- An Spitze der Regierung Bierut als Staatspräsident und Osóbka-Morawski als

Ministerpräsident

- Mit bürgerlich-demokratischer Opposition konfrontiert

- bestand im wesentlichen aus der von dem nach Polen zurückgekehrten Exilpolitiker Mikolajczyk gegründeten „Polnischen Volkspartei“ (PSL)

- trat für freie und geheime Wahlen und Errichtung einer parlamentarischen Regierung ein Ø aufgrund ihrer antikommunistischen Politik anfangs großer Zulauf von seiten der Bauernschaft und Intelligenz

- Behinderung der Arbeit, Verfolgung der Anhänger mit Terror und Schikanen Ø Viele Polen traten aus Angst vor Repressalien der KP bei

- Regierung schürt Angst vor Deutschen und diffamiert die PSL als Verbündete des deutschen Revisionismus

- Gleichzeitig: Rechtfertigung der eigenen Herrschaft und des Bündnisses mit der SU als Schützerin der neuen polnischen Westgrenze

- 19.Januar 1947: hinausgezögerte Parlamentswahlen enden mit überwältigendem Sieg des von den Kommunisten geführten „Demokratischen Blocks“

- ausländische Beobachter: Stimmenanteil der PSL 60%

- Block erhielt 394 von 444 Mandaten

- Ergebnis mit Terror, Manipulationen und Verhaftungen herbeigeführt

- 5.Februar: Verfassungsgebende Nationalversammlung wählt Bierut zum

Staatspräsidenten

- ein wesentlicher Schritt zur Eingliederung Polens in das sowjetische Herrschaftssytem war damit vollzogen

V. Von der Sowjetisierung Polens bis zum „ polnischen Oktober “ (1947-1956)

- Umstrukturierung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Sinne einer

möglichst getreuen ideologischen und institutionellen Übereinstimmung mit dem stalinistischen sowjetischen Vorbild

a) politische Umstrukturierung

- Nach Wahlen: PSL durch Verhaftungswelle bis zur Bedeutungslosigkeit dezimiert

- Mikolajczyk resignierte nach Androhung eines Hochverratsprozesses und floh im

Oktober ins Ausland

- Innerhalb der KP Machtkampf:

- „Moskauer“ unter Bierut setzten sich gegen die „Partisanen“ unter Gomulka durch Ø waren während der deutsche Besatzungszeit im Land verblieben Ø waren für polnischen „nationalen Weg zum Sozialismus“ und Beibehaltung des Privateigentums (Nationalkommunisten)

- als „Bourgeois“ diffamiert und aus der KpdSU ausgeschlossen Ø Gomulka abgesetzt und 1951-1954 inhaftiert

- Säuberung der Sozialisten (PSS) von bürgerlichen Elementen

- 21.Dezember 1948: Vereinigung der Sozialistischen Partei mit der Kommunistischen

Partei zur „Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei“ (PZPR)

b) Umstrukturierung der Verwaltung

- wichtige Positionen mit den Sowjets ergebenen Vertrauensleuten besetzt - 1949: sowjet. Marschall Konstantin Rokosovskij wird Oberbefehlshaber der polnischen

Streitkräfte, entfernt nationale Element und strukturiert sie nach dem Vorbild der Roten Armee um

- Höhepunkt der Sowjetisierung: 22.Juli 1952 neue Verfassung, die alle Macht im Staat der

PZPR übertrug

- Grundprinzip: Aufhebung der Gewaltenteilung innerhalb des gesamten Staatslebens

- Bildung und Kontrolle der Regierung oblag der Nationalversammlung, aber nur die

Beschlüsse des Zentralkomitees und des Politbüros der PZPR für alle Staatsorgane verbindlich

c) wirtschaftliche Umstrukturierung

- 1947-1956 Industrialisierung, Kollektivierung der Landwirtschaft, Verstaatlichung der

Betriebe

- verschärfte die negativen Folgen der Kriegszerstörung, der sowjet. Demontage und der durch die Westverschiebung Polens ausgelösten Wanderungen der Bevölkerung Ø zunehmende Versorgungsschwierigkeiten durch die einseitige Bevorzugung der Schwerindustrie bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Landwirtschaft und der konsumgüterproduktion

- Lebensmittelimporte aus SU, die an die Bevölkerung nur rationiert weitergegeben wurden

- Unzufriedenheit der Menschen wächst > Machtanspruch der Parteiführung nur noch durch

Terror und Repressalien durchsetzbar

- Februar 1956: Rede auf XX. Parteitag: kritisiert die Auswüchse des Stalinismus

- Juni 1956: während Internationaler Messe Ausbruch eines Streiks unter Fabrikarbeitern gegen Arbeitsnormerhöhungen, Lohnsenkungen und Versorgungsmängel

- Führte zu einem politischen Aufstand mit anitsowjetischer Tendenz

- Durch Einsatz von Truppen niedergeschlagen

- Neue Machtkämpfe in der PZPR führen zum Wiedererstarken der Nationalkommunisten, die im Juli 1956 die Rehabilitierung Gomulkas und dessen Wiederwahl in das Politbüros erzwangen

- Begeistert von Bevölkerung aufgenommen

- Gomulkas Programm eines „polnischen Weges zum Sozialismus“ hat genügend Anziehungskraft, um den Auflösungserscheinungen im öffentlichen Leben entgegenzuwirken

- Gomulka gelang die Überzeugung der sowjetischen Führung, das mit dem Programm weder eine Konterrevolution noch eine Gefahr für den 1 Jahr zuvor gegründeten Warschauer Pakt bestehe

- Blutvergießen durch Rote Armee verhindert, Weg frei für Reformen:

- vorsichtiger Kurs zwischen fester Einbettung ins sowjetisch-sozialistische Lager und den nationalistischen Gefühlen der Polen

- Bei Wahlen 1957 auch Nichtkommunisten und unabhängige zugelassen

VI. Konflikt zwischen Staat und Kirche

- bedeutende Rolle im religiösen, aber auch politischen, kulturellen und sozialen Leben Polens

- Verkörperte Einheit des Landes zur Zeit der Fremdherrschaft, da verschiedene Konfessionen

- katholische Kirche = Nationalbewußtsein und Zugehörigkeit > Rolle einer nationalen Ideologie

- Kirche während kommunist. Herrschaft zum Hort des Widerstandes gegen die atheistische

Ideologie des Marxismus-Leninismus und gegen die als russische Fremdherrschaft empfundene kommunistische Regierung

- 1949: massive Unterdrückungsmaßnahmen > Enteignung von katholischen Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten und des gesamten Grundbesitzes

- 1953: Treueeid der Priester,sonst Freiheitsstrafen

Primas von Polen, Kardinal Wyszynski, interniert nauch Kritik an Schauprozessen gegen Priester

- des Klerus in Haft

- Selbstbewußtsein der Kirch bleibt ungebrochen

- Keine Verbietung der öffentlichen Ausübung der Religion

- Kirchliche Verlage konnten Schriften verbreiten, Religionsunterricht, Weiterbestand der Orden, öffentliche Gottesdienste, Wallfahrten und Prozessionen

- Stärkung der Stellung der Kirche durch gleich politische Linie wie Kommunisten in Frage der „wiedergewonnenen Westgebiete“

- Wichtiger Faktor bei Integration der Oder-Neiße-Linie durch nationalpolnische Haltung

- Organisation des kirchlichen Lebens für Neueinwanderer

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Stalinismus in Polen
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V103511
Dateigröße
345 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stalinismus, Polen
Arbeit zitieren
Jana Beer (Autor), 2001, Stalinismus in Polen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103511

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