In der vorliegenden Hausarbeit wird dargelegt, wie der Genfer Philosoph Jean-Jacques Rousseau sich die ideale Gesellschaft vorstellte, und wie diese durch seinen fiktiven Gesellschaftsvertrag strukturiert werden sollte. In seinem Werk „Der Gesellschaftsvertrag“ geht der Genfer Philosoph Jean-Jacques Rousseau der Frage nach, wie die Gesellschaft durch eine allgemeine Verbundenheit zum Staat gerechter und freier werden kann. Das sieht er als Schlüssel des Unterfangens, den Menschen wieder zu ihrem natürlichen Glückszustand zu führen, welcher durch eine negative geschichtliche Entwicklung verloren gegangen ist.
Seine Hypothesen sind dabei ebenso bemerkenswert wie kontrovers und haben Rousseau einen besonderen Stellenwert innerhalb der klassischen Staatstheoretiker eingebracht. Ziel dieser Arbeit ist es nun, Rousseaus Ausführungen zur
politisch moralisch gerechten Gesellschaft auf Basis seines Werkes „Der Gesellschaftsvertrag“ genauer zu beleuchten. Dabei liegt der Fokus weniger auf einer exhaustiven Zusammenfassung der Inhalte des Gesellschaftsvertrages, als vielmehr dessen wichtigsten Aussagen, um daraus einen fundierten Überblick über Rousseaus Gesellschaftstheorie geben zu können. Dabei soll mitunter den Fragen auf den Grund gegangen werden, wie der Gesellschaftsvertrag funktionieren soll, welches Bild des Menschen Rousseau vertrat und wie er dieses bewertete, als auch wie er sich eine ideale Gesellschaft und deren optimale Führung und Struktur vorstellte.
Um seine Ausführungen zum Bürger und Staat zu verstehen und aus heutiger Sicht reflektieren zu können, wird zuerst das seinen Theorien zugrundeliegende Bild des Menschen dargelegt. Der Gesellschaftsvertrag und seine Auswirkungen auf die Bevölkerung eines Staates werden im Anschluss daran erörtert, um ausgehend davon Rousseaus Vorstellungen des
optimalen Gesetzgebers und der damit einhergehenden perfekten Staatsform zu untersuchen und abschließend ein kurzes Fazit zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rousseaus Menschenbild
2.1 Der Naturmensch als Ideal
2.2 Der Bürger als Verkörperung des moralischen Niedergangs
3. Der Gesellschaftsvertrag
3.1 Das Kollektiv als Schlüssel zum Glück
3.2 Das Volk und der Gesellschaftsvertrag
4. Zur staatlichen Aufgabenverteilung und der Religion
4.1 Der unfehlbare Gemeinwille und die Regierung
4.2 Vom übermenschlichen Gesetzgeber
4.3 Ein neues Konzept der Religion
5. Die perfekte Staatsform
6. Fazit
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Jean-Jacques Rousseaus zentrales Werk „Der Gesellschaftsvertrag“, um seine Vorstellungen von einer politisch und moralisch gerechten Gesellschaft zu analysieren. Ziel ist es, Rousseaus theoretisches Konstrukt der Volkssouveränität und die damit verbundene Rolle des Bürgers sowie die Bedingungen für einen funktionalen Staat herauszuarbeiten.
- Rousseaus Menschenbild im Übergang vom Naturzustand zum zivilisierten Bürger
- Die Funktion und Notwendigkeit des Gesellschaftsvertrags zur Erreichung des Gemeinwohls
- Die Rolle des Gesetzgebers und die Bedeutung einer staatlichen Zivilreligion
- Die Analyse verschiedener Staatsformen und ihre Eignung zur Umsetzung von Rousseaus Vision
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Kollektiv als Schlüssel zum Glück
Weg von der deskriptiven Kulturkritik der Gesellschaft möchte Rousseau normative Lösungen für die von ihm aufgeworfenen Probleme bieten. Die Rückkehr in den natürlichen Zustand ist wie bereits erwähnt nicht mehr möglich, und auch einen Verbleib im Zustand der ungerechten gierigen Gesellschaft lehnt Rousseau ab.
„In diesem Falle kann jener ursprüngliche Zustand nicht fortdauern und das Menschengeschlecht würde zugrunde gehen, wenn es nicht seine Art des Daseins veränderte“ (Rousseau 1862: 12)
Die Lösung sieht Rousseau in einer politisch-kulturellen Wandlung der ungerechten Gesellschaft, in der die Menschen zukünftig als Kollektiv agieren müssten. Ein neuer Gesellschaftsvertrag muss her. So schlägt er vor, dass die Menschen „durch gegenseitiges Zusammentreten und Zusammenhalten eine Summe von Kräften bilden, die den Widerstand überwältigen könne, und demnächst eben diese Kräfte durch eine einzige Triebfeder in Bewegung setzen und gemeinschaftlich wirken lassen.“ (Rousseau 1862: 12)
Rousseaus Vision ist darauf ausgerichtet, die Menschen aus ihrem aktuellen, selbstsüchtigen Streben nach Anerkennung, welches nicht zum Glück führen kann, zu befreien. Stattdessen solle ein Gefühl der Gemeinschaft übernehmen, indem persönliche Interessen in einen gesamtgesellschaftlichen Gemeinwillen (volonté générale) aufgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach einer gerechten Gesellschaft und legt den Fokus auf die Analyse von Rousseaus „Gesellschaftsvertrag“.
2. Rousseaus Menschenbild: Dieses Kapitel kontrastiert den unzivilisierten, glücklichen Naturmenschen mit dem entfremdeten Bürger, der durch gesellschaftliche Entwicklungen von seinem natürlichen Zustand abgekommen ist.
3. Der Gesellschaftsvertrag: Hier wird die Notwendigkeit des Vertrags als politisch-kulturelles Instrument zur Schaffung eines Gemeinwillens und zur Überwindung egoistischer Interessen dargelegt.
4. Zur staatlichen Aufgabenverteilung und der Religion: Das Kapitel behandelt die Struktur des Staates, bestehend aus Gesetzgeber, Regierung und Souverän, sowie die Rolle der Zivilreligion zur Sicherung der Einheit.
5. Die perfekte Staatsform: Hier erfolgt eine Differenzierung nach Staatsgröße und Einwohnerzahl, wobei Rousseau die Wahlaristokratie als die am ehesten geeignete Form diskutiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenz von Rousseaus Theorien zusammen, die sowohl als Wegbereiter der modernen Demokratie als auch als idealistischer Totalitarismus interpretiert werden können.
7. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Jean-Jacques Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Gemeinwille, Volkssouveränität, Naturzustand, Bürger, Gesetzgeber, politische Freiheit, Moralität, Zivilreligion, Wahlaristokratie, Staatstheorie, Gemeinschaft, Partikularwille, soziale Ungleichheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Jean-Jacques Rousseaus politisches Hauptwerk „Der Gesellschaftsvertrag“ und untersucht, wie der Mensch durch gesellschaftliche und staatliche Neuorganisation zu einer neuen, gerechten Freiheit gelangen kann.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Rousseaus Vorstellungen von einer politisch gerechten Ordnung darzustellen und zu reflektieren, wie er den Übergang vom selbstsüchtigen Individuum zum staatsorientierten Bürger konzipiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Menschenbild Rousseaus, die Konstruktion des Gesellschaftsvertrages, die Rolle des Gesetzgebers, die Funktion der Zivilreligion und die Bewertung idealer Staatsformen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse des Primärwerks von Rousseau sowie auf politikwissenschaftliche Sekundärquellen, um Rousseaus komplexe Staatstheorie zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die anthropologische Grundlage, die methodische Umsetzung des Gesellschaftsvertrages, die staatliche Aufgabenverteilung und eine kritische Auseinandersetzung mit der optimalen Regierungsform.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Begriffe sind Volkssouveränität, Gemeinwille, Naturzustand, gesellschaftliche Freiheit und die Kritik an der modernen Zivilisation.
Was bedeutet der Begriff „Gemeinwille“ (volonté générale) im Kontext der Arbeit?
Der Gemeinwille beschreibt bei Rousseau den gesamtgesellschaftlichen Konsens, der entsteht, wenn Individuen ihre persönlichen Interessen aufgeben und sich dem Wohl des gesamten politischen Körpers unterordnen.
Warum lehnt Rousseau die direkte Demokratie für den Menschen ab?
Obwohl Rousseau die Demokratie theoretisch als vollkommen bezeichnet, hält er sie für Menschen für zu komplex und anfällig für Instabilität und Bürgerkriege, weshalb er stabilere Formen wie die Wahlaristokratie favorisiert.
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- Noah Afriyie (Author), 2021, Jean-Jacques Rousseau "Zum Gesellschaftsvertrag". Die grundlegenden Thesen vom Weg in die gesellschaftliche Freiheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1035146