Für meine Projektarbeit habe ich mir einen Fall aus meiner Tätigkeit als Schulbegleitung herausgesucht. Die Komplexität und Widersprüchlichkeit der Wirklichkeit erfordert eine wissenschaftliche Metatheorie, die mehrere Wissensformen miteinander verknüpft, welche ich unten aufführend in Klammern nennen werde. Um einen besseren Einblick in den Fall zu ermöglichen werde ich meine Ausarbeitung anhand der normativen Handlungstheorie von Silvia Staub-Bernasconi bearbeiten, welche sich in drei Schritte zusammenfassen lässt: 1) Kenntnisnahme des Forschungsgegenstandes und hierzu möglicher ,,nomologischer Aussagen‘‘ zu einem sozialen Problem (1. Gegenstandswissen- oder Zustandswissen (Was ist los?) und 2. Erklärungswissen (Warum?)), 2) Formulierung ,,nomopragmatischer, handlungsorientierter Hypothesen‘‘ der zu erreichenden Zielzustände (3. Werte- oder Kriterienwissen (Woraufhin soll verändert werden?)) und 3) Formulierung professioneller Handlungsregeln und ihrer abschließenden Wirkungsbewertung (4. Verfahrenswissen (Wie?) und 5. Evaluationswissen (Was ist geschehen?)).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Zustandswissen
2. Erklärungswissen
3. Werte- und/ oder Kriterienwissen
4. Verfahrenswissen
5. Evaluationswissen
Zielsetzung & Themen
Die Projektarbeit analysiert einen Fall aus der schulischen Integrationshilfe, um durch eine wissenschaftliche Metatheorie (Staub-Bernasconi) komplexe soziale Probleme zu strukturieren, Interventionsmöglichkeiten zu evaluieren und Lösungsstrategien für den Alltag eines Schülers mit Asperger-Syndrom abzuleiten.
- Anwendung der Theorie Sozialer Arbeit auf einen realen Einzelfall
- Ressourcen- und Netzwerkanalyse (Ressourcenkarte, Soziogramm, Netzwerkkarte)
- Entwicklung handlungsorientierter Strategien für den Schulalltag
- Evaluierung der Wirksamkeit bisheriger Schulbegleitungsmaßnahmen
- Reflexion über systemische Herausforderungen in der Inklusion
Auszug aus dem Buch
Erklärungswissen
Soziale Probleme entstehen, wenn legitime Bedürfnisse auf längere Sicht nicht befriedigt werden, keine gelingenden Austauschbeziehungen stattfinden und/ oder sich keine Möglichkeiten ergeben eine Situation zu ändern. Heißt „wenn Menschen von der Befriedigung ihrer Bedürfnisse gesellschaftlich ausgeschlossen sind, hat Soziale Arbeit die Aufgabe, für ihre Befriedigung zu sorgen, sofern es sich um soziale Bedürfnisse handelt.“ (Lambers, 2018:168) Bedürfnisse in diesem Sinne ergeben und definieren sich aus der Lebenswelt der Klienten, welche laut Staub-Bernasconi wären:
1) Der soziamaterielle Bereich (Körper, Güter, etc.),
2) Der reflexive Bereich (Wahrnehmung, Erkenntnis),
3) Der ideell-symbolische Bereich (Denkmodelle, Bilder, Symbole),
4) Der aktiv-produktive Bereich (Handeln, Gestalten),
5) Der Bereich sozialer Beziehungen (Familie, Nachbarschaft) und
6) Der Bereich der Machtquellen (Kraft, Ressourcen, Kontrolle).
Staub-Bernasconi stellt diese auf, dass alle Menschen mehr oder minder die gleichen Bedürfnisse besitzen, aus denen sich bei Unbefriedigung dieser sozialen Probleme entstehen (vgl. Bunge; Mahner, 2004:17), welche sie in vier Problemkategorien unterteilt: Ausstattungsprobleme, Austauschprobleme, Machtprobleme, vergesellschaftete Werte- und Kriterienprobleme (vgl. Staub-Bernasconi, 1994:14).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des gewählten Einzelfalls aus der Tätigkeit als Schulbegleitung und Einführung in die wissenschaftliche Metatheorie zur Analyse.
1. Zustandswissen: Detaillierte Darstellung der Ausgangslage und Problemanalyse der Lebensumstände des betroffenen Schülers.
2. Erklärungswissen: Anwendung theoretischer Konzepte der Sozialen Arbeit auf die spezifischen Herausforderungen des Falls, insbesondere hinsichtlich der Bedürfnisse und Ressourcen.
3. Werte- und/ oder Kriterienwissen: Definition von Zielen und Kriterien für einen wünschenswerten Zustand, der durch Interventionen erreicht werden soll.
4. Verfahrenswissen: Erläuterung konkreter Methoden, Techniken und Interventionsmöglichkeiten, um die gesetzten Ziele in der Praxis umzusetzen.
5. Evaluationswissen: Kritische Bewertung des durchgeführten Prozesses und Vergleich der erreichten Ergebnisse mit der ursprünglichen Zielsetzung.
Schlüsselwörter
Schulbegleitung, Asperger-Syndrom, Soziale Arbeit, Theorie-Praxis-Transfer, Ressourcenkarte, Soziogramm, Netzwerkkarte, Inklusion, Bedarfsanalyse, Fallstudie, Handlungskompetenz, Interventionsstrategien, Sozialpädagogik, Lebenswelt, Systemtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse eines Falls aus der Praxis der Schulbegleitung, bei dem ein Schüler mit Asperger-Syndrom durch den Einsatz sozialarbeiterischer Methoden unterstützt und die Wirksamkeit dieser Unterstützung untersucht wird.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Lebensweltanalyse von Kindern mit Autismus, die Bedeutung von Ressourcenkarten im sozialarbeiterischen Kontext sowie die Gestaltung von Hilfeplänen unter Berücksichtigung systemischer Aspekte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Schulalltag des Schülers durch fachliche Reflexion und methodische Interventionen zu stabilisieren und eine langfristige, eigenständige Bewältigung des Schulalltags zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Metatheorie von Silvia Staub-Bernasconi zur Systematisierung sozialer Probleme und kombiniert diese mit dem lösungsfokussierten Ansatz der Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen des Zustandswissens, Erklärungswissens, der Wertebestimmung, der methodischen Verfahrenswahl und der abschließenden Evaluation der erzielten Wirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Schulbegleitung, Asperger-Syndrom, Ressourcenanalyse, Sozialpädagogik und systemisches Handeln.
Wie wirkt sich das Asperger-Syndrom auf die Schulsozialarbeit aus?
Es erfordert eine hochgradig individualisierte Anpassung des Schulalltags, da der Schüler soziale Reize und Anforderungen oft als überfordernd empfindet, was spezielle Interventionen und eine enge Kooperation aller Beteiligten notwendig macht.
Warum wird im Dokument mit Ressourcenkarten gearbeitet?
Die Ressourcenkarte dient dazu, dem Klienten und den betreuenden Fachkräften einen visuellen Überblick über vorhandene materielle, soziale und infrastrukturelle Stützen zu geben, um ungenutzte Potenziale für die Problemlösung zu aktivieren.
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- Tansila Raja (Author), 2019, Staub-Bernasconis normative Handlungstheorie. Ein Fallbeispiel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1035251