Die vorliegende Arbeit ist ein kritischer Beitrag zum Thema Mobilitätschancen des frühpädagogischen Fachpersonals im Arbeitsfeld Kita. Kapitel 2 beginnt mit der Darlegung des in den letzten Jahrzehnten postulierten Bildungsauftrags der Kindertageseinrichtungen und des Prozesses der Umqualifizierung der Kita von Betreuungs- zur Bildungseinrichtung. In den nächsten drei Kapiteln wird die Frage beantwortet, wie die Professionalisierung durch Akademisierung im frühpädagogischen Feld verstanden und diskutiert wird (Kapitel 3 bis 5).
Im Kapitel 6 wird die Frage nach Chancen des sozialen Aufstiegs einer akademisch ausgebildeten Fachkraft durch den Erwerb eines frühpädagogischen Bachelor-Abschlusses untersucht und beantwortet. Im Zentrum dieser Untersuchung steht die Gruppe der ausgebildeten Erzieher und Erzieherinnen, die ihre professionelle Zukunft in den deutschen Kindertageseinrichtungen sehen. Die Aufstiegschancen werden im Knotenpunkt zwischen Mobilitätsaspekten wie Bildung, Einkommen und Beruf und dem Arbeitsfeld Kita betrachtet und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kindertagesseinrichtung als Bildungsinstitution
2.1. Bildungspolitische Herausforderungen im Elementarbereich
2.2. Qualifikation vom Kita-Personal und die Qualitätsdebatte
3. Professionalisierung und Akademisierung des frühpädagogischen Feldes
3.1. Zur Geschichte der Akademisierung der Frühpädagogik in Deutschland
3.2. Innovation durch Widerstand
4. Forschende Haltung als Professionalisierungsmarker
4.1 Das Problem der Reflexion in der pädagogischen Praxis
4.2. Zur Entwicklung der forschungsmethodischen Kompetenz im frühpädagogischen Studium
5. Professionalisierung als Mehrebenen-Herausforderung
6. Studium der Kindheitspädagogik und soziale Mobilität
6.1. Mobilitätsaspekt: Bildung
6.2. Mobilitätsaspekt: Einkommen
6.2.1. Eingruppierung der frühpädagogischen Fachkräfte
6.2.2. Einkommensmobilität im Arbeitsfeld Kita
6.3. Mobilitätsaspekt: Beruf
6.4. Sozialer Aufstieg durch frühpädagogisches Studium als Fiktion
6.5. Veränderungsvisionen des bildungspolitischen Kampfes
7. Fazit
8. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Mobilitätschancen von frühpädagogischem Fachpersonal im Arbeitsfeld Kita nach dem Erwerb eines akademischen Bachelor-Abschlusses und hinterfragt, inwieweit die Erwartungen an den sozialen Aufstieg durch das Studium im aktuellen System realisierbar sind.
- Professionalisierung und Akademisierung der Frühpädagogik
- Forschende Haltung als professionelle Schlüsselkompetenz
- Soziale Mobilität im Kontext von Bildung, Einkommen und Beruf
- Tarifliche Eingruppierung und Aufstiegsperspektiven in der Kita
- Bildungspolitische Diskurse und Veränderungsvisionen
Auszug aus dem Buch
Sozialer Aufstieg durch frühpädagogisches Studium als Fiktion
Zusammenfassend kann man erkennen, dass die soziale Mobilität einer pädagogisch ausgebildeten Fachkraft, die sich für ein kindheitspädagogisches Studium entscheidet, sich in einem begrenzten Raum vollzieht. Die (möglichen) positiven Effekte einer Bildungsmobilität (vgl. Kapitel 6.1.), die mit dem Erwerb des Hochschulabschlusses einhergehen, werden durch die fehlenden Perspektiven einer Einkommens- (siehe oben, vertikale Mobilität) und bescheidenen Perspektiven einer Berufsmobilität (siehe horizontale Mobilität) revidiert. Die positiven Effekte des Bildungsaufstiegs werden bei einem Berufswechsel aus dem Arbeitsfeld Kita am ehesten erkennbar.
Dies würde wiederum mit dem erklärten bildungspolitischen Ziel der Teil-Akademisierung des frühpädagogischen Feldes kollidieren und der Idee des sozialen Aufstiegs durch Bildung im frühpädagogischen Feld widersprechen. Somit erscheint derzeit eine Investition in die akademische frühpädagogische Bildung für eine ausgebildete pädagogische Fachkraft, die ihren Tätigkeitsbereich im Arbeitsfeld Kita sieht, als fragwürdig und die damit verbundene Hoffnung auf den sozialen Aufstieg als Fiktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Krise im frühkindlichen Bildungsbereich und führt in die Fragestellung nach den Aufstiegschancen durch das Studium ein.
2. Kindertagesseinrichtung als Bildungsinstitution: Das Kapitel thematisiert die Umdeutung der Kita von einer Betreuungseinrichtung zu einem Ort frühkindlicher Bildung und die damit verbundenen Herausforderungen.
3. Professionalisierung und Akademisierung des frühpädagogischen Feldes: Es wird die historische Entwicklung der Akademisierung in Deutschland und der Widerstand gegen diesen Prozess untersucht.
4. Forschende Haltung als Professionalisierungsmarker: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der forschenden Haltung und die Entwicklung methodischer Kompetenzen als Kern der akademischen Ausbildung.
5. Professionalisierung als Mehrebenen-Herausforderung: Das Kapitel analysiert, warum die Akademisierung nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern als Herausforderung auf verschiedenen Ebenen des Bildungssystems begriffen werden muss.
6. Studium der Kindheitspädagogik und soziale Mobilität: Hier wird der Kern der Arbeit dargelegt: die Diskrepanz zwischen akademischem Anspruch und der realen Situation bezüglich Einkommen, beruflicher Position und sozialem Aufstieg.
7. Fazit: Das Fazit resümiert, dass der soziale Aufstieg durch Bildung für Fachkräfte im Arbeitsfeld Kita derzeit als Fiktion zu bezeichnen ist.
8. Ausblick: Der Ausblick fordert langfristige politische Lösungen für die systembedingten Probleme der Entlohnung und Qualifikationsanerkennung.
Schlüsselwörter
Frühpädagogik, Akademisierung, Kita, Professionalisierung, soziale Mobilität, Bildungsmobilität, Erzieher, Kindheitspädagogik, Tarifvertrag, Arbeitsfeld, Aufstiegschancen, Bildungsauftrag, Elementarbereich, Forschungskompetenz, berufliche Entwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Chancen auf sozialen Aufstieg für pädagogische Fachkräfte im Arbeitsfeld Kita, nachdem sie ein Studium der Kindheitspädagogik absolviert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die Akademisierung des Berufsfeldes, die Professionalisierung durch eine forschende Haltung sowie die Analyse von Mobilität in Bezug auf Bildung, Einkommen und Beruf.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob und inwieweit die Aufstiegsträume akademisch ausgebildeter Fachkräfte im Arbeitsfeld Kita nach dem Studium tatsächlich erfüllt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und Ergebnisse aus diversen Studien und bildungspolitischen Diskursen kritisch miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Akademisierung, der Bedeutung der forschenden Haltung als Professionalisierungsmarker sowie detailliert mit den Mobilitätsaspekten Bildung, Einkommen und Beruf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Frühpädagogik, Akademisierung, soziale Mobilität, Professionalisierung, Kita-Personal und tarifliche Eingruppierung.
Warum wird der soziale Aufstieg im Kita-Bereich als "Fiktion" bezeichnet?
Weil der akademische Abschluss im aktuellen Tarifsystem zu keiner automatischen Höhergruppierung führt und die Aufstiegschancen innerhalb des Kita-Feldes durch die berufliche Praxis limitiert sind.
Welche Lösungsvorschläge werden für die beschriebene Problematik genannt?
Die Autorin betont die Notwendigkeit einer politischen Lösung, etwa durch die Implementierung spezialisierter Funktionsstellen und die Schaffung passender Tätigkeitsmerkmale im Tarifvertrag für Kindheitspädagoginnen.
- Arbeit zitieren
- Alina Mardinian (Autor:in), 2020, Aufstieg durch Bildung im Arbeitsfeld Kita. Von Fiktion zur Vision, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1035322