Vorurteile der Lehrkräfte gegenüber Schülerinnen und Schüler. Eine empirische Untersuchung


Praktikumsbericht / -arbeit, 2019

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in die Fragestellung

2 Definition

3 Methode

4 Ergebnisse

5 Diskussion

6 Literaturverzeichnis

1 Einführung in die Fragestellung

Im Seminar „Pädagogisches Handeln in Schulen“ bearbeiteten wir Studentinnen und Studenten in einer Sitzung das Thema „Stereotype“ anhand von z. B. Eigenschaften, die wir Namen zuordnen und eine Skizze, zur optischen Vorstellung der Person, entwerfen soll-ten. Wir kamen zu dem Entschluss, dass jeder von uns auf irgendeine Art und Weise irgendwann Vorurteile gegenüber einer anderen Person pflegte. Dies kann aufgrund des Erscheinungsbildes eines anderen bzw. einer anderen, des sozialen Status, der Benötigung von Förderung im Unterricht, der charakterlichen Eigenschaften, der Vorlieben, des Berufs usw. geschehen. Diese Seminarstunde erweckte die Erinnerung an meine eigene Grund-schulzeit, in der ich durch einen Umzug in eine neue Schule und Klasse kam. Die Umstände führten dazu, dass ich in einem Unterrichtsfach mehr Förderung benötigte als meine Mitschülerinnen und Mitschüler. Jedoch hatte dies die Folge, dass meine Lehrerin mir das Gefühl gab, eine Last für sie zu sein, indem sie mich selten beachtete, und wenn, dann auch nur mit einem genervten Ton, aber auch Gesichtsausdruck. Bis zu einem Tag, an dem sie mir dies auch mit Wut und Erschöpfung gesagt hat, wodurch ich mich selbst aufgab und es auch nicht mehr versucht habe, da ich es doch eh nicht konnte.

Aus diesem Grund entschied ich mich für das Thema „Wie lassen sich Vorurteile von Lehr-kräften gegenüber Schülerinnen und Schülern verhindern?“, dass ich in meinem Orientierungspraktikum, vom 19.08.2019 bis zum 20.09.2019, anhand eines halbstandardisierten Interviews mit Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern durchführte. Nebenbei stelle ich bezüglich meines Arbeitstitels die Hypothese auf, dass jeder Mensch, auch Lehrkräfte, gewisse Vorurteile pflegen, auch wenn dies meist im Unterbewusstsein geschieht. Denn auch ich bin unbewusst mit dem Vorurteil an das Thema herangegangen, dass die Lehrkräfte abweisend und zurückhaltend auf mein Interview reagieren werden, da sie dies eventuell als persönlichen Angriff wahrnehmen. Jedoch muss ich erfreulicherweise feststellen, dass dies ganz und gar nicht der Tatsache entsprach.

Wird die Theorie im weiteren Verlauf von den Lehrkräften bestätigt, wird daraufhin die Frage gestellt, wie man dies verhindern kann.

2 Definition

In dem vorliegenden Praktikumsbericht wird das Wort „Vorurteil“ in den Vordergrund gerückt und in Bezug auf Lehrkräfte gegenüber Schülerinnen und Schülern weiter behandelt. Um den weiteren Verlauf des Berichts jedoch uneingeschränkt folgen zu können, müssen wir uns zunächst fragen, was das Wort „Vorurteil“, aber auch die Wörter „Stereotyp“ und „Diskriminierung“, die alle in einer engen Beziehung zueinander stehen, aber doch Unterschiede aufweisen, bedeuten.

Stereotype

Das Wort Stereotype war in der damaligen Zeit die Bezeichnung einer Drucktechnik, wurde jedoch seit 1922 auch in den Sozialwissenschaften mit der Interpretation eines „Stempelaufdrückens“ verwendet. Stereotype werden häufig im Alltag bewusst und auch unbewusst verwendet. Damit werden einzelne Menschen, die man in der Regel nicht oder kaum kennt, in Eigen- und Fremdgruppen sortiert. Unter Eigengruppen versteht man Gruppen, zu denen man sich selbst zugehörig fühlt, in der man sich mit den Personen oder mit der Gruppe identifiziert z. B. ein Urteil über das eigene Land. Fremdgruppen sind das genaue Gegenteil z. B. ein Urteil über ein anderes Land. Die Verteilung von Personen in verschiedene Gruppen geschieht durch die verschiedensten Merkmalskategorien wie z. B. Nationalität, Geschlecht, Alter, Beruf, Hobbys und vieles mehr. Dies führt dazu, dass ein Eindruck entsteht, der kaum der Realität entspricht, und zuerst geurteilt wird, bevor man z. B. diese bestimmte Person kennenlernt, dass Einflüsse auf unsere Wahrnehmung und Handeln hat.1 Stereotype können jedoch in positiver Form aber auch negativer Form auftreten2 und sind die „kognitive (das Denken betreffend) Komponente eines Vorurteils“.3

Vorurteile

Vorurteile treten im Alltag gegenüber Personen, Gruppen, Objekten oder Geschehnisse auf, die durch Verallgemeinerungen, statt sich direkt damit auseinanderzusetzen, auf negative, aber auch positive Weise vorfallen können. Meistens soll dies jedoch in negativer Form auf-treten, indem man z. B. einer Person gegenüber abweisend ist, allein deswegen, weil sie oder er Teil einer Gruppe ist, die unerwünschte Eigenschaften besitzt. Dies geschieht, ohne die Bestätigung zu besitzen, dass dies der Tatsache entspricht, und in der Regel auch ohne dass man direkten Kontakt zu der Person hatte, sondern nur impulsiv, voreingenommen und gewöhnlich mit einer festgezogenen Einstellung gegenüber einer Gruppenzugehörigkeit.4 Aus diesem Grund ist das Vorurteil auch als die „affektive Komponente eines Vorurteils“ bekannt.5

Diskriminierung

Das Wort Diskriminierung stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Unterscheidung“. Die Diskriminierung beruht auf Annahmen bzw. Vorurteilen, die man zunächst gegenüber einer Person besitzt, und führt dann dazu, dass man diese Person benachteiligt aufgrund verschiedener Merkmale oder Eigenschaften wie z. B. Herkunft, Glaubensrichtung, Geschlecht, Hautfarbe und/oder Alter.6 Eine Benachteiligung kann in Form einer Ausgrenzung von Gruppen oder einzelner Personen, ohne einen sachlichen Grund nennen zu können, auftreten. Des Weiteren kann dies durch eine Kontaktvermeidung, Benachteiligung beim Zugang zu Positionen als persönliche Abwertung z. B. im Beruf und vieles mehr geschehen. Bei einer Diskriminierung geht man meist von einer Mehrheit aus, die der oder die Diskriminierende als die Norm und den diskriminierten als die Minderheit ansieht. Jedoch kann auch eine positive Diskriminierung geschehen, indem man für Minderheiten oder eingeschränkte Personen spricht, wie z. B. wenn eine schwerbehinderte Person bei einer Bewerbung und entsprechender Eignung vorrangig berücksichtigt wird.7 Im Allgemeinen ist zu sagen, dass die Diskriminierung die „Verhaltenskomponente eines Vorurteils ist“.8

3 Methode

Um nützliche bzw. effektive Ergebnisse zu erzielen, mit denen weitergearbeitet werden kann, muss die Herangehensweise gründlich geplant werden. Je nach Themenstellung, Frage, Theorie oder Problem muss eine Art der Beobachtung ausgesucht und strukturiert wer-den. Die Art und Bedingungen der Beobachtung, die verwendeten Materialien, die Struktur, die Umgebung, die Zeit, die einbezogenen Personen, Gruppen oder auch Objekte usw. variieren je nach Thema. Somit muss man sich damit ausgiebig auseinandersetzen und er-schließen, welche Art und Weise die am erfolgversprechendste ist. Im Folgenden wird die Vorgehensweise bezüglich des Themas „Wie lassen sich Vorurteile von Lehrkräften gegen-über Schülerinnen und Schülern verhindern?“ erläutert, die mithilfe eines selbst erstellten Interviewleitfadens als Beobachtungsinstrument erfolgt.

3.1 Setting

Für die Beobachtung, die anhand eines Interviews durchgeführt wird, ist eine ruhige und geschlossene Umgebung von großer Bedeutung. Denn bei der Befragung bzw. im Gespräch soll die befragte Person so entspannt, konzentriert und aufgeschlossen wie nur möglich sein, um unverstellte Antworten zu erhalten. Dies wäre eventuell nicht möglich, wenn eine dritte Person, die nichts mit der Befragung zu tun hat, anwesend wäre oder die Umgebung durch den Lärmpegel oder Geschehnisse z. B. im Pausenhof ein reibungsloses Interview bzw. Gespräch nicht zulässt. Aus diesem Grund wurden die Interviews in Freistunden der befragten Personen in Klassenzimmern mit verschlossener Tür durchgeführt. Um die Atmosphäre während der Interviews zusätzlich zu lockern, geschah dies im Sitzen.

3.2 Untersuchte Personen

Für den Praktikumsbericht wurden 6 Lehrkräfte interviewt. Im momentanen Unterpunkt, aber auch im weiteren Verlauf des Berichts werden diese Personen unter den Bezeichnungen „Person A“, „Person B“ usw., aufgrund des Anspruchs auf Anonymität, genannt.

Tabelle 1 Anzahl und Personenmerkmale der interviewten Personen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung. Die Informationen bezüglich jeder Person stammen direkt von dieser selbst.

Da in dem Thema allgemein Lehrkräfte angesprochen werden, wird auch in der Beobachtung keine bestimmte Gruppe in den Vordergrund gerückt, sondern alle Lehrkräfte mit je-dem beliebigen Fach, Altersgruppe, Geschlecht, Klassenstufe und Berufserfahrung. Trotz dessen wurden die Personenmerkmale Geschlecht, Fächer, Klassenstufe, Altersgruppe und auch die Berufserfahrung berücksichtigt, um so unterschiedliche Personen wie nur möglich für das Interview ausfindig zu machen. Denn um eine Beobachtung allgemein über Lehr-kräften durchführen zu können, ist es von Vorteil, auch Lehrkräfte mit den verschiedensten Merkmalen zu befragen.

3.3 Untersuchungsablauf

Der Zeitumfang für das Interview variiert bei jeder Person, da bei dem Interview die Lehr-kräfte die Möglichkeit besitzen, nicht nur eine kurze Antwort zu den vorgegebenen Fragen zu äußern, sondern bei Gesprächsbedarf bzw. Interesse es näher zu erläutern oder auch genaue Beispiele zu nennen oder Tipps zu geben. Im Allgemeinen hat der Untersuchungsablauf bezüglich dieses Themas pro Person nicht länger als 50 Minuten in Anspruch zu nehmen. In dieser Zeit wird mit einem Einstieg begonnen, indem man die befragte Person zu-nächst begrüßt, den vertraulichen Umgang mit den Daten versichert und über den weiteren Ablauf informiert und das Thema bündig erläutert. Infolge dessen wird, wenn es keine weiteren Fragen gibt, mit dem Interview geruhsam begonnen. Zuallerletzt bedankt man sich bei der befragten Person für ihre Zeit und kann bei einer langanhaltenden Unterhaltung eine kurze Zusammenfassung des Gesagten wiedergeben.

3.4 Material

Für die Beobachtungsaufgabe habe ich ein halbstandardisiertes Interview verwendet, für das ich ein Interviewleitfaden erstellt habe (s. Anhang A). Der Vorteil eines Interviews ist, dass dies sehr flexibel ist. So ist es hier beispielsweise möglich, dass der oder die Befragte direkte Rückfragen stellen kann, wenn etwas unklar ist, diese unmittelbar erklärt werden können, und genauso ist es möglich, selbst Fragen zu stellen, wenn die Aussage unverständlich ist. Des Weiteren können die Befragten, in diesem Fall die Lehrkräfte, eigene Gedanken und Meinungen detailliert äußern und müssen sich nicht wie in anderen Formen der Datenerhebung kurzfassen oder sich an eine begrenzte Antwortmöglichkeit halten, wodurch keine In-formation verloren geht. Da in dieser Beobachtungsaufgabe Aussagen, die über eine „Ja“- oder „Nein“-Antwort hinausgehen, viel effektiver und geeigneter sind, wie z. B. zu der Frage (die auch im Titel erwähnt wird), wie Vorurteile verhindert werden können. Ebenso sind in der Regel die Aussagen wohlüberlegter und es kann ein komplexerer Befragungsablauf entstehen, da kein Zeitdruck oder ähnliches herrscht. Welche Materialien verwendet werden, hängt deutlich von der Beobachtungsaufgabe ab und in diesem Fall ist ein halbstandardisiertes Interview mithilfe eines Interviewleitfadens adäquat.

[...]


1 Vgl. Petersen, L.-E. 2008.

2 Vgl. Geschke, D. 2012.

3 Vgl. Schmidt-Daffy, M. 2019, S. 10.

4 Vgl. Six, B. & Six-Materna, I. 2000, S. 18.

5 Vgl. Schmidt-Daffy, M. 2019, S. 10.

6 Vgl. o. V. 2017.

7 Vgl. Diskriminierung o. D.

8 Vgl. Schmidt-Daffy, M. 2019, S. 10.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Vorurteile der Lehrkräfte gegenüber Schülerinnen und Schüler. Eine empirische Untersuchung
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V1035356
ISBN (eBook)
9783346445285
ISBN (Buch)
9783346445292
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vorurteile, lehrkräfte, schülerinnen, schüler, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Rojda Bas (Autor), 2019, Vorurteile der Lehrkräfte gegenüber Schülerinnen und Schüler. Eine empirische Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1035356

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