Oft vermutet man in der Pädagogik hinter der Digitalen Schule noch immer B. Skinners behavioristisches Konzept des Programmierten Lernens und steht dem digitalisierten Schulunterricht deshalb skeptisch gegenüber, weil man meint, es ginge hier darum, Menschen zu programmieren. In der Tat hat Skinner Anfang der 70er-Jahre mit seiner Ablehnung des Autonomiebegriffs zu einer großen Verunsicherung beigetragen. Um diese Missverständnisse zu korrigieren, sollen in dieser Hausarbeit Unterschiede und Übereinstimmungen zwischen dem programmierten, selbständigen und sozialen Lernen beim Computereinsatz im Unterricht herausgearbeitet werden. Dabei ist im Sinne von Christine Dallmann eine mediendidaktische Perspektive von der medienpädagogischen Perspektive zu unterscheiden.
Der Einsatz des Computers und anderer digitaler Medien in den Schulen ist in Deutschland nicht erst durch die Corona-Pandemie Thema der Mediendidaktik und Medienpädagogik. Die Diskussion um die Digitale Schule begann im Prinzip bereits in den 60er-Jahren mit der Debatte um das sogenannte Programmierte Lernen. Doch durch die monatelangen Corona-bedingten Schulschließungen bekommt der Computereinsatz im Unterricht einen ganz anderen Stellenwert. Denn er hat sich als echter Problemlöser erwiesen: Der Computer macht den Unterricht über fast unbegrenzte Entfernungen auch dann noch möglich, wenn keine Klassenräume zur Verfügung stehen und die persönlichen Kontakte zwischen Lernenden und Lehrenden
aus Gründen des Infektionsschutzes auf ein Mindestmaß reduziert sind.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG: DIE KRISE DER SCHULPOLITIK UND MEDIENPÄDAGOGIK
1 „ONE LAPTOP PER CHILD“ (OLPC) – JEDEM KIND SEINEN LAPTOP
1.1 Die Kinder-Laptop-Kampagne
1.2 So entgeht man der Falle des Technozentrismus
2 PROGRAMMIERTES, SELBSTÄNDIGES UND SOZIALES LERNEN MIT DEM COMPUTER
2.1 Programmiertes Lernen: die Technologie Skinners
2.2 Seymour Paperts Konstruktionismus
2.2.1 Selbständiges Lernen durch schöpferisches Rekonstruieren
2.2.2 Soziales Lernen im Kontext von Konventionen
3 FAZIT UND AUSBLICK: DER BEZIEHUNGSASPEKT UND DIE OFFENE SCHULE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle digitaler Medien im schulischen Kontext, insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen der Digitalisierung und die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Medienpädagogik. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Differenzierung und den Synergien zwischen programmiertem, selbständigem und sozialem Lernen beim Computereinsatz, um das Konzept einer "offenen Schule" theoretisch zu begründen.
- Kritische Analyse der staatlichen Digitalisierungspolitik an Schulen
- Evaluation des "One Laptop per Child" (OLPC)-Konzepts als Bildungsalternative
- Gegenüberstellung behavioristischer Lernansätze und Seymour Paperts Konstruktionismus
- Erörterung der Rolle der Lehrkraft im digitalisierten Unterricht
- Konzeptualisierung einer global vernetzten, offenen Schule
Auszug aus dem Buch
1.2 So entgeht man der Falle des Technozentrismus
Die Falle des Technozentrismus besteht also darin, Kulturleistungen und kulturelle Konstrukte irrtümlicherweise für Eigenschaften der Computer zu halten. Um dieser Falle bei der pädagogischen Nutzung des Computers zu entkommen, ist es sicher wichtig, sich mit der Computertechnologie auseinanderzusetzen. Aber, so Papert, das genügt nicht. Wir müssen uns auch über unsere pädagogischen Grundvorstellungen im Klaren werden. Und die haben meist überhaupt nichts zu tun mit dem Computer (vgl. Papert, 1990, «Computer Criticism», S. 3). So gelangt Papert dahin, den Computer als ein Medium menschlicher Kreativität zu betrachten. Der Computer fordert uns heraus und gibt uns Raum, unsere Kreativität zu entfalten und die Leistungen unserer Kultur zu steigern. So sagt er:
„Der Computer ist ein Medium menschlichen Ausdrucks (a medium of human expression). Noch hatte er nicht seine Shakespeares, seine Michelangelos und seine Einsteins. Aber er wird.“ (Papert, 1990, «Computer Criticism», S. 2)
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: DIE KRISE DER SCHULPOLITIK UND MEDIENPÄDAGOGIK: Dieses Kapitel thematisiert die Versäumnisse der deutschen Schulpolitik in der Digitalisierung und führt in die Notwendigkeit einer differenzierten medienpädagogischen Betrachtungsweise ein.
1 „ONE LAPTOP PER CHILD“ (OLPC) – JEDEM KIND SEINEN LAPTOP: Das Kapitel erläutert die weltweite Kampagne von Nicholas Negroponte und Seymour Papert zur Ausstattung von Kindern in Entwicklungsländern mit robusten Laptops.
1.1 Die Kinder-Laptop-Kampagne: Dieser Unterpunkt detailliert die Ursprünge und die 5 Prinzipien der Philosophie hinter der XO-Laptop-Initiative.
1.2 So entgeht man der Falle des Technozentrismus: Hier wird Seymour Paperts medienkritischer Ansatz vorgestellt, der davor warnt, den Computer als alleinigen Akteur der pädagogischen Entwicklung zu missverstehen.
2 PROGRAMMIERTES, SELBSTÄNDIGES UND SOZIALES LERNEN MIT DEM COMPUTER: Das Kapitel analysiert verschiedene Lerntheorien und deren Anwendung im digitalen Schulunterricht.
2.1 Programmiertes Lernen: die Technologie Skinners: Es werden die behavioristischen Grundlagen des Programmierten Lernens nach Skinner und deren heutige Relevanz diskutiert.
2.2 Seymour Paperts Konstruktionismus: Dieses Kapitel führt in die konstruktionistische Pädagogik ein, bei der das selbständige Schaffen von Produkten im Vordergrund steht.
2.2.1 Selbständiges Lernen durch schöpferisches Rekonstruieren: Der Fokus liegt hier auf dem aktiven Konstruieren von Welt durch das Kind im Gegensatz zur bloßen Wissensvermittlung.
2.2.2 Soziales Lernen im Kontext von Konventionen: Dieses Kapitel beschreibt die Rolle des Lehrers als korrigierende Instanz und die Einbettung individuellen Lernens in soziale Kontexte.
3 FAZIT UND AUSBLICK: DER BEZIEHUNGSASPEKT UND DIE OFFENE SCHULE: Das Kapitel zieht Bilanz, kritisiert die deutsche Praxis der Leihgeräte und plädiert für ein ganzheitliches Verständnis von Schule als globale Verständigungsgemeinschaft.
Schlüsselwörter
Medienpädagogik, Digitalisierung, One Laptop per Child, Seymour Papert, Konstruktionismus, B.F. Skinner, Programmiertes Lernen, Technozentrismus, Offene Schule, Bildungstechnologie, Mediendidaktik, Schulentwicklung, Bring Your Own Device, Konstruktivismus, Lernkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie digitale Medien und insbesondere Schülerlaptops den Unterricht verändern können, und analysiert dabei kritisch die bisherige deutsche Schulpolitik im Vergleich zu internationalen Ansätzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit deckt die Bereiche Mediendidaktik, lerntheoretische Ansätze (Behaviorismus vs. Konstruktionismus), Schulentwicklung und die Bedeutung von technischer Infrastruktur im Bildungsbereich ab.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, wie Computer als Bildungsmedium eingesetzt werden können, um individuelles Lernen zu fördern und die Schüler als aktive Teilnehmende in einer offenen globalen Schule zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der kritischen Auseinandersetzung mit pädagogischen Konzepten von Autoren wie Seymour Papert, B.F. Skinner und Kersten Reich basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der OLPC-Kampagne, eine Auseinandersetzung mit der Gefahr des Technozentrismus und eine tiefergehende Diskussion über die verschiedenen didaktischen Handlungsebenen vom programmierten bis hin zum sozialen Lernen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Konstruktionismus", "Offene Schule", "Technozentrismus" und "Medienpädagogik" definiert.
Warum ist laut der Arbeit das Konzept der Leihgeräte kritisch zu sehen?
Der Autor argumentiert, dass Leihgeräte weder nachhaltig noch kosteneffizient sind, da sie veralten und die Schüler keine Eigentümerverantwortung für ihr Lernwerkzeug übernehmen können.
Welche Bedeutung kommt dem Lehrer im Rahmen des digitalen Unterrichts zu?
Entgegen der Befürchtung, der Computer mache Lehrpersonen überflüssig, betont die Arbeit, dass der Lehrer essenziell bleibt, um als Beobachter, Teilnehmer und Moderator den Lernprozess individuell zu begleiten und zu korrigieren.
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- Anonym (Author), 2021, Digitale Medien in der Schule. Über die aktuelle Diskussion zum Lernen mit dem Computer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1035643