Die vorliegende Seminararbeit soll die Erwerbstätigkeit in der ersten und zweiten Frauenbewegung beleuchten und anschließend einen Vergleich der beiden Frauenbewegungen mit dem Fokus auf die Erwerbstätigkeit ziehen. Sie beschränkt sich auf die Frauenbewegungen in Deutschland, wobei die zweite Frauenbewegung nur in Westdeutschland und nicht über das Jahr 1989 hinausgehend betrachtet wird, da sonst die Bewegung in der DDR mit einbezogen werden müsste. Der erste Teil der Seminararbeit beschäftigt sich mit der ersten Frauenbewegung. Um die erste Frauenbewegung und ihre Forderungen zu verstehen, muss zunächst ein kurzer Blick auf die Stellung der Frau vor der Frauenbewegung geworfen werden.
Anschließend werden die Anfänge der Frauenbewegung geschildert, die sich dann in die Bürgerliche und Proletarische Frauenbewegung unterteilt. Da zur Zeit der ersten Frauenbewegung der gesellschaftlich angestrebte Platz der Frau der Haushalt war und Frauen kaum Zugang zur Bildung hatten, die für die Erwerbstätigkeit nötig war, spielte die Forderung nach Bildung eine große Rolle. Diese wird deshalb im Folgenden ebenso betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die erste Frauenbewegung
2.1 Die Stellung der Frau vor der ersten Frauenbewegung
2.2 Die Anfänge der Frauenbewegung
2.3 Die Bürgerliche Frauenbewegung
2.4 Die Proletarische Frauenbewegung
3 Die zweite Frauenbewegung
3.1 Der Verlauf der zweiten Frauenbewegung
3.2 Die Stellung der Frau vor der zweiten Frauenbewegung
3.3 Erwerbstätigkeit von Frauen
4 Der Vergleich der ersten und zweiten Frauenbewegung
5 Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung der Erwerbstätigkeit innerhalb der ersten und zweiten Frauenbewegung in Deutschland zu beleuchten und diese beiden Bewegungen in Bezug auf ihre Forderungen und ihren Umgang mit dem Recht auf Arbeit gegenüberzustellen.
- Historische Einordnung der Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland
- Differenzierung zwischen bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung
- Analyse der zweiten Frauenbewegung und ihrer organisatorischen Strukturen
- Vergleich der Forderungen nach Bildung, Berufswahl und Lohngerechtigkeit
- Kritische Reflexion über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Auszug aus dem Buch
3.3 Erwerbstätigkeit von Frauen
Immer mehr Mädchen absolvierten nun eine Berufsausbildung, ergriffen jedoch hauptsächlich geschlechtsspezifische und hierarchieniedrige Berufe (vgl. Biermann 2009, S. 107). Mädchen blieben Ausbildungen in typischen Männerberufen oft verwehrt, da sie schon bei der Bewerbung auf Lehrplätze abgewiesen wurden (vgl. Lenz 2008, S. 148).
„Als Schreinerin könnte er mich zwar nicht brauchen, meinte er, aber wir könnten uns rein privat sehr gut ein wenig [näherkommen]. Beim nächsten scheiterte meine Anstellung an den fehlenden sanitären Einrichtungen und Umkleideräumen. Dieses Argument hörte ich noch bei mehreren anderen Firmen. Auch mein Einwand, ich sei in dieser Hinsicht schon gar nicht mehr so anspruchsvoll, half nichts. Schon in ziemlich aggressiver Stimmung bin ich in einem anderen Betrieb angekommen.
Nach Vortragen meines Anliegens brüllte dieser Mensch mich an, ob ich nicht ein schlechtes Gewissen habe. Ich würde einem Familienvater versuchen, die Stelle streitig zu machen. Ich konnte ihn nur fragen, ob eine alleinstehende Frau ihren Lebensunterhalt von unbekannten Wohltätern finanziert bekommt. Anschließend erlebte ich dann noch ein sehr »witziges« Exemplar, welches besorgt war, ich würde mit durch die Absauganlage fliegen. (Bin 1,59m, 45kg.) Sie sind zu schwach, ein anderer. Wir könnten sie als Bürokraft anstellen. Oder: Mein Geselle möchte nicht mit einer Frau zusammenarbeiten. Nein, wir stellen keine Frauen ein, die bringen nur Durcheinander“ (Schwarzer 1981, S. 253f).
Durch diese Ausgangssituation wurden die vom Staat geförderten Modellprojekte für Mädchen in typisch männlichen Berufen 1978 bis 1985 gut angenommen. Sie bewiesen, dass Frauen für diese Berufe ebenso geeignet waren wie Männer. Die geschlechtliche Segregation des Arbeitsmarktes war jedoch tief in der Gesellschaft verankert (vgl. Lenz 2008, S. 148).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Gender Pay Gap und die anhaltende Relevanz der Gleichstellung in der Erwerbstätigkeit, wobei die Zielsetzung der Arbeit erläutert wird.
2 Die erste Frauenbewegung: Dieses Kapitel beschreibt die sozioökonomischen Bedingungen des 19. Jahrhunderts sowie die Entwicklung der bürgerlichen und proletarischen Frauenbewegung.
3 Die zweite Frauenbewegung: Hier wird der Verlauf der neuen Frauenbewegung ab 1968, ihre Organisationsformen und die spezifische Situation der Frauen im Hinblick auf Erwerbsarbeit und Familie analysiert.
4 Der Vergleich der ersten und zweiten Frauenbewegung: In diesem Kapitel werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Bewegungen hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte, Organisation und inhaltlichen Schwerpunkte gegenübergestellt.
5 Schluss: Der Schluss fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und reflektiert über die noch bestehenden Benachteiligungen von Frauen im Arbeitsleben.
Schlüsselwörter
Frauenbewegung, Erwerbstätigkeit, Gleichberechtigung, Geschlechterrollen, Gender Pay Gap, Emanzipation, bürgerliche Frauenbewegung, proletarische Frauenbewegung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Lohngerechtigkeit, Frauenbildung, Hausarbeit, Arbeitsmarktsegregation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die Forderungen der ersten und zweiten deutschen Frauenbewegung im Hinblick auf das Recht von Frauen auf Erwerbstätigkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben dem Recht auf Arbeit werden Bildungszugänge, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die organisatorischen Unterschiede zwischen den beiden Bewegungen analysiert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der Frauenbewegungen zu vergleichen und aufzuzeigen, wie sich der Fokus von der grundlegenden Erkämpfung des Bildungs- und Erwerbsrechts hin zur Forderung nach gesellschaftlicher Gleichstellung verschoben hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene historische Quellen und wissenschaftliche Fachliteratur zur Geschichte der deutschen Frauenbewegung auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der ersten und zweiten Frauenbewegung sowie deren anschließenden direkten Vergleich, wobei der Fokus konsequent auf der Erwerbstätigkeit liegt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Emanzipation, Geschlechterhierarchie, Frauenvereine, Projektgruppen, Lohn für Hausarbeit und Arbeitsmarktsegregation.
Warum wird die zweite Frauenbewegung nur bis 1989 betrachtet?
Dies dient der Eingrenzung des Themas, da eine Einbeziehung der Frauenbewegung in der DDR den Rahmen der Seminararbeit sprengen würde.
Wie wurde das Verbot politischer Betätigung durch das preußische Vereinsgesetz umgangen?
Die Frauen nutzten soziale oder karitative Vereine als Tarnung für ihre politischen Ziele, um das Verbot, sich in politischen Vereinen zu organisieren, zu umgehen.
Welche Rolle spielte der „Lohn für Hausarbeit“ in der zweiten Frauenbewegung?
Die Kampagne sollte den ökonomischen Wert der Hausarbeit sichtbar machen und die Unabhängigkeit der Frauen stärken, war jedoch innerhalb der Frauenbewegung aufgrund der Gefahr einer weiteren Festschreibung der traditionellen Rollenbilder umstritten.
Wie unterscheidet sich die Organisation der beiden Frauenbewegungen?
Während die erste Frauenbewegung in hierarchisch organisierten Vereinen tätig war, bevorzugte die zweite Frauenbewegung unverbindliche, flache Strukturen in Form von Projektgruppen oder Selbsterfahrungsgruppen.
- Citation du texte
- Sarah Kugler (Auteur), 2018, Die Erwerbstätigkeit in den Frauenbewegungen. Die erste und zweite Frauenbewegung im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1036843