In dieser Arbeit wird sich kritisch mit John Leslie Mackies Argument aus der Relativität auseinandergesetzt. Dazu werden im ersten Teil der Arbeit die moralphilosophischen Positionen erläutert, die mit Mackies Argument zusammenhängen: den metaethischen Objektivismus, den moralischen Relativismus und die Irrtumstheorie.
Anschließend werden das Argument aus der Relativität und eine Rekonstruktion seiner Prämissen vorgestellt. Auf die Darstellung des Argumentes folgt dann eine kritische Diskussion der wichtigsten Einwände. Abschließend wird ein Fazit gezogen, ob sich Mackies Argument gegen die vorgebrachten Einwände verteidigen lässt und damit eine mögliche Grundlage für eine Verneinung der Existenz objektiver Werte bietet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Moralphilosophischer Hintergrund
2.1 Metaethischer Objektivismus
2.2 Moralischer Relativismus
2.3 Irrtumstheorie
3. Das Argument aus der Relativität
4. Einwände gegen das Argument aus der Relativität
4.1 Zwischen Objektivismus und Relativismus
4.2 Zur Variation von Moralvorstellungen (P1)
4.3 Zur besten Erklärung für Meinungsverschiedenheiten (P2)
4.4 Zur Erklärung von Moralvorstellungen durch Lebensweisen (P3)
4.5 Was kommt nach der Irrtumstheorie?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch John L. Mackies „Argument aus der Relativität“ und dessen Implikationen für die metaethische Debatte über die Existenz objektiver moralischer Werte.
- Metaethische Positionen: Objektivismus, Relativismus und Irrtumstheorie.
- Rekonstruktion und Analyse des „Arguments aus der Relativität“.
- Kritische Diskussion der zentralen Einwände und Gegenpositionen.
- Untersuchung der moralphilosophischen Relevanz von Meinungsverschiedenheiten.
- Ausblick auf alternative Lesarten von Mackies Theorie (Abolitionismus vs. Reformismus).
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Es gibt keine objektiven Werte.“ Mit diesem Satz beginnt das 1977 erschienene Werk „Ethics. Inventing Right and Wrong“ des australischen Philosophen John Leslie Mackie. Auch wenn Mackies These über 40 Jahre alt ist, erscheint sie im heutigen Kontext der pluralistischen und globalisierten Gesellschaften aktueller als je zuvor. Obwohl in der klassischen Moralphilosophie von der Objektivität moralischer Werte ausgegangen wird, erscheint es uns dennoch oft fraglich, wie dies bei so vielen moralischen Meinungsverschiedenheiten in der Welt möglich sein kann.
Als Beispiel für einen moralischen Disput soll eine Studie aus dem Jahr 2017 zum Thema Folter dienen: In den USA hielten 45 % der Befragten Folter für moralisch vertretbar, wenn dadurch ein Vorteil für Andere erzielt werden würde (beispielsweise zur Verhinderung eines Terroranschlags). In Indien und China befürworteten 74 % der Befragten Folter in solchen Fällen. In Spanien dagegen lag die moralische Akzeptanz von Folter bei den Befragten bei unter 20 %. Konflikte wie dieser zeigen deutlich, dass es sowohl zwischen Individuen verschiedener Gesellschaften als auch zwischen Individuen derselben Gesellschaft moralische Meinungsverschiedenheiten gibt.
Auf diese Variation der Moralvorstellungen bezieht sich Mackies Argument aus der Relativität (im Original argument from relativity), auch Argument aus Meinungsverschiedenheit genannt. Für Mackie folgt aus der Tatsache, dass die Moralsysteme verschiedener Individuen sich unterscheiden, dass es keine objektiven Werte gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Mackies provokante These der Irrtumstheorie und die Bedeutung moralischer Meinungsverschiedenheiten im Kontext der globalisierten Welt.
2. Moralphilosophischer Hintergrund: Kurze Vorstellung der metaethischen Kernpositionen Objektivismus, moralischer Relativismus und der Irrtumstheorie als Ausgangspunkt der Argumentation.
3. Das Argument aus der Relativität: Darstellung der logischen Rekonstruktion von Mackies Argument, basierend auf der Beobachtung moralischer Diskrepanzen zwischen Kulturen und Individuen.
4. Einwände gegen das Argument aus der Relativität: Kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Gegenargumenten, wie der Hinterfragung der empirischen Basis (P1), der Erklärungskraft (P2) und dem Einfluss der Lebensweisen (P3), sowie ein Ausblick auf die moralische Praxis.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Argumentationslinie, die aufzeigt, dass Mackies Argument eine bedeutende Herausforderung für den Objektivismus bleibt, auch wenn es nicht gänzlich unwiderlegbar ist.
Schlüsselwörter
Metaethik, J. L. Mackie, Irrtumstheorie, moralischer Relativismus, moralischer Objektivismus, Argument aus der Relativität, Meinungsverschiedenheiten, moralische Wahrheit, moralische Skepsis, Normativität, Lebensweise, Werturteil, moralische Praxis, moralische Faktizität, Moralphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das metaethische Werk von J. L. Mackie, insbesondere sein berühmtes „Argument aus der Relativität“, das die Existenz objektiver moralischer Werte bestreitet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Auseinandersetzung zwischen objektiven moralischen Ansprüchen und der beobachtbaren empirischen Vielfalt moralischer Vorstellungen in verschiedenen Gesellschaften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die logische Struktur des Arguments aus der Relativität zu rekonstruieren und zu prüfen, ob die daraus abgeleitete Irrtumstheorie gegen zeitgenössische Einwände standhält.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine analytische philosophische Untersuchung, die eine Literaturanalyse mit einer kritischen Rekonstruktion und Diskussion von Argumenten kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Metaethik, die systematische Darstellung des Arguments aus der Relativität sowie eine detaillierte Diskussion der Kritikpunkte durch verschiedene Philosophen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Metaethik, Irrtumstheorie, moralischer Objektivismus, Relativismus und die logische Struktur von moralischen Meinungsverschiedenheiten definiert.
Inwiefern beeinflusst das Beispiel der „Folter-Studie“ die Argumentation?
Das Beispiel verdeutlicht empirisch die starken moralischen Diskrepanzen zwischen verschiedenen Kulturen, die als Ausgangspunkt für die kritische Frage nach objektiven Werten dienen.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen dem moralischen Abolitionismus und dem Reformismus bei Mackie?
Diese Unterscheidung ist relevant für die Frage, wie wir nach der Anerkennung der Irrtumstheorie mit unserer moralischen Praxis umgehen sollten – entweder durch deren Abschaffung oder durch eine konzeptionelle Umdeutung.
- Arbeit zitieren
- Jan Caspers (Autor:in), 2021, "Es gibt keine objektiven Werte". J. L. Mackies Argument aus der Relativität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1036878