Das folgende Papier beschäftigt sich mit Schätzungen des Migrationspotentials im Zuge der EU-Osterweiterung.
Dabei wird zunächst kurz der Stand der Beitrittsverhandlungen, sowie die wichtigsten Migrationstheorien dargestellt. Des Weiteren wird ein Überblick über verschiedene Schätzverfahren gegeben und die Probleme bei deren Anwendung dargestellt. Am Beispiel von zwei ausgewählten Schätzungen wird das mögliche Potential, einmal für die EU und einmal für Deutschland, abgeschätzt und darauf aufbauend werden die positiven wie negativen ökonomischen Auswirkungen der Migration aufgezeigt.
Die Ausführungen kommen zu dem Schluss, dass es möglich ist, Migrationspotentiale zu schätzen, obgleich die Schätzungen mit Problemen behaftet sind. Außerdem ist der Großteil der geschätzten Potentiale deutlich geringer, als dies in öffentlichen Diskussionen oftmals angeführt wird und die Auswirkungen der Migration sind bei Weitem nicht nur negativer Natur.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Stand der Beitrittsverhandlungen
3. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Migration
4. Ein Überblick über verschiedene Schätzverfahren
5. Schätzung des Migrationspotentials
5.1 Schätzung nach HWWA
5.2 Schätzung nach IfO
5.3 Kritische Beurteilung der Schätzverfahren
6. Mögliche ökonomische Auswirkungen der Freizügigkeit
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das zu erwartende Migrationspotential infolge der EU-Osterweiterung und analysiert die hierfür verwendeten wissenschaftlichen Schätzverfahren sowie die resultierenden ökonomischen Auswirkungen für die aufnehmenden EU-Länder.
- Darstellung des aktuellen Standes der EU-Beitrittsverhandlungen.
- Diskussion theoretischer Ansätze zur Erklärung von Migrationsbewegungen.
- Vergleichende Analyse und methodische Kritik verschiedener Schätzverfahren.
- Bewertung der ökonomischen Konsequenzen wie Arbeitsmarkt- und Fiskaleffekte.
Auszug aus dem Buch
3. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Migration
Als Begründer der Migrationsforschung wird im allgemeinen Ernest G. Ravenstein angesehen. Sein Gravitationsansatz beruht auf der Idee, menschliches Verhalten nach dem Prinzip der Newtonschen Gravitationsgesetze zu erklären. Dabei wird die Zuwanderung nach RAVENSTEIN (1885) mit Hilfe einer Formel beschrieben, mit der ein Grundstein zur Auseinandersetzung mit Migration auf mathematische Art und Weise gelegt wurde. Dabei wurden soziologische Faktoren berücksichtigt, die, in Zahlenwerte umgewandelt, in die Formeln integriert wurden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass vieler der soziologischen Variablen sehr schwer oder gar nicht zu ermitteln und nur bedingt mathematisch umzuwandeln sind.
Traditionelle mikroökonomische Ansätze der Migrationstheorie verstehen den Wanderungsentscheid als Ergebnis eines individuellen Such- und Optimierungsprozesses. Angenommen wird, dass Menschen Vor- und Nachteile des Wanderns bzw. des Verharrens rational abwägen und anstreben, mit ihrem Verhalten ihren persönlichen Nutzen zu maximieren. Nach diesem Ansatz tätigt ein Wirtschaftssubjekt eine Investition in Form von Wanderungskosten, um zukünftige Erträge in Form höheren Nutzens zu realisieren. Dabei geht die Theorie davon aus, dass der potentielle Migrant ausreichende Informationen über alle denkbaren Migrationsziele besitzt. Eine Wanderung wird dann erfolgen, wenn die erwarteten Gewinne die erwarteten Wanderungskosten übersteigen, wobei jenes Zielland gewählt wird, welches den höchsten Nutzenzuwachs ermöglicht. Dieser sog. Humankapitalansatz von SJAASTAD (1962) bildet die Grundlage der mikroökonomischen Migrationstheorien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der EU-Erweiterung und Formulierung der zentralen Fragestellung bezüglich des Migrationspotentials aus den MOEL.
2. Der Stand der Beitrittsverhandlungen: Überblick über den aktuellen Status der Beitrittskandidaten und die Rahmenbedingungen der EU-Osterweiterung.
3. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Migration: Erläuterung ökonomischer Modelle, wie dem Humankapitalansatz und dem Gravitationsmodell, zur Analyse von Wanderungsentscheidungen.
4. Ein Überblick über verschiedene Schätzverfahren: Vorstellung unterschiedlicher Methoden der Migrationsforschung, von Expertenbefragungen bis hin zu strukturellen ökonometrischen Modellen.
5. Schätzung des Migrationspotentials: Konkrete Anwendung von Modellen (HWWA/IfO) zur Quantifizierung der erwarteten Zuwandererströme.
5.1 Schätzung nach HWWA: Analyse des statisch-strukturellen Modells des HWWA zur Prognose der Migrationsbewegungen.
5.2 Schätzung nach IfO: Betrachtung des dynamisch-strukturellen Modells des IfO-Instituts mit Fokus auf Deutschland.
5.3 Kritische Beurteilung der Schätzverfahren: Reflexion über die methodischen Schwächen und Einschränkungen der verwendeten Prognosemodelle.
6. Mögliche ökonomische Auswirkungen der Freizügigkeit: Analyse der Arbeitsmarkt-, Lohn- und fiskalischen Effekte der Migration für die EU-Staaten.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Migrationspotentials und Entkräftung der Befürchtung einer massenhaften Völkerwanderung.
Schlüsselwörter
EU-Osterweiterung, Migrationspotential, Migrationstheorien, Schätzverfahren, Humankapitalansatz, Freizügigkeit, Arbeitsmarkt, Einkommensdifferenz, MOEL, Push-Faktoren, Pull-Faktoren, Ökonomische Auswirkungen, Arbeitsmobilität, Strukturmodelle, Wirtschaftsleistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Ausmaß und die ökonomischen Folgen der Migration aus den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) in die EU im Kontext der Osterweiterung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Beitrittsverhandlungen, theoretische Migrationsmodelle, die Methodik der Potentialschätzung sowie die resultierenden Auswirkungen auf Arbeitsmärkte und Staatshaushalte.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die in der Öffentlichkeit oft überbewerteten Migrationspotentiale wissenschaftlich fundiert anhand ökonomischer Modelle zu prüfen und zu quantifizieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Schätzung verwendet?
Es kommen vorwiegend strukturelle ökonometrische Modelle zum Einsatz, unter anderem OLS-Regressionen, die auf historischen Wanderungsdaten basieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (wie Sjaastad), zwei spezifische Schätzmodelle (HWWA und IfO) sowie die ökonomische Bewertung von Verdrängungseffekten und Fiskaleffekten detailliert erörtert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe EU-Osterweiterung, Migrationspotential, ökonomische Auswirkungen und Migrationstheorien einordnen.
Was unterscheidet die Schätzungen nach HWWA und IfO in ihrer Vorgehensweise?
Das HWWA verwendet ein statisch-strukturelles Modell zur Untersuchung der EU gesamt, während das IfO ein dynamisch-strukturelles Modell anwendet, das spezifisch die Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt betrachtet.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich einer „Völkerwanderung“?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Befürchtungen einer massiven „Völkerwanderung“ unbegründet sind, da das tatsächliche Migrationspotential weit geringer ausfällt als in der Tagespolitik oftmals suggeriert.
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- Thorsten Wilke (Author), 2002, Das Migrationspotential im Zuge der EU-Osterweiterung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10369