Das Gewölbe. Nur noch eine alte traditionelle Bauart?


Hausarbeit, 2017

9 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Gewölbe
2.1 Definition
2.2 Gewölbeformen
2.2.1 Tonnengewölbe
2.2.2 Kappengewölbe
2.2.3 Spitzgewölbe
2.2.4 Kreuzgewölbe
2.2.5 Klostergewölbe
2.3 Gewölbebau

3 Raumbeispiel Stadtpfarrkirche St. Michael in Schwäbisch Hall

4 Personenbezug

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kräfteverteilung auf einem Gewölbe

Abbildung 2: evangelische Stadtpfarrkirche St. Michael

Abbildung 3: Hallenschiff der evangelischen Kirche St. Michael (li.) mit Chorraum (re.)

Abbildung 4: gotisches Gewölbe des Hallenschiffs (li.) und des Chorraums (re.)

Alle Abbildungen aus eigener Quelle, 2017

1 Einleitung

„Wenn wir heute eine Kirche betreten und nach oben schauen, sehen wir meistens ein Gewölbe. Viele Besucher sind vor allem von diesen überwölbten Räumen beeindruckt“ (Lohmann, 2007, Absatz 1), doch lange war dem Menschen nicht bewusst, „[...] wie große Räume überwölbt werden können. Bis dahin war im Kirchenraum ein offener Dachstuhl zu bewundern [...]“ (Loh­mann, 2007, Absatz 1).

Die bereits Jahrhunderte alte Tradition des Gewölbebaus stellte bereits schon immer eine be­sondere Herausforderung an die Handwerkskunst dar. Im Orient entstanden, später von den Römern perfektioniert und im Jahre1150 in der Gotik machte diese Baukunst die sakralen Bau­werke größer und höher - brachte die Räume näher zu Gott - und verdeutlichte somit den christlichen Glaubensgrundsatz.

Die prächtigen Gewölbe, ihre grandiose Konstruktion und ihre Spannung, welche atemberau­bende Dimensionen entfalten, wurden hauptsächlich nur in bedeutendsten öffentlichen Gebäu­den, wie Kirchen, Palästen und Tempeln angewendet. Doch können diese auch die heutige klassische Moderne revolutionieren?

2 Gewölbe

2.1 Definition

Das Gewölbe ist eine massive nach oben gewölbte Gebäudedecke, die nicht flach auf den Wän­den aufliegt. Durch das Eigengewicht und die Nutzlast entstehen Kräfte. Diese lagern in der Regel auf Mauern, Pfeilern und Säulen, die als Widerlager den vertikalen Druck und den seitli­chen Schub des Gewölbes auffangen.

Der wesentliche Unterschied zur Kuppel ist, dass das Gewölbe auch für Längsräume geeignet ist. „Bis zur Einführung der Stahlbetondecken waren Gewölbe die einzige Möglichkeit Räume massiv zu überdecken. [.] Gegenüber Holzbalkendecken sind Gewölbe gegen Feuchtigkeit unempfindlicher, benötigen jedoch eine größere Konstruktionshöhe und massive Widerlager“ (Gröll, o.J., Absatz 2). Im Laufe der Architekturgeschichte entwickelten sich somit die zahlreich verschiedenen Gewölbetypen zu immer komplexeren Formen.

2.2 Gewölbeformen

2.2.1 Tonnengewölbe

Das Tonnengewölbe besteht, wie der Rundbogen, aus einem Halbkreis und benötigt deshalb einesehr große Höhe. Tonnengewölbe bestehen aus seitlichen Wangenund den oberen End­stücken, den Kappen.Die nach außen gerichteten Schubkräfte desGewölbes, dersogenannte Gewölbeschub, ist im Vergleich zum Kappengewölbe geringer.

2.2.2 Kappengewölbe

Das Kappengewölbe entspricht von der Form her dem Segmentbogen. Durch die geringe Stich­höhe ist der Gewölbeschub sehr hoch. Kappengewölbe wurden auch häufig als "Preußische Kappen" zwischen Stahlträgern, die in einem bestimmten Abstand die Kappen tragen, ausge­führt.

2.2.3 Spitzgewölbe

Das Spitzgewölbe entspricht dem typisch gotischen Spitzbogen und kann normal, gedrückt oder überhöht ausgeführt werden. Kreuzt sich das Spitzgewölbe gegenseitig, so spricht man von einem Kreuzrippengewölbe, Stern- oder Netzgewölbe. Auch diese Art von Gewölbe benötigen sehr große Konstruktionshöhen.

2.2.4 Kreuzgewölbe

Das Kreuzgewölbe besteht aus zwei Tonnengewölben, die sich ineinander kreuzen. Dadurch liegt das Kreuzgewölbe nur auf vier Eckpfeilern auf und besteht aus vier Kappen. Anstelle der Grate sind im Kreuzrippengewölbe Rippen gespannt, die die Last des Gewölbes aufnehmen und diese in die Pfeiler abführen.

„Das Kreuzrippengewölbe sieht dem Kreuzgratgewölbe zwar ähnlich, hat aber ein völlig ande­res Konstruktions- und auch Bauprinzip. Der Unterschied führt vor allem dazu, dass die Ge­wölbe zum Bau wesentlich weniger Material brauchten und somit auch wesentlich leichter wur­den“ (Lohmann, 2007, Absatz 5).

2.2.5 Klostergewölbe

Das Klostergewölbe wird, wie das Kreuzgewölbe, aus zwei sich kreuzenden Tonnengewölben gebildet. Es hat allerdings vier Wangen und damit umlaufende Auflagerwände. Zum Klosterge­wölbe zählt auch das Muldengewölbe, dessen Grundfläche länglich gestreckt ist, sowie das Spiegelgewölbe, bei dem der Scheitel abgeschnitten ist, sodass die entstehende obere Fläche elliptisch ist und deshalb als Spiegel bezeichnet wird.

2.3 Gewölbebau

Warum haben beispielsweise die gotischen Sakralbauten ein Gewölbe?

Ein Bogen kann deutlich mehr Last tragen und ist wesentlich haltbarer als ein waagrechter Balken aus Holz oder Stein auf einer Auflage. Der Balken würde ab einer bestimmten Last nachgeben und sich durchbiegen. Der Bogen hingegen ist sozusagen schon entgegen der Be­lastung eingespannt, er ist selbsttragend. Je steiler der Bogen ist, desto mehr Last kann er auch tragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kräfteverteilung auf einem Gewölbe

Vom obersten Stein aus wer­den die Kräfte jeweils schräg weitergeleitet bis sie schließ­lich senkrecht auf die Mauern oder Pfeiler treffen, auf wel­chen sich das Gewölbe spannt (Abbildung 1: Kräfteverteilung auf einem Gewölbe).

3 Raumbeispiel Stadtpfarrkirche St. Michael in Schwäbisch Hall

Wir befinden uns im Nordosten Baden-Württembergs in der einzigartigen Altstadt Schwäbisch Hall und dessen Landkreis. Das Mittelzentrum der Stadt bildet der historische Marktplatz - einer der schönsten Marktplätze Süddeutschlands. Hier finden wir eine alte Basilika, in welcher wir ein atemberaubendes Kreuzrippengewölbe betrachten können.

Das jüngste Gebäude des Marktplatzes ist das auf der westlichen Seite errichtete Rathaus aus dem Spätbarock, das im Jahre 1945 nach einem Brand wiederaufgebaut wurde. Gegenüber dem Rathaus thront die im Jahre 1156 geweihte St. Michael Kirche. Diese romanische Basilika wurde einst zur gotischen Hallenkirche umgebaut. Mit ihrer majestätischen 70 Meter breiten, 53-stufigen Freitreppe ist sie ein prägendes Element der Altstadt Schwäbisch Hall (Abbildung 2: evangelische Stadtpfarrkirche St. Michael).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: evangelische Stadtpfarrkirche St. Michael

Der Haupteingang der Kirche befindet sich in einer Vorhalle im untersten Geschoss des vierstö­ckigen Westturms in welchem sich auch die Glocken befinden. In der Mitte der Vorhalle steht eine Steinskulptur des Erzengels Michael. Betritt man die Michaelskirche fällt der erste Blick durch das große Hauptschiff auf den Chorraum mit dem Hochaltar und dem Kruzifix (Abbildung 3: Hallenschiff der evangelischen Kirche St. Michael (li.) mit Chorraum (re.)).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Hallenschiff der evangelischen Kirche St. Michael (li.) mit Chorraum (re.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: gotisches Gewölbe des Hallenschiffs (li.) und des Chorraums (re.)

Die parallel angeordneten bemalten Steinsäulen trennen die Hallenkirche in ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe. Die Sockel dieser sind achteckig und deren Simse weist eine ähnliche Form auf. Folgt der Blick den Pfeilern nach oben zur Decke, zeigt sich das Netzgewölbe in voller Pracht, dessen Gewicht auf Wänden und Pfeilern lastet (Abbildung 4: gotisches Gewölbe des Hallenschiffs (li.) und des Chorraums (re.)).

Zum Mittelpunkt der Kirche, der den Altarraum vom Langhaus trennt, führt ein Gang zwischen den dunklen Holzbänken, die verteilt über die drei Schiffe in Richtung Kruzifix gerichtet sind. An den Seitenwänden fallen einem die mittelalterlichen Altäre und die zahlreichen Gemälde auf. Ob Bildhauerei, Wandmalerei oder Glasmalerei, alles ist vertreten. Darüber befinden sich an beiden Seiten aus massivem Holz angebrachte Empore, welchen einen gelungenen Ausblick bieten. Im Zentrum des christlichen Sakralbaus befindet sich rechts an einer der Säulen eine Kanzel, die aus demselben hellen Stein der Säulen gefertigt ist. Daneben ein gotischer Tauf­stein. Ein paar Reihen der Kirchenbänke sind hier zur Mitte gerichtet.

Begibt man sich weiter, kommt man in den Altarraum, den sogenannten Chorraum, der den Raum halbrund abschließt und sich etwas erhöht. Der darunterliegende Raum diente als Bein­haus. Die hier aufbewahrten Gebeine Verstorbener, mangels Platz auf den Friedhöfen, sind durch einen eingezäunten Glasboden hinter dem Hauptaltar zu sehen. In dem Abschnitt finden sich noch Stuhlreihen mit roten Samtsitzen, die ebenso auf den Altar gerichtet sind.

Das Hochaltar, über dem die plastische Figur des gekreuzigten Christi steht, ist das Herz der Michaelskirche. Es ist mit Gold verziert und äußerst detailliert mit Farbe in der Plastik verarbei­tet. Hinter dem Altar sind noch mehrere Personendenkmale zu betrachten.

Nur in wenigen Fenstern des Chorhauses befinden sich Reste von den Glasmalereien, sodass durch die restlichen hohen dreiteiligen Maßwerkfenster und deren klaren Glasflächen ausrei­chend Licht in den Raum tritt. Durch den hellen Naturstein ist es kühl, aber durch die Farb- und Goldakzente wirkt alles viel harmonischer und schafft so eine ruhige, warme Atmosphäre.

Beim Verlassen des Sakralbaus sieht man über dem Haupteingang noch die mächtige Orgel auf der Empore, die fabelhaft zum Interieur der historischen Kirche passt.

4 Personenbezug

Wenn wir nun auf die ausgehende Frage zurückkommen, können wir letztendlich eindeutig zu­stimmen. Die Gewölbe können genauso gut auch Wohnräumen, Kellern oder auch Schauräu­men ein ganz besonderes Ambiente verleihen. Mit viel Kreativität und Flexibilität ist die Umset­zung nicht nur bei modernen Neubauten, sondern auch in bestehenden Räumen genauso mög­lich, wie die Instandsetzung bestehender Gewölbe.

Architekten sowie Innenarchitekten können in Räumen mit Gewölben ein stilvolles Etwas schaf­fen. Beispielsweise allein durch das viele Licht, das ein offenes Gewölbe durch seine Endrun­dungen und nur eine kaum wahrnehmbare Glaswand als einzige Trennung zum Außenraum bietet, kann ein Raum modern gestaltet sein. Wenn hinzu noch warme Materialien kommen und auf die raffinierte Fassade treffen, entsteht eine interessante Ästhetik.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Gewölbe. Nur noch eine alte traditionelle Bauart?
Hochschule
Hochschule Coburg (FH)
Veranstaltung
Der Coburger Weg - Wissenschaftliches Arbeiten
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
9
Katalognummer
V1036909
ISBN (eBook)
9783346434982
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewölbe, Gewölbeformen, Architektur, Innenarchitektur
Arbeit zitieren
Irina Ruder (Autor:in), 2017, Das Gewölbe. Nur noch eine alte traditionelle Bauart?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1036909

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