Ziel der Arbeit ist die Darstellung einer Übersicht über das Themengebiet der Vulnerabilität von An- und Zugehörigen von betroffenen Personen, die auf einer erwachsenen Intensivtherapiestation behandelt werden.
Während des gesamten Aufenthaltes auf der Intensivstation befinden sich die An- und Zugehörigen von Intensivpatienten in einer psychisch wie emotionalen, höchst instabilen Situation. An- und Zugehörige von schwerkranken Menschen leiden unter hohen Belastungen und weisen relevante depressive Symptome sowie Anzeichen von Angst auf. Die Gruppe der An- und Zugehörigen wird zwar in Forschungsberichten als vulnerabel eingestuft, dennoch in der geläufigen Pflegeliteratur, besonders im deutschen Sprachraum kaum als vulnerable Gruppe gesehen.
Die Symptome der An- und Zugehörigen weisen auf eine erhöhte Vulnerabilität hin und können gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Die Vulnerabilität dieser Gruppe ist mehrdimensional zu betrachten und kann innerhalb der Dimensionen auch weiter untergliedert werden. Angehörige nehmen innerhalb der Familie verschiedene Rollen ein, auf die Pflegende unterschiedlich eingehen sollten. An- und Zugehörige entwickeln in dieser Zeit eine Reihe an Copingstrategien, um mit Angstzuständen umzugehen. Zwischen den Wünschen und Bedürfnissen der Angehörigen und den Wahrnehmungen der Intensivpflegenden konnten signifikante Unterschiede ermittelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vulnerabilität
3 An- und Zugehörige
3.1 An- und Zugehörige als vulnerable Gruppe
3.2 An- und Zugehörige von betroffenen Menschen auf Intensivstation
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht das Themengebiet der Vulnerabilität von An- und Zugehörigen von Patienten auf Intensivstationen. Ziel ist es, durch eine systematische Literaturrecherche den Wissensstand zur psychischen Belastung und den spezifischen Bedürfnissen dieser Personengruppe darzustellen, um Ansatzpunkte für eine bessere pflegerische Unterstützung zu identifizieren.
- Grundlagen des Vulnerabilitätsbegriffs in der Pflege
- Definition und Bedeutung von An- und Zugehörigen
- Psychische Belastungen und Symptome von An- und Zugehörigen
- Identifikation von Rollen und Bewältigungsstrategien in Krisensituationen
- Notwendigkeit einer familienorientierten Intensivpflege
Auszug aus dem Buch
3.2 An- und Zugehörige von betroffenen Menschen auf Intensivstation
An- und Zugehörige von betroffenen Menschen auf Intensivstation zeigen typische Symptome von Vulnerabilität. Wie die Forschung des Teams um Melissaki zeigt, wiesen die Versuchspersonen der Studie, welche Angehörige ersten Grades zum betroffenen Menschen waren, hohe Werte auf der Center for Epidemiological Studies Depression Scale auf. Die von Melissaki erhobenen Werte von 29.8 ± 8.9 zeigen nach den Angaben der American Psychological Association ein hohes Risiko für Depressionen auf. Die Fachgesellschaft gibt ab einem Wert von 16 auf der Center for Epidemiological Studies Depression Scale ein Risiko für Depressionen an, welches weiter untersucht werden sollte. Ebenso zeigte die Forschung, dass Angehörige von Menschen auf einer Intensivstation auch Symptome von Angst aufzeigen. Dies wurde mit dem Spielberger’s State-Trait Anxiety Inventory erhoben. Hier konnten mit 39.8 ± 9.0 mittels des Assessmentinstruments Werte erhoben werden, die für eine mittelstarke Angst der Angehörigen spricht.
Die qualitative Studie des Teams um Frau Wåhlin zeigte ähnliche Ergebnisse auf. Hier gaben die Versuchspersonen an, dass sie manchmal zuhause ängstlich wurden und die Angst bekämpfen konnten, indem sie in das Krankenhaus gefahren sind und dort auch zu jeder Zeit willkommen waren, um den betroffenen Menschen zu besuchen und ihm nahe zu sein. Die Versuchspersonen gaben in den Interviews der Studie an, dass sie die Zeit der Intensivtherapie als eine der schrecklichste in ihrem Leben betrachten, jedoch in dieser Zeit aber auch einige der besten Erfahrungen ihres Lebens machten. Weiter gaben die Versuchspersonen an, dass ihnen eine fürsorgliche Atmosphäre sowie kontinuierliche, unkomplizierte und ehrliche Informationen über den betroffenen Menschen sehr geholfen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die psychisch belastende Situation von An- und Zugehörigen bei der Aufnahme von Patienten auf eine Intensivstation ein und erläutert die methodische Vorgehensweise der Literaturrecherche.
2 Vulnerabilität: Hier werden theoretische Grundlagen und verschiedene Formen der Vulnerabilität sowie relevante Risikofaktoren für Menschen in Ausnahmesituationen erörtert.
3 An- und Zugehörige: Dieses Kapitel definiert die Personengruppe der An- und Zugehörigen und beleuchtet deren Rolle sowie ihre spezifischen Belastungen im Kontext der Intensivmedizin.
3.1 An- und Zugehörige als vulnerable Gruppe: Dieser Unterpunkt vertieft die Einstufung von An- und Zugehörigen als vulnerable Personengruppe aufgrund der hohen emotionalen Belastung und notwendiger Rollenveränderungen.
3.2 An- und Zugehörige von betroffenen Menschen auf Intensivstation: Dieses Kapitel analysiert konkrete Studienergebnisse zu psychischen Symptomen wie Angst und Depression bei An- und Zugehörigen sowie deren Erfahrungen mit dem Intensivstationssetting.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, weist auf bestehende Forschungslücken hin und plädiert für eine stärkere Familienorientierung in der Intensivpflege.
Schlüsselwörter
Vulnerabilität, Angehörige, Zugehörige, Intensivstation, Pflege, psychische Belastung, Depression, Angst, Familienorientierung, Intensivpflege, Literaturrecherche, Bewältigungsstrategien, Coping, Patientenbegleitung, Krankenhaus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Vulnerabilität von An- und Zugehörigen von Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden, und untersucht deren Belastungssituation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der Begriff der Vulnerabilität, die Rolle und Bedürfnisse von An- und Zugehörigen in Krisensituationen sowie die Bedeutung unterstützender pflegerischer Konzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, eine Übersicht über das Themengebiet zu erstellen, um aufzuzeigen, wie vulnerabel An- und Zugehörige in der Intensivtherapie sind und welche Unterstützung sie benötigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturrecherche in verschiedenen medizinischen und pflegerischen Datenbanken sowie einer anschließenden Auswertung der gefundenen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Vulnerabilität, definiert die Gruppe der An- und Zugehörigen und analysiert Forschungsergebnisse zu deren Belastungen auf der Intensivstation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Vulnerabilität, Angehörige, Intensivstation, psychische Belastung und Familienorientierung charakterisiert.
Warum werden An- und Zugehörige als "vulnerable Gruppe" eingestuft?
Sie befinden sich in einer psychisch instabilen Ausnahmesituation, müssen oft neue Rollen übernehmen und leiden häufig unter starker Angst und depressiven Symptomen.
Welche Rolle spielt die Kommunikation für die An- und Zugehörigen?
Eine kontinuierliche, ehrliche und unkomplizierte Informationsweitergabe ist für die Bewältigung der Situation essenziell und kann die empfundene Vulnerabilität lindern.
Welche praktischen Ansätze für eine bessere Unterstützung werden genannt?
Projekte wie eine "Angehörigen freundliche Intensivstation" oder die Etablierung eines aktiven Angehörigentelefonats werden als wichtige Meilensteine genannt.
Gibt es laut dem Autor weiteren Forschungsbedarf?
Ja, der Autor identifiziert eine Forschungslücke bezüglich der langfristigen gesundheitlichen Folgen für An- und Zugehörige nach einer Intensivtherapieerfahrung ihrer Angehörigen.
- Quote paper
- Daniel Anders (Author), 2021, Die Vulnerabilität von An- und Zugehörigen von Patienten auf der Intensivstation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1036989