Dürfen wir Tiere töten? Die Positionen von Peter Singer und Dieter Birnbacher im Vergleich


Facharbeit (Schule), 2021

16 Seiten, Note: 1-

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problematik und Vorgehen

2 Peter Singer
2.1 Präferenzutilitarismus, Ethik und Gleichheit
2.2 Gleiche Interessenberücksichtigung und Unterschiedliche Behandlung
2.3 Verzehr von Tieren
2.4 Tierversuche
2.5 Tötung von Tieren

3 Dieter Birnbacher
3.1 Einleitung
3.2 Interessenargumente
3.3 Quantitätsethische Argumente gegen die Tötung von Tieren
3.4 Indirekte Argumente gegen die Tötung von Tieren
3.5 Welche Tiere haben ein Lebensrecht?

4 Peter Singers und Dieter Birnbachers Position im Vergleich

5 Schluss
5.1 Persönliche Stellungnahme und Bewertung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problematik und Vorgehen

Diese Facharbeit beschäftigt sich mit der Frage „Dürfen wir Tiere töten?“ und geht genauer auf die Positionen von Peter Singer und Dieter Birnbacher über die Tötung von Tieren, Tierversuche und Tierrechte ein. Ich habe dieses Thema gewählt, da es vor allem in der Tierethik eine sehr wichtige Rolle spielt und sich immer mehr Menschen dafür einsetzen. Zudem hat die Diskussion der Thematik „Dürfen wir Tiere essen?“ in den letzten Jahren immer mehr zugenommen und wird im Unterricht, im Fernseher und in der Zeitung behandelt. Ein weiterer Grund für mein Interesse an diesem Thema ist, dass der Fleischkonsum ein großer Bestandteil meines Lebens ist und ich damit täglich in Verbindung komme. Darüber hinaus wählen immer mehr Menschen einen veganen Lebensstil, sodass immer häufiger über die Richtigkeit dieser Bewegung diskutiert wird. Viele Menschen, darunter auch viele Philosophen, verlangen den Fleischkonsum zu verringern oder sogar komplett aufzuheben, da sich bei der Frage „Dürfen wir Tiere töten?“ gefragt wird, ob unser Fleischkonsum überhaupt moralisch vertretbar ist.

Die Arbeit soll, basierend auf den Positionen von Peter Singer und Dieter Birnbacher, einen genauen Überblick über die Tierethik und das Problem „Dürfen wir Tiere töten?“ darstellen.

Dabei werden die Fragen gestellt, wie wir mit Tieren umgehen sollen und in welchem Umfang wir ihnen zur Rücksichtnahme verpflichtet sind. Zudem wird untersucht, ob es moralisch vertretbar ist Tieren Leid zuzufügen, sie einzusperren oder zu töten. Ferner wird versucht die Fragen zu beantworten, ob es richtig ist, an Tieren zu experimentieren und ob wir ihnen helfen müssen, wenn sie in Not sind. Außerdem werden Themen wie Tierrechte und Tierversuche angesprochen.

Zunächst wird die Position von Peter Singer und Dieter Birnbacher mit verschiedenen Argumenten und Haltungen zu dem Thema vorgestellt und anschließend verglichen. Im Anschluss der beiden Positionen bewerte ich auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse die Fragestellung „Dürfen wir Tiere töten?“ und gebe anschließend ein eigenes Fazit.

2 Peter Singer

2.1 Präferenzutilitarismus, Ethik und Gleichheit

Peter Albert David Singer gilt als Begründer der modernen Tierethik. Dieser entwickelte den Präferenzutilitarismus, welche eine moderne Form des Utilitarismus ist.1 Sie spielt in seinen Positionen über Tierethik eine zentrale Rolle. Bevor jedoch auf den Präferenzutilitarismus eingegangen werden soll, werden zunächst einige grundlegende Begriffe näher definiert. Um Singers Theorie zu verstehen, muss im ersten Schritt festgehalten werden, was Singer unter dem Begriff der Ethik versteht, um seine theoretische Grundlage herzuleiten. Im zweiten Schritt wird der Begriff des Utilitarismus kurz erörtert, wodurch eine Erläuterung des Präferenzutilitarismus im Anschluss vereinfacht wird. Verallgemeinert formuliert versteht Peter Singer unter Ethik moralische Urteile, die von einem universalen Standpunkt aus getroffen werden müssen.2 Moralische Urteile müssen demnach so gefällt werden, dass die Interessen aller Betroffenen als gleichwertig behandelt werden. Die Begründung für diese Behauptung fasst Wolf von Peter Singers folgendermaßen zusammen:

„Indem ich akzeptiere, daß moralische Urteile von einem universalen Standpunkt aus getroffen werden müssen akzeptiere ich, daß meine eigenen Interessen nicht einfach deshalb, weil sie meine Interessen sind, mehr zählen als die Interessen von irgend jemand anderem“.3

Er behauptet, Ethik sei ein universelles Prinzip, mit dem man sein Handeln rechtfertigt, bei dem man nicht nur sich selbst und seine eigenen Interessen berücksichtigt, da es egoistisch und nicht moralisch wäre, sondern auch die Interessen anderer, welche genauso wichtig sind wie unsere.4 Unter dieser Bedeutung von Ethik, sieht Peter Singer es für vernünftig, eine utilitaristische Position einzunehmen. Der klassische Utilitarismus geht davon aus, dass moralisches Verhalten auf späteren Vorteilen für die Mehrheit der Betroffenen beruht, dabei soll „Lust“ erreicht werden und „Schmerz“ minimiert werden.5 Utilitaristische Theorien basieren also auf der Annahme, dass Handlungen nach ihren Folgen und nicht nach den dahinterliegenden Intentionen moralisch zu bewerten sind. Um jedoch den Unterschied zwischen den Präferenzutilitarismus und klassischen Utilitarismus deutlich zu machen, muss man verstehen, was Singer unter Gleichheit versteht. Laut Singer handelt es sich bei der Gleichheit um ein Grundprinzip, auf dem die Gleichheit aller Menschen beruht. Hierbei handelt es sich um ein Prinzip der gleichen Interessenberücksichtigung, welches sich nicht an Äußerlichkeiten oder Fähigkeiten des einzelnen Individuums orientiert.6 Dazu gehören alle Wesen, die empfindungsfähig sind. Unabhängig davon, wer es ist, müssen zwei Wesen, die ähnliche Interessen haben, gleich gewichtet werden. Dabei sei laut Singer die Grundvoraussetzung überhaupt Interessen zu haben, die Fähigkeit zu leiden. Daher leitet Singer den Präferenzutilitarismus ab, bei dem nicht nur Lust erreicht und Schmerz verhindert werden soll, sondern die Übereinstimmungen zwischen den Vorlieben eines Individuums und den Handlungen eines anderen Individuums beurteilt werden sollen.7 Demnach sind nach Peter Singers Auffassung auch Rassismus und Sexismus abzulehnen, weil sie bedeuten, dass manche Menschen ohne Grund bevorzugt werden als andere.

2.2 Gleiche Interessenberücksichtigung und Unterschiedliche Behandlung

Peter Singer überträgt die Idee der Gleichheit der Menschen auf die Tiere: Es gibt viele Unterschiede zwischen Menschen und Tieren, aber die Interessen der Tiere sind genauso wichtig wie unsere. Singer ist der Meinung, dass „Wenn man generell Tiere weniger berücksichtigt als Menschen, lässt sich das nicht rechtfertigen […] es sei genauso problematisch, wie wenn man Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts benachteiligt“.8 Hieraus schließt Singer jedoch nicht, dass Menschen und Tiere gleichbehandelt werden müssen, da das Prinzip der gleichen Interessensberücksichtigung nur gilt, wenn sie die gleichen Interessen hätten. Laut Singer gibt es jedoch auch zentrale Interessen, welche gemeinsam sind, wie das Interesse, nicht zu leiden.9 Singer glaubt, dass Tiere nicht daran interessiert sind wie die Zukunft aussieht oder am Weiterleben, während Menschen eine Menge Interesse haben, sich auf die Zukunft zu richten und weiter zu leben, daher wäre es eine schlechte Handlung Menschen zu töten und weniger schlimm Tiere zu töten. Diesen Zusammenhang, welcher in Singers Theorie von hoher Bedeutung ist, fasst Wolf folgendermaßen zusammen:

„Viele Tiere, so meint Singer, seien aber nicht in dieser Weise auf die Zukunft bezogen. Sie hätten keine Vorstellung von sich selbst als in der Zeit existierende Wesen und lebten gleichsam nur im Augenblick. Wenn man ein solches Wesen schmerzlos tötet, meint Singer, verletzt man also keine Interessen. Deshalb sei das nicht so schlimm wie das Töten eines Wesens mit Zukunftsplänen“.10

2.3 Verzehr von Tieren

Die meisten Menschen glauben, dass der Verzehr von tierischen Produkten in ihrem Leben notwendig sei. Peter Singer ist der Ansicht, dass es moralisch in Ordnung sei, sich von Tieren zu ernähren, um nicht zu verhungern, wobei das Leiden des Tieres nicht das des Menschen übersteigen darf. Daher ist es laut Singer jedoch moralisch falsch, die Tiere für den Luxus zu töten und den Verzehr, da die Interessen des Tieres in diesem Falle größer sind und keine Notwenigkeit des Verzehrs für den Menschen herrscht. Dies begründet Singer mit dem Argument, dass beim Prinzip der gleichen Interessenabwägung es nicht erlaubt sei, größere Interessen für das kleinere hinzugeben. Hierbei seien die Interessen des Tieres viel größer als die des Menschen und es wäre laut Singer unmoralisch den Verzehr von Tieren als Luxus zu konsumieren, da es in diesem Fall keine Notwendigkeit darstellt. Nach Ansicht von Singer ist die Linderung von Schmerzen das größte aller Interessen und es ist notwendig, bei allen Individuen zu berücksichtigen und abzuwägen, welche Schmerzen größer sind, um moralisches Handeln zu beurteilen.11

2.4 Tierversuche

Bei der Verwendung von Tieren bei Experimenten begründen und rechtfertigen die Forscher ihre Tierversuche damit, dass die Experimente zu Entdeckungen führen, welche später für eine große Menge von Menschen von Vorteil sein kann. Peter Singer ist der Ansicht, dass auch hierbei das Prinzip der Interessenabwägung beachtet und angewendet werden muss, wobei hier mehrere Probleme zustande kommen.12 Zunächst hinterfragt Singer die verschiedenen Zwecke und Nutzen der Tierversuche. Dabei ist Singer der Meinung, dass Tierversuche nicht nur für medizinische Zwecken verwendet werden und nennt das Beispiel vom Draize-Test:

„Pharmazeutische Firmen testen neue Haarwaschmittel und Kosmetika, die sie auf den Markt bringen möchten, indem sie konzentrierte Lösungen davon Kaninchen in die Augen träufeln.“13

Ebenfalls werden laut Singer, Tierversuche für Nahrungszusätze, wie künstliche Farben und Konservierungsstoffen mit dem LD 50 Verfahren getestet und „[d]ieser Test ist dazu bestimmt, die >>tödliche Dosis<< herauszufinden, oder die Menge des Verzehrs, bei der 50 % einer Versuchsgruppe von Tieren stirbt“.14 Bei solchen Versuchen werden die Tiere entweder krank oder sterben sogar. Singer ist der Meinung, dass diese Tests nicht notwendig sind, um menschliches Leben zu hüten, da es auch, falls es keine Alternative zu Tierversuchen gibt, schon genug Haarwaschmittel oder Nahrungszusätze gäbe.15 Des Weiteren streitet Singer die Tierversuche, welche für militärische Zwecke sind, ebenfalls ab, da diese Versuche mit einem Krieg oder Streit verbunden sind, was wieder zu Leiden führen würde.16 Trotzdem ist Singer im Allgemeinen nicht gegen Tierversuche, da es nach dem Präferenzutilitarismus berechtigt sei, einem Wesen geringem Leid auszusetzen, wenn dies viele Menschen vor dem Leiden bewahrt oder ihr Leiden mindert.17

2.5 Tötung von Tieren

Peter Singer beschäftigt sich mit der Frage, ob das Töten richtig oder falsch ist. Er bezieht sich hierbei zwischen der Tötung von bewusstem Leben und unbewussten Leben.18 Nach der Auffassung von Singer, ist ein bewusstes Wesen mit seiner Vergangenheit und seiner Zukunft bekannt und hat „[…] eine bestimme Art von Selbstbewusstsein“.19 Singer ist der Meinung, dass kluge Säugetiere, wie Schweine ein solches Maß von Selbstbewusstsein haben und daher die Fähigkeit haben, Wünsche für die Zukunft zu besitzen. Daher ist Singer der Meinung, dass das Töten von Tieren falsch ist, „[…] sobald wir nicht sicher wissen können, in welcher Gruppe das betreffende Tier fällt“,20 Dabei würden die Interessen des Tieres nicht berücksichtigt werden und die Tötung würde das Prinzip des Präferenzutilitarismus verletzen. Ebenfalls erwähnt Singer, dass selbstbewusste nicht menschliche Tiere das gleiche Recht auf Leben haben wie selbstbewusste Menschen.21 Das Töten von Tieren stellt jedoch bei unbewussten Leben für Singer kein Problem dar, da auch „[e]inige empfindungsfähige Tiere [..] keine Vorstellung von der Zukunft [haben]“22 und daher auch keine Vorstellung von der Zukunft haben mit dem Interesse am Weiterleben. Schlussfolgernd ist Singer der Ansicht, wenn „[…] Tiere kein Interesse am Weiterleben haben, verletzten wir keins ihrer Interessen, wenn wir sie töten“23, solange für das verlorene Leben ein Ersatz gebracht wird. Bei der Tötung von Tieren müsste für den Schmerz, welcher durch den Verlust des Tieres zustande kommt, an anderer Stelle Lust herbeigeführt werden, um eine Art Entschädigung zu leisten.24

3 Dieter Birnbacher

3.1 Einleitung

Dieter Birnbacher ist ein deutscher Philosoph mit dem Schwerpunkt Ethik, wozu auch die Tierethik gehört. Birnbacher beschäftigt sich mit der Frage, ob sich die Tötung von Tieren rechtfertigen lässt. Zunächst bezieht sich Birnbacher auf das Tierschutzgesetz, indem steht, dass niemand „[…] einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“25 darf. Birnbacher vertritt die Position, dass es moralisch falsch ist, „[…] Tiere willkürlich, gedankenlos oder aus Lust an Grausamkeit und Zerstörung zu töten“26. Dabei ist Birnbacher jedoch der Meinung, dass es moralisch vertretbar ist, ein Tier aus Notwehr zu töten oder Schädlinge abzuwehren.27 Ebenfalls vertritt Birnbacher die Meinung, dass die Sterbehilfe bei einem Tier erlaubt sei, wenn dies im eigenen Interesse liegt. Im weiteren Verlauf beschäftigt sich Birnbacher mit den Fragen, ob man Tiere auch ohne Vorliegen besonderer Gründe töten darf, ob der Besitz von Bewusstsein oder Selbstbewusstsein ein tierisches Lebensrecht begründet oder ob wir Tiere schlechter behandeln dürfen, da sie Tiere und keine Menschen sind, weshalb wir ihnen gegenüber keine Gattungssolidarität schulden.28

[...]


1 vgl. Werner Moskopp, https://www.bpb.de [Zugriff: 03.02.2021]

2 vgl. Ursula Wolf, S.25

3 Ursula Wolf, S.25

4 vgl. Friederike Schmitz, S.63

5 vgl. Ursula Wolf, S.27

6 vgl. Friederike Schmitz, S.64

7 vgl. Friederike Schmitz, S.65

8 Friederike Schmitz, S.65f

9 vgl. Friederike Schmitz, S.66

10 Friederike Schmitz, S.67

11 vgl. Peter Singer S.90ff

12 vgl. Ursula Wolf, S.233f

13 Ursula Wolf, S.232

14 Ursula Wolf, S.233

15 Ursula Wolf, S.233

16 Ursula Wolf, S.233f

17 Ursula Wolf, S.235

18 vgl. Peter Singer, S. 123

19 Friederike Schmitz, S.77

20 Friederike Schmitz, S.77

21 Peter Singer, S.155ff

22 Friederike Schmitz, S.76

23 Friederike Schmitz, S.76

24 vgl. Friederike Schmitz, S.66ff

25 Florian Chefai, https://hpd.de/ [Zugriff: 15.02.2021]

26 Ursula Wolf, S.212

27 Ursula Wolf, S.212

28 vgl. Ursula Wolf, S.212

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Dürfen wir Tiere töten? Die Positionen von Peter Singer und Dieter Birnbacher im Vergleich
Note
1-
Jahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1037040
ISBN (eBook)
9783346454416
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dürfen, tiere, positionen, peter, singer, dieter, birnbacher, vergleich
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Dürfen wir Tiere töten? Die Positionen von Peter Singer und Dieter Birnbacher im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1037040

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