Fußballwissen für die Halbzeitpause. Ein Überblick


Fachbuch, 2021

116 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichte des Fußballs: Ein Abriss

3. Kommerzialisierung des Fußballs

4. Aspekte
4.1 Vorbemerkung
4.2. Fußball und Politik
4.3. Fußball und Gesellschaft
4.4. Fußball und Migration
4.5. Frauenfußball
4.6. Fußball und Religion

5. Fußball in der Welt: Flutlichter
5.1. Brasilien
5.2. China
5.3. England
5.4. Frankreich
5.5. Argentinien

6. Emotionssiedepunkt Derby

7. Die Bedeutung des Fußballs in Deutschland

8. Sozio-kulturelle Dimensionen des Fußballs

9. Eine soziopsychologische Perspektive auf den Fußball

10. Fans, Ultras und Hooligans
10.1. Fans
10.2. Ultras
10.3. Hooligans

11. Rassismus und Diskriminierung im Fußball
11.1.Was ist Rassismus?
11.2. Was ist Diskriminierung?
11.3. Diskriminierendes und rassistisches Verhalten im Fußball

12. Die Marktmacht der Topvereine

13. Das große Geld in Europa
13.1. Investoren
13.2. Financial Fairplay
13.3. Investoren in Deutschland

14. Fußballstrukturen in Deutschland

15. Nachwuchsleistungszentren und Bundesstützpunkte

16. Karitatives im Fußball

17. Das Corona-Virus und der Fußball

18. Moderner Fußball: Optimierungen und Risiken des Hochleistungssports

19. Doping im Fußball

20. Spielerberater

21. Der Videobeweis und die Emotionen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Für viele ist es die schönste Nebensache der Welt! Das sagen Fußballenthusiasten zumindest häufig, wenn sie über den Fußball sprechen. Er fasziniert und emotionalisiert Massen auf dem gesamten Globus. Überall fiebern Anhänger mit ihren Vereinen mit. Die Vereinsliebe thront dabei über allem und wird bis ins Extrem gelebt. Ultras supporten ihre Mannschaften mit ganzer Kraft, Hingabe und viel Einfallsreichtum. Sie zeigen aufwendige Choreographien oder peitschen ihr Team durch Sprechgesänge nach vorne. Wichtiger als die Einzelspieler und das bestehende Team ist jeweils der Herzensclub: Spieler, Manager, Trainer oder Präsidenten kommen und gehen. Anders als der Verein: Er überdauert die Ewigkeit.

Große Turniere, wie Welt- und Europameisterschaften, können gar ganze Nationen vereinen. Sie schaffen Zusammenhalt und lassen ein Wir-Gefühl entstehen, das soziale Probleme in den Hintergrund treten lässt. Es sei nur an das Sommermärchen von 2006 in Deutschland gedacht, als das Land geschlossen und gebannt die Weltmeisterschaft (WM) verfolgte und das Team von einer Welle der Euphorie getragen wurde. Zwar reichte das nicht für den WM-Titel, aber die Anerkennung und Respekt der eigenen Bevölkerung war dem Team um den Capitano Michael Ballack sicher. Auch der Rest der Welt war von der begeisternden, fröhlichen und gastfreundlichen Stimmung während der WM entzückt – Fußball kann Grenzen sprengen! Das wurde auch hier deutlich.

Dieses Buch gibt einen Überblick über die zentralen Themen, die die Fußballwelt prägen. Es thematisiert nicht die internationalen politischen Probleme, die der Sport zu bewältigen hat. Der Leser wird nach der Lektüre so gut informiert sein, dass er in jedem „Fachgespräch“ (wie etwa am wöchentlichen Stammtisch) Argumente vortragen kann, die von seiner Expertise zeugen. Dazu werden unter anderem historische Entwicklungen im Fußball beleuchtet, die sich zum Beispiel in Rivalitäten niederschlagen oder ganz allgemein den Fußball bewegt haben und weiterbewegen werden. Länderspezifische Strukturen des Fußballs, die oft bereits im Amateurbereich gesellschaftliche Relevanz besitzen und sich bis hin zu einer weltweiten und hochprofessionellen Ebene verästeln, werden unter die Lupe genommen. Zudem werden Themenkomplexe, wie die Kommerzialisierung des Fußballs mit all ihren Begleit- und Folgeerscheinungen, betrachtet. Auch sinnstiftende Potentiale des Fantums und sozio-kulturelle Phänomene im Fußball werden dargestellt. Das Buch stellt Hintergründe dar und verspricht Wissenszuwachs für alle, die den Fußball lieben oder erst kennenlernen und von dem Sport fasziniert werden.

2. Geschichte des Fußballs: Ein Abriss

„Das Mutterland des Fußballs ist England“ – das ist der weitverbreitete Glaube bezüglich der Herkunft des aktuell beliebtesten Ballspiels der Welt. Das mag für die Moderne stimmen, aber historisch gesehen, reichen die Anfänge des Fußballs deutlich weiter zurück. Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. wurden in China Spiele ausgetragen, die fußballerische Elemente besaßen. So ist etwa das Spiel Ts`uh-küh überliefert, dass jedoch vor allem einem militärischen Ausbildungsprogramm diente. Während der Zhou-Dynastie breitete sich diese überharte Interpretation des Fußballs im Volk aus, Wegen der außerordentlichen Brutalität wirkt sie in der Gegenwart befremdlich. Der Fußball bestand damals aus zusammengenähten Lederstücken, die mit Federn und Tierhaaren ausgestopft wurden. Um der gewalttätigen Spielart etwas an Schärfe zu nehmen, wurden im Laufe der Zeit Regeln aufgestellt. Die Beliebtheit des Sports steigerte sich im Land der aufgehenden Sonne während der Qin- bis zur Sui-Dynastie weiter. Bis etwa 600 n. Chr. soll das Spiel Nationalsport gewesen sein – eventuell sogar mit eigener Profiliga. Der luftgefüllte Ball wurde in diesen Jahren von den Chinesen erfunden und kurz darauf spezifische Fußballregeln erlassen. Es gab in der Folge Tore, Torhüter und Spielführer. In China geriet allerdings 100 Jahre später das Spiel in Vergessenheit.1

Auch in anderen Kulturkreisen gab es fußballähnliche Spiele. So etwa zur Zeit der Maya und der Azteken. In beiden Kulturen wurde spielerisch versucht, einen Kautschukball mit der Hüfte durch kleine Reifen zu bugsieren. Im antiken Griechenland wurden Ballsportarten zur körperlichen Ertüchtigung gespielt. Das galt besonders für Sparta. Dort besaß die Körpermodellierung einen extrem hohen Stellenwert. Der Fußball war ein Mittel dazu. Die Römer praktizierten ihre Interpretation des Spiels zu militärischen Zwecken. Hier gibt es eine Parallele zu den alten Chinesen. Der Fußball, entwickelte sich in England jedoch erst im Mittelalter und war in dieser Zeit ein „wildes“ Ereignis, in dem ebenfalls eine gewalttätige Spielinterpretation eine Rolle spielte.2

In England wurde das öffentliche Fußballspielen zwischen 1314 und 1667 30-mal von der Kirche und der Krone verboten. Bei Verbotsbruch drohten unter anderem empfindliche Geldstrafen, wie sie beispielsweise 1424 festgelegt wurden. Das mittelalterliche Spiel in England unterscheidet sich fundamental von der heutigen Fußballvariante: Zwei Dörfer spielten gegeneinander, um den Ball in das gegnerische Stadttor zu befördern und zwar ohne feste Regeln. Die Folgen waren zahlreiche, auch schwere, Verletzungen. Das Spiel war äußerst rabiat und wurde vor allem deswegen immer wieder verboten. Das Spielfeld konnte mehrere Kilometer auseinander liegen. Das war davon abhängig, wie weit die Dörfer voneinander entfernt waren. Mit den Verboten ließ in England das Interesse am Fußball im Laufe der Zeit (vor allem bei der Landbevölkerung) nach. Dieser Trend setzte sich nach der Industriellen Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts fort. Es gab auch in Frankreich und Italien im Mittelalter Kampfspiele, die Treibballspielen ähnlich waren und meist äußerst rüde verliefen. So zum Beispiel der „Calcio Storico“ in Florenz, der ab dem 15. Jahrhundert ausgetragen wurde.3

Mit dem vorläufigen Rückgang der Bedeutung des Fußballs als Freizeitbeschäftigung der Landbevölkerung, gewann er dagegen an Privatschulen und Universitäten wie dem Eton College oder der Shrewsbury School an Bedeutung. Fußball galt als gutes Training zur Leibesertüchtigung, als ein Mittel zur Verinnerlichung des Fair Play Gedankens, zum Abbau von Aggressionen und nicht zuletzt wurde er auch als Körperkult zelebriert. Ein einheitliches Regelwerk gab es nicht. Das verhinderte, dass sich die Spieler zwischen Universitäten und Schulen miteinander auf gemeinsamer Basis messen konnten. Erste Fußballregeln verfassten Studenten der Universität Cambridge 1848. Sie sahen vor, dass Mannschaften aus 15 bis 20 Spielern bestehen sollten. Neun Jahre später (1857) gründete sich der Sheffield F.C, der als ältester Fußballverein der Welt gilt. Als 1863 die Football Association (FA) in London ins Leben gerufen wurde, entstand ein ausdifferenzierteres Regelwerk. Nicht zuletzt deswegen gilt die Gründung des englischen Fußballverbandes als Geburtsstunde des modernen Fußballs und somit England als das Mutterland des heutigen Fußballs. 1866 wurden die Abseitsregeln modifiziert und der Eckball und der Freistoß eingeführt.1870 wurden im Sheffield Code festgelegt, dass Mannschaften aus elf Spielern zu bestehen haben. Ein Jahr später wurde den Feldspielern das Handspiel verboten. Fortan war es dem Torwart vorbehalten, den Ball mit der Hand aufzunehmen. Das galt aber nur in der jeweils eigenen Hälfte des Spielfeldes. Außerdem hatte der Torwart den Ball nach zwei Schritten wieder freizugeben. Das Handspielverbot war für den Fußball identitätsstiftend, weil dadurch eine Abgrenzung zum Rugby Football möglich wurde. Diese Regelungen prägen den Fußball immer noch grundlegend.4

Im Herbst 1872 fand das erste Länderspiel statt. Wenig überraschend spielte England mit und zwar gegen Schottland. Spielort war in der Nähe von Glasgow und endete torlos. Der älteste Pokalwettbewerb des Fußballs, der FA-Cup, wurde in England im selben Jahr abgehalten. Er war der erste nationale Fußballwettbewerb und wird noch heute veranstaltet. Zwei Jahre nach dem ersten Länderspiel begleiteten dann Schiedsrichter die Partien. In den folgend zwei Dekaden wurden weitere Regeln erlassen: Die Torgrößen wurde festgelegt, der Einwurf mit beiden Händen und die Halbzeitpause mit Seitenwechseln beschlossen. Freistoßentscheidungen und Platzverweise wurden Strafinstrumente für die Schiedsrichter. Er erhielt dazu wenig später alleinige Entscheidungsbefugnis, durfte eine Trillerpfeife einsetzen und bekam zwei Linienrichter zur Seite gestellt, die ihn unterstützen sollten. Noch vor der Jahrhundertwende wurde die Verlängerung eingeführt und darüber hinaus grobe und absichtliche Foulspiele härter bestraft.5

1888 wurde die erste Profiliga in England gegründet, die ihren ersten Meister in Preston North End fand. Ein gutes Jahrzehnt später wurden Ablösesummen bei einem Vereinswechsel erlaubt, aber gleichzeitig ein Höchstbetrag festgelegt, der für ein Spieler gezahlt werden durfte. Zehn Pfund war hier das Maximum.6 Vor ein paar Jahren hat Paris Saint-Germain den Brasilianer Neymar (*1992) vom FC Barcelona verpflichtet. Kostenpunkt: 222 Millionen Euro und dazu ein jährliches Gehalt, das mehr als 35 Millionen Euro beträgt. Das Geld kam von einem katarischen Investor. Das ist eine Ablöse, die weit über dem Zwei-Millionenfachen liegt, die ein Spieler vor circa 120 Jahren kosten durfte. Ablöse-Obergrenzen gibt es seitdem längst nicht mehr. Gehälter haben sich vervielfacht und zwar in Dimensionen, die sich in anderen Universen bewegen als zu Gründerzeiten. Das bestehende Financial-Fairplay, das anderer Stelle erläutert wird, kann dem nur wenig Abhilfe leisten.7

Wer hätte diese Ausmaße, die der Fußball angenommen hat, damals nur im Ansatz erahnen können? Wer hätte geglaubt, dass Fußball zum Wirtschaftsfaktor in vielen Ländern dieser Welt werden könnte und dann auch wurde? Wer hätte gedacht, dass im Fußball mehr Geld bewegt wird, als so mancher Staat für seinen Jahreshaushalt zur Verfügung hat? Ist damit der Fußball, der medial immer weiter „ausgeschlachtet“ wird, im Zuge dieser gigantischen Entwicklung zur Ware verkommen? Und sind die dort umgesetzten utopischen Geldsummen moralisch noch zu verantworten?

Mit der Gründung des Lausanne Football and Cricket Clubs 1860 und später des noch bestehenden FC St. Gallen 1879, die jeweils von englischen Studenten ins Leben gerufen wurden, waren es Vereine in der Schweiz, die dem Sport auf dem europäischen Festland zu größerer Popularität verhalfen. Durch das immer größere Interesse am Fußball in Europa entstand eine neue Möglichkeit des (Wett)Kampfes, der völlig ohne Bajonette geführt werden konnte und auf sportlicher Rivalität beruhte.8

Leider hat die Kraft des Fußballs nicht ausgereicht, Weltkriege zu verhindern. Das zu erwarten wäre jedoch auch ein utopischer und vermessener Anspruch an den Sport im Allgemeinen. Doch das ändert nichts daran, dass das Interesse an diesem Sport Menschen verbindet. Was zum Beispiel immer wieder große Fußballturniere wie die Europameisterschaften zeigen (EM), wenn Fans aller Nationalitäten miteinander feiern. Es muss noch nicht einmal über die deutschen Grenzen hinweg geschaut werden, um die Magie des Fußballs zu erleben. So gab der WM-Sieg der bundesdeutschen Nationalmannschaft 1954 in Bern den Menschen im Nachkriegsdeutschland neuen Mut. Der Sieg ihrer Mannschaft riss sie u.a. aus der post-traumatischen Depression.

Die Mannschaft wurde von Sepp Herberger (1897-1977) gecoacht und von Fritz Walter (1920-2002) als Kapitän angeführt. An dieser Stelle hatte der Sport etwas geschafft, was der Politik nicht gelungen war: Dem Volk neuen Mut zu geben.9 Das sogenannte „Wunder von Bern“ wurde 2003 sogar verfilmt und war ein Kassenschlager.

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurden die Fußball-Profiligen von Deutschland und der ehemaligen DDR zu einer einzigen Liga. Das vereinigte „Fußballdeutschland“ sollte dabei zu einem Symbol des Aufbruchs in neue Zeiten werden. Dieser Aufbruch kommt bis heute tatsächlich nur schleppend voran. Ein Grund dafür sind die finanziellen Möglichkeiten der Ostvereine, die in dieser Hinsicht nach wie vor mit den Westclubs nicht konkurrieren können. Dennoch helfen „Ost-West-Duelle“, die Wiedervereinigung im Bewusstsein der Fans voranzutreiben, da hier direkte Berührungspunkte zwischen den „neuen“ und „alten“ Bundesländern bestehen. Das zeigt, welche Potentiale der Sport hat. Er kann in einer Art wirken, die medial inszenierte Handschläge von Politikern übertriff. Entstandene Rivalitäten zwischen den Vereinen lassen zudem nicht automatisch Hass entstehen, sondern haben ihre Grenzen da, wo der Wettbewerb zu einer „kriegerischen Schlacht“ werden könnte, wie es zu den Anfängen des Spiels oft der Fall war. Das Spiel ist heute mit dem Gedanken eines fairen Wettkampfes charakterisierbar. Insofern ist der Begriff des Schlachtenbummlers, wenn er wörtlich genommen wird, letztendlich auch nur für einen Bruchteil der Fans zutreffend.

In Deutschland ist die Bedeutung des Fußballs langsamer gewachsen, als es in England der Fall war. Hier wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein die sogenannte Leibesertüchtigung vor allem mit dem Turnen assoziiert. Mit dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges (1870-1871) und der darauffolgenden Gründung des deutschen Kaiserreiches wurde das Turnen im Militär und in der Schule fest verankert. Vater der Turnbewegung war Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852). Er war fest gewillt, die Jugend in Deutschland durch den Sport wehrhaft zu machen. Doch mit dem Import des Fußballs aus England im späten 19. Jahrhundert etablierte sich eine neue Form des Körperkultes. Den Fußballern und Funktionären in Deutschland ging es anfänglich, vor allem um eine Freizeitbeschäftigung. Er diente nicht der Realisierung politischer Ziele. Spieler waren vor allem britische Unternehmer, Studenten, Techniker, und Botschaftsangehörige, die Fußball in Deutschland spielten. Das würde sich aber ändern.10

Es sollte nicht allzu lange dauern, bis der Fußball auch Deutsche begeistern sollte. Zu Beginn kamen die Fußballer vor allem aus der Oberschicht, doch rasch breitete sich das Interesse an diesem Sport auch innerhalb der deutschen Arbeiterschaft aus. Diese Entwicklung verlief allerdings nicht immer reibungslos. Beispielsweise wurde das Spiel an Schulen von den Rektoren verboten, weil es vermeintlich zu blutig war. Den Siegeszug des Fußballs, konnte das freilich nicht mehr aufhalten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gründete sich bereits 1900 und ist bis heute die wichtigste Instanz für die Organisation und Entwicklung des Fußballs (auch sozial) in Deutschland. Im selben Jahr wurde der Fußball olympische Disziplin. Das heißt, dass es lediglich etwa fünf Dekaden gedauert hat, bis der Sport von einer Randerscheinung zum Protagonisten auf der Weltbühne Olympia aufgestiegen ist. Ab 1908 wurde der Fußball sogar vermehrt vom deutschen Militär zur Erziehung und Ertüchtigung eingesetzt – wie es andere Länder vorgemacht hatten.

Bereits im Frühling 1904 konnte in Paris mit der“ Fédération Internationale de Football Association (FIFA)“ ein globaler Dachverband des Fußballs installiert werden. Er organisierte Länderspiele und stellte internationale Fußballregeln auf. Begriffe wie „gefährliches Spiel“ oder die Etablierung des direkten Freistoßes, gehen auf die Gründerzeit der FIFA zurück. Ebenso wie die Bestimmung, dass der Ball aus Leder bestehen muss, der Schiedsrichter ein Spielbericht zu schreiben hat und in Fußballschuhen keine Metalleinlagen enthalten sein dürfen. Seit 1924 darf eine Ecke direkt verwandelt werden.11

Nachdem Österreich als erster kontinental-europäischer Staat eine Liga mit Berufsfußballern etabliert hatte, war es auch das erste Land, das einen Wettkampf auf internationaler Ebene veranstaltete: Den Mitropa Cup. Als 1930 die erste WM in Uruguay ausgerichtet wurde, war der Aufstieg des Fußballs in neue Höhen nicht mehr aufzuhalten. Deutschland und viele andere Länder nahmen daran jedoch nicht teil. Die Reisekosten waren zu hoch und der Weg zu weit.12

Zur Verbesserung von Effizienz und Strukturen des Fußballs in Europa wurde 1954 die „Union of European Football Associations (UEFA)“ gegründet. Bereits ein Jahr später wurde der erste Europapokal der Landesmeister vergeben. 1960 folgte der „Europapokal der Nationen“, der acht Jahre später durch die Europameisterschaft (EM) ersetzt wurde. All dies brachte dem Fußball weitere Popularität. Die Massenmedien fanden an dem Spiel Gefallen. Dadurch hat der Fußball weltweit eine große Bühne bekommen. 2002 hatte die FIFA mehr Mitgliedsstaaten (208) als die Vereinten Nationen (UN; 192). Bereits 1992 hatte die UEFA den Landesmeisterpokal durch die „UEFA Champions League (CL)“ ersetzt. Ein sportpolitisches Erdbeben gab es drei Jahre später, als im Bosman-Urteil vom Europäischen Gerichthof festgelegt wurde, dass ein Verein kein Anrecht auf Ablöse hat, wenn ein Spieler keinen Vertrag mehr bei diesem Verein hat. Geklagt hatte der belgische Ex-Spieler Jean-Marc Bosman (*1964). 2004 ist die FIFA 100 Jahre alt geworden.13

Bis zu seiner Entwicklung zum weltweit führenden Sport hatte der Fußball eine bewegte Geschichte hinter sich. Gab es in England in den jungen Jahren des Bestehens Spannungen zwischen bürgerlichen Klubs und Arbeitermannschaften, spielen heute Spieler aus allen Teilen der Welt Seite an Seite. Der Sport schafft Identität, Identifikation und verwischt gesellschaftliche Klassenlinien für den Moment. In England besuchten schon um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert teilweise Hunderttausend Menschen ein Spiel, wenn diese als bedeutsam angesehen wurden. Das brachte dem Fußball einen ungeheuer breiten Zugang zur Gesellschaft, so dass er den Status als Elitensport verlor.14

Die Prozesse, die die schleichende Kommerzialisierung mit sich brachten, hatten auch Einfluss auf den Fußball in Deutschland. Die anfängliche Dominanz finanziell besser gestellter Teams, die über mehr Zeit und bessere Kontakte zu den Briten verfügten, als einfache Arbeiter, verloren mit steigender Bedeutung des Sports für die Allgemeinheit, ihre Exklusivität. Arbeiter „übernahmen“ quasi den Fußball. Hier ist der Arbeiterverein FC Schalke 04 aus Gelsenkirchen, der 1904 gegründet wurde vermutlich das bekannteste Beispiel in Deutschland. Jedenfalls entstanden mit dem öffentlichen Interesse Märkte und Absatzmöglichkeiten für den Fußball, die bis heute nicht komplett erschlossen sind. Fußball wird vor allem vom Wettkampfgedanken getragen und das schon seit seinen Anfängen. Dabei ist es spannend zu beobachten, ob Spieler als Team funktionieren und welche Spieler dabei besonders herausstechen – und zu Stars werden. Beispiele sind etwa Franz Beckenbauer (*1945), Pelé (*1940), Diego Maradona (1960-2020) oder Lionel Messi (*1987), die alle weltberühmt wurden und Vorbilder ganzer Generationen waren/sind.15

3. Kommerzialisierung des Fußballs

Der Fußball als Sport, aber auch als Geschäft, professionalisiert sich fortlaufend. Es gibt im bezahlten Fußball mittlerweile Ernährungsberater, Fitnesstrainer, Trainingsdiagnostiker und etliche neue Arbeitsfelder, die alle dazu dienen, die Leistung der Profis zu optimieren. Parallel dazu steigen die Preise auf allen Ebenen. Sowohl für die Fans in Form von Eintrittskarten und Merchandising, als auch für TV-Sender und andere Medien, die exklusiv über den Fußball berichten wollen. Besonders die visuellen Berichterstatter sind bereits seit Längerem auf Werbeinnahmen von zahlungskräftigen Unternehmen angewiesen, um sich die teuren Übertragungsrechte leisten zu können. Die sind wiederum die wichtigste Einnahmequelle für die Vereine. Vor allem die großen Vereine, wie der deutsche Branchenprimus in der Bunddesliga, FC Bayern München (FCB), haben dadurch riesige Umsatzzahlen, die sich durch Sponsoring und Spielerverkäufe noch weiter steigern. Borussia Dortmund (BVB) agiert sogar als Börsenunternehmen. Zu den Heimspielen kann/konnte es vor der Corona Epidemie regelmäßig über 80.000 Zuschauer begrüßen. Wenn man die Zuschauereinnahmen mit den Erlösen aus den TV-Einnahmen und den Sponsorengeldern gekoppelt betrachtet, zeigt sich, dass Vereine wie der BVB und der FCB in der Lage waren/sind, große Summen zu bewegen. Der Profifußball ist längst ein wirtschaftliches Produkt, vor allem für die Spitzenvereine. Das Umsatzgefälle zwischen den führenden Vereinen und den „gewöhnlichen“ und/oder eher kleineren Vereinen in Deutschland ist dabei bedenkenswert groß geworden.16

So nimmt Bayern derzeit allein an TV-Geldern circa 110 Millionen Euro pro Saison ein. Für Liga-Neuling DSC Arminia Bielefeld sind es etwa 30 Millionen. Diese Verteilung ist für die Spannung innerhalb der nationalen Wettbewerbe ein Nachteil. Die „Kleinen“ haben über die TV-Einnahmen hinaus ohnehin schon eher geringere Möglichkeiten, höhere Summen für den Etat zu generieren. Für schmal aufgestellte Vereine können Einnahmeverluste (wie aktuell durch Corona) zur echten Existenzprüfung werden. Besonders deren Kaderplaner müssen sehr genau prüfen, welchen Spieler sie verpflichten können und wer zu teuer ist. Der Spielraum ist meist klein und in den Zeiten von Geisterspielen nochmals geschrumpft. Eine ausgewogenere Verteilung der TV-Einnahmen könnte diese Situation entschärfen. Doch dabei darf nicht unterschlagen werden, dass auch den Großclubs, deren Spielerkader teuer sind, Einnahmen weggebrochen sind. Derzeit besteht in Deutschland insgesamt eine Konstellation, die den offenen Wettkampf eher verhindert als fördert. Genau der macht eine Liga aber erst attraktiv. Das müssen Verbände und Spitzenvereinen in ihrem Kalkül berücksichtigen – auch in ihrem eigenen Interesse. England ist in dieser Hinsicht Deutschland weit voraus: Die Einnahmen werden deutlich ausgeglichener verteilt. Das hält die Spannung hoch.17

In der englischen Liga, die Premier League (PL), gibt es gleich mehrere Teams die für einen Titelgewinn bereits vor Saisonbeginn in Frage kommen. In Deutschland ist der FCB Abonnementmeister. Eine deutsche Meisterschaft wie die des 1.FC Kaiserlautern 1997/1998, als Aufsteiger unter Otto Rehhagel (*1938), wird es in der Bundesrepublik vermutlich auf absehbare Zeit nicht mehr geben – zu groß ist das Leistungsgefälle mittlerweile. Leicester City hat hingegen erst 2015/2016 mit einer Quote von 5000:1 und dem zweitgünstigsten Kader der gesamten Liga sensationell die Meisterschaft in England gewonnen. Das zeigt, dass die sportliche Qualität der PL insgesamt ausgeglichener ist, als aktuell in Deutschland. In der Bundesrepublik gleicht die Liga eher einer Drei-Klassen Gesellschaft. Kaderwert hin oder her: Fußballerisch ist das Niveau in der PL in der Breite höher. Die Meisterschaft der Foxes aus Leicester, die sicherlich auch auf einer außergewöhnliche Teamleistung fußt, zeigt das deutlich.

Die größere Konkurrenzsituation in der PL ist vor allem dadurch begründet, dass in England insgesamt mehr Geld zirkuliert. Investoren unterstützen die Liga und ermöglichen es Durchschnittsvereinen, Spieler zu verpflichten, die in anderen Ligen bei den größeren Teams vermutlich ebenfalls erfolgreich wären. In Deutschland sind kaum sportliche Hindernisse für die Bayern zu erkennen, die der regelmäßigen Verteidigung ihrer Meisterschaften im Wege stehen könnten. Der BVB schaffte es hin und wieder, konnte aber auch schon sehr lange nicht mehr die deutsche Meisterschaft erringen.

Die PL hat zwar innerhalb der Vereinslandschaft ebenfalls unterschiedliche Finanzstrukturen, doch auch kleine Vereine sind monetär potent. Der Gründe sind offensichtlich: Die Premier League ist die meistgesehene und berühmteste Fußballliga der Welt und bekommt entsprechend riesige Summen an TV-Geldern. Hier kann die Bundesliga mit ihren Erlösen finanziell nicht ansatzweise mithalten. Für den Zyklus von 2019 bis 2022 sollen für die Bildrechte insgesamt 9,2 Milliarden Pfund (knapp 10,4 Milliarden Euro) von nationalen und internationalen TV-Sendern an die PL ausgeschüttet werden. Selbst die Absteiger in die zweite englische Liga, der Championship, kassieren mehr Fernsehgeld als der FC Bayern in Deutschland. Der finanzielle Handlungsraum, der für die englischen Profivereine dadurch entsteht, macht England für die besten Spieler attraktiv, die hier auch zu „kleineren“ Vereinen wechseln. Es können hochdotierte Verträge ausgehandelt werden.18

Allerdings macht Corona auch vor der PL nicht halt: Den Vereinen drohen Rückzahlungen an die Fernsehsender in Höhe von circa 380 Millionen Euro. Das bedeutet, dass die Vereine knapper kalkulieren müssen. Die führende Stellung der Premier League im Weltfußball ist vermutlich aber nicht gefährdet, da die anderen Ligen auch Einnahmeverluste haben. Das heißt, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass ein rückläufiger Markt die PL stärker als die anderen Ligen treffen würde.19

Der Transfersommer war im Jahr 2020 wegen des Corona-Virus deutlich ruhiger und große Transfers insgesamt seltener, aber die Transferausgaben werden in der Post-Corona-Zeit nicht zuletzt in England wieder absurde Größen annehmen. Die Speerspitze ist dabei die PL. Zudem werden von den nationalen Verbänden und der UEFA alle Kräfte mobilisiert werden, um auch in anderen Teilen der Welt weiterzuwachsen. Das wird den Medien mit Glorifizierungen, Sensationalismus, Starkulten, und Hochglanz gelingen. Der Fußball wird zur Show und erinnert fast an Gladiatorenkämpfe, versetzt in die Zeit der Postmoderne. Das fasziniert und bindet Fans und auch neutrale Zuschauer.

Besonders die PL ist Wachstumsmotor, wenn es darum geht, die Beliebtheit und das Interesse am Fußball in der Welt zu steigern. Die Liga zieht Spieler und Fans aus allen Herren Ländern in ihren Bann. Es ist Traum vieler Profis, in England zu spielen, den sich nur die Besten erfüllen können. Viele englische Fans können dagegen nur davon träumen, ihren Verein zumindest regelmäßig im Stadion live zu erleben. Die Ticketpreise sind mittlerweile dafür zu hoch. So sind beispielsweise immer mehr potente asiatische Fans in den Stadien in England zu sehen, die bei ihrer Europa-Reise unbedingt ein Spiel ihres Lieblingsvereins sehen wollen. Die offensichtliche Strahlkraft des Fußballs wirkt sich auf die Eintritts- und Merchandisingpreise aus. Fußball wird immer mehr zum exklusiven Event und verprellt damit die Fanbasis. Das wird von den Machern der Ligen in Kauf genommen.

Ein Engagement in der PL bedeutet für Geldgeber eine immense Imagepolitur und hohe Werbeeffekte. Mit zunehmender Kommerzialisierung wird sich dieser Trend weiter fortsetzen. Die Vereine können umso stärker an der Preisschraube drehen, je größer ihre globale Reichweite ist. Werbende und Berichtende werden sich davon jedoch auch in Zukunft nicht abschrecken lassen.

Viele Menschen arbeiten europaweit auf nationaler und internationaler Vereins- und Verbandsebene unentwegt an Konzepten zur Profitsteigerung durch den Fußball. Zum Beispiel ist die Installierung von V.I.P-Logen und Business Seats in den Stadien ein Modell, das sich in den letzten Jahren besonders in den höherklassigen Vereinen durchgesetzt hat. Sie sind teuer erkaufte Treffpunkte von Entscheidungsträgern oder berühmten Persönlichkeiten, deren Erscheinen im Stadion Publicity (in Zeiten ohne Kontaktverbote) bedeutet. Ein anderes Beispiel für Gewinnoptimierungen ist die zeitliche Zerstückelung von Spieltagen, umso mehr Spiele live im TV zeigen zu können. In England dürfen die TV-Sender inzwischen über die Anstoßzeiten mitentscheiden.20

Die Formel Brot und Spiele funktioniert wahrscheinlich nirgendwo so gut wie im Sport. Die Menschen lieben Entertainment und sehen das im Sport generell und im Fußball im Besonderen geboten. Diese Marktmacht wird der Fußball auch durch das Corona-Virus nicht verlieren, denn das Interesse der TV-Sender und der anderen Medien ist aufgrund der hohen Einnahmen durch die Spiele sehr groß. Der Fußball erscheint trotz der Gesundheitskrise als too big to fail. Corona mag imstande sein innerhalb des Sports eine gewisse Planungssicherheit zu verbauen, doch gleichzeitig steigt der Wunsch „echte“ Stadionatmosphäre wieder vor Ort zu erleben und so werden den Vereinen und den beteiligten Medien auf absehbare Zeit wieder höhere Einnahmen beschert werden.

Einkommensverluste durch Corona sind zwar Realität und es stimmt auch, dass die Pandemie in Europa mitunter einige Traditionsvereine in wirtschaftlich existentielle Nöte bringen wird, wenn nicht gespart wird (das sehen auch die meisten Spieler ein, da sie auf Teile des Gehaltes verzichten). Dennoch ist es denkbar, dass an die Stelle traditioneller Vereine andere Vereine treten, die die Gesundheitskrise wirtschaftlich überleben, aber weniger Historie haben. In Deutschland mit mehr als 83 Millionen Einwohnern, ist es der größte Volkssport. In anderen Ländern wie Spanien z.B. hat Fußball den gleichen Stellenwert und könnte fast schon einen Status als Religionssubstitut für sich beanspruchen. Aus der großen Zahl von Fußball-Begeisterten dieser Länder alleine ergibt sich so ein großer Pool von Vereinen, die irgendwann in der Belle Etage Fußball anbieten könnten und dann die Stellung von marginalisierten Vereinen einnehmen würden.

Zusammengefasst, sind die Kommerzialisierung, die Medialisierung und die Internationalisierung die wichtigsten ökonomischen Komponenten bei der fortgesetzten Professionalisierung des Fußballs. Sie funktionieren insgesamt als Motivatoren zur Vermarktung des Fußballs nach erwerbswirtschaftlichen Prinzipien.21

An der Spitze der Geldpyramide stehen einige Großklubs wie der FC Bayern München, Real Madrid, FC Barcelona, Manchester City, Liverpool oder Paris St. Germain, die derart hohe Einnahmen generieren, dass sie national sowie international mindestens Oligopole besitzen. Bayern und Paris sind national betrachtet sogar eher Monopolisten. Die elitären Vereine können Jahr für Jahr mit den hohen und permanent steigenden Prämien in der Champions League rechnen und werden dabei von Investoren teilweise finanziell auch noch erheblich unterstützt. Das manifestiert Marktmacht und bedrängt die anderen Vereine zunehmend, die sich den Vereinsdynastien beugen müssen.

In Deutschland gilt bisher noch die 50+1 Regel. Die besagt, dass ein Verein die Versammlungsmehrheit haben muss und sich mehrheitlich an der Kapitalgesellschaft des Klubs beteiligt. Andernfalls gibt es keine Lizenz. Die Lizenz kann zudem nur über den erfolgreichen sportlichen Wettkampf und einer erspielten Qualifikation für eine Liga beantragt werden. So soll in Deutschland verhindert werden, dass Fußballfremde der freien Wirtschaft die Vereine übernehmen und damit die Integrität und den Wettkampf im Fußball gefährden.22

Doch Geldgeber wie Volkswagen beim VfL Wolfsburg, bei RB Leipzig der Getränkekonzern Red Bull, bei Hertha BSC Berlin die Tenor Holding oder/und dem Mäzenatentum bei der TSG Hoffenheim, zeigen, dass sich in Deutschland mit juristischer Finesse oder überhöhten Sponsorenverträgen erhebliche Geldspritzen realisieren lassen. Das halten viele Fußballanhänger für sehr ungerecht.

Die Financial-Fairplay-Regel der UEFA, die ihren Ausgaberahmen an die jeweiligen Einnahmen der Vereine bindet, konnte und kann kaum Abhilfe schaffen. Sie wird gerne umgangen und hat geringe Effekte auf die Finanzpolitik der Vereine. Manchmal werden Teams temporär von europäischen Wettbewerben ausgeschlossen oder anderweitig bestraft. Doch eine Rechtsprechung, die alle gleichbehandelt, ist nicht zu erkennen. Vor allem bei den Spitzenvereinen, fallen die Sanktionen oftmals zu milde aus. Aberwitzige Beträge (vor allem, aber nicht nur in England), die gerne als Sponsorengelder getarnt werden, ermöglichen es Investoren, „ihren“ Verein nach Gusto zu alimentieren und spotten dem Financial-Fairplay. Das schadet dem Wettbewerb und wird dem Sport langfristig schaden. In England ist diese Aussage sicherlich zu relativieren, da die Vereine dort insgesamt mehr Geld zur Verfügung haben, so dass durch ein gutes Management konkurrenzfähige Teams zusammengestellt werden können. Groß ist das Finanzgefälle in England aber trotzdem.

International halten die superreichen Großclubs die Pole Position inne. Das wird sich so schnell nicht ändern, da die FIFA zu wenig tut, um in Absprache mit der UEFA den nationalen und internationalen Wettbewerb regulativ wieder offener zu gestalten - ein Ansatz wäre ein neuer Verteilungsschlüssel, bezogen auf die erwirtschafteten Verbandsgewinne. Kleineren Clubs wird sonst die Möglichkeit genommen, ihren Erfolg über ein gewisses Maß hinaus zu steigern. So spielen die besten Spieler der Welt in einer Handvoll von Vereinen. Ein kleiner Kreis von Clubs können als Ansammlung von Ausnahmekönnern die meisten anderen Teams nach Belieben dominieren. Großclubs schaffen so Marken, die deren Spieler zu Ikonen werden lassen. Die Schere zwischen Arm und Reich wird das weiter öffnen. Jeder Verein, der einen außerordentlich guten Spieler hervorbringt, kann davon ausgehen, diesen früher oder später an arrivierte Topclubs zu verlieren. Wer sich einmal in der Spitze des Fußballs etabliert hat, ist von dort nur schwer weg zu bewegen. Mit zunehmendem sportlichem Erfolg steigt die Bedeutung am Markt. So werden die sportlichen Verhältnisse zementiert.23 Das pervertiert die Idee eines Kräftemessens, das auf relativer Chancengleich beruht.

Der katarische Scheich Nasser Al-Khelaifi hat „seinem“ Verein Paris St. Germain beispielsweise in den letzten sieben Jahren circa zwei Milliarden Euro zu Gute kommen lassen, ohne dafür von allen Wettbewerben ausgeschlossen zu werden. Die Statuten der FIFA, respektive der UEFA, gäben das her. Sie würden allerdings eine Marke zerstören, die auf dem internationalen Markt für Glamour und Erfolg steht. Diese Merkmale zählen für die Verbände mittlerweile mehr als Vereinsliebe, Ehrlichkeit und Fairness – Imagefaktoren und weltweite Bekanntheit bringen mehr Geld als Basispflege.24

Insgesamt ist festzustellen, dass die Großen Vereine zu Global Playern der Sportindustrie geworden sind. Zahlreiche kleinere Vereine schaffen es nicht über den Status eines klein- oder mittelständigen Unternehmens hinaus zu kommen – wobei im Zuge der Kommerzialisierung auch deren finanzielle Möglichkeiten signifikant steigen. Das ist aber in Relation zu sehen, da durch Kommerz auch deren Gehälter und Transferausgaben höher ausfallen. Eher mittelmäßige Kicker verdienen jetzt ein Vielfaches mehr, als es noch etwa vor zehn Jahren der Fall war.

Eine viel diskutierte Idee zur Gewinnmaximierung der größten Vereine, besteht für diese in der Gründung einer internationalen Super League. Überlegungen dazu werden zwischen potenziellen Teilnehmern auf höchster Vereinsebene bereits sehr konkret angestellt. Die Super League würde die Champions League ersetzen und den Fokus von nationalen Ligen auf diese internationale Liga richten. Dann würden Einnahmen für die anderen nicht-teilnehmenden Vereine wegfallen und der Wert der jeweiligen Liga marginalisiert werden. Die Folgen sind ungewiss. Gewiss ist jedoch, dass die Super League neues Vermarktungspotential hergeben würde, die wenige Clubs und die FIFA noch reicher machen würden, da jeder Spieltag Fußball auf höchstem europäischem Niveau bieten würde, der weltweit verfolgt werden dürfte. Das Spielniveau in der NBA, der amerikanischen Basketballliga, kann hier ein Beispiel geben: Es ist so hoch, dass es Basketballfans auf der ganzen Welt zu Beobachtern dieser Liga macht. Der Fußball könnte mit der Super League den nur in Teilen erschlossenen asiatischen Markt erobern. Das könnte den Vereinen im Hinblick auf die Bevölkerungszahlen mehr Geld bringen, als es in Europa in der jetzigen Form je möglich sein würde– allerdings nur für die führenden Protagonisten. Momentan scheint der gesellschaftliche Druck zu groß, um die Super League einzuführen, doch das kann sich ändern. Ein neutraler Zuschauer wird im Zweifel eher den FCB gegen Real Madrid anschauen, als die TSG Hoffenheim gegen den VfL Wolfsburg.25

4. Aspekte

4.1 Vorbemerkung

Sport hat in allen fast allen Gesellschaften eine große Relevanz. Er scheint politisch wertfrei, ist es aber nur vordergründig, da er ständig der Gefahr der Instrumentalisierung durch die Politik und des Missbrauchs für politische Botschaften unterliegt. Es gibt genügend historische Momente, die zeigen, dass die politische Ausbeutung des Sports oft traurige Realität wurde. Zum Beispiel bei den Olympischen Sommerspielen in München von 1936, als Adolf Hitler (1889-1945) diese Weltbühne nutzte, um Deutschland als sozial, ökonomisch aufstrebende und friedliche Nation darzustellen. Die abstoßende Politik des Schreckens und Größenwahns, die so gar nicht zu Hitlers Inszenierung gepasst hatte, offenbarte kurze Zeit später das wahre Gesicht der Nationalsozialisten. Ein anderes Beispiel sind die Olympischen Sommerspiele in Moskau 1980, als vor allem westliche und kleinere kapitalistische Staaten die Spiele boykottierten, weil sie die Afghanistan-Politik der kommunistischen Sowjetunion scharf verurteilten und ein Zeichen setzen wollten. Vier Jahre Später taten es die Sowjetunion und viele realsozialistische Staaten diesen Ländern gleich, indem sie wiederum den Spielen in den kapitalistischen USA fernblieben. Der Kalte Krieg war in vollem Gange. Das machte sich auch im Sport bemerkbar.26

Der Sport kann anderseits als Verbindungfaktor zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft fungieren, denn Bürger können sich über den Sport (zum Beispiel beim Fußball während einer WM, EM oder dem Afrika Cup) mit der eigenen Gesellschaft und dem Staat identifizieren. Aus Einzelpersonen entstehen so Gemeinschaften. Das schafft in der Wettkampf-Phase sozialen Frieden und lenkt für den Moment von politischen Problemen ab. Ist ein Team oder Solist dabei noch erfolgreich, potenziert sich dieser Effekt. Alltagssorgen werden vergessen und Bürger wachsen zu einem Kollektiv zusammen. Der Sport als soziales Kapital!27

Doch die psychologische Seite dieser Gemeinschaftsbildung, wird von der Politik gerne instrumentalisiert – wie beispielsweise der Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel (*1954) in der Umkleidekabine der deutschen Fußballnationalmannschaft 2014 während der WM in Südafrika gezeigt hat. Derartige Aktionen sind perfekt inszenierte PR-Kampagnen. Die Bilder brennen sich in das Kollektivgedächtnis ein und demonstrieren Nahbarkeit, unabhängig davon wie sie der Einzelne bewertet. Das erklärt auch, dass der Großteil der staatlichen Sportförderung dem Spitzensport zugutekommt, der medienwirksam Teil einer Interessenpolitik werden kann. Das ist eine Zweckentfremdung des Sports: Sportler trainieren für den Wettkampf und nicht für einen politischen Zweck. Das hält die Politik aber nicht davon ab, sie für den eigenen Vorteil einzusetzen.28

Der Sport ist auch in der Wirtschaft und den Massenmedien, insbesondere dem Fernsehen, ein wesentlicher Faktor. Allerdings ist dieses Verhältnis nicht so einseitig, wie das zwischen Sport und Politik. Vielmehr stehen Sport, Wirtschaft und Massenmedien in einem Dreiecksverhältnis zueinander. Sie sind in gewissem Maße voneinander abhängig. Die Kosten für die Ausübung vieler Sportarten sind derart gestiegen, dass sie ohne finanzielle Unterstützung kaum noch zu betreiben wären. Ein Beispiel dafür sind die Gehälter von Fußballprofis, die nicht zuletzt über TV-Übertragungsrechte finanzierbar werden. Der Fußball zieht wiederum so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass eine kostenpflichtig angebotene mediale Berichterstattung für Konsumenten zum echten Kaufargument wird. Die Werbung scheffelt ihrerseits mit der Glorifizierung der Sportler Gewinne. Mit dem Bewerben von berühmten und erfolgreichen Sportprotagonisten lassen sich ganze Industrien aufbauen. Davon profitieren auch die Sportler, da sie sich dann selbst besser vermarkten können und so weitere Einnahmequellen erschließen können.29

Der Sport kann durch die große öffentliche Bühne idealerweise Leitbilder etablieren, die zum einen von der Politik genutzt werden und zum anderen aber ebenso attraktiv für Werbung und Sponsoren sind. Mittlerweile fließen so viele Gelder in den Leistungssport, die dort fest eingeplant sind, dass eine hohe Abhängigkeit des Sports von Medien-, Werbe- und Sponsorengeldern entstanden ist. Diese Erträge bringen Aufmerksamkeit und pushen einen Sport. Die Bedeutung des Verkaufens von Eintrittskarten nimmt tendenziell ab, wenn sie in Relation zu TV- und Werbeeinahmen gesetzt werden.30

4.2. Fußball und Politik

Der Sport hat politische Dimensionen und ist gleichzeitig ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der globalisierten Welt. Politiker versuchen auf allen Ebenen der politischen Sphäre, das heißt hier von der kommunalen bis zur europäischen Ebene, Einfluss zu nehmen – vor allem, um ihre Popularität zu steigern. Es kommt in der Gesellschaft gut an, wenn sich etwa ein Bürgermeister oder hoher Politiker im Stadion präsentiert und auf der Seite des Teams seiner Wähler gesehen wird. Das gilt besonders dann, wenn es wichtige Spiele sind, wie etwa entscheidende Meisterschaftsspiele oder Spiele in der K.O.- Runde einer WM. Wenn sich im WM-Finale die Spitzen der Exekutive der teilnehmenden Nationen lachend mit den höchsten offiziellen der FIFA zeigen, kann das zwar Kritik auslösen, aber letztendlich verstummt sie nach einer Zeit und zurück bleiben Erinnerungen an Staatschefs, die sich am Sieg „ihres“ Teams erfreut haben oder in der Niederlage mittrauerten. Das demonstriert Anteilnahme und Bürgernähe und ist für Sympathiewerte förderlich – unabhängig davon, ob diese Politiker ein reales Interesse am Fußball haben.31

Der Fußball hat außerdem in vielen Ländern gesellschaftlich eine derart exponierte Stellung, dass Großprojekte im fußballerischen Bereich schneller staatlich bezuschusst werden, als andere Objekte einer Gesellschaft. Dieses Geld fließt etwa in den Bau von Sportstätten und in infrastrukturelle Verkehrsanbindungen zu neuen Stadien. Der DFB und dessen Verbandsmitglieder organisieren sich zwar selbst, doch nimmt er die Unterstützung durch die Politik gerne an. Die Gegenleistung für die Politik besteht in der Entlastung bei sozialen Aufgaben, wie etwa in Fragen der Integration, der Inklusion und der Teilhabe in einer Gesellschaft. Zudem besteht die Bereitschaft, politische Entscheidungen mitzutragen.32

Fußball ist zwar nicht das Allheilmittel gegen Gewaltausbrüche, Rassismus und Egoismus, aber er macht diese Probleme transparent und stärkt so das gesellschaftliche Bewusstsein für soziale Missstände. Durch Ritualisierungen und Vergesellschaftung strukturiert er Menschen, die sonst eher archaisch leben würden und eventuell durch das Fehlen von Aufgaben und sozialer Anbindung zu gesellschaftlichen Unruhestiftern werden könnten. Der Fußball kann zudem Emotionalitäten der Fans kanalisieren Das alles sind konkrete funktionale Möglichkeiten, die mit der Ausübung des beliebtesten Spiels der Welt einhergehen. Die Politik findet immer wieder Wege, um aus der Popularität des Fußballs politischen Profit zu erwirtschaften33 Er kann beispielsweise zum politisch nutzbaren Objekt für die Mobilisierung von Wählern dienen.

Die FIFA hat aus diesem Grund Vorschriften zum Verhalten der Spieler auf dem Spielfeld erlassen, um zumindest dort auf politischer Ebene relativ neutral zu agieren. So verbietet sie den Spielern beim Torjubel etwa das Kommunizieren von politischen Botschaften. Die öffentliche Solidarisierung der Spieler (zum Beispiel durch Gesten, Statements und Symbolik) mit der weltweiten Black Lives Matter Bewegung, die eine Reaktion auf die lange Geschichte der Polizeigewalt gegen Farbige in den USA ist, stellt ein Novum im Fußball dar, weil die Spieler Verhaltensregeln der FIFA gebrochen haben. Nie zuvor trat im Fußball eine größere Gruppe so geschlossen zum Protest auf. Das hat die sportpolitische Kultur verändert. Politische Meinungsäußerungen waren zuvor vielmehr eher vereinzelnd in unterschiedlichen Zusammenhängen zu beobachten und wurden dann nicht selten streng sanktioniert. Nun wurde/wird von Fußballern (neben vielen weiteren Sportlern) in den Sozialen Medien und unmittelbar auf dem Spielfeld in verschiedener Weise eine Massenbewegung unterstützt, die hochpolitisch ist.

Die FIFA, die UEFA und der DFB tolerier(t)en die bewussten Regelbrüche der Spieler im Zuge von Black Lives Matter, da das Thema Rassismus aktuell und weltweit eine außerordentlich hohe soziale Bedeutung hat. Die Sanktionierung der Spieler hätte für große gesellschaftliche Empörung gesorgt. Dementsprechend ließen/lassen die Verbände die Spieler ungestraft - auch umso selbst indirekt Position zu beziehen. Die verschiedenen Verbände haben sich ohnehin bereits seit Längerem dem Kampf gegen Rassismus verschrieben (zum Beispiel mit dem Verlesen von Botschaften am Spielfeldrand durch die Kapitäne der spielenden Mannschaften, Werbung und Stadionbanner), aber dieser Kampf wurde nicht von den Spielern, sondern von den Verbänden organisiert. Derzeit sind diese Grenzen verschwommen. Jedenfalls ist der Fußball in der Rassismus-Krise sehr viel politischer geworden. Diese Dimension ist neu, so dass die Frage, ob ein politisierter Sport neue Realität sein wird, noch völlig offen ist. Bisher galt, dass die Politik den Sport als Bühne nutzt, um Vorteile zu sichern. Nun setzen die Spieler ihre Popularität ein, um politisch Einfluss zu nehmen und die öffentliche Debatte mitzugestalten. Ob dies dauerhaft zu einem Paradigmenwechsel führt, ist offen.

4.3. Fußball und Gesellschaft

Der Sport und hier speziell der Fußball sind Teilkulturen und Sinn-Komplexe, die auf soziale Lebenswelten ausgerichtet sind. Fußballvereine kreieren durch ihr Bestehen Gemeinschaften, die ähnlich organisiert sind und strukturelle Schnittmengen aufweisen. Der Fußball fungiert dabei als ritualisierte und systemische Deutung der Realität. Daraus können sich Rivalitäten ergeben. Wenn Traditionen im Verein und als Fan gepflegt werden, bekommen die Vereine einen kulturellen Charakter, den involvierte Akteure gewahrt sehen wollen. Fußball ist also auch ein Ort der Erinnerung und hält durch die Verbundenheit zu einem Verein und/oder einem Nationalteam die Möglichkeit der Etablierung eines kollektiven Gedächtnisses unbestimmter Fangruppen und/oder einer ganzen Nation bereit. Das verbindet.34 Ebenso wie das Public Viewing, der Kneipenbesuch oder das Treffen mit Freunden. Der Fußball ist sozusagen eine soziale Begegnungsstätte.

Erfolge und Niederlagen schaffen Zusammenhalt – wobei Letzteres vor allem auf den harten Kern der Fans zutrifft und nicht so sehr auf den lediglich sympathisierenden Zuschauer, der Fußball als Event begreift. Fußball stiftet Sinn und macht Identifikation möglich. Das sind wichtige Stützen für eine gelungene Persönlichkeitsbildung. Die wiederum ist wichtig ist für den gesellschaftlichen Frieden. Das heißt, dass der Fußball zur Sozialisation beiträgt.35

Es besteht jedoch die Gefahr, dass der Sozialisierungsfaktor im Zuge der Kommerzialisierung des Fußballs graduell in den Hintergrund tritt und der Fußball nur noch als Ware konsumiert wird. So kann keine echte Verbundenheit zu einem Verein aufgebaut werden. Es werden in der Folge vielmehr anderswo neue Orientierungspunkte gesucht. Dadurch geht der Ur-Nutzen des Fußballs als gesellschaftlicher Anker verloren. Dem Ausverkauf des Fußballs können Fans entgegensteuern, indem sie den Fußball als Ware boykottieren. Niemand muss überteuerte Trikots kaufen oder horrende Ticketpreise bezahlen. Mit Liebensentzug seitens der treuesten Fans, wäre der Kontakt von den Vereinen zur Fan-Basis zwangsläufig wieder ein besserer. Dann bekämen die Fans eine echte Stimme. Das heißt, dass Fans Möglichkeiten haben, um sportpolitisch Einfluss zu nehmen. Dafür bedarf es allerdings gemeinsamer Ziele, Geschlossenheit und Ideen, wie der Fußball sich in Zukunft aufstellen soll.

Wird die Spaltung zwischen Kommerz und Tradition zu groß, muss sich der Fußball neu erfinden und anders ausrichten. Derzeit wird der Markt sowohl international als auch national von wenigen Vereinen beherrscht, die letztendlich nur untereinander im Wettbewerb stehen. Dadurch verliert der Wettkampf Fußball an Attraktivität, Unberechenbarkeit und Mystik, da bereits vorher klar ist, welche Teams für einen Sieg überhaupt infrage kommen. Das kann dauerhaft auch für Großclubs nicht von Vorteil sein und die „echten“ Fans vergraulen. An deren Stelle rücken Event-Fans, die sich am Fußball satt sehen könnten und derer es mittlerweile sehr viele gibt. Tendenz steigend! Der Fußball wird Probleme bekommen, medial genug Aufmerksamkeit zu genieren, wenn er nur noch Wenige interessiert. Dann wird die Geldmaschinerie nur schwer am Laufen zu halten sein und die Weiterentwicklung des Produkts Fußball entsprechend schwer.

Dass die Boykottierung von Vereinen zur Wahrung von Traditionen keine Utopie eines Fußballromantikers ist, kann an einem Beispiel festgemacht werden: In England wurde bereits vor einigen Jahren der Verein FC United of Manchester gegründet, weil sich Fans von Manchester United von diesem Verein entfremdeten, als amerikanische Großinvestoren einstiegen und die Kommerzialisierung auf ein neues Level hoben. Der FC United of Manchester wird demokratisch geleitet und hat etwa 4.000 Mitglieder. Er stieg sogar dreimal auf. Das ist beachtlich, da der Verein in einer unterklassigen Liga spielt. Doch eins ist klar: Fans sind in der Lage, eigenständig soziokulturellen Raum zu erschließen, der nach dem Grassroots-Prinzip geschaffen wird.36 Sie müssen nicht alle Entwicklungen im Fußball mittragen, sondern können eigene Wege gehen, die sich mehr am Fußball älterer Prägung orientieren. Je nach Zulauf, könnte das zum Faktor für die Agenda von Vereinen werden. Kritik erscheint dann als eine Alternative zur blinden Gefolgschaft eines kommerzialisierten Vereins, der sich in Hände superreicher Großgeldgeber begibt oder begeben hat.

Derzeit sind die Massen vom Fußball kollektiv in einen Bann gezogen. Es herrscht eine riesige Hysterie um diesen Sport und das Gefühl, dass der Fußball immer sensationeller und besser wird. Der Gigantismus der (Groß-)vereine des Fußballs und das Leistungsniveau der Spieler wird aber irgendwann nicht mehr zu steigern sein. Dann stellen sich Fragen, wie etwa, ob die Faszination für diesen Sport in den jetzigen Dimensionen aufrechterhalten werden kann? Was passiert, wenn der Glamour abbröckelt und aus einer Show wieder ein Spiel wird und der Fußball sich auf seinen Ursprung besinnt? Was ist, wenn der Sport nicht noch athletischer wird und in der Folge das Spiel nicht noch schneller werden kann, als es schon ist? Bis es soweit ist, steigen Eintrittspreise, Gehälter, Ablösen und Kosten für Merchandising, so dass der Fußball ein Premiumprodukt bleibt. Aber auch hier gilt ein ökonomisches Prinzip: Jeder Markt ist irgendwann bedient. Was wird passieren, wenn sich die Eventfans auf der Suche nach neuartigem Entertainment vom Fußball abwenden? Dann werden es wieder solche Fans sein, die ihre Vereinsliebe etwa innerhalb von Familien weitergeben haben, die den Fußball mittragen. Vereine würden in der Folge wieder schrumpfen und Gewinne geringer werden. Ob der Fan-Kern bis dahin nicht verprellt wurde, ist eine andere Frage.

4.4. Fußball und Migration

Der Fußball in Deutschland hat eine lange Geschichte mit Spielern, die einen Migrationshintergrund haben. Sie begann bereits kurz nachdem der Sport in Deutschland etabliert wurde und hat sich über die Zeit hinweg fortgesetzt. In der Gegenwart spielen etliche Spieler mit Migrationshintergrund im Amateur- und Profibereich. Darüber hinaus ausländische Fußballer, die in der Deutschen Bundesliga etwa die Hälfte aller Spieler ausmachen und durchaus zu Publikumslieblingen avancieren können. Ein Beispiel ist der ehemalige FCB-Spieler und Franzose Franck Ribery (*1983). Doch auch das Gegenteil kann es geben, wenn ausländischen Spielern oder solchen mit Migrationshintergrund Antipathien entgegenschlagen. Der gesellschaftliche Anspruch des Fußballs sollte es daher sein, über Grenzen hinweg zu integrieren. Das ist nicht leicht: Besonders der Amateurbereich kennt Lagerbildungen. Das schafft Strukturen, die auf das soziale Klima im Fußball wirken.

Angesichts der Tatsache, dass sich die Gesamtzahl der ehemaligen Migranten in Deutschland auf etwa elf Millionen beläuft, ist das ein kritischer Zustand: Exklusionen schaffen auf Dauer Spannungen und Missmut in der Gesellschaft. Erstrebenswert, so heißt es oft in den Kreisen des DFB und der Bundesliga, sind positive Berührungspunkte, die der Fußball schaffen könne, wenn er den Boden für das Entstehen von Gemeinschaftsgefühlen offener gestaltet. Das ist nicht leicht. So finden nur wenige der heterogenen und großen Gruppe der Ex-Migranten den Weg in deutsche Stadien oder sind gar in Sportgremien vertreten. Dieses Problem ist aber nicht einseitig entstanden. Vielen ehemaligen Migranten fällt es schwer, eine Bindung zu Deutschland aufzubauen. Gleichzeitig müssen sie mit Akzeptanzproblemen in der deutschen Gesellschaft kämpfen. Diese Zustände zeigen einen Missstand auf, der besteht, obwohl viele der Ex-Migranten in Deutschland sozialisiert wurden. Gegenüber der Multi-Kulti Truppe aus Deutschland, die in Südafrika 2010 den dritten Platz belegt hat, wurden beispielsweise Ressentiments und Vorurteile aus allen Richtungen geäußert, die sich vor allem an der Frage des Mitsingens der Nationalhymne entzündeten.37 Viele Deutschen empfanden das als einen Akt, der ein fehlendes Bekenntnis zu Deutschland symbolisiert. Ehemalige Migranten warfen und werfen Spielern mit Migrationshintergrund teilweise wiederum vor, dass diese ihre Herkunft und Lebensgeschichte nicht ausreichend würdigen würden, weil sie nicht für die alte Heimat spielen.

Die Diskussion über das Mitsingen der Hymne ist der politischen Kultur in Deutschland geschuldet, die noch durch Altlasten mitbestimmt wird. Kritische Äußerungen über eine fehlendende Identifikation der Spieler mit Migrationshintergrund, wahlweise mit der alten oder neuen Heimat, werden nicht selten als extreme Positionen stigmatisiert. Das ist aber zu hoch gegriffen. Wer in andere Länder wie Frankreich schaut, wird feststellen, dass dort alle Spieler, ungeachtet ihrer Biografie, die Nationalhymne mitsingen. Das ist für sie eine Selbstverständlichkeit, obwohl massive soziale Probleme bestehen. Im Sport existiert bei den Akteuren aber ein ausgeprägter patriotischer Geist und ein starkes Nationalempfinden – wohlgemerkt nicht nur im Fußball.

Unabhängig davon ist es an der Politik, die Integration im Land voranzutreiben und Feindseligkeiten zu unterbinden. Ein Weg dahin ist die Moderierung und Leitung der öffentlichen Debatte bei einem Thema wie der Migration und zwar bereits im Amateurbereich. Der Sport im Allgemeinen kann hier einen Beitrag zur Integration leisten und zwar zum Beispiel durch die Bildung von Teams mit Menschen, die verschiedene biographischen Hintergründe besitzen. Für nahezu alle Kicker bestehen mit der gemeinsamen Leidenschaft Fußball zumindest ein kongruentes Interesse. Leider werden solche Mannschaften bisher jedoch kaum gegründet. Das Vereinsleben im Land hat nach wie vor Defizite: Peer-Groups grenzen sich von anderen ab und verhindern so Austausch und eine heterogene Clubkultur. Vielmehr zeigen sich immer wieder Konflikte. Gerade, wenn Vereine mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen, gibt es häufiger Spielabbrüche. Doch liegt der Grund dafür, nicht nur bei einer Seite. Vielmehr sind es Kleinkriege, die die beteiligten Mannschaften in gleicher Weise anzetteln, indem sie sich provozieren.38 Das ist ein atmosphärisches Problem. Wenn jedoch Spieler mit Migrationshintergrund härter bestraft werden, macht sich ein strukturelles Problem im Fußball bemerkbar.

Die Profiligen haben dieses Problem besser in den Griff bekommen, aber auch hier werden Spieler mit Migrationshintergrund oft Projektionsfläche für eine bestimmte Gruppe von meist rassistisch gesinnten Frustrierten. Deren Haltung repräsentiert jedoch nicht die Meinung der Mehrheit, die rassistisches Gedankengut überwiegend ablehnt. Fakt ist trotz aller Bemühungen aber immer noch, dass in multi-kulturellen Städten wie Frankfurt, Köln oder Stuttgart nach wie vor kaum Menschen mit Migrationshintergrund in die Stadien gehen. Bei den Ultras, die allerdings mit ihrem ausgeprägten Support eine Sonderstellung im Stadion haben, besitzen etwa maximal zwei Prozent Einwanderer-Biografien. Das liegt zum einen daran, dass Vereinsliebe sozusagen oft vererbt wird und die Söhne der Einwanderer vor allem einen Bezug zu den Lieblingsvereinen ihrer Väter entwickeln. Diesen Vereinen drücken die Eltern teilweise schon seit Jahrzehnten die Daumen. Zum anderen prallen gesellschaftlich Kulturen aufeinander, deren Besonderheiten befremdlich aufeinander wirken können und vor allem die Spieler und Anhänger in dem Amateurbereich so eher neben- als miteinander existieren lassen. Der Trend setzt sich in die oberen Ligen fort, so dass ein Stadion nur schwer zur interkulturellen Begegnungsstätte werden kann. Warum also ins Stadion gehen, wenn dort ohnehin nicht der Lieblingsverein spielt und Karten sehr teuer sind? Das ist eine Gedankenkette, die die „Integrationschance Fußball“, zu bewältigen hat.39

4.5. Frauenfußball

Der Frauenfußball ist in Westdeutschland vom DFB erst 1970 offiziell erlaubt worden. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) kannte ein derartiges Verbot nicht. Besonders der Verein Turbine Potsdam war in der DDR lange sehr erfolgreich und gewann zahlreiche Titel. Nach der deutschen Wiedervereinigung gelang es dem Club als bis dato einzige Mannschaft aus den östlichen Bundesländern, Meisterschaften und Pokalsiege zu erringen. Er gewann sogar zweimal die UEFA Champions League und ist auf Frauenebene damit einer der erfolgreichsten europäischen Vereine überhaupt. Die letzte Meisterschaft liegt allerdings schon einige Jahre zurück, weil der Club finanziell mit den Branchengrößen wie dem VfL Wolfsburg oder Bayern München, die durch große und vor allem potente Vereine der Männerbundesliga unterstützt werden, nicht mehr Schritt halten können.40

Darüber hinaus sind die Strukturen in anderen Ländern wie Frankreich, Spanien oder England professioneller geworden, so dass es auf internationaler Ebene für Vereine wie Potsdam kaum noch möglich ist, zu konkurrieren. In einigen Vereinen wie etwa Olympique Lyon oder dem FC Arsenal herrschen Bedingungen vor, die ähnlich gut sind, wie bei den Männern dieser Vereine. Das führt dazu, dass ausländische Stars von Deutschland aus in andere Ligen abwandern (auch in die USA, wo der Frauenfußball enorme Wertschätzung genießt oder in das Fußball-Traditionsland Schweden). Deutsche Teams sind nicht mehr das Nonplusultra im Frauenfußball. So kommen zum Beispiel die Topfavoritinnen auf einen CL-Sieg nicht mehr automatisch aus Deutschland. Spielerinnen, die darin eine Gefahr für ihre Weiterentwicklung sehen, zieht es dann oftmals aus Deutschland weg in andere Ligen. Unter anderem durch diesen nationalen Qualitätsverlust hat der deutsche Frauenfußball auf Vereinsebene insgesamt viel von seiner Dominanz in Europa verloren. Das bekam auch Turbine Potsdam zu spüren, die nicht ansatzweise über die Finanzstärke großer Vereine verfügen und sozusagen „auf kleinem Fuß leben“ müssen. Sie sind ein Exempel für die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland, aber auch allgemein in Europa: Große Vereine beherrschen den Markt und traditionelle Vereine, die infrastrukturell und monetär schwächer sind als die Frauenteams der Großclubs, haben das Nachsehen.41

[...]


1 Vgl. https://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/516699#Anf.C3.A4nge_des_Fu.C3.9Fballspiels (Zugegriffen am 23.07.2020)

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. Teves, Christoph: Fußballgeschichte, URL: https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/sport/fussballgeschichte/index.html (Zugegriffen am 10.12.2020)

6 Vgl. https://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/516699#Anf.C3.A4nge_des_Fu.C3.9Fballspiels

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Teves, Christoph: Fußballgeschichte, URL: https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/sport/fussballgeschichte/index.html (Zugegriffen am 10.12.2020)

9 Vgl. Brüggemeier, Franz-Josef: Das „Fußballwunder“ von Bern, 2006 URL: https://www.bpb.de/izpb/8767/das-fussballwunder-von-1954?p=all (Zugegriffen am 09.12.2020)

10 Vgl. https://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/516699#Anf.C3.A4nge_des_Fu.C3.9Fballspiels

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. ebd.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. Brüggemeier, Franz-Josef: Anfänge des modernen Fußballs, 2006, URL: https://www.bpb.de/izpb/8753/anfaenge-des-modernen-fussballs (Zugegriffen am 26.07.2020)

15 Vgl. ebd.

16 Malchow, Oliver: Die Kommerzialisierung des Fußballs und ihre Auswirkungen auf den Regionalligafußball am Bsp. des SV Waldhof Mannheim 07, 2013, URL: https://core.ac.uk/download/pdf/196245509.pdf (Zugegriffen am 29.07.2020)

17 Vgl. Aumüller, Johannes: Die kleinen Klubs proben den Aufstand, 2020, URL: https://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-tv-geld-verteilung-schluessel-streit-1.4968073-0 (Zugegriffen am 10.12.2020)

18 Vgl. jaeh./sid: Englischen Klubs drohen hohe Verluste von TV-Geldern, 2020, URL: https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/corona-und-premier-league-millionen-verluste-bei-tv-geldern-16766075.html (Zugegriffen am 10.12.2020)

19 Vgl. ebd.

20 Vgl. ebd.

21 Vgl. ebd.

22 Vgl. ebd.

23 Vgl. ebd.

24 Vgl. Weber, Joscha: Kommentar – Die Gier zerstört den Fußball, 2018, URL: https://www.dw.com/de/kommentar-die-gier-zerst%C3%B6rt-den-fu%C3%9Fball/a-46143355 (Zugegriffen am 31.07.2020)

25 Vgl. Vgl. Weber, Joscha: Kommentar – Die Gier zerstört den Fußball, 2018, URL: https://www.dw.com/de/kommentar-die-gier-zerst%C3%B6rt-den-fu%C3%9Fball/a-46143355 (Zugegriffen am 31.07.2020)

26 Vgl. Autor unbekannt, Die Bedeutung des Sports in der Gesellschaft, URL: https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/6692/03_04_teil_1_kapitel_02.pdf?sequence=4&isAllowed=y (Zugegriffen am 02.08.2020)

27 Vgl. ebd.

28 Vgl. ebd.

29 Vgl. ebd.

30 Vgl. ebd.

31 Vgl. Prof. Dr. Mai, Manfred: Fußball und Politik – Gedanken zur Governance des Sports, 2018, URL: https://regierungsforschung.de/fussball-und-politik-gedanken-zur-governance-des-sports/ (Zugegriffen am 03.08.2020)

32 Vgl. ebd.

33 Vgl. ebd.

34 Vgl. Kohlhaas, Daniel: Fußball und Gesellschaft. Die Entwicklung des Fußballs aus sozio-kultureller Sicht, 2009, URL: https://silo.tips/queue/fuball-und-gesellschaft-die-entwicklung-des-fuballspiels?&queue_id=-1&v=1596553290&u=MjAwMTo0ZGQ2OmZkODk6MDo3NDE3OjI1ODA6YmZkNzoxYTc1 (Zugegriffen am 04.08.2020)

35 Vgl. ebd.

36 Vgl. ebd.

37 Vgl. Blaschke, Ronny: Das Spiel ist bunt, 2019, URL: https://www.deutschlandfunkkultur.de/integration-im-fussball-das-spiel-ist-bunt.966.de.html?dram:article_id=438197 (Zugegriffen am 06.08.2020)

38 Vgl. ebd.

39 Vgl. ebd.

40 Vgl. Linne, Carina Sophie & Gutsche, Tobias: Über die Entwicklung des Frauenfußballs, 2019, URL: https://www.tagesspiegel.de/sport/ueber-die-entwicklung-des-frauenfussballs-in-deutschland-mangelt-es-noch-an-wertschaetzung/24357460.html (Zugegriffen am 10.08.2020)

41 Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 116 Seiten

Details

Titel
Fußballwissen für die Halbzeitpause. Ein Überblick
Autor
Jahr
2021
Seiten
116
Katalognummer
V1037271
ISBN (eBook)
9783346458209
ISBN (Buch)
9783346458216
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Buch bietet einen kompakten Überblick über zentrale Themen im Fußball. So, dass jeder Leser nach Lektüre zum Stammtisch-Experten werden kann. Er ist aber als Sachbuch funktionsfähig. Das Buch akkumuliert detailliertes Wissen und stellt Zusammenhänge des Sports einfach dar. Das heißt, dass auch Forschende mit dem Buch gut arbeiten können.
Schlagworte
Fußball, Wissen, Übersicht, Sport, Vereine, Geld
Arbeit zitieren
M.A. Julian Felder (Autor:in), 2021, Fußballwissen für die Halbzeitpause. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1037271

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