Politische Instrumentalisierung des Islam


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

15 Seiten


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Referat: Islam und Islamismus am Beispiel Iran

Aufbau:

1. Der Islam -Lehre und Hauptmerkmale
2. Neuzeitlicher Islam
3. Unterschied zwischen Islam und Islamismus
4. Kritik der Islamisten an der „Verwestlichung“
5. Umriss der iranischen politischen Geschichte ab 1925
6. Der Iran als islamische Republik (Inhaltliche Bedeutung)
7. Islamismus in der westlichen Welt- der heilige Krieg
8. Zur politische Instrumentalisierung des islamischen Fundamentalismus

„Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes“

1. Der Islam - Lehre und Hauptmerkmale

Die fünf Pfeiler des Islam (arabisch Arkan) :

1. Das Aussprechen des Glaubensbekenntnisses
2. Der täglich fünfmalige Gottesdienst ( arabisch Salat )
3. Das Fasten im Monat Ramadan
4. Pflichtalmosen einmal im Jahr ( arabisch Zakat )
5. Einmal im Leben eine Wallfahrt nach Mekka machen (arabisch Hadjidj )

Der Islam hat heute ca. 1 Milliarde Anhänger, die sich selbst als Muslime bezeichnen. Ihre heilige Schrift nennen sie den „Koran“.

Die Muslime verehren einen einzigen Gott, Allah. Die „Vielgötterei“ gilt als Sünde (Monotheismus). [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] im Gegensatz zur christlichen Dreieinigkeit

Allah ist der Schöpfer und der Erhalter aller Dinge, er ist allwissend, allmächtig und barmherzig. Er hat in den vergangenen Jahrtausenden immer wieder Propheten auf die Erde zu verschiedensten Völkern geschickt.

Dabei werden vom Islam durchaus auch biblische, also christliche oder jüdische Propheten anerkannt (z. B. Abraham, Jesus oder Noah), weil sich der Inhalt in den Hauptzügen ähnelt: Aufruf zum Glauben und dazu, sich an die göttlichen Gebote zu halten.

Weil sie ihre Offenbarung ebenfalls durch göttliche Boten erhalten haben, genießen Juden und Christen einen Sonderstatus, so dass sie nach Zahlung einer Steuer ihre Religion sogar auf islamischem Boden ausüben dürfen. (Der Islam hält sich für eine ausgesprochen tolerante Religion, was die Christen oder Juden vielleicht etwas anders sehen würden. Denn da sie sich nicht an die Scharia halten müssen, stehen ihnen auch nicht die Rechte zu. Das macht die in gewisser Weise vogelfrei.)

Als der bedeutendste Prophet gilt Mohammed. Er brachte die Bestätigung alle vorheriger Offenbarungen und die letzte, die bis jetzt auch der endgültigen entspricht. Er ist das „Siegel der Propheten“.

Dem Koran nach ist der Mensch nicht unrein und trägt keine Erbsünde und bedarf folglich auch keiner Erlösung. Jeder Mensch ist für seine sittliche Handlung selbst verantwortlich und muss sich erst vor Allah selbst beim Jüngsten Gericht verantworten.

Der Islam kennt weder Priesterstand noch irgendeine Form von heiligen Sakramenten. Die gottgewollten Verhaltensweisen sind in erster Linie dem Koran und der „Hadith“ ( Überlieferungen vom Leben und Handeln Mohammeds) entnommen und in der „Scharia“ (Islamisches Gesetzbuch ) festgehalten. Die Scharia enthält sowohl Rechtsnormen als auch Kulturvorschriften, Etiketteregeln und ethische Normen. Sie enthält sogar Regelungen zum Familien-, Erb- und Strafrecht.

Diese Vorschriften einzuhalten gilt auch heute noch für die meisten Muslime als höchster zu erstrebender Wert.

Das täglich fünfmal gehaltene Gebet wird im Zustand der Reinheit gehalten. Es wird häufig in der Gemeinschaft ausgeübt. Dabei Knien die Betenden auf einem Gebetsteppich in Richtung Mekka, ihrer heiligen Stätte.

Obwohl durch die Scharia eine enge Verbindung zischen Staat und Religion vorgegeben ist, sind die beiden Bereiche in der Geschichte sehr selten deckungsgleich. In den letzten Jahrzehnten hielten immer mehr westliche Akzente Einzug im Islam. Das wiederum führte zum Islamismus, dem islamischem Fundamentalismus, dessen Folgen unter dem Begriff „Reislamisierung“ zusammengefasst werden.

In Folge der Arbeitsemigration um das Jahr 1960 kamen viele Muslime unter anderem nach Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich, Holland und England. Dadurch wurde der Islam in westliche Gebiete gebracht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Neuzeitlicher Islam

Die Neuzeit des Islam begann um die Wende zum 19. Jh., weil die islamische Welt zu großen Teilen unter Kolonialherrschaft geriet, die die „Verwestlichung“ mit sich brachte. Das bedeutete weitreichende Eingriffe in Kultur, wirtschaftliche und politische Strukturen und Gesellschaftsfragen.

Denn während in den Jahrhunderten vor der Kolonialherrschaft in der islamischen Welt Gottes Gesetzbuch als einzige Obrigkeit galt, brachten die „Westmächte“ europäische Institutionen mit, die sich in großen Teilen von der Scharia unterschieden.

Auf dieser Grundlage glichen sich die dort lebenden Moslems immer mehr europäischen Verhaltensmustern an.

Im späten 19. Jh. verbreitete sich der einerseits Gedanke des Panislamismus durch den Agitatoren Al- Afghani, der besagte, dass durch die Vereinigung aller Muslime das europäische Joch abgeschüttelt werden müsse, um dem Volk den ursprünglichen, reinen Islam wieder näher zu bringen.

Andererseits entwickelte sich durch den Ägyptischen Gelehrten Abduh der „Modernismus“ , der die Verbindung von westlichen Komponenten und dem recht verstandenem Islam nicht kategorisch ausschloss. Modernisieren heisst, den Glauben nach westlichem Maße an den Staat anpassen und unterordnen.

Die Modernisten drängten vergeblich auf eine Neuinterpretation der Scharia. Denn diese wurde im 9. oder 10.Jahrhundert von islamischen Gelehrten aus noch älteren Texten abgeleitet und enthält dadurch viele veraltete Ansichten. So ist zum Beispiel die Sklaverei zwar nicht sehenswert, aber durchaus erlaubt. Wenn die Scharia als Verfassung anerkannt wird, könnte ein Mensch einen anderen zur Sklaverei zwingen.

In den späten 1920er Jahren entwickelte sich aus dem Panislamismus einer traditionalistisch orientierten Bewegung das, was wir heute „FUNDAMENTALISMUS“ nennen. Ein entscheidendes Merkmal des Fundamentalismus bildet die anti-westliche Tendenz.

1928 gründete sich die „Muslimbrüderschaft“ ,die sich die Wiedererrichtung einer geschlossenen islamischen Staats- und Gesellschaftsordnung zum Ziel setzte. Diese soll die Scharia als Gesetzgebungsgrundlage anerkennen und die Einflüsse der für verderbt erachteten westlichen Welt abwehren.

Die Muslimbrüderschaft ist inzwischen auch auf einige weitere arabische Staaten übergegangen.

Der fundamentalistische Gedanke lässt keine Kompromisse zu, so dass die modernistische Bewegung als das neue zu bekämpfende Heidentum gilt. Die Islamisten erachten ihre Staatsform für sowohl dem Kommunismus als auch dem Kapitalismus überlegen, was vielleicht die Radikalität erklärt, mit der die Fundamentalisten ihr Gedankengut verteidigen.

Für den Islamismus war die Verwestlichung im Grunde schon fast ein Segen, weil dadurch die Gegenbewegung, die Rückbesinnung auf traditionelle Werte, besonderen Zulauf erfuhr.

Libyen führte unter „Gaddhafi“ 1972 per Gesetz die koranischen Kapitalstrafen ein wie z.B. die Hand abhacken für Diebstahl oder Steinigung für Ehebruch.

In Iran entstand unter „Ayatollah Khomeini“ 1979 eine islamische Republik totalitären Charakters. ( Nähere Informationen bei 5. )

Im Sudan wurde 1983 durch “Numeiri“ die Scharia eingeführt, die inzwischen aber wieder abgeschafft ist. Trotzdem gibt es noch sehr viele Stimmen, die die Wiedereinführung verlangen.

Aus Libanon hört man häufig von den „Hisbollah“ , einer selbsternannten Partei Gottes, die immer wieder wegen Terroranschlägen in der Presse erscheint.

Die Verwestlichung brachte für die Muslime gleichzeitig eine Identitätskrise im Nahen Osten mit sich. Für die Verfechter der Scharia bildeten die Verunsicherung der Bevölkerung einen fruchtbaren Boden. Sie projizierten alles Übel auf die Verwestlichung und riefen so zur Reislamisierung auf.

Viele Menschen fühlten sich allein und überfordert, als die westlichen Kulturen auf sie übergriffen, die insgesamt fortschrittlicher war als der Islam.

Die Menschen erlangten verschiedenen Horizonten, je nachdem, wie weit sie auf die neuen Dinge eingingen. Das führte zu Pluralismus, den die meisten nicht akzeptieren wollten oder konnten. Sie sahen in der Reislamisierung die Rückkehr zur „guten, alten Zeit“, die Rückkehr zu Geborgenheit und Bestätigung des göttlichen Gesetzes.

Der Islam ist keine missionarische Religion im herkömmlichen Sinne, d.h. dass die Muslime nicht z.B. von Haus zu Haus ziehen und Menschen bekehren, sondern er ist eine Religion des Kampfes. Immer wenn islamische Länder einen anderen Staat annektierten, führten sie natürlich auch die Scharia als ihre Gesetzgebung ein. Die Menschen, die einer anderen Religion angehörten, hatten es einfacher, wenn sie zum Islam konvertierten. (Durch die Steuern herrschte indirekter Zwang, sich bekehren zu lassen! )

Die Islamische Geschichte ist die Geschichte von Krieg zwischen Herrschern und Königshäusern, Monarchen und Herrschaftshäusern.

3. Unterschied zwischen Islam und Islamismus

Fundamentalismus entsteht hauptsächlich da, wo Unzufriedenheit herrscht. Als der Nahe Osten mit dem Westen konfrontiert wurde, zeigte sich die islamische Erstarrung, die schon im 4.(!) nachchristlichen Jahr begonnen hat.

Man mußgrundsätzlich unterscheiden zwischen „normalen“ Moslems und Islamisten. Die Muslime sind die Menschen, die ihren Glauben mehr oder weniger schariatreu leben und ihren Frieden suchen, im großen und ganzen aber friedlich sind. Der Islam ist nur die Glaubensrichtung wie z. B. das Christen- oder Judentum. (Der Islam stützt sich natürlich auf Fundamente, die es einzuhalten gilt, trotzdem ist der Begriff Fundamentalist für einen frommen Moslem falsch! Die Moslems leben orthodox und in Bezug auf die Fundamente der Religion, Fundamentalismus ist politisch. Vielmehr sind normale Moslems selbst von dem Fundamentalismus ihrer Glaubensgenossen bedroht.)

Islamisten dagegen sehen im Islam auch eine politische Ideologie, weswegen Islamismus immer in Bezug auf Politik zu sehen ist. Der Islam ist insofern eine politische (nicht politisierte) Religion, weil er keine private Religion ist sondern vielmehr den Gottesstaat (keine Trennung zwischen Staat und Religion) fordert. Der Unterschied zwischen traditionalistischem Moslem und Fundamentalist mit den gleichen „Fundamenten“ zeigt, wie radikale Fundamentalisten Religion in politische Ideologie ummünzen und für politische Zwecke instrumentalisieren.

Die Terroranschläge, die in erschreckend großer Zahl durch die Presse geistern, werden grundsätzlich von Fundamentalisten, also Islamisten ausgeübt. Man muss jetzt also nicht vor jedem Moslem angstvoll weglaufen. In Deutschland leben zur Zeit sogar über eine Millionen Moslems, die auch „keine kleinen Kinder fressen“.

Die Islamisten sind nur eine kleine Gruppierung, die aber unter Umständen eine größere Masse Menschen für ihre Zwecke mobilisieren können (z.B. bei Revolutionen oder Demonstrationen).

Die fundamentalistischen Gruppierungen, die Islamisten, stimmen in ihren Forderungen größtenteils überein. So verlangen sie die wörtliche Auslegung der Hadith und des Koran, die Anwendung des Koran und die Anerkennung der Scharia als Verfassung. Sie vertreten den Grundsatz, Islam sei Staat und Religion zugleich.

Sie gehen davon aus, dass es keine Situation gibt, die nicht nur durch den Koran bestmöglich geregelt werden kann. Oft sind es aber nur vage Formulierungen, die dann von den Rechtsgelehrten auf den aktuellen Fall übertragen werden müssen.

Da der Koran schon sehr alt ist und die Strafen und Gebote ebenfalls, wird der Islamismus oft als rückwärtsgewandte Utopie tituliert.

Neben der Scharia gibt es nur sehr wenige geschriebene Gesetze, weil die Scharia als Gottes Werk ja absolut ist.

Obwohl sie sich gegen westliche Einflüsse wehren, machen sie sich deren Errungenschaften durchaus zu Nutzen bei Technik, Medizin und Wissenschaft.

Bsp. : Bei unseren Recherchen im Internet sind wir auf eine in arabisch geschriebene Seite des Islams gestoßen!

Hinter dem Islamismus verbirgt sich häufig ein Machtanspruch und Intoleranz. So haben es die in islamischen Ländern Lebenden sehr schwer, wenn sie weniger fundamentalistisch eingestellt sind. Sie bekommen Terrormethoden und Folter zu spüren.

Besonders junge Menschen, die in größeren Städten leben, schließen sich den Fundamentalisten an, weil sie Traditionsbrüche und Wertkonflikte miterleben. Durch bessere Schulen haben sie zwar .mehr Bildung, aber dennoch schlechte Zukunftsperspektiven.

Auch wenn sie es propagieren, haben die Fundamentalisten bisher nicht den Beweis gebracht, dass sie die Probleme tatsächlich besser lösen können als andere Staatssysteme. In der Opposition versprechen sie das Blaue vom Himmel, die sie, an die Macht gekommen, schwerlich einhalten könnten oder können. Statt dessen verhindern sie gebunden an diese veraltete Ideologie zeitgemäße Lösungen für aktuelle Probleme.

Die Muslime identifizieren sich nicht mit den Islamisten. Sie selbst sind friedlich und wollen in erster Linie ihrer Religion nachgehen. Sie lehnen die Intoleranz ab. Die Islamisten dagegen werfen den „normalen“ Muslimen vor, dass sie sich nicht genug für die Religion und Allah einsetzen und ihn nicht genug lieben würden. Dadurch dass die Islamisten sich selbst als die einzig wahren Menschen ansehen, verschaffen sie sich eine Legitimation zu ihren repressiven und gewalttätigen Methoden.

Fundamentalisten gibt es auch in anderen Religionen, z.B. den protestantischen Fundamentalismus in Amerika. Sogar in einem so hoch entwickeltem Land schafften es die Anhänger im Wahlkampf 1996, den Republikanern eine kompromisslos ablahnende Haltung zum Thema Abtreibungen aufzuzwingen. Fundamentalismus ist, an welcher Stelle auch immer, generell eine einflussreiche Angelegenheit. Allerdings gibt es auch keine andere Religion mit eine so aggressiven und gewalttätigen fundamentalistischen Anhängerschaft.

4. Kritik der Islamisten an der Verwestlichung

Während der Kolonialzeit waren es vor allem Frankreich und England gewohnt, dass sie als Überbringer des Fortschritts anerkannt wurden. Das beinhaltete zum Beispiel Kleidung, Literatur, Schulwesen, aber auch Institutionen wie das Gericht als Obrigkeit. Europa war es gewohnt, imitiert zu werden, und bejahte diese Rolle auch gern.

Im Nahen Osten sah man dieses angebliche europäische Ideal als Verwestlichung an, die während des Imperialismus zunächst nur von Europa, später aber im viel stärkeren Maßvon Amerika aus kam.

Der Begriff der Verwestlichung ist nicht mit positivem Fortschritt gleichzusetzen, sonder eindeutig negativ mit Dekadenz und Sittenverfall besetzt.

Auch wenn wir damit gemeint sind, werden uns einige Aspekte überspitzt dargestellt vorkommen, wobei wir aber die Existenz der Kritikpunkte nicht verleugnen können.

- Alkoholismus - dem Moslem ist der Genuss von Alkohol dem Koran nach untersagt, weil der Schaden größer ist als der Nutzen. Wozu die Alkoholfreiheit geführt hat, sähe man am Westen, dazu müsse man nicht einmal in den Koran schauen.

- Drogenabhängigkeit - ein weiteres Zeichen dafür, dass der Westen kaputt sei und nicht so vollkommen wie behauptet, weil trotzdem viele Menschen einen Ausweg durch Drogen suchen

- Sexualverhalten - die Menschen im Westen kritisieren die Unterdrückung der Frau, die Islamisten empfinden insbesonders das Verhalten der Frauen zu ihrer eigenen Sexualität als unmoralisch und als jenseits aller erlaubten Grenzen. Besonders verrucht gelten vorehelicher Verkehr, die zahllosen Scheidungen, Abtreibungen, Empfängnisverhütung und Partnertausch.

- Prostitution und in Anspruch nehmen solcher Dienste

- Religion als Privatangelegenheit - Im Islam gehören Staat und Religion unmittelbar zusammen. Dass es hier sogar Menschen mit atheistischen Tendenzen geben soll, können sich viele Islamisten nicht einmal vorstellen.

- Kapitalismus - als Synonym für Egoismus und übersteigerte Anonymität. Im Islam sind Gemeinsamkeit und Hilfsbereitschaft (siehe Almosenabgabe ) fest im Glauben verankert. Das allein wäre kein Widerspruch zu den christlichen Religionen, im Islam wird diese soziale Vorgabe aber auch gelebt. Die westlichen Menschen könnten sich nicht mehr einordnen, während im Islam allein wegen der großen Familien die Fähigkeit zur Einordnung unbedingt erforderlich ist. Viele Iraner, die in die Städte zogen, verelendeten rasch in der verwestlichten Arbeitswelt, weil sie mit dem Konkurrenzdenken nicht zurecht kamen.

- Mangelndes Sozialgefühl - Obwohl es sehr viele sehr reich Menschen im Westen gibt, sind die kaum bereit, zum Beispiel durch jährliche Almosen ihren Anteil für ärmere Menschen zu zahlen

- Massentourismus - Durch westlichen Massentourismus zum Beispiel in Tunesien wurden ganze Kulturen merklich beeinträchtigt.

- Zur-Schau-Stellung des Reichtums

Islam ist die Religion der Moral. Der größte Vorwurf an die Christen ist schlicht gesagt : „Dem Christen ist nichts mehr heilig“, weil er keine moralischen Grundzüge mehr habe. (Zitat Peter Antes, Autor des Buches „Der Islam als politischer Faktor“)

5. Umriss der iranischen politischen Geschichte ab 1925

In der ersten Hälfte des 19. Jh. geriet der Islam in den machtpolitischen Interessenkonflikt zwischen Russland und Großbritannien, wobei die Engländer sich letztendlich durchsetzten.

1907 wurde der Iran in eine britische, eine russische und eine neutrale Zone eingeteilt. Doch auch die neutrale Zone wurde von Briten, Russen und Türken besetzt und dadurch der Iran Spielball fremder Mächte.

Durch die russische Revolution 1917 wurde die russische Herrschaft eingedämmt und der britische Einfluss vergrößert.

Ab 1921: Nach einem Putsch gelingt es dem persischen General „Reza Chan“ das Land unter seine Kontrolle zu bringen. Er schlägt die Aufstände im Land nieder. Die Briten erhoffen sich in ihm eine Marionette und billigen ihn deshalb zunächst.

Er sorgt erfolgreich für Sicherheit und Wohlergehen , weshalb seine Beliebtheit schnell wächst. So kann er sich die britische Vormundschaft abschütteln.

Er versucht 1923 den Iran in eine Republik umzuwandeln, doch die Geistlichen, weil sie in einer Republik ihre Macht gefährdet sehen, können das abwenden.

1925 beendet der neue Schah die Kadjarendynastie (selbst Kadjarenprinzen stimmten dafür) und die Herrschaft der Pahlawiden beginnt.

Der neue Schah „Reza Schah“ beginnt einige Reformen und Umwälzungen, wobei er vor allem das Land modernisieren will. Das Schul-, Rechts- und Militärwesen werden unter anderem erneuert. Außerdem schaffte er den Schleierzwang für Frauen ab und führte für Männer europäische Kleidung ein.

Den Briten begegnet er mit Härte, so dass die ihre Hoffnungen endgültig begraben müssen, den erdölreichen Iran ganz unter ihre Kontrolle zu bringen. ( Die Briten wollten unter dem Vorwand des Selbstbestimmungsrechts die Erdölprovinz „Chuzistan“ annektieren ). Er zerschlägt die pro-englischen Kräfte. Dieser Erfolg stärkt ihn gegen England.

Seine insgesamt 16-jährige Herrschaft verleiht dem Iran sein heutiges modernes Aussehen. Unter ihm wurde zum Beispiel die transiranische Eisenbahn, die Hochschule von Teheran und einige wichtige Industrien gebaut. Diese Einrichtungen werden durch hohe Steuern finanziert, wobei die reichen Ölfelder aber immer noch von den Briten ausgebeutet wurden.

1932 läuft eine Ölkonzession mit Britannien ab und der Schah versucht vergeblich, für den Nachfolgevertrag bessere Konditionen auszuhandeln. Mit militärischem Druck setzen die Engländer den Gleichen Vertrag erneut durch.

Im Iran wächst die Englandfeindlichkeit, so dass das Land mehr in die Richtung Deutschland drängt. Deutschland investiert Geld, was dem Land einen pro - deutschen Ruf verschafft.

Kurz vor dem Ende seiner Herrschaft gelingt es ihm noch, die ausstehenden Zahlungen der Engländer für das Erdöl einzutreiben. Am 25. 8 1941 marschieren die Alliierten in den Iran ein und setzen den Schah ab (weil er ja als pro - deutsch galt) , der dann nach Südafrika verbannt wird.

In den folgenden vier Jahren Besatzung wird das Volk auf das Schlimmste gedemütigt und ausgebeutet. Obwohl durch die Konferenz von Teheran die territoriale Integrität versichert, zögern die UdSSR und GB mit der Räumung des reichen Staates.

Die Russen wollen mit Hilfe der kommunistischen iranischen Partei (Tudeh) die Annexion Azarbeijans und Kurdistans erzwingen, die Briten schielen auf die Erdölprovinzen Südirans.

Wiedermal wird Iran unterdrückt und bevormundet.

1941 beginnt die Herrschaft von „Mohammed Reza Schah“ (Sohn des Reza Chan), der sich die Provinz Aserbaijan mit der Armee zurückholt. Das patriotische Gebiet empfängt ihn begeistert. Die Regierung verspricht den Sowjets Ölkonzessionen, wenn sie zurückziehen sollte: erfolgreich.

Später wird der Vertrag für ungültig erklärt, weil zur Besatzung keine Ölverträge abgeschlossen werden dürften mit ausländischen Mächten.

Die entscheidende Frage bleibt weiterhin das Erdöl. Während der Iran immer mehr verarmt, erzielen die Briten Milliardengewinne aus dem iranischen Erdöl. Der Iran nähert sich immer mehr der USA in der Hoffnung, von den Amerikanern Beistand zu bekommen. Unter dem populären Ministerpräsidenten „Dr. Mossadegh“ (1951 gewählt) werden die Öltürme verstaatlicht, also den Briten enteignet ( der Anglo- Iranian-Oil-Company).

Wieder begegnen die Briten dem Iranern mit einer Wirtschaftsblockade, was den Iran an die Existenzgrenze bringt. Weil das Volk dem Ministerpräsident vertraut, übersteht der Iran die Blockade bis 1953. Die USA bietet sich als Vermittler an. Die Briten unterstützen aber die kommunistische Partei, die in der schlechten Wirtschaftslage ihre Chance zur Machtübernahme sieht. Die Kommunisten gewinnen immer mehr Mitglieder. Das wiederum verschreckt den Schah, die Geistlichen und vor allem die USA, die sich langsam zu den Briten abwenden.

Weil die Stimmung im Volk sich gegen den von den Westmächten bevormundeten Schah wendet, versucht er vergeblich, Mossadegh abzusetzen. Denn dieser hatte in einer Verfassungsreform versucht, die Macht des Schahs einzuschränken. Mohammed Reza muss dann fliehen. Der CIA tritt in Aktion und führt einen Militärputsch durch. Die Schah - Anhänger besetzen Teheran, Mossadegh wird verhaftet und des Hochverrats angeklagt.

Die Gründe für das Eingreifen der USA in den Iran sind zweischneidig. Einerseits hatten die Amerikaner Angst, das die Verstaatlichung der Erdölquellen zum Präzedenzfall werden könnte, andererseits brauchten sie die Briten zur Unterstützung gegen die UdSSR. Das heimliche Vorgehen der USA war unsauber , weil sie die legitim und demokratisch gewählte Regierung stürzte und dem vertriebenem Schah wieder zur Herrschaft verhalf. England erhielt die Ölkonzessionen zurück und bildete für die Zukunft einen Verbündeten der USA.

Der Schah fühlt sich den USA und den Briten verpflichtet und wird nun tatsächlich ihre Marionette ( Ihm wurde ein Spitzname gegeben: Arjsmehr, Sonne der Arier ). Im Grunde wird die Verstaatlichung wieder zurückgenommen, der Schah nimmt immer mehr diktatorische Züge an und die Demokratie ist damit inoffiziell beendet.

Die Fremdmächte setzen eine radikale Verwestlichung durch, ohne traditionelle Werte zu berücksichtigen. Sie bemühten sich kein bisschen, die positiven Aspekte der Modernisierung den Iranern schmackhaft zu machen ( wenig „Fingerspitzengefühl“ ).

Der Schah ruft die sogenannt „Weiße Revolution“ aus, dessen Bodenreform 1963 die iranische Agrarindustrie ruiniert. Dabei wurden die Großgrundbesitzer der MullahKaste zum Teil enteignet. Nur wenige Menschen profitierten, der Großteil verarmte vollständig. Unerfüllte Hoffnungen belasten die Land-Stadt-Migranten.

Jegliche Form der Opposition wurde von brutal unterdrückt von dem immer mächtiger werdendem Polizeiapparat. Der gefürchteten Geheimdienst „Savak“ sollte zum Schluss an die 300000 Mitarbeiter gehabt haben.

Der Schah, immer geführt von den Fremdmächten, geht auch gegen die schiitischen Geistlichen vor, erste Unruhen entstehen. Der Führer des Widerstands, „Ayatollah Chomeini“, flieht erst ins irakische, dann ins türkische und französische Exil.

( Zu Chomeini: er entstammte einer streng gläubigen Gelehrtenfamilie, die ihm früh lehrte, alles Westliche abzulehnen. Mohammed Reza war für ihn zu Recht nur ein Handlanger fremder Mächte, der dem Iran einen anti-islamischen Modernismus aufzwingen wollte.)

Iran wird zusehends an den hohen Erdölgewinnen beteiligt und erlebt einen ungeheuren wirtschaftlichen Wachstum. (Außerdem steigt der Erdölpreis !)

Die politischen Reformen kommen nicht hinterher, weil der Schah ( bzw die USA) jegliche Maßnahmen zur Anpassung versäumt hat. Seine einzigen Interessen gelten der fanatischen Idee, den Iran zu einer Welt- und Militärmacht werden zu lassen.

Dieser Schah war besonders auf außenpolitische Beziehungen bedacht, so dass er die wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen u. a. zur BRD, zu Frankreich, zu Großbritannien und den USA verstärkte. Um eine einseitige Konzentration auf die Westmächte zu vermeiden, begann er auch Gespräche mit der UdSSR.

1975 schloss er einen Grenzvertrag mit dem Irak.

Ab 1978 beginnen erste zarte Demonstrationen, die nach Demokratisierung und politischer Freiheit streben. Muslime bilden erste fundamentalistische Gruppen, die vor allem durch das Ausland radikalisiert werden. Studenten, die im Ausland studiert haben, kommen mit revolutionären Ideen zurück, die Aggression und Gewalt im Iran schüren.

Besonders die islamischen Geistlichen protestieren und unterdrücken alle andersdenkenden Menschen oder solche, die die Verwestlichung zu freizügig lebten. Von Amnesty International wurden allein für das Jahr 1977 25000-100000 politische Gefangene vermutet, vom Iran aber nur 3000 zugegeben.

Der Schah gerät innen- und außenpolitisch immer mehr unter Druck. Vor allem die englische BBC dient als Sprachrohr der iranischen Opposition. Der Schah erscheint nachgiebig und rückgratlos und ermutigt immer mehr zum Widerstand.

Die Demonstrationen werden mit Hilfe des Militärs niedergeschlagen, es gibt viele Tote. Der Schah reagiert auf solche „Störungen“ mal nachgiebig, mal mit Härte, so dass die Iraner den Eindruck gewinnen, er habe die Kontrolle verloren.

Es beginnen viermonatige Streiks der Ölarbeiter, die die wichtigste Einnahmequelle zum versiegen bringen. Zu spät lässt er andere Parteien wieder zu, seine hastigen und halbherzigen Reformmaßnahmen helfen nicht mehr.

Soldaten wollen nicht mehr auf ihre unschuldigen Brüder und Schwestern schießen und desertieren. Millionen gehen fast täglich gegen den Schah auf die Straße.

Am 16. 01. 1079 endet mit seiner Flucht nach Ägypten die Herrschaft der Pahlawiden. Der Schah hatte sämtliche Macht in seine Hände konzentriert, so dass nach ihm niemand die monarchische Herrschaft übernehmen konnte.

Chomeini kehrt zurück aus dem Asyl und mit ihm ergreift sofort der schiitische Fundamentalismus die Macht. Er führt als erstes eine blutige „Säuberung“ von Repräsentanten des Schahs durch. Nach einer Volksabstimmung mit 98% Zustimmung wird die islamische Republik ausgerufen. 1979 wird die neue Verfassung verabschiedet, die inhaltlich deutlich die Stärke der extremen religiösen Stärke offenbart.

Es werden wieder Reformen durchgeführt, die aber auch als Rückschritt gewertet werden können, weil sie sehr stark von der fundamentalistischen Idee des Islamismus geprägt sind. Die Verwestlichung wurde verbannt, so dass viele Intellektuelle emigrierten. Gewaltsam ging die Regierung gegen oppositionelle Strömungen vor, nach ai gab es viele Hinrichtungen.

Die meisten Iraner setzten vergeblich Hoffnungen in Chomeini, dass er zum Beispiel das soziale Netz verbessern oder eine echte Demokratisierung einleiten sollte.

Der linksliberale „Basargan“ wird zum Ministerpräsidenten gewählt. Er konnte sich aber schlecht gegen die immer stärker werdenden Ansprüche des Klerus wehren, die mit Forderungen der Mullahs verbunden waren ( die wollten natürlich die Enteignung ihrer Ländereien rückgängig machen lassen, weil der Schah jetzt ja wieder weg war.).

1979 werden 52 US- Bürger in der amerikanischen Botschaft als Geiseln gefangengenommen, die erst eineinhalb Jahre später freigelassen werden. Als Chomeini sich hinter die fundamentalistischen Geiselnehmer stellt, tritt Basargan zurück. Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten erreichten ihren Tiefpunkt.

Die Mullahs können ihre wiedergewonnene Macht ausbauen. Ein weiterer linksliberaler Präsident geht ins Exil. Mit ihm schwinden für die Sozialisten und Liberalen für viele Jahre die letzten Hoffnungen.

Im September 1981 greift der Irak wegen einer Grenzstreitigkeit die iranische Provinz Chuzistan an. Der Krieg mit dem Irak schwächt für die ersten Jahre die Islamische Republik, stärkt aber gleichermaßen die radikal-islamischen Kräfte.

Wie zu der Zeit des Schahs werden sogar im Ausland noch politische Gegner aufgesucht, gefoltert und ermordet. 7000 Ermordete sind namentlich bekannt.

1984 Die Großmächte Ost und West begegnen der großen iranischen Armee mit Wirtschaftsembargos, der Irak unterstützt diese Sanktionen.

1986 setzt der Irak gegen den Iran großflächig Giftgas ein um dessen Offensiven zu stoppen.

1987 greift die USA ein und zerstört einen Großteil der iranischen Marine und verhängt ein totales Wirtschaftsembargo über den Iran..

1988 gibt es endlich einen Waffenstillstand zwischen Irak und Iran. Der Krieg wurde vom Iran länger als nötig aufrecht erhalten, um die frustrierten Energien von innen nach außen zu leiten. Denn ein gemeinsamer Feind kann ein ganzes Volk verbinden und Einigkeit schaffen.

1989 ruft Chomeini alle Muslime zum Mord an einem britischen Schriftsteller (S. Rushdie) auf, weil er in einer Schrift „Die satanischen Verse“ polemisch gegen den Islam gehetzt hatte. Dadurch schwanden auch noch die diplomatischen Beziehungen zu Britannien endgültig. ( Der Schriftsteller, obwohl das Todesurteil inzwischen aufgehoben wurde, lebt bis heute im Untergrund und muss noch immer um sein Leben fürchten.)

Im gleichen Jahr stirbt Chomeini. Nach seinem Tod wird Khamenei zum neuen geistigen Führer ernannt, der sich die Herrschaft mit dem neuen Staatspräsidenten „Rafsandschani“ die Macht teilt. Dem folgte inzwischen Chatami, der eine innenpolitische Liberalisierung einleitete. Die radikale Mullah- Fraktion leistet bis heute Widerstand. Der daraus entstandene Machtkampf ist noch immer nicht entschieden, so dass die unerfüllten Hoffnungen bis heute ausstehen.

Tatsache ist, dass der Iran zur Zeit auf dem Waffenbasar der ehemaligen Sowjetunion und in Nordkorea einkauft ( mit dem staatlichen Geld aus den Erdöleinkommen) und dem Westen deshalb Aufmerksamkeit abverlangt.

6. Der Iran als islamische Republik

Seit 1979 gilt der Iran als islamische Republik, in der die Gesetzgebung größtenteils auf den Koran basiert. Alle Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Lebens müssen sich am Islam orientieren. Die Mandatsträger müssen besonders fromm und sachkundig sein.

Die Anhänger dieser Staatsform glauben, dass der Islamismus und die Demokratie durchaus miteinander kompatibel seien. Da sie die Verfassung, die auf den Koran basiert, aber als so vollkommen empfinden, sind im Grunde alle Änderungen unmöglich und schon allein die Forderung danach lebensgefährlich.

Eine Demokratie ist religionsneutral (gleiche Rechte für alle Menschen). Der Islam kann diese Neutralität nicht leisten (Andere Religionen müssen für ihre Religionsausübung Steuern bezahlen.). Ein Moslem darf unter Todesstrafe nicht zu einem anderen Glauben konvertieren. In Arabien gibt es nicht einmal eine Verfassung.

Außerdem lehnen die Verfechter der islamischen Republik ein Mehrparteiensystem ab, es wurde sogar einmal geplant, dass alle Menschen von Geburt an der islamischen Partei angehören. Denn der Gotteswille ist einzigartig und wird ja schon in dieser Partei verfochten, was sollte eine Opposition schon fordern, als etwas göttlich ungewolltes, was ja eh als zu verfolgen gilt ! Der Iran ist eine Scheindemokratie, in der einfach jede Opposition verboten wir, die die Macht des Islam, wie sie naiv genannt wird, beschneiden könnte.

Wie schon am Anfang des Referats kurz genannt, dürfen Christen und Juden ihrer Religion (nach Zahlung einer Steuer) zwar nachgehen, sie dürfen aber keine öffentlichen Ämter bekleiden oder gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilnehmen. Deshalb werden religiöse Minderheiten automatisch diskriminiert, weil sie den teilweisen Verlust ihrer Bürgerrechte hinnehmen müssen Sie werden nicht als vollwertige Bürger anerkannt.

Dass Christen und Juden ihrer Religion überhaupt nachgehen durften, hatte ausschließlich finanzielle Gründe. Juden durften sich immer nur mit Geldgeschäften ihr Leben bestreiten, wobei es einige zu erheblichem Reichtum brachten. Für ihre expansionistischen Missionskriege brauchten die Muslime Geld, sie ließen sich ihre Kriege von den Juden als lukrative Steuerzahler bezahlen.

Gerechtfertigt wird die erhobene Steuer mit einer Koranstelle, nach der Gott nur Muslime will und alle anderen zu Untertanen gemacht werden dürften.

Die größte Gefahr der Scharia liegt eigentlich darin, dass die Gebote und Strafen mittelalterlich sind. Die Scharia bräuchte eine Neuinterpretation, die die Maßnahmen an das 20. Jahrhundert anpasst. Die Islamisten fordern aber die wortgetreue Auslegung und Befolgung.

Beispiel Ehebruch: der ist heute auch nicht in Ordnung, sollte aber längst nicht mehr mit der Todesstrafe geahndet werden. Für uns „Westis“ wäre dieses Gesetz katastrophal, weil einige Länder vermutlich ausgerottet würden (Dies ist ein Beispiel für die westliche Dekadenz, die wir vermutlich anerkennen müssen!)

Die Islamisten wollen aber gerade diesen Rückschritt zur ihrer Meinung nach guten alten Zeit, wo alle noch korantreu und besser lebten.

„Der Islam ist die Lösung“ (al-Islam huwa al-hall!)

(Wahlparole der islamistischen Parteien

7. Der Islamismus in der Gegenwart

Wir bewegen uns jetzt weg vom Iran, weil es den islamischen Fundamentalismus auch von anderen arabischen Ländern gibt.

In den letzten Jahren hörte man aus allen Regionen der Welt von Terroranschlägen, die vermutlich von islamischen Fanatikern, also Islamisten, ausgeübt wurden. In Afrika bomben Terroristen, in Afghanistan zwingen Gotteskrieger das Volk in ein mittelalterliches Regime.

Obwohl man weiss, dass es sich um Islamisten handelt, ist es schwer bis unmöglich, die eigentlichen Drahtzieher zu erfassen. Das Problem ist, dass es keine eigentliche Schaltzentrale gibt, die die Aktionen starten. Bestenfalls gibt es lose Absprachen, meistens kennen sich die Attentäter aber nicht einmal untereinander. Außerdem vermehren sich die Anhänger täglich.

Ihre Zielsetzung ist einfach und eindeutig: Sie wollen die Vorherrschaft des Islam nicht nur in den arabischen Teilen, sondern auf der ganzen Welt. Sie führen einen globalen Krieg gegen die Verwestlichung. Das wollen wir natürlich verhindern, weil uns bei dem bloßen Gedanken an eine schariageführte Obrigkeit schon ganz mulmig wird.

Die Selbstmordattentäter sind natürlich nach ihrem Einsatz für keinerlei Ermittlungen mehr brauchbar, und die Drahtzieher halten sich absichtlich im Hintergrund. Obwohl sie moderne Dinge ablehnen, machen sie sie sich im sogenannten „Heiligen Krieg“ zunutze. Sie kommunizieren über Internet, bauen modernste Bomben und lernen den Umgang mit einem Satellitentelefon als erstes.

( Die Fertigkeit dafür haben sie von den Amerikanern, die die Islamisten für den Krieg gegen Russland schulten, man muss also auch globale Zusammenhänge betrachten!)

Es gibt zwei große Gründe für das Erstarken der Radikalen in den letzten Jahren. Zum einen sind die eigenen Regierungen der Islamisten Schuld, weil sie zwar viele Hoffnungen erweckt haben, aber nur wenige halten konnten. Die Breite Masse macht für diese Misere die westlichen Kulturen verantwortlich, und diese Haltung kommt den Fundamentalisten gerade gelegen. („Kulturelles Diktat“)

Zum anderen greifen die eigenen Regierungen auch die Muslime an, die zwar desillusioniert, aber (noch) nicht radikal sind. So wird in Ägypten der Muslimbrüderschaft der Krieg erklärt, obwohl die zu den wenigen Organisationen gehört, die noch zum Reden bereit sind und sich öffentlich bekennen (denn oft sind die Menschen nicht mehr mittelbar). Wenn die Vereinigung jetzt aber staatlich verboten wird, wenden sich die Mitglieder eher den regierungsfeindlichen Gruppierungen zu, also den Islamisten (Denn den wahre Islamisten sind noch nicht einmal die Regierungen islamisch genug).

Man kann zusammenfassen, dass oft schon die eigenen Regierungen den Fehler begehen, nicht zwischen den Gruppierungen zu differenzieren, welche wirklich gefährlich sind oder einfach nur fromm und Gewalt ablehnend. Ähnlich werden oft Parteien verboten, die den Muslimen die einzige friedliche Möglichkeit, die Meinung zu äußern, bat. Die Menschen werden den Radikalen förmlich in die Arme getrieben. Jede Ungerechtigkeit, der sich die kritischen Muslime wehrlos ausgesetzt sehen, macht sie kompromißloser und gewaltbereiter.

Nur wenn man die Lage der Muslime auf der ganzen Welt verbessert, ist den Islamisten die Basis genommen. Es müssen mehr Gespräche geführt, mehr Kompromisse eingegangen werden.

Wie in allen Religionen, für die es Kämpfe und Kriege gab, gilt auch im Islam die Nächstenliebe. Nie hat Gott zu den Anhängern gesagt, dass sie für ihn morden und foltern sollten. Trotzdem werden fast alle Religionen so ausgelegt, dass es eine Form des heiligen Krieges gibt, bei der man natürlich im Auftrag Gottes nötigenfalls mit Gewalt missioniert und „überzeugt“. Es gibt (wie in jeder Religion) in der heiligen Schrift eine Textstelle, die das Volk als die „beste Gemeinschaft“ ( Koran 3/111) bezeichnet.

Immer wieder taucht die Frage auf, woher die Islamisten sich das Recht nehmen, sich für den Nabel der Welt zu halten. Sie sind so in ihre eigenen Lehre und Überlegenheit vernarrt, dass sie jeden Zweifel kategorisch ausschließen. Sie denken, dass der Islam für die Menschheit der einzige Frieden sein kann. Daraus ziehen sie den Schluss, dass es nur eine Frage der Zeit sein kann, bis die Welt zur islamischen Welt konvertiert.

Mit diesen totalitären Fanatikern lässt sich nicht reden. Sie nennen den Islamismus „Politik der Befriedigung“, und die kann ja unmöglich verbrecherisch sein. Sie selbst führen einen Krieg nur für Gott. Eher noch: der Krieg wurde von den frevelhaften Feinden begonnen, den sie jetzt nur beantworten müssten. Der Feind muss für sein eigenes Seelenheil auf den rechten Weg zurückgebracht werden.

Es sei einfach nicht möglich, dass sich der Islam gegen die Menschen richtet, weil er ihnen ja per Definition Frieden und Kraft verspricht, und was verboten ist, dürfte es eigentlich auch nicht geben. Da haben sie sogar Recht, nur die Umsetzung ist verbrecherisch und die Scharia neuerungsbegürftig.

Es bestehen größte Schwierigkeiten, die islamistischen Aktivisten zu fassen. Zum Teil bewegen sie sich hier in den westlichen Ländern im Asyl auf freiem Boden, weil sie in den eigenen Ländern auch verfolgt werden.

Zum anderen kann man nicht jeden einreisenden Moslem zum Schwerverbrecher erklären und unter Beobachtung stellen. Aber auch bei bekannten Namen versagen die spärlichen Sicherheitsvorkehrungen. Es gab zum Beispiel einmal eine Warnung vor einem brandgefährlichen Fundamentalisten, der aber trotzdem einreisen konnte, weil sein arabischer Name auf vierzig verschiedene Weisen ins Lateinische übertragen werden kann. Die Computersysteme haben einfach nur den Falschen gesucht, und das World Trade Center wurde trotzdem in die Luft gejagt, trotz der Warnung des ägyptischen Geheimdienstes.

Uns ist es in erster Linie wichtig, dass man zwischen Islam und Fundamentalismus unterscheidet, und sich kein neues Feindbild kreiert. Immerhin geht es um über eine Milliarde Menschen, einen sehr großen Teil der Weltbevölkerung.

Judith Anderssen & Katja Schmidt

Quellen:

- Hamburger Abendblatt vom 18.12.1998
- Neue Zürcher Zeitung (verschiedene Daten)
- Peter Antes, „Der Islam als politischer Faktor“
- Vortrag „Zur politischen Instrumentalisierung des Islam“ (Internet)
- Dossiers (Internet)
- „Die Pahlawiden“ von Arash Moghaddam Alvandi (Internet)
- Yahoo! Schlagzeilen (Internet)
- Brockhaus
- „Die Welt“ vom 11.08.1998, Leitartikel „Die Geißel Islamismus

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Politische Instrumentalisierung des Islam
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V103735
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische, Instrumentalisierung, Islam
Arbeit zitieren
Katja Schmidt (Autor), 2001, Politische Instrumentalisierung des Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103735

Kommentare

  • Gast am 27.11.2001

    gut.

    finde ich sehr informativ und ohne vorurteile.danke

  • Gast am 8.6.2010

    Islamisten legitimieren den Machtanspruch des Islams anhand folgender Koranischen Aussage: Sura As-Saff (61):

    (8.) Sie möchten Allahs Licht auslöschen mit ihren Mündern, doch Allah wird Sein Licht vollkommen machen, auch wenn die Ungläubigen es hassen(9.) Er ist es, Der Seinen Gesandten geschickt hat mit der Führung und der Lebensordnung der Wahrheit, auf daß Er sie obsiegen lasse über alle Lebensordnungen, auch wenn die Götzendiener es hassenEs sind nicht die islamistischen Muslime, die die Weltmacht beanspruchen: es ist der Koran selbst.

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