Die Ziele der Aufklärung und ihre Einflüsse auf verschiedene Bereiche der menschlichen Gesellschaft


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

3 Seiten, Note: sehr gut


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Die Ziele der Aufklärung und ihre Einflüsse

auf verschiedene Bereiche der menschlichen Gesellschaft

Das Ziel der Aufklärer im 17. und 18. Jahrhundert war es, den Menschen aus seiner Unmündigkeit herauszuführen und mit Hilfe der Vernunft das „Glück auf Erden“ zu erlangen. In ihren Augen sollte der Zustand von Mündigkeit und Glück der Idealzustand des Menschen sein. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten alle Bereiche der menschlichen Gesellschaft und Kultur durch den Rationalismus, der Vernunft verändert werden.

1. Gesellschaft

Die Aufklärung veränderte zunächst ganz grundlegend die Struktur der Gesellschaft, des öffentlichen Lebens. Die Gesellschaft sollte aus vernünftigen, mündigen und freien Menschen bestehen, dabei war den Aufklärern klar, dass die Menschen nur dann frei sind, wenn sie sich nicht gegenseitig mit ihrer Freiheit schaden. So musste die Gesellschaft mit Regeln ausgestattet werden, die das Funktionieren der Gemeinschaft garantierten. Hier kam natürlich auch die Frage auf, wie der Mensch geschützt werden soll. Die Aufklärung berief sich auf das von allem Anfang an in der Schöpfung liegende Naturrecht, das weltweit und für alle gleich ist: die Menschenrechte. Vor allem die französischen Aufklärungsphilosophen kämpften aktiv für die „natürlichen“ Rechte der Bürger. So sollte jeder Bürger eine freie Meinung haben und in bezug auf Religion, Politik und Moral sollte jeder einzelne frei denken und seine Ansichten zum Ausdruck bringen dürfen. Ausserdem waren alle Menschen gleich (Rechtsgleichheit). Auch John Locke verlangte im Zusammenhang mit dem Gesellschaftsvertrag nach Menschenrechten. So hatte die Staatsgewalt die Pflicht, die natürlichen Rechte ihrer Bürger zu schützen. Nach ihm war das wichtigste Menschenrecht der „Anspruch auf das eigene Leben, auf persönliche Freiheit und auf den sicheren Besitz des wohlerworbenen Eigentums“. Schliesslich schlug sich das Prinzip der „Unverletzlichkeit“ des einzelnen in der „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ nieder, die im Jahre 1789 von der französischen Nationalversammlung verabschiedet wurde. Ein weiteres Ziel war die Toleranz und der Kosmopolitismus (kurz: die Toleranz gegenüber allem, was man erkennt).

Der Wandel in der Gesellschaft äusserte sich natürlich auch im Bereich der Kunst, etwa im Klassizismus, der in der Architektur die „Wahrhaftigkeit am Bau“ verlangte (Helligkeit, Einfachheit, siehe auch 8.). Weiter mussten die Veränderungen innerhalb der Gesellschaft und vor allem die Veränderung des Individuums zwingend auch Auswirkungen auf die Staatsform haben. Hier hatte sicherlich John Locke einen bedeutenden Einfluss. Mit seiner Idee des Gesellschaftsvertrags (die er von Hobbes übernommen und erweitert hatte), bei der das Volk die Macht an Vertreter delegierte, die die Aufgabe hatten, Freiheit und Glück der Bürger zu schützen („Grösstmögliches Glück für die grösstmögliche Zahl“). Somit wurde das Volk zum Souverän, denn es blieb im Besitz der Macht, da es mit den Wahlen ihre Vertreter auch wieder abwählen konnte (legalisiertes Widerstandsrecht). Diese Volkssouveränität bildete einen Grundpfeiler auf dem Weg zur Demokratie, einem System, in dem alle Menschen ein Mitsprachrecht besitzen sollten.

2. Geschichte

„Was also ist die Geschichte? Ein Haufen von Irrtümern und Sagen...“, dieser Satz stammt von Paul Hazard und führt uns zum nächsten Bereich, in dem die Aufklärung zu wirken begann: die Geschichte. Für die Aufklärer war die Geschichte voll von überlieferten Unwahrheiten und Mythen, die es abzuschaffen galt. Die Aufklärung setzte sich zum Ziel, die Geschichte und ihre Ergebnisse zu beseitigen, was zu Revolutionen und einem Neuanfang führen sollte.

Die Zeit der Aufklärung war eine sehr optimistische Zeit. Die Menschen glaubten an den Fortschritt (Fortschrittsglaube) und daran, dass sie aufgrund ihrer Errungenschaften und Fähigkeiten ihre Zukunft positiv und friedlich gestalten könnten (Kulturoptimismus).

3. Staat

Wie bereits angesprochen hatte die Aufklärung vor allem Einfluss auf die bis anhin herrschenden Staatsformen, wie etwa dem absolutistischen System. Es kamen Ideen auf, wie jene des Gesellschaftsvertrags (Locke; Volkssouveränität, siehe auch 1.) oder von der Dreiteilung der herrschenden Gewalt in eine exekutive (ausführende), legislative (gesetzgebende) und eine judikative (richterliche) Instanz (Montesquieu).

Die Wirkkraft der aufklärerischen Ideen hatte also, wie gesagt, einen ungeheuren Einfluss auf die bis anhin herrschenden Staatssysteme und führten u.a. zum sogenannten aufgeklärten Absolutismus. Der Landesherr galt zwar immer noch als absoluter Herrscher, doch sollte dieser seine Tätigkeit in den Dienst des Staatszweckes stellen. Den Wohlstand und das Glück seiner Untertanen zu fördern, dies sollten seine Pflichten sein, sowie die Unterwerfung des gesamten Verwaltungsapparates einem vernünftigen Nützlichkeitsdenken.

Schon fast extrem war das Demokratieverständnis von Jean-Jacques Rousseau. Für ihn stand die „Volonté Générale“ im Mittelpunkt, also der Allgemeinwille, der das schlechthin Gute darstelle. Er lehnte die Gewaltenteilung und die Vertretung des Volkes durch Parteien und Parlamente ab, denn diese förderten lediglich die Entstehung von „volontés particulières“. Wenn alle Menschen den Allgemeinwillen teilten, so seien alle Menschen frei, da ja nur angeordnet würde, was alle wollten. Somit gelten Rousseaus Theorien auch als Grundlage des Totalitarismus, wie er ja vor allem im 20. Jahrhundert, etwa in Deutschland (Drittes Reich und dann später auch in der DDR), angewendet wurde: Es gilt genau eine Ideologie, gegen welche keine Opposition geduldet wird.

Gegen den Zwang des Absolutismus entstand aus dem Glauben an die Allgemeingültigkeit menschlicher Vernunftserkenntnis und an die unabdingbare Berechtigung ihrer freien und uneingeschränkten Betätigung und Verwirklichung der Liberalismus, eine freiheitliche und freisinnige Welt-, Staats- und Wirtschaftsanschauung. Weiter entstand der Begriff des Wohlfahrtsstaats. Mit der historischen Erscheinungsform ist der Patriarchalstaat des 17. und 18. Jahrhunderts gemeint. Unter „Wohlfahrt“ wird das „allgemeine Wohl“ verstanden, das die Betonung der ständischen Privilegien einschloss. Es handelt sich also um den landesväterlichen Polizeistaat des aufgeklärten Absolutismus

4. Wirtschaft

Natürlich unterlag auch die Wirtschaft den aufklärerischen Ideen, wobei ein Name besonders hervorzuheben ist: Adam Smith. Seiner Meinung nach stellt sich, wenn der Staat weder fördernd noch einschränkend in die Wirtschaft eingreife, „das klare und einfache System der natürlichen Freiheit von selber her“. Er verlangte Gewerbefreiheit, Marktwirtschaft und Freihandel. Konkurrenz, Arbeitsteilung und die wirtschaftliche Freiheit des einzelnen, so glaubte Smith, führten schliesslich zum allgemeinen Wohlstand aller Bürger. Durch Arbeitsteilung wurden im Verlaufe des 18. und dann vor allem im 19. Jahrhundert die Entwicklung im Bereich der Industrie und der Technik vorangetrieben (Industrielle Revolutionen/Industrialisierung).

5. Wissenschaften

Bedeutenden Einfluss hatte die Aufklärung auch im Bereich der Wissenschaften. Diese wurden dem kritischen, skeptischen (Skeptizismus) und vor allem vernünftigen Urteil der Aufklärer unterzogen. Alles, was diesem Urteil nicht standhielt, wurde verworfen. Die Anwendung neuer Techniken und Arbeitsmethoden führten vor allem im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich zur einer ungeheuren Weiterentwicklung, so ersetzten empirische Methoden (Beobachtung - Verallgemeinerung - Experiment - Erkenntnis) das rein Spekulative und man begann im Bereich der Zoologie und der Botanik eine Systematik einzuführen. Ab diesem Zeitpunkt baute auch die Technik auf naturwissenschaftliche Gesetzmässigkeiten auf. Dies brachte die Entwicklung schnell voran, was die Industrie förderte und so zu einer Verbesserung des Lebensstandards führte (siehe auch 4.).

6. Kirche

Im Bereich der Religion glaubte man an die Schaffung der Welt durch Gott nach vernünftigen Gesetzen. So setzte sich bei den Aufklärern die Idee des Deismus, der Vernunftreligion durch. Nach ihr war Gott zwar der Schöpfer der Welt, doch beeinflusste er das Geschehen auf der Erde seither nicht mehr, da jeder Eingriff in die göttliche Schöpfung unvernünftig wäre. So verlangten die Aufklärer religiöse Toleranz, da das vernünftige Denken auf dieses Weise siegen werde.

Man wandte sich auch vom Jenseits ab, so sagte St. Evremond: „Acht Tage im Leben sind mehr wert als acht Tage Ruhm nach dem Tode.“ Zudem wurde die Säkularisierung, die Einziehung geistlicher Güter durch den Staat und die Verweltlichung, d.h. die Loslösung von kirchlichen und religiösen Bindungen eingeleitet. Vor allem auch im Zusammenhang mit der skeptischen Beurteilung der Wissenschaft wurden die traditionellen kirchlichen Einflüsse in diesem Bereich völlig unterbunden.

7. Schule und Bildung

Die Bildung des Menschen war die Grundvoraussetzung, um ihn in die Mündigkeit zu führen, so entstanden Volksschulen, doch sollte die eigentliche Aufgabe der Erziehung das Wecken der zentralen Fähigkeit des vernünftigen Verhaltens sein. Denn nur durch vernünftige Menschen war der Aufbau einer selbstbestimmenden (demokratischen) Gesellschaft möglich und nur durch mündige und vernünftige Menschen werde Fortschritt erst möglich (z.B. wissenschaftliche Forschung und Systematisierung). Rousseau ging sogar so weit, dass er jeglichen Einfluss auf die natürliche Entwicklung des Menschen als schädlich beurteilte. Er vertrat also schon die Ideen einer antiautoritären Erziehung.

8. Kunst

Wie bereits erwähnt, kam die geistige Wende der Aufklärung auch im Bereich der Kunst zum Ausdruck. So ist etwa der Klassizismus (ca. 1770 - 1830) Ausdruck des offenen Geistes der Aufklärung. In der Architektur waren Helligkeit, Einfachheit, Klarheit und Rationalität gefragt (siehe auch 1.). In den Werken der griechischen Klassik glaubte man das ewig gültige Mass der Schönheit gefunden zu haben, das den Anforderungen der Vernunft entsprach.

In der Klassik stand die Erziehung und Bildung des Menschen durch die Kunst im Mittelpunkt (siehe 7.), diese sollte der Vernunft dienen, zur Vernunft erziehen. Weiter waren Humanität und Gewaltfreiheit wichtige Forderungen der Klassiker. Diese glaubten zudem an eine positive Bestimmung des Menschen (Optimismus).

Mit dem Aufstieg des Bürgertums im 18. Jahrhundert entstand auch das bürgerliche Trauerspiel (Tragödie), in welchem die Auseinandersetzung mit dem absolutistischen System ein zentrales Thema war.

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Details

Titel
Die Ziele der Aufklärung und ihre Einflüsse auf verschiedene Bereiche der menschlichen Gesellschaft
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
3
Katalognummer
V103771
Dateigröße
331 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ziele, Aufklärung, Einflüsse, Bereiche, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Marco Thoma (Autor:in), 2000, Die Ziele der Aufklärung und ihre Einflüsse auf verschiedene Bereiche der menschlichen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103771

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