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Die kosmische Weltkatastrophe im Film "Melancholia" (2011, Lars von Trier). Verlust des Sublimen in der Moderne

Title: Die kosmische Weltkatastrophe im Film "Melancholia" (2011, Lars von Trier). Verlust des Sublimen in der Moderne

Term Paper (Advanced seminar) , 2016 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Tetyana Lysenko (Author)

Film Science
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Die Arbeit setzt sich mit der kosmischen Weltkatastrophe im Film "Melancholia" von Lars von Trier auseinander. Der Begriff der Apokalypse in gegenwärtiger Literatur und Filmen soll weder dem griechischen Wortsinn entsprechend als Enthüllung oder Offenbarung, noch als Untergang oder Grauen aufgefasst werden, wie es in der modernen Allgemeinbedeutung üblich ist. Die Apokalypse ist vielmehr als ein Prisma zu verstehen, als ein spezifisches Modell, in dem mehrdimensionale Wirklichkeits- und Geschichtsdeutungen möglich werden.

Von dieser Prämisse ausgehend setzt die Arbeit die ursprünglich aufgestellte These fort: Laut Latour ist das Sublime im Verhältnis zwischen Mensch und Natur im Anthropozän verloren gegangen. In dem Film "Melancholia" spiegelt sich dieser Verlust wider; das Sublime wird hier auf verschiedenen Ebenen durchbrochen.

Der Verlust des Erhabenen oder das Anti-Sublime, das bei Trier als etwas Apokalyptisches zu verstehen ist, geht auch aus weiteren Narrationssträngen sowie aus der Filmästhetik hervor und erfordert eine nähere Auseinandersetzung. Daher erweitere ich meine ursprüngliche These für diese Arbeit wie folgt: Der durch die Kollision mit dem fremden Planten dargestellte Weltuntergang figuriert in dem Film "Melancholia" als Metapher des Zusammenbruchs des abendländischen Wertesystems.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Analysedimensionen

1.1. Das Sublime: Begriffsdifferenzierung

1.2. Das Anthropozän: Begriffsdiferenzierung

1.3. Latours Gaia-Konzept

1.4. Der Mensch im Rationalisierungsprozess: “Biopolitik” von Michel Foucault

1.5. Der Topos vom Ende der Kunst

1.6. Katastrophenverständnis im Kontext der (Post-)Moderne

2. Filmanalyse: Der Untergang der Moderne

2.1. John und Claire – Anthropozän, Vernunft, Fortschrittsglaube

2.2. Justine – das apokalyptische Chaos

2.3. Apokalypse der Repräsentation

3. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Film "Melancholia" von Lars von Trier als eine filmische Metapher für den Zusammenbruch des abendländischen Wertesystems und die Selbstzerstörung der Moderne. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der durch eine planetare Kollision dargestellte Weltuntergang die theoretischen Konzepte der "Dialektik der Aufklärung" und den Verlust des Erhabenen (Sublimen) im Anthropozän widerspiegelt.

  • Die philosophische Analyse des Anthropozäns und des Gaia-Konzepts von Bruno Latour.
  • Die Untersuchung der "Biopolitik" nach Michel Foucault im Kontext moderner Rationalität.
  • Die filmästhetische Auseinandersetzung mit dem "Ende der Kunst" und der Krise der Repräsentation.
  • Die allegorische Charakterstudie der Hauptfiguren Justine und Claire zur Darstellung gegensätzlicher Weltsichten.
  • Die Reflexion über das Genre des Katastrophenfilms und dessen Wandlung im postmodernen Diskurs.

Auszug aus dem Buch

2.2 Justine – das apokalyptische Chaos

Mittels der Figur der Justine, die durch die irrational vorhergesagte Apokalypse nicht nur den wissenschaftlichen Rationalismus des Westens in Frage stellt, kritisiert von Trier auch den Egozentrismus, das geistige Abstumpfen der westlichen Gesellschaft, der nichts übrigbleibt, als ihre Kleingeistigkeit und ihre materialistisch orientierte Denk- und Lebensweise durch die Fassade schöner Rituale, alter Traditionen und glänzenden Auftretens zu kompensieren. Hier tritt wieder das Phänomen der bürgerlichen Gesellschaft in die Szene, ein durch Aufklärung und Kapitalismus herausgebildetes soziales Modell, das im westeuropäischen Kulturkreis, wie der Regisseur es veranschaulicht, nach wie vor prägend ist und erstrebenswert scheint.

Allerdings zeigt er gleichzeitig, dass dieses Modell heutzutage nur noch eine Farce ist. In den meisten seiner Filme wird das europäische Bürgertum kritisch behandelt, doch nur in Melancholia lässt er diese Gesellschaft mit Vergnügen zugrunde gehen. Hinsichtlich dieser Thematik lässt sich in Melancholia eine gewisse Gemeinsamkeit mit der apokalyptischen Narrativik von Dostojewskij feststellen, die Hermann Hesse unter dem Topos vom „Untergang Europas“ verortet. Die Figur der Justine ist ein Konstrukt, das in der Filmnarration die gleiche Funktion erfüllt wie Dostojewskijs Romanfiguren Fürst Myschkin in „Der Idiot“ oder die Karamazovs in „Die Brüder Karamazov“. Wie letztere tritt Justine als Prophetin, als eine solche Kranke auf, der „der gesunde, gute, wohltätige Sinn für die Selbsterhaltung, der Inbegriff aller bürgerlichen Tugenden, verloren gegangen ist.“

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Diese Einleitung verortet das Thema im Rahmen des Seminars „Katastrophe in Literatur und Film“ und formuliert die These, dass der Film als Metapher für den Zusammenbruch des abendländischen Wertesystems fungiert.

1. Analysedimensionen: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen wie das Sublime, das Anthropozän, das Gaia-Konzept, die Biopolitik nach Foucault sowie den Topos vom Ende der Kunst.

2. Filmanalyse: Der Untergang der Moderne: Hier erfolgt die eigentliche Untersuchung der Filmfiguren und der Ästhetik, wobei Justine und Claire als allegorische Konstrukte und die Katastrophenästhetik als Kritik an der Moderne analysiert werden.

3. Schluss: Die Schlussfolgerung resümiert, dass das aufklärende Denken zur Selbstzerstörung führt und der Film das Scheitern des Rationalismus symbolisch darstellt.

Schlüsselwörter

Melancholia, Lars von Trier, Anthropozän, Dialektik der Aufklärung, Apokalypse, Katastrophenfilm, das Sublime, Moderne, Postmoderne, Ende der Kunst, Biopolitik, Gaia-Konzept, Repräsentation, Filmfigur, Rationalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Lars von Triers Film "Melancholia" als eine filmische Auseinandersetzung mit dem Zusammenbruch moderner westlicher Werte und dem Ende der Aufklärung.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Untersuchung umfasst die Philosophie der Aufklärung, die ökologische Krise des Anthropozäns, sozialphilosophische Konzepte des 20. Jahrhunderts und die Ästhetik des zeitgenössischen Katastrophenfilms.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Film durch allegorische Figuren und eine spezifische Ästhetik das Scheitern eines rationalistischen Weltbildes darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es wird eine filmsemiotische Figurenanalyse in Verbindung mit sozialphilosophischen Diskursanalysen verwendet, gestützt auf Modelle von Cassetti und Faulstich.

Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Einbettung sowie eine detaillierte Figurenanalyse von John und Justine als Repräsentanten gegensätzlicher Weltanschauungen.

Was zeichnet die Arbeit in Bezug auf Schlüsselwörter aus?

Die Arbeit verknüpft kunstphilosophische Begriffe wie das "Sublime" oder "Ende der Kunst" eng mit aktuellen gesellschaftlichen und ökologischen Debatten.

Inwiefern stellt die Figur der Justine einen Wendepunkt im Film dar?

Justine verkörpert durch ihre Krankheit und Intuition den Gegenentwurf zum bürgerlichen Rationalismus und fungiert als Prophetin des Weltuntergangs.

Welche Rolle spielt die "Pre-Impact-Phase" in der Analyse?

Diese Phase wird genutzt, um die Kollision der zwei unterschiedlichen Wertesysteme – die Hochzeitsgesellschaft und Justine – kontrastreich hervorzuheben.

Warum lehnt der Regisseur laut Autor moderne Special Effects ab?

Der Regisseur möchte keine gewöhnlichen Zerstörungsszenarien zeigen, sondern den Fokus auf eine symbolische und ästhetisch reflektierte Ebene des Weltuntergangs legen.

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Details

Title
Die kosmische Weltkatastrophe im Film "Melancholia" (2011, Lars von Trier). Verlust des Sublimen in der Moderne
College
Bielefeld University
Grade
1,7
Author
Tetyana Lysenko (Author)
Publication Year
2016
Pages
23
Catalog Number
V1037798
ISBN (eBook)
9783346452467
ISBN (Book)
9783346452474
Language
German
Tags
Katastrophe im Film Melancholia von Trier Dialektik der Aufklärung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tetyana Lysenko (Author), 2016, Die kosmische Weltkatastrophe im Film "Melancholia" (2011, Lars von Trier). Verlust des Sublimen in der Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1037798
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