Der Hoffnungsbegriff nimmt in der Religionsphilosophie eine zentrale Stelle ein, ist für das Christentum beispielsweise eine der Haupttugenden; und wird auch gegenwärtig als ein zentrales Phänomen der menschlichen Existenz angesehen und dies auch ohne eine religiöse Konnotation. Doch was wäre unter Hoffnung zu verstehen, in welcher Beziehung steht sie zur Religion und zu säkularen, philosophischen Diskursen?
Neben dieser kurzen Problemerörterung wird hauptsächlich der wohl bekannteste Versuch einer systematischen, konkreten Einordnung und Bewertung des Hoffnungsbegriffs in den Blick genommen, welcher mit dem Hauptwerk Ernst Blochs vorliegt, dem Prinzip Hoffnung. Es werden die zentralen Begrifflichkeiten der Bloch'schen Arbeit – das Noch-Nicht-Bewusste, das Mögliche, die konkrete Utopie – expliziert und in den im Seminar erarbeiteten Kontext des Messianismus und messianischer Elemente von Walter Benjamin, Max Horkheimer und Theodor W. Adornos gestellt. Es handelt sich um vier Personen, die sich teilweise untereinander kannten und engen Austausch pflegten und durch ähnliche Schicksale geprägt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Phänomen Hoffnung
2.1 Noch-Nicht – Hoffnung bei Bloch
2.1.1 Das Noch-Nicht-Bewusste/ Noch-Nicht-Seiende und die Komposition des Suchens
2.1.2 Das Mögliche
2.1.3 Die konkrete Utopie
2.3 Das Messianische
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Hoffnungsbegriff in der Religionsphilosophie und stellt diesen in den Kontext des Hauptwerks von Ernst Bloch, „Das Prinzip Hoffnung“. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, wie Hoffnung systematisch eingeordnet werden kann und in welcher Beziehung sie zu säkularen Diskursen sowie messianischen Elementen bei zeitgenössischen Denkern steht.
- Analyse des Hoffnungsbegriffs als zentrales Phänomen menschlicher Existenz.
- Explikation der Bloch’schen Kernbegriffe: Noch-Nicht-Bewusste, das Mögliche und die konkrete Utopie.
- Gegenüberstellung von Blochs Hoffnungskonzept mit den messianischen Ansätzen von Walter Benjamin, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno.
- Untersuchung der Verbindung von Philosophie und gesellschaftlichem Fortschrittsglauben.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das Noch-Nicht-Bewusste/ Noch-Nicht-Seiende und die Komposition des Suchens
Hoffnung ist für Bloch eine docta spes, eine gelernte (und lernbare Hoffnung). Entgegen der in der Philosophiegeschichte vorangegangenen Diskussion um den Hoffnungsbegriff unternimmt Bloch den Versuch, sie nicht als ein Affekt oder ein bloßes (passives) Gefühl dastehen zu lassen, sondern macht sie zu einem Begriff, und folglich auch damit rational zugänglich. Wenden wir uns dem Prinzip dieser Hoffnung nun zu. Ein Element dessen ist das Nocht-Nicht-(Sein).
Um das Nocht-Nicht, bzw. das Noch-Nicht-Bewusste verständlich zu machen, muss mit dem Seins-Begriff begonnen werden. Für Ernst Bloch steckte die Philosophie bis zum Marx'schen Materialismus in einer retrospektiven Seinsschau. Das Sein wurde fest-gestellt und die Frage nach dem Offenen und dem Noch-Nicht-Sein wurde nicht in erfüllbarer Weise behandelt. Was den Seins-Theorien bis Marx nicht zukommt ist ein Wissen um eine bewusste Theorie-Praxis, die auf Veränderung abzielt und werdendes und darin Entscheidbares betrifft und es in den Fokus nimmt.
Zu Beginn seines Werks setzt Bloch eine anthropologische These: der Mensch ist von Geburt an unbestimmt drängend, als Streben sich äußernd. Sobald es gefühlt wird, ist es ein Sehnen; und dieses nach außen hin. Es ist jedoch noch nicht auf etwas gerichtet. Sobald es auf etwas gerichtet ist, wird es ein Suchen, welches letztendlich als Trieb, der mit einem Bedürfnis gleichgesetzt wird, firmiert. Bei dieser – als Komposition des Suchens nennbaren – Aufteilung bleiben die genaueren, und vor allem inhaltlichen Kriterien durch die emphatische Sprache Blochs vage, beinahe versperrt. Wie einige Textstellen jedoch durscheinen lassen, scheint die Vagheit gerade ihr besonderer Charakter zu sein. So ist [...] das uns als lebendig [setzende] Daß nicht bekannt, denn es ist ein unbennenbarer, ungreifbarer Anfangspunkt, der obige Komponenten anstößt. Ferner: „Dieser Durst meldet sich stets und nennt sich nicht.“ In dieser Vagheit findet sich der Anfang der Bloch'schen Philosophie: Sie beginnt im Unmittelbaren, im Hier und Jetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Hoffnungsbegriffs ein und verortet ihn zwischen religiösen und säkularen Diskursen, insbesondere unter Bezugnahme auf Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“.
2. Das Phänomen Hoffnung: Das Kapitel beleuchtet die historische und begriffliche Herleitung der Hoffnung von antiken Mythen bis hin zu ihrer Bedeutung im Judentum und Christentum.
2.1 Noch-Nicht – Hoffnung bei Bloch: Hier wird der Kern von Blochs Philosophie dargestellt, wobei Hoffnung als lernbarer Begriff verstanden und von bloßen Affekten abgegrenzt wird.
2.1.1 Das Noch-Nicht-Bewusste/ Noch-Nicht-Seiende und die Komposition des Suchens: Das Kapitel analysiert die anthropologischen Grundlagen des Suchens und des Noch-Nicht-Bewussten als Ausgangspunkt für menschliches Streben.
2.1.2 Das Mögliche: Dieser Abschnitt untersucht die materiellen Bedingungen, die notwendig sind, damit aus dem Noch-Nicht-Bewussten eine reale Möglichkeit entstehen kann.
2.1.3 Die konkrete Utopie: Hier wird die „konkrete Utopie“ als Zielpunkt menschlichen Strebens definiert, die sich durch den Gesellschaftsentwurf des Sozialismus realisieren lässt.
2.3 Das Messianische: Dieses Kapitel vergleicht Blochs messianisches Denken mit den Ansätzen von Benjamin, Adorno und Horkheimer, insbesondere im Hinblick auf deren negative Geschichtsphilosophie.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von Blochs Philosophie zusammen und reflektiert die Differenzen zu seinen Zeitgenossen innerhalb der kritischen Theorie.
Schlüsselwörter
Hoffnung, Ernst Bloch, Noch-Nicht-Bewusste, konkrete Utopie, Messianismus, Dialektischer Materialismus, kritische Theorie, Walter Benjamin, Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Religion, Philosophie, Utopie, Anthropologie, Existenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das menschliche Phänomen der Hoffnung und widmet sich schwerpunktmäßig der systematischen Analyse des Hoffnungsbegriffs in Ernst Blochs Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Religionsphilosophie, die Bloch’sche Utopielehre, geschichtsphilosophische Betrachtungen und die Analyse messianischer Elemente in der kritischen Theorie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Hoffnung nicht als passiven Affekt, sondern als begriffliches, rational zugängliches Prinzip zu explizieren und in Beziehung zu den Ansätzen von Denkern wie Adorno, Benjamin und Horkheimer zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit verwendet eine philosophisch-systematische Methode, die zentrale Begrifflichkeiten analysiert und in den Kontext der jeweiligen Denker sowie deren historischer Zeitbedingungen stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung von Blochs Kernkonzepten (Noch-Nicht-Bewusste, das Mögliche, konkrete Utopie) und eine vergleichende Analyse der messianischen Haltungen im 20. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Hoffnung, das Prinzip Hoffnung, Noch-Nicht-Bewusste, Messianismus, Utopie und Kritische Theorie.
Wie unterscheidet sich Blochs Hoffnungskonzept von dem der Psychoanalyse?
Während die Psychoanalyse (nach Freud) das Unbewusste oft regressiv als Verdrängung interpretiert, betrachtet Bloch das Tagtraum-Potenzial progressiv als Ausrichtung auf eine gestaltbare Zukunft.
Was versteht man unter dem Begriff „konkrete Utopie“ bei Bloch?
Die konkrete Utopie bezeichnet das Ziel eines besseren, menschwürdigen Lebens, das im Gegensatz zu abstrakten Wunschvorstellungen auf realen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen basiert.
Warum wird die Hoffnung in dieser Arbeit mit dem „Messianischen“ in Verbindung gebracht?
Dies geschieht, da sowohl Bloch als auch seine Zeitgenossen (Adorno, Benjamin, Horkheimer) existenzielle Fragen der Erlösung und des geschichtlichen Fortschritts behandeln, wobei die Hoffnung strukturell auf einen Endpunkt des menschlichen Leidens hindeutet.
- Quote paper
- Jonas Schmitz (Author), 2020, Der Hoffnungsbegriff bei Ernst Bloch im Kontext messianischer Ideen seiner Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1037862