Paul Tillich. Biografischer Überblick von 1933 bis 1965


Ausarbeitung, 2000

4 Seiten, Note: 1


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Paul Tillich

2.Teil: Die amerikanische Zeit (1933-1965)

Erstes Einleben in der Neuen Welt

P. Tillich und seine Familie erreichen am 3. November New York. P. Tillich blieben bis zu Vorlesungsbeginn 3 Monate, um englisch zu lernen. Der Januar 1934 ist ausgefüllt mit der Vorbereitung seiner Vorlesungen, die im Februar 1934 beginnen. Er ist von 1933 - 1934 Gastdozent für Philosophie an der Columbia - Universität. 1933 - 1937 ist er Gastprofessor für Religionsphilosophie und Systematische Theologie am Union Theological Seminary in New York. Er selbst sagt von seinen Vorlesungen: „Übrigens habe ich auf meinen Vortragsreisen die Erfahrung gemacht, daß meine theologischen Grundgedanken direkt in die amerikanische Lage hineinstoßen. Amerika befindet sich in der ersten Periode des theologischen Liberalismus ... Das Entscheidende ist hier die praktisch - liberale Haltung der meisten Kirchen, die Verbindung mit der bürgerlichen Gesellschaft, die schon durch die Abhängigkeit aller Kirchen vom Privatkapital sehr viel größer ist als in Deutschland.“

Professor am „Union Theological Seminary“

1934 hält er zwei Vorlesungen: „Die geistigen Grundlagen der Psychoanalyse“ und „Die religiöse Bedeutung der modernen Kunst“. Sein Englisch war anfangs schlecht, es besserte sich aber im Laufe der Jahre, so daß er auch auswärts Vorträge halten konnte. Von einer steilen Karriere kann in Amerika nicht gesprochen werden. Während P. Tillich in Deutschland schon 1925 „ordentlicher Professor“ war, erhielt er diesen Titel in Amerika erst 1940. Anläßlich dieser Berufung hielt er den Vortrag „Philosophie und Theologie“. Hier heißt es: „Der ungewöhnliche Name für den Lehrstuhl den ich vertrete, ist „philosophische Theologie“. Für mich paßt diese Bezeichnung besser als jede andere, da die Grenzlinie zwischen Philosophie und Theologie das Zentrum meines Denkens und Arbeitens ist.“

P. Tillich liest in den Jahren 1937 - 1940 über Religionsphilosophie und Systematische Theologie. Ab 1945 liest er statt der Religionsphilosophie über Kirchengeschichte und die Geschichte des Christentums. Schon 1934 wurde er in die „Theological Discussion Group“ gerufen. Diese Gruppe traf sich zweimal jährlich und diskutierte anstehende theologische Probleme. Ende der 30er oder Anfang der 40er trat er dem „Philosophy Club“ bei. Hier lernte er die führenden Philosophen der Zeit kennen, z. B. John H. Randall. In Tillichs Blickfeld rückten in zunehmenden Maße die Tiefenpsychologie und deren innerer Bezug zur Religion. Vor allem in seinen Predigten zeigte sich diese Tendenz, besonders in der Predigt: „You are accepted.“ Durch seine Stellung am „Union“ war P. Tillich so stark in eine christliche Gemeinde eingebunden wie nie Deutschland.

Reisen in den Süden und Westen der Vereinigten Staaten

Im Frühjahr 1935 hatte P. Tillich keine Lehrverpflichtungen. Deshalb konnte er vom 1. Januar bis 1. März in Chicago Gastvorlesungen halten.

Am 5. Juli 1935 wird sein Sohn René Stephan Johannes geboren.

Die Europareisen anläßlich der Weltkirchenkonferenz in Oxford 1936 erfüllte sich ein großer Wunsch P. Tillichs. Er begab sich auf eine Europareise. Er verbringt 3 Monate in Holland, Belgien und Frankreich, wo er alte deutsche Freunde trifft. Vom 28. Juni bis 15. August hält sich P. Tillich in Genf auf, wo ein ökumenisches Seminar stattfindet. Hier hält er fünf Vorträge. Innerhalb dieser Zeit feiert er seinen 50. Geburtstag. 1937 findet die in Genf geplante Weltkirchenkonferenz in Oxford statt (12. bis 25. Juni).

P. Tillich war Mitglied der dritten ökumenischen Sektion „Kirche, Volk, Staat im Blick auf die wirtschaftliche Ordnung“. Er sollte den Schlußbericht verfassen, was er dann auch mit Hilfe seines Freundes Adolf Löwe auch tat. „Es war wahrscheinlich das sozial radikalste Dokument, das jemals offiziell von einer christlichen Organisation in die Welt gesandt wurde.“, so Adolf Löwe.

Der Zweite Weltkrieg

P. Tillich war aufgrund von Vorträgen in den Emigrantenkreisen bekannt. 1938 hielt er z. B. einen Vortrag auf einer Protest-Kundgebung gegen Hitlers Judenverfolgung. Im Winter 1936/37 wurde er Vorsitzender der Hilfsorganisation „Self - Help for German Emigrees“, die nach Ausbruch des Krieges dann „Self - Help for Emigrees from Central Europe“ hieß. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, bezog er gegen die Achsenmächte Stellung. Nachdem er sich öffentlich gegen das nationalsozialistische Deutschland ausgesprochen hatte, wurde er von der amerikanischen Regierung aufgefordert an der psychologischen Kriegsführung teilzunehmen. P. Tillich sollte kurze Reden an das deutsche Volk verfassen, die einmal in der Woche über den Radiosender „Die Stimme Amerikas“ gesendet werden sollten. Die Wahl fiel auf ihn, da man annahm, daß er mit seiner Liebe zu Deutschland, das Vertauen der Deutschen gewinnen könne. Zwischen 1942 und 1944 verfaßte er die Reden an seine deutschen Freunde. Im Laufe der Zeit wurde im klar, daß man zwei verschiedene Arten von Deutschland unterscheiden muß und versuchte dieses auch den Amerikanern klarzumachen. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr kämpfte er einen Zweifrontenkrieg, auf der einen Seite gegen das nationalsozialistische Deutschland, auf der anderen Seite gegen den in Amerika aufkommenden Deutschenhaß. 1944 will er den Kampf gegen die Zerstückelung Deutschlands aufnehmen. Er wurde erster Vorsitzender des „Council for a Democratic Germany“. Diese Verbindung löste sich aber schon im Mai 1945 auf und konnte auf der Konferenz von Jalta nicht einmal eine gemeinsame Erklärung einreichen.

Erste Deutschlandreise nach dem Krieg

1948 ist P. Tillich das erste Mal wieder in Deutschland. Die Universität Marburg lädt ihn ein das Sommersemester 1948 Vorlesungen über Systematische Theologie zu halten. Er hält in ganz Deutschland mehrere Vorträge.

Professor am „Union Theological Seminary“

Wieder in New York begeistert P. Tillich weiterhin seine Studenten. Im Frühjahr 1951 wird der erste Band seiner „Systematischen Theologie“ veröffentlicht. 1952 erscheint „Der Mut zum Sein“.

Spätere Deutschlandreisen

Erst 1951 kam P. Tillich wieder nach Deutschland. Diesmal war er nach Berlin geladen, um seine „Systematische Theologie“ zu halten. In Glasgow erhielt er den Ehrendoktor. Auch 1952 war er in Deutschland, verbrachte aber auch einen Teil in England. 1953 und 1954 standen im Zeichen der „Gifford Lectures“ jener Vorlesungs - Stiftung der Universität in Aberdeen. Er las in beiden Jahren über „Die Existenz und der Christus“, womit er den Grund für den 1957 erschienen zweiten Band seiner Systematik legte.

1956 trat zum ersten Mal seine Vereinbarung mit der Universität Hamburg in Kraft, alle zwei Jahre im Sommersemester dort zu lesen. 1962 erhält er den „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“. 1963 las er in Zürich Teile aus seinem dritten Band der Systematik.

„University Professor“ an der „Harvard University“ in Cambridge

1955 bis 1962 wird P. Tillich zum University Professor berufen.Dieses ist in den USA der höchste akademische Titel. Seine Berufung war allerdings umstritten, an der Philosophie - Fakultät durfte er nicht lesen. 1959 erschien der erste Band seiner „Gesammelten Werke“ (insgesamt 14 Bände). Er selbst sagte, um am besten in sein Werk einzusteigen, solle man zuerst seine Predigten lesen. Man war der Meinung „nicht das Erscheinen der Systematischen Theologie war das wichtige Resultat des Wirkens P. Tillichs während seiner Jahre an der Universität in Harvard, sondern der Eindruck seiner Vorträge und Vorlesungen auf die amerikanische Jugend.“.

„John Nuveen Professor“ an der Federated Theological Faculty“ in Chicago

Hier begann die Tätigkeit P. Tillichs 1962. Es wurde nur eine regelmäßige Lehrtätigkeit von dem 75 jährigem erwartet. 1963 wird der dritte Band der „Systematischen Theologie“ veröffentlicht.

Das Ende

Am 11. Oktober 1965 hält er seine letzte öffentliche Vorlesung über „Die Bedeutung der Religionsgeschichte für den systematischen Theologen“. Am 22. Oktober desselben Jahres stirbt er an einem Herzinfarkt. Am 29. Mai 1966 wird er in New Harmony beerdigt. Hier entstand auch der Paul - Tillich - Park.

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Details

Titel
Paul Tillich. Biografischer Überblick von 1933 bis 1965
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
4
Katalognummer
V103792
Dateigröße
329 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biographie, Paul Tillich
Arbeit zitieren
Kirsten Fricke (Autor), 2000, Paul Tillich. Biografischer Überblick von 1933 bis 1965, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103792

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