Das Hauptziel der Arbeit liegt darin, die Rolle der Rechnungslegung im Ausbruch der globalen Finanzkrise darzustellen, die 2007 als Immobilienkrise in den USA begann und deren Auswirkungen bis heute noch anhalten. Auf diesem Fundament werden die Risiken der Rechnungslegung im Zusammenhang mit der Finanzkrise ermittelt.
Im September 2008 ging Amerikas viertgrößte Investmentbank, Die Lehman Brothers, Pleite und auch deutsche Banken blieben von der Krise nicht verschont. Das weltweite Finanzsystem drohte zu kollabieren, denn auch bei den Banken untereinander gab es kein Vertrauensverhältnis mehr. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Die Bankkonzerne und ihre Bilanzen rückten zunehmend ins Scheinwerferlicht.
Kapitel 1 dient dazu, die Relevanz des Themas und die Problemstellung sowie die Zielsetzung und den Aufbau der vorliegenden Arbeit zu erläutern. Mithilfe des Kapitels 2 wird das Fundament geschaffen, welches dem Leser ein theoretisches Verständnis für das allgemeine Konzept der Internationalen Rechnungslegung sowie der hier betroffenen Rechnungslegungsstandards gibt. Die als bereits bekannt vorausgesetzten Ursachen der Finanzkrise sollen hier nur kurz thematisiert werden.
In Kapitel 3 wird auf Basis der im vorausgehenden Kapitel dargestellten theoretischen Grundlagen, der als wesentlich herausgearbeitete Kritikpunkt an der Bilanzierung nach IFRS, die Fair Value Bewertung und die damit einhergehenden Probleme, abgeleitet. Auf Grundlage dessen wird ein kurzer Überblick über die vielfältigen Anwendungsbeispiele aus den Bilanzen deutscher Großbanken dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz des Themas und Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Finanzkrise
2.2 IFRS für Finanzinstrumente
3 Der Fair Value als Auslöser der Finanzkrise
3.1 Kritik am Fair Value
3.2 Ad Hoc Änderung zu IAS 39
4 Fair Value Bilanzierung im Spiegel deutscher Großbanken
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Rechnungslegung – insbesondere der Fair-Value-Bewertung – im Kontext der globalen Finanzkrise ab 2007, um die damit verbundenen Risiken für Finanzinstitute zu analysieren und kritisch zu bewerten.
- Grundlagen der internationalen Rechnungslegung (IFRS) und ihre Anwendung auf Finanzinstrumente.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Fair Value als prozyklischem Brandbeschleuniger der Finanzkrise.
- Analyse der Ad-hoc-Änderungen an IAS 39 und deren Auswirkungen auf die Bilanzen von Banken.
- Empirische Betrachtung der Fair-Value-Bilanzierung anhand der Geschäftsberichte der Deutschen Bank und Commerzbank.
Auszug aus dem Buch
3.1 Kritik an der Fair Value Bewertung
Insgesamt stand der FV im Rahmen der Finanzkrise unter heftiger Kritik. Deutschlands oberster Bankenaufseher Jochen Sanio bezeichnete ihn 2008 sogar als Brandbeschleuniger der Finanzkrise. Bundesbank Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler glaubte, dass der FV „Schwankungen der Wirtschaftsentwicklung verstärkt“. Auch auf internationaler Ebene war diese Meinung vertreten: EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy sagte, dass die Krise durch die FV-Bewertung verschlimmert wurde.
In der Vergangenheit wurde das Auftreten von Krisen jedoch regelmäßig in Verbindung zu bestehenden Bilanzierungsvorschriften gebracht. Es erscheint leicht, die Rechnungslegung bei auftretenden Problemen verantwortlich zu machen, denn die Standard-Setter stehen ohnehin immer wieder in der Kritik. Ihr Image ist sowieso schon nicht unbelastet. Vorwürfe an diese Adresse verpflichten zudem Niemanden unmittelbar zu handeln. Im Gegenteil: Ersteller, Prüfer und Adressaten der Rechnungslegung hingegen sehen sich in der Regel eher als Opfer denn als Täter, und weisen jede Mitverantwortung von sich. Somit stellt sich auch die Frage, wo der Beitrag der zuletzt genannten Beteiligten im Ausbruch der Krise liegt.
Ebenso hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass der FV in guten Zeiten, wie sie es vor der Krise waren, überzogene Gewinnerwartungen hervorruft. Somit fand er in den vorangegangenen Zeiten des Aufschwungs größte Unterstützung. Doch so wie er im Aufschwung zu erfreulichen Gewinnen führte wurde er dann in Zeiten des Abschwungs zum „Überbringer der schlechten Botschaft“: es entstanden erhebliche Verluste und Eigenkapitalminderungen. Folglich erlitt der ehemals als „Hoffnungsträger und Flaggschiff“ betrachtete FV eine Wandlung vom „Helden zum Schurken“. Die FV Bewertung hat also einen prozyklischen Effekt. In extremen Marktsituationen, die Finanzkrise ist als solche zu bezeichnen, wird die Volatilität, also die Schwankung des Marktes, verstärkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Thematik sowie die Zielsetzung und Struktur der Arbeit vor dem Hintergrund der Finanzkrise.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die Ursachen der Finanzkrise sowie die Grundlagen der IFRS-Rechnungslegung und die Kategorisierung von Finanzinstrumenten nach IAS 39 dargelegt.
3 Der Fair Value als Auslöser der Finanzkrise: Dieses Kapitel analysiert die Kritik an der Fair-Value-Bewertung sowie die regulatorische Ad-hoc-Anpassung zu IAS 39 während der Krise.
4 Fair Value Bilanzierung im Spiegel deutscher Großbanken: Es erfolgt eine praxisbezogene Untersuchung der Auswirkungen der Fair-Value-Bilanzierung anhand der Geschäftsberichte der Deutschen Bank und der Commerzbank.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Rolle der Rechnungslegung bei der Verschärfung der Krise zusammen und gibt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Standards.
Schlüsselwörter
Fair Value, Finanzkrise, IFRS, IAS 39, Bankbilanzen, Bilanzierung, Eigenkapital, prozyklischer Effekt, Finanzinstrumente, Deutsche Bank, Commerzbank, Volatilität, Standardsetzung, Finanzmarktkrise, Rechnungslegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Fair-Value-Bewertung nach IFRS-Standards und der Verschärfung der globalen Finanzkrise ab 2007.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der IFRS, die spezifische Kritik am Fair Value, die Ad-hoc-Änderungen an IAS 39 sowie die Analyse bankenspezifischer Geschäftsberichte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Rolle der Rechnungslegung als mögliche Verstärkerin der Finanzkrise darzustellen und die Risiken aufzuzeigen, die mit der Bewertung zum beizulegenden Zeitwert einhergehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte theoretische Analyse sowie eine fallstudienartige Auswertung der Geschäftsberichte ausgewählter deutscher Großbanken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen erläutert, gefolgt von einer kritischen Reflexion des Fair Value und der praktischen Untersuchung der Bilanzierung bei der Deutschen Bank und Commerzbank.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Fair Value, Finanzkrise, IFRS, IAS 39 und Bankbilanzen charakterisieren.
Warum wird der Fair Value als "Brandbeschleuniger" bezeichnet?
Weil der Fair Value in Abschwungphasen zu einer prozyklischen Abwärtsspirale führt: Sinkende Marktpreise erzwingen Abwertungen, die das Eigenkapital mindern und Banken zum Verkauf von Vermögenswerten zwingen, was die Preise weiter drückt.
Welche Auswirkung hatte die Änderung an IAS 39 auf die Banken?
Die Ad-hoc-Änderung erlaubte es den Banken, Finanzinstrumente in andere Kategorien umzugliedern und so eine sofortige erfolgswirksame Abschreibung auf den Fair Value zu vermeiden, was ihre Eigenkapitalbasis stabilisierte.
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- Anonym (Author), 2019, Die IFRS-Rechnungslegung und ihre Rolle in der Entstehung der Finanzmarktkrise von 2007, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1038014