Die Fingerabdruckspur und ihre Historie. Daktyloskopie als erfolgreiche Methode der Strafverfolgung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2021

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Daktyloskopie

3. Aufklärung durch Daktyloskopie
3.1 Kriminalfälle
3.2 Fallanalyse – Was, wenn?

4. Fingerabdruck als Spur
4.1 Beweiskraft
4.2 Fehlerquote

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Websites
6.2 Bilder
6.3 Bücher

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit bearbeite ich die Fragestellung „ Die Historie der Fingerabdruckspur - Wie hat die Methode der Daktyloskopie maßgeblich zu einer besseren Strafverfolgung beigetragen? “.

Der Fingerabdruck; er lässt sich an den meisten Tatorten sicherstellen und führt die Polizei oft zuverlässig zum Täter. Jeder kennt ihn und seine Rolle im Strafverfahren. Allein schon aus dem Fernsehen, wo er in Serien wie CSI oder Tatort immer wieder hervorgehoben wird. Aber auch in Büchern wie Sherlock Holmes ist der Fingerabdruck immer präsent. Aber wie kam es überhaupt zur Entdeckung des Fingerabdrucks und wer kam auf die Idee ihn zur Überführung von Tätern zu verwenden? Wie entwickelte sich von dort an die Prozedur, die wir heute Daktyloskopie nennen? Und ist diese so hilfreich wie es uns in so manchen TV-Serien und Büchern vorgeführt wird? Falls ja, warum? Diese Fragen werde ich in meiner Hausarbeit bearbeiten und versuchen so gut es geht zu beantworten.

Die Geschichte der Daktyloskopie und die Erkenntnisse, welche man im Laufe der Zeit sammelte, sind daher ein unablässiger Teil dieser Ausarbeitung. Ich setze diesen Punkt unter anderem daher an den Anfang meiner Hausarbeit, weil ich zuerst den groben Verlauf der Fingerabdruckspur darlegen möchte und wie sie zu dem wurde als die wir sie heute kennen, bevor ich auf ihre Eigenschaften und Wertigkeit in heutigen Verfahren eingehen möchte.

Im weiteren Verlauf werde ich dann drei von mir herausgesuchte Kriminalfälle darstellen und genauer untersuchen. Wie konnte die Daktyloskopie damals helfen und wäre es überhaupt zu einer Aufklärung gekommen, hätte man sie nicht zur Verfügung gehabt?

Im letzten Teil der Hausarbeit gehe ich dann auf die Beweiskraft des Fingerabdruckes als Spur ein. Das ist insofern wichtig, da ich die Fingerabdruckspur so noch genauer darstellen kann. Da aber auch die Daktyloskopie über Fehler verfügt, mit denen sich allerdings noch nicht die große Mehrheit beschäftigt hat, werde ich zuletzt auf die Fehlerquote eingehen.

Am Ende folgt dann das Fazit.

2. Geschichte der Daktyloskopie

Was ist eigentlich die Daktyloskopie? Der Begriff stammt aus dem Griechischen und lässt sich in etwa mit „Fingerschau“ übersetzen. Durchaus treffend, denn sie beschreibt die Strukturen der menschlichen Fingerkuppe, den Fingerabdruck. Einen Fingerabdruck haben die Menschen schon immer besessen.

Schon 1684 fielen dem Botaniker Nehemia Grew die charakteristischen Strukturen auf der Fingeroberfläche auf. Er beschrieb sie damals in einer Ausarbeitung erstmalig als Hautrillen, Furchen, Täler und Porenstrukturen.

Während des 18. Jahrhundert untersuchten Forscher die Fingerabdrücke weiter und beschrieben ihrerseits die unterschiedlichen Strukturen des Fingerabdrucks. Eine großartige wissenschaftliche Bedeutung hatte dieser jedoch kaum.1

1880 veröffentlichte der schottische Arzt Henry Faulds einen Artikel, in dem er über Fingerabdrücke schrieb und entfachte somit eine Debatte, der sich auch Francis Galton anschloss. Diesem gelang es im Jahr 1888 dem Fingerabdruck eine tiefere Bedeutung zuzuschreiben. Galton gilt als einer der Gründerväter des Fingerabdruckverfahrens, heute auch Daktyloskopie genannt und veröffentliche damals auf Grundlage einer ausführlichen Studie seine Ausarbeitung zu dem Thema. Galton beschrieb darin erstmalig die von ihm genannte Minutia-Eigenschaft des Fingerabdrucks. Diese bedeutet, dass jeder Fingerabdruck über individuelle Papillarlinien verfügt. Er untersuchte die Abdrücke, indem er sie in kleinere Bereiche unterteilte und stellte so ihre Individualität fest. Da dies bedeutete, dass jeder Mensch zu dieser Zeit einen eigenen und einmaligen Fingerabdruck besitzen müsse, beschäftigte Galton sich mit dem Problem seine These entsprechend zu beweisen. Galton konnte mathematisch belegen, dass die Wahrscheinlichkeit zweier Personen mit demselben Fingerabdruck absolut gering war. Um genau zu sein gerade einmal bei 1 zu 64 Milliarden. Aus dieser Information entstand die Idee den Fingerabdruck auch als Beweismittel im Rahmen der Strafverfahren zu verwenden. Galton entwickelte dafür ein System der Personenerkennung.2

Neben Francis Galton beschäftigte sich unter anderem auch Sir Edward Henry mit den Fingerabdrücken. Er entwickelte ein System, dass es ihm erlaubte die verschiedenen Fingerabdrücke zu dokumentieren und zu kategorisieren. Er unterteilte die Abdrücke in verschiedene Rubriken abhängig von bestimmten Kriterien. Diese lagerte er allesamt, sodass man sie tatsächlich miteinander vergleichen konnte.

Der Inspektor Ivan Vucetic, welcher ebenfalls von Galtons Forschungen gehört hatte, fing dann an seine und die Fingerabdrücke Festgenommener zu sammeln und nannte dies Daktyloskopie. Im Jahre 1892 löste er aufgrund seines Wissens dann den ersten Mordfall, welcher mithilfe der Daktyloskopie aufgeklärt wurde. Im Jahr 1888 schlug schon der Berliner Tierarzt Wilhelm Eber vor, die Methode der Daktyloskopie zum Zwecke der polizeidienstlichen Erkennung zu nutzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fingerabdrücke von Ivan Vucetic

Erstmalig offiziell machten es schon 1896 die Argentinier. Sie verkündeten, dass Fingerabdrücke von dort an als Beweismittel vor Gericht zu verwerten seien. Großbritannien folgte dem Beispiel der Argentinier kurz darauf im Jahr 1901 und ließen das Verfahren der Daktyloskopie ebenfalls offiziell vor Gesetz zu. In Deutschland dauerte es allerdings noch weitere 20 Jahre bis das Verfahren es schaffte Fuß zu fassen.

Inzwischen werden Fingerabdrücke digital gespeichert, um eine größere Menge zu erfassen. Verglichen werden die Abdrücke heute von Programmen wie AFIS (Automatisiertes Fingerabdruck-Identifizierungs-System). Seit 1993 erfolgt die Recherche dadurch teilautomatisiert. So werden die spezifischen Merkmale eines Fingerabdrucks erkannt und mit anderen gespeicherten abgleichen. Es wird so also nicht der gesamte Abdruck übereinandergelegt, wie man es aus Krimiserien kennt, sondern nur bestimmte Merkmale. So findet das Programm nicht einen genauen Treffer, sondern mehrere in Frage kommende, dessen Merkmale dann immer noch von Menschen in Kleinstarbeit miteinander verglichen werden müssen.

3. Aufklärung durch Daktyloskopie

Noch immer besteht die Frage, ob durch die Entdeckung der Daktyloskopie und die Eigenschaften, die sie mit sich brachte, eine bessere Strafverfolgung möglich war. Nachdem sich das Prinzip der Daktyloskopie etabliert hatte und auch nach und nach vor Gericht zugelassen wurde, finge auch die Polizei in verschiedenen Ländern an sie in die Aufklärung ihrer Fälle miteinzubeziehen. Im Folgenden habe ich dafür drei Mordfälle aus verschiedenen Ländern herausgesucht, die unter anderem durch die Daktyloskopie aufgeklärt worden sind. Hätten diese auch ohne die Daktyloskopie aufgeklärt werden können?

3.1 Kriminalfälle

Argentinien, 1892:

Erstmals wurde ein Verbrechen durch das Prinzip der Daktyloskopie aufgeklärt im Jahre 1892 in Argentinien. Ermordet wurden zwei Kinder, die Mutter wurde verletzt. Anfänglich in Verdacht stand der Nachbar der Familie. Der allerdings hatte ein festes Alibi und so stand die Polizei vor einem Rätsel. Der Inspektor Ivan Vucetic fand schließlich am Tatort einen Fingerabdruck innerhalb einer getrockneten Blutspur und konnte ihn der Mutter der damals getöteten Kinder zuweisen. Diese gab daraufhin zu tatsächlich ihre Kinder ermordet zu haben.3

USA, 1910:

Im Jahre 1910 brach Thomas Jennings, vom Beruf Einbrecher in mehrere Häuser in Chicago ein. In einem dieser Häuser wohnte die Familie Hiller. Nachdem Frau Hiller wach wurde, da ihre Gaslampe ausgegangen war schickte sie ihren Mann los, um dem nachzugehen. Dieser traf dann auf den Einbrecher und starb im Verlauf eines Kampfes durch drei Schüsse. Herr Jennings floh und wurde kurze Zeit darauf von der Polizei aufgegriffen, da er dieser aufgrund der Blutspuren an seinen Klamotten aufgefallen war. Die Polizisten konnten am Tatort Fingerabdrücke sicherstellen, da Jennings während des Kampfes an das frisch gestrichene Geländer gefasst hatte. Diese wurden mit seinen verglichen und Jennings wurde verurteilt.4

Deutschland, 1914:

Erst im Jahr 1914 konnte auch in Deutschland erstmalig ein Mordfall mithilfe der Daktyloskopie aufgeklärt werden. Der Mörder schien nicht zum näheren Umfeld des Opfers, Anna Maria Lehmann, gehört zu haben und genaue Anhaltpunkte gab es nicht. Die Polizei konnte trotz umfangreicher Ermittlungen keinen Täter ausfindig machen. Der Kriminalist Robert Heindl war es der die Polizisten schließlich mit Aluminiumpulver an den Tatort schickte, um Fingerabdrücke zu sichern. Diese fand man an einem Türrahmen und einer Geldkassette. Man sicherte und speicherte die Abdrücke und konnte sie dann per Abgleich einer Frau Müller zuteilen. Die Abdrücke waren allerdings nicht identisch und so wurde in Deutschland festgelegt, dass sich nur mindestens zwölf Merkmale zweier Abdrücke gleichen müssen, um eindeutig einer Person zugewiesen werden zu können.5

3.2 Fallanalyse – Was, wenn?

In jedem der vorliegenden Fälle ist der Fingerabdruck ein wichtiger Bestandteil. Und ohne ihn wäre die Aufklärung nicht oder nur sehr erschwert möglich gewesen. Ich nehme dafür zuerst den argentinischen Fall als Beispiel. Die Polizei konnte den Täter nicht ausfindig machen und der einzig Verdächtige, der Nachbar, hatte ein Alibi. Der Fingerabdruck, der der Mutter zugewiesen werden konnte, führte nicht zur alleinigen Lösung. Immerhin hatte er vor Ort, da auch die Mutter verletzt war und somit als Opfer galt seine Daseinsberechtigung. Doch er führte dazu, dass sich die Mutter in die Enge getrieben fühlte und so ihre Tat gestand. Eine Aufklärung des Falles war also nur durch dieses Geständnis möglich. Und durch den Fingerabdruck hervorgebracht.

Das zweite Beispiel wäre der Fall Jennings in den USA. Die Polizei hatte Herr Jennings schon aufgrund seines auffälligen Aussehens im Voraus entdeckt. Man hatte bei ihm einen Revolver gefunden. Doch eine direkte Verbindung zum Tatort bestand nicht. Zwar fand man am Tatort drei zum Revolver passende Patronenhülsen und die räumliche Nähe war gegeben, doch reichte das wirklich aus? Erst der Fingerabdruck, der am Tatort am Geländer gefunden wurde, führte zu einer Verdachtsverhärtung, dass Jennings den Tod des Herrn Hiller zu verantworten hat. Er bewies, dass Herr Jennings am Tatort sich am Tatort befunden hatte. Zusammen mit den Patronenhülsen die zu seinem Revolver passten ein scheinbar klarer Fall. Wahrscheinlich hätte die Polizei den Fall auch ohne den aufgefundenen Fingerabdruck lösen können, die Frage ist jedoch, ob die Beweislage dafür ausgereicht hätte.

Im dritten Beispiel, Deutschland 1914, ist der Fingerabdruck ebenfalls als ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen anzusehen. Da die Polizei mit normaler Ermittlungsarbeit nicht weiterkam, griff man also auf die Daktyloskopie zurück und fand so den Täter. Die Fingerabdrücke wurden auf Folie gesichert und konnten im Karteisystem abgeglichen werden. Ohne den Fingerabdruck wäre die Mörderin wahrscheinlich nicht gefunden worden.

[...]


1 Vgl. Wigand (2018)

2 Vgl. Evans, C. (1998) S. 119 / 120

3 Vgl. Stark (2013)

4 Vlg. Kramper (2020)

5 Vgl. Becker (2018)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Fingerabdruckspur und ihre Historie. Daktyloskopie als erfolgreiche Methode der Strafverfolgung
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
14
Katalognummer
V1038051
ISBN (eBook)
9783346454171
ISBN (Buch)
9783346454188
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fingerabdruckspur, historie, daktyloskopie, methode, strafverfolgung
Arbeit zitieren
Carina Koch (Autor:in), 2021, Die Fingerabdruckspur und ihre Historie. Daktyloskopie als erfolgreiche Methode der Strafverfolgung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1038051

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