Diskussionsstränge, die sich mit Feldern der Gleichberechtigung und Vielfalt beschäftigen, gehören in der BRD, zumal in akademischen Kreisen, zum festen Bestanteil der gesamtgesellschaftlichen Diskussionskultur. Zyklisch wird in mehr oder weniger reflektierten Debatten mit dem Oberbegriff der „Diversität“ um Nationalität, Geschlecht und Ethnizität gestritten. Ohne in diesem Essay genannte soziale Differenzkonstruktionen und dessen Wichtigkeit der Diskussion zu torpedieren, soll nun auf eine, oft vergessene jedoch grundsätzliche, und mit „race“ und „gender“ ineinandergreifende, Dimension des gesellschaftlichen Trennungsprinzips, der Hierarchisierung und Strukturierung eingegangen werden, dessen Analysen und Diskriminierungsformen unter dem Begriff „Klassismus“ subsumiert und diskutiert werden.
Auch wenn sich der Terminus, zumindest in Deutschland, noch eher wenig Bekanntheit erfreut, denke ich, ist davon auszugehen, dass das inhaltliche Wissen über klassistische Strukturen, zumindest in ihrer Grundsätzlichkeit, wie das Wissen über soziale Herkunft bedingte Bildungsverläufe, weit verbreiteter ist als der theoretisch und analytisch zugänglich machende Begriff. Eine Vermittlung scheint hier also dringend von Nöten.
Inhaltsverzeichnis
4. Klassismus als Herrschaftsverhältnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Klassismus als eine oft vernachlässigte, jedoch fundamentale Dimension gesellschaftlicher Hierarchisierung und Strukturierung, wobei das Ziel darin besteht, ein tieferes Verständnis für klassistische Strukturen und die damit einhergehende symbolische Gewalt sowie Diskriminierungsformen zu vermitteln.
- Analyse von Klassismus als Herrschaftsverhältnis
- Bedeutung des Habitus-Konzepts nach Pierre Bourdieu
- Mechanismen symbolischer Gewalt im Bildungssystem
- Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft und sozialer Position
- Empirische Einblicke in die Abwertung von Obdachlosen und Langzeitarbeitslosen
Auszug aus dem Buch
4. Klassismus als Herrschaftsverhältnis
Diskussionsstränge, die sich mit Feldern der Gleichberechtigung und Vielfalt beschäftigen, gehören in der BRD, zumal in akademischen Kreisen, zum festen Bestanteil der gesamtgesellschaftlichen Diskussionskultur. Zyklisch wird in mehr oder weniger reflektierten Debatten mit dem Oberbegriff der „Diversität“ um Nationalität, Geschlecht und Ethnizität gestritten. Ohne in diesem Essay genannte soziale Differenzkonstruktionen und dessen Wichtigkeit der Diskussion zu torpedieren, soll nun auf eine, m. E. oft vergessene jedoch grundsätzliche, und mit „race“ und „gender“ ineinandergreifende, Dimension des gesellschaftlichen Trennungsprinzips, der Hierarchisierung und Strukturierung eingegangen werden, dessen Analysen und Diskriminierungsformen unter dem Begriff „Klassismus“ subsumiert und diskutiert werden.
Auch wenn sich der Terminus, zumindest in Deutschland, noch eher wenig Bekanntheit erfreut, denke ich, ist davon auszugehen, dass das inhaltliche Wissen über klassistische Strukturen, zumindest in ihrer Grundsätzlichkeit, wie das Wissen über soziale Herkunft bedingte Bildungsverläufe, weit verbreiteter ist als der theoretisch und analytisch zugänglich machende Begriff. Eine Vermittlung scheint hier also dringend von Nöten.
In ihrer gesellschaftlichen Erscheinungsform bezeichnet Klassismus eine diskriminierende und abneigende, bis zu gewaltausübende Haltung gegenüber Personen oder Gruppen, dessen Indikator die soziale Herkunft oder/und die soziale Position darstellen. Die gesellschaftliche Wertung beider Indikatoren (soziale Herkunft und soziale Position) bildet den sozialen Status innerhalb sozialer Strukturen, dem wiederum unterschiedliche Kriterien (Vermögen, Macht, Einkommen etc.) zur Hierarchisierung der Sozialstruktur unterliegen. Klassismusanalysen hinterfragen ihrerseits „Stereotypisierungen und Herabsetzungen, die mit dem sozialpolitischen Status einhergehen“ (Kemper & Weinbach 2009: 11).
Zusammenfassung der Kapitel
4. Klassismus als Herrschaftsverhältnis: Das Kapitel führt in den Begriff Klassismus ein, beleuchtet seine Funktion als Herrschaftsinstrument und diskutiert theoretische Ansätze wie Bourdieus Habitus-Konzept sowie die Rolle symbolischer Gewalt bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit.
Schlüsselwörter
Klassismus, Herrschaftsverhältnis, soziale Herkunft, soziale Position, Diversität, Habitus, symbolische Gewalt, Bildungssystem, Diskriminierung, soziale Ungleichheit, Obdachlosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Klassentheorie, kulturelle Reproduktion, soziale Strukturen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Klassismus als einer Form der gesellschaftlichen Hierarchisierung und untersucht, wie soziale Herkunft und Position Diskriminierung und Machtverhältnisse in Deutschland prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Klassismus, die Rolle des Bildungssystems als Feld der Reproduktion, symbolische Gewalt sowie die Diskriminierung benachteiligter Gruppen wie Obdachlose und Langzeitarbeitslose.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Begriff Klassismus theoretisch fundiert einzuführen und aufzuzeigen, wie klassistische Strukturen unser gesellschaftliches Zusammenleben beeinflussen und legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretisch-analytische Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten, insbesondere den Werken von Pierre Bourdieu, ergänzt durch einen Rückgriff auf empirische Erkenntnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der theoretische Rahmen (Habitus, symbolische Gewalt), die Bedeutung des Bildungssystems für die soziale Selektion sowie spezifische Formen der Diskriminierung aufgrund der sozialen Position analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Klassismus, soziale Herkunft, Habitus, symbolische Gewalt, strukturelle Diskriminierung, soziale Position und gesellschaftliche Reproduktion.
Wie spielt das Bildungssystem bei Klassismus eine Rolle?
Das Bildungssystem fungiert als Selektionsmechanismus, in dem die soziale Herkunft durch den Habitus entscheidet, wer sich im universitären oder schulischen Raum "passend" verhält und entsprechend gefördert oder benachteiligt wird.
Warum sind Obdachlose und Langzeitarbeitslose besonders betroffen?
Diese Gruppen erfahren aufgrund ihrer sozialen Position eine massive Stigmatisierung und Abwertung, die oft durch eine meritokratische Ideologie legitimiert wird, welche ihnen die Schuld an ihrer eigenen prekären Lage zuschreibt.
Was versteht man unter symbolischer Gewalt in diesem Kontext?
Symbolische Gewalt bezeichnet eine subtile Form der Herrschaft, die durch kulturelle Selbstverständlichkeiten und internalisierte Denkstrukturen wirkt, wodurch die Unterworfenen die bestehenden Machtverhältnisse oft unbewusst bejahen und reproduzieren.
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- Leander Fricke (Author), 2020, Klassismus als Herrschaftsverhältnis. Theoretische und Empirische Ausführungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1038607