Kafka, Franz - Der Prozess


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

7 Seiten, Note: 14 P. = 1


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FRANZ KAFKA

- 3.07.1883 in Prag in einer wohlhabenden, jüdischen Familie geboren, als Erstes von 6 Kindern

- 03.05.1924 nach langer Krankheitsgeschichte an TBC

Max Brod, Kafkas langjähriger Freund, kam dem in Kafkas Testament geäußerten Wunsch, alle seine literarischen Werke zu vernichten nicht nach, sondern erhielt sie der Nachwelt.

Die Bedeutung von Kafkas Kindheit und Leben für seine Werke:

Die überforderte Mutter und der grobe, tyrannische Vater Kafkas konnten einen sensiblen Jungen wie Franz Kafka nicht seinen Bedürfnissen entsprechend erziehen. Als Folge der familiären Situation stellen sich bei diesem Isolationsängste, Entfremdungsgefühle, Minderwertigkeit, Schuldvorstel- lungen, Unentschlossenheit und die Unfähigkeit eine stabile Partnerbeziehung zu führen ein. Diese seelischen Zustände prägen die Protagonisten der Erzählwelt Kafkas (Georg Samsa, Josef K.). Auch Kafkas weiteres Leben ist von Unregelmäßigkeiten bestimmt: er kann sich nur schwer für das Jurastudium entscheiden, ver- und entlobt sich mehrmals mit Felice Bauer, kann den Entschluss seinen Beruf aufzugeben, um sich nur dem Schreiben zu widmen nicht realisieren, erkrankt an TBC und verbringt zahlreiche Sanatorium Aufenthalte.

Kafka projiziert in seine Werke vorbehaltlos sein Innerstes, denn im Laufe seiner Entwicklung hat er die Fähigkeit verloren sich selbst und anderen seine psychische Verfassung verständlich zu machen. Als Ausweg bot sich ihm das Schreiben, zumindest wenn er Selbstmord und Geisteskrankheit entgehen wollte.

Werk:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Max Brod veröffentlichte aus Kafkas Nachlass:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kafkas Literatur kam erst nach 1946 - im 3. Reich galt seine Literatur als „entartet“ - über England und Amerika nach Deutschland. Kafka hat mit seiner charakteristischen Prosa einen ungeheuren Einfluss auf die moderne Literatur ausgeübt, einige Strömungen des 20. Jahrhunderts wären ohne sein Vorbild nicht denkbar. Zur Beschreibung des Kafkas so typischen Stils wurde sogar ein Adjektiv kreiert: „Kafkaesk“. 1915 erhielt Kafka den Fontane Preis.

DER PROZESS

„Aber auf keinen Fall wird dem Roman durch die folgende Überlegung, die immerhin ein Eingriff ist, etwas von seinem seit jeher wachsenden Geheimnis genommen.“ Elias Canetti

Inhalt und Aufbau:

Inhaltlich lässt die Handlung eine Art Kreisbewegung erkennen: Sie dreht sich immer um das Gericht, das im Dunklen bleibt. Eine Entwicklung ist, bis auf K.s zunehmende Demotivation was den Kampf gegen das Gericht betrifft, nicht zu erkennen. Auch der Aufbau unterstützt den Charakter der Kreisbewegung: Da das Werk als unvollendetes Fragment hinterlassen wurde, wird über die Anordnung der einzelnen, vertauschbaren Kapitel diskutiert.

- Festnahme in K.s Zimmer, „aus seinem Bett heraus“: drei Männer von K.s Arbeitsstelle der Bank

sind anwesend Gericht fällt in K.s Privat - und Berufsleben ein, K. darf aber seinen Beruf weiterhin ausüben.

K. fühlt sich zunächst überlegen, in den Gesprächen mit Frl. Grubach und Frl. Bürstner verdrängt und verharmlost er den Prozess.

- Telefonische Vorladung zum Gericht: K. kann aufgrund der Gerichtsverhandlung, die aus

Rücksicht auf seine Arbeit auf einen Sonntag gelegt wurde, eine für seine berufliche Karriere wichtige Einladung des Direktor- Stellvertreters nicht annehmen. Vor der Versammlung von Gerichtsbeamten die er intuitiv um die richtige Uhrzeit findet, hält er eine lange Rede in der er offensiv das Gericht angreift und seine Unschuld voraussetzt. Eingriff ins Berufsleben

- Zusammentreffen mit der Frau des Gerichtsdieners: Da K. lange vergeblich auf eine weitere

Vorladung zum Gericht gewartet hat, begibt er sich wieder in das Verhandlungszimmer, wo er nur die Frau des Gerichtsdieners antrifft, die während seines Gesprächs mit ihr vom Studenten Berthold weggetragen wird. K. sucht das Gericht auf, K.s Niederlage · Gerichtskanzleien auf dem Dachboden: In den Gerichtskanzleien, die K. zufällig auf dem Dachboden des Hauses entdeckt, trifft K. auf andere Angeklagte, die demütig auf die Behandlung ihres Falles warten, mit denen ihm allerdings keine Kommunikation gelingt. K. kann sich nicht mehr orientieren und erleidet einen Schwächeanfall mit vorübergehendem Bewusstseinsverlust, sodass er den Leuten in der Kanzlei ausgeliefert fühlt (symbolisch für K.s innere Verfassung!!!). Nachdem ihn der Auskunftsgeber und ein Mädchen zur Tür begleiteten, geht es K. schlagartig besser und er zieht einen Arztbesuch in Erwägung, da er die psychische Belastung des Prozesses nicht als Ursache für die gesundheitlichen Probleme erachtet. K.s Verdrängung und zunehmende Fixierung auf das Gericht werden deutlich.

Gespräch mit Frl. Montag

- Der Prügler: Als K. eines Abends die Bank nach der Arbeit verlassen will, öffnet er die Tür zu einer Rumpelkammer, weil er dahinter menschliche Laute vernimmt. Er trifft eine groteske Szene an: Die zwei Wächter, die ihn festgenommen haben, werden von einem anderen Gerichtsbeamten verprügelt, da sich K. über ihr Verhalten bei der Verhaftung beschwert hat. Obwohl K. das Vorgefallene sehr beschäftigt weist er alle Schuld von sich zurück. Am nächsten Abend trifft K. die selbe Szene unverändert wieder an. Gericht = Allgegenwärtig

- Besuch Onkel Karls - Advokat Huld - Leni: K.s Onkel Karl, der von dem Prozess gehört hat, sucht K. auf um ihn mit dem Advokaten Huld in Kontakt zu bringen, der ihm bei seinem Prozess helfen könne. Huld der ebenfalls schon von K.s Prozess gehört hat und scheinbar mehr über dieses zweite Gerichtssystem weiß, erklärt sich bereit K. zu vertreten. Dieser trifft mit dem

Dienstmädchen Hulds, Leni, zusammen, das sich auf animalische Weise versucht K. anzunähern und ihm ihre Hilfe anbietet. Verbindung zwischen Gericht und Sexualität wird deutlich. · Advokat Huld - Fabrikant - Maler: K. verliert langsam die von ihm immer betonte Distanz zum Gericht und zu seinem Prozess, eine nicht gekannte Müdigkeit und Unkonzentriertheit behindern seine Arbeit in der Bank. Zwar erfährt K. vom Advokaten Huld einiges über das Wesen des Gerichts, dennoch ist er unzufrieden mit seiner Arbeit und will nun selbst eingreifen. Ein Fabrikant, Kunde der Bank spricht ihn auf seinen Prozess, von dem er gehört habe an und verweist ihn auf den Maler Titorelli. Von diesem erfährt er mehrere Details über das Gericht, zwar könne K. seine Unschuld nie beweisen, es sei jedoch eine Verschleppung oder scheinbare

Freisprechung möglich. Durch beide Verfahren wird der Prozess in der Schwebe gehalten, niemals jedoch gelöst. Als K. aufgrund des Unwohlseins, das ihn auch beim Maler Titorelli überfällt, diesen verlässt, entdeckt er, dass sich auch auf dem Dachboden dieses Hauses Gerichtskanzleien befinden, wie „fast auf jedem Dachboden“: Aussichtslosigkeit des Prozesses, K. ist dem Gericht ausgeliefert, Allgegenwart des Gerichts

- Kaufmann Block - Entlassung Hulds: Als K. den Advokaten Huld aufsucht um ihm die

Vertretung seinem Fall zu entziehen, trifft er einen weiteren Angeklagten des Gerichts, Kaufmann Block an. Dieser hat ähnliche Erfahrungen mit dem Gericht gemacht wie K. Auf die Nachricht K.s, dass er Huld die Vertretung entziehen wolle, reagiert dieser bestürzt und demütigt den unterwürfigen Kaufmann Block auf unmenschliche Weise, um K. zu demonstrieren, dass er bis jetzt noch Glück gehabt hat und um ihm einen vollständig, unterworfenen, abhängigen Angeklagten vor Augen zu führen.

- Türhüterlegende:

- Um seine Stellung in der Bank zu bewahren, die durch K.s Verfassung gefährdet ist, will K. einem italienischen Geschäftspartner der Bank den Dom der Stadt zeigen. Dieser erscheint jedoch scheinbar aufgrund des schlechten Wetters und der daraus resultierenden schlechten Lichtverhältnisse nicht. K. wird von einem Geistlichen, der sich als Gefängniskaplan also als Vertreter des Gerichts vorstellt, angesprochen, was vermuten lässt, dass auch der Italiener zum Gericht gehört und als „Lockvogel“ dienen sollte. Im Gespräch erzählt der Gefängniskaplan

K. die Türhüterlegende, um ihm seine Täuschung über das Gericht bewusst zu machen. (Siehe Seite 8) K. sieht den Mann vom Lande als den Getäuschten, der Kaplan widerspricht den jedoch und meint, dass der Türhüter nur seine Pflicht erfüllt hätte und der Mann die alleinige Schuld habe, da er die entscheidende Frage zu spät gestellt hätte. Eine zweite Theorie geht davon aus, dass der Türhüter der Getäuschte sei, da er über das Gesetz nichts wisse, da er dem Mann vom Lande untergeordnet sei, dies aber nicht wisse und da er glaube er könne das Tor nach dem Tod des Mannes schließen. Als K. meint die Täuschung des Türhüters übertrage sich automatisch auf den Mann, spricht der Kaplan ihm das Recht ab über den Türhüter zu urteilen, da er dem Gesetz unterstehe und so dem menschlichen Urteil entzogen sei. K. versteht den Sinn der Geschichte nicht und verliert im dunkeln Dom die Orientierung, so dass der Kaplan ihn zum Ausgang begleiten muss. Die letzten Worte des Kaplans: „Das Gericht will nichts von dir. Es nimmt dich auf, wenn du kommst und es entläßt dich, wenn du gehst.“ stellen einen Widerspruch zur Verhaftung dar. Der Leser bleibt aufgrund der vielen Wider- sprüche in der Auslegedebatte, die scheinbar nur die Unauslegbarkeit der Türhüterlegende zeigen soll, ratlos: Ist Josef K. der Mann vom Lande, der seine Freizeit freiwillig für das aussichtslose Warten vor dem Gesetz opfert und der schon an der ersten Stufe einer unendlichen Hierarchie stehen bleibt?

- Nimmt als „paradoxer Zirkel“ zentrale Stellung im Roman ein
- In der hermetischen Parabel erscheint die gesamte Handlung des Romans gebündelt
- Parallelen zum Gericht: Hierarchie, Sinn des Türhüters/des Gerichts?,

Türhüter/Gerichtsbeamte erfüllen nur ihre (widersinnige) Pflicht

- Parallelen Mann/K.: unerklärliche Fixierung aufs Gericht, Scheitern beider

- Hinrichtung: Ein Jahr nach seiner Verhaftung wird Josef K. hingerichtet, ohne dass zuvor von einem Urteil die Rede war. K. scheint jedoch nicht unvorbereitet zu sein, denn er erwartet in schwarzer Kleidung die beiden Herren, die seine Hinrichtung vornehmen werden. Die beiden grotesk beschriebenen Henker führen K. aus der Stadt hinaus in einen Steinbruch, wo sie K. entkleiden und mit einem langen Fleischermesser erstechen. K. will erkannt haben, dass es seine letzte Pflicht gewesen wäre, sich das Messer selbst „einzubohren“, diese letzte Pflicht jedoch versäumt. „Wie ein Hund“ stirbt K., jeder menschlichen Würde beraubt. Rätsel (Grund der Verhaftung ) bleibt ungelöst, K. ist endgültig entmenschlicht.

Personenkonzeption und -konstellation.

Joseph K.:

- Josef K.= angesehener Bankkaufmann, wohnt in einer Pension soziale Mittelschicht

- führt bis zu seinem 30. Geburtstag und somit bis zu seiner Verhaftung normales, streng durchorganisiertes Leben, das fast nur aus der Pflichterfüllung in der Bank besteht, sogar seine Besuche bei seiner Geliebten Elsa sind fest in eingeplant. Sein Charakter zeigt keinerlei außergewöhnliche Züge, keine Vorzüge und Schwächen. K. ist ein Durchschnittsmensch

- Kafka verwendet nur die Initiale K. um seiner Hauptfigur einen Namen zu geben, so wird der

Rest des Namens und der Person unwesentlich. K. ist jedermann

- Im Verlauf der Handlung wird eine große Diskrepanz zwischen K.s Wollen und Denken und seinen Handlungen deutlich, er handelt oft unlogisch und sich selbst widersprechend.

Repräsentanten des Gerichts:

Die Repräsentanten des Gerichts, mit denen K. in Verbindung steht und die er im Laufe des Prozesses trifft, gehören lediglich der untersten Instanz einer undurchdringlichen, undurchschaubaren Hierarchie an. Sie sind alle samt Helfershelfer, willige Diener, Handlanger und Mittelsleute des Gerichts, das im Dunklen bleibt. „Rangfolge und Steigerung des Gerichts sind unendlich und selbst für den Einge- weihten nicht absehbar“, so eröffnen sich auch K. keine Möglichkeiten zu höheren Stufen vorzudringen.

Gerichtsdiener: Franz - Prügler - Student Berthold - Gefängniskaplan - Untersuchungsrichter - Titorelli -Auskunftsgeber - Henker - Wächter - Aufseher...

Die Frauen:

Vor seiner Verhaftung hat K. den Kontakt zu Frauen vernachlässigt (Cousine Erna, Mutter, Fräulein Bürstner, Geliebte Elsa), jetzt sucht K. Hilfe bei Frauen, die im wichtiger ist als die der Männer (Advokat Huld). Es lassen sich zwei Frauengruppen unterscheiden: Die Mutterfiguren, die für K. kaum eine Rolle spielen und die erotisch anziehenden Frauen, deren Kontakt K. immer wieder sucht. Es hat also den Anschein, als ständen die Frauen mit dem Gericht in Zusammenhang, der Kontakt K.s zu ihnen verläuft parallel zu seinen Bemühungen um das Gericht. Die Frauen stellen für K. eine Brücke zur unerreichbaren Behörde, dem Gericht, dar. Letztendlich entziehen sich Frauen wie Gericht dem endgültigem Zugriff.

Mutterfiguren:

Frau Grubach (Vermieterin K.s), K.s Mutter (hat K. seit 3 Jahren nicht gesehen) zeigen für K. liebevolle Zuneigung, naives Unverständnis

Erotisch anziehende Frauen:

Frl. Bürstner

Frau d. Gerichtsdieners Leni

Sonstige Personen:

Nachbarin K.s, übt auf K. „eigentümliche(n) Anziehungskraft“ aus bietet K. Hilfe an

Dienstmädchen des Advokaten Huld, bietet K. ihre Hilfe an zeigt für K. Gefühle der Fürsorglichkeit, später triebhafte Sexualität, animalische Wesenszüge

verknüpfen Sphäre des Gerichts mit Sphäre der Sexualität

Onkel Karl - Advokat Huld - Frl. Montag - Fabrikant - Hauptmann Lanz...

Auffällig und für den Leser befremdlich ist, dass sämtliche Personen über den Prozess Bescheid

wissen und scheinbar auch über das Gericht mehr wissen als K.: Ihnen sind die Existenz des Gerichts und der Prozess etwas Selbstverständliches.

Die Personen haben also gegenüber dem Leser, der auf die Perspektive K.s beschränkt ist, einen erheblichen Wissensvorsprung.

Siehe auch S.8

Moderne Kompositionsprinzipien:

- Erzählverhalten:

„eigensinniges Erzählen“: personales Erzählverhalten, aus der Perspektive Ks (Erzählung setzt erst nach Erwachen K.s ein, beschreibende Adjektive stammen alle von K.), Erzähler wird nicht erkennbar, bringt sich nicht zur Sprache, wird nicht durch Äußerungen u. Kommentare ersichtlich Æ Erzähler in extremen Maße zurückgedrängt, Leser ist mit dem Bewußtsein Ks konfrontiert erlebte Rede: unmittelbare Konfrontation mit den inneren Vorgängen K.s

Da der Leser nur mit dem Bewusstsein K.s konfrontiert ist stellt sich die Frage, ob die geschilderte Welt, der Prozess, unabhängig von diesem überhaupt existiert.

- Zeitstruktur:

Traditionell: chronologisch, eine Zeitebene (lediglich eine kurze Rückblendung)

Modern: Der Roman stellt abgeschlossene Einheit von einem Jahr dar (sehr kurzer Zeitraum für eine Romanhandlung), Jahr = Symbol für die Wiederholbarkeit der Handlung, keine Vorgeschichte, keine Hinweise auf eventuelle Nachgeschichte

- temporale Kreisstruktur, Romanhandlung beliebig oft wiederholbar

- Handlungsstrang:

Der Roman besteht aus einem einzigen linearer Handlungsstrang, keine Seitenhandlungen, aufgenommene Handlungsfäden reißen immer wieder ab, keine Entwicklung, einzelne Episoden vertauschbar Kreisstruktur

- K. als moderner „Held“:

K. wird nicht charakterisiert (nicht einmal sein vollständiger Name ist bekannt), K. reagiert

lediglich auf das Gericht, kein eigener Handlungswille, Identifikation mit K. entfällt, über

Innenleben u. Gemütszustand K.s nichts bekannt (bis auf die zunehmende Ermüdung gegen das

Gericht zu kämpfen), Leser hört und sieht mit K., fühlt aber nicht mit ihm, lässt also seine eigenen Empfindungen mit einfließen. K. = „Hohlform“

- Das Paradox:

= widersinnige Aussage (z.B. Einmal ist keinmal), die zwei Teile schließen sich gegenseitig aus

Die Grundlagen des Romans beruhen auf Widersprüchen:

- Auslegedebatte um die Türhüterlegende entzieht sich jeder Deutung (hermetische Dichtung)
- K. behauptet, er sei unschuldig, obwohl er das Gesetz nach dem er gerichtet wird nicht kennt
- Das Gericht wird „von der Schuld angezogen“, dabei ist K.s Schuld gar nicht bewiesen
- Die Geschehnisse sind unerklärlich, K. handelt aber stets folgerichtig und logisch
- Die Groteske:
- Geläufige Bilder und Metaphern werden wörtlich genommen und übersteigert (z.B das

Verhalten der Wächter bei K.s Verhaftung und der Henker bei seiner Hinrichtung)

- Fragmentarische Form:

Äußerlich blieb der Roman unvollendet, also Fragment, aber auch innerlich entsteht durch das ständige Abbrechen angefangener Entwicklungslinien eine fragmentarische Gestalt, die sich sehr gut zur Wiedergabe der Thematik des Romans eignet.

- Thematik des Romans:

- Gefühl des Ausgeliefertseins an eine absurde, von Idealen entleerte und von Sachzwängen geleitete Welt: Menschen sind übermächtigen, anonymen Organisationen hilflos ausgeliefert

- Schuldproblematik

Sprache und Stil:

- Sprache:

Sogar bei erschreckenden Ereignissen (Prügelszene) meist leidenschaftslose, ruhige, sachliche, farblose Sprache

- Hypothetischer Erzählstil:

- Hypothesen, unbestätigte Annahmen, stellen Grundlagen des Verhaltens K.s dar. („Jemand mußte K. verleumdet haben...“)

- Der Konflikt zwischen K. und dem Gericht, die Behauptungen von Schuld und Unschuld, sind hypothetisch, unbewiesen.

Der hypothetische Erzählstil bietet die Möglichkeit nicht Existierendes und Unsichtbares zu

beschreiben. Die Zwischenstellung zwischen Sicherheit und Unsicherheit wird durch den Wechsel von Konjunktiv und Indikativ unterstrichen.

- Bildlicher Stil:

- Atmosphärische und sprachliche Bildlichkeit im Einzelnen entspricht der grundlegenden

Metaphorik des Romans.

- Grundidee des Romans: Kafka nimmt Metapher „mit sich selbst ins Gericht gehen“ wörtlich.

- Prügelszene: Übertragung der bekannten Prügelstrafe für Kinder auf die Bestrafung von

Erwachsenen groteske Wirkung

- Einzelszenen werden sehr genau und detailliert geschildert (Beschreibung der Kanzleien, des

Verhandlungszimmers...)

- Augenmotiv: taucht immer beim Kontakt mit dem Typ der erotisch- anziehenden Frauen auf

- Metapher des Schmutzes: das Gericht wird stets mit dem Schmutz in Verbindung gebracht

- Vielzahl an Symbolen: z.B. K. kann Ausmaße des Doms im Dunklen nicht abschätzen,

symbolisch für die Unüberschaubarkeit des Gerichts; Verlöschen der Lampe nach Auslegungsdebatte über die Türhüterlegende, symbolisch für K.s Unverständnis

Interpretation:

„Die Schrift ist unveränderlich, und die Meinungen sind oft nur ein Ausdruck der Verzweiflung darüber!“ Franz Kafka, Der Prozess

- Nachdem sich Kafkas Werke in Deutschland etabliert hatten, lösten sie dort eine wahre

Deutungswut aus, allein zu „Der Prozess“ existieren 315 Titel an Sekundärliteratur, die meist noch ratloser machen als das Werk selbst. Oft ein Problem bei der Werkdeutung sind die von Kafka häufig angewandten Paradoxa, die man nur auflösen kann, wenn man einen Teil als gegeben betrachtet und auf diesem Standpunkt seine restliche Interpretation aufbaut. Die Frage ist allerdings, ob man bestimmte Teile eines Paradox einfach als wahr erklären kann.

- Deutungsvarianten bei Kafka:

Kafkas Werke wurden aus den unterschiedlichsten Ansätzen heraus gedeutet:

- religiös orientierte Interpretationen: betrachten Kafkas Werke als die Auseinandersetzung des

Autors mit dem Judentum

- philosophische orientierte Interpretationen: basieren meist auf dem Existenzialismus (Satre)

- soziologische Interpretationen: suchen von Kafka geäußerte Gesellschaftskritik

- Psychologische Interpretationen: sehen Kafkas Werke als Umsetzung innerer Vorgänge

- Biographische Interpretationen: deuten Kafkas Werke unter Berücksichtigung seiner

Biographie

- Biographischer Hintergrund „Der Roman bin ich, meine Geschichten sind ich“:

- Elias Canetti deutet den Prozess vor allem in Anbetracht des Briefwechsels zwischen Kafka und seiner Verlobten Felice Bauer

- Erste Aufzeichnungen zu „Der Prozess“ fertigt Kafka am 29.7.1914, sechs Tage nach seiner

Entlobung mit Felice Bauer, in sein Tagebuch an. Das Ereignis der Entlobung bezeichnet Kafka als „Gerichtshof im Hotel“ und diente ihm als Inspiration zu „Der Prozess“. (z. B. Namensparallelen: Felice Bauer, Fräulein Bürstner)

- Josef K. ist etwa im gleichen Alter wie Kafka und trägt den Anfangsbuchstaben seines

Nachnamens als Kürzel (typisch! vgl. „Das Schloss“). Josef kann zu Franz als Tauschname in Anlehnung an den Kaiser Franz - Joseph gesehen werden.

- Im tief bis in die Nacht schreibenden Untersuchungsrichter spiegelt sich Kafkas

Lebenswandel wider, der sich hier selbst anklagt. Der Prozess ist die metaphorische Verschlüsselung eines inneren Selbstgerichts.

- Erst vor dem autobiographischen Hintergrund erklärt sich Zusammenhang zwischen Gericht und Sexualität

- Theologische Interpretation von Hans Joachim Schoeps:

- Der Mensch ist abgefallen vom Glauben, göttlichen Gesetze gerieten in Vergessenheit, ihre

Gültigkeit dauert jedoch an und die Menschen haben sich nach ihnen zu richten.

- In „Der Prozess“ sucht das vergessene Gesetz den ahnungslosen Menschen und richtet ihn.

- K. stellt Schuldfrage falsch, richtig muss sie heißen: Kann nicht auch eine metaphysische

Schuld vorhanden sein, die empirisch nicht zu beweisen, aber dennoch wirklich ist?

- K. ist verloren, da sich bei ihm kein Gefühl der Sündhaftigkeit einstellt, nur dadurch kann sich der Mensch befreien.

- Psychologische Interpretation von Thomas Anz:

- „Der Prozess“ = Auseinandersetzung des Einzelnen mit der Umwelt

- Der moderne, autonome Mensch will nur über sich selbst richten und nicht gerichtet werden

- Er ist nur von inneren Mächten wie dem schlechten Gewissen oder dem Bewusstsein von

Schuld abhängig, der Prozess ist also ein innerer Konflikt K.s, das Gericht sein schlechtes

Gewissen.

- Gesellschaftskritische Interpretation von Ernst Fischer:

- „Der Prozess“ = Satire der modernen Bürokratie

- Im modernen bürokratischen Machtapperat wird der Einzelne zum „Fall“

- „Der Prozess“ zeigt die Bürokratie als Grunderlebnis der kapitalistischen Welt in ihrer

Willkür, Niedertracht und Erbärmlichkeit

- Theodor W. Adorno:

- „Der Prozess“ = prophetische Vorausdeutung des Nationalsozialismus

- Parallelen der Ereignisse im Prozess zum NS-Regime:

Terror, Folter, Spezialuniformen der Beamten (SS), Eliten des Faschismus haben sich selbst ernannt, tagen auf Dachböden, in Wirtshäusern

Quellen: Primärliteratur: Franz Kafka, Der Prozess, Text und Kommentar, Suhrkamp Basisbibliothek, 1. Auflage Sekundärliteratur: Franz Kafka, Der Prozess, Thomas Gräff, Klett Lektürenhilfen

6 von 7 Seiten

Details

Titel
Kafka, Franz - Der Prozess
Note
14 P. = 1
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V103862
Dateigröße
350 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kafka, Franz, Prozess
Arbeit zitieren
Katharina Kestler (Autor), 2001, Kafka, Franz - Der Prozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103862

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