Kultur als Wirtschaftsmacht am Beispiel der Koreanischen Welle. K-Pop als Teil von Hallyu


Hausarbeit, 2021

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Koreanische Welle
2.1. Überblick über die südkoreanische Kulturpolitik seit den 60er Jahren bis heute
2.2. Von Hallyu 1.0 zu Hallyu 2.0

3. K-Pop als aktuell wichtigster Teil von Hallyu
3.1. Die Entstehung von K-Pop und die koreanische Musikbranche
3.2. Die koreanische Boyband BTS und ihr Einfluss auf die koreanische Wirtschaft

4. Weitere Komponenten von Hallyu

5. Auswirkungen von Hallyu

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Als der koreanische Präsident Moon Jae-in Anfang des Jahres seine Neujahransprache hielt, fanden neben aktuellen Neuigkeiten zur wirtschaftlichen Lage oder der Coronasituation auch Hinweise zu Koreas Kulturlandschaft Eingang in die Rede. Korea wolle seine „soft power" weiterhin politischen unterstützen, damit es Kulturschaffenden gelinge, ihre Talente zur vollen Entfaltung zu bringen. Dafür wolle man auch digitale Inhalte fördern. Ziel sei es, Südkoreas internationalen Status als „cultural powerhouse" weiter zu festigen. (Moon 2021)

Solche Reden geben Hinweise darauf, dass die populäre Kulturindustrie in Südkorea einen hohen politischen Stellenwert einnimmt. In den letzten Jahren wurde die Welt immer wieder auf kulturelle Inhalte und Produkte aus Korea aufmerksam gemacht. So beispielsweise durch die koreanische Musikgruppe BTS, die als erste Band aus Südkorea für die Grammy Awards 2021 nominiert wurden. Oder durch den Film Parasite, der bei der Oscarverleihung 2020 gleich in vier Kategorien die begehrte Trophäe gewinnen konnte, darunter als erster nicht-englischsprachiger Beitrag auch in der Kategorie „Bester Film".

Die Hausarbeit will aufzeigen, wie Popkultur aus Südkorea zu einem globalen Phänomen wurde und sie befasst sich dafür mit dem koreanischen Ansatz, der Kultur als eine Wirtschaftskraft auffasst. Wird doch gerade in Deutschland die Kulturlandschaft in Zeiten Coronas auf null zurückgefahren, gibt es Nationen wie Südkorea, die in der Kulturindustrie eine exporttreibende Wirtschaftskraft sehen und diesem Phänomen einen Namen gegeben haben: Hallyu oder Koreanische Welle.

Im ersten Teil wird die koreanische Kulturpolitik seit Ende des Koreakrieges kurz umrissen und anschließend werden die beiden Phasen der Koreanischen Welle voneinander abgegrenzt. Daraufhin folgt eine genauere Betrachtung der koreanischen Musikbranche, die derzeit als größter Treiber von Hallyu angesehen wird. Nachfolgend werden weitere Aspekte der Koreanischen Welle dargestellt und abschließend die Auswirkungen der unterschiedlichen Faktoren auf Korea und seine Wirtschaft aufgezeigt. Die Hausarbeit endet mit einem Ausblick auf die zukünftige Entwicklung von Hallyu.

2. Die Koreanische Welle

Die Koreanische Welle (auch Hallyu) ist ein internationales Phänomen und beschreibt den zunehmenden Einfluss von südkoreanischen, popkulturellen Produkten wie Filme, Musik und Kleidung auf den Rest der Welt. (Marinescu 2014, S. 2) Hallyu bezeichnet also nicht die koreanische Popkultur an sich, sondern den hohen Beliebtheitsgrad eben jener im nicht­koreanischen Ausland. (Jin 2016, S. 7) Um das Entstehen des globalen Trends zu verstehen, wird zunächst ein Blick auf die koreanische Kulturpolitik geworfen und anschließend das Konstrukt der Koreanischen Welle in ihre zwei Phasen aufgeschlüsselt und erläutert.

2.1. Überblick über die südkoreanische Kulturpolitik seit den 60er Jahren bis heute

Noch schwer getroffen von den Folgen des Koreakrieges begann der wirtschaftliche Aufschwung Südkoreas unter der Park Chung Hee Regierung (1961-79). Parks Amtszeit brachte das Land zwar ökonomisch voran, unterband aber jede Form von politischer Opposition. Dieser unterdrückende Ansatz der Regierung war auch in der Kulturpolitik spürbar und so stand für die Regierung lediglich traditionelle koreanische Kultur im Fokus. Massenkultur wurde als Schaden für die nationale Kultur angesehen. Dies hatte Einschränkungen und strikte Überwachung von popkulturellen Inhalten aus dem In- und Ausland zur Folge. Die Schöpfer popkultureller Inhalte wurden daran gehindert, politische und soziale Ereignisse in ihrem Schaffen zu thematisieren. Stattdessen wurden Inhalte von der Regierung kreiert, die als konform angesehen wurden. Selbst als in den 1980er Jahren oppositionelle und gewerkschaftliche Kräfte erstarkten, lag der Fokus weiterhin auf nationaler, koreanischer Kultur und so unterlag die koreanische Kulturindustrie bis Anfang der 1990er Jahr weiterhin der staatlichen Führung und Kontrolle. (Lee 2013, 187f.)

Mit Beginn der 90er Jahre erlebt Korea eine Zeit der politischen Demokratisierung und wirtschaftlichen Neoliberalisierung. Von besonderer Wichtigkeit war die Abschaffung der Musikzensur im Jahr 1996. Diese Entwicklung wird als wichtige Voraussetzung für das Entstehen der Koreanischen Welle angesehen. (Lee 2013, 188f.) Eben zu dieser Zeit entstanden die noch heute äußerst erfolgreichen koreanischen Musiklabels SM Entertainment (Gründung 1995), YG (Gründung 1996) und JYP (Gründung 1997). (Lie 2015, S. 118)

Der ideologisch eingefärbte Begriff der nationalen Kultur wurde in den 90er Jahren durch jenen der koreanischen Kultur ersetzt. Dieser neue Terminus ließ die Populärkultur nicht mehr außen vor, sondern bezog sie mit ein. Darüber hinaus begriff die Kulturpolitik die Populärkultur zunehmend als eine Industrie. 1994 wurde innerhalb des koreanischen Kulturministeriums das Direktorat für Kulturindustrie gegründet, zu dessen Aufgaben u.a. die Industrialisierung sowie die Internationalisierung der koreanischen Kultur gehörten. (Lee 2013, S. 189) Mit der asiatischen Finanzkrise im Jahr 1997 wurde der Export von koreanischer Populärkultur plötzlich Teil einer politischen Strategie, um das wirtschaftliche Überleben Koreas zu sichern. Die Vermarktung von Kultur, Technologien und Dienstleistungen wurde von der Regierung immer stärker forciert. (Kim 2013, 3f.)

Seit den 2000er Jahre erhielten die einzelnen kulturellen Bereiche innerhalb des Kulturministeriums das Präfix „K": die Begriffe K-Pop und K-Drama waren entstanden. (Lee 2013, S. 192) Der in den 00er Jahren aufgelegte Hallyu-Plan der südkoreanischen Kulturpolitik beschrieb eine Zukunft, in der die K-Kultur zu einer universellen Kultur wird, die über nationale Grenzen hinweg verbreitet und konsumiert wird. Um dies zu erreichen, erhält der Kultursektor nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Hilfe bei der Vermarktung. (Lee 2013, S. 192)

Seitdem steigen jährlich die Ausgaben für den Kulturbereich. Im Jahr 2013 lagen diese bei 4,17 Billionen Koreanische Won (ca. 3,7 Mrd. US-Dollar), 2017 bereits bei 5,69 Billionen Won (ca. 5 Mrd. US-Dollar) und 2019 bei 5,92 Billionen Won (ca. 5,3 Mrd. US-Dollar). Im Jahr 2019 machte der Haushalt für das koreanische Kultur- und Sportministerium rund 1,3% des gesamten Budgets von 469,6 Billionen Won (ca. 416,2 Mrd. US-Dollar) aus. Mit 31,8% gingen die meisten Ausgaben des Ministeriums an den Bereich Kultur und Kunst. (Woo 2018) Das Haushaltsbudget für das Jahr 2020 konnte jenes aus dem Vorjahr sogar noch überbieten. Von einem Gesamtbudget von 512,3 Billionen Won (ca. 429,7 Mrd. US-Dollar) gingen 6,48 Billionen Won (ca. 5,7 Mrd. US-Dollar) an das Ministerium für Kultur und Sport1, d.h. eine Steigerung um 9,4 % im Vergleich zu 2019. Damit bleibt die Regierung auf dem Weg der Inter­nationalisierung der K-Kultur. Nach einer Aussage des Kulturministeriums sei es weiterhin das Ziel, kulturelle Inhalte aus Südkorea in der ganzen Welt zu verbreiten. Das Geld kam besonders lokalen Filmemachern, Cartoonisten und Modedesignern zu Gute, um diese bei ihrer Expansion nach Übersee zu unterstützen. Außerdem wurde ein Teil des Budgets für den Bau einer neuen K-Pop-Konzerthalle aufgewendet. (Pbr 2019)

Währen seiner Antrittsrede im Jahr 2008 forderte der Präsident Lee (Amtszeit 2008­2013) zur Industrialisierung und Modernisierung der koreanischen Kulturlandschaft auf. Seit seiner Amtszeit wird der Begriff Hallyu häufig mit einer Verbesserung des nationalen Ansehens verbunden. Die Koreanische Welle wird seit Lees Amtszeit als Mittel des Nation Branding verstanden. (Kim und Jin 2016, S. 5524) Zudem wurde 2012 innerhalb des koreanischen Kulturministeriums das Komitee zur Unterstützung der Koreanischen Welle gegründet. Ziel des Komitees ist es, Wirtschaftsverbände, Unternehmen aus der Unterhaltungsbranche und das Kulturministerium enger zusammenzubringen. (Lee 2013, 193f.)

Die Mnet Asian Music Awards (MAMA) im Jahr 2014 markieren ein wichtiges Datum in der aktuelleren koreanischen Kulturpolitik. Während der Eröffnung der Zeremonie erschien Präsidentin Park als erstes Staatsoberhaupt Koreas per Videobotschaft auf einem popkulturellen Event mit dieser Reichweite. (Die Preisverleihung wurde live in 16 Länder übertragen.) Die digitale Präsenz der Präsidentin verdeutlicht die dominante Rolle, welche die Populärkultur innerhalb der koreanischen Politik einnimmt. Die Regierenden haben verstanden, dass durch das Stärken der koreanischen Marke einerseits das Kaufverhalten ausländischer Konsumenten beeinflusst und dadurch die koreanische Wirtschaftskraft gestärkt werden kann. Andererseits hat ein Vermarkten der koreanischen Kultur zur Folge, dass Korea im Ausland positiver wahrgenommen wird und somit auch die politische Position des Landes gestärkt werden kann. (Kim und Jin 2016, 5514f.)

Abschließend lässt sich sagen: „The Korean Wave started from the efforts of private sectors, but the government has played a key role in the speed of growth." (Kim 2013, S. 4)

2.2. Von Hallyu 1.0 zu Hallyu 2.0

Der Beginn der Koreanischen Welle wird auf die späten 1990er Jahre datiert. Die erste Phase von Hallyu dauerte von 1997 bis 2007 an und war vorrangig mit dem Export von TV-Serien und Filmen in andere ostasiatische Länder verbunden. (Jin 2016, 4f.) Diese kulturellen Produkte gelten als wesentliche Antriebskräfte der ersten Koreanischen Welle. Zwischen 1995 und 2002 stieg der Export von TV-Programmen von 5,5 Mio. auf 28,8 Mio. US-Dollar. Im Jahr 2004 konnten mit dem Export koreanischer Serien bereits 71,5 Mio. US-Dollar erzielt werden. Gleichzeitig sank zwischen 1996 und 2001 die Anzahl an importierten TV-Programmen um 70%. Im Jahr 2004 waren Taiwan und Japan die größten Abnehmer südkoreanischer Fernsehserien, gefolgt von China, Hong Kong und anderen südostasiatischen Ländern. (Kim 2013, S. 6)

Das Jahr 2008 markiert in der Geschichte der Koreanischen Welle einen Wendepunkt, da in diesem Jahr der Export kultureller Produkte wie Filme, Musik inkl. Spiele, den Import überstieg. 2008 exportierte Korea kulturelle Güter im Wert von 2,33 Mrd. US-Dollar ins Ausland. (Jin 2016, S. 5) Südkorea hat sich damit zum führenden, nicht-westlichen Land im Bereich des Exports kultureller Produkte und Dienstleistungen entwickelt. Südkorea exportiert derzeit fast alle Formen von Kultur, wie Fernsehprogramme, Filme, populäre Musik und digitale Technologien in sowohl westliche als auch nicht-westliche Länder. (Jin 2016, S. 5) Insgesamt ist der Export koreanischer kultureller Produkte zwischen 1998 und 2014 um mehr als das 20-fache von 189 Mio. auf 4 Mrd. US-Dollar angestiegen. (Jin und Yoon 2017, S. 2244)

Die zweite Koreanische Welle, oder Hallyu 2.0, unterscheidet sich zudem in den vertriebenen Produkten von Hallyu 1.0. Im Zentrum stehen nun nicht mehr nur Film­produktionen, sondern koreanischer Pop, kurz K-Pop, sowie technologische Produkte wie Videospiele. (Jin 2016, S. 5) Auch die Vertriebswege sind in Hallyu 2.0 andere: Zur Verbreitung von koreanischer Popkultur hat die Entwicklung des Internets maßgeblich beigetragen. So wurden im Jahr 2019 koreanische Filme, Serien und Musik hauptsächlich online gestreamt. (Kim 2020, S. 9) Die sozialen Medien gelten als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für das Wachstum der Koreanischen Welle. (Jin 2016, S. 6)

Auch die Rolle der Politik während der anhaltenden zweiten Koreanischen Welle hat sich im Vergleich zu Hallyu 1.0 drastisch verändert. Während die Kulturpolitik in den Anfangs­jahren den weltweiten Handel von kulturellen Produkten nur indirekt unterstütze, wird seither der Export gezielt gefördert, u.a. durch die Verbesserung der bilateralen Beziehungen zu den Nachbarländern und den USA. (Jin 2016, S. 6) Auch das Zuwenden der koreanischen Regierung zum Hallyu-Phänomen hat sich, wie im vorangegangenen Kapitel bereits angesprochen, positiv auf das Anwachsen der Koreanischen Welle ausgewirkt. Mittlerweile ist die Vermarktung von Urheber- und Nutzungsrechten zu einer der wichtigsten Einnahmequellen für die koreanische Kulturindustrie geworden. (Jin 2016, S. 7)

Zum Schluss noch einige Zahlen, um die weltweite Beliebtheit von Hallyu zu verdeutlichen: 2019 stieg der Wert der Exporte, die in direktem Zusammenhang mit Hallyu 5 standen, auf über 6 Mrd. US-Dollar an, im Vergleich zu rund 3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016. Zu den exportierten Gütern gehörten unter anderem Filme, TV-Serien, Musik, Comics und Spiele. Bezieht man darüber hinaus noch die Werte der Exporte ein, die nur in indirektem Zusammenhang mit Hallyu stehen, beispielsweise Kleidung, Schmuck, Kosmetik und Lebens­mittel, ergibt sich insgesamt ein Wert von mehr als 12 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019, gegenüber 7,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016. (Kim 2020, 30ff.) Das Bruttoinlandsprodukt Südkoreas lag im Jahr 2019 bei 1,6 Billionen US-Dollar. (Duncan et al. 2020, 1:10-1:20)

Außerdem gab es im September 2020 in 98 Ländern der Welt 1.835 Hallyu-Fan-Clubs mit insgesamt mehr als 100 Millionen Mitgliedern. Derzeit steigen die Mitgliederzahlen in den USA am stärksten an. 2020 gab es dort 15 Millionen Fans und somit 30% mehr als im Vorjahresvergleich. (Dong 2021)

3. K-Pop als aktuell wichtigster Teil von Hallyu

Seit Einsetzen der zweiten Koreanischen Welle bis heute wird das Musikgenre K-Pop am stärksten mit Hallyu assoziiert. (Kim 2020, S. 33) Im Folgenden wird die koreanische Musik­branche kurz vorgestellt und im Anschluss die Auswirkung der koreanischen Boyband BTS auf die koreanische Wirtschaft beleuchtet.

[...]


1 Zum Vergleich: Im Jahr 2015 lagen die Kulturausgaben Deutschlands bei rund 126€ pro Einwohner. (Lehmann 2019) In Korea waren es im Jahr 2020 ca. 110€.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kultur als Wirtschaftsmacht am Beispiel der Koreanischen Welle. K-Pop als Teil von Hallyu
Hochschule
Hochschule für Musik und Theater München  (Kulturmanagement)
Veranstaltung
Cultural Entrepreneurship
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
18
Katalognummer
V1038808
ISBN (eBook)
9783346458544
ISBN (Buch)
9783346458551
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koreanische Welle, K-Pop, K-Drama, Kultur als Exportgut, Hallyu
Arbeit zitieren
Clara Unger (Autor:in), 2021, Kultur als Wirtschaftsmacht am Beispiel der Koreanischen Welle. K-Pop als Teil von Hallyu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1038808

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