Seit vielen Jahrzehnten beschäftigen sich Kriminologen und Soziologen mit der Person des Serienmörders. Durch zahlreiche Forschungen konnten Ermittlungsmethoden geschaffen werden, die den Täterkreis eingrenzen und die Ermittlungserfolge vorantreiben können. Demnach ist es möglich, den Serienmörder zu charakterisieren und dadurch aus der Masse der Menschen herauszufiltern. Mit Hilfe der daraus entstandenen Literatur wird die Arbeit der zentralen Frage nachgehen, wie sich das Leben des einzelnen Serienmörders VOR seinen Taten gestaltete. Die vielseitigen Erklärungsansätze aus biologischer und psychologischer Sicht sollen hierbei vernachlässigt werden, sondern seine Beziehungen zu anderen Mitgliedern der Gesellschaft herausgearbeitet werden. Das Hauptaugenmerk wird darauf gerichtet sein, welche Ähnlichkeiten die Täter in ihrer Sozialisation aufweisen. Lassen sich daraus Rückschlüsse ziehen, die auf einen Zusammenhang zwischen den früheren Beziehungen und der Entwicklung zum Serienmörder hinweisen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung Sozialisation
3 Fallbeispiele
3.1 Matthew Sutherland
3.2 Achim Kern
4 Diskussion und Interpretation
4.1 Sutherland und Kern
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Mangelerscheinungen während der Sozialisationsprozesse die Entwicklung zum Serienmörder begünstigen können. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob sich aus der Lebensgeschichte und den früheren Beziehungen der Täter Rückschlüsse auf ihre spätere kriminelle Entwicklung ziehen lassen.
- Sozialisation als soziologischer Begriff
- Analyse von Fallbeispielen (Matthew Sutherland und Achim Kern)
- Bedeutung der primären und sekundären Sozialisation
- Einfluss von familiärer Disharmonie und Gewalt
- Statistische Einordnung durch FBI-Studien
Auszug aus dem Buch
4.1 Sutherland und Kern
Harbort erklärt durch seine nachfolgenden Aussagen, dass Mangelerscheinungen in Sutherlands Entwicklung in einen Zusammenhang mit den begangenen Verbrechen gebracht werden können: „Er benutzte sexuelle Handlungen, um ein nicht sexuelles Bedürfnis zu befriedigen. […]. Vielmehr verlangte er nach Aufmerksamkeit, die ihm nicht vergönnt war. Er verlangte nach Vertrauen, dass ihm nicht entgegengebracht wurde. Er verlangte nach Geborgenheit, die ihm verweigert wurde. Er verlangte nach Selbstbestimmung, die ihm abgenommen wurde. Er verlangte nach Freiheit, die ihm beschnitten wurde. Schließlich gierte er in höchster Bedrängnis nach Macht, um sich von all dem zu befreien. […]. Und weil er sich den Tyrannen nicht gewachsen glaubte und sich ihrem Einfluss nicht entziehen konnte, schlug er mit einem Hammer auf wehrlose Opfer ein, die er nicht einmal kannte. Nur in der Anonymität war er in der Lage aufzubegehren, sich auszutoben.“[Hervorhebung im Original]
Den Fall Achim Kern analysiert Harbort in diesem Zusammenhang wie folgt: „Kern war acht Jahre lang von seinem Bruder nachweislich sexuell missbraucht oder vergewaltigt worden. Ihm war durch die beengenden und beklemmenden Verhältnisse innerhalb der Familie von vorneherein die Möglichkeit genommen, sich einer Vertrauensperson zu offenbaren. Denn die gab es nicht. Die Mutter kümmerte sich nicht um ihn, der Vater auch nicht. Und von den Geschwistern, die er in erster Linie als Konkurrenz erlebte, durfte er sowieso keine Hilfe erwarten. Auch gelang es ihm nicht, außerhalb der Familie eine tragfähige Beziehung aufzubauen, die so intim und vertrauensvoll war, dass er sich auch von seiner verletzlichen oder verletzten Seite zeigen konnte. […]. Zwischen den sexuellen Misshandlungen, die Kern widerfuhren, und jenen, denen seine Opfer ausgesetzt waren, gab es große Ähnlichkeiten. Vermutlich wiederholte er jene als erniedrigend und beängstigend erlebten Handlungsmuster, die er Jahre zuvor selbst über sich hatte ergehen lassen müssen. Die eigenen Mißbrauchserfahrungen verstärkten zudem das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit und Beliebigkeit. Nur sexualisierte Gewalt bot ihm die Gelegenheit, sich von diesen Zwängen zu befreien, zumindest für den Augenblick der Tat.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die kriminologische Thematik ein und definiert die Forschungsfrage, welche Zusammenhänge zwischen Sozialisation und der Entwicklung zum Serienmörder bestehen.
2 Begriffsbestimmung Sozialisation: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Sozialisation basierend auf Durkheim sowie die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Sozialisation.
3 Fallbeispiele: Anhand der Biografien von Matthew Sutherland und Achim Kern werden traumatische Kindheitserfahrungen und deren Folgen dargestellt.
4 Diskussion und Interpretation: In diesem Teil werden die Fallbeispiele analysiert und durch statistische Daten einer FBI-Studie ergänzt, um die gefundenen Muster zu untermauern.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Sozialisationsdefizite die Entwicklung begünstigen können, jedoch nicht zwangsläufig in Kriminalität münden müssen.
Schlüsselwörter
Serienmörder, Sozialisation, Kriminologie, Soziologie, Gewalt, Kindheit, Trauma, primäre Sozialisation, sekundäre Sozialisation, Familienverhältnisse, Machtstreben, Täterprofil, Missbrauch, Sozialisationsinstanz, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologischen Hintergründe von Serienmördern, insbesondere wie frühkindliche Sozialisationsdefizite und traumatische Erlebnisse die Entwicklung zu einem Täter beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Begriffsdefinition von Sozialisation, die Analyse von Fallbeispielen sowie die Untersuchung von Faktoren wie familiärer Gewalt, Vernachlässigung und den Übergang von Phantasiewelten in reale Gewaltakte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob ein Zusammenhang zwischen früheren Beziehungen bzw. Sozialisationsprozessen und der späteren Entwicklung zum Serienmörder besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine qualitative Analyse von Literatur und Fallstudien durchgeführt, ergänzt durch eine statistische Gegenüberstellung mit einer FBI-Studie aus dem Jahr 1980.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Sozialisationsbegriffs, die detaillierte Darstellung der Fallbeispiele von Sutherland und Kern sowie deren Diskussion im Kontext der Sozialisationsforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Sozialisation, Serienmörder, Trauma, primäre Sozialisation, familiäre Disharmonie und Prävention.
Wie unterscheiden sich die Biografien von Sutherland und Kern im Kern?
Während Sutherland als Soldat in gefestigten Strukturen agierte und seine Gewalt als „militärische“ Neutralisierung rationalisierte, zeichnet sich Kerns Biografie durch eine Kette von Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und ein Scheitern in sozialen Strukturen aus.
Welche Rolle spielt die Phantasiewelt der Täter?
Die Phantasiewelt dient den Tätern als Kompensation für ein mangelndes Selbstwertgefühl, in der sie Macht über andere ausüben können, bevor diese Phantasien schließlich in die Realität übertragen werden.
- Arbeit zitieren
- Suni Krueger (Autor:in), 2013, Die Sozialisation von Serienmördern. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den früheren Beziehungen und der Entwicklung zum Serienmörder?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1038891