Armut in den Städten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

17 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

ARMUT
BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
PRIMÄRE / ABSOLUTE ARMUT
SEKUNDÄRE / SUBJEKTIVE ARMUT
TERTIÄRE / RELATIVE ARMUT
DER RESSOURCENANSATZ
DER LEBENSLAGENANSATZ
ARMUTSGRENZEN
ARMUTSGRUPPEN
UNTERSCHIEDE "ALTE" UND "NEUE" ARMUT

HAMBURG, DAS FALLBEISPIEL
MESSUNG DER STADTARMUT
STADTENTWICKLUNG

LITERATURVERZEICHNIS

Einleitung

Wer ist nicht schon mal durch die prachtvolle Einkaufsstrasse einer Bundesdeutschen Großstadt gegangen, und wurde von einem ‚Penner’ um Geld angebettelt. Aber wie entsteht nun die Armut in der Stadt, ist Sie

Armut

Bevor man sich mit dem Thema „Armut in den Städten“ näher beschäftigt, ist es wichtig, sich über den Begriff im klaren zu sein. Im folgenden soll der Begriff definiert und seine Messung verdeutlicht werden.

Begriffsbestimmungen

Armut kann je nach Ansatz als ökonomische, soziale, politi- sche, kulturelle und psychologische Erscheinung definiert und betrachtet werden1. Die Definitionen der Armutsbegriffe und - grenzen sind daher, besonders in der Diskussion um die sog. Lebenslagen, mannigfaltig gestreut: "Die soziologische Literatur weist eine Fülle attributiver Sinngebungen des Phänomens Armut aus, die oft mehr den sprachlichen Einfallsreichtum der jeweiligen Bearbeiter bezeugen als scharf umrissene, gegeneinander abgrenzbare Tatbestände beschreiben"2.

Aus diesem Grund werde ich mich im folgenden auf die in der allgemeinen Diskussion verfestigten und bewährten Begriffsbestimmungen beschränken. Im wesentlichen werden drei unterschiedliche Konzepte verwen- det:

Primäre / absolute Armut

"[Absolute] Armut liegt dann vor, wenn das physische Existenz- minimum, die körperliche Selbsterhaltung, nicht gewährleistet ist"3. Dies ist der Fall, wenn die zur ihrer Lebenserhaltung notwendigen Güter, wie Nahrung, Kleidung, Wohnungsraum, Hygie- neartikel, etc. nicht nachgefragt werden können, also eine "Unfähigkeit zur längerfristigen Sicherung der körperlichen Selbsterhaltung"4 vorliegt. Von absoluter Armut Betroffene ha- ben auf längere Sicht mit schweren physischen Beeinträchtigun- gen oder sogar dem Tod zu rechnen. Dies ist die unterste Ver- ständnisgrenze für Armut, die allerdings durchaus noch empirische Relevanz besitzt, so z.B. in den Entwicklungsländern.

Sekundäre / subjektive Armut

Dies ist die empirisch am schwierigsten zu erfassende Armuts- definition, da es sich hierbei um eine subjektiv empfundene Mangellage handelt, die durch den individuellen Vergleich mit einer Referenzgruppe entsteht. Im Thema dieser Seminararbeit ist dieser Bereich daher nicht zu verwerten und wird ausge- spart.

Tertiäre / relative Armut

Der Bereich der tertiären Armut umfasst die vielfältigen Vari- anten der sog. relativen Armut. Relative Armut entsteht durch die Einführung einer Armutsgrenze. Der Lebensstandard von Ein- zelpersonen oder Haushalten wird mit dem durchschnittlichen Lebensstandard der Gesamtbevölkerung in Vergleich gesetzt, es handelt sich um einen Mangel an Mitteln zur Sicherstellung des Lebensbedarfs auf dem jeweils historisch geltenden, sozialen und kulturellen, typischen Standard einer jeweiligen Gesell- schaft.

Es handelt sich bei diesem Lebensbedarf als das soziokulturelle Existenzminimum einer Gesellschaft. In der relativen Armut wird zwischen einem Ressourcen- und einem Lebenslagenansatz unterschieden.

Der Ressourcenansatz

Der Ressourcenansatz geht davon aus, dass einem Individuum o- der Haushalt eine bestimmte Menge von Mitteln monetärer und nicht-monetärer Art zur Verfügung steht, um seine Bedürfnisse zu befriedigen und seine Ziele zu verwirklichen, sie stellt also praktisch sein Handlungspotential dar. Natürlich ist der Handelnde dazu angehalten, diese Mittel optimal einzusetzen, ob dies jedoch immer auch geschieht, ist fraglich. Monetär ausgedrückt: Solange sein verfügbares Haushaltseinkommen eine festgelegte Armutsgrenze überschreitet, gilt er nicht mehr als arm, obwohl durchaus Mangelerscheinungen und Unterversorgungen auftreten können. Der Ressourcenansatz ist die in der Bundes- republik Deutschland am meisten angewendete empirische Mess- grundlage, wobei man sich zumeist an der EG-Definition einer 50%-Armutsgrenze (arm = weniger als 50% gegenüber Durch- schnitt) und dem Einkommen als einzige Ressource orientiert.

Der Lebenslagenansatz

Im Gegensatz dazu geht der Lebenslagenansatz von der Bereit- stellung von Mitteln zur Erfüllung der sinnlichen und geistig- kulturellen Interessen und Bedürfnisse aus. Die Lebenslage ei- nes Menschen wird durch den Spielraum bestimmt, der einem Mensch (oder einer Gruppe) durch äußere Umstände zur Befriedi- gung der Interessen geboten wird, die für ihn (sie) den Sinn des Lebens darstellen. In diesem Zusammenhang werden besonders den sozioökonomischen Charakteristika der Betroffenen mehr Be- deutung zugemessen, die "personen- und/oder umfeldbezogene So- zialmerkmale von Kultur/Milieu, Generation/ Kohorten und Grup- pierungen/Aggregate identifizieren und deren soziale Sphären, Vernetzungen, Handlungsalternativen und dadurch determinierte Ressourcen berücksichtigen"5. Es werden also weitere Indikato- ren wie Arbeitslosigkeit, Bildung, Wohnen und Gesundheit ein- bezogen, die Aufschluss auf - neben der Einkommensarmut - wei- tere Unterversorgungslagen geben können. Der Lebenslagenansatz unternimmt den Versuch, eine Häufung bestimmter Unterversor- gungslagen (z. B. die Kombination schlechte Wohnsituati- on/niedriger Bildungsabschluss) herauszufinden und so neben der rein materiellen Kategorie des Einkommens weitere nicht- materielle, kulturelle Indikatoren zu berücksichtigen und in Beziehung zueinander zu setzen.

All diese Definitionen machen bereits deutlich, wie schwer es hier fällt, empirisch verwertbare Ergebnisse zu gewinnen, so dass im weiteren Verlauf dieser Seminararbeit in den empiri- schen Ergebnissen nur der Ressourcenansatz zum Tragen kommt.

In der Diskussion werden häufig noch die Begriffe der 'be- kämpften', 'latenten' und 'hypothetischen' Armut verwendet.

Bekämpfte Armut ist durch die Zahl der Sozialhilfe oder andere Unterstützung empfangene Haushalte/Einzelpersonen definiert, da ja durch den Erhalt dieser Hilfen die Armut bewältigt wer- den soll. Die latente Armut meint die Dunkelziffer bzw. ver- steckte Armut, die z.B. durch Nichtinanspruchnahme zustehender Hilfen zumeist durch persönliche Vorbehalte (Scham) entsteht. Hypothetische Armut meint Haushalte/Personen, die z.B. durch Entsparen kurzfristige Notlagen überstehen, aber bei einer längerfristigen Dauer dieses Zustandes in den Bedarf von Unterstützungshilfen kommen würden. Empirisch erfasst werden kann natürlich in verwertbarem Maße nur die bekämpfte Armut. Die hypothetische Armut wird aber in neueren Untersuchungen zur Einkommensmobilität teilweise untersucht.

Armutsgrenzen

Wenn man sich nun auf den Begriff der relativen Armut unter Berücksichtigung des Ressourcenansatzes mit Hilfe des Einkom- mens verständigt hat, so bleiben noch immer viele Definitions- fragen offen. Zum einen ist der Einkommensbegriff an sich be- reits sehr vielfältig auszulegen zum anderen muss eine hinrei- chend aussagekräftige Armutsgrenze definiert werden. Im we- sentlichen kann man zwischen 5 verschiedenen Grenztypen unter- scheiden:

1) Politische Armutsgrenzen, wie z.B. die Sozialhilfe oder Mindestrenten. Wobei hier das Problem auftritt, dass mit einer Erhöhung der Armutsgrenze mehr Arme 'erzeugt' werden, bzw. ei- ne Senkung derselben zum scheinbaren 'Abbau' von Armut führt.
2) Relative Einkommensgrenzen, wie z.B. der EG-Armutsbegriff mit 50% des gewichteten Durchschnittseinkommens der Gesamtbe- völkerung. Hier wird allerdings evtl. nur soziale Ungleichheit gemessen und keine Armut, da die Grenzen oft willkürlich fest- gelegt sind.
3) Warenkorbbasierte Armutsgrenzen, wie z.B. bis 1990 in der Sozialhilfe verwendet. Hierbei wird stark pauschalisiert und generalisiert und individuelle Verhaltensunterschiede und Konsumgewohnheiten sind nicht berücksichtbar.
4) Verhaltensbasierte Armutsgrenzen versuchen, ein bestimmtes Einkommen zu definieren, ab dem überproportionale Benachteiligungen und Unterversorgungen auftreten, haben aber den Nachteil, in einer Gesellschaft mit pluralisierten Lebensweisen nicht sehr aussagekräftig zu sein.
5) Armutsgrenzen ausöffentlicher Wahrnehmung werden aus Befragungen gewonnen, was den unübersehbaren Nachteil hat, dass die Öffentlichkeit eben irren kann. Auch ist nur schwierig ein sozialer Konsens zu finden. Zudem sind hier persönliche Präferenzen schwer miteinander zu vereinbaren.

Armutsgruppen

Unterschiede "alte" und "neue" Armut

In diesem Abschnitt soll noch einmal explizit auf die Unter- schiede in der Gruppen- und Betroffenenstruktur zwischen "al- ter" und "neuer" Armut eingegangen werden. Waren früher vor allem alte Menschen ebenso wie alleinerziehende Mütter von Ar- mut betroffen, da Erwerbstätigkeit für sie kein Mittel der so- zialen Verbesserung mehr bot oder - bei den Müttern - nicht möglich war, so werden heute besonders (Dauer-)Arbeitslose, Überschuldete und Ausländer als speziell von der Armut betrof- fen angesehen. In diesem Zusammenhang werden Alleinerziehende (besonders Frauen) und Kinder/Jugendliche als die beiden größten Problemgruppen genannt. Dies resultiert zum einen aus der steigenden Anzahl von Alleinerziehenden und dem hohen Frauenanteil an ihnen, und zum anderen aus der generellen größeren Armutsgefährdung von Familien/Haushalten mit Kindern gegenüber Haushalten ohne Kindern.

Hamburg, das Fallbeispiel

Hamburg? - Warum gerade Hamburg? - nun, Hamburg ist das am meisten publizierte Beispiel in der Armutsforschung. Was be- sonders an dem Hamburger Stadtarmutsforscher Prof. Dr. Jens S, Dangschat liegt. Dangschat forschte lange Zeit an der Hamburger Universität zum Thema Armut in Hamburg. Mittlererweile ist Dangschat einem Ruf nach Wien gefolgt.

Da Hamburg als Beispiel so beliebt ist, ist die Datenlage recht aktuell und umfangreich, was die Arbeit an diesem Thema um einiges erleichtert.

Hamburg, die reiche Stadt

Viele Jahre war Hamburg eine sehr reiche Stadt. So hatte die Region Hamburg bis in die 70er Jahre hinein die höchste Wertschöpfung und Kaufkraft der damaligen EWG. Schon damals hatte die Elbmetropole, als einer der bedeutensten Medien- und Werbestandorte der Republik den höchsten Anteil an Beschäftigten im Dienstleistungssektor.

Von diesem Zeitpunkt an ging es der Stadt wirtschaftlich schlechter, die Arbeitslosenzahlen stiegen. Dies liegt zum Teil am massiven Stellenabbau im Schiffbau und der Schiff- fahrt(In anderen Teilen Deutschlands sind dies der Bergbau o- der Schwerindustrie), die traditionsgemäß sehr stark in Ham- burg verankert sind. Durch den bisherigen Reichtum waren an- fangs jedoch umfangreiche Steuerungsmöglichkeiten gegeben, mit denen versucht wurde, der Arbeitslosigkeit entgegen zu wirken. In den Jahren 1961 bis 1978 gingen brutto 180.000 Arbeitsplät- ze verloren. Zum Teil wurde diese Entwicklung vom Dienstleis- tungssektor kompensiert, am Ende vielen in Hamburg netto 70.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze weg6.

1982 lag der Arbeitslosenanteil Hamburgs erstmals über dem Bundesdurchschnitt, den die Stadt seit dem nie wieder erreich- te.

Die Wirtschaftspolitik Hamburgs richtete sich traditionell am Hafen und dem Schiffbau aus, erst 1982 macht der Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi in seiner ‚Unternehmen Ham- burg’-Rede7 darauf Aufmerksam, dass die Stadt sich umorientie- ren muss, um in dem im Rahmen der Globalisierung stärker wer- denden Städtewettbewerb bestehen zu können. So fordert Dohna- nyi eine wirksamere Konzentration auf den zukunftsträchtigen Dienstleistungssektor.

Im Jahre 1997 erreichte das Bruttoinlandsprodukt, welches als Indikator für Wohlstand gilt, der Freien- und Hansestadt wieder die Spitzenposition aller EU-Regionen.

Messung der Stadtarmut

Wie kann man nun die Armut einer Stadt messen? - Hierbei gibt es vier verschiedene Faktoren, mit deren Hilfe man städtische Armut vergleichen kann.

- Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit ist einer der häufigsten Gründe für den Bezug von Sozialhilfe. Und besonders Städte sind vom star- ken Anstieg der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren be- troffen.

Aus Abbildung 1 ist ersichtlich, dass viele Städte über der durchschnittlichen Arbeitslosenquote (dicke schwarze Linie)der Bundesrepublik liegen, was vermuten lässt, das gerade Städte besonders vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1, Arbeitslosenquote ausgewählter bundesdeutscher Städte, 1980 bis 19968

- Sozialhilfedichte

Auch wenn Sozialhilfe nicht mit Armut gleichgesetzt werden sollte, so handelt es sich hierbei doch um die politisch festgesetzte Armutsgrenze (siehe Kapitel XXXXXXXXXX). Die Sozialhilfedichte gibt noch genauer Aufschluss über die Armut einer Stadt als die Arbeitslosenquote. Wie aus Abbildung 2 zu ersehen ist, liegt die Sozialhilfe- dichte fast aller deutschen Großstädte über dem Bundes- durchschnitt von 5,8%. Großstädte, und zum Beispiel Bremen und Hamburg sind von Sozialhilfe besonders betroffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2, Sozialhilfedichten für ausgewählte deutsche Großstädte in Prozent, nur laufende Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem BSHG - Stand Dezember 1995 - 9

- Ausgaben der Stadt für Sozialhilfe

Da die Großstädte besonders von Sozialhilfe betroffen sind und für diese auch selbst aufkommen müssen, belastet die Sozialhilfe besonders die Haushalte der Städte. Der Anstieg von Armut in der Stadt bedeutet für diese nicht nur den Wegfall steuerzahlender Bürger, die Stadt muss Geld für die Sozialhilfe aufbringen, das sie besser an anderer Stelle gebrauchen könnte, so zum Beispiel im Schulsystem oder für die Polizei.

Dieses Problem verdeutlicht Abbildung 3, in Hamburg stieg nicht nur der relative Anteil der Sozialhilfe am Gesamthaushalt von 3% Anfang der siebziger bis auf 13% 1996, sondern auch einen absoluten Anstieg von 1965 90 Mio. DM auf bis zu 2,3 Mrd. DM 1996, also eine 25-fache Belastung der öffentlichen Kasse.

Die Städte werden von den Ausgaben für Sozialhilfe erdrückt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3, Entwicklung der Sozialhilfeausgaben und der Gesamtausgaben des Hamburger Haushalts 1970 bis 199610

- Verschuldung der Gemeinden

Es ist sicherlich klar, dass der rapide Anstieg der Sozi- alhilfeausgaben eine enorme Verschuldung der Städte zur Folge hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4, Pro-Kopf-Verschuldung ausgewählter Bundesdeutscher Städte (Landes- und kommunale Schul- de), 1985 bis 199611

Dies bringt Abbildung 4 zum Ausdruck, so ist ein kontinuierlicher Anstieg der Pro-Kopf-Verschuldung der Städte ersichtlich, Spitzenreiter ist hier mit beträchtlichem Abstand der Stadtstaat Bremen, gefolgt von Hamburg und weiteren Norddeutschen Städten, ein starkes Nord-Süd Gefälle wird deutlich.

Stadtentwicklung

In den sechziger und siebziger Jahren wurde in Hamburg, wie in fast allen deutschen Großstädten, sehr viel in den Sozialen- wohnungsbau investiert. So war im Jahre 1985 etwa die Hälfte des gesamten Mietwohnungsbestandes mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Dies ist insbesondere eine Resultat der Programme zur Objektförderung und zum steuerbegünstigten Wohnungsbau. So hat die seit 1948 sozialdemokratisch regierte Stadt 325.000 Wohnungen finanziell Unterstützt.

Für viele wohlhabende Hamburger wurde es immer attraktiver, vor die Tore der Stadt zu ziehen, was Hamburgs Situation wei- ter verschärfte, da diese nun Ihre Steuern an die Nachbarlän- der Schleswig-Holstein und Niedersachsen zahlten, wo gerade Hamburg als Stadtstaat besonders auf eigene Steuereinnahmen angewiesen ist.

Durch den sozialen Wohnungsbau entstanden „soziale Brennpunk- te“ die besonders Anfang der achtziger Jahre wieder stärker in die Diskussion gerieten. In diesen Brennpunkten bestand eine starke Bewohnerfluktuation, die eine Konzentration sozial Be- nachteiligter zur Folge hatte. Dieser Prozess wird als Segre- gation bezeichnet. Durch Segregation konzentrieren sich be- stimmt Bevölkerungstypen auf besondere Stadtteile. In Hamburgs Westen sind besonders viele reiche Stadtteile zu finden, während sich in den sozialen „Ghettos“ die Anzahl der armen Menschen besonders hoch ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5, Regionale Sozialhilfedichten, (Empfänger je 100 Einwohner) für die Gesamtbevölkerung in Hamburg im Dezember 1996

Abbildung 5 zeigt deutlich die Segregation innerhalb Hamburgs, Stadtteile wie St.Pauli, mit seinen herun- tergehkommenden Altbauwohnungen oder die sozialen Neubausied- lungen der siebziger Jahre, Mümmelmannsberg und Wilhelmsburg stellen klar die Schlusslichter dar. So ist in Hamburg eine starke Einkommens-Polarisierung zu verzeichnen, so gab es 1980 gerade mal zwei arme(weniger als 70% des durchschnittlichen Hamburger Einkommens) und zehn reiche (mehr als 150% des durchschnittlichen Einkommens)Stadtteile in Hamburg. 1992 stieg die Zahl der armen Stadtteile auf sieben an, während die Anzahl der reichen nahezu unverändert blieb.

Die Segregation hat oft auch eine „soziale Ausgrenzung“ zur Folge, Exklusion genannt. Die Konzentration einzelner Einwoh- nerschichten auf bestimmte Stadtteile hat eine starke Isolati- on der Bewohner zur Folge. Sie nehmen nicht mehr am gesell- schaftlichen Leben teil, ihnen ist die eigene Situation oft peinlich, weshalb sie sich in die eigenen vier Wände zurück- ziehen. Durch den Rückzug in den privaten Bereich verschärft sich die Situation weiter, da sie wenn überhaupt, nur Kontakt zu Personen aus dem eigenen Umkreis haben (sozial wie auch räumlich).

Hamburg reagierte auf die sich verschlechternde Situation mit einem Konzept der behutsamen Stadtentwicklung. Ab Ende der achtziger Jahre wurde die Stadt Hamburg durch die Medien wie- der als Boomtown bezeichnet, in diesem Rahmen wurden prestige- trächtige Großprojekte, wie die Galerie der Gegenwart, das Mu- sicaltheater Neue Flora oder die sich zur Zeit noch in Planung befindliche Hafencity zunehmenst wichtiger. Auf diese Weise versuchte die Stadt auf den Städtewettbewerb zu reagieren, und für wohlhabende Bevölkerungsschichten als Wohnort attraktiv zu bleiben.

Literaturverzeichnis

Armut in Hamburg II, Beiträge zur Sozialberichterstattung herausgegeben von der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Sozi- ales der Freien und Hansestadt Hamburg - Landessozialamt - zusammen mit der Arbeitsgruppe Armuts- und Sozialbericht des Verwaltungsausschusses beim Amt für Soziales und Rehabilitati- on, Hamburg 1997 (http://www.hamburg.de/behoerden/bags/armut/)

Blum, Elisabeth: Wem gehört die Stadt, Lenos Verlag, Basel, 1996

Dangschat, Jens S. (Hrsg.): Modernisierte Stadt - Gespaltene Gesellschaft, Opladen, 1999

Dangschat, Jens S.: „Stadt“ als Ort und als Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung

In: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 31-32/95),Bonn, 1995 Fischer, Wolfram: Armut in der Geschichte, Göttingen, 1982

Friedrichs, Malte: Die räumliche Dimension städtischer Armut. In: Dangschat, Jens S. (Hrsg.): Modernisierte Stadt - Gespaltene Gesellschaft, Opladen, 1999

Geremek, Bronislaw: Geschichte der Armut, München , 1991

Gielnik, Katja: Creaming the Poor? - die Underclass-Debatten in GB und Deutschland. In: Dangschat, Jens S. (Hrsg.): Modernisierte Stadt - Gespaltene Gesellschaft, Opladen, 1999

Häußermann, Hartmut: Großstadt/ Soziale Stichworte, Opladen, 1998

Neumann, Udo: Struktur und Dynamik von Armut, Breisgau, 1999

Schäfer, Bernhard / Wolfgang Zapf (Hrsg.) : Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands, Karlsruhe und Berlin 1998 (Lizenz- ausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung)

Schäfers, Bernhard/ Wewer, Göttrik (Hrsg.): Die Stadt in Deutschland, Opladen, Leske + Budrich 1996

[...]


1 Klanberg 1978, S. 23 und Büschges/Wintergeerst-Gaasch 1988, S. 21

2 Klanberg 1978, S. 74

3 Hochmut/Klee/Volkert 1995, S. 7

4 Schäuble 1984, S. 39

5 Bieback/Milz 1995, S. 9

6 Dangschat 1995, S. 54

7 Dangschat 1995, S.54

8 Armut in Hamburg II, 1997

9 Armut in Hamburg II, 1997

10 Armut in Hamburg II, 1997

11 Armut in Hamburg II, 1997

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Armut in den Städten
Veranstaltung
Stadt und Sozialstruktur
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V103902
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armut, Städten, Stadt, Sozialstruktur
Arbeit zitieren
Malte S. Heindl (Autor), 2000, Armut in den Städten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103902

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