In dieser Arbeit wird aufgezeigt, weshalb Lyrikunterricht bei Schülerinnen und Schüler (SuS) häufig kein beliebtes Unterrichtsthema darstellt. Die Verbindung von digitalen Medien mit Lyrik kann motivationsfördernd wirken, da das Thema lebenspraktische Themen der SuS aufgreift. Drei Schwerpunkte aus dem Lyrikunterricht können das analytische Arbeiten mit dem gesellschaftlichen, als auch persönlichen Prozess begleiten.
Zum einen ist die klassische Auseinandersetzung des Themas im Gedicht genannt. Hier stößt die Lehrkraft schnell an die Grenze, dass es zu dem modernen Thema noch nicht viele Gedichte von bekannten Gegenwartslyrikern gibt. Dies ist neben weiteren Gründen ein Anlass um produktionsorientierten Unterricht zu gestalten. Des Weiteren wird kurz der Stellenwert von internetbasierter Kommunikation unter einem linguistischen Blickfeld diskutiert. Diese Sachanalyse soll Ausgangspunkt sein für eine Unterrichtseinheit, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Dichtung und Internetkommunikation herausgearbeitet werden.
Anschließend werden produktiv-kreative Schreibformen für den Unterricht vorgestellt. Insbesondere wird die Kommunikation in WhatsApp und Instagram beleuchtet und für den Unterricht fruchtbar gemacht, damit die SuS einen kritisch-reflexiven Umgang mit Social Media pflegen. Abschließend wird auf die noch wenig erforschte Cyberpoetry eingegangen, die erst am Entstehen ist. Allerdings bietet sie für den Unterricht einen erfrischenden Einblick in eine abwechslungsreiche Lyrik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Lyrikdidaktik
3. Digitalisierung im Deutschunterricht – Relevanz des Themas
3.1 Digitalisierung in der Lyrik
3.1.1 Produktionsorientierter Lyrikunterricht
3.1.2 Rezeptionsorientierter Lyrikunterricht
3.2 Social Media und Lyrik im Deutschunterricht
3.2.1 Themeneingrenzung
3.2.2 Ein linguistischer Vergleich von Kommunikation in Sozialen Medien und Gedichten
3.2.3 WhatsApp im Deutschunterricht
3.2.4 Instapoetry im Deutschunterricht
3.3 Lyrik in der Digitalisierung
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die didaktische Notwendigkeit, das Thema Digitalisierung in den Lyrikunterricht der Sekundarstufe zu integrieren. Dabei wird analysiert, wie moderne Kommunikationsformen und digitale Medien genutzt werden können, um bei Schülerinnen und Schülern (SuS) ein tieferes Verständnis für Lyrik zu wecken und gleichzeitig einen kritisch-reflexiven Umgang mit den eigenen digitalen Lebenswelten zu fördern.
- Produktionsorientierte Schreibansätze im digitalen Kontext
- Vergleich von Internetkommunikation und lyrischen Strukturen
- Einsatzmöglichkeiten von Social Media (WhatsApp, Instagram) im Lyrikunterricht
- Die Rolle der Cyberpoetry und neuer digitaler Medien in der Literaturvermittlung
- Identitätsbildung und Medienkompetenz durch lyrische Auseinandersetzung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Produktionsorientierter Lyrikunterricht
Ein markantes Merkmal von Lyrik besteht in dem freieren Spiel von Worten und Sätzen, als es in anderen Gattungen üblich ist. Stilmittel wie Neologismen, Anaphern, Ellipsen oder Inversionen sind in Drama und Prosa kaum anzutreffen, da der Schreibakt an konforme Regeln des Satzbaus gebunden ist. Ein regulärer deutscher Satz folgt dem Schema Subjekt-Prädikat-Objekt, was in Gedichten nicht unweigerlich eingehalten werden muss. Das Überschreiten von Sprachnormen kann mit einem schöpferischen Moment verbunden sein und neue Ausdrucksweisen zu Tage fördern. Spinner macht vier Bewusstseinsschritte aus, damit ein Autor vorgefertigte Vorstellungen und Grenzen überwinden kann. Zunächst werden bestehende Normen und Regeln erkannt. Im alltäglichen selbstverständlichen Gebrauch der Muttersprache werden Satzkonstrukte und Wortbedeutungen selten hinterfragt und daher nicht als solche identifiziert. Auf diese Erkenntnis erfolgt die Einsicht, dass die lyrische Produktion nicht dieser Regeln bedarf, sodass eine Loslösung der Einschränkungen passiert. Laut Spinner kommt es zur Kritik seitens des Rezipienten, um daraufhin neue Sichtweisen zu generieren. Auf diese Weise lernt der Autor festgelegte Sprachnormen, die in der zwischenmenschlichen Kommunikation elementar zur Verständigung sind, in Zusammenhang mit der Lyrik allerdings den kreativen Gedankenfluss hindern, zu entdecken und im kreativen Prozess zu ignorieren. Dadurch wird ein freier experimenteller Umgang mit Sprachnormen freigesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die gesellschaftliche Relevanz der Digitalisierung und begründet, warum das Fach Deutsch einen Beitrag zur ethischen und moralischen Auseinandersetzung mit dieser Transformation leisten muss.
2. Allgemeine Lyrikdidaktik: Das Kapitel beleuchtet den unbeliebten Stellenwert von Lyrik bei Schülern und plädiert für handlungsorientierte sowie rezeptionsorientierte Ansätze zur Stärkung der Selbstfindung und Identitätsentwicklung.
3. Digitalisierung im Deutschunterricht – Relevanz des Themas: Hier wird der Auftrag der Kultusministerkonferenz diskutiert, Medienkompetenz als Teil der Fachcurricula zu etablieren, um Schülern einen mündigen Umgang mit digitalen Medien zu ermöglichen.
3.1 Digitalisierung in der Lyrik: Der Abschnitt betrachtet aktuelle Gedichte, die sich mit Technik und Digitalisierung befassen, und zeigt auf, dass das Thema noch wenig kanonisiert ist, aber hohes Potenzial für den Unterricht besitzt.
3.1.1 Produktionsorientierter Lyrikunterricht: Dieses Kapitel erläutert, wie durch das Spiel mit Sprachnormen und kreative Schreibaufträge Schüler zu einer tieferen Auseinandersetzung mit lyrischen Texten angeregt werden können.
3.1.2 Rezeptionsorientierter Lyrikunterricht: Anhand konkreter Beispiele wird gezeigt, wie postmodern geprägte, ironische Gedichte den Zugang für Jugendliche erleichtern und zur kritischen Analyse anregen können.
3.2 Social Media und Lyrik im Deutschunterricht: Das Kapitel analysiert das hohe Schreibpotenzial digitaler Kommunikation und fordert dazu auf, die Alltagssprache der Schüler in den Unterricht zu integrieren.
3.2.1 Themeneingrenzung: Es wird eine präzise Definition von Social Media vorgenommen, um den Begriff methodisch korrekt für den Deutschunterricht einzugrenzen.
3.2.2 Ein linguistischer Vergleich von Kommunikation in Sozialen Medien und Gedichten: Dieses Kapitel vergleicht die Prägnanz und die syntaktischen Merkmale von Kurznachrichten mit lyrischen Stilmitteln.
3.2.3 WhatsApp im Deutschunterricht: Der Abschnitt diskutiert, wie der Chat-Verlauf als Medium für Unterrichtsprojekte genutzt werden kann, ohne die informelle Kommunikation der Schüler defizitär abzuwerten.
3.2.4 Instapoetry im Deutschunterricht: Dieses Kapitel beleuchtet die Popularität von Instapoetry und deren Potenzial als niedrigschwelliger, motivierender Einstieg in die Lyrikrezeption.
3.3 Lyrik in der Digitalisierung: Es wird die Cyberpoetry als neue Form der Lyrik vorgestellt, die durch technologische Möglichkeiten wie Animation und Interaktivität den traditionellen Textbegriff erweitert.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Integration digitaler Lebenswelten den Lyrikunterricht modernisieren und die intrinsische Motivation der Schüler durch Alltagsbezüge deutlich steigern kann.
Schlüsselwörter
Lyrikdidaktik, Digitalisierung, Deutschunterricht, Medienkompetenz, Produktionsorientierung, Social Media, WhatsApp, Instapoetry, Cyberpoetry, Sprachnormen, Mediensozialisation, digitale Transformation, Kreatives Schreiben, Identitätsbildung, Lyrikrezeption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das Thema Digitalisierung in den Lyrikunterricht integriert werden kann, um Lyrik für Jugendliche attraktiver und lebensweltnäher zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die produktions- und rezeptionsorientierte Lyrikdidaktik, die Verbindung von Alltagssprache in sozialen Medien mit literarischen Formen sowie die Nutzung digitaler Werkzeuge im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, wie Schüler durch die Brücke zu ihrer digitalen Lebenswelt eine neue, reflektierte Beziehung zu Lyrik aufbauen können.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Es werden didaktische Konzepte der Literaturvermittlung (z.B. nach Spinner und Ingendahl) mit linguistischen Modellen zur Internetkommunikation (z.B. Koch/Oesterreicher) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische digitale Formate wie WhatsApp-Chats, Instapoetry und Cyberpoetry sowie deren didaktische Nutzbarkeit im Deutschunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Medienkompetenz, Lyrikdidaktik, Produktionsorientierung und digitale Transformation charakterisieren.
Warum ist WhatsApp für den Lyrikunterricht relevant?
WhatsApp dient als Schnittstelle zwischen der privaten Lebenswelt der SuS und dem Unterricht. Durch den Vergleich von Chat-Kurznachrichten und Gedichten lassen sich ästhetische und strukturelle Gemeinsamkeiten (z.B. Prägnanz) entdecken.
Welche Rolle spielt die Cyberpoetry?
Cyberpoetry repräsentiert eine neue Gattung der Lyrik, die digitale Techniken wie Animationen und interaktive Audios nutzt und so den traditionellen Textbegriff durch eine visuelle und kinetische Dimension erweitert.
- Citar trabajo
- Anika Engler (Autor), 2020, Digitalisierung im Lyrikunterricht. Einbindung von digitalen Medien zur Motivationsförderung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039229