Die berufliche Erwachsenenbildung. Entwicklung, gesellschaftliche Hintergründe und Zukunftsaussichten des lebenslangen Lernens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Landwirtschaftliche Erwachsenenbildung

3. Erwachsenenbildung vor dem ersten Weltkrieg

4. Erwachsenenbildung in der Weimarer Republik

5. Phasen der Entwicklung

6. Erwachsenenbildung in der Zeit des Nationalsozialismus

7. Erwachsenenbildung nach dem 2. Weltkrieg

8. Erwachsenenbildung in der DDR

9. Die Erwachsenenbildung nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland

10. Rechtsgrundlagen der Erwachsenenbildung

11. Lernorte der Erwachsenenbildung

12. Lebenslanges Lernen

13. Bilanz und Zusammenfassung

14. Anhang

1. Einleitung

Der Bildungsbegriff nimmt mit der Zeit einen enorm wichtigen Platz in allen gesellschaftlichen Bereichen und im Alltagsleben der Menschen ein. Heutzutage treffen Menschen oft auf private oder berufliche Herausforderungen, die sie allein durch ihre schulische Ausbildung teilweise nicht meistern können. Dementsprechend sind immer mehr Menschen dazu gezwungen, immer wieder neue Wege zu gehen und sich weiterzubilden und ihr Leben lang zu lernen. Nur so können die ständig erneuernden Anforderungen der Gesellschaft erfüllt werden. Der Begriff Erwachsenenbildung kann aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Die eine Perspektive ist die Bildung Erwachsener und die andere ist die gesellschaftliche Ausdrucksform geschichtlicher Verhältnisse. In dieser Hausarbeit geht es darum, die beiden Perspektiven zu berücksichtigen und die Geschichte der Erwachsenenbildung/Weiterbildung in einigen auf einander folgenden zeitlichen Abschnitten darzulegen. Hierbei soll auf die Anfänge, die Entwicklung und die Perspektiven der Erwachsenenbildung eingegangen werden, wobei anzumerken ist, dass sich die Erwachsenenbildung zum Teil historisch schwer identifizieren lässt, da sie ihres Gegenstandes nicht immer bewusst ist. Zumal sich die Bundesrepublik Deutschland in einem Umbruch von einer industrialisierten zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft befindet und hohe Arbeitslosenzahlen und Strukturkrisen den Alltag beherrschen, steht die Erwachsenenbildung/ Weiterbildung vor einer ungewissen Zukunft. Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Entwicklung der Erwachsenenbildung nachzuvollziehen und zu verstehen, was in der Vergangenheit geschehen ist und von welchen Vorstellungen diese Geschehnisse bestimmt waren. Außerdem soll dargestellt werden, was die moderne Erwachsenenbildung beinhaltet und ebenso soll auch auf die Zukunftsaussichten eingegangen werden.

2. Landwirtschaftliche Erwachsenenbildung

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde aufgrund von Bevölkerungswachstum, Durchsetzung des Freihandels und Änderungen der Agrarverfassung eine Qualitätssteigerung der Agrarproduktion verlangt. Es war also ein Umlernen für die Landarbeit nötig, um eine agrarische Bildung zu gewährleisten, damit die neue Art der Arbeit in ihrer Bedeutung verstanden und umgesetzt werden kann. In der Bauernbildung gab es damals schon die gleichen Grundgedanken, die noch heute für die Argumentation der Erwachsenenbildung bestimmend wirken. Die Hinführung zur Fähigkeit des Selbst-Entdeckens als vorrangige Aufgabe. 1762 wurden Acker-Akademien gegründet, die unter dem Vorzeichen der Praxisorientierung standen. Sie hatte aber ihre Funktion in der Wissensverbreitung. Forschung, Bildung und Sozialreform waren eng miteinander verknüpft. Verschiedene Lernorte waren der eigene Acker, zur Erntezeit Fremdäcker und die Akademie.1

3. Erwachsenenbildung vor dem Ersten Weltkrieg

Die Wende vom 18. zum 19 Jahrhundert sorgte dafür, dass die ständischen Unterschiede aufgehoben wurden und das die Städte das Recht zur Selbstverwaltung erhielten. Aufgrund dieser Tatsache herrschte außerdem die freie Berufswahl und Gewerbefreiheit.

Während dieses Entwicklungsganges gewannen die Erziehung und Bildung an Bedeutung, weil es auch zu Teil an den Universitäten gefordert wurde. In der Zeit der Aufklärung kam außerdem ein neues Selbst- und Weltverständnis auf.

Demzufolge wurde Bildung als ein Anrecht aller Menschen, also aller Schichten und aller Lebensstufen, und somit auch der Erwachsenen, betrachtet. Man kann die Erwachsenenbildung also als eine Bildungsagentur ansehen, die versuchte, zeitgemäße Ansprüche an die Bildung zu erfüllen. Dieser Wandel wirkte sich unter anderem auch auf die bürgerlichen Bildungsvereine wie Lese- und Harmoniegesellschaften, Arbeiterbildungsvereine der Handwerker, kleinbürgerliche Schichten und Gewerbevereine aus. Nennenswert ist die Gründung der „Gesellschaft für Verbreitung der Volksbildung“ im Jahre 1871 in Berlin. Ihre Bildungsarbeit war auf Breitenwirkung angelegt, was die Errichtung von vielen Bibliotheken beweisen kann. So konnten sich auch bildungsferne Bevölkerungsschichten den Zugang zu wissenschaftlichen Fragestellungen verschaffen. Bedeutend ist auch die Gründung der „Deutschen Schule für Volksforschung und Erwachsenenbildung“. Diese war für die Erwachsenenbildung als Wissenschaft von großem Einfluss, da sich dort die Anfänge der Erwachsenenbildung als Wissenschaft zeigten.2

4. Erwachsenenbildung in der Weimarer Republik

Die Staatskrise, die sich nach dem Verlust des Ersten Weltkrieges verbreitete, gab einen Impuls für eine neue Volksbildung, welche die Bildung der Menschen aller Schichten eröffnen sollte.

Abgesehen davon sollte die Erwachsenenbildung die im Ersten Weltkrieg verloren gegangenen Ressourcen durch geistige Erneuerung der Volksbildung aller Volksschichten wiederherstellen. So erhielt sie ein übergeordnetes Ansehen und diente als Veranlassung für die Umgestaltung des gesamten Bildungs- und Erziehungssystems. Das Weimarer System sah in der Erwachsenenbildung einen bedeutenden Partner, der das demokratische Denken in den Bevölkerungsschichten erreichen sollte. Für die Entwicklung der Erwachsenenbildung war die Volkshochschulbewegung, die sich aus zwei Institutionen zusammensetzte, sehr bestimmend. Einmal die Abendvolkshochschule in der Stadt, die zu den freien Formen der Erwachsenenbildung zählte, da sie keine politische oder religiöse Richtung vertrat und auf das liberale Bürgertum ausgerichtet war. Andererseits war es die Heimvolkshochschule auf dem Land, die einer bestimmten gesellschaftlichen oder religiösen Ausrichtung unterlag. Infolge dessen entstanden zwei neue Hauptrichtungen der bürgerlichen Erwachsenenbildung, die durch zwei gesellschaftstheoretische und pädagogische Grundpositionen bestimmt wurden. Die eine durch radikale Gesellschafts-, Zivilisations- und Kulturkritik und die andere durch pädagogisch- didaktische Neuorientierung.3

5. Phasen der Entwicklung

Josef Olbrich fasst die Entwicklung der Erwachsenenbildung vor dem Beginn des Nationalsozialismus in vier Einheiten zusammen. Diese beinhalten allerdings keine klaren Trennungslinien.

Die erste Phase ging von 1918 – 1923 und ist die Phase des rapiden institutionellen Auf- und Ausbaus sowie der Herausarbeitung theoretischer Grundpositionen. Diese Phase ist durch eine organisatorisch- institutionelle Ausweitung und eine sehr wichtige, theoretische und bildungspolitische Neuorientierung gekennzeichnet. Die Erwachsenenbildung sollte bei der Entfaltung einer Gesellschaft helfen, die die Chancengleichheit emporragen sollte.

Die 2. Phase ging von 1923 – 1924 und war die Phase der politisch- ökonomischen Krise und ihre Auswirkungen auf die Erwachsenenbildung. Während dieser Phase litt

die Erwachsenenbildung unter der Inflation und der Weltwirtschaftskrise. Es wurde eine neue Form der Erwachsenenbildung verfolgt, die sich durch eine Beteiligung in

gesellschaftlichen und politischen Fragen hervortun sollte.

Die dritte Phase ging von 1925 – 1930 und war die Phase der Konsolidierung und Neuorientierung. Olbrich bezeichnet diese auch als pragmatische Wende. In dieser Phase wurden Systematik und langfristige Lehrplanung angestrebt. Außerdem sollten Schule und Erwachsenenbildung sich vereinen, da sich die

Erwachsenenbildung als Weiterbildung von schulischen Lernprozessen verstand. Überdies wurde das Prinzip der bewussten politischen Entscheidungen aufgenommen.

In der vierten Phase zwischen 1930 und 1933, die als die Phase des Niedergangs und des beginnenden Endes der demokratischen Erwachsenenbildung bezeichnet wird, setzte sich die Erwachsenenbildung kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander.4

6. Erwachsenenbildung in der Zeit des Nationalsozialismus

Durch die Machtergreifung des Nationalsozialismus entstand eine neue Ära in der deutschen Geschichte. Viele Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen und Universitäten wurden der nationalsozialistischen Kultur-, Wissenschafts- und Bildungspolitik unterworfen. Bedeutungsvolle Erziehungstheoretiker und Erziehungsorganisatoren wurden unter anderem wegen ihrer jüdischen Herkunft, ins Exil gedrängt, was einer der Gründe für den großen Verlust in den Jahren von 1933 bis 1945 war und zum Beständigkeits- und Traditionsbruch der Pädagogik und der Erwachsenenbildung beisteuerte. Während dieser Zeit entstand eine neue Pädagogik, in dessen Mittelpunkt der Rassenbegriff stand.

Den Schwerpunkt nationalsozialistischer Erwachsenenbildung bildete die Arbeit des Deutschen Volksbildungswerkes, da seine Tätigkeiten nicht primär auf die Bildungsinteressen der Teilnehmer zielten, sondern auf den Gewinn breiter Bevölkerungskreise für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Überdies gab es Organisationen wie die „Deutsche Arbeitsfront“, welche die Aufgaben der Gewerkschaften übernahm. Es gab aber natürlich noch mehrere und andere Organisationen.

In den Jahren 1936 bis 1940 wurde die „Reichsarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung“ gegründet, die alle Erwachsenenbildungsaktivitäten zusammenfügen sollte und der eine umfangreiche Koordinations-, Planungs- und Kontrollfunktion zugeschrieben wurde.

In den Jahren 1940 bis 1945 gehörten zu den Aufgaben der Erwachsenenbildung die geistigkulturelle Wehrmachtsbewachung und die Absicherung der nationalsozialistischen Macht in den angeschlossenen und besiegten Gebieten.5

7. Erwachsenenbildung nach dem 2. Weltkrieg

Die Ausgangslage der Erwachsenenbildung war nach dem Zweiten Weltkrieg durch

verschiedene Faktoren bestimmt. Zum einen war es die politisch- soziale, materielle

und geistige Situation nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus. Zum anderen waren es die Vorstellungen der Siegermächte über die Neugestaltung des Bildungs- und Erziehungssystems.

Die Besatzungsmächte (Vereinigtes Königreich, Großbritannien, Nordirland, Vereinigte Staaten von Amerika, Sowjetunion und dir französische Republik) bestimmten die Ansichten und Verordnungen. Sie unterstützten die Bildungsarbeit der Volkshochschulen.

Die Umerziehung der Deutschen war die zentrale Aufgabe der Besatzungsmächte, die Vorstellungen zu Lösung waren allerdings unterschiedlich. Die Sowjetunion setzten sich vor allem für die Entnazifizierung und die Entmilitarisierung ein, die Westallierten setzten mehr Wert auf allgemeingültige Prinzipien wie Gerechtigkeit, Achtung der Menschenwürde, Völkerverständigung und Toleranz. Den Briten war der Bezug zu den Pädagogen sehr wichtig und die Franzosen setzten sich für eine Bereitstellung eines Kulturangebotes in den Besatzungszonen ein. Nicht zu vergessen waren dabei private Initiativen wie Schweden oder die Schweiz. Sie vermittelten die Grundlagen einer demokratischen Erwachsenenbildung und Mitbürgerlichkeit. Dabei gab es für den Aufbau einige Schwierigkeiten, denn es gab fehlende Räume, begrenzte finanzielle Mittel, Schwierigkeiten beim Reisen und Kommunizieren. Allgemein kann man sagen, dass es eine Wiederaufnahme der bildungsidealistischen und geisteswissenschaftlichen Traditionen aus der Weimarer Republik geben sollte.

[...]


1 vgl. Die Volkshochschule, Handbuch für die Praxis der Leiter und Mitarbeiter, 22. Lieferung Dezember 1989

2 vgl. Olbrich 2001, S.26, S.28-32, S.52-55, S.89, S.103-137

3 vgl. Olbrich 2001, S.139-148, S.148-164, S.200-203

4 vgl. Olbrich 2001, S.213-216

5 vgl. Olbrich 2001, S.217-227, S.228-233, S.242-257, S.233-241 vgl. Seitter 2007, S.41, S.42f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die berufliche Erwachsenenbildung. Entwicklung, gesellschaftliche Hintergründe und Zukunftsaussichten des lebenslangen Lernens
Hochschule
Fachhochschule Münster
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V1039300
ISBN (eBook)
9783346456199
ISBN (Buch)
9783346456205
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erwachsenenbildung, entwicklung, hintergründe, zukunftsaussichten, lernens
Arbeit zitieren
Jan-Niklas Brüggemann (Autor), 2016, Die berufliche Erwachsenenbildung. Entwicklung, gesellschaftliche Hintergründe und Zukunftsaussichten des lebenslangen Lernens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039300

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