Schnitzler, Arthur - Das erzählerische Werk


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

9 Seiten, Note: 1


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Arthur Schnitzler

1862 - 1931

Arthur Schnitzler wurde am 15.Mai 1862 in Wien, als Sohn eines jüdischen Professors der Medizin geboren.

Arthur Schnitzler verdankt seinem Vater, Johann Schnitzler, den Start im Leben, die gesicherte Existenz der ersten Lebensjahrzehnte, die gepflegte Umwelt sowie sicher das ärztliche Talent. Selbst die Hypnose, die den Arzt-Sohn und Mediziner später so interessiert, hat schon den Vater davor in seiner Praxis angewandt. Seltsamerweise kommt dieser so wichtige Vater in Schnitzlers Werken kaum vor.

Seine Mutter, Louise Schnitzler, war Marktbereiter und taucht erst in ihren letzten Lebensjahren und kurz vor ihrem Tod verstärkt in Schnitzlers Tagebuch auf. Ihr Dasein war eine Selbstverständlichkeit. Nach dem Tod des Vaters lebte er weiter mit der Mutter zusammen, fand in ihrem Haushalt jegliche Bequemlichkeit und gänzliches Frei- sein von Verantwortung, denn die Mutter quälte ihn nicht mehr, wie der Vater, mit Fragen seiner nächtlichen Bummeleien und seinen ständig wechselnden Frauen-Beziehungen.

Arthur Schnitzler und seine Geschwister wurden ungewöhnlich behütet, sosehr, dass er anfangs in der Schule als Muttersöhnchen galt, weil ihn der Hauslehrer auf allen Wegen begleitete.

Seine Beziehung zur Literatur schaffte er sich selbst durch frühkindliche Lesewut und dank den preiswerten Reclam-Heftchen, und die zur Musik wurde durch einen konsequenten Klavierunterricht durch die Mutter gefördert.

Ein Aspekt in der Erziehung Arthur Schnitzlers wurde total vernachlässigt: der religiöse. Religion spielte im Leben von Johann und Louise Schnitzler so gut wie keine Rolle, also auch nicht in dem des Sohnes. Wenn ihn später, zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr, religiöse Fragen dann doch stark beschäftigten, so im philosophischen Sinn. Jude zu sein war für Schnitzler einzig und allein eine Rassenfrage, der er sich weder entziehen konnte noch wollte.

Als Neunjähriger wurde er nach mehreren Hauslehrern ins Akademische Gymnasium eingeschrieben und erwies sich dort als normaler Schüler. Seine wirkliche Lehrstätte allerdings war das alte Burgtheater. Es bot ihm nicht nur die Anregung, Theaterstücke zu schreiben, sondern bewegte Arthur von allem Anfang an Stücke für bestimmte Künstler zu verfassen, unter anderem für Stella Hohenfels. Vor allem schrieb er Dramen, Dramen in großer Zahl. Er hatte das Theater im Blut.

In jugendlichen Jahren gab Arthur bald seiner Neigung zu Dramatischen nach und er verfasste allerlei Tragödien und Märchen. Der Vater förderte die frühen Versuche des Sohnes, sich schriftstellerisch zu betätigen, wo er auch später Talentproben seines Sohnes bekannter Journalisten und Schauspielern vorlegte.

Bis zu seiner Matura, die er 1879 mit Auszeichnung bestand, führte Arthur Schnitzler ein geselliges, im ganzen positiv geprägtes Dasein. Im selben Jahr noch versuchte der Vater, den Sohn in seine Richtung, des Medizinjournalismus zu lenken. Tatsache bleibt, dass für Johann Schnitzler sie ärztliche Laufbahn der Söhne so festgelegt war, dass es für diese kaum eine Möglichkeit gab, sich dagegen zu wehren. Und da Arthur außer dem Hang zur Schriftstellerei, die ja keinen Beruf im erlernbaren Sinn darstellte, keinerlei Neigung zeigte, die ihm eine Alternative zum väterlichen Gebot bedeuten, schrieb er sich ohne Widerstand an der medizinischen Fakultät der Wiener Universität eine. Doch schon bald musste er erkennen, dass ihm seine Professoren die Liebe zur Medizin nicht erwecken konnten und er floh stattdessen lieber ins Kaffeehaus.

Seine Liebe zu Fanny Reich, die er als 13 jähriger kennen lernte, standen in voller Blüte. Ihr galten Schnitzlers erste Liebes- gedichte. Da diese Beziehung aber nur ein unverbindliches Geplänkel war, beschlossen die Eltern Reich, der Sache ein Ende zu machen, und bestimmten der Tochter kurzerhand einen Gatten. Bald erkannte Arthur, dass ihm keine der vielen Mädchen, die er später traf, so viel bedeutete wie Fanny.

Seine ersten Versuche, an die Öffentlichkeit zu treten, gingen gänzlich unbemerkt vorbei und fanden auch keine Fortsetzung, da die Zeitung bald darauf eingestellt wurde.

Herbst 1882 arbeitete der Student Schnitzler an der Poliklinik, teilweise bei seinem Vater und ab dem 1.Oktober 1882 nahm sein Leben dann eine Wende. Er musste sich ein Jahr dem Militär verpflichten. Seine Kritik an der Haltung und am Verhalten der Offiziere legte er am schärfsten in der Novelle „Leutnant Gustl“ nieder.

Allem inneren Widerstand neigte sich Schnitzlers Studienzeit dem Ende zu und 1885 promovierte er als 23 jähriger zum Doktor der gesamten Heilkunde. Für den jungen Doktor Schnitzler änderte sich das Leben als fertiger Arzt vorerst noch nicht wesentlich. Noch im selben Jahr trat er als Hospitant in die Abteilung für Innere Medizin des Allgemeinen Krankenhauses ein und gelegentlich übernahm er auch die Privatklinik für den Vater. Er verkehrte weiter in der Kaffee- hausgesellschaft und durfte sich, nachdem er wieder zu schreiben begonnen hatte, gleichsam „offiziell“ als Dichter betätigen.

Nach einem Krankenhausaufenthalt wegen

Lymphdrüsenschwellung als 24 jähriger ging seine medizinische

Laufbahn weiter. Er wurde Sekundärarzt auf einer psychiatrischen Klinik. Nach seinem längeren London Aufenthalt wurde Arthur Assistenz seines Vaters an der Poliklinik und beschäftigte sich mit den ersten hypnotischen Versuchen. Außerdem eröffnete er eine Privatpraxis in der er selbstständig ordinierte.

1891 fand die erste Aufführung eines Schnitzlers-Stückes statt. Seiner Familie allerdings interessierte dieses Ereignis überhaupt nicht. Im selben Jahr wurde das Theater wiederholt, diesmal mit seinen Eltern in der Loge, und der Vater war sehr erfreut über den Erfolg.

1893 starb sein Vater 82 jährig. Der Tod seines Vaters war für Schnitzler eine Tragödie trotz dass sie sich schlecht verstanden hatten und einander enttäuscht. Später stellte sich der Tod des Vaters für Schnitzler doch als Erleichterung heraus. Er konnte endlich ungehindert aus der Poliklinik ausscheiden und eröffnete eine neue Privatpraxis.

Mit 33 Jahren kam der Ruhm seiner dichterischen Werke und Theaterstücken.

1897 erfuhr er, dass Marie Reinhard ein Kind von ihm erwartete. Nach dem ersten Schreck fand er sich damit ab, stellte sich sogar positiv dazu ein, ohne die weitgehend normale Konsequenz einer Ehe zu ziehen. Marie Reinhard bringt jedoch nach mehrtägigen Wehen einen toten Sohn zu Welt. Schnitzler war erschüttert wie noch nie, schlimmer als beim Tod seines Vaters, als er dieses Kind vor sich sah und sich des Gedanken nicht wehren konnte, sein persönliches Desinteresse an ihm hätte diesen Tod in höherem Sinn verschuldet.

2 Jahre später stirbt Marie Reinhard an einem

Blinddarmdurchbruch. Für einige Zeit stand das Leben von Arthur Schnitzler still. Ein Vierteljahr nach der Tragödie, begann er wieder zu arbeiten und nähere Beziehungen zu Frauen herzustellen. Er lernte die 18 jährige Olga Gussmann kennen, die 2 Jahre später ein Kind von ihm erwartete. Anfangs hegte er Olga gegenüber noch keine anderen als freundschaftliche Gefühle. Die junge Beziehung erfuhr ihren ersten großen Schmerz, als Ilga das erwartende Kind verlor. Und sehr bald wurde Schnitzler klar, dass er noch nie eine so problematische Gefährtin hatte. An seinem 39. Geburtstag notierte er in seinem Tagebuch, dass sie einander liebten und zerfleischten. Dennoch wurde diese Beziehung die tiefste, längste und bedeutendste seines Lebens.

Im Sommer 1900 schrieb Schnitzler innerhalb von sechs Tagen den „Leutnant Gustl“ nieder. Die wahrscheinlich berühmteste Novelle brachte viel Ärger ein. Man warf ihm vor, er habe in der Novelle die Ehre und das Ansehen der österreichischen und ungarischen k.u.k. Armee herabgesetzt. Er wurde beschimpft, dass er darstellte, worüber man nicht sprach.

Zu Olgas 20. Geburtstag stand fest, das sie wieder ein Kind erwartete. Wie einst für Marie Reinhard suchte Schnitzler auch für sie eine Sommerwohnung außerhalb Wiens, wo sie die Geburt erwarten sollte. Und in 1902 schenkte Olga Gussmann einem Sohn das Leben, der Heinrich genannt wurde. Für Arthur Schnitzler begann manches neu. Durch die Existenz des Kindes gestaltete er ein Privatleben neu und tauschte den Egoismus des Junggesellendaseins gegen das Familienleben ein. Auf Drängen Olgas heirateten sie schließlich am 26. August 1903. Daraufhin löste sie ihren Haushalt in der Gentzgasse auf und Arthur verließ endgültig seine Mutter, um gemeinsam mit Olga ins neue Hein mit Blick auf den Sternwartepark zu ziehen. Olga ist auch diejenige, die in krisenhaften Zeiten sein einziger Halt war. Seine Familie, von der er doch meinte, Verständnis erhoffen zu können, provozierte ihn eher durch ihren Mangel an Begreifen. Als er sich demzufolge zurückzog, beklagten sich die Geschwister über seine Unzulänglichkeit.

Im Laufe der Zeit war der Dichter von seinen Freunde, unter anderem Hugo von Hoffmannsthal und Gerhard Hauptmann, enttäuscht, auch fast jede Kritik, die ihn erreichte, machte ihm Ärger, da er sich nirgends verstanden fühlte und stets das Gefühl hatte, man verklein-ere seine Leistung.

Am 13. September 1909 wurde Arthur Schnitzler zum zweiten Mal Vater. Es bedeutete für ihn als Mensch die nächsten 18 Jahre lang eine große seelische Bereicherung, denn er liebte seine Tochter Lili über alle Maße.

Im Jahre 1911 starb seine Mutter Louise Schnitzler im Alter von 74 Jahren. Obwohl sie gegen Olga intrigierte, fühlte Schnitzler in diesem Augenblick, dass er seine Mutter trotz aller Entfremdung unsagbar liebte.

Nach hektischen Kriegs- und wieder Beruhigungsnachrichten erklärte Österreich-Ungarn 1914 Serbien den Krieg. Dennoch war Schnitzler imstande, sich für etwas anderes noch mehr zu interes- sieren als für den Krieg. Er erhielt einen Brief, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass der Nobelpreis für Literatur diesmal an Österreich fallen soll, und zwar in zu gleichen Teilen an zwei Dichter. Neben Schnitzler war Altenberg vorgesehen. Der Stellenwert des Nobelpreises war für ihn die Krönung eines dichterischen Lebenswerkes. Doch da man nichts anderes im Sinn hatte, als den Krieg, wurde der Nobelpreis gar nicht vergeben.

Wenn Arthur Schnitzler mit 52 Jahren auch längst nicht mehr praktizierte, so interessierte er sich doch lebenslang für ärztliche Fragen, verfolgte mit Interesse die Arbeit des Bruders, ließ sich in Sanatorien neue Einrichtungen erklären und zeigen, diskutierte mit seinem Schwager Hajek über die Entstehung des Krebses. Wenn Schnitzler weder als praktizierender Arzt noch als verfassender Dichter und auch nicht in offizieller Position für den Krieg tätig war, so entzog er sich nun doch kaum der Bitte nach der Vorlesung seiner Werke. Doch schon bald merkte er, dass man ihn mit dem Argument des Weltkrieges abschob.

In seinem 53. Lebensjahr beschloss er eine Autobiographie zu schreiben. Schnitzler vollendete diese Autobiographie nicht, er kam - obwohl sie dann, aus dem Nachlass unter dem Titel „Jugend in Wien“ veröffentlicht, ein umfangreiches Buch ergibt - nicht über seine Jugendjahre hinaus. Der Dichter in ihm war stärker als der Chronist. Die Autobiographie, wie sie uns heute vorliegt, ist ein Produkt intensiver Tagebuchlektüre und sicher nicht so, wie Schnitzler sie der Öffentlichkeit übergeben hätte. In seinen Tagebüchern schrieb er immer ausführlicher seine Träume nieder, reflektierte seine Ängste, Sorgen, Depressionen, Empörungen.

Bald mussten auch nähere Bekannte und Angehörige in den Krieg ziehen. All das würde genügen, um einen Menschen innerlich auszuwühlen, aber mit Schnitzler geschah damals noch mehr. Er verliebte sich in Stephi Bachrach. Seine Ehe war zwar mittlerweile schon sehr schlecht, aber er brach sie nicht, solange Olga sie noch nicht zerbrochen hatte. Zwei Jahre später nahm sich Stephi das Leben. Vieles kam zusammen, um ihr die Zukunft aussichtslos zu erscheinen zu lassen.

In dieser Zeit musste Schnitzler viel Kritik wegen seinen Stücken ertragen: großer Erfolg beim Publikum, aber Beschimpfungen von seiten der Kritik.

Nach Kriegsende wollte sich Olga von ihrem Gatten scheiden lassen, um sich als Künstlerin selbst zu verwirklichen. Mit der Tren- nung von Olga Gussmann schloss er ein weiteres Kapitel seines Privatlebens ab. Doch an dieser Trennung litt er, im Gegensatz zu den anderen, bis an sein Lebensende. 1920 stand der Scheidung nichts mehr im Wege, und auch die Kinder konnten die Schnitzlers nicht von diesem Schritt zurückhalten. Dabei ging es nicht mehr um den 18 jährigen Heinrich, der schon begann, ein eigenes Lebens zu führen, sondern um die 11 jährige Lili, die Schnitzler nicht hergab. Nach der Scheidung blieben ihm die Kinder, das gewohnte Hein, die Freunde, die Arbeit. Doch die Tragik der Olga Schnitzler bestand darin, dass sie ihr eigenes Leben zerstörte, indem sie Schnitzler verließ. Aber sie rette damit seines. Zumindest ermöglichte sie ihm, zu seiner Arbeitskraft, die ihn so verlassen hatte, zurückzukehren.

In laufe der Zeit verschuldete sich Arthur Schnitzler immer mehr. Durch die Auslandshonorare konnte sich Schnitzler einiger- maßen behaupten. Der kommende Abschied seines Ruhms mit 60 Jahren hatte seine ökonomischen Folgen im Leben eines Mannes, der seinen großbürgerlichen Lebensstil durch die Scheidung auf zwei, später durch Lilis Heirat kurzfristig auf drei Haushalte übertrug.

1924 schrieb Schnitzler die Monolognovelle „Fräulein Else“, die zweite Monolognovelle nach „Leutnant Gustl“. Sie teilt mit der ersten die ungeheure Spontaneität, die Lebendigkeit, die Spannung.

Mit 17 Jahren heiratete seine Tochter Lili einen um 20 Jahre älteren Italiener. Doch die Ehe verlief nicht gut und bereits nach einem Jahr erschoss sie sich. Nach Lilis Tod zog es Schnitzler mehr und mehr zu seinem Sohn und dieser lebte in Berlin.

Schnitzler begann immer mehr auch äußerlich zu altern und der Tod rückte immer näher.

Arthur Schnitzler starb schließlich am 21. Oktober 1931 in Wien, in seinem Haus in der Sternwartestrasse, an den Folgen einer Gehirnblutung.

Berühmteste Werke:

Anatol - 1889

Liebelei - 1895 Freiwild - 1896 Reigen - 1896

Der grüne Kakadu - 1899 Leutnant Gustl -1900 Professor Bernhardi - 1912 Fräulein Else - 1924 Traumnovelle - 1926

Fräulein Else

Die neunzehnjährige Else macht gemeinsam mit ihrem Cousin Paul Urlaub in San Martino. Doch gleich zu Beginn dieses schönen Urlaubs erreicht sie ein Eilbrief aus Wien. Als sie ihn öffnet muss sie entsetzt feststellen, dass es sich um einen Bittbrief von ihrer Mutter handelt: Da Elsas Vater, ein bekannter Advokat, Mündelgelder veruntreut hat - und ihm daher ein Skandal droht - bittet die Mutter, dass Else das Geld ausborgen solle und zwar von Herrn Dorsday. Dieser ist sehr wohlhabend und hat Elsas Vater schon früher aus einer finanziellern Verlegenheit geholfen. Natürlich ist Else total verzweifelt, die Situation ist ihr unangenehm, sie versteht nicht, wie ihrem Vater so etwas passieren konnte und auch nicht, warum ihre Eltern ihr das antun und nicht selber herfahren um mit Herrn Dorsday persönlich zu sprechen.

Am Anfang ist Else noch gut gelaunt - sie will Herrn Dorsday so be- handeln, als wenn es eine Ehre für ihn wäre, ihr Geld zu leihen. Vor dem Abendessen ist sie furchtbar aufgeregt, da sie vorhat, Dorsday sobald wie möglich wegen des Geldes anzusprechen. Immer wieder stellt sie sich vor, wie der Abend enden könnte, sie malt sich in Gedanken aus, wie Dorsday reagieren wird. Dann geht sie zum Diner und gerät in Panik, als sie Dorsday von weitem sieht. Plötzlich kommt dieser auf sie zu und bittet sie um einen kleinen Spaziergang. Als sie so nebeneinander gehen, und über Unwichtigkeiten sprechen, kommt das Gespräch auf ihre Familie, und schneller als es Else recht ist, berichtet sie Herrn Dorsday, dass ihre Familie in größeren finan- ziellen Nöten stecke, wenn er ihr nicht 30 000 Gulden leihe. Nach längerem hin und her geht Dorsday auf Elses Forderung ein, obwohl er ihr sagt, dass sie die genannte Summe keineswegs so lächerlich ist, denn auch 30 000 Gulden müssen verdient sein. Schließlich stellt er eine Bedingung: Er will eine viertel Stunde lang Elses nackten Körper betrachten dürfen. Als Else hört, dass Dorsday eine solche Forderung an sie stellt, als Gegenleistung für das Geld, ist sie im ersten Moment nur völlig wütend und ganz außer sich. Sie glaubt, dass sie diesen Wunsch niemals nachkommen wird. Doch je länger sie nachdenkt und je verzweifelter sie wird, desto mehr ver- wirft sie den Gedanken sich gegen Dorsdays Angebot zu wehren. Für sie stellen sich nur noch zwei Handlungen in Frage: entweder sie geht auf den schrecklichen Vorschlag ein, um ihren Vater aus lauter Liebe vor dem Zuchthaus zu bewahren, oder sie bringt sich um. In ihrer lebhaften Phantasie stellt sie sich die verschiedensten Variationen des Selbstmordes vor.

Am Abend erreicht sie ein zweites Telegramm von zu Hause. Einen Moment lang hofft sie, dass darin steht, dass die ganze Sache geord- net werden konnte, doch als sie den Brief öffnet, muss sie darin lesen, dass die Summe von 30 000 auf 50 000 Gulden angewachsen ist. Immer öfter denkt sie nun daran, für alle Fälle Veronal bereit zu legen, um sich damit einen letzten Ausweg offen zu halten. Schließlich, nach endlosen Nachdenken, kommt Else zum Schluss, dass Dorsday sie schon nackt sehen solle, gleich alle Hotelgäste auf dieses Vergnügen nicht verzichten sollten. So geht sie nackt - nur mit einem Mantel bekleidet, hinunter in den Musiksaal. Sie ist voll- kommen verwirrt, denkt sie nur an das Geld, ihren Vater und Herrn Dorsday. Im Musiksaal spielt gerade eine Dame wunderschön Chopin. Sie sieht Herrn Dorsday der dem Spiel angeregt lauscht, was sie aber nicht ist. Sie öffnet ihren Mantel, sie genießt es nackt zu sein, keiner bemerkt etwas. Sie lacht und hört plötzlich Pauls Stimme in ihrem Rücken. Sie registriert plötzlich was sie getan hat, sie fällt um und wird für ohnmächtig gehalten, was sie aber nicht ist. Sie schämt sich in Grund und Boden, da jeder sie nun nackt gesehen hat. Alle stürzten auf sie zu. Ein Arzt wird geholt, man glaubt sie sei geistig nicht ganz bei Sinnen - auch Dorsday ist zutiefst erschüttert. Sie wird ins Zimmer getragen und Paul und dessen Freundin Cissy halten Wache an ihrem Bett. Als Paul kurz das Zimmer verlässt, um mit dem besorgten Dorsday zu sprechen, bemerkt Else, dass sie ihre Hand bewegen kann, sie nimmt schnell das Glas mit dem Veronal, das sie sich ja bereit gestellt hat und trinkt es aus. Zuerst ist sie zufrie- den, bei dem Gedanken zu sterben, denn die Schande für sie ist zu groß, um jemals wieder unter Leute gehen zu können. Doch dann kommt ihr auf einmal der Gedanke, Dorsday würde das Geld nicht überweiden, und alles war vergeblich. Sie will Paul, der Arzt ist, bitten sie zu retten, doch da das Veronal schon zu wirken beginnt, kann sie ihre Zunge nicht mehr bewegen und niemand kann ihr mehr helfen.

Leutnant Gustl

Gustl ist ein 24 jähriger k.u.k. Offizier - Leutnant. Er bekommt von einem Freund eine Karte für eine Theatervorstellung, ein Oratorium, geschenkt und geht eigentlich nur hin, um sich abzulenken. Am nächsten Tag hat er nämlich ein Duell mit einem Doktor, welcher eine abfällige Bemerkung über Offiziere ihm gegenüber gemacht hat. Gustl ist sich ziemlich siegessicher, und da ihm die Vorstellung nicht sonderlich zusagt, lässt er seine Gedanken schweifen, und schaut sich auch gewohnheitsmäßig nach hübschen Damen um. Seine Beziehungen zu Frauen sind äußerst oberflächlich, für ihn sind sie ein bloßer Zeitvertreib. Im Moment hat er ein Verhältnis mit einer vermutlich verheirateten Frau, was ihn jedoch nicht davon abhält, sich anderweitig umzuschauen.

Nach Ende des Oratoriums gibt es ein Gedränge an der Garderobe. Gustl hat einen Streit mit einem Bäckermeister, den er vom Sehen her aus dem Kaffeehaus kennt. Dieser nennt ihn im Zorn einen „dummen Bub“. All das geschieht sehr leise und niemand scheint es gehört zu haben. Gustl, den es innerlich zerreißt, will ihm einerseits nachlaufen und ihn stellen, aber andererseits hat er panische Angst davor, dass jemand den Streit mitbekommen hat. In seinem Wahn ist er sich sicher, dass der Bäcker es jedem erzählen wird. Er irrt durch die Strassen von Wien und quält sich immer und immer wieder mit der Frage, was er jetzt tun soll. Als er sich einigermaßen gefasst hat, sieht er Selbstmord als den einzigen Ausweg, da es ihm der Ehrenkodex der Offiziere verbietet einen Satisfaktionsunfähigen zum Duell zu fordern und ihm so nur die eine Möglichkeit bleibt. Er stellt sich vor, wie seine Familie, seine Freunde und Steffi, seine Geliebte, auf seinen Tod reagieren würden. Schließlich landet er im Prater, und beschließt, sich am Morgen umzubringen. Dann schläft er auf einer Bank ein. In der Früh spürt er ein Hungergefühl und macht sich trotz allem auf, um in seinem Stammkaffeehaus zu frühstücken. Er will danach nach Hause gehen und ein paar Briefe schreiben, bevor er den letzten Schritt tut.

Im Lokal bestellt er sein Frühstück und wird dann vom Kellner gefragt, ob er schon von Herrn Habetswallner, dem Bäckermeister, wisse. Als Gustl dann hört, dass diesen zu Mitternacht der Schlag getroffen hat, zerplatzt er fast vor Freude, ohne es sich anmerken zu lassen, natürlich. Er ist so froh wie noch nie zuvor in seinem Leben. Den Tod des Bäckers sieht er als ein einziges Glück und er beginnt sogleich, seinen restlichen Tag zu planen. Das er so knapp dem Tode entronnen ist, hat für ihn gar nichts geändert. Er lebt sein Leben genauso oberflächlich wie zuvor weiter.

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Schnitzler, Arthur - Das erzählerische Werk
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
9
Katalognummer
V103933
Dateigröße
348 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schnitzler, Arthur, Werk
Arbeit zitieren
Doris Medek (Autor), 2001, Schnitzler, Arthur - Das erzählerische Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103933

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