Mediale Krisenkommunikation und ihre Auswirkungen auf ältere Menschen. Soziale Arbeit als Unterstützung im Umgang mit Medien


Bachelorarbeit, 2021

66 Seiten, Note: 6,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen
2.1 Menschen im dritten Lebensalter
2.1.1 Generation Babyboomer
2.1.2 Arbeit und Pension
2.1.3 Risikogruppe
2.2 Mediale Krisenkommunikation

3. Menschen im dritten Lebensalter
3.1 Die relational intermediäre Zone in Bezug auf Bewältigungskulturen
3.1.1 Familie
3.1.1.1 Menschen im dritten Lebensalter in Bezug zur Familie
3.1.2 Gruppen
3.1.2.1 Menschen im dritten Lebensalter in Bezug zu ausserfamiliären Freundschaften
3.1.3 Organisationskulturen
3.1.3.1 Menschen im dritten Lebensalter in Bezug auf Organisationen
3.1.4 Internet
3.1.4.1 Menschen im dritten Lebensalter und Internet sowie Mediennutzung
3.2 Soziostrukturell-sozialpolitische Zone
3.3 Statistische Daten zum gesundheitlichen Befinden der Zielgruppe
3.4 Medienkompetenz
3.4.1 Geschichte der Mediennutzung
3.4.2 Gefahren durch Medien
3.4.2.1 Skandal
3.4.2.2 Medialisierter Skandal
3.4.2.3 Medienskandal
3.4.2.3.1 Entstehung und Ablauf eines Skandals anhand der Brutkastenlüge
3.4.3 Chancen durch Medien
3.5 Zwischenfazit

4. Mediale Krisenkommunikation
4.1 Kommunikative Generalisierung von Krise
4.2 Krisen und Massnahmen
4.3 Folgen
4.3.1 Individuelle Krisensituation der Zielgruppe
4.3.1.1 Psychodynamische Zone
4.3.1.2 Abspaltung
4.3.1.3 Alleinlebende
4.3.1.4 Paare
4.3.1.5 Menschen in stationären Einrichtungen
4.4 Zwischenfazit

5. Bewältigungsangebote
5.1 Gemeinwesen
5.2 Individuell

6. Aufgaben der Sozialen Arbeit

7. Partizipationschancen als Grundlage

8. Schlussfolgerungen

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

11. Abbildungsverzeichnis

Abstract

Titel: Menschen im dritten Lebensalter und der Umgang mit medialer Krisenkommunikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausgangslage:

Folgt eine Krise, wie sie aktuell der Fall mit dem Coronavirus ist, können Menschen im dritten Lebensalter besonders davon betroffen sein: Denn Medien nutzen oftmals Krisen, indem sie ihre Berichte skandalisieren (Burkhardt, zitiert nach Kroll, 2013, S. 9-10). Die definierte Zielgruppe gehört laut BAG zur Risikogruppe (BAG, 2021). In dieser Arbeit soll nebst der Frage, wie die Soziale Arbeit Menschen im dritten Lebensalter bezüglich medialer Krisenkommunikation unterstützen kann, auch gefragt werden, wie medienkompetent die Zielgruppe ist und ob sie die Seriosität der Medien miteinander vergleichen und sich somit selbst ein Bild sowie eine Meinung machen kann. Eine medial inszenierte Berichterstattung kann in einer Krisensituation zusätzlich als belastend empfunden werden, denn dies kann die Wahrnehmung der Zielgruppe in einer Krisensituation verschlechtern.

Ziel:

Die Arbeit soll im ersten Teil einen Überblick über die Vielfalt des Themengebietes "mediale Krisenkommunikation in der professionellen Sozialen Arbeit" bieten. Die Arbeit wird von einer ressourcenorientierten Perspektive geleitet und soll dem Lesenden entsprechende Einblicke zur Relevanz der Bedienung von Medien sowie deren kritische Auseinandersetzung bieten. Weiter möchte die Autorin mit ihrer Themenwahl die Soziale Arbeit auf die Wichtigkeit der Medienkompetenz sensibilisieren. Medien gelten gemäss Pawlak (2018) als vierte Macht und sollen der Bevölkerung dabei helfen, sich eine Meinung über eine Situation anzueignen. Ziel des zweiten Teils ist es aufzuzeigen, wie einschneidend bestimmte Altersansichten und - definitionen für die Zielgruppe sein können, welche auf politischer Ebene beschlossen werden. Es sollen konkrete Handlungsvorschläge zur stärkenorientierten, professionellen Bearbeitung des Themas in Zusammenhang auf die Zielgruppe formuliert werden. Weiter sollen Tätigkeitsfelder in der Sozialen Arbeit aufgezeigt werden, welche bereits Angebote bezüglich Medienkompetenz anbieten. Zudem soll herausgefunden werden, wo aktuell Handlungsbedarf besteht. Konkret sollen im Beratungskontext der Sozialen Arbeit neue Blickwinkel eröffnet werden und die Professionellen der Sozialen Arbeit dazu anregen, ihr Tätigkeitsfeld kritisch und reflektiert zu hinterfragen und ausgeführte Grundsätze in ihr alltägliches professionelles Handeln einfliessen zu lassen.

Vorgehen:

Das erste Kapitel befasst sich mit den Begriffsdefinitionen zu Menschen im dritten Lebensalter, medialer Krisenkommunikation sowie der Medienkompetenz. Im zweiten Kapitel soll mithilfe des Lebensbewältigungskonzepts von Lothar Böhnisch die relational­intermediäre Zone die Bewältigungskulturen sowie deren Ressourcen aufzeigen, wie die Zielgruppe dieser Arbeit ihre Lebenslage (soziostrukturell-sozialpolitische Zone) vor einer Krise bewältigte. Von 2.1. bis 2.3. wird die Medienkompetenz der Zielgruppe veranschaulicht. Dazu wird ein Generationenvergleich zwischen Babyboomern sowie der Z- Generation mithilfe des historischen Verlaufs der Medien herangezogen. Weiter werden die Gefahren sowie Chancen der Medien dargestellt und weshalb die Vermittlung von Medienkompetenz für die Klientel der Sozialen Arbeit als wichtig erscheint. In Kapitel 2.4. erfolgt ein Zwischenfazit der Zielgruppe. Im dritten Kapitel werden mithilfe des Skandalforschers Steffen Burkhardt Phasen einer Skandalisierung aufgezeigt, wie Medien die Coronapandemie zur Krisenkommunikation für den Selbsterhaltungszweck des Bundesrates und des BAG nutzen. Weiter werden in Kapitel 3.1. die Massnahmen der Krise beschrieben. Das vierte Kapitel thematisiert und zeigt mögliche Folgen auf, im Besonderen durch die Einstufung der Risikogruppe auf die Menschen im dritten Lebensalter. Dies mithilfe der relational-intermediären Zone sowie der soziostrukturell-sozialpolitischen Zone. Die Psychodynamische Zone soll die Handlungsfähigkeit der Zielgruppe beschreiben, welche sich mit der Coronakrise, den Massnahmen sowie medialer Krisenkommunikation auf die Zielgruppe auswirken könnte. In Kapitel 4.1. wird die Fragestellung in Form eines Zwischenfazits beantwortet, ohne auf die derzeitigen verfügbaren Bewältigungsangebote einzugehen, damit veranschaulicht werden kann, welche Unterstützung die Zielgruppe bezüglich medialer Krisenkommunikation benötigt. In Kapitel fünf wird schliesslich auf die derzeitigen verfügbaren Bewältigungsangebote auf Gemeinwesen sowie individueller Ebene eingegangen. In Kapitel sechs wird auf die Aufgaben der Sozialen Arbeit eingegangen, welche in 6.1. konkrete Partizipationschancen für die Zielgruppe aufzeigen werden. Es wird ein Soll-Ist-Vergleich gemacht, welcher auf mögliche Angebotslücken bezüglich der Medienkompetenzvermittlung der Sozialen Arbeit hinweist und wie diese Lücken durch die Soziale Arbeit überwunden werden könnten. Zum Schluss erfolgen die wichtigsten Erkenntnisse der Autorin.

Erkenntnisse:

Mediale Krisenkommunikation kann die Wahrnehmung von Menschen im dritten Lebensalter in einer Krise verschlechtern, wenn Altersdefinitionen im Zusammenhang mit einer Risikogruppe vom Bundesrat sowie dem BAG ausgesprochen und empfohlen werden. Im Vergleich zu Europa gehört die Schweiz zu den Staaten, in denen eine erhebliche Mehrheit der 65-74-Jährigen über eine gute subjektive Gesundheit verfügen (Höpflinger, 2021, S. 13). Die Risikogruppeneinstufung des BAG (2021) widerspiegelt gemäss der Autorin nicht das eigentliche Bild der Zielgruppe. Sie leben mehrheitlich selbstständig und lediglich 2% von ihnen leben in stationären Einrichtungen (Höpflinger, 2021, S. 24). Dies zeigt, dass die Empfehlungen des BAG nicht zur Zielgruppe passen. Die Massnahmen haben jedoch vor allem für die Zielgruppe grobe Folgen, sodass sie ihren gewohnten Tätigkeiten nicht nachgehen können und dies die Handlungsfähigkeit sowie die Integration der Zielgruppe erheblich einschränkt, worauf sie gezwungen sind, sich mehrheitlich zu Hause aufzuhalten und ihnen der Kontakt zur Aussenwelt lediglich durch die Medien als auch der Nutzung der technischen Medien zur Verfügung stehen. Medien aber verfolgen einen Selbsterhaltungszweck und richten ihre Publikationen einerseits nach dem Publikumsgeschmack und andererseits nach Verkaufszahlen (Pawlak, 2018). Die Erkenntnisse der vorliegenden Arbeit haben gezeigt, dass es aus diesem Grund besonders für Menschen relevant sein kann, den Umgang mit Medien zu beherrschen und eine Medienkompetenz zu besitzen. Infolge Globalisierung sind vor allem Medien ein wichtiges Kommunikationsinstrument geworden, auf welchen sich Menschen informieren und bilden, sowie Medien zur Unterhaltung nutzen (Pawlak, 2018). Obwohl Menschen im dritten Lebensalter mehrheitlich ein Smartphone besitzen, gibt es trotzdem Unterschiede in der Zielgruppe: Die Bereitschaft sich bezüglich Medienverhalten weiterzuentwickeln, hängt von Bildungs- sowie Einkommensverhältnissen ab (Seifert, Ackermann & Schelling, 2020, S.13). Die Soziale Arbeit sollte zum einen die Sensibilisierung der Medienkompetenz vermitteln, damit ihre Klientel vor allem in Krisensituationen den Skandalisierungen der Medien nicht ausgeliefert sind und zum anderen sollten Professionelle der Sozialen Arbeit auf die defizitären Altersmodellen und entsprechenden Empfehlungen auf politischer Ebene intervenieren, damit Menschen im dritten Lebensalter nicht aus einer Gesellschaft exkludiert werden (Staub-Bernasconi, 2012, S. 277).

Literaturquellen:

Böhnisch, Lothar (2016). Lebensbewältigung. Ein Konzept für Soziale Arbeit. Weinheim & Basel: BELTZ Juventa.

Medienbewusst (o. D.). Das erste Smartphone war ein Nokia. Abgerufen von https://www.medienbewusst.de/ratgeber/vom-buchdruck-zum-internet-die-geschichte- der-medien/

Kroll, Stephanie (2013). Skandalisierung in den Medien. Eine Analyse der EHEC-Epidemie von 2011 (unveröffentlichte Bachelorarbeit. Universität Hamburg).

Vorwort

Im Zusammenhang mit der Coronapandemie und den Empfehlungen des Bundesamt für Gesundheit [BAG] konnte ich beobachten, dass sich der Gesundheitszustand meiner pensionierten Nachbarn verschlechtert hatte. Die Besuche derer Familien sowie derer Enkelkinder nahmen mit der ausgesprochenen Empfehlung des BAG drastisch ab, da Menschen über 65 Jahren automatisch zur Risikogruppe zählen. Aufgrund der Freizeit- sowie Restaurantschliessungen sassen sie fast mehrheitlich allein zu Hause und schauten grösstenteils Fernsehen oder hörten Radio. Durch das Alleinsein verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Die Ärzte gaben ihnen Medikamente, sodass sie schliesslich mehr Medikamente einnahmen als zuvor. Es hatte den Anschein, als würden die täglich neuen Berichterstattungen der Medien ihnen aufs Gemüt schlagen, sodass sie verunsichert wirkten und sich dies auf ihr Verhalten spiegelte, was dazu führte, dass sie sich mehrheitlich zuhause isolierten. Die Frage, welche mir dabei für die vorliegende Arbeit in den Sinn kam, war: Wie wirken sich die medialen Berichterstattungen von BAG, Bundesrat und den Medien auf Menschen aus, welche in einer Zeit aufgewachsen sind, in welcher die Vielfältigkeit der Medienquellen sowie den technischen verfügbaren Geräten noch nicht auf dem Markt waren? Aufgrund dessen, dass Menschen im dritten Lebensalter in einer Zeit aufgewachsen sind in welcher es die technischen Mittel sowie Medien wie heute noch nicht gab, sie zudem als Risikogruppe eingestuft werden und sie zur Selbstbeschäftigung zuhause nun aber von diesen technischen Mitteln und Medien in die Abhängigkeit gedrängt werden, um die Integrität in ein soziales Umfeld wahrzunehmen, werden sie besonders in einer Krise von technischen Mitteln und Medien abhängig gemacht. Es ist mir ein grosses Anliegen aufzeigen, wie Menschen im dritten Lebensalter in Bezug zur Digitalisierung stehen und wie wichtig die Medienkompetenz in der heutigen Zeit ist. Aufgrund dessen, dass Pensionierte zu verschiedenen Altersgruppen gehören können, fokussiert sich diese Arbeit vor allem auf die Menschen im dritten Lebensalter.

1. Einleitung

Gemäss der Leitidee und dem Menschenbild des Berufskodexes der Sozialen Arbeit haben alle Menschen Anrecht auf existenzielle Bedürfnisse sowie Integrität und Integration in ein soziales Umfeld (AvenirSocial, 2010, S. 7). Mit den Empfehlungen und Massnahmen des BAG sowie des Bundesrates wird die Handlungsfähigkeit der Zielgruppe eingeschränkt.

Zwar gelten in der Coronapandemie für alle Bevölkerungsgruppen die gleichen Massnahmen, wie beispielsweise die Home-Office-Pflicht (BAG, 2020), jedoch ist die in dieser Arbeit zentrale Zielgruppe in einer Generation grossgeworden, in welcher die heutigen Medien noch nicht vorhanden waren (Medienbewusst, o. D.). Diese Voraussetzung stellt ein

Hindernis im Umgang mit medialer Krisenkommunikation dar. Aufgrund der zeitlichen Veränderung in Bezug auf Medien kann davon ausgegangen werden, dass Menschen im dritten Lebensalter, im Vergleich zur jüngeren Bevölkerung, weniger Kompetenzen besitzen, die Medieninhalte nach dem Zwei-Quellen-Prinzip zu analysieren. Die Inhalte der wiedergegebenen medialen Berichterstattungen könnten sie daher abschrecken, ohne zu wissen, dass Medien lediglich eine Sicht der Lage präsentieren und einen Selbsterhaltungsweck verfolgen, sodass sie ihre Inhalte zum einen nach dem Publikum und zum anderen nach Schlagzeilen richten, welche ihnen ökonomisch mehr Vorteile bringen (Pawlak, 2018).

In der vorliegenden Arbeit wird folgender Fragestellung nachgegangen:

Wie können Menschen im dritten Lebensalter in Krisenzeiten beim Umgang mit medialer Krisenkommunikation durch die Soziale Arbeit unterstützt werden?

Mittels Literaturrecherche wird die Fragestellung bearbeitet. Zunächst werden zentrale Begrifflichkeiten definiert, bevor in Kapitel zwei die Medienkompetenz der Zielgruppe analysiert wird. Dabei wird auf die verschiedenen Generationen Bezug genommen. Mithilfe des Lebensbewältigungskonzepts von Böhnisch werden die möglichen Bewältigungskulturen der Zielgruppe aufgezeigt, um Aufschluss über die Grenzen der Bewältigung der Lebenslage vor und während der Coronakrise zu erhalten. Weiter werden in diesem Kapitel die Chancen und Gefahren der Medien beleuchtet, um die Relevanz der Medienkompetenz im heutigen digitalen Zeitalter aufzuzeigen. In Kapitel drei soll eine Skandalisierung Aufschluss über mediale Kommunikation geben. Kapitel vier zeigt mögliche Folgen auf, im Besonderen durch die Einstufung der Risikogruppe. Schliesslich werden im fünften Kapitel die aktuellen Bewältigungsangebote auf Gemeinwesen und individueller Ebene zum Umgang mit medialer Krisenkommunikation aufgezeigt, um im letzten Kapitel zu schildern, welche Unterstützungsformen in Bezug auf die Soziale Arbeit für die Zielgruppe ausformuliert werden können. Abschliessend werden die wesentlichen Erkenntnisse zusammengefasst und durch weiterführende Fragen ergänzt..

2. Begriffserklärungen

Im Folgenden werden Begriffe erläutert, welche zentral sind für die in dieser Arbeit bearbeitete Thematik. Zunächst wird das Verständnis von Menschen im dritten Lebensalter definiert bevor auf den Begriff der medialen Krisenkommunikation eingegangen wird.

2.1 Menschen im dritten Lebensalter

Es gibt unterschiedliche Arten, das dritte Lebensalter zu betrachten und einzugrenzen. Im Folgenden wird die Ansicht von Francois Höpflinger für diese Arbeit als relevant eingestuft.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet zwischen älteren Menschen (60- bis 75-Jährige), den alten Menschen (75- bis 90-Jährige), den sehr Alten und den Hochbetagten (Über-90-Jährige), sowie den Langlebigen (über 100-Jährige) (Kolland & Rosenmayr, zitiert nach Pluch, 2004).

Anders sieht dies Höpflinger (2015): Obwohl laut der "European Social Survey" Umfrage im Jahre 2009, die 15- bis 24-Jährigen angaben alt zu sein, gelten ab dem 60. Lebensjahr, so Höpflinger, Menschen im dritten Lebensalter als die "jungen Alten". Es ist die Lebensphase nach der Erwerbstätigkeit, in welcher die Menschen das 60. Lebensjahr erreicht haben.

Diese Phase ist durch aktive und selbstständige Lebensführung geprägt und endet mit dem Eintreten des vierten Lebensalters, welches ab dem 80. Lebensjahr beginnt (S. 2-4).

Gemäss Samochowiec et. al. ergab die Erhebung im Jahr 2014, dass die Mehrheit der Befragten im Alter von 60-70-Jährigen angaben, sich viel jünger zu fühlen, als dies ihrem effektiven Alter entsprach (Höpflinger, 2021, S. 9). Eine im Jahr 2017 durchgeführte Befragung bei Menschen im Alter von über 50 Jahren bestätigte diese Feststellung in den Kantonen Aargau, Solothurn, Basel-Stadt und -Land. Nur ein Fünftel der Befragten gab an, sich dem entsprechenden Alter gleich zu fühlen (ebd.). Gemäss Schicka und Uggowitzer möchten von den über 50-Jährigen zwei Drittel gerne wieder jünger sein. Dieser Anteil wächst mit steigendem Lebensalter (Höpflinger, 2021, S. 9).

Die Definition nach Höpflinger (2015) eignet sich für die Soziale Arbeit besonders, da er die 60-80-Jährigen als die "jungen Alten" bezeichnet, da gemäss seinen Angaben die Lebensführung meist aktiv und selbstständig gestaltet wird und diese Beschreibung sich mit den Aussagen der befragten Menschen deckt (S. 2-4). Die Sichtweise orientiert sich nicht an Defiziten, sondern am ressourcenorientierten Verständnis der professionellen Sozialen Arbeit.

2.1.1 Generation Babyboomer

Die Zielgruppe dieser Arbeit, mit Jahrgängen von 1943 bis 1966, fällt unter die Generation der Babyboomer (Höpflinger, 2019, S. 1). Gemäss Hilker (Hilker Consulting, o. D.) denken die verschiedenen Generationen unterschiedlich. Dies hat mit den zeitlichen und historischen Veränderungen zu tun (ebd.). Laut Höpflinger (2015) haben die Nachkriegsjahre die sogenannte Babyboomer Generation hervorgebracht. Die Geburtenhäufigkeit nahm nach dem Zweiten Weltkrieg in Westeuropa zu. Die rasche Wohlstandssteigerung erleichterte eine frühe Familiengründung, sodass deren Nachfahren neue Lebensmodelle hervorbrachten. Viele von ihnen lebten im Singledasein, sodass daraus weniger Geburten hervorgingen (Höpflinger, 2015, S. 1-2). Dies war der Auslöser der verstärkten demografischen Alterung, welche sich in drei Phasen der Babyboomer beschreiben lässt. Die erste Phase bedingt eine rapide demographische Alterung der Erwerbsbevölkerung. Im Jahr 2017 waren 20% der Erwerbsbevölkerung bereits älter als 54 Jahre und Schätzungen zufolge wird der Anteil im Jahr 2025 auf 23% ansteigen. Im Jahr 2030 wird ein Drittel der Bevölkerung bereits im Rentenalter sein und die neu zu Rekrutierenden werden gebraucht werden, um in Altersstrukturen die pensionierten Fachkräfte zu ersetzen (ebd.). Aufgrund der rapiden Erhöhung der Pensionierten erfordert es in der zweiten Phase Anpassungen im Rentensystem. Gemäss Höpflinger werden die über 65-Jährigen Babyboomer in den Jahren 2025 bis 2030 rund 70% ausmachen (ebd.). Der Terminus "Generation" meint gemäss Hilker eine Altersgruppe, welche durch die gleichen historischen sowie kulturellen Ereignisse geprägt und beeinflusst ist. Aufgrund der historischen Zeitveränderungen müssen sich Gesellschaften in Zukunft ebenso mit der Tatsache auseinandersetzen, dass zwischen den verschiedenen Generationen auch unterschiedliche Werte und Normen aufeinanderprallen werden (Hilker Consulting, o. D.). Ältere Menschen legen eher Wert auf Regeln, Idealismus und Wohlstand und empfinden gewisse Regelverstösse als verehrend, wobei die "Y- Generationen" (Jahrgängen 1980 bis 1995) eher auf Freiheit und Veränderung setzen. Aktueller Diskussionsgegenstand in der Politik ist unter anderem das Eintrittsrentenalter zu erhöhen, als auch pensionierte Männer und Frauen zur Freiwilligenarbeit zu ermutigen (ebd.). Gemäss Höpflinger werden gesellschaftspolitische Fragen im Raum stehen, wie die Babyboomer, welche verinnerlicht haben, lebenslang aktiv und jugendlich zu sein, dass höhere Lebensalter akzeptieren werden (Höpflinger, 2019, S. 2).

2.1.2 Arbeit und Pension

Die Autoren Specht-Tomann und Tropper beschreiben, dass im 21. Jahrhundert der Übergang in die Rente als schwierig und gekennzeichnet von Unsicherheit empfunden wird, bis eine neue Perspektive entsteht (2013, S. 29, zitiert nach Schneider, 2018, S. 2). In der heutigen Gesellschaft hat die Berufstätigkeit einen hohen Stellenwert, insbesondere für das persönliche Selbstverständnis. Die Arbeit formt die Persönlichkeit und dessen Verhalten über Jahre. Die Pensionierung stellt mit dem Ausstieg aus dem Berufsleben ein einschneidendes Lebensereignis dar, vor allem für Menschen, welche sich mit ihrer Arbeit identifizierten (ebd.). Mit dem Ausstieg aus dem Berufsleben müssen auch Verluste eingegangen werden. Die Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, mit welchen in der Pause Kaffee getrunken wurde, fallen nun weg, sodass neue Sozialsysteme aufgebaut werden müssen. Der Eintritt in die Rente kann auch zu einer emotionalen Sinnkrise werden, da Fragen auftauchen, was die eigene Persönlichkeit unabhängig vom Beruf ausmacht (Schneider, 2018, S. 1 ff.). Im Jahr 1957 lag die Lebenserwartung bei 63 Jahren (Bruns et al. 2007, S. 32, zitiert nach Schneider, 2018, S. 3). Damals gab es noch keine Kultur der Lebensgestaltung im Pensionsalter. Die älteren Menschen zogen sich mehrheitlich aus dem Leben zurück und nahmen sich Zeit sich mit dem bevorstehenden Tod auseinanderzusetzen (ebd.). Kapusta, Sonneck, Tormandl & Voracek (2016) beschreiben die Einstellung zur Pensionierung der Menschen im dritten Lebensalter kurz vor Ausscheiden aus dem Berufsleben am negativsten. Diese Zeit fortdauert einige Jahre, bis die Pensionierten die Nichtarbeitszeit als etwas Positives ansehen werden (S. 154-155). Menschen, die vor der Pensionierung ihren Hobbies und Interessen nachgingen, gelingt der Umgang mit der Pension besser als solchen, welche vor der Pensionierung keinen Hobbies und Interessen nachgegangen sind (ebd.). In diesem Zusammenhang beschreiben Kapusta et al. (2016) den Grund dafür, dass Menschen, welche in ihrem bisherigen Leben keine flexiblen und kreativen Lösungsstrategien für den Umgang mit ihren Problemen erlernt haben, diese grossen Schwierigkeiten mit der Pensionierung haben werden (ebd.). So beschreiben sie, dass solche Veränderungskrisen, wie eine Pensionierung zu einem "Pensionsschock" als Resultat der neuen Konfrontation angesehen werden können (ebd.). Kommt es zu diesem Zeitpunkt zu keiner adäquaten Hilfe für die Betroffenen, kann dies zu Resignation, Rückzug und Chronifizierung von Krankheiten führen (ebd.).

Aufgrund des heutigen materiell reichen Umstandes empfinden Menschen im dritten Lebensalter sich dazu verpflichtet, zufrieden sein zu müssen. Sie können sich ihrem Schicksal nicht verpflichten, wenn sie keine echte Herausforderung und keinen Beitrag an der Gestaltung unserer aller Welt geben dürfen (Kapusta et al., 2016, S. 155). Gemäss Kapusta et al. führt dies zu Isolation und Depression, sodass besonders Männer nach dem 55. Lebensjahr bis ins hohe Alter besonders suizidgefährdet sind (ebd.). Sie empfehlen die Umdeutung der Frage darüber, wie Menschen im dritten Lebensalter geholfen werden kann zu: Wie können uns die Menschen im dritten Lebensalter behilflich sein (ebd.)?

2.1.3 Risikogruppe

Aufgrund der Massnahmen im Zusammenhang von Covid-19 wurden vom BAG Risikogruppen eingestuft. Gemäss dem BAG (2021) kann die Ansteckung mit dem Coronavirus aufgrund des schweren Verlaufs der Erkrankung bei der Risikogruppe gefährlich sein, da sich das Ansteckungsrisiko mit zunehmendem Alter erhöht. Ab einem Alter von 50 Jahren erhöht sich zudem die Hospitalisierungsrate. Auch mit Vorerkrankungen erhöht sich das Risiko zusätzlich. Grosseltern gehören pauschal zur Risikogruppe, obwohl ein Grossteil bei der Geburt des Enkelkindes mehrheitlich jünger als 65 Jahre alt ist (Höpflinger, o. D.).

2.2 Mediale Krisenkommunikation

Zu dem Terminus "Mediale Krisenkommunikation" gibt es wenig Quellen, welche den Begriff im Detail definieren. Aus diesem Grund werden die Begriffe Krise, Krisenkommunikation und Medien näher beleuchtet. Weiter wird der Begriff Medienkompetenz definiert.

Der Begriff Krise leitet sich aus dem griechischen "krisis" ab und bedeutet Scheidung, Streit als auch Entscheidung (Ernst, 2008). Eine Krise wird als eine Art Bruch einer bis dahin kontinuierlich verlaufende Einwicklung angesehen. Dies vor allem, wenn keine Ressourcen zur Überwindung der Krise vorhanden sind (ebd.). Helbig (2005) beschreibt die Krise als einen ungeplanten, ungewollten Prozess, dessen Beeinflussung nur begrenzt möglich ist. Krisen können das Potential von Wirtschaften und Gesellschaften bedrohen und sind somit gefährlich (S. 13-14). Der Ausgang einer Krise ist ungewiss und wird häufig von einer aussergewöhnlich hohen Medienpräsenz begleitet (ebd.). Krisen wirken sich auf verschiedene Ebenen aus. Das Wort Krise wurde früher im Sprachgebrauch verwendet, um herkömmliche Problemsituationen nicht mit alten Techniken zu überwinden, sondern um ein spezifisches Krisenmanagement einzuläuten (Ernst, 2008). Der Terminus Krise wird je nach Betrachtung positiv oder negativ konnotiert (Wolf, 2020). Die Geschichtswissenschaften versuchten mit soziologischen Krisentheorien den Verlauf sowie die Ursache und Möglichkeit einer Beendigung von politischen und gesellschaftlichen Krisen zu erklären (Ernst, 2008). Im Fokus der Diskussionen der Sozialwissenschaftler und Sozialwissenschaftlerinnen rücken im Zusammenhang mit der Krise Anpassungsprobleme und -bewältigungen mit Wandel und Stabilität, sowie die daraus resultierenden sozialen Konflikte in den Vordergrund (ebd.). Bereits in der vorindustriellen Zeit waren Missernten, Kriege, Seuchen, als auch Naturkatastrophen aufgrund von Krisen nachzuweisen. Zur Zeit der Industrialisierung bezeichneten Politik und Wirtschaft den zu raschen Wandel als Strukturkrise (ebd.).

Aufgrund der zunehmenden Globalisierung wirken sich heute ökonomische Krisen direkt auf andere Staaten aus, sodass bereits seit dem 19. Jahrhundert Weltwirtschaftskrisen zu verzeichnen sind (ebd.). In politischen - oder gesellschaftlichen Krisen sind Investitionsrückgänge zu verzeichnen, welche sich dann in der Ökonomie auswirken. Demnach sind hohe Arbeitslosigkeit und Hunger Resultat von Krisen (ebd.).

Krisenkommunikation gehört zum häufigsten Modell für die positive Erhaltung des Ansehens eines Unternehmens, auch Reputation genannt. Gemäss Lies (o. D.) sind Krisen in bestimmter Weise geeignet, die Reputation einer Organisation oder ihres Managements zu beschädigen. Krisenkommunikation ist daher eine anlassbezogene Form des Reputationsmanagements (ebd.) Unternehmen sind immer bemüht, ihre Reputation mithilfe Krisenpräventionskommunikation künftiger Krisen zu verhindern. Bei bereits eingetretenen Krisen hilft ein Krisenmanagement das Ausmass der Reputationsschäden einzugrenzen (ebd.). Krisenmanagement bedeutet Führung (Planung, Steuerung und Kontrolle) zur Vorsorge, Vermeidung und Bewältigung überlebenskritischer Prozesse in Unternehmungen (Krystek, o. D.). Zur Öffentlichkeitsarbeit werden oftmals PR-Agenturen (englisch Public Relation) herangezogen (Dietrich, o. D.). Ziel von PR ist es die Anspruchsgruppen sowie Medien für ein Unternehmen zu interessieren und positiv zu stimmen und ein gutes Image aufzubauen und zu pflegen (ebd.).

Die Infoplattform des Kanton Bern (o. D.) für Bevölkerungsschutz schreibt bezüglich Krisenkommunikation, das ausserordentliche Lagen verunsichern können und deshalb eine Informationsführung in den ersten Stunden einer ausserordentlichen Situation von grosser Bedeutung sind. Eine gute und fortdauernde Krisenkommunikation trägt dazu bei, die Glaubwürdigkeit auf kommunaler sowie kantonaler Ebene bezüglich Informationstätigkeit sicherzustellen (ebd.). Das Vertrauen der Bevölkerung in die politischen Entscheidungsträger soll gestärkt werden und es sollen Missstände sowie Panik verhindert werden. Ziel einer proaktiven und transparenten Krisenkommunikation ist eine Schadenbegrenzung (materiell und Reputation) und soll deeskalierend sein (ebd.). Dies bedingt, dass Verantwortliche und Fachleute sofort eingebunden werden und eine permanente Erreichbarkeit gesichert wird.

Die Sprecherin oder der Sprecher müssen Aufgaben erfüllen: Opfern und den Betroffenen ihr Mitgefühl äussern, Orientierung geben im Hinblick auf das Ziel sowie Massnahmen planen. Ziel ist, Ruhe in die Situation zu bringen. Die Information sowie die Massnahmen der Bevölkerung müssen immer der jeweiligen Situation angepasst werden (ebd.).

Die Bundeskanzlei informiert die Öffentlichkeit über Medien zu Beschlüssen des Bundesrats (Bundeskanzlei, o. D.). Die Bundeskanzlei agiert als Stabstelle des Bundesrats und hat den Auftrag, die Öffentlichkeit über Entscheide der Regierung zu informieren (ebd.). Die Bundeskanzlei unterstützt den Bundesrat, indem sie Krisenmanagement betreiben. Die Bevölkerung hat ein Anrecht auf umfassende Informationen (ebd.). Dies findet im Medienzentrum des Bundeshauses statt und wird von der Sektion Kommunikation vorbereitet und vom Vize-Kanzler und Bundesratssprecher geleitet (ebd.).

Der Begriff Medien kann auf verschiedene Arten definiert werden. Im Folgenden soll eine einheitliche Definition im Zusammenhang mit der Fragestellung dieser Arbeit eingegrenzt werden. Das substantivierte Wort "Medium", hat die Bedeutung Mitte (Miso(ch, 2006, S. 16). Ebenso definiert Misoch (2006) Medien als „kulturell generierte und konventionalisierte Symbol- und Zeichensysteme, die der Übertragung und der Speicherung von Informationen dienen“ (S. 16). Auch zielt seine Definition in eine technische Richtung: „Alle Objekte, technischen Geräte oder Konfigurationen, die Botschaften speichern können und mittels derer kommuniziert werden kann [...]“ (ebd.). Medien lassen sich in vier unterschiedliche Gruppierungen einteilen. Die Aufteilung hatte einst Harry Pross vorgenommen (Utermölen, 2015, S. 12). Die erste nennt er Primäre Medien, welche unmittelbar durch den Menschen erzeugt werden, wie direkte mündliche Kommunikation. Sie erfolgt in Form einer menschlichen Sprache, welche auch nonverbal durch Mimik und Gestik geführt werden kann (ebd.). Sekundär Medien sind Medien, welche in gedruckter und geschriebener Form vorliegen (Bücher, Zeitungen) (ebd.). Als Tertiäre Medien beschreibt er rein technische Medien, welche in digitaler Form vermittelt werden. Hierzu benötigen Sender und Empfänger beide ein technisches Gerät, welches die Information resp. Botschaft umwandelt, übermittelt und darstellt (ebd). Die letzte Gruppe nennt er Quartäre Medien. Dieser Begriff wird oftmals nicht in Mediendifferenzierungen erwähnt, da sie neu sind und früher nicht bekannt waren (ebd.). Gemäss Fassler (1997, zitiert nach Misoch, 2006) sind dies Medien, welche durch eine Vernetzung untereinander bestehen, bspw. durch das Internet. Ebenso spricht er von interaktiver Kommunikation, welche allein, zu zweit oder in Gruppen, sowie als Massenkommunikation erfolgen kann (Fassler, 1997, zitiert nach Misoch, 2006). Diese Kommunikation verläuft in einem öffentlichen virtuellen Raum (dem Internet) (ebd.).

In modernen Gesellschaften werden Medien als "Massenmedien" verstanden, welche einer Vielzahl von Menschen zugänglich sind (Pawlak, 2018). Sie versteht unter "Printmedien" Zeitungen, Magazine, Bücher, Flugblätter, Filme und Fernsehen. Sie fasst unter dem Terminus "Neue Medien" digitale Medien wie das Internet, E-Books und Smartphones zusammen. In Bezug auf das Wort "Presse" bezeichnet sie die Gesamtheit aller Massenmedien - Zeitungen, Zeitschriften und Nachrichtenwesen. Gemäss Pawlak (2018) sind Medien Mittel oder Verfahren mit welchem ein Austausch und Kommunikation stattfinden kann (ebd.). Zur Meinungsbildung werden in demokratischen Ländern Massenmedien von Menschen genutzt, denn die Meinungs- sowie Pressefreiheit ist ein entscheidender Grundsatz der Demokratie (ebd.). Die Medien haben dabei die Aufgabe der Kritik und Kontrolle. Durch Journalismus soll die Berichterstattung in den Massenmedien nicht nur zur Unterhaltung dienen, sondern durch Recherche die Vorgänge in Politik und Wirtschaft genauer unter die Lupe genommen werden (ebd.). Die Presse (Medien) stellen die "vierte Gewalt" dar, da sie einen wesentlichen Einfluss auf die Meinung der Öffentlichkeit und somit auf politische Entscheidungen hat. Viele Verlage sind auf Verkaufszahlen aus und richten ihren Inhalt teilweise stark auf den Publikumsgeschmack (ebd.). Medien spielen somit in der heutigen Zeit eine bedeutendere Rolle denn je (Karrierebibel, o. D.). Der Mensch ist ständig von unterschiedlichen Medien umgeben, was zu einer Dauerbeschallung und andauernden Informationsflut führt (ebd.). Die grosse Rolle und Allgegenwärtigkeit der Medien führen allein nicht automatisch zu einer richtigen Nutzung (ebd.). Damit sich die Bevölkerung eine eigene Meinung aus verschiedenen Quellen bilden kann, ist eine Medienkompetenz zentral (ebd.). Erpenbeck und Heyse (2007) beschreiben Kompetenz als „Selbstorganisationsdisposition des Individuums“ (S. 159, zitiert nach Engelmann 2011, S. 10). Laut Süss et al. (2010) meint Medienkompetenz weniger einen statischen Zustand, sondern vielmehr die „gesellschaftliche und mediale Entwicklung“ als eine „zentrale Aufgabe lebenslangen Lernens“ (S. 105, zitiert nach Engelmann, 2011, S.11). Vor allem die Medienkritik ist für die Meinungsbildung wichtig (Karrierebibel, o. D.). Gerade bei Fake- News-Verbreitungen durch die Medien ist Medienkritik ein grundlegender Aspekt der Medienkompetenz (ebd.). Es geht darum, die Medien nicht nur zu konsumieren und Inhalte einfach hinzunehmen, sondern diese zu hinterfragen und zu reflektieren (ebd.). Zur Medienkritik gehört, das eigene Wissen zu Medien sowie seinen eigenen Standpunkt immer zu kritisieren und zu erweitern (ebd.).

Zusammenfassend sollen für die vorliegende Arbeit die Begriffe interpretiert werden. In Zusammenhang mit der zu bearbeitenden Fragestellung wird im Folgenden der Begriff Krisenkommunikation spezifisch auf die Politische Ebene definiert:

Krisenkommunikation: Aufgrund von Krisen in Form von ausserordentlichen und besonderen Lagen, sind politische Entscheidungsträger besonders gefragt, ihre Glaubwürdigkeit mittels Informationsführung gegenüber der Bevölkerung zu wahren. Krisensituationen bedingen eine Schadensminderung mithilfe Krisenmanagements, welche zur Eindämmung und Regulation der spezifischen Lage ausgesprochen werden müssen, um Missstände und Panik zu stabilisieren, abzufangen oder einzudämmen (Kanton Bern, o. D.). Medial: Über die Massen- und Printmedien werden die Massnahmen, Beschlüsse und Informationen bezüglich der spezifischen Lage von politischen Entscheidungsträgern an die Öffentlichkeit vermittelt. Die Presse und Journalisten nutzen ihre Reichweite über die sekundären, tertiären sowie quartären Medien. Sie sind nebst Gesetzgebung, Regierung und Rechtsprechung die vierte Macht (Pawlak, 2018). Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich mittels Massen- und Printmedien als Informationsvermittlung eine Meinung zum Geschehen bilden. Medienagenturen und Verlage verfolgen einen Selbsterhaltungszweck, sodass sie ihren Inhalt auf den Publikumsgeschmack setzen (ebd.). In demokratischen Regierungsformen soll die Vielfalt der Medienangebote für Ausgewogenheit sorgen, sodass Personen stets verschiedene Darstellungen vergleichen können und sich so nicht einseitig informieren (ebd.). Der Zweck der Medien ist vielfältig: Kontrolle, Kritik, Information, Bildung, Austausch sowie Unterhaltung. Medien sind also ein Kommunikationsmittel, ein Vermittler von Informationen zwischen Sender und Empfänger. Medienkompetenz: Damit sich die Bevölkerung eine eigene Meinung aus verschiedenen medialen Quellen bilden kann, ist die Medienkompetenz wichtig (ebd.). Vor allem die Medienkritik ist für die Meinungsbildung wichtig (Karrierebibel, o. D.). Gerade bei Fake-News-Verbreitungen (Falschmeldungen) durch die Medien ist Medienkritik ein grundlegender Aspekt der Medienkompetenz (ebd.), denn es geht darum, die Medien nicht nur zu konsumieren sowie Inhalte einfach hinzunehmen, sondern diese zu hinterfragen und zu reflektieren (ebd.).

3. Menschen im dritten Lebensalter

Die Profession der Sozialen Arbeit hat das Ziel, das Wohlbefinden der einzelnen Menschen anzuheben, sie fördert den sozialen Wandel und Problemlösungen in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie die Ermächtigung und der Befreiung von Menschen, dies, indem sie sich sowohl auf Theorien menschlichen Verhaltens sowie Theorien sozialen Systemen stützt, vermittelt sie an Orten, wo Menschen und ihre sozialen Umfelder aufeinander einwirken (AS, 2010, S. 9).

In diesem Kapitel sollen mithilfe der relational-intermediäre Zone die Bewältigungskulturen der Zielgruppe aufgezeigt werden. Die Autorin möchte mithilfe der sozialstrukturell­sozialpolitischen Zone und der relational-intermediären Zone herausfinden, welche Erkenntnisse aus dem Lebensbewältigungskonzept von Lothar Böhnisch in Bezug auf den Transfer von der Theorie in die Praxis bezogen werden können und welche konkrete Handlungsaufforderungen sich an die Soziale Arbeit ableiten lassen (Böhnisch et al., 2005, S. 18). In Kapitel vier werden dann die Erkenntnisse in Verbindung mit der Personal­psychodynamischen Zone aufgezeigt, welche in diesem Kapitel zusammengetragen werden und dazu dienen, mögliche Auswirkungen im Zusammenhang mit der medialen Krisenkommunikation im Zusammenhang mit der Coronapandemie (Krise) auf das Bewältigungsverhalten der Zielgruppe zu schliessen. In diesem Kapitel soll vor allem gezeigt werden, welche Ressourcen zur Bewältigung der Lebenslage vor der medialen Krisenkommunikation der Zielgruppe zur Verfügung stehen, um dann in Kapitel vier die möglichen Folgen mit der medialen Krisenkommunikation aufzuzeigen. Weiter werden in diesem Kapitel die statistischen Daten zur Gesundheit der Zielgruppe zusammengetragen, um herauszufinden, ob die Risikogruppeneinstufung des BAG als zutreffend angesehen werden kann.

In Kapitel 2.1-2.3. wird vor allem auf die Medienkompetenz sowie den Chancen und Gefahren der Medien eingegangen, welche im Hinblick auf die Tätigkeitsfelder der Sozialen Arbeit sensibilisieren sollen.

Die relational-intermediäre Zone beschreibt die Aneignungskulturen, welche als Ressource für das Individuum zur Thematisierung der kritischen Lebenssituation des bedrohten Selbst angesehen werden kann (Böhnisch & Schröer, 2013, S. 4). Das Bewältigungsverhalten ist beeinflusst von den persönlichen und sozialen Beziehungen eines Menschen, in welchen er eingegliedert ist: Gleichaltrige, Familie und Internet-Community. Hierfür ist entscheidend, wie kritische Lebensphasen thematisiert werden (ebd.). Das Bewältigungsverhalten gibt die Art und Weise des Umgangs mit Schwierigkeiten und verschiedenen Themen vor und enthält entsprechende Chancen oder Verwehrungen das bedrohte Selbst zu thematisieren (Böhnisch, 2016, S. 31). Hierbei wird auch häufig der Begriff Milieu verwendet. Damit ist die Schichtzugehörigkeit, soziale Herkunft oder das Wohnquartier gemeint, aus dem Menschen stammen und dem sie sich zugehörig fühlen. In der Sozialen Arbeit dient das Wissen dazu, Klientinnen und Klienten vorab einzuschätzen und auf ihr Auftreten und ihre Reaktionen reagieren zu können (ebd.). Dieses Wissen gründet auch auf der Hypothese, dass die soziale Umgebung, in der Menschen aufwachsen, ihr Verhalten prägt. Die Milieuherkunft äussert sich im Bewältigungsverhalten, des Über-Sich-Sprechens, der Körpersprache und des Konfliktverhaltens, das sich in der Hilfebeziehung zeigen und diese auch prägen kann (Böhnisch, 2016, S.55). Die letzte Zone ist die sozialstrukturell-sozialpolitische Zone und beinhaltet das Sozialpolitische Konzept der Lebenslage (Böhnisch & Schröer, 2013, S. 68). Das Konzept fragt danach, wie sozialstrukturelle Lebensbedingungen und -verhältnisse die Lebenschancen der Menschen beeinflussen (ebd.). Die Soziale Arbeit hat ähnliche Fragen, jedoch auf die Person bezogen und stellt so die Brücke zur Sozialpolitik. Die Brücke muss jedoch darüber hinaus eigens sozial pädagogisch konstruiert werden, da die Soziale Arbeit Lebensverhältnisse nur in Bezug auf soziale Interaktion beeinflussen kann und kaum über ökonomische und rechtliche Zugänge (ebd.). Hierfür wurde das Konzept der Bewältigungslage geschaffen, denn es muss danach gefragt werden, wie soziale und ökonomische Verhältnisse sowie das soziale Umfeld das Individuum beeinflussen. Zielfrage muss auch sein, wie Menschen selbst befähigt werden können, um soziale Sicherung und Lebenschancen zu verbessern und zu verwirklichen (Hilfe zur Selbsthilfe) (ebd.). Sind diese Errungenschaften nicht mehr gesichert, kommt es zu Problemen der Desintegration (Böhnisch, 2016, S. 202). Um den sozialen Zusammenhalt zu gewährleisten, sind sozialpädagogische Infrastrukturen im Zusammenhang mit sozialstaatlicher Hintergrundsicherheit unentbehrlich (Böhnisch, 2012, 43).

Vor über dreissig Jahren hat Lothar Bönisch (2016) das Konzept der Lebensbewältigung entwickelt (S. 18). Das Konzept findet vor allem in der Sozialen Arbeit Anwendung, da der Einbezug der Subjektperspektive und der damit korrelierenden Lebenskonstellationen aufgezeigt werden kann und sich daraus Handlungsaufforderungen ableiten lassen (ebd.).

In der Ersten Moderne hat sich die Soziale Arbeit im Zusammenhang als dritte Sozialisationsagentur, neben Familie und Schule, erfolgreich etabliert (Böhnisch & Schröer, 2013, S. 8). Im Mittelpunkt der Sozialisationskonzepte im 20. Jahrhundert stand die Gestaltung eines Normallebenslaufs mit typischen Entwicklungen und Verlaufsmustern. Normale Sozialisationsabläufe waren durch Altersphasen von Kindheit bis zum Alter strukturiert. Die soziale Welt hat sich aber verändert, denn anstelle von Normalitätsentwürfen stehen seit Anbeginn des 21. Jahrhunderts Entgrenzungen im Zentrum (ebd.). Normalisierte Strukturen, welche noch in der Ersten Moderne üblich waren, mischen sich nun in der zweiten Moderne mit neuen, sodass Grenzen verschwimmen (Böhnisch, 2012, S. 11). Lineare Lebensläufe werden nun mit Lebensläufen auf einer Grundlage von Sowohl-als- auch-Strukturen konstruiert. So ist auch die Bildung entgrenzt, welche zeitlich nicht mehr umrahmt ist und dies speziell auch für die Zielgruppe dieser Arbeit bedeutet, mit Medien mitzuhalten und sie zu erlernen, dies in Form von Medienkompetenz. Die Erwerbsarbeit ist in der heutigen Zeit nicht mehr dauerhaft gesichert, sodass sich die traditionelle Lebensweise mit der lebensgeschichtlichen Identität ebenfalls auflöst (ebd.) Die Normalitätserwartungen und Regulationsformen aus der Ersten Moderne bestimmen jedoch noch heute die Erwartungen (ebd.). Ein entscheidender Faktor für die Entgrenzung ist die digitale Revolution, welche durch die Globalisierung angetrieben ist, da die Zielsetzung sich auf ökonomische Werte sowie ein global zirkulierendes Finanzkapital richtet (ebd.). Die Slogans von heute lauten: Marktfähigkeit, Machbarkeit sowie Mithalten. Um den Umsatz immer weiter anzukurbeln, ist die soziale Welt den permanenten Veränderungen unterworfen (ebd.). Dies geht mit einem atemberaubenden Tempo vonstatten und erfordert flexible Arbeitskräfte, welche vor allem prekäre Arbeitsverhältnisse schafft (Böhnisch, 2012, S. 10). Folgen davon sind Zustände, in welchen Menschen mit Übergang in das Erwerbsleben nach langjähriger Ausbildung arm sind, obwohl sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen (Böhnisch, 2012, S.14). Es herrschen Unsicherheiten, welches Wissen sich anzueignen sich noch lohnt (Böhnisch, 2012, S. 259). Dies hat in der heutigen Zeit zur Folge, dass Integrationsprobleme sowie prekäre Lebenssituationen alle Bevölkerungsschichten treffen kann (Böhnisch, 2012, S. 13). Der neoliberale sozialpolitische Slogan von heute lautet: "Jeder Mensch ist sein eigener Schmied des Glückes" und hat deshalb keinen Anspruch auf Hilfe, sodass die sozialstaatliche Balance aus dem Gleichgewicht zu fallen droht (Böhnisch, 2012, S. 12). Aus den gebräuchlichen Integrationsformen herausgelöst sind Personen nun angehalten selbst Wege zu finden, auf denen sie die Herausforderungen bewältigen und handlungsfähig bleiben können (Böhnisch,2016, S.91). So ist die Soziale Arbeit nun gefordert, gesellschaftliche Probleme zu bearbeiten, sich fachlich, politisch einzubringen und ethisch zu begründen (Böhnisch, 2012, S. 13). In einem Konzept sollten nicht nur die Zugänge zu Lebenschancen ausformuliert werden, sondern ebenso das Ziel zur Befähigung von Menschen, sich kommunikativ einbringen zu können, damit alle Menschen ihre Rechte und Leistungen einfordern können (Böhnisch, 2012, S.43).

Aufgrund der Zweiten Moderne und der damit verbundenen gesellschaftlichen Entwicklungen kamen für die Soziale Arbeit neue Herausforderungen, welche neue Bewältigungsstrategien der Adressatinnen und Adressaten der Sozialen Arbeit betrafen, hinzu (Böhnisch, 2016, S. 22). Zwar müssen alle Menschen ihr Leben selbst bewältigen können, jedoch ist es nicht allen Menschen möglich, in kritischen Lebenssituationen ihre Hilfslosigkeit zu thematisieren und sich entsprechende Hilfe zu holen (ebd.). Das Konzept der Lebensbewältigung von Böhnisch nimmt genau diese Zielgruppe in den Fokus, welche nicht gelernt haben oder nicht die Chance dazu bekamen ihre Überforderungen zu äussern (ebd.). Menschen, welche sich in schwierigen Lebensphasen oder Situationen ihrer Umwelt gegenüber nicht äussern können, laufen Gefahr, einen Abspaltungszwang zu erleiden, welcher mit antisozialen und selbstdestruktiven Folgen enden kann (ebd.). Nachfolgend sollen nun die drei oben erwähnten Zonen aufgezeigt werden. In der relational-intermediäre Zone geben Familie, Gruppen, Organisationen sowie das Internetverhalten Aufschluss über die Bewältigungskulturen der Zielgruppe.

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Ende der Leseprobe aus 66 Seiten

Details

Titel
Mediale Krisenkommunikation und ihre Auswirkungen auf ältere Menschen. Soziale Arbeit als Unterstützung im Umgang mit Medien
Note
6,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
66
Katalognummer
V1039349
ISBN (eBook)
9783346456014
ISBN (Buch)
9783346456021
Sprache
Deutsch
Schlagworte
drittes Lebensalter, Medien, Krisen, Kommunikation, Pandemie, mediale Krisenkommunikation, Skandalisierung, Medienkompetenz, Corona, Covid-19, PR-Agenturen, Brutkastenlüge, Propaganda, Edward Bernays, Lebensbewältigungskonzept, Abspaltung, Exklusion
Arbeit zitieren
Elisa Shala (Autor), 2021, Mediale Krisenkommunikation und ihre Auswirkungen auf ältere Menschen. Soziale Arbeit als Unterstützung im Umgang mit Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039349

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