Diese Arbeit geht der Frage nach, ob im Handeln der Figuren des Romans Kruso Züge der „Ethik der Authentizität“ zu erkennen sind.
Für ein grundlegendes Verständnis wird zunächst Taylors Aufsatz Die Quellen der Authentizität zusammenfassend dargelegt. Ebenso wird kurz in den Roman und seinen geographisch-historischen Kontext eingeführt. Im Anschluss kann sich der Forschungsfrage gewidmet werden. Dafür werden die Figuren Ed, Kruso und Rommstedt im Hinblick darauf, ob sie nach einer „Ethik der Authentizität“ handeln, analysiert. In einem Fazit werden abschließend die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einführung
2.1 Charles Taylors Ethik der Authentizität
2.2 Lutz Seilers Kruso: Historischer und geographischer Kontext
3 Analyse: Die Ethik der Authentizität in Seilers Kruso
3.1 Ed – Ich ist ein Anderer
3.2 Kruso – Freiheit gedeiht in Unfreiheit
3.3 Rommstedt – Mit der Zeit nimmt man schließlich auch die Grenze kaum noch wahr
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Handeln der Romanfiguren in Lutz Seilers "Kruso" mit der von Charles Taylor postulierten „Ethik der Authentizität“ korrespondiert oder in Konflikt steht.
- Grundlagen der Ethik der Authentizität nach Charles Taylor
- Historischer und gesellschaftlicher Kontext des Romans "Kruso"
- Die psychologische Entwicklung und Identitätssuche der Figur Ed
- Freiheitsbegriff und Ideologiekritik an der Figur Kruso
- Abgrenzung und Rolle der Figur Rommstedt im Sozialismus
Auszug aus dem Buch
Ed – Ich ist ein Anderer
Zu Beginn der Handlung kann hinsichtlich Edgars Leben im Blick der Ethik der Authentizität gesagt werden, dass Edgar kaum Eigenes an sich hat und völlig von sich selbst entfremdet ist. Zum einen äußert sich das in dem Grübeln über seine Trauer, anstatt diese wahrzunehmen, zum anderen durch das fehlende Hinterfragen der Rolle, die ihm auferlegt wird und der instrumentellen Haltung zu sich selbst – zu erfüllen, was von ihm verlangt wird. Ein vorbildlicher Bürger der DDR – nur, dass er nicht arbeitet, sondern Literatur studiert, passt nicht ins Bild. Er ist so in sich zurückgezogen, dass er sein Selbst nicht mehr erkennen kann. Wennerscheid stellt dazu fest: Sprachlich wird dieser Zustand des Sich-selber-fremd-Seins über einen literarisch-geschraubten Duktus in Szene gesetzt, der Eds Welt- und Selbstwahrnehmung als merkwürdig gebrochen aufzeigt. Ed scheint die Dinge nicht direkt wahrzunehmen, sondern wie durch eine Nebelwand aus Worten. Das eigene Leben erscheint unwirklich wie ein Stück Literatur. „Edgar Bendler hatte beschlossen, zu verschwinden, ein Satz wie aus einem Roman.“
Dabei ist er sich seiner gescheiterten Existenz durchaus bewusst, was sich immer wieder in Scham äußert. Und wahrscheinlich sah man ihm an, dass er nur unterkriechen, nur verschwinden wollte, dass er im Grunde gescheitert war, aufgelaufen, ein Wrack, erst vierundzwanzig Jahre alt und schon ein Wrack. Das Potential in seinem Scheitern kann Ed vorerst nicht erkennen. Leskovec spricht der Erkenntnis des eigenen Scheiterns eine entscheidende Rolle als Ausgangspunkt ethischen Handelns zu. Generell kann Ed durch das Erkennen seines Irrpfades überhaupt ins Handeln übergehen, was er schließlich auch zu begreifen scheint: Unter der Oberfläche, gewissermaßen hinter dem Leben herrschte eine immerwährende Verlockung, ein Angebot ohnegleichen. Es brauchte den festen Entschluss, sich abzuwenden, und nichts anderes war es, was Ed an diesem Tag an.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Themenfelder Authentizität und Selbstverwirklichung ein und verknüpft diese mit dem historischen Kontext der DDR sowie der zentralen Forschungsfrage der Arbeit.
2 Einführung: Dieses Kapitel erläutert Charles Taylors theoretische Grundlagen zur Ethik der Authentizität und setzt den Roman in seinen historischen und geographischen Kontext auf Hiddensee.
3 Analyse: Die Ethik der Authentizität in Seilers Kruso: Der Hauptteil analysiert die Protagonisten Ed, Kruso und Rommstedt auf ihre Übereinstimmung mit Taylors Authentizitätsbegriff hin und beleuchtet ihre jeweiligen Lebensentwürfe.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Figuren in Kruso die Ethik der Authentizität eher kritisch hinterfragen, da ihr Handeln oft durch Traumata oder instrumentelle Absichten geprägt ist.
Schlüsselwörter
Lutz Seiler, Kruso, Ethik der Authentizität, Charles Taylor, DDR, Identität, Selbstverwirklichung, Freiheit, Unfreiheit, Hiddensee, Ed, Kruso, Rommstedt, Literaturwissenschaft, Moderne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Werk "Kruso" von Lutz Seiler unter dem spezifischen theoretischen Blickwinkel von Charles Taylors „Ethik der Authentizität“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen Identitätsbildung, das Spannungsfeld zwischen staatlicher Fremdbestimmung und individueller Freiheit sowie die Suche nach einem authentischen Selbst in einer unfreien Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie die Romanfiguren gemäß der „Ethik der Authentizität“ handeln oder ob ihr Streben nach Selbstverwirklichung lediglich durch äußere Zwänge und Traumata geformt wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die philosophische Konzepte (Taylor) auf Romanfiguren und ihre psychologische sowie soziale Interaktion anwendet.
Was wird im Hauptteil detailliert beleuchtet?
Der Hauptteil analysiert die individuellen Lebenswege der Figuren Ed, Kruso und Rommstedt und setzt deren Handlungen in Bezug zu theoretischen Idealen von Authentizität und Freiheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Identität, DDR-Sozialismus, Freiheit, Selbstentfremdung, Authentizität und literarische Charakteranalyse.
Inwiefern beeinflusst der historische Kontext der DDR das Handeln der Figur Ed?
Eds Handeln ist durch den Druck gesellschaftlicher Konformität und ein Gefühl der Ausweglosigkeit geprägt, was ihn in eine tiefe Identitätskrise und ein Bestreben zur Selbstauslöschung führt.
Wie bewertet die Autorin Krusos Freiheitsbegriff im Vergleich zu Taylors Theorie?
Die Arbeit zeigt auf, dass Krusos Verständnis von Freiheit widersprüchlich bleibt, da er einerseits individuelle Autonomie predigt, andererseits aber eine straffe Organisation führt, die andere Menschen instrumentalisiert.
- Citation du texte
- Sophie Vogt (Auteur), 2021, Über die Ethik der Authentizität in Lutz Seilers "Kruso", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039431