Paulo Freire - Pädagogik der Unterdrückten


Seminararbeit, 1999

8 Seiten


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Paulo Freire Pädagogik der Unterdrückten

GESELLSCHAFTS- UND MENSCHENBILD:

- die menschliche Bestimmung liegt im Mehr- Werden, er ist ein Grenzwesen, in der Grenzüberschreitung vergewissert er sich seiner Menschlichkeit, Mensch ist ein Dialogwesen
- nur Menschen können sich entwickeln (Entwicklung nur bei eigener Entscheidungsmöglichkeit gegeben und nur im Rahmen der irdischen Existenz)
- Freiheit in Verantwortung ist kein Geschenk aber unabdingbar für die Erfüllung des Menschen
- Freire begegnete viel Furcht vor der Freiheit und Anarchie
- die Kultur der ersten Welt ist nekrophil, Liebe zur Verdinglichung und zum Besetzen und Besitzen, Unterdrücker wollen alles besitzen
- es ist notwendig, die Wirklichkeit als eine begrenzende aber veränderbare Situation zu betrachten, nicht als eine geschlossene Welt (herkömmliche Erziehung präsentiert statisches Weltbild)
- Freire sieht Subjektivität als wichtig für die Weltänderung an

UNTERDRÜCKUNG

- Unterdrückung ist die Ausbeutung und auch die Behinderung der Selbstbehauptung als verantwortliche Person
- Unterdrückung ist überwältigende Kontrolle und nekrophil (Sein durch Haben)
- Unterdrückung macht emotional abhängig
- Unterdrückung schafft Gewalt (noch nie in der Geschichte sei Gewalt von den Unterdrückten ausgegangen - Werden da Unterdrückte nicht von der Verantwortung für ihre Untaten freig esprochen ? Es ist auch nicht beweisbar.)
- es gibt keine soziale Marginalität sondern nur Marginalisierung
- alles,was die Herrschenden tun, dient nur der Unterjochung des Volkes
- es ist das Bild einer Klassengesellschaft, wo zwischen den Klassen ein antagonistischer Widerspruch besteht
- die Herrschenden spalten (unterdrückerisches Grundprinzip ist: Teile und herrsche), manipulieren (mittels scheinbaren Aufstiegsmöglichkeiten für Einzelne, durch Organisation von oben und durch Wohlfahrtsprogramme)
- die Unterdrücker nutzen Mythen (wie:Vom Tellerwäscher zum Millionär oder von dem besonderen Fleiß und Fähigkeiten der Herrschenden...) um ihre Herrschaft zu befestigen
- diese Mythen werden von den Unterdrückten internalisiert, Erfahrungen scheinen sie zu bestätigen
- die Erziehung ist das Werkzeug, um das Bewußtsein mit Herrschermythen zu besetzen, Freire nennt das “kulturelle Invasion³
- die “kulturelle Aktion³ zur Unterwerfung der Unterdrückten raubt ihnen die Sprache, zerstört kulturelle Identität, schafft ihnen ein domestiziertes Haustierdasein (bewußtlos, wehrlos, hoffnungslos), Kirchen wirken daran mit
- Unterwerfung durch Identifikation mit den Machthabern und symbolische Teilnahme an ihrem Leben (Rolle des Fernsehens)
- Kulturelle Invasion - das Aufdrängen einer fremden Weltsicht, Lahmlegen der eigenen Ausdrucksmittel und Kreativität, ein Gewaltakt von eigener Elite oder fremder Weltmacht
- die Überfallenen müssen von ihrer eigenen Unterlegenheit überzeugt werden, sie werden der eigenen Kultur entfremdet, es entsteht der Wille zur Nachahmung der Eindringlinge
- kult. Invasion ist teils Instrument teils Ergebnis von Herrschaft
- zur kulturellen Invasion werden auch die Sozialwissenschaften, die Technologie und die Naturwissenschaften genutzt, da Eindringlinge unbedingt über Vergangenheit und Gegenwart der Überfallenen Bescheid wissen müssen
- eine Folge der Unterdrückung ist die Kultur des Schweigens (kann aussehen wie scheinbare Bildungsunfähigkeit)
- “funktionelles Analphabetentum³ ist die Unfähigkeit, die Ursächlichkeiten der eigenen Situation zu erkennen und danach zu handeln, keine eigene Meinung und Empfänglichkeit für Parolen
- da ist dann ein Exorzismus, die Austreibung des internalisierten Unterdrückers, eine radikale Befreiungserfahrung nötig, erst dann kann Information und Aufklärung wirken
- der Unterdrückte muß sich im Widerspruch zum Unterdrücker erkennen, was nur in der Praxis möglich ist
- nach einer Revolution sind die Beschränkungen der ehemals Unterdrückten für die ehemaligen Unt erdrücker keine Unterdrückung- hierzu wird eine Unvergleichlichkeit der Methoden behauptet
- genauso wird Wissenschaft und Technik ganz nach ihren Nutzern gewertet: Unterdrücker nutzen sie, um aus Menschen Dinge zu machen und die wahren Revolutionäre zur Humanisierung

PADAGOGIK

- Macht der einen braucht die Dummheit der anderen
- Erziehung niemals neutral, es gibt Identität von Bildung und Unterwerfung
- die Amosphäre der Sozialstruktur findet sich in den pädagogischen Beziehungen wieder (so Vorschrift in der Schule: Nicht denken)
- Freire meint, der Aufstand der Jugend sei neu
- man muß die eigene Lebenssituation als Problem wahrnehmen und das Problem durch Reflexion und Aktion lösen
- Bewußtsein ist auf die Welt gerichtet, verlangt Intentionalität
- wirkliches Bewußtsein (vorgefundene Denkweise des Volkes) und potentielles Bewußtsein (die unbegriffenen praktikablen Lösungen )
- problemformulierende Bildung setzt im Hier und Jetzt an und korrespondiert mit der geschichtlichen Natur des Menschen, (Erkenntnis, daß die Welt wandelbar ist)
- Pädagogik der Unterdrückten in der ersten Stufe: Enthüllung der Unterdrückung durch die Unterdrückten und Veränderung durch Praxis (Reflexion und Aktion = Praxis), Entmythisierung zweite Stufe: nach der Veränderung die Pädagogik aller im Prozeß der permanenten Befreiung
- Unterdrückte müssen in der Pädagogik ihr eigenes Vorbild sein
- Päd. kann nicht von Unterdrückern praktiziert werden
- Wissen entsteht durch Erfindung und Neuerfindung
- gesellschaftlicher Widerspruch auch zwischen Lehrer und Schüler auflösen
- Lernen, in Grenzaktionen die Grenzsituationen zu überwinden, Grenzsituationen sind die Grenzlinien, die Sein von Mehr- Sein trennen und die hemmende Macht innehaben und die Situation konservieren sollen
- Nutzung generativer Themen : Jede Epoche hat ihren Komplex von Ideen, Werten, Hoffnungen und Zweifeln, die dialektisch mit ihrem Gegenteil verkehren und so nach dem Ganzen streben (ihr thematisches Universum)
- im verstärkten Ringen um diese Themen entsteht mythologisierende Tendenz mit Irrationalität und Sektierertum
- bei falscher Wahrnehmung (z.B. als Unterdrücker durch einfließende Klasseninteressen) keine Anderung der Wirklichkeit (wieso durch proletarische Klasseninteressen keine Wahrnehmungsverfälschung ?)
- Druck durch Bewußtmachung noch drückender machen, um befreiendes Handeln auszulösen (das kann Terrorismus und verweigerte humanitäre Hilfe bedeuten, Heiligt Zweck die Mittel?)
- Notwendigkeit sich zu radikalisieren - sich voll und ganz auf die Seite der Unterdrückten stellen (Unterscheidung zwischen Sektierertum: kastrierend und Radikalisierung: schöpferisch)
- echte Solidarität verlangt, in die Situation derer einzutreten, mit denen man sich solidarisiert, (sonst Gefahr des humanitären Paternalis mus), Solidarität als Akt der Liebe (wahrscheinlich nur im Zusammenhang mit der Passion Christi verstehbar)
- Reflexion und Aktion = Praxis (- durch Reflexion aber nicht gleich Subjektwerdung, nur potentiell)
- durch Darstellung der Unterdrückung wird das Es zum Ich, Reflexion, kritisches Bewußtsein

DIALOG

- Dialog als Prinzip
- kritischer und befreiender Dialog muß während des ganzen Prozesses geführt werden
- Dialog: Begegnung von Ich und Du, Ich und Ich wandeln die Gesellschaft, das ist Kooperation
- Dialog ist nicht Monolog, Schlagwort und KommuniqueŒ
- Volk nicht als Objekt behandeln, nicht in manipulierbare Masse verwandeln
- Vertrauen in Unterdrückte und ihre Vernunft, ohne Vertrauen kein Dialog
- zwischen Eliten und Massen findet kein Dialog statt, Eliten denken über bessere Unterdrükkung des Volkes nach, das Volk soll nicht denken
- ROLLE DER PARTEI bzw. DER FÜHRER
- rev.Führungsgruppen entstehen meist aus Leuten, die aus der Schicht der Herrschenden kommen und sich irgendwann in echter Solidarität mit den Unterdrückten vereinigt haben (Akt der Liebe und der Hingabe)
- Führer müssen das Volk bis zur Selbstaufopferung lieben, sterben und durch das Volk wiedergeboren werden (wenn das kein messianischer Gedanke ist !)
- Aufgabe der revolutionären Führer ist die Selbstorganisaion des Volkes
- Lukacs- die Partei muß der Masse ihre eigenen Aktionen erklären
- die Unterdrückten brauchen zur Freiwerdung eine Aktionstheorie, die das Volk aber nicht aus sich selbst konstruieren kann
- die Führer sollen die Bewußtma chung (conscienzizacao) ohne vorgefertigtes Programm anleiten und sich in Geduld üben
- keiner kann die Welt für einen anderen enthüllen
- revolutionäre Führer müssen über die Gesamtheit der Weltschau des Volkes Bescheid wissen
- die Führer sollen der Freiheit verpflichtet sein
- antidialogisch handelnde Führer manipulieren und unterdrücken
- Revolutionsführer sollen wissenschaftlich und humanistisch sein
- populistische Führer sind mit der bürgerlichen Erfolgsidee geimpft und tragen die Merkmale beider Klassen

EINHEIT UND ORGANISATION

- Entmythologisierung und Bewußtsein des Einzelnen von seiner Unterdrückung soll zum kritischen oder Klassenbewußtsein führen (das bedeutet, wer nicht mit uns ist, ist gegen uns!)
- Einheit des Volkes zur Befreiung nötig
- Organisation soll sich als natürliche Entwicklung aus der Einheit des Volkes ergeben, als das Zeugnis der rev. Aktion ( Zeugen der heiligen Kommunion ?)
- das Zeugnis soll nicht statisch sein
- Disziplin in der Organisation nicht mit Reglementierung verwechseln
- dialogische Aktionstheorie soll weder Autoritarismus noch Zügellosigkeit bedeuten
- die Freiheit soll Autorität werden (? Das klingt nach: Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit, Freiheit ist aber immer die Freiheit der Andersdenkenden.)
- Organisation als erzieherischer Prozeß
- die Führer dürfen sich nicht ohne das Volk organisieren
- in der kulturellen Synthese werden Unterschiede zwischen der Weltsicht der Führer und des Volkes zur Bereicherung beider aufgelöst

REVOLUTION

- Vorbedingung der Revolution: “korrektes³ Denken, rev. oder Klassenbewußtsein
- Revolution im Dialog, mit dem Volk und nicht für das Volk, wer dem Volk nicht traut, braucht es nicht zu befreien
- die Unterdrückten finden im ersten Stadium ihres Kampfes ihr Modell des Menschseins im Unterdrücker
- Revolutionäre müssen sich der Methoden der Unterdrücker enthalten, sonst Revolutionäre nur neue Herren
- revolutionäre Erziehung nicht erst nach der Revolution
- im Kampf der Unterdrückten gegen die Unterdrücker muß die Menschlichkeit beider wieder hergestellt werden
- gegenseitige Befreiung in der Revolution, Unterdrückte sind sich selbst befreiende Befreier (gnostische Grundidee)
- Befreiung ist eine schmerzhafte Geburt, die Unterdrückten müssen sich für die Freiheit entscheiden, das Ziel ist der neue Mensch
- Rebellion löst Liebe aus (?!)
- Unterdrückte befreien auch die Unterdrücker - Ergebnis: der “Neue Mensch erscheint ³ (der neue Mensch ist der Mensch im Prozeß der Befreiung)
- im rev. Prozeß sollen Objekte zu geschichtlichen Subjekten werden
- so Auflösung des Widerspruchs nicht Polumkehrung
- Ziel der Revolution ist Vermenschlichung als dauernder Prozeß (was soll das sein?)
- eine erzieherische kulturelle Revolution (dialogische Qualität der Revolution) soll Revolution vor Bürokratisierung und Reaktion bewahren
- kult. Rev. soll Einladung an alle sein, die am Wiederaufbau der Gesellschaft teilnehmen wollen, auch die Fachleute werden von der Revolution gebraucht
- die kult.Rev. soll neue Kultur schaffen, die sich auf alle menschlichen Tätigkeiten erstreckt (das hieße, die Vergangenheit abschaffen, wie soll das ohne Gewalt gehen ? Kultur wächst und wird nicht geschaffen)
- die kult. Rev. soll höchste Anstrengung des revolutionären Regimes im Rahmen der Bewußtmachung sein
- mythische Reste der alten Kultur sind Gespenster, von denen man sich schnell befreien sollte
- Bäume und Tiere dürfen nicht als gleichrangig betrachtet werden (das scheint mir eine Wendung gegen die indianische Kultur und Weisheit zu sein, solches Handeln macht wiederum die Natur zum Objekt, die zum Mißbrauch einlädt)

KRITIK:

- er schreibt im Stile der Allgemeingültigkeit, ist aber zutiefst verwoben mit seiner Zeit und der spezifischen lateinamerikanischen Lage
- er nennt sein Buch “Untersuchung³, schreibt aber in redundanter Art, alles behauptend und nichts belegend - das ist Predigen, keine Wissenschaft
- hätte er gesagt: “Ich habe eine Vision!³, wäre es für mich annehmbar gewesen, aber nicht unter dem Deckmantel objektiver Wahrheit
- er hat ein dualistisches Weltbild (Prinzip des Guten und Prinzip des Bösen, der Mensch muß sich entscheiden)
- depositäre Erziehung in eigener, lebendiger Kultur ist keine Entfremdung
- gibt es bei uns ein Thema mit solcher politischen Spannkraft wie die Alphabetisierung in Lateina merika ?
- Freire ist Erwachsenenbildner, er vernachlässigt die pädagogische Situation zwischen Eltern und Kind (die ja nicht autoritätslos ist und in Abhängigkeit beginnt)
- Freire scheint die Inhalte zu entwerten, ist denn alle Kultur der Herrschenden unwert ?
- wie die Unterdrücker dazu gebracht werden sollen, daß sie nicht mehr unterdrückerisch tätig sind, schreibt er nicht, über deren menschliche Qualitäten schreibt er wenig (Umerziehung??)
- ist schon der Würstchenbudenbesitzer ein Unterdrücker oder ist der Präsident ein vom internationalen Kapital Unterdrückter - wie abgrenzen ?
- wenn die Unterdrücker von Natur aus schlecht sind, dann sollte man sie konsequenterweise entleiben
- das kommunistische und das Freire- Konzept sind nicht für den Erfolg geplant, der Kampf gegen die Unterdrückung ist recht und gerecht, die Vorstellungen vom Wie der besseren Gesellschaft sind schwammig, eschatologisch und letztlich totalitär
- auf jeden Fall hat er kein Zurück- zur- Natur- oder Reethnisierungs- Konzept
- Freire ist so eine Art christlicher Marxist, Anhänger der Befreiungstheologie
- er widerspricht den Marxisten an vielen wesentlichen Punkten, vermeidet aber versöhnlerisch die Konfrontation (z.B. Freire: Rolle der Subjektivität in der Weltgeschichte wesentlich, Marx hätte nur Subjektivismus und Psychlogismus zerstört; Lenin: das Ziel ist alles, der Weg ist nichts - Freire: aus den falschen Mitteln kann nichts Gutes entstehen)
- 1970 hat Freire die Pflicht, seinen marxistischen Unterbau zu hinterfragen, er zitiert aber fröhlich Mao
- streckenweise klingt er ziemlich bekifft und eingesponnen in sein Denksystem, bekifft fühlt man sich der Wahrheit sehr nahe und bemerkt nicht, daß man die Welt in eine Schublade preßt
- Freires Vorstellung von der wahren Solidarität ist zweifelhaft
- den Druck noch drückender machen - das klingt nach Verschärfung des Klassenkampfes und kann Verweigerung humanitärer Hilfe bedeuten
- Begriffe wie “Volk³ oder “Masse³ meinen immer die anderen und werden letztlich diskriminierend gebraucht, das Volk wird als eine homogene Einheit begriffen
- wenn er sagt, ein unterdrückter Mensch sei ein Objekt, ein Haustier, liegt darin nicht schon eine ziemliche Arroganz ?
- wie kann Radikalität objektiv sein?
- wie soll denn dieser Übermensch beschaffen sein, der das Volk im Befreiungskampf anleitet, ohne eigene Machtgelüste, ohne unterdrückerische Methodik, ohne vorgefaßten Plan, voller Vertrauen, der die Leute groß werden läßt - so etwas habe ich noch nie gesehen

CHRISTLICHE ANTEILE

- Rolle der Liebe in seinem Konzept, Revolution löst Liebe aus
- S.94 das Wort ist das Wesen des Dialogs, im Wort befinden sich Reflexion und Aktion, ein wirkliches Wort sagen, heißt die Welt verändern, menschliche Existenz kann nur von wirklichen Worten genährt werden, die die Welt verwandeln, ein wirkliches Wort nicht allein sagbar, Dialog ist Weltbenennung, Unterdrückung ist Beraubung umŒs eigene Wort, Dialog ist Akt der Schöpfung
- Johannes- Evangelium: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort...In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen...Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit...
- seine Vorstellung von der Solidarität und der Kommunion mit dem Volk entspricht der Vorstellung von der Erlangung der Erlösung durch das leibhaftige Nachvollziehen der Leiden Christi
- im revolutionären Prozeß erlangen die werdenden Führer Authenzität, indem sie sterben und durch das Volk wiedergeboren werden (entspricht der christlichen Taufe)
- aus der Kommunion mit dem Volk (Abendmahl) entsteht den Führern Freude
- Kommunion mit dem Volk weckt neue Kräfte und bringt Veränderung hervor
- das Volk tritt als eine Art Sakrament auf, als Quelle der Vitalität, Attribute des Lebens, am Volk darf man nicht zweifeln
- Attribute des Todes für die Herren, die sich etwa vom lebenden Tod der Unterdrückten ernähren (Dualismus)
- die herrschenden Eliten sind von Natur aus zu dem unfähig, was revolutionäre Führer vermögen (diese leisten keine falsche Großmut und manipulieren nicht)
- Zielhaftigkeit der Weltgeschichte
- Dialog als Schöpfungsakt, kein Dialog ohne Demut
- sein Reden von Glaube (an das Volk), Liebe (durch Revolution) und Hoffnung (Veränderbarkeit der Welt)
- menschlichen Auftrag voll wah rnehmen
- Warum ist es so problematisch, daß Freires Konzeption religiös ist ?
- Es ist Manipulation, Etikettenschwindel, schließlich wird allgemein vorausgesetzt, daß ein Revolutionär wissenschaftlich, aufgeklärt, objektiv und daß sein Blick auf die Ursachen der Misere nicht durch Religion vernebelt ist (Religion ist Opium fürs Volk - Fr. Engels)
- religiöse Systeme arbeiten mit Setzungen, es liegt keine Beweisnotwendigkeit vor, es gibt keine Rationalitätsverpflichtung
- mit der Nutzung von religiösen Mitteln (Pathos) begibt man sich in einen Kreis von größter Wirkmächtigkeit aber auch ganz eigener Dynamik (archetypische Muster, jede Religion entwickelt ihre eigene Dämonologie, Religion verlangt nach Opfer) - all das ist auf politischer Ebene sehr gefährlich
- Religion ist mythische Welterklärung - es ist nicht die Aufgabe des Staates, die Welt zu erklären; zumal man immer damit rechnen muß, daß es Leute gibt, die sich die Welt anders erklären, die einen anderen Glauben haben und daß es ihr gutes Recht ist
- Gibt es ein Beispiel eines Staates auf religiöser Grundlage, den wir demokratisch und vorbildhaft finden würden ?
- wo Religion und Staatsmacht sich vermengen, kommt es zur Vermischung von Moral und Recht mit unangenehmen Folgen

Dualismus:

- es besteht ein Zusammenhang von Dualismus und barmherziger Moral
- womöglich gibt es einen Zusammenhang von Dualismus und Weltverneinung
- Dualismus ist mir ein Zeichen von gewisser psychischer Unreife
- nach C.G.Jung verlangt die Individuation (Selbst- und Ganzwerdung) eine Rücknahme der Projektionen von Gut und Böse auf die Welt, Individuation ist das Ziel menschlichen Lebens
- ich möchte verdeutlichen, welche grundlegende Arroganz und Ignoranz in solchen Denksystemen liegt
- trotz aller honigtriefenden Worte würde auch auf eine Revolution auf Basis dieser Gedanken der Terror folgen
- die revolutionären Führer, die er verlangt, gibt es nicht, wenn es sie gäbe, wären es Erleuchtete, die nicht nach Macht streben

LITERATUR:

Paulo Freire “Die Pädagogik der Unterdrückten³ Stuttgart 1970

Antworten bitte immer an: Please reply allways to: lotte@butzmann.org

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Paulo Freire - Pädagogik der Unterdrückten
Veranstaltung
Paulo Freire - Pädagogik des Ernstfalls
Autor
Jahr
1999
Seiten
8
Katalognummer
V103945
ISBN (eBook)
9783640023219
Dateigröße
346 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paulo, Freire, Pädagogik, Unterdrückten, Paulo, Freire, Pädagogik, Ernstfalls
Arbeit zitieren
Charlotte Butzmann (Autor:in), 1999, Paulo Freire - Pädagogik der Unterdrückten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/103945

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