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Der Gottesbegriff nach Auschwitz bei Hans Jonas und Irving Greenberg. Antworten auf die Theodizee-Frage aus dem liberalen und dem orthodoxen Judentum

Titel: Der Gottesbegriff nach Auschwitz bei Hans Jonas und Irving Greenberg. Antworten auf die Theodizee-Frage aus dem liberalen und dem orthodoxen Judentum

Akademische Arbeit , 2020 , 16 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Naim Mejdoub (Autor:in)

Soziologie - Religion
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit möchte nachweisen, dass die Shoah einen Bruch mit der Theologie vor Auschwitz darstellt und daher die Theodizee-Frage neu gestellt werden muss. Sie fragt außerdem danach, worin sich Hans Jonas und Irving Greenberg bei der theologischen Bewertung der Shoah unterscheiden.

In der Nähe meiner Wohnung in Frankfurt befinden sich zwei goldene, beschriftete Steine. Auf ihnen sind die Namen "Sigmund Gotthelf" und "Gertrud Gotthelf" vermerkt. Ihr Familienname "Gotthelf" hat eine wörtliche Bedeutung: Die Bitte an Gott zu helfen. Sigmund und Gertrud Gotthelf wurden 1941 von den Deutschen ins Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert, wo sie auch wenig später ermordet wurden. Ihr Name und Schicksal drängen unverkennbar nach der Frage, wieso Gott ihnen und anderen nicht geholfen hat und dieses unvorstellbare Leid zulässt. Wenn man sich den tradierten Gottesbegriff genauer anschaut, wird das Leid umso unerklärlicher, denn in der jüdisch-christlichen Orthodoxie hat Gott die Attribute allmächtig und barmherzig zu sein. Wie das mit dem Leid vereinbar sein soll, ist eine der Grundfragen jüdisch-christlicher Theologie.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Der überlieferte jüdische Gottesbegriff

2. Antworten auf die Theodizee-Frage aus dem liberalen Judentum

2.1. Antwort auf die Theodizee-Frage nach Auschwitz von Hans Jonas:

2.2. Der Mythos:

3. Antworten auf die Theodizee-Frage aus dem orthodoxen Judentum

3.1 Die Antwort auf die Theodizee-Frage nach Auschwitz von Irving Greenberg:

4. Fazit:

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie nach der Shoah das theologische Problem der Theodizee – die Vereinbarkeit von Gottes Güte und Allmacht mit dem unvorstellbaren Leid – neu bewertet werden kann. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, worin sich die Ansätze von Hans Jonas als Vertreter des liberalen Judentums und Irving Greenberg als Vertreter des orthodoxen Judentums in ihrer theologischen Verarbeitung der Shoah unterscheiden.

  • Der überlieferte jüdische Gottesbegriff und seine Problematisierung nach Auschwitz
  • Die philosophische Herleitung eines leidenden Gottes bei Hans Jonas
  • Die Aufgabe des Allmacht-Attributs als theologische Konsequenz
  • Der Bruch des Bundes zwischen Gott und dem jüdischen Volk bei Irving Greenberg
  • Die Rolle des Staates Israel als religiös-politisches Symbol des Überlebens

Auszug aus dem Buch

2.2. Der Mythos:

Ausgangspunkt des Mythos ist die Überlegung, dass die vollständige Einheit von Gott und Universum zur Folge hätte, dass die Welt zu „jedem Augenblick [...] seine Fülle“ darstelle (Jonas 2016: 16). Was in der Welt passiere, sei dadurch immer ein vollkommener Teil Gottes, in dem die Welt keine Autonomie gegenüber ihrem Schöpfer habe, sondern immanenter Teil von ihm sei. Es würde keinen Zufall geben, da alles Teil der göttlichen Vollkommenheit sei. Deshalb entschloss sich Gott in Hans Jonas Mythos, sich dem Zufall und der Mannigfaltigkeit des Seins hinzugeben und die Welt als etwas ihm äußerliches zu schaffen. Die Welt habe sich neben Gott entwickelt und irgendwann habe der Zufall der Welt Leben hervorgebracht. Mit dem Leben ging aber auch der Tod einher. Der Tod und das Leiden des sich entwickelnden endlichen Lebens seien aber an sich nicht problematisch, da das fühlende Leben eine Voraussetzung für die mannigfaltige Wahrnehmung der Welt sei, die von Gottes Entscheidung, sich von der Welt zu entäußern, gewollt sei. Hans Jonas spricht hier wörtlich von der „Leidenschaft des Lebens“ (Jonas 2016: 20). Jeder Ausdruck des Leidens fülle in gänzlicher Unschuld diese Selbstwahrnehmung der Welt. Die Evolution der Welt und des Lebens brachte dann aber schließlich den Menschen hervor, der als einziges Wesen über die Freiheit verfüge und damit ende die Unschuld der Welt. Der Mensch sei nämlich aufgrund seiner Freiheit dazu befähigt, die Disjunktion zwischen Gut und Böse zu treffen und damit komme erstmalig die Aufgabe der Verantwortung in die Welt. Die (nur dem Menschen vorbehaltene) Verantwortung mache aus der Welt einen Schauplatz, in dem sich „Licht und Schatten“ über der menschlichen Landschaft breit mache. Gott nehme „hoffend und werbend, mit Freude und mit Trauer“ Anteil an der Entwicklung des Menschen in der Welt, ohne jedoch einzugreifen (Jonas 2016: 24). Er leide also mit dem Menschen und der Welt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der überlieferte jüdische Gottesbegriff: Dieses Kapitel erläutert die traditionellen Attribute Gottes – insbesondere Allmacht, Barmherzigkeit und Rolle als Herr der Geschichte – und stellt dar, warum diese Konzepte durch die Ereignisse von Auschwitz grundlegend in Frage gestellt werden.

2. Antworten auf die Theodizee-Frage aus dem liberalen Judentum: Hier wird der philosophische Ansatz von Hans Jonas analysiert, der das Problem der Theodizee durch die Vorstellung eines leidenden Gottes löst.

2.1. Antwort auf die Theodizee-Frage nach Auschwitz von Hans Jonas:: Dieser Abschnitt vertieft Jonas' Argumentation, dass Gott seine Allmacht zugunsten der menschlichen Freiheit freiwillig aufgegeben habe.

2.2. Der Mythos:: Hier wird Jonas’ zentrales Gedankenexperiment beschrieben, in dem Gott sich selbst begrenzt, um dem Menschen Autonomie und echte Freiheit zu ermöglichen.

3. Antworten auf die Theodizee-Frage aus dem orthodoxen Judentum: In diesem Kapitel wird Irving Greenbergs Position untersucht, der die Shoah als radikalen Bruch im Bund zwischen Gott und dem jüdischen Volk interpretiert.

3.1 Die Antwort auf die Theodizee-Frage nach Auschwitz von Irving Greenberg:: Dieser Teil erläutert Greenbergs Plädoyer für ein freiwilliges, dialektisches Verhältnis zu Gott und die neue Bedeutung des Staates Israel.

4. Fazit:: Die Arbeit schließt mit einem Vergleich beider Ansätze und stellt fest, dass trotz unterschiedlicher Methodik beide Autoren die Notwendigkeit betonen, eine neue Theologie nach Auschwitz zu formulieren, ohne dem Atheismus zu verfallen.

Schlüsselwörter

Shoah, Theodizee-Frage, Auschwitz, Hans Jonas, Irving Greenberg, Allmacht Gottes, Liberales Judentum, Orthodoxes Judentum, Bund, Leidenschaft des Lebens, Freiheit, Gott, Staat Israel, Religiöse Praxis, Theologie nach 1945

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Hausarbeit befasst sich mit der theologischen Bewältigung der Shoah und untersucht, wie der Gottesbegriff angesichts des Leidens in Auschwitz neu gedacht werden kann.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Theodizee-Frage, das Wesen Gottes (Allmacht vs. Mitleiden), der Bund zwischen Gott und dem jüdischen Volk sowie die verschiedenen Ausprägungen im liberalen und orthodoxen Judentum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist ein Vergleich der Positionen von Hans Jonas und Irving Greenberg, um aufzuzeigen, wie sie jeweils das theologische Problem von Gottes Rolle nach Auschwitz lösen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse philosophisch-theologischer Schriften, wobei Hans Jonas eher logisch-philosophisch und Irving Greenberg historisch-theologisch argumentiert.

Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert Jonas' Mythos der göttlichen Selbstbegrenzung und Greenbergs Konzept eines aufgebrochenen, aber fortbestehenden Bundes, der auf Freiwilligkeit beruht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Shoah, Theodizee, Allmacht, Freiheit, Bund, Leid und religiöse Identität geprägt.

Wie begründet Hans Jonas den Verzicht auf das Attribut der göttlichen Allmacht?

Jonas argumentiert logisch, dass Gott dem Menschen echte Freiheit geben wollte, um ein ethisches Handeln zu ermöglichen; dies schließt nach seiner Auffassung die gleichzeitige Ausübung von Allmacht aus, da Gott sonst nicht "nicht eingreifen" könnte.

Welche Rolle spielt der Staat Israel in Greenbergs theologischer Reflexion?

Für Greenberg ist Israel ein notwendiges Symbol des Überlebenswillens und ein trotziges Zeichen gegen die Unterdrückung, das über die rein politische Souveränität hinaus auch theologische Bedeutung erlangt.

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Details

Titel
Der Gottesbegriff nach Auschwitz bei Hans Jonas und Irving Greenberg. Antworten auf die Theodizee-Frage aus dem liberalen und dem orthodoxen Judentum
Veranstaltung
Das Politisch-Theologische Problem
Note
1,3
Autor
Naim Mejdoub (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V1039480
ISBN (eBook)
9783346481672
ISBN (Buch)
9783346481689
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theologie Auschwitz Theodizee Jonas Hans Philosophie Religion
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Naim Mejdoub (Autor:in), 2020, Der Gottesbegriff nach Auschwitz bei Hans Jonas und Irving Greenberg. Antworten auf die Theodizee-Frage aus dem liberalen und dem orthodoxen Judentum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039480
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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