Diese Arbeit hat zum Ziel herauszufinden, welche Eigenschaften aufgrund des Habitus und dem resultierenden Lebensstil hervorgehen sowie was die Homogenität der beiden Klassen ausmacht. Für das Verständnis werden das Sozialkapital nach Bourdieu, das Klassenmodell nach Bourdieu näher erläutert. Hierbei wird insbesondere die Oberklasse und die untere Klasse sowie die Freundschaft als informelle Beziehung definiert und die Fragestellung entsprechend präzisiert. Danach werden die empirischen Studien im Buch «Die feinen Unterschiede» bezüglich der Geschmacksunterschiede von Bourdieu untersucht und einige Geschmacksdimensionen ausgesucht, um daraus spezifische Eigenschaften abzuleiten.
Für die Bearbeitung der Fragestellung dient einerseits das bereits erwähnte Kapitalsortenkonzept und andererseits das Klassenmodell, das Bourdieu in seinem Buch «Die feinen Unterschiede» thematisiert. Dieses Klassenmodell teilt die Gesellschaft aufgrund der Kapitalsorten in Klassen und Klassenfraktionen ein. Die Kapitalsorten bestimmen somit die Stellung im sozialen Raum und beeinflussen sich wechselseitig.
Struktur der Arbeit
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Begriffserklärungen
2.1.1 Kapitalsorten nach Bourdieu (1983)
2.1.2 Sozialkapital nach Bourdieu
2.1.3 Die Freundschaft
2.1.4 Klassenmodell nach Bourdieu
2.2 Untersuchungsgegenstand
2.3 Fragestellung
2.4 Vorgehen
2.5 Ergebnisse
3 Fazit
4 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Untersuchung
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologischen Gründe dafür, weshalb Freundschaften zwischen Angehörigen der Oberklasse und der unteren Klasse selten sind. Auf Basis der Theorien von Pierre Bourdieu wird analysiert, wie unterschiedliche Kapitalsorten, Lebensstile und der daraus resultierende Habitus die soziale Distanz zwischen den Klassen festigen und eine gleichberechtigte Reziprozität in informellen Beziehungen erschweren.
- Analyse des Klassenmodells und des Kapitalsortenkonzepts nach Pierre Bourdieu.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft, Habitus und Geschmack.
- Vergleich von Geschmacksdimensionen (Nahrung, Sport, Ästhetik) zwischen den Klassen.
- Erörterung der Bedeutung von Homogenität für die Stabilität von Freundschaftsbeziehungen.
Auszug aus dem Buch
Nahrungsmittelkonsum
Nahrungsmittelkonsum (vgl. Bourdieu 1987: 294 ff): dabei fällt auf, dass der prozentuale Anteil an den Gesamtausgaben für Lebensmittel der Oberklasse (hier Hochschullehrer) tendenziell kleiner ist als in den unteren Klasse (24,4% zu 38,3%). Somit sinken mit zunehmenden Sozialstatus die Ausgaben für Lebensmittel und es werden leichtere, teurere und exotischere Speisen bevorzugt. Hingegen werden mit abnehmenden Status eher fetthaltige, schwerere und einfachere Speisen bevorzugt (vgl. Bourdieu 1987: 288). Dies begründet Bourdieu (vgl. 1987: 290) mit einer zunehmenden Distanz der Oberschicht gegenüber dem Notwendigsten. Denn diese haben bezüglich Lebensmittel freie Wahl aufgrund ihrer Existenzbedingungen. Durch diese freie Wahl hat sich demnach auch der Geschmack frei gebildet und wird mit Luxusgeschmack bezeichnet (vgl. Bourdieu 1987: 290).
Der Notwendigkeitsgeschmack der Unterschicht hingegen ist nicht frei gewählt, sondern ein Zwang, der infolge eines Mangels hervorgeht (vgl. Bourdieu 1987: 291). Die Präferenz für bestimmte Speisen zeigt somit deutlich die Unfreiwilligkeit des Geschmacks auf, der durch die soziale Herkunft determiniert ist. Passend nach dem Motto: Du bist was du isst. Zudem ist der Luxusgeschmack auch ein bescheidener Geschmack, was bedeutet, dass die Oberklasse eher im Moment verzichtet um in Zukunft einen Nutzen zu erhalten, dies im Gegensatz zum spontanen Materialismus der unteren Klasse (vgl. Bourdieu 1987: 296). Denn die untere Klasse will sich ihre Wünsche sofort erfüllen, da sie sich von der Zukunft weniger erhofft (vgl. Bourdieu 1987: 296 ff). Somit leben Angehörige der unteren Klassen eher in der Gegenwart und denken weniger an die Zukunft.
Dabei stellt sich heraus, dass Menschen aus der Oberklasse generell weniger unter Zwang stehen und generell mehr Wahlmöglichkeiten haben. Ganz nach dem Motto: Alles kann, nichts muss. Diese Freiheit äussert sich in einer entspannten Haltung gegenüber der Welt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der sozialen Ungleichheit ein und stellt die Relevanz von Bourdieus Konzepten für die Untersuchung von Freundschaftsbeziehungen zwischen Klassen dar.
2 Hauptteil: Der Hauptteil erläutert theoretische Grundlagen zu Kapitalsorten, Sozialkapital, dem Klassenmodell und dem Begriff der Freundschaft, gefolgt von einer Analyse empirischer Geschmacksdimensionen.
2.1 Begriffserklärungen: Hier werden die zentralen theoretischen Begriffe wie kulturelles, ökonomisches und soziales Kapital sowie das Klassenmodell und die Dynamik von Freundschaften definiert.
2.2 Untersuchungsgegenstand: Dieser Abschnitt begründet die Eignung von Bourdieus Werk „Die feinen Unterschiede“ als theoretische und empirische Basis für die Untersuchung der Fragestellung.
2.3 Fragestellung: Die Fragestellung zielt darauf ab, spezifische Eigenschaften aus dem Lebensstil und den Ressourcen herauszuarbeiten, welche die Homogenität der Oberklasse begründen und die Abgrenzung zur unteren Klasse verdeutlichen.
2.4 Vorgehen: Es wird dargelegt, dass die Analyse auf einem Vergleich kontrastierender Geschmacksdimensionen zwischen den extremen Klassen (Ober- und Volksklasse) beruht, um Unterschiede im Habitus zu verdeutlichen.
2.5 Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in Bereichen wie Ernährung, Freizeitgestaltung und ethischen Einstellungen, die das soziale Handeln der Klassen prägen.
3 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die mangelnde objektive und subjektive Homogenität zwischen den Klassen Freundschaften erschwert, da die notwendige Basis für Anerkennung, Verständnis und Vertrauen fehlt.
4 Literaturverzeichnis: Hier sind sämtliche im Text verwendeten Quellen und die zugrunde liegende Fachliteratur aufgeführt.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Pierre Bourdieu, Habitus, Sozialkapital, Lebensstil, Klassenmodell, Freundschaft, Geschmack, Distinktion, Kapitalformen, Oberklasse, Unterschicht, Soziale Homogenität, Reziprozität, Lebensbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologischen Barrieren, die Freundschaften zwischen Menschen aus der Oberklasse und der unteren Klasse erschweren, wobei der Fokus auf den Theorien von Pierre Bourdieu liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Kapitalformen (ökonomisch, kulturell, sozial), der sozialen Herkunft und dem daraus resultierenden Lebensstil der jeweiligen Klasse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, welche Eigenschaften und Lebensstil-Prägungen die Homogenität der Oberklasse begründen und warum diese eine Abgrenzung zur unteren Klasse schaffen, die informelle, freundschaftliche Kontakte behindert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretisch fundierte Analyse durchgeführt, die Bourdieus empirische Ergebnisse aus „Die feinen Unterschiede“ nutzt, um die Lebensstile der Klassen kontrastreich miteinander zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsdefinitionen, die Vorstellung des Untersuchungsgegenstands und eine detaillierte Analyse von Geschmacksdimensionen wie Ernährung, Sport, Ästhetik und kultureller Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind soziale Ungleichheit, Habitus, Distinktion, Kapitalformen, soziale Homogenität und Lebensstil.
Warum wird die Mittelschicht in der Untersuchung vernachlässigt?
Die Mittelschicht wird bewusst ausgeklammert, um die Unterschiede im Habitus zwischen der Ober- und der unteren Klasse durch eine klarere Kontrastierung deutlicher hervorheben zu können.
Inwieweit spielt das Konzept der „Reziprozität“ eine Rolle für Freundschaften?
Reziprozität erfordert gegenseitige Anerkennung und Vertrauen. Laut der Arbeit ist dies nur bei einer gewissen objektiven Homogenität möglich, da sich Individuen aus unterschiedlichen Klassen durch abweichende Lebensstile oft nicht ausreichend verstehen können.
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- Anonym (Author), 2018, Eine Analyse der Lebensstile nach Bourdieu. Weshalb existieren selten Freundschaften zwischen Angehörigen der Oberklasse und Angehörigen der unteren Klasse?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039665