Inwiefern ist es ethisch in Ordnung, Feten abzutreiben, die eine potentielle Behinderung aufweisen könnten?
In der Hausarbeit werden, um die Fragestellung zu beantworten, zunächst einmal die Begrifflichkeiten der Ethik und des ethischen Handelns erklärt. Anschließend wird der Begriff des Schwangerschaftsabbruchs definiert und in diesem Zusammenhang die Rechtslage in Deutschland betrachtet. Letztendlich wird im ersten Teil der Hausarbeit auch noch der Behinderungsbegriff expliziter dargestellt.
Es wird versucht, die Fragestellung mit Hilfe einer deontologischen sowie teleologischen Ethiktheorie zu beantworten. Hierfür werden zunächst einmal die Theorien vorgestellt, um sie anschließend deontologisch und teleologisch zu lösen.
Am Ende der Hausarbeit werden die Ergebnisse in einem Fazit zusammengefasst und eine persönliche Stellungnahme zur Frage abgegeben, ob die Abtreibung von Feten mit potenzieller Behinderung ethisch in Ordnung ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1. Ethik und ethisches Handeln
2.2. Schwangerschaftsabbruch
2.3. Behinderung
3. Ethische Theorieansätze
3.1. Deontologischer Ansatz nach Immanuel Kant
3.2. Präferenz- Utilitarismus nach Peter Singer
3.3. Präferenzutilitarismus am Beispiel des Spätaborts
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit des Schwangerschaftsabbruchs (Spätabort) bei einer diagnostizierten oder potenziellen Behinderung des ungeborenen Kindes unter Rückgriff auf die deontologische Pflichtethik und den utilitaristischen Ansatz.
- Grundlagen ethischen Handelns und Begriffsdefinitionen
- Die Rechtslage zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland
- Ethische Bewertung nach Immanuel Kants kategorischem Imperativ
- Ethische Bewertung nach dem Präferenzutilitarismus von Peter Singer
- Reflexion der Vereinbarkeit von Behinderung und Lebenswert
Auszug aus dem Buch
3.1. Deontologischer Ansatz nach Immanuel Kant
Der Begriff der Deontologie wird aus dem lateinischen abgleitet. „To deos“ ist das Gesollte oder das Pflichtmäßige und „logos“ ist die Vernunft. Aus diesem Grund übersetzt man die Deontologie auch als „Pflichtethik“. Der bekannteste deontologische Ansatz ist der von Immanuel Kant. Dieser hat den kategorischen Imperativ aufgestellt der besagt, dass man nur nach derjenigen Maxime handeln soll, von der man auch möchte, dass sie zum Gesetz wird. (vgl. Schweidler 2018, S. 42)
Würde man diesen Satz aufschlüsseln, könnte man folgende Aussagen herauslesen:
- Kant möchte, dass eine Handlung stets einer Maxime bzw. einer Regel folgt.
- Weiterhin ist er der Ansicht, dass man diese Handlung nur dann ausführen darf, wenn man sich in der gleichen Situation immer gleich verhalten würde.
- Letzter wichtiger Aspekt des kategorischen Imperativs ist außerdem, die Verallgemeinerung. Gemeint damit ist, dass man auch von anderen Menschen wollen würde, dass sie die gleiche Handlung ausüben. Auch dann, wenn sie einen selbst betreffen würde. (vgl. Frankena 2017, S. 30)
Folglich schreibt die deontologische Ethik der Handlung als solcher den wichtigsten Gesichtspunkt zu. Die Deontologische Ethik beschäftigt sich nicht mit den Folgen der Handlung. Nach ihr handelt man ethisch richtig/ gut, wenn man die drei oben aufgeführten Aussagen mit einem „Ja“ beantwortet.
Kant geht es darum das Streben nach der eigenen Glückseligkeit mit der Glückseligkeit der anderen zu verbinden. So erreicht man letztendlich, dass die eigenen Interessen gleichberechtigt neben denen der anderen gesehen werden und handelt automatisch ethisch gut. (vgl. Marwede 2018, S. 13)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Relevanz von pränataler Diagnostik und das ethische Dilemma bei der Entscheidung für oder gegen einen Abbruch bei potenzieller Behinderung.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Konzepte der Ethik, des Schwangerschaftsabbruchs im Kontext der deutschen Gesetzeslage (§§ 218 ff. StGB) sowie den gesellschaftlichen Behinderungsbegriff.
3. Ethische Theorieansätze: Hier werden die philosophischen Grundlagen der deontologischen Pflichtethik nach Kant und des Präferenzutilitarismus nach Peter Singer erläutert und konkret auf den Fall des Spätaborts angewendet.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass es keine universelle ethische Antwort gibt, und betont die Bedeutung einer fundierten Beratung sowie die notwendige sozialarbeiterische Perspektive.
Schlüsselwörter
Ethik, Deontologie, Utilitarismus, Schwangerschaftsabbruch, Behinderung, Spätabort, kategorischer Imperativ, Präferenzutilitarismus, Pränataldiagnostik, Trisomie 21, Moral, Normen, Werte, Lebenswert, Soziale Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethische Vertretbarkeit von Spätabbrüchen bei ungeborenen Kindern mit potenzieller Behinderung aus philosophischer und sozialpädagogischer Sicht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die ethische Theoriebildung (Kant vs. Singer), die rechtliche Situation von Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland und der Umgang mit dem Behinderungsbegriff.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern ein Schwangerschaftsabbruch bei medizinischer Indikation aufgrund einer zu erwartenden Behinderung ethisch gerechtfertigt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und vergleicht ethische Theorien, um diese auf ein konkretes, moralisches Praxisbeispiel anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begrifflichkeiten geklärt, anschließend die ethischen Theorien vorgestellt und danach eine Anwendung dieser Theorien auf den Spätabort durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Deontologie, Utilitarismus, Spätabort, Lebenswert, Ethik und soziale Verantwortung.
Zu welchem Schluss kommt Immanuel Kant bezüglich der Abtreibung?
Nach dem kategorischen Imperativ lehnt Kant den Abbruch bei potenzieller Behinderung ab, da eine Verallgemeinerung der Handlung, bei der jedes behinderte Leben vernichtet würde, widersprüchlich und nicht erstrebenswert ist.
Wie bewertet Peter Singer die Situation?
Singer argumentiert utilitaristisch und sieht den Abbruch als ethisch vertretbar an, wenn der Nutzen für die Schwangere (Selbstbestimmung, Vermeidung von Leid) das Interesse des Fötus, der aufgrund fehlenden Bewusstseins noch keine Interessen bilden kann, überwiegt.
Welche Rolle spielt die Sozialarbeit in dieser Debatte?
Der Autor betont, dass Sozialarbeiter eine wichtige Rolle bei der Beratung und Unterstützung von Eltern spielen sollten, um Möglichkeiten und Hilfsangebote für Menschen mit Behinderung aufzuzeigen.
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- Alina Sayed (Author), 2019, Ethische Grundlagen in der sozialen Arbeit am Beispiel des Schwangerschaftsspätabbruchs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040029