Ethische Grundlagen in der sozialen Arbeit am Beispiel des Schwangerschaftsspätabbruchs


Hausarbeit, 2019

12 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1. Ethik und ethisches Handeln
2.2. Schwangerschaftsabbruch
2.3. Behinderung

3. Ethische Theorieansätze
3.1. Deontologischer Ansatz nach Immanuel Kant
3.2. Präferenz- Utilitarismus nach Peter Singer
3.3. Präferenzutilitarismus am Beispiel des Spätaborts

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Arbeit werde ich tagtäglich mit verschiedenen Behinderungsformen konfrontiert. Teilweise handelt es sich um seelische Behinderungen, erworbene Behinderungen, die zum Beispiel durch einen Unfall verursacht wurden, aber auch geistige und körperliche Behinderungen, die vor, während oder nach der Geburt entstanden sind.

Auffällig in meiner Arbeitsstelle ist, dass es immer weniger behinderte Menschen gibt, die unter dem Gendefekt Trisomie 21 leiden. Immer wieder bringt man dies in Zusammenhang mit verbesserten Untersuchungsmöglichkeiten für Frauen während ihrer Schwangerschaft und die damit gewonnenen Erkenntnisse ob das ungeborene Kind womöglich behindert zur Welt kommt. Wenn man die Zahlen des statistischen Bundesamts zu Schwangerschaftsabbrüchen betrachtet, geht daraus hervor, dass in den letzten 10 Jahren jährlich circa 100 000 ungeborene Kinder abgetrieben wurden. Der Großteil der Abbrüche fand bereits vor der 12. Schwangerschaftswoche statt. Allerdings kommt es jährlich auch zu über 2500 Abbrüchen die nach der 12. Woche, manchmal sogar erst ab der 22. Schwangerschaftswoche, durchgeführt werden.1

Diese Zahlen machen zwar keinen großen Prozentsatz aus, allerdings werfen sie die Frage auf, inwiefern es ethisch in Ordnung ist Feten abzutreiben, die eine potentielle Behinderung aufweisen könnten.

In der Hausarbeit werden, um die Fragestellung zu beantworten, zunächst einmal die Begrifflichkeiten der Ethik und des ethischen Handelns erklärt. Anschließend wird der Begriff des Schwangerschaftsabbruchs definiert und in diesem Zusammenhang die Rechtslage in Deutschlang betrachtet.

Letztendlich wird im ersten Teil der Hausarbeit auch noch der Behinderungsbegriff expliziter dargestellt.

Es wird versucht die Fragestellung mit Hilfe einer deontologischen sowie teleologischen Ethiktheorie zu beantworten. Hierfür werden zunächst einmal die Theorien vorgestellt, um sie anschließend deontologisch und teleologisch zu lösen.

Am Ende der Hausarbeit werden die Ergebnisse in einem Fazit zusammengefasst und eine persönliche Stellungnahme zur Frage abgegeben, ob die Abtreibung von potentiell, behinderten Feten ethisch in Ordnung ist.

2. Begriffsklärung

Um diese Frage beantworten zu können, gilt es zunächst einmal die unterschiedlichen Begrifflichkeiten, die im Rahmen dieser Hausarbeit vorkommen, zu erklären.

2.1. Ethik und ethisches Handeln

Ethik ist ein Teilbereich der praktischen Philosophie und geht auf Aristoteles zurück. Das Wort „Ethik“ ist aus dem altgriechischen Adjektiv „ethikós“ und dem dazugehörigen Nomen „Ethos“ abgeleitet und hat unterschiedliche Bedeutungen, wie „Gewohnheit“, „Tugend“ oder „Sittlichkeit“ (vgl. Schmid Noerr 2018, S. 34)

Allgemein lässt sich behaupten, dass der „Ethos“, gleichbedeutend der Moral, ein bestimmtes überliefertes Verhalten, Empfinden oder Denken der Menschen bezugnehmend auf ihre Lebensweise beschreibt. „Ethik“ hingegen beschäftigt sich nicht mit der Sache als solche, sondern mit dem Wissen über diese Sache. Die Ethik ist also die Wissenschaft vom Ethos/ der Moral, die versucht Antworten zu geben auf die Frage, wie der Mensch sich Verhalten oder Handeln soll. (vgl. Schmid Noerr 2018, S. 36)

Das ethische Handeln beschäftigt sich demzufolge mit einer bestimmten Sache. Es ist von subjektiven Empfindungen und Erfahrungen als auch objektiven Gesichtspunkten bestimmt. Beim ethischen Handeln geht es immer um die Frage ob etwas „gut“ oder „böse“ (Subjektbezug,) oder „richtig“ oder „falsch“ (Objektbezug) ist. (vgl. Gruber 2016, S. 112–114)

Wenn man ethisches Handeln definieren möchte, tauchen die Begrifflichkeiten Werte und Normen auf. Als Werte kann man diejenigen bewussten und unbewussten Vorstellungen bezeichnen, die man erstreben oder nach denen man handeln möchte. Die Normen sind als Regeln zu verstehen, die das Handeln vorgeben und zum Ziel haben Werte durchzusetzen oder zu erreichen. (vgl. Abels 2009, S. 15–16)

Normen und Werte sind Gebilde, die durch die Gesellschaft entstanden sind. Dementsprechend wird deren Einhaltung auch von der Gesellschaft eingefordert und bei Nichteinhalten womöglich sanktioniert.

Das ethische Handeln hängt also immer mit den persönlichen Werten und Normen zusammen, die ein Mensch besitzt und bringt diese in Zusammenhang mit den Werten und Normen, die in der Gesellschaft vorherrschen.

2.2. Schwangerschaftsabbruch

Weiter muss der Begriff des Schwangerschaftsabbruchs definiert werden. Im Duden wird der Schwangerschaftsabbruch als (vorzeitige) Beendigung der Schwangerschaft durch eine gynäkologische Maßnahme angesehen. Als Synonyme gelten, der Abort oder auch die Abtreibung.

Aus medizinischer Sicht wird hierbei zwischen verschiedenen Formen Aborts unterschieden.

Der Spontanabort, der natürliche Gründe für das Abstoßen des Embryos hat und der artifizielle Abort, der künstlich herbeigeführt wird. Dieser wird in zwei Stadien unterteilt. Dem Frühabort, der vor der 12. Schwangerschaftswoche und der Spätabort, der von der 13. bis zur 24 Schwangerschaftswoche, herbeigeführt wird. Nach der 24 Schwangerschaftswoche spricht man in der Medizin nicht mehr von einem Abort, sondern einer Früh-, Tot- oder Fehlgeburt. (vgl. Hoffmann 2015, S. 21–22)

In dieser Hausarbeit ist vom Schwangerschaftsabbruch die Rede, der nach der 12. Schwangerschaftswoche stattfindet und gesetzlich in Deutschland unter Strafe steht.

In den §§ 218 und 219 im Strafgesetzbuch (StGB) steht dazu folgendes geschrieben:

„Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Handlungen, deren Wirkung vor Abschluß der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes“ (§218 Abs. 1 StGB).

Nach diesem Paragraphen wäre der Schwangerschaftsabbruch prinzipiell eine Straftat, wenn er nach der Einnistung geschieht. Der nächste Paragraph im StGB legt aber Folgendes fest:

Der Schwangerschaftsabbruch ist nicht strafbar, wenn er vor der 12. Schwangerschaftswoche durch einen Arzt geschieht, die Schwangere sich durch einen Arzt, mindestens drei Tage vor dem Abbruch hat beraten lassen und den Abbruch wünscht (vgl. §218a Abs.1 StGB).

In Absatz 2 und 3 des gleichen Gesetzes steht außerdem, dass der Schwangerschaftsabbruch straffrei bleibt, wenn eine medizinische oder kriminologische Indikation besteht (vgl. §218a Abs. 1-2 StGB). Dies bedeutet, dass die Schwangere ihr ungeborenes Kind bis zum Ende der Schwangerschaft abtreiben darf, wenn an ihr eine kriminelle Handlung im Sinne des StGB verübt wurde (vgl. §218a Abs.3 StGB) oder „durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt“ (§219 Abs.1 S.3 StGB).

Im §219 StGB steht außerdem geschrieben, in welcher Form die Schwangerschaftskonfliktberatung stattfinden muss und dass diese verpflichtend für einen Abort ist. Prinzipiell lässt sich aus dem Strafgesetzbuch schließen, dass ein Schwangerschaftsabbruch allgemein unter Strafe steht unter bestimmten Voraussetzungen jedoch Straffreiheit gegeben ist.

Da sich die Hausarbeit mit dem Spätabort beschäftigt und Grundlage der Abtreibung, z.B. die potenzielle Behinderung des ungeborenen Kindes ist, ist abschließend die Frage zu klären, was man unter einer Behinderung versteht.

2.3. Behinderung

Die UN- Behindertenrechtskonvention bezeichnet Menschen mit Behinderung als „Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können“ (UN- Behindertenrechtskonvention 2008, Art.1).

Behinderung ist also nicht nur auf einen Teil des menschlichen Empfindens beschränkt, muss aber immer individuell auf den einzelnen Menschen bezogen sein.

Wenn man den Behinderungsbegriff mit dem Schwangerschaftsabbruch zusammenbringen will, müssen medizinische Kriterien erfüllt sein, die den Abort in diesem Fall als solchen zulassen. In der Pränataldiagnostik ,einer vorgeburtlichen, diagnostischen Untersuchung, kann unter anderem festgestellt werden, ob beim ungeborenen Kind womöglich eine Behinderung entsteht bzw. vorhanden ist (vgl. Steger et al. 2014, S. 9).

Diese potenzielle Behinderung würde nach einer Schwangerschaftskonfliktberatung einen Spätabort zulassen, da, womöglich, die seelische und körperliche Verfassung der Mutter bei einem Austragen des Kindes, als unzumutbar dargestellt wird.

3. Ethische Theorieansätze

Um nachfolgend die Frage beantworten zu können, ob die Abtreibung von Feten, die eventuell eine Behinderung aufweisen, ethisch vertretbar ist, werden zwei unterschiedliche Ethikansätze näher beleuchtet. Die folgenden Unterpunkte zeigen die Grundsätze der deontologischen und utilitaristischen Sichtweisen auf.

3.1. Deontologischer Ansatz nach Immanuel Kant

Der Begriff der Deontologie wird aus dem lateinischen abgleitet. „To deos“ ist das Gesollte oder das Pflichtmäßige und „logos“ ist die Vernunft. Aus diesem Grund übersetzt man die Deontologie auch als „Pflichtethik“. Der bekannteste deontologische Ansatz ist der von Immanuel Kant. Dieser hat den kategorischen Imperativ aufgestellt der besagt, dass man nur nach derjenigen Maxime handeln soll, von der man auch möchte, dass sie zum Gesetz wird. (vgl. Schweidler 2018, S. 42)

Würde man diesen Satz aufschlüsseln, könnte man folgende Aussagen herauslesen:

- Kant möchte, dass eine Handlung stets einer Maxime bzw. einer Regel folgt.
- Weiterhin ist er der Ansicht, dass man diese Handlung nur dann ausführen darf, wenn man sich in der gleichen Situation immer gleich verhalten würde.
- Letzter wichtiger Aspekt des kategorischen Imperativs ist außerdem, die Verallgemeinerung. Gemeint damit ist, dass man auch von anderen Menschen wollen würde, dass sie die gleiche Handlung ausüben. Auch dann, wenn sie einen selbst betreffen würde. (vgl. Frankena 2017, S. 30)

Folglich schreibt die deontologische Ethik der Handlung als solcher den wichtigsten Gesichtspunkt zu. Die Deontologische Ethik beschäftigt sich nicht mit den Folgen der Handlung. Nach ihr handelt man ethisch richtig/ gut, wenn man die drei oben aufgeführten Aussagen mit einem „Ja“ beantwortet.

Kant geht es darum das Streben nach der eigenen Glückseligkeit mit der Glückseligkeit der anderen zu verbinden. So erreicht man letztendlich, dass die eigenen Interessen gleichberechtigt neben denen der anderen gesehen werden und handelt automatisch ethisch gut. (vgl. Marwede 2018, S. 13)

[...]


1 Siehe statistisches Bundesamt (aufgerufen am 18.01.2020): https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Schwangerschaftsabbrueche/Tabellen/rechtliche-begruendung.html;jsessionid=D1BC1B9CFB80D007B29BC0DA708E4AF6.internet731

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Ethische Grundlagen in der sozialen Arbeit am Beispiel des Schwangerschaftsspätabbruchs
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten
Veranstaltung
Ethische Grundlagen der sozialen Arbeit
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V1040029
ISBN (eBook)
9783346459466
ISBN (Buch)
9783346459473
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ethische, grundlagen, arbeit, beispiel, schwangerschaftsspätabbruchs
Arbeit zitieren
Alina Sayed (Autor:in), 2019, Ethische Grundlagen in der sozialen Arbeit am Beispiel des Schwangerschaftsspätabbruchs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040029

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