"Ban the Bomb" - Pacifism and the Campaign for Nuclear Disarmament


Seminararbeit, 2000
16 Seiten

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Inhalt

1. Einleitung

2. Die Wurzeln der CND

3. Die Geschichte der CND
3.1.Einleitung
3.2.1958-1964
3.3.1964-1979
3.4.1979-1987
3.5.1987-2000

4. Taktik
4.1.Konventionelle Methoden
4.2.Unkonventionelle Methoden

5. Themen

6. Resümee

7. Quellen

8. Anhang

1. Einleitung

Ich werde mich in dieser Hausarbeit mit der britischen „Campaign for Nuclear Disarmament“ (CND) befassen, die seit ihrer Gründung im Februar 1958 bis zum heutigen Zeitpunkt eine, von den Umständen der Zeit abhängende, mehr oder weniger wichtige Rolle in der britischen Gesellschaft gespielt hat bzw. noch immer spielt.

Es wird im Folgenden hier die Geschichte der CND untersucht, bevor ich im Laufe der Arbeit auf die Verknüpfungen mit der Labour Party und die Rolle von Friedensbewegungen im allgemeinen eingehe n werde, um ihre Rolle in der politischen Landschaft Großbritanniens zu erläutern.

Ich werde mich in meiner Arbeit fast ausschließlich mit der CND beschäftigen, da sie die größte und einflußreichste der pazifistisch motivierten britischen Bewegungen darstellt und über die Jahre als Auffangbecken für beinahe alle englischen Pazifismusaktivisten diente und noch immer dient, obwohl deren Zahl allmählich deutlich geringer geworden ist.

2. Die Wurzeln der CND

Bevor am 17. Februar 1958 in der Central Hall von Westminster die offizielle Gründung der CND gefeiert werden konnte, gab es bereits seit 1943 einzelne Menschen und Gruppen in Großbritannien, denen Abrüstung als oberstes Gebot galt, und die der CND als Auslöser und Vorreiter gedient haben.

So warnte Bob Edwards, der später als Unterhausabgeordneter der Labour Party be- kannt werden sollte, bereits 1943 vor der möglichen Entwicklung einer Atombombe, wie sie 1945 ja tatsächlich über Japan abgeworfen wurde, ohne jedoch in der Bevölkerung Unterstüt- zung zu erhalten, die, müde vom langen Krieg, Churchill zu großen Teilen zustimmte, der die Bombe als „miracle of deliverance“1begrüßte, da die Japaner einlenkten und der Krieg dann schnell beendet war. Diese Zustimmung wird daran deutlich, daß nur 21% der Bevölkerung der Bombe kritisch gegenüberstanden.

1950 veröffentlichte die damals bekannteste Friedensorganisation Großbritanniens, das „British Peace Committee“eine Verlautbarung, die über eine Million Menschen unterschrieben und die Forderung nach dem sofortigen Verbot des Einsatzes aller atomaren Waffen zu Kriegszwecken zum Inhalt hatte:

„We demand unconditional prohibition of the atomic weapon as a weapon of aggression and mass annihilation of people, and that strict international con-trol for the implementation of this decision be established. We shall consider as a war criminal that government which first employs atomic weapons against any country.“2

Dieser Appell fand jedoch ebenfalls nur wenig Zustimmung, da er mit der Unterstützung der von Kommunisten geführtenWorld Peace Conferencezustande kam, was zur Folge hatte, daß die öffentliche Meinung ihn weitgehend ignorierte.

Im gleichen Jahr gaben die USA bekannt, daß sie mit der Entwicklung der Wasser- stoffbombe beschäftigt waren, deren Auswirkunge n auf potenzielle Gegner voraussichtlich noch verheerender sein würden als die der Atombomben von Japan. Diese Ankündigung führ- te in Großbritannien dazu, daß der Bischof von Birmingham, Bischof Barnes, sowie hundert Wissenschaftler der Universität Cambridge die Regierung aufforderten, den Vereinigten Staa- ten die Gefolgschaft zu verweigern und an deren Aufrüstungsplänen nicht bedingungslos teil- zunehmen.

Infolge der Bedrohung durch die Wasserstoffbombe, aber vor allem auch wegen der Tatsache, daß Rußland inzwischen ebenfalls atomare Waffen besaß und Europa im Falle eines möglichen Krieges das Schlachtfeld der beiden Supermächte sein würde, versammelten sich ebenfalls 1950 dreitausend Menschen auf dem Trafalgar Square zu einer Gedenkfeier der To- ten von Hiroshima sowie zum Protest gegen das Entwickeln immer zerstörerischer Waffen mit Massenvernichtungscharakter. Die Demonstranten kamen hauptsächlich aus den Reihen zahlreicher kleinerer religiöser Gruppen und Pazifismusorganisationen, wobei hier diePeace Pledge Unionzu nennen ist, die damals zu den einflußreichsten pazifistischen Bewegungen gehörte.

Im April 1954 wurde dieHydrogen Bomb National Campaigngegründet, nachdem sich sechs Abgeordnete der Labour Party mit 300 Vertretern der Kirche und der Pazifisten getroffen hatten. Ihr Ziel war es, bis zum Ende des Jahres 1 Million Unterschriften zu sam- meln, um von der Regierung eine Abrüstungskonferenz und eine Stärkung der Vereinten Na- tionen zu fordern, was jedoch insofern zu wenig war, als es die Regierung aufgrund der vagen Formulierung nicht daran hindern konnte, die Entwicklung der eigenen, britischen H-Bombe voranzutreiben. Aufgrund dieses Mißerfolgs löste sich diese Bewegung am Ende des Jahres wieder auf.

Nachdem die regierende Conservative Party Anfang 1955 offiziell verkündete, daß sie eine englische Version der H-Bombe produzieren würde, sah sie sich dem Widerstand von elf international bekannten Wissenschaftlern, unter ihnen Albert Einstein und Bertrand Russell, ausgesetzt, die gegen diese Pläne protestierten.

Im Februar 1957 wurde dasNational Committee for the Abolition of Nuclear Weapons Tests(NCANWT) gebildet, welches zum Ende des Jahres bereits über hundert lokale Grup- pen unterstützte. Im Frühjahr 1957 sollten die ersten britischen Wasserstoffbombentests im Pazifik durchgeführt werden, was das NCANWT zum Anlaß nahm, einDirect Action Com- mittee(DAC) zu gründen, um dort mit einem Boot gegen die Tests zu protestieren. Obwohl das Boot zu spät ankam, erregte es doch weltweites Aufsehen und kam der Popularität des NCANWT zugute.

Im September versammelten sich wiederum viertausend Menschen auf dem Trafalgar Square, diesmal jedoch, um gegen die englische Produktion der H-Bombe zu protestieren. Diese Demonstration wurde von dreißig Abgeordneten der Labour Party und ihremLabourH-Bomb Campaign Committeeorganisiert. Zur gleichen Zeit kam auch die Debatte der totalen nuklearen Abrüstung (unilateral nuclear disarmament) auf, die später in den Reihen der CND noch eine entscheidene Rolle spielen sollte.

Schließlich erregte im November 1957 der Artikel „Britain and the Nuclear Bomb“ von J.B. Priestley imNew Statesmandermaßenes Aufsehen, daß der Herausgeber Kingsley Martin die Idee zu einem Treffen mit Vertretern des NCANWT hatte, um eine pazifistisch motivierte Massenbewegung zu gründen. Das NCANWT schien eine gute Basis zu sein, da es der Bevölkerung bereits bekannt war, und so trafen sich am 16. Januar 1958 fünfzig Men- schen, um die Möglichkeit der Gründung einer großen Friedensbewegung zu erörtern. Nach- dem man sich geeinigt hatte, wurde der Name NCANWT in CND (Campaign for Nuclear Disarmament) umgewandelt. Die Abkehr vom alten Namen machte die Richtung deutlich, in die sich die neu gegründete Bewegung orientierte. War das NCANWT nur darauf angelegt, gegen atomare Tests zu protestieren, so machte sich die CND den Kampf gegen die atomaren Waffen selbst zum Auftrag. Die Wichtigkeit dieses Schritts machte auch die Tatsache deutlich, daß alle, bis auf eine, der zuvor erwähnten über hundert lokalen NCANWT-Gruppen CND-Gruppen wurden.

Bevor dann am 17. Februar das erste offizielle Treffen der CND stattfand, war bereits im Januar mit Hilfe des DAC unter der Schirmherrschaft der CND der legendäre Ostermarsch nach Aldermaston geplant worden, welcher der Auslöser für die noch heute alljährlich in ganz Europa stattfindenden Ostermärsche war. Auf diesem Marsch wurde auch das von Gerald Holtom für die CND kreierte Friedenssymbol (siehe Anhang) gezeigt, welches inzwischen in der gesamten Welt bekannter ist als es die CND jemals war.

3. Die Geschichte der CND

3.1. Einleitung

Nachdem sich so unterschiedliche Menschen wie Wissenschaftler, Christen, Künstler, Um- weltschützer, politisch Linke und vor allen Dingen die einfachen Menschen, denen nur der Pazifismusgedanke gemeinsam war, in der CND zusammengefunden hatten, gab es zum ers- tenmal eine Basis für den Protest gegen die Politik der Aufrüstung nach dem zweiten Welt- krieg, dem Beginn des Kalten Krieges, so daß nun der vorherrschenden öffentlichen Meinung, welche die nukleare Aufrüstung skeptisch sah, eine Plattform geboten werden konnte, um ihren Unmut kundzutun. Zuvor existierte ediglich eine große Anzahl von kleineren pazifis- tisch motivierten Gruppen ohne besonderen Einfluß, die sich nun der CND anschlossen, da sie sich im Verbund mit vielen Gleichgesinnten größere Chancen ausrechneten, eine politische Veränderung herbeizuführen.

Die Geschichte dieser gestärkten Friedensbewegung läßt sich vom Jahr 2000 zurückblickend in vier mehr oder weniger erfolgreiche Perioden einteilen.

3.2. 1958-1964

Direkt nach der Gründung im Februar 1958 wurde die Politik der CND deutlich formuliert. Alle Aktionen und Proteste fanden vor dem Hintergrund der These desunilateral disarma-ment3statt. Dieser Ausdruck steht für die totale Abrüstung aller nuklearen Waffen, die nach Meinung der CND in Großbritannien oberstes Gebot der Politik sein sollte. Durch diese Ab- rüstung würden, nach Meinung der CND, die britischen Politiker ein Vorbild für die Regie- rungen in aller Welt sein. Diese würden die Abrüstung gutheißen und ihrerseits ebenfalls be- ginnen, die Anzahl an nuklearen Waffen zu reduzieren, so daßunilateral disarmamentzu multilateral disarmament, dem Verbot aller atomaren Waffen in der ganzen Welt, führen würde4. Diese These wurde vor dem Hintergrund der zunehmenden atomaren Tests formu- liert, deren Anzahl sich von 1956 bis 1958 auf 100 pro Jahr vervierfacht hatte und muß außer- dem als Folge der gescheiterten Abrüstungsverhandlungen zwischen den atomaren Groß- mächten, hauptsächlich der USA und der Sowjetunion, verstanden werden, die statt abzurüs- ten immer mehr Waffen entwickelten und testeten, und eine Politik der Abschreckung des Gegners ve rfolgten.

Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die CND während der Kubakrise von 1962, als amerikanische Aufklärungsflugzeuge auf Kuba stationierte sowjetische Raketen entdeckten und es beinahe zum dritten, diesmal jedoch atomaren, Weltkrieg gekommen wäre, wenn die Sowjetunion nicht in letzter Minute eingelenkt hätte.

Verständlicherweise führte dies in Reihen der CND zu einem verstärkten Mitgliederzulauf, da in diesem Konflikt das gesamte Ausmaß der Problematik der atomaren Aufrüstung deutlich wurde, wogegen die CND mit ihrer Politik desunilateral disarmamentbereits seit 1958 protestiert hatte.

Meßbare Erfolge, die durch den Einfluß der CND in der Politik erreicht wurden, gab es nur wenige, da man die Unterzeichnung des Vertrages zum Verbot atomarer Tests in der Atmosphäre durch die USA, die Sowjetunion und Großbritannien vom Sommer 1963 wohl nur bedingt der Arbeit der CND zurechnen kann. Jedoch hatte sich die CND auch eher auf die Aufklärung der britischen Bevölkerung spezialisiert, so daß politische Erfolge gar nicht erwartet werden konnten. Der wichtigste Punkt dieser Aufklärungspolitik war die Verdeutlichung der Gefahren, die von atomaren Waffen ausgehen können, so daß die Diskussion über den Sinn atomarer Aufrüstung eine öffentliche wurde.

Mit dem oben erwähnten Teststop, der den ersten Schritt in Richtungmultilateral disarma mentdarstellte und eine entspanntere Stimmung in der Weltpolitik zur Folge hatte, bekam die CND das Problem, daß die Mitgliederzahlen zum ersten Mal seit ihrer Gründung sanken, da die konkrete Bedrohung durch Atomwaffen langsam geringer zu werden schien. Bis 1964 waren außerdem viele der prominenten Anführer der CND aus ihren Ämtern geschieden, da aufgrund fehlender Unterstützung aus dem Volk nur noch kleinere Protestaktionen gegen die nukleare Bedrohung möglich waren, die sich hauptsächlich gegen die in Schottland stationierten amerikanischen und britischen Atom-U-Boote richteten.

3.3. 1964-1979

Vor den Wahlen zum Unterhaus 1964 versuchte die CND Einfluß auf die Kandidatenliste der Labour Party zu nehmen, indem sie die Kandidaten unterstützte, die ebenfalls eine totale Ab- rüstung aller atomaren Waffen befürworteten. Nach den Wahlen aber, aus denen Harold Wil- son und die Labour Party als Sieger hervorgingen, wurden die Hoffnungen vieler CND- Anhänger enttäuscht, da der neue Premierminister einfach die alte Verteidigungspolitik der Conservative Party fortsetzte, die aus der Forderung bestand, daß Großbritannien eigene nuk- leare Waffen bräuchte, obwohl er vor der Wahl die CND unterstützt hatte. Da jedoch die Mehrheit der Labour Party die Politik der CND unterstützte, kam es beinahe zu einem Bruch zwischen der Parteispitze und der Basis.

Innerhalb der CND richtete sich das Augenmerk nun weg von atomaren Waffen auf die zweifelhafte Rolle der USA im Vietnamkrieg. Dies bedeutete keine Abkehr von der Poli- tik desunilateral disarmament, nur fehlte dafür eben in diesen 15 Jahren die Unterstützung im Volk, welches sich nach der Kubakrise 1962 und der Einigung auf einen Atomteststop 1963 nicht mehr akut bedroht fühlte, was auch an den stark rückläufigen Mitgliederzahlen erkenn- bar wird.

1965 starteten Diskussionen innerhalb der CND, ob und wie man sich gegen den Vie t- namkrieg engagieren sollte. Eine Gruppe vertrat das Argument, daß der Frieden in Vietnam das oberste Ziel der CND werden sollte, da dort schließlich die Gefahr eines atomaren Schla- ges der USA gegen die UdSSR oder die Vietkong nicht auszuschließen war. Die andere Gruppe wollte sich nicht in den Konflikt einmischen, da sie der Meinung war, daß die Positi- on der CND durch die Abkehr von ihren ursprünglichen Zielen, dem Verbot atomarer Waffen, nur geschwächt werden könnte.

Die erste Gruppe setzte sich schließlich durch, so daß auf den Demonstrationen der Jahre 1965-1967 die Antiatomwaffentransparente durch Transparente gegen den Vietna m- krieg ersetzt wurden. In den folgenden Jahren nahm die Zahl der Mitglieder kontinuierlich ab, so daß 1979 nur noch 4287 Mitglieder die CND unterstützten5, obwohl sie in den 70er Jahren begonnen hatte, ihre Interessen auszuweiten und sich nun auch für Themen wie den Umwelt- schutz einsetzte. Diese Ausweitung konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die CND in den Jahren 1964-1979 quasi inexistent war und ohne die finanzielle Unterstützung der Communist Party und der Quäker wohl nicht überlebt hätte, auch wenn sie aus finanzieller Not ab 1966 Mitgliedsbeiträge erhob. Die Communist Party unterstütze die CND, da sie mit der Haltung vieler ihrer Mitglieder übereinstimmte, die gegen die Nato waren. Die Quäker sympathisierten mit der CND, da die Organisation den Pazifismusgedanken vehement vertrat.

3.4.1979-1987

Nachdem die Mitgliederzahlen 1979 auf den Tiefststand gefallen waren, war es wiederum ein politisches Ereignis wie seinerzeit 1962 die Kubakrise, das die Menschen in Großbritanien konkret bedrohte, und das der CND einen erneuten Mitgliederzulauf bescherte.

Im Mai 1979 wurde Margaret Thatcher Premierministerin. Sie startete ein Aufr üstungsprogramm, das durch Kürzungen fast aller anderen Ausgaben des Staates finanziert wurde. Im Dezember 1979 wurden 160 amerikanische Cruise Missiles in Großbritannien stationiert, bevor die Regierung im Juli des nächsten Jahres bekannt gab, daß sie beabsichtige, ihr eigenes Polarissystem durch das amerikanischen Trident U-Bootwaffensystem zu ersetzen. Die Kosten hierfür betrugen 5 Milliarden Pfund6.

In der Zwischenzeit hatten die UdSSR auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs ihre SS-20 Raketen in Stellung gebracht, um das Potenzial der in Europa stationierten NATORaketen zu egalisieren. Diese Wettrüsten war das Ergebnis des Feldzugs gegen den Kommunismus, den Thatcher zusammen mit dem neuen Präsidenten der USA, Ronald Reagan, führte, und der aufgrund der Stationierung amerikanischer Raketen in Europa, nicht aber in den USA selbst, Protestaktionen in nie gekanntem Ausmaß in ganz Europa hervorrief.

Die Rolle der CND in diesem politischen Klima war es, Protestaktionen zu veranstal- ten, um den Teilen der Bevölkerung, die dieser Politik gleichgültig gegenüberstanden, zu ve r- deutlichen, wie gefährlich ein Atomkrieg für sie wäre. Sie tat dies, indem sieCruise Watch ins Leben rief. Wie der Name bereits deutlich macht handelte es sich hierbei um ein Netzwerk von CND-Mitgliedern, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, den Cruise Missile Raketen, die ihre Stationen für regelmäßige Übungen auf Transportern verlassen mußten, zu folgen, um die Transportwege zu blockieren. Bereits nach kurzer Zeit waren diese Transporte nur noch im Schutz der Dunkelheit und mit Polizeieskorten möglich, da immer mehr Menschen die Transportwege blockierten. Die zahlreichen Demonstrationen dieser Jahre beschäftigten sich mit den nach Meinung der Demonstranten zu engen Verbindungen zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

All diese Protestaktionen führten schließlich dazu, daß die Regierung eine von ihr finanzierte Anti-CND-Propaganda betrieb, die darin gipfelte, daß der englische Verteidigungsminister Michael Heseltine MI5-Agenten auf die CND-Spitze ansetzte, um diese zu infiltrieren. Eine weitere Taktik der Regierung bestand darin, CND-Treffen zu stören.7

Diese Ereignisse führten dazu daß die Zahl der Mitglieder von 1979 bis 1984 von 4.287 rapide auf über 100.000 anstieg (siehe Anlagen).

3.5.1987-2000

1985 machte die Sowjetunion mit ihrem neuen Staatschef Michail Gorbatschow den ersten Schritt zu einem Abkommen zur beidseitigen Abrüstung atomarer Waffen zwischen den USA und der UdSSR, indem er die 1983 abgebrochenen Verhandlungen über eben diese Abrüstung wieder aufnahm, so daß 1987 eine Einigung erzielt werden konnte, die in einem Vertrag zur Abrüstung der in Europa stationierten Wafen manifestiert werden konnte.

Diese Entspannungspolitik Gorbatschows führte schließlich dazu, daß 1989/1990 der Warschauer Pakt sowie der gesamte Ostblock zerbrach und die Zeit des Kalten Krieges wohl endgültig vorüber ist. Die Ängste der Menschen wurden also wie nach der Kubakrise 1962 wieder kleiner mit der Folge, daß die CND, nachdem sie 1984 ihre höchste Mitgliederzahl verzeichnen konnte, erneut Einbußen an Mitgliedern hatte. Die Zahl ging in den Jahren da- nach zwar nicht rapide, aber kontinuierlich zurück, was eng mit den oben erwähnten politi- schen Ereignissen ve rknüpft ist.

Durch weitere Verträge über das Verbot von atomaren Waffen und Atomtests in den Jahren nach 1987 ist in der britischen Bevölkerung der Glaube verankert, daß die Gefahr eines atomaren Krieges gebannt ist, was auch der Grund für den immer geringer werdenden Zulauf zur CND ist. Trotzdem gab es in den letzten zehn Jahren drei Ereignisse, die dazu führten, daß die CND in den Medien präsent war.

Das erste Ereignis, gegen das sich die CND engagierte, war der Golfkrieg 1991, als Befürchtungen geäußert wurden, daß der Irak Israel möglicherweise mit chemischen oder biologischen Waffen angreifen könnte, woraufhin diese mit Atomwaffen geantwortet hätten. Das zweite Mal, daß der CND in den 90er Jahren protestierte, war 1995, als Frankreich seine Atomtests auf dem Mururoa-Atoll im Pazifik trotz der zahlreichen Proteste anderer Länder wieder aufnahm. Das bisher letzte Beispiel für das Engagement der CND ist der Konflikt zwi- schen Pakistan und Indien und der Tatsache, daß Pakistan seine Atomwaffen testete, während sich die Auseinandersetzungen mit Indien in der Nähe eines Krieges bewegten.

Durch das Ende des Kalten Krieges haben sich die Betätigungsfelder der CND ve r- schoben, so daß sie heute keine Massendemonstrationen mehr organisiert wie noch zum Be- ginn der 80er Jahre. Heute sieht sie ihre Aufgabe darin, Parlamentsabgeordnete zu unterstüt- zen, Konferenzen zu veranstalten, Transportrouten zu veröffentlichen, auf denen radioaktiver Abfall transportiert wird, und immer noch reden ihre Mitglieder auf der Straße mit den Men- schen, um ihnen die Wichtigkeit einer Organisation wie der CND zu verdeutlichen.

4. Taktik

Hier werde ich versuchen, die unterschiedlichen Herangehensweisen der CND an unterschiedliche politische Probleme zu verdeutlichen. Da es unterschiedliche Methoden gibt, die Öffentlichkeit auf bestimmte Probleme aufmerksam zu machen und diese auch noch von Fall zu Fall unterschiedlich sein können, gab es innerhalb der CND eigentlich ständig Auseinandersetzungen über die richtige Taktik des Protestierens. Über die Jahre haben sich trotz dieser Diskussionen verschiedene und immer wiederkehrende Verhaltensweisen herauskristallisiert, die in zwei Kategorien eingeteilt werden können.

4.1. Konventionelle Methoden

Die sogenannten konventionellen Methoden, die ihren Namen aus der Tatsache heraus erha l- ten haben, daß alle Mitglieder des CND mit ihnen einverstanden waren, werdenEducationand PersuasionundLobbyinggenannt.

Education and Persuasionbedeutet, daß die CND, die ihrer Meinung nach moralisch richtig handelt, indem sie sich für ein Verbot aller Atomwaffen ausspricht, versucht, die Be- völkerung über die Folgen eines Atomkrieges zu informieren, um durch mehr Anhänger grö- ßeren politischen Einfluß zu erlangen. Diese Informationen konnten die Briten aus Büchern, Magazinen und Filmen beziehen, die von der CND produziert wurden. Waren diese Magazine eher etwas für den Durchschnittsbürger, so gab es aber auch wissenschaftlich fundierte Bro- schüren über verschiedene Waffensysteme, mit deren Argumenten sich der CND an Wissen- schaftler wandte.

Die zweite konventionelle Methode desLobbyingwurde vor dem Hintergrund der Erkenntnis konzipiert, daß Veränderungen in der Politik nur durch politische Parteien und deren Politiker möglich sind. Aus diesem Grund mußten eben diese Politiker fortdauernd an die Ziele der CND erinnert werden. Dies geschah durch das Errichten von Netzwerken zum Zwecke der Kontrolle von Regionalpolitikern der Labour Party im Parlament vor dem Hinter- grund der Nuklearfragen. Setzte sich ein zuvor von der CND unterstützter Politiker nicht ge- nug für das Verbot von Atomwaffen ein, so konnte es passieren, daß er bei der nächsten Wahl nicht wieder unterstützt wurde, und somit möglicherweise seinen Parlamentssitz verlor. Hier wird auch die bereits weiter oben angesprochene Verflechtung der Labour Party mit der CND deutlich.

4.2. Unkonventionelle Methoden

Manche Methoden, die sich nicht mit dem Gesetz vereinbaren lassen, werden als unkonve ntionell bezeichnet. Die wohl wichtigste dieser Methoden war die sogenanntenon-violent directaction, die in Form von Massenprotesten und verbotenen Sitzblockaden vor Raketenlagern abgehalten wurden. Die Rechtfertigung für die Gesetzesübertretung bestand darin, daß die Dinge, gegen die man diese Methode anwendet, unmoralisch sind und nicht auf demokratischem Wege geändert werden können.

Innerhalb der Bewegung gab es jedoch bereits seit Anfang der 60er Jahre große Mei nungsverschiedenheiten über die Richtigkeit dieser Handlungsweise, so daß sich aus dem Verbund der CND das sogenannteDirect Action Committee(DAC) herausbildete, welches von Pazifisten unterstützt wurde, die der Meinung waren, daß es nicht ausreicht, Unterstützung aus der Labour Party zu bekommen, da damit nicht wirklich etwas bewegt wurde. Dieses DAC wurde von Canon Collins, dem späteren Chairman der CND, eher kritisch gesehen, da er der Meinung war, daß der CND durch das Brechen von Gesetze n einen schlechten Ruf erwerben würde und so die Unterstützung im Volk abnehmen könnte.

„It seemed to me that for CND as such to identify itself with illegalities would be to alienate its potential supporters, not only in the Labour movement but outside it, to whom the bulk of campaigners wished to address themselves.“

CND und DAC kamen am 2. Januar 1960 auf einer Demonstration gegen die Thor-Raketen in Harrington zusammen, als Anhänger der CND die Sitzblockade des DAC durch einen Protestmarsch unterstützten.

Diese verschiedenen Taktiken wurden meist von der Führ ungsriege der CND vorgeschrieben, obwohl sie kleineren Lokalgruppen die Möglichkeit zugestanden, selbst zu entscheiden, welche Möglichkeit sie in Einzelfällen anwenden wollten.

5. Themen

In diesem letzten Kapitel der Hausarbeit möchte ich noch einmal die Themen näher beleuc h- ten, denen sich die CND verschrieben hat, um somit die Hintergründe der von der Bewegung gestarteten Aktionen vielleicht verständlicher erscheinen zu lassen.

Der erste wichtige Punkt ist hierbei der Begriff desUnilateralism, der im vorangegangenen Text auch schon mehrfach verwendet wurde. Dieser markiert den wichtigsten Punkt innerhalb der Ziele der CND (Definition in 3.2.).

Ein weiteres Ziel war die Abschaffung aller Lager in Großbritannien, in denen Nuklearwaffen stationiert waren, um die Gefahr eines potentiellen Atomangriffs auf diese Lager zu vermindern. Dies war ein Ziel, dem alle Mitglieder der CND zustimmten.

Der nächste Kritikpunkt bestand in Großbritanniens Mitgliedschaft in der NATO. Die NATO war für Pazifisten ein Feindbild, da sie die Möglichkeit eines Atomangriffs in ihrer Satzung nicht ausschloß. Einige Gruppen innerhalb der CND wollten die Abschaffung dieses Militärbündnisses, was jedoch Protest bei anderen Mitgliedern hervorrief, die ihre Kredibilität in der Bevölkerung nicht durch undurchführbare, utopische Positionen aufs Spiel setzen wollten. Ein weiteres Gegenargument innerhalb der Campaign war die Fokussierung auf das westliche Militärbündnis, die NATO, und das Außerachtlassen des Warschauer Paktes, der ebenfalls bereit für einen Nuklearschlag war.

Kritik übte die CND ebenfalls an der bestehenden Verteidigungspolitik der britischen Regierungen, die auf der Notwendigkeit eigener Atomwaffen aufgebaut war, da man sonst, im Falle eines Angriffs durch ein anderes Land, hilflos die Waffen strecken müßte. Der größte Kritikpunkt bestand dabei in der Vernachlässigung der Bevölkerung, der im Falle eines Nuklearschlages kein effektiver Schutz angeboten worden wäre.

Ein neuerer Punkt ist das Ablehnen der Kernenergie, jedoch nicht aus umweltpoliti- schen Gesichtspunkten, sondern aufgrund der Tatsache, daß durch die Entwicklung immer modernerer Atomkraftwerke auch die Leistung der Atomwaffen immer weiter gesteigert wer- den würde. Die CND war sich in diesem Punkt aber nicht einig. Ein Argument war, daß be- reits andere Gruppen dieses Thema besetzten, ein anderer, daß die CND ihre Unterstützung aus den Trade Unions verlieren würde, da deren Mitglieder bei der Schließung von Atom- kraftwerken arbeitslos würden.

6. Resümee

Das Resümee der Geschichte der CND von ihrer Gründung im Februar 1958 bis heute muß wechselhaft ausfallen, da sie in den 42 Jahren ihres Bestehens eigentlich politisch nie wirklich etwas verändern konnte. Dieses Argument hätte jedoch nur Gültigkeit, wenn dies das Ziel der CND gewesen wäre. Dieses bestand jedoch nach der Ernüchterung durch die Erkenntnis, daß eine Friedensorganisation nie den Einfluß einer politischen Partei erreichen kann, darin, die Bevölkerung über die nach Meinung von Pazifisten unmoralischen Aktivitäten der Regierung auf dem Gebiet der Atomwaffen zu informieren und die möglichen Gefahren eines Atomkrieges für die einfachen Leute deutlich zu machen.

Vor diesem Hintergrund kann man die Arbeit der CND sicherlich als Erfolg werten, da durch sie die Sensibilität der Bevölkerung im Hinblick auf Atomwaffen geschärft wurde, und somit die Arbeit von Regierungen transparenter geworden ist. Politische Parteien können es sich heutzutage nicht mehr leisten, gegen den Willen der Bevölkerung Atomwaffen im eigenen Land zu stationieren, ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen.

Dies sind meiner Meinung nach die Errungenschaften der CND, auch wenn sie vie l- leicht ind irekt Ratifizierungen von Verträgen gegen Atomwaffen beeinflußt haben, da Regierungen dem von der CND sensibilisierten Willen des Volkes entsprechen müssen, wenn sie wiedergewählt werden wollen.

Die Hauptleistung der britischen Friedensbewegung CND besteht also in der Aufklä- rung der Bevölkerung über die schwer verständlichen politischen Sachverhalte der Atomwaf- fen und des möglicherweise daraus resultierenden Atomkrieges. Ich denke jedoch, daß, so wichtig diese Arbeit in der Vergangenheit gewesen sein mag, sich eine Organisation mit dem Standpunkt desunilateral disarmamentim Jahr 2000 überlebt hat, da durch die Ereignisse von 1989/1990 die Gefahr eines atomaren Krieges mehr oder weniger gebannt scheint und andere Themengebiete wie der immer wichtiger werdende Umweltschutz vor dem Hinter- grund der Erwärmung des Erdklimas bereits seit Jahren von anderen Organisationen wie Greenpeace besetzt sind. Es gibt also immer weniger Themen, denen sich noch keine Organi- sation angenommen hat, so daß das Fortbestehen der CND meiner Meinung nach ohne radika- le Änderung der Positionen nicht möglich sein wird.

7. Quellen

- Minnion, John; Bolsover, Philip: The CND Story. London, 1982.

- Byrne, Paul: Social Movements in Britain. London, 1997.

- CND Homepage : www.cnduk.org

- Kenny, Michael: The First New Left. London, 1995.

8. Anhang

[...]


1Minnion, John; Bolsover, Philip: „The CND Story“(=TCS), London 1982. S. 11

2TCS. S.11

3Siehe Anhang

4vgl. TCS, S.10f

5vgl. Byrne, Paul:Social movements in Britain, London, 1997. S.91

6vgl. TCS, S.34

7CND-Homepage

15 von 16 Seiten

Details

Titel
"Ban the Bomb" - Pacifism and the Campaign for Nuclear Disarmament
Veranstaltung
PS - The British Left since 1945
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V104004
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bomb, Pacifism, Campaign, Nuclear, Disarmament, British, Left
Arbeit zitieren
Oliver Buchholz (Autor), 2000, "Ban the Bomb" - Pacifism and the Campaign for Nuclear Disarmament, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104004

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