Mit der Etablierung des Deutschen Coporate-Governance Kodex (DCGK) war der Anspruch verbunden, die unter dem Begriff der Corporate Governance gefassten Probleme einer wirksamen Regulierung zu unterziehen. Von besonderer Bedeutung ist das dabei zugrundgelegte comply-or-explain-Prinzip und die auf dieser Basis generierten Entsprechenserklärungen nach §161 AktG. Tatsächlich zeigt ein Blick in die betriebliche Praxis, dass diese Erwartungen durch den DCGK nur bedingt erfüllt wurde. In Bezug auf die zahlreichen Unternehmenskrisen, die nach Einführung des Kodex in Deutschland auftraten, stellt sich die Frage, welchen Mehrwert der DCGK und die daraus resultierende Erhöhung der Anforderungen im regulatorischen Bereich für die Unternehmen, Investoren und Anleger geschaffen hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung
2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen
2.1 Grundlagen der Corporate Governance
2.2 Der Deutsche Corporate Governance Kodex
2.2.1 Hintergründe und historische Entwicklung
2.2.2 Aufbau, Inhalte und Ziele des Kodex
2.2.3 Die Entsprechenserklärung nach §161 AktG
2.2.4 Kritik am Deutschen Corporate Governance Kodex
3 Der Dieselskandal der Volkswagen AG im Jahr 2015: Eine kritische Analyse
3.1 Sachverhalt der Unternehmenskrise
3.2 Relevanz für die Corporate Governance
3.3 Defizite am DCGK und Handlungsempfehlungen
4 Kritische Reflexion
5 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch die Rolle und Wirksamkeit des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) am Beispiel des VW-Dieselskandals von 2015, um zu untersuchen, ob die Instrumente der Corporate Governance ausreichen, um Unternehmensrisiken effektiv zu regulieren.
- Grundlagen und theoretischer Rahmen der Corporate Governance
- Aufbau, Funktionsweise und Kritik am Deutschen Corporate Governance Kodex
- Kritische Aufarbeitung des Dieselskandals bei Volkswagen
- Untersuchung von Interessenkonflikten und Unabhängigkeit im Aufsichtsrat
- Formulierung von Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Governance-Strukturen
Auszug aus dem Buch
3.1 Sachverhalt der Unternehmenskrise
Im September 2015 wurde bekannt, dass die Volkswagen AG mit einer speziellen Software die Abgaswerte ihrer Dieselfahrzeuge manipuliert hat. Eine komplette Motorenfamilie ist von dem sogenannten Abgasskandal (auch Dieselgate genannt) betroffen, wodurch auch in Fahrzeugen der Marke Audi, Seat und Škoda die Software nachgewiesen wurde, welche die Emissionswerte auf dem Prüfstand verändern kann. Bei circa elf Millionen Fahrzeugen ist das Softwaremodul vorhanden, allerdings wurde es nicht bei allen aktiviert. Durch das Bekanntwerden des VW-Dieselskandals wurden auch bei zahlreichen anderen Automobilherstellern Abweichungen zwischen den realen und den Prüfstandemissionen nachgewiesen, was zu einer internationalen Krise in der Automobilindustrie führte.
Am 25. Mai 2020 wurde das Urteil des Bundesgerichtshofs verkündet, dass die Käufer der manipulierten Dieselautos einen Anspruch auf Schadensersatz haben. Von diesem Urteil sind circa 60.000 Klagen betroffen. Des Weiteren soll VW die Finanzmärkte zu spät über die manipulierten Emissionswerte informiert haben, wodurch die Unternehmensanleihen zu einem zu niedrigen Zinssatz emittiert wurden, weshalb die Besitzer dieser Anleihen den Konzern ebenfalls verklagen. Aufgrund des finanziellen Ausmaßes für den VW-Konzern wurde eine Untersuchung wegen aktienrechtlicher Sorgfaltspflichtverletzung gegen den Ex-VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn und den Ex-Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler eingeleitet. Winterkorn war von 2007 bis September 2015 VW-Chef, Stadler von 2007 bis 2018 Audi-Chef. Stadler befand sich 2018 für vier Monate in Untersuchungshaft und im September 2020 startete sein Prozess vor dem Münchener Landesgericht. Im März 2021 wurde bekannt, dass die Volkswagen AG von den beiden ehemaligen Managern Schadensersatz einfordern wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Relevanz von Corporate Governance angesichts internationaler Unternehmensskandale und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Wirksamkeit des DCGK in der Praxis.
2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Konzepte der Corporate Governance sowie Aufbau, Historie und Kritikpunkte des Deutschen Corporate Governance Kodex.
3 Der Dieselskandal der Volkswagen AG im Jahr 2015: Eine kritische Analyse: Hier wird der VW-Dieselskandal detailliert beschrieben, die Relevanz für Governance-Strukturen analysiert und Defizite in der Umsetzung der Kodex-Empfehlungen aufgezeigt.
4 Kritische Reflexion: Der Autor reflektiert die Erkenntnisse der Analyse und weist darauf hin, dass ein mangelhaftes Corporate Governance System durch den Aufsichtsrat den Skandal begünstigt hat.
5 Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der DCGK zwar ein wichtiges Grundgerüst bietet, jedoch durch präzisere Regelungen, insbesondere zu ethischen Aspekten, gestärkt werden sollte.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Deutscher Corporate Governance Kodex, DCGK, Unternehmensskandal, Dieselskandal, Volkswagen AG, Aufsichtsrat, Vorstand, Compliance, Interessenskonflikt, Prinzipal-Agent-Theorie, Risikomanagement, Transparenz, Unternehmensführung, Aktienrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) bei der Regulierung von börsennotierten Unternehmen und untersucht dessen Wirksamkeit anhand eines konkreten Krisenfalls.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der theoretische Ordnungsrahmen der Corporate Governance, die Funktionsweise des DCGK und die praktische Anwendung sowie das Scheitern dieser Kontrollmechanismen während des VW-Dieselskandals.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, kritisch zu analysieren, ob der DCGK in der Lage ist, die spezifischen Herausforderungen und Interessenkonflikte in großen Kapitalgesellschaften wirksam zu regulieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu theoretischen Grundlagen sowie einer qualitativen Analyse von Geschäftsberichten, Entsprechenserklärungen und Zeitungsberichten zum Dieselskandal.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Corporate Governance und den DCGK sowie eine detaillierte Fallstudie zum VW-Dieselskandal, in der Versäumnisse der Unternehmensführung aufgedeckt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Corporate Governance, DCGK, Volkswagen AG, Dieselskandal, Aufsichtsrat, Compliance und Transparenz sind die zentralen Begriffe.
Warum konnte der VW-Dieselskandal trotz DCGK entstehen?
Die Analyse verdeutlicht, dass es an einer effektiven Kontrolle durch den Aufsichtsrat mangelte und die Unabhängigkeit der Aufsichtsratsmitglieder bei VW nicht in ausreichendem Maße gegeben war, um opportunistisches Verhalten des Managements zu verhindern.
Welche konkrete Handlungsempfehlung gibt der Autor für den Kodex?
Der Autor empfiehlt eine Präzisierung der Formulierungen sowie die Aufnahme von verbindlicheren moralischen und ethischen Empfehlungen, die über die reine Struktur der Zusammenarbeit hinausgehen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Der Deutsche Corporate Governance Kodex im Lichte ausgewählter Unternehmenskrisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040315