Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung der Farbe Blau bei der Intermedialität in der Freundschaft der zeichnenden Dichterin Else Lasker-Schüler zu dem Dichtermaler Franz Marc zu ermitteln.
Die beiden Künstler Else Lasker-Schüler und Franz Marc gehören zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Expressionismus. Neben der persönlichen Präferenz, die beide für die Farbe Blau teilen, gibt es noch einige weitere Gemeinsamkeiten, aufgrund derer sich schnell eine ganz besondere (Brief-)Freundschaft zwischen Marc und Lasker-Schüler entwickelte.
Die Besonderheit dieser Beziehung liegt in der Intermedialität, die beide Künstler aufweisen, da jeder von ihnen ein Schöpfer der Bilder und der Worte ist und sich somit sowohl in der Literatur, als auch in der Malerei bewegt. Franz Marc gewinnt durch seine neue Freundin unter anderem viele Inspirationen, durch die er sich seinen eigenen Zufluchtsort, das bayrische Theben konstruieren kann, die er auch in seinen gezeichneten Postkarten und Briefen festhält. Gleichzeitig spendet er ebenso Inspiration und unterstützt Else Lasker-Schüler in jeder Lebenslage.
Obwohl sich die Korrespondenz der Zwei im Zeitalter des Expressionismus verorten lässt, in dem Alles ab von der Normalität und deshalb uninterpretierbar erscheint, so verwenden sie doch auffällig oft Farben, besonders häufig die Farbe Blau in Neologismen oder aus heutiger Sicht unpassenden Kontexten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte der Brieffreundschaft zwischen Else Lasker-Schüler und Franz Marc
3. Die Leidenschaft in Wort und Bild
3.1 Die Intermedialität in den Briefen und Karten
3.2 Die doppelte Doppelbegabung in der Fantasiewelt Thebens
4. Die Bedeutung der Farbe Blau
4.1 Die Bedeutung der Farbe Blau für Fran Marc
4.2 Die Bedeutung der Farbe Blau für Else Lasker-Schüler
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifische Bedeutung und Funktion der Farbe Blau innerhalb der intermedialen Korrespondenz zwischen der Dichterin Else Lasker-Schüler und dem Maler Franz Marc. Dabei wird analysiert, wie beide Künstler durch den Austausch von Briefen und Illustrationen eine gemeinsame, fiktive Gegenwelt zur Realität des frühen 20. Jahrhunderts konstruierten und ob die Farbe Blau hierbei als zentrales Verbindungselement fungierte.
- Intermedialität und Austausch zwischen Literatur und bildender Kunst
- Die Entstehung und Gestaltung der Fantasiewelt Theben
- Farbsemantik des Blaus im expressionistischen Kontext
- Brieffreundschaft als Instrument der Realitätsflucht und existenziellen Unterstützung
- Verarbeitung von Verlust und Trauer durch künstlerisches Schaffen
Auszug aus dem Buch
Die Intermedialität in den Briefen und Karten
Durch die von beiden Seiten beigelegten Illustrationen und Zeichnungen, die stets genau auf die geschriebenen Texte abgestimmt sind, können Malerei und Dichtung in der Karten- und Briefkorrespondenz als besonders eng verschlungen betrachtet werden. Dabei greifen beide Parteien die Symbole des anderen auf und verändern sie für sich weiter. Aufgrund der Tatsache, dass die Lieblingsfarbe beider Künstler nach eigenen Worten (vgl. H 144) die Farbe Blau ist, ist es kaum verwunderlich, dass gerade diese Farbe in den intermedialen Werken beider Expressionisten sehr häufig auftaucht. Marc verwendet darüber hinaus das von Else Lasker-Schüler für ihren Protagonisten Jussuf definierte Zeichen der Mondsichel und Sterne, die die Hauptfigur der Erzählung rund um Theben auf der Wange trägt. Diese Symbolik greift Franz bereits in der Illustration seiner zweiten Karte wieder auf und verteilt sie großzügig an fast jeder freien Stelle des Bildes Der Turm der Blauen Pferde. Das Motiv des offenliegenden Herzens ist neben der Silhouette der Traumstadt Theben ebenfalls eines der bekanntesten Bildzeichen Else Lasker-Schülers, das auch Franz Marc in seiner 18. Postkarte nutzt. In diesem Bild aus Jussufs Friedenszeiten verortet der Maler das von der Dichterin inspirierte Zeichen in dem zentral im Bild stehenden Baum, um den sich drei der von seiner Freundin so geliebten Pferde versammelt haben. Später greift die Dichterin genau diese Symbolik des Herzens im Baum wieder auf und zeichnet mit diesem im Mittelpunkt das wohl traurigste Bild der gesamten Korrespondenz: den Baum mit dem erhängten Jussuf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Künstler Else Lasker-Schüler und Franz Marc vor und erläutert die besondere, nicht-romantische Freundschaft sowie das Ziel der Untersuchung der Farbe Blau im Kontext ihrer Korrespondenz.
2. Die Geschichte der Brieffreundschaft zwischen Else Lasker-Schüler und Franz Marc: Dieses Kapitel zeichnet den zeitlichen Verlauf der Brieffreundschaft von 1912 bis 1916 nach und beschreibt die gegenseitige Unterstützung der Künstler in einer für beide schwierigen Zeit.
3. Die Leidenschaft in Wort und Bild: Hier wird die enge Verflechtung von Text und Bild sowie die Entstehung der fiktiven Welt Theben als Schutzraum vor der Berliner Realität untersucht.
3.1 Die Intermedialität in den Briefen und Karten: Das Unterkapitel analysiert den Austausch von Symbolen und die wechselseitige Inspiration durch Malerei und Dichtung in der Korrespondenz.
3.2 Die doppelte Doppelbegabung in der Fantasiewelt Thebens: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Rolle von Theben als utopische Gegenwelt, die durch Briefe und Bilder gemeinsam aufgebaut und in literarischen Werken weitergeführt wurde.
4. Die Bedeutung der Farbe Blau: In diesem Kapitel wird die spezifische, teils widersprüchliche Bedeutung der Farbe Blau in den individuellen Schaffensprozessen beider Künstler thematisiert.
4.1 Die Bedeutung der Farbe Blau für Fran Marc: Dieses Unterkapitel fokussiert auf Marcs Verwendung von Blau zur Distanzierung, als Ausdruck seiner Landschaftswahrnehmung und als Teil seiner magischen Tierwelt.
4.2 Die Bedeutung der Farbe Blau für Else Lasker-Schüler: Das Unterkapitel untersucht, wie sich die Symbolik von Blau bei Lasker-Schüler im Laufe ihres Lebens wandelte – von einer religiösen Dimension hin zur Farbe der Liebessprache und schlussendlich zur Farbe der Weltenflucht im Exil.
5. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Farbe Blau als zentrales Werkzeug der Realitätsflucht und als Verbindungspunkt der beiden Künste fungierte, womit die These der Arbeit belegt wird.
Schlüsselwörter
Else Lasker-Schüler, Franz Marc, Expressionismus, Brieffreundschaft, Farbe Blau, Intermedialität, Theben, Jussuf, Der Blaue Reiter, Realitätsflucht, Symbolik, Kunsttheorie, Korrespondenz, Literaturwissenschaft, Bildende Kunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Korrespondenz zwischen der Dichterin Else Lasker-Schüler und dem Maler Franz Marc und analysiert dabei insbesondere die Bedeutung und Funktion der Farbe Blau als verbindendes und gestalterisches Element in ihrem künstlerischen Austausch.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der expressionistische Briefwechsel, die Intermedialität zwischen Dichtung und Malerei, die Konstruktion von Fantasiewelten (wie Theben) und die wechselhafte Semantik der Farbe Blau in den Werken beider Künstler.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob die Farbe Blau eine besondere Bedeutung bei der Intermedialität in der Freundschaft der beiden Künstler einnimmt und ob sie als Werkzeug für eine gemeinsame Flucht aus der als negativ empfundenen Realität fungierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärquellen (Briefe, Karten, literarische Werke) sowie eine kunsthistorische Betrachtung der Illustrationen vorgenommen, um die Bedeutung der Farbe Blau und die Korrespondenz in den Kontext des Expressionismus einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Geschichte der Brieffreundschaft, die intermediale Verflechtung der Texte und Zeichnungen, die Entstehung der Traumwelt Theben sowie die spezifischen Deutungen der Farbe Blau bei Marc und Lasker-Schüler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Else Lasker-Schüler, Franz Marc, Expressionismus, Intermedialität, Farbe Blau, Theben, Jussuf sowie Realitätsflucht.
Welche besondere Rolle spielt die Stadt Theben in der Analyse?
Theben wird als fiktive, von Künstlern regierte Kaiserwelt analysiert, die als direkter Gegenentwurf zur als verdorben wahrgenommenen Berliner Großstadt dient und durch den Austausch der Künstler im Rahmen ihrer Brieffreundschaft stetig weiterentwickelt wurde.
Warum spielt die Farbe Blau laut der Autorin eine so zentrale Rolle für die beiden Künstler?
Die Farbe Blau dient in der Korrespondenz als Brücke zwischen der Realität und den jeweiligen Scheinwelten der Künstler. Sie ermöglicht eine Distanzierung zur Außenwelt und dient als persönliches Ausdrucksmittel für Emotionen und spirituelle Zustände.
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- Anonym (Autor), 2021, Die Bedeutung der Farbe Blau für Else Lasker-Schüler bei der Intermedialität in der Freundschaft zu Franz Marc, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040620