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"Gehen" von Thomas Bernhard. Was ist das Ereignishafte an Thomas Bernhards (ereignislosen) Werk "Gehen"?

Titel: "Gehen" von Thomas Bernhard. Was ist das Ereignishafte an Thomas Bernhards (ereignislosen) Werk "Gehen"?

Hausarbeit , 2020 , 17 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Rebecca Petros (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Hausarbeit soll die Frage geklärt werden, was das Ereignishafte an "Gehen" ist. Dazu ist es zunächst interessant, noch einmal die wichtigsten Punkte zum Thema "Ereignis", "Ereignishaftigkeit" und "Ereignislosigkeit" zusammen zu fassen. Ein weiterer Punkt in dieser Hausarbeit ist der, der Grenzüberschreitung. Findet bei "Gehen" eine Derartige statt? Und was hat es mit dem Begriff des Augenblicks zu tun?

Weiterhin soll sich in dieser Hausarbeit mit den sprachlichen Besonderheiten von "Gehen" beschäftigt werden. Warum ist das Werk lesenswert bzw. warum sollte man Bernhards Texte lesen? Zu den sprachlichen Besonderheiten zählt auch die Beschäftigung mit der Erzählsituation in diesem Werk. Und auch das Thema der Künstlichkeit von Bernhards Texten soll hier Eingang finden.

Eine Inhaltsangabe, wie es sonst bei Interpretationen literarischer Texte üblich ist, ist hier vergebens. Auch eine Analyse zum Aufbau oder der Struktur ist hier weniger voranbringend, denn gerade dadurch, dass eine deutlich erkennbare Struktur zerstört wird, kann Bernhard seinen Text auch in der ihm wesentlichen Eigenschaft strukturieren. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Text nicht durch eine Strukturanalyse entschlüssel- bzw. analysierbar ist. Außerdem soll die Verbindung Bernhards und dem Werk „Gehen“ zum Theater ergründet werden. Welche eventuellen Parallelen oder gar Rückschlüsse sind hier zu finden? Abschließend soll auch ein kleiner Einblick in die historische Vergangenheit und Verbindung zu Österreich geklärt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ein Ereignis? (in Abgrenzung zur Ereignislosigkeit)

3. Was ist das Ereignishafte an diesem (ereignislosen) Text?

4. Grenzüberschreitung oder Augenblick?

5. Vom Gehen, Denken und Sprechen

5.1. Monolog vs. Gespräch – Wer kommt zu Wort? Wer sagt was?

6. Der Vergleich von „Gehen“ mit einem Theaterstück

7. Das Thema der Künstlichkeit

8. Sprachliche Besonderheiten

9. Von der (historisch bedingten) Schwierigkeit beim Lesen von „Gehen“

10. Schluss/Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Werk „Gehen“ von Thomas Bernhard unter der leitenden Forschungsfrage, was das Ereignishafte an einem Text ist, der narrativ als ereignislos eingestuft werden muss. Dabei wird analysiert, wie Bernhard durch sprachliche Wiederholungen, die Zerstörung klassischer Erzählstrukturen und die Thematisierung von Künstlichkeit eine spezifische ästhetische Form schafft, die über den rein inhaltlichen Gehalt hinausgeht.

  • Narratologische Untersuchung des Ereignisbegriffs nach Lotman und Zanetti
  • Analyse der sprachlichen Verflechtung von Monolog und Erzählstimme
  • Vergleich der Gattungsmerkmale von Prosa und Theaterstück
  • Untersuchung von „Steinhof“ als historisch-indexikalisches Zeichen
  • Die Rolle der Künstlichkeit und Wiederholung als ästhetisches Prinzip

Auszug aus dem Buch

8. Sprachliche Besonderheiten

Das Thomas Bernhards Werke nicht einfach zu lesen sind, wie jeder andere Prosatext, ist wohl klar. Und genau das, was Bernhards Texte bzw. diesen speziellen Text „Gehen“, um den es hier geht, ausmacht und von der grauen Masse abhebt, soll in diesem Kapitel genauer untersucht werden.

Zu den Wiederholungen:

Ganz zentral in Bernhards Werken sind die häufigen Wiederholungen. Im ersten Moment scheint dies nur lästig und hinderlich beim Lesen zu sein. Tatsächlich handelt es sich bei der Wiederholung von einzelnen Worten, Satzteilen und sogar Sätzen um keine identischen Wiederholungen, sondern um Variationen bzw. Neuauslegungen. In diesen Variationen der Wiederholungen geschieht immer wieder etwas Neues. Schon in den ersten beiden Sätzen der Erzählung kündigt sich gewissermaßen das Programm des Bernhardschen Schreibens an: „Während ich, bevor Karrer verrückt geworden ist, nur am Mittwoch mit Oehler gegangen bin, gehe ich jetzt, nachdem Karrer verrückt geworden ist, auch am Montag mit Oehler. Weil Karrer am Montag mit mir gegangen ist, gehen Sie, nachdem Karrer am Montag nicht mehr mit mir geht, auch am Montag mit mir, sagt Oehler, nachdem Karrer verrückt und sofort nach Steinhof hinaufgekommen ist [...]“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass „Gehen“ kein klassisch interpretierbarer Text ist, und stellt das Ziel auf, die Funktion des Werkes, die Ereignishaftigkeit und die sprachlichen Besonderheiten zu ergründen.

2. Was ist ein Ereignis? (in Abgrenzung zur Ereignislosigkeit): Hier werden die theoretischen Grundlagen des Ereignisbegriffs nach Lotman und Zanetti erörtert, um eine Basis für die spätere Untersuchung der Ereignislosigkeit zu schaffen.

3. Was ist das Ereignishafte an diesem (ereignislosen) Text?: Das Kapitel kommt zu dem Schluss, dass im narrativen Sinne kein Ereignis stattfindet und die Erzählung selbst, statt eines Plots, an die Stelle des Ereignisses tritt.

4. Grenzüberschreitung oder Augenblick?: Es wird geklärt, dass keine Grenzüberschreitung im lotmanschen Sinne vorliegt, da das „Ereignis“ in einem flüchtigen Augenblick verschwimmt, der sich einer direkten Wahrnehmung entzieht.

5. Vom Gehen, Denken und Sprechen: Die Interdependenz von Gehen und Denken wird als thematischer Kern identifiziert, wobei Sprache hier als reine akustische Erfahrung ohne echten zwischenmenschlichen Austausch fungiert.

5.1. Monolog vs. Gespräch – Wer kommt zu Wort? Wer sagt was?: Hier wird aufgezeigt, dass kein Dialog stattfindet, sondern lediglich Teilmonologe, die durch den Ich-Erzähler miteinander verflochten und „eingeklemmt“ werden.

6. Der Vergleich von „Gehen“ mit einem Theaterstück: Bernhard nutzt hier eine hybride Form, die zwar Sprechweisen des Theaters übernimmt, jedoch das Merkmal der Mündigkeit vermissen lässt.

7. Das Thema der Künstlichkeit: Künstlichkeit wird bei Bernhard nicht als Defizit, sondern als bewusste ästhetische Konzentration auf den Prozess des Schaffens verstanden.

8. Sprachliche Besonderheiten: Dieses Kapitel analysiert das zentrale Prinzip der nichtidentischen Wiederholung und die verunsichernde Funktion des Begriffs „sogenannt“.

9. Von der (historisch bedingten) Schwierigkeit beim Lesen von „Gehen“: Die Leseerfahrung wird mit der historischen Schuld Österreichs verknüpft, insbesondere durch die Rolle von „Steinhof“ als Ort der Gewalt.

10. Schluss/Fazit: Das Fazit bestätigt, dass das Werk zwar ereignislos ist, aber gerade durch die Art des Schreibens und die historischen Bezüge ein faszinierendes und lesenswertes literarisches Zeugnis bleibt.

Schlüsselwörter

Thomas Bernhard, Gehen, Ereignislosigkeit, Sprachanalyse, Wiederholungsmodalität, Künstlichkeit, Steinhof, Narratologie, Lotman, Monolog, Erzählstruktur, Österreich, Literaturwissenschaft, Grenzüberschreitung, Sprachduktus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Werk „Gehen“ von Thomas Bernhard unter dem Aspekt der narrativen Ereignislosigkeit und untersucht, welche ästhetischen Mittel der Autor einsetzt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Ereignis und Ereignislosigkeit, das Verhältnis von Gehen und Denken, die Bedeutung von Sprache als akustisches Phänomen sowie die historischen Hintergründe in Österreich.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: Was ist das Ereignishafte an Thomas Bernhards (ereignislosen) Werk „Gehen“?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der sich auf narratologische Theorien (vorwiegend Jurij M. Lotman) stützt, um Struktur und Semantik des Textes zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Erzählsituation, der Sprachgestaltung (Wiederholungen, Verklammerung), dem Gattungsmix zwischen Prosa und Theater sowie der Bedeutung topografischer Orte wie Steinhof.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Ereignislosigkeit, Künstlichkeit, nichtidentische Wiederholung, Steinhof, narratologische Untersuchung und Sprachduktus.

Warum spielt der Begriff „sogenannt“ in der Analyse eine wichtige Rolle?

Er dient als sprachliches Mittel zur Relativierung, das den Leser verunsichern soll, indem es die Eindeutigkeit der beschriebenen Dinge untergräbt.

Inwiefern ist „Steinhof“ mehr als nur ein Ort im Text?

„Steinhof“ fungiert als indexikalisches Zeichen, das historische Traumata und die Gewaltgeschichte des NS-Regimes in Österreich symbolisiert.

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Details

Titel
"Gehen" von Thomas Bernhard. Was ist das Ereignishafte an Thomas Bernhards (ereignislosen) Werk "Gehen"?
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Rebecca Petros (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V1040737
ISBN (eBook)
9783346459350
ISBN (Buch)
9783346459367
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gehen thomas bernhard ereignishafte bernhards werk
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Rebecca Petros (Autor:in), 2020, "Gehen" von Thomas Bernhard. Was ist das Ereignishafte an Thomas Bernhards (ereignislosen) Werk "Gehen"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040737
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Leseprobe aus  17  Seiten
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