Was leisten Infografiken in der Tageszeitung?


Seminararbeit, 2001

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung:

1. Die Infografik – journalistische Darstellungsform und Gestaltungselement
1.1. Der Begriff Infografik
1.2. Die Entwicklung der Infografik in der Tagespresse
1.3. Forschungsstand zur Infografik
1.4. Die Stärken der Infografik
1.5. Die Schwächen und Gefahren der Infografik
1.6. Qualitätsanforderungen an eine Infografik

2. Untersuchungsmethode und – ziel

3. „Die Welt“
3.1. „Die Welt“ – eine überregionale Qualitätszeitung
3.2. Inhaltliche Aufgaben
3.3. Stil und Gestaltung
3.4. Einsatz der Infografikvarianten
3.5. Spezifische Funktionen der Infografik in der „Welt“
3.6. Qualität der Infografiken

4. „Freies Wort“
4.1. „Freies Wort“ – eine Regionalzeitung mit lokalem Bezug
4.2. Inhaltliche Aufgaben
4.3. Stil und Gestaltung
4.4. Einsatz der Infografikvarianten
4.5. Spezifische Funktionen der Infografik in „Freies Wort“
4.6. Qualität der Infografiken

5. Vergleich der Untersuchungsergebnisse

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Anlagen: Literaturverzeichnis

1. Die Infografik – journalistische Darstellungsform und Gestaltungselement

1.1. Der Begriff Infografik

„Infografiken sind gezeichnete Nachrichten oder Erläuterungen von komplizierten Sachverhalten“[1].

Ihr Ziel ist es, Informationen grafisch aufzubereiten und zu präsentieren.

In den 80er Jahren verschmolzen die Worte Information und Grafik zu dem Begriff Informationsgrafik, kurz Infografik. Heute ist sie ein bedeutender und regelmäßiger Bestandteil von Zeitungen, Zeitschriften und Informationssendungen im Fernsehen wie z.B. Nachrichten.[2]

Angela Jansen unterscheidet drei Typen von Infografiken nach den jeweiligen Fragen, welche diese beantworten: Prinzipdarstellungen beantworten die Fragen „Was?“ und „Wie?“. Sie beschreiben einen Gegenstand, seine Struktur oder den Ablauf eines Prozesses. Karten ( kartographische Infografiken ) zeigen den Ereignisraum bzw. die räumliche Verteilung von qualitativen oder quantitativen Aspekten eines Themas, d.h. sie beantworten die Frage nach dem „Wo?“. Typ drei sind Bildstatistiken. Hier werden Zahlen ins Bild gesetzt, oft erfolgt auch eine zeitliche Einordnung. Diese Infografiken geben Antwort auf die Fragen „Wie viele?“ und „Wann?“. Die verschiedenen Infografiktypen werden zum Teil kombiniert, denn häufig kann erst so die Frage nach den Ursachen und Gründen, also dem „Warum?“ beantwortet werden.[3]

1.2. Die Entwicklung der Infografik in der Tagespresse

Nach Thomas Knieper vollzog sich die Etablierung der Infografik in der Tagespresse wie folgt: Im 17. Jahrhundert erschienen die ersten Tageszeitungen, welche höchstens auf der Titelseite Illustrationen enthielten. Dies hatte zum einen technische Ursachen. Zum anderen wollte die Elite, die des Lesens und Schreibens mächtig war, die analphabetische Masse nicht an dem Wissen teilhaben lassen, welches die Tageszeitungen vermittelten. Die Herausgeber erkannten jedoch schon früh die Attraktivität des Visuellen, und so erschienen Mitte des 18. Jahrhunderts vereinzelt erste Infografiken in der Tagespresse. Dabei handelte es sich meist um Karten oder Ablaufdarstellungen bzw. Bildfolgen, z.B. von Kriegsschauplätzen und Schlachten. Ab 1843 erschienen in Großbritannien „illustrierte“ Wochenzeitungen, die verstärkt mit dem Einsatz von Grafiken arbeiteten. Diese verschwanden mit der Möglichkeit Fotos zu drucken weitgehend wieder. In den Tageszeitungen wurden Infografiken nur sporadisch eingesetzt, denn ihre Erstellung war sehr zeitaufwendig. Darüber hinaus herrschte das Vorurteil, der weniger Gebildete denke in Bildern, der Gebildetere in Worten.

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts setzten sich mit Beginn der Computergrafik- Revolution Infografiken in der Presse verstärkt durch. Das wirkliche Umdenken erfolgte erst in den 80er Jahren: „ Man erkannte nun die Bedeutung der Infografik, dem Leser komplizierte Sachverhalte durch eine „visuelle Übersetzung“ verständlicher zu machen und man hatte dank des Computers auch die Möglichkeiten, dies zu realisieren“.[4] Die Infografik bekam einen ähnlichen Stellenwert wie ein Textbeitrag und findet heute in allen Ressorts Verwendung, da man in modernen Zeitungen gerade auch auf das Layout der einzelnen Seiten verstärkt Wert legt.

Drei Hauptereignisse werden für den endgültigen Durchbruch der Infografik mitverantwortlich gemacht: Das Challenger- Unglück und der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986, sowie der Golfkrieg 1991. Von diesen Ereignissen existierten keine Fotos, und so war die Presse regelrecht gezwungen, die neue Darstellungsform zu erproben, um eine angemessene Berichterstattung zu gewährleisten.[5]

Nach Angela Jansen hat das hohe Tempo des aktuellen Infografik- Booms wirtschaftliche Gründe: Der Verlust von Marktanteilen gegenüber dem Fernsehen zwang die Printmedien zu schnellem Handeln.[6]

1.3. Forschungsstand zur Infografik

Die Infografik kam als Trend aus den USA nach Deutschland, wo sie auf Produzenten und ein Publikum traf, die ihre Ansprüche an die neue Darstellungsform nicht klar formulieren konnten. Es herrschte Unsicherheit darüber, was Infografiken leisten können und über welche Qualifikationen ihre Macher verfügen sollten Trotzdem setzte sich die Infografik als selbstverständliches Kommunikationselement immer mehr durch, ohne dass diese Fragen hinreichend diskutiert und erforscht wurden.[7]

Auch Martin Liebig beschreibt 1999 die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur journalistischen Infografik als „spärlich“. Die publizistische Forschung habe bis zu diesem Zeitpunkt nur ergeben, dass Infografiken zwar ebenbürtige, aber nicht erwiesen bessere Informationsträger als Text und Foto seien. „Tatsache ist: Sie liegt bis heute nicht vor, die Studie, die die Einrichtung eines Grafik- Ressorts akademisch felsenfest erzwingen würde“.[8]

Es gebe zwar Hinweise darauf, dass der Einsatz von Infografiken Sinn machen könne und Visualisierung allgemein modernen Lesegewohnheiten zumindest entgegenkomme, aber „[d]er schlagende wissenschaftliche Nachweis der Tauglichkeit fehlt“.[9]

1.4. Die Stärken der Infografik

Die Infografik ist wie der Text und das Foto in der Lage, journalistische Informationen zu transportieren. Mit ihrer Hilfe lassen sich komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge verständlich und leichter zugänglich machen. Die Informationen werden grafisch umgesetzt und präsentiert, so dass der Leser auf einen Blick die wichtigsten Aussagen erfassen kann. So werden Vorgänge, Statistiken, Orte etc., die mit Worten nur sehr schwierig zu beschreiben sind, veranschaulicht. „Infografiken schließen die Lücke zwischen dem Foto, das die Realität lebensecht abbildet und dem Text, der sie beschreibt“.[10] Sie können eine Ergänzung zur Text- und Fotoberichterstattung sein aber auch als eigenständiger journalistischer Beitrag fungieren. Gegenüber dem Text hat die Infografik den Vorteil, dass sie viele Aspekte gleichzeitig vermitteln kann. Zwar lässt sich prinzipiell fast alles in Worte fassen, aber „[t]extliche Beschreibung und vor allem Abgleichung ist in manchen Zusammenhängen weitaus umständlicher als eine Bildformulierung, schwieriger „lesbar“ und oft wohl auch platzintensiver“.[11] Neben dem Foto ist auch die Infografik ein geeignetes Mittel, Ereignisse ins Bild zu setzen. Sie bildet die Realität nicht wie das Foto ab, kann diese jedoch rekonstruieren. So kann die Infografik eingesetzt werden, wenn kein Foto vorhanden ist oder die bildliche Darstellung durch eine Infografik günstiger (z.B. weniger umständlich und kostenintensiv) realisiert werden kann.

Die große Stärke der Infografik liegt nach Liebig in ihrer Multifunktionalität. Er fasst die Funktionen, die sie erfüllen kann wie folgt zusammen: „Eine versierte Komposition vorausgesetzt, läßt sich mit Infografiken potentiell sehr gezielt informieren, das Blatt organisieren, illustrieren, Aufmerksamkeit erzeugen, die Leserschaft motivieren, schmücken, ästhetisieren und Identität repräsentieren“.[12]

Jansen, Knieper und Schneider/Raue sehen in dem verstärkten Einsatz von Infografiken eine Chance, auf das Konkurrenzmedium Fernsehen und ein zunehmend TV-geprägtes Publikum, welches auf visuelle Angebote auch in den Printmedien nicht verzichten will, zu reagieren.[13]

1.5. Die Schwächen und Gefahren der Infografik

Martin Liebig weist auf Schwächen der Infografik und die Gefahren die ihr Einsatz mit sich bringt hin.[14] Er befürchtet, dass die visuelle Perfektion einen Anschein der inhaltlichen Richtigkeit und Exaktheit der verarbeiteten Daten erwecken kann, die unter Umständen gar nicht vorhanden ist. Die „optische Glätte“ kann dazu führen, dass der vermittelte Inhalt vom Leser nicht mehr hinterfragt sondern unkritisch als gegeben hingenommen wird.

Eine zweite Gefahr liegt in der „trügerischen Sauberkeit“, die diese journalistische Darstellungsform häufig vermittelt: „Viele Infografiken überziehen nämlich eine oft schmutzige, womöglich blutige Realität mit einem sauberen Schleier, verschweigen, bewusst oder unbewusst, menschliche Schicksale, schicken Tragisches durch den Filter klarer Linien, reiner Farben und edler Schrifttypen“.[15] In solchen Fällen ist die Berichterstattung realitätsfern und eine Infografik allein als Informationsträger nicht ausreichend.

Eine weitere potenzielle Schwäche liegt in der Befürchtung, dass sich der Leser mit einem Bild weniger aktiv und zeitlich kürzer auseinandersetzt als mit einem Text. Aber gerade bei komplexen Infografiken ist eine intensive Auseinandersetzung wichtig. So entsteht die Gefahr des Übersehens wichtiger Informationen, die für das Verständnis und die Einordnung des jeweiligen Geschehens unabdingbar sind.

[...]


[1] Wolf Schneider / Paul- Josef Raue, 1996, Seite 170

[2] vgl. Thomas Knieper, 1995, Seite 3 – 4

[3] Angela Jansen, 1999, Seite 18

[4] Thomas Knieper, 1995, Seite 116 – 117

[5] vgl. Thomas Knieper, 1995, Seite 113 – 117

[6] vgl. Angela Jansen , 1999, Seite 16

[7] vgl. Angela Jansen , 1999, Seite 16

[8] Martin Liebig, 1999, Seite 53

[9] Martin Liebig, 1999, Seite 57

[10] Angela Jansen, 1999, Seite 12

[11] Martin Liebig, 1999, Seite 64 – 65

[12] Martin Liebig, 1999, Seite 51

[13] vgl. Angela Jansen, 1999, Seite 10; Thomas Knieper, 1995, Seite 121; Wolf Schneider/ Paul-Josef Raue, 1996, Seite 169

[14] vgl. Martin Liebig, 1999, Seite 78 – 81

[15] Martin Liebig, 1999, Seite 79

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Was leisten Infografiken in der Tageszeitung?
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunuikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in journalistisches Arbeiten: Wahrnehmen, Selektieren, Präsentieren
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V10409
ISBN (eBook)
9783638168403
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Infografiken, Tageszeitung, Einführung, Arbeiten, Wahrnehmen, Selektieren, Präsentieren
Arbeit zitieren
Claudia Walther (Autor), 2001, Was leisten Infografiken in der Tageszeitung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10409

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