Dogmen in der katholischen Kirche. Eine Wahrheit im Wandel der Zeit


Hausarbeit, 2020

8 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff des Dogmas
2.1. Dogmengeschichte

3. Dogmenverständnis der katholischen Kirche

4. Dogmenkritik

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In unserer heutigen Gesellschaft ist es leicht, alles zu hinterfragen und in Zweifel zu ziehen, umso wichtiger ist es, persönliche Ankerpunkte zu haben, die einem eine Sicherheit bieten. Im christlichen Glauben ist es dasselbe, denn Dogmen „ sind Lichter auf dem Glaubensweg. Sie erleuchten und sichern ihn.“ (KKK 89)1 Im Glauben werden Konstanten benötigt, die dann für jeden Katholiken gelten, um den Gläubigen ein Gerüst zur Verfügung zu stellen. An diesem kann sich jeder Gläubige orientieren.

Die vorliegende Hausarbeit setzt sich deswegen mit der Frage auseinander, wie sich ein solches Dogma im Laufe der Zeit entwickelt hat, um besser zu verstehen, warum Dogmen heute so sind wie sie sind.

Um einen besseren Einstieg in die komplexe Systematik zu ermöglichen, werde ich zuerst erklären, was ein Dogma ist. Aus Platzgründen werde ich im Folgenden grob auf die Dogmengeschichte und deren Entwicklung eingehen. Danach folgt eine Einführung in die Bedeutung des Dogmas im Christentum, mit dem Schwerpunkt nach dem Ersten und Zweiten Vatikanischen Konzil. Bevor ich zum Fazit komme, werde ich kurz die wichtigsten Kritikpunkte der Dogmatik vorstellen, da die Gegenpositionen die Entwicklung des Dogmas geprägt haben.

2. Der Begriff des Dogmas

Das Wort Dogma stammt aus dem Altgriechischen („δόγμα“) und bedeutet übersetzt, „das Geglaubte“ bzw. „das Beschlossene“.2 Dies hat in den verschiedenen Wissenschaften unterschiedliche Bedeutungen: Im philosophischen Ansatz wird es beispielsweise so verstanden, dass der Mensch durch seine Forschungsarbeit versucht, diesen Lehrsatz zu vervollkommnen. Im christlichen Verständnis ist damit ein Lehrsatz gemeint, welcher – ohne ihn zu hinterfragen – seine Geltung behält und somit eine absolute Wahrheit darstellt. Das Besondere daran ist, dass der Mensch dabei nicht versucht, diese absolute Wahrheit herauszuarbeiten, sondern sie von Gott durch Christus offenbart wurde. Auch hat sich das Verständnis von „Dogma“ im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geändert. Deshalb muss heute der damalige zeitgeschichtliche Hintergrund berücksichtigt werden, damit die Glaubenswahrheit richtig verstanden werden kann.

2.1. Dogmengeschichte

Die Frage nach einem Glaubensgrundsatz war insbesondere für die Christen in den frühen christlichen Gemeinden interessant, da diese noch keine einheitliche Lehrmeinung hatten. Zu dieser Zeit gab es viele verschiedene religiöse Lehren und Gruppierungen. Durch das Bedürfnis nach einer einheitlichen Grundlehre rückte die Dogmatik in den Vordergrund. Der Begriff des Dogmas änderte sich zu jener Zeit. So war es im philosophischen ein Lehrsatz ohne einen Mittelpunkt. Der Mensch versucht im Philosophischen selbst die Wahrheit zu finden. Im Christlichen war dieser Mittelpunkt Gott, der in Jesus Christus die Wahrheit verkündet hat. Diese Wahrheit zu begreifen und ins menschliche Wort zu übertragen, ist die Aufgabe eines Lehrsatzes.

Damit ein Dogma zustande kommen kann, muss die offenbarte göttliche Wahrheit entweder in der Heiligen Schrift oder in der kirchlichen Tradition zu finden sein oder zumindest mit ihnen in einem notwendigen Zusammenhang stehen.3 Daher ist es die Kirche, die die verbindliche Lehr- und Glaubensnorm formuliert. Bis zum 4. Jahrhundert geschah diese Formulierung in Form eines Konsenses (lat. magnus consensus). Danach gab es dann die sogenannten Konzilien, bei denen sich alle Bischöfe trafen. Im ursprünglichen dogmatischen Verständnis fielen die Doxologie, die Lehre, das Gebet und das Zeugnis zusammen. Im späteren Verlauf verschob sich das Verständnis in Richtung Lehre und Verkündigung, wodurch die anderen Bereiche abgespalten wurden.4

Somit gewann die Kirche im weiteren Verlauf der Geschichte als eine kollektive Instanz sowie als eine das Dogma formende Autorität immer mehr an Bedeutung. Vinzenz von Lerinum war Mönch und Kirchenvater und beschrieb das Dogma folgendermaßen: „ Was allenthalben, stets und von allen geglaubt worden ist. “ (Theologische Realenzyklopädie, S.30-31), Bernhard von Clairvaux weist dem Papst darüber eine Wächterfunktion zu.5 Durch diese soll noch einmal eine Qualitätskontrolle stattfinden. Martin Luther änderte die Denkweise später radikal, indem er die kirchlichen Dogmen als norma normata („normierte Norm“) unter die norma normans („normierende Norm“) der Hl. Schrift stellte. Damit bestimmte nun nicht mehr die Kirche den Bezug des zur Bibelinterpretation, sondern die Bibel bestimmt den Wahrheitsgehalt. Dadurch ist die Kirche nur noch das Werkzeug, das diese Wahrheit übernimmt und zu ihrer eigenen Lehre macht. Darum spricht man im evangelischen Raum eher von einem „Bekenntnis“ anstatt von einem „Dogma“. Dadurch konnte auf die Autorität der Kirche im Evangelischen als Lehramt verzichtet werden. Daraufhin stellte das Erste Vatikanische Konzil (1869-1870) das Besondere der Bedeutung des kirchlichen Lehramtes fest, indem es dem Papst das sogenannte Unfehlbarkeitsdogma (ex cathedra) zusprach. Sobald der Papst nun also ein Dogma als ex cathedra verkündet, ist es nicht mehr veränderbar und gilt absolut.6

3. Dogmenverständnis der katholischen Kirche

Das Wort Dogma wurde erst im Ersten Vatikanischen Konzil näher definiert und seither benutzt.

„Mit göttlichem und katholischem Glauben (fide divina et catholica) ist all das zu glauben (ea omnia credenda), was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist (in verbo Dei scripto vel tradito) und von der Kirche im feierlichen Lehrurteil oder durch gewöhnliche und allgemeine Lehrverkündigungen als von Gott geoffenbart zu glauben vorgelegt wird (tamquam divinitus revelata credenda proponuntur).“ (Katholische Dogmatik, S. 80)7

Dadurch ist die Kirche offiziell das eingesetzte Lehramt, welches die Hl. Schrift interpretiert und daraus die Glaubenswahrheiten zieht. Diese müssen aber von Gott offenbart worden sein. Die Kirche kann somit nicht willkürlich ein Gebot aufstellen.

Daher muss bei allen früheren Aussagen zu schwierigen Fragen, wie beispielsweise der Trinitätstheologie oder der Gnadenlehre überprüft werden, inwiefern diese nach der Definition des Ersten Konzils verbindlich sind.

Das Zweite Vatikanische Konzil führte die unterschiedlich starke Gewichtung der Dogmen ein. Nun gab es die Unterscheidung zwischen wesentlichen und veränderlichen Dogmen. Diese zu unterscheiden, obliegt dem Papst in Verbindung mit den Bischöfen oder ohne sie. Im Ökumenismus Dekret (Unitatis redintegratio) durch das Zweite Vatikanische Konzil veröffentlichte Dokument, ist dies besonders erkennbar. Dort wird nicht nur eine „ Hierarchie der Wahrheiten “ (Unitatis Redintegratio 11)8 festgelegt, die zum Beispiel besagt, wie relevant bestimmte Fragen für die kirchliche Gemeinschaft sind, sondern auch einen größeren Spielraum für Ökumene ermöglicht. Durch die unterschiedliche Gewichtung der Dogmen wurde die Annäherung an die Kirche vereinfacht. Sie wirkt und ist nicht mehr durch ihr altes Dogmenverständnis absolut und abschreckend.

[...]


1 KKK 89.

2 Vgl. SZYSZKOWITZ, Dogma.

3 Vgl. KKK 88.

4 Vgl. SCHLINK, Ökumenische Dogmatik, S. 33-47.

5 WICKERT, Theologische Realenzyklopädie, S.30-31.

6 Vgl. WICKERT, Theologische Realenzyklopädie, S. 26-41.

7 MÜLLER, Katholische Dogmatik, S. 80.

8 II. VATIKANISCHES KONZIL, Unitatis Redintegratio 11.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Dogmen in der katholischen Kirche. Eine Wahrheit im Wandel der Zeit
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
8
Katalognummer
V1041341
ISBN (eBook)
9783346460660
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dogmen, Dogmatik, Systematische Theologie
Arbeit zitieren
David Paetsch (Autor), 2020, Dogmen in der katholischen Kirche. Eine Wahrheit im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1041341

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