Ziel dieser Arbeit ist die Legitimation einer ästhetischen Bewegungslehre im inklusiven Unterricht anhand eines praktischen Beispiels aus dem Inklusionsprojekt Hochschuldialog mit Südeuropa. Was bedeutet eigentlich Inklusion und wie lässt sich diese praktisch umsetzen? Der Themenkomplex der Inklusion stellt einen ersten theoretischen Schwerpunkt dar, dem in dieser Arbeit nachgegangen wird. Inwieweit sich Bewegungsbeziehungen für die inklusive Arbeit eignen, soll anschließend diskutiert werden. Dazu werden Möglichkeiten der Inszenierung von Sportunterricht vorgestellt, welche eine Grundlage für die nachfolgenden Überlegungen liefern. Vor diesem Hintergrund wird auf ein kommunikatives Medium – den Tanz – als Möglichkeit zur Arbeit mit heterogenen Gruppen eingegangen.
Die ästhetische Erziehung, also die Erziehung und Bildung mit Fokus auf Sinneseindrücken und den Erfahrungen durch diese, schwankte in ihrer Bedeutung für das deutsche Schulwesen ständig. Dem Wert einer auf Sinneswahrnehmungen aufgebauten Bildung soll hier nachgegangen werden und deren pädagogischer Nutzen am Beispiel eines Tanzprojektes analysiert werden. Die Arbeit soll zeigen, inwieweit Teilhabe und Kommunikation durch Bewegungsbeziehungen gefördert und angeregt werden können und sich somit ein Nutzen von Bewegungsprojekten in der Inklusionsarbeit im schulischen Kontext abzeichnet.
Dabei steht die These im Raum, dass unabhängig von verbaler Sprache Bewegungsbeziehungen eingegangen werden können, durch welche ein ständiger Austausch zwischen dem Selbst und der umgebenden Welt stattfindet. Bewegungen, besonders solche, die in ihrer Form frei und gestaltbar sind, können als Medium des Ausdrucks genutzt werden und somit als Sprache des Körpers fungieren. Solche Bewegungsformen sind also grenzüberschreitend und entledigen sich sämtlicher Barrieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Inklusion
2.1 Inklusionsverständnis im schulischen Kontext
2.2 Inklusion durch Bewegungsbeziehungen
3 Tanz als Ausdrucksmittel von Ich und Wir
3.1 Tanz ist eine Sprache des Körpers
3.2 Ästhetische Erziehung
3.3 Tanz als kulturelles Bindeglied
4 Analyse eines Tanzprojektes mit einer heterogenen Gruppe
4.1 Portrait der Tanzstunde
4.1.1 1. Akt „Warm-up und tänzerische Einführung“
4.1.2 2. Akt „Mit Lebensfreude durch die Halle“
4.1.3 3. Akt „Papierflieger“
4.2 Rezension
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Bachelorarbeit untersucht das Potenzial des kreativen Tanzes als Medium für die inklusive Arbeit im schulischen Kontext. Das zentrale Ziel ist es, zu legitimieren, wie durch ästhetische Bewegungslehre Teilhabe und Kommunikation in heterogenen Gruppen gefördert werden können, selbst wenn verbale Sprachbarrieren bestehen.
- Grundlagen der Inklusionspädagogik im schulischen Alltag
- Bedeutung von Bewegungsbeziehungen für das soziale Miteinander
- Tanz als nonverbale Sprache und identitätsstiftendes Ausdrucksmittel
- Empirische Analyse eines inklusiven Tanzprojekts im Rahmen eines internationalen Hochschuldialogs
Auszug aus dem Buch
3.1 Tanz ist eine Sprache des Körpers
Mata Hari beschrieb bereits Anfang des 20. Jahrhunderts den Tanz als ein Gedicht, also eine Wortkunst und ein Ausdrucksmittel von Sprache. Dass sich durch Tanz etwas ausdrücken lässt und dem Publikum etwas vermittelt wird, ist keine neue Erkenntnis. Hier soll es jedoch nicht um die Beziehung von Tänzer zu Zuschauer gehen, sondern um die Bewegungsbeziehungen, die Tanzende miteinander und mit Material und Raum eingehen. Fritsch nennt dabei zwei Aspekte der Wechselwirkung im Tanz: sich den äußeren Bedingungen wie Musik und Raum hinzugeben und das Sich-Ausdrücken (vgl. Fritsch, 1987, S. 56). Also einerseits das Annehmen und Verarbeiten von äußeren Gegebenheiten und andererseits das Antworten und Reagieren auf diese.
Diese Ausdrucksbewegung beschreibt Fritsch dabei als Verleiblichung des Inneren, um dessen selbst getanzt wird. Denn anders als bei zielgerichteten Bewegungen, dem Ausführen von Handlungen, wird das Tanzen um seiner selbst willen ausgeübt (vgl. Fritsch, 1987, S, 58f.). Je nach Bezug lässt sich Tanzen als Monolog, also dem Tanzen für sich selbst oder als Dialog, dem Tanzen mit- oder füreinander beschreiben (vgl. Fritsch, 1987, S. 63). Letzteres beinhaltet neben dem Sich-Ausdrücken auch das Verstehen anderer im Tanz. „Wir lesen andere Körper und erschließen Inhalt oft mit Referenz zu unserer eigenen Körperlichkeit“ (Kuppers, 2003, S. 159). Somit entsteht ein Dialog zwischen Tanzenden, welcher durch das Vermitteln des Eigenen und das Verstehen dessen, was ein Tanzpartner auszudrücken versucht, charakterisiert ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik der Inklusion ein und stellt die These auf, dass Tanz als nonverbales Medium die Kommunikation in heterogenen Gruppen fördern kann.
2 Inklusion: Dieses Kapitel erläutert den Perspektivwechsel von der Integration zur Inklusion und definiert Bewegungsbeziehungen als grundlegendes Element für gemeinsamen Sportunterricht.
3 Tanz als Ausdrucksmittel von Ich und Wir: Hier wird der Tanz als "Sprache des Körpers" analysiert, wobei Konzepte wie ästhetische Erziehung und die identitätsstiftende Funktion des Tanzes beleuchtet werden.
4 Analyse eines Tanzprojektes mit einer heterogenen Gruppe: Dieser Teil enthält die praktische Untersuchung einer Tanzstunde mit beeinträchtigten und nicht-beeinträchtigten Teilnehmern sowie die methodische Rezension.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit bestätigt den pädagogischen Wert des Tanzes für die Inklusion, betont jedoch die Herausforderungen durch das bestehende leistungsorientierte Schulsystem.
Schlüsselwörter
Inklusion, Tanz, Bewegungsbeziehung, Schulpädagogik, Ästhetische Erziehung, Heterogenität, Körperausdruck, Kommunikation, Identitätsbildung, Inklusive Arbeit, Sonderpädagogik, Bewegungslehre, Teilhabe, Selbstwirksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den pädagogischen Nutzen von Tanz als Medium, um inklusive Bildungsprozesse in einer heterogenen Schülerschaft zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Inklusion im Schulsport, der kommunikative Charakter des Tanzes, ästhetische Erziehung und das Konzept der Bewegungsbeziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den kreativen Tanz als legitime Methode für den inklusiven Sportunterricht theoretisch und anhand eines Praxisbeispiels zu begründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der Rezension im Rahmen einer hermeneutischen Analyse, um die Beobachtungen aus dem praktischen Tanzprojekt zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Inklusion und ästhetischer Erziehung sowie eine detaillierte Portraitierung und Analyse einer Tanzstunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Inklusion, Bewegungsbeziehungen, Ästhetische Erziehung, Heterogenität und der Tanz als nonverbale Sprache.
Welche Rolle spielen die "Papierflieger" im dritten Akt?
Die Papierflieger dienen als Material, um eine weitere Ebene der Selbstwirksamkeit zu schaffen, bei der die Tanzenden durch Rhythmus und Timing in einen nonverbalen Dialog treten.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Menschen mit Beeinträchtigung in diesem Projekt?
In diesem speziellen Tanzkontext agieren Menschen mit Beeinträchtigungen als "Experten" für die Tanzabläufe, was die üblichen Rollenverteilungen des Alltags aufbricht.
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- Isabell Michel (Author), 2018, Ästhetische Bewegungslehre im inklusiven Unterricht. Tanz als Ausdrucksmittel und Verbindungselement einer Gruppe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1041488