In dieser Hausarbeit geht es um verschiedene Aspekte von Gehorsam sowie der ethisch vertretbaren Forschung.
Im ersten Schritt werden das Milgram-Experiment beschrieben und dessen Befunde kritisch beleuchtet. Anschließend werden Vorschläge zu einer ethisch vertretbaren Forschung zum Thema Gehorsam angedacht.
Der zweite Teil der Hausarbeit bezieht sich auf Gehorsam in der Unternehmenspraxis. Dabei werden konkrete Beispielfälle zur Veranschaulichung skizziert sowie Maßnahmen zur Vorbeugung von Fehlentwicklungen dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Milgram-Experiment
2.1 Historischer Hintergrund
2.2 Aufbau und Ablauf des Experiments
2.3 Zentrale Befunde
2.4 Kritische Auseinandersetzung mit den Befunden des Milgram Experiments
3 Das ethische Problem
3.1 Einschätzung des Milgram-Experiments
3.2 Ethisch vertretbare Erforschung von Gehorsam 1
3.3 Ethisch vertretbare Erforschung von Gehorsam 2
4 Gehorsam in der Unternehmenspraxis
4.1 Vorüberlegung
4.2 Fachlicher Gehorsam
4.3 Disziplinarischer Gehorsam
4.4 Vorbeugung von Fehlentwicklungen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das psychologische Phänomen des Gehorsams gegenüber Autoritäten, ausgehend vom klassischen Milgram-Experiment, und hinterfragt dessen ethische Vertretbarkeit sowie die Übertragbarkeit auf die moderne Unternehmenspraxis, um Fehlentwicklungen durch autoritäre Strukturen vorzubeugen.
- Historische Analyse und Kritik des Milgram-Experiments
- Ethische Bewertung psychologischer Forschungsmethoden
- Mechanismen des Gehorsams in hierarchischen Unternehmensstrukturen
- Analyse von Fallbeispielen aus der Wirtschaftspraxis
- Strategien zur Vermeidung von Fehlverhalten durch Verantwortungskultur
Auszug aus dem Buch
2.2 Aufbau und Ablauf des Experiments
Für das Experiment konnte Milgram durch eine Zeitungsanzeige über 1000 Versuchspersonen für ein Laborexperiment gewinnen (Schlüter 2015, S. 245). Diese waren zwischen 20 und 50 Jahre alt und es waren Arbeiter, Angestellte und Akademiker darunter (Aronson et al. 2014, S. 294).
Die Versuchsanordnung stellte eine Lehrer-Schüler-Situation nach, bei der die Versuchsteilnehmer als Lehrer agieren sollten. Angeblich sollte dabei der Einfluss von Strafen auf das Lernen untersucht werden. Die Rollen im Experiment wurden durch manipulierte Lose zugewiesen. Die Aufgabe der Lehrer war es, den Schülern eine Liste mit Wortpaaren vorzulesen und sie anschließend abzufragen (Aronson et al. 2014, S. 292). Wenn die Schüler – vermeintlich andere Versuchsteilnehmer - die zu lernenden Wortpaare nicht korrekt wiedergeben konnten, waren die Versuchsteilnehmer dazu angewiesen, die Schüler mithilfe von Elektroschocks zu bestrafen. Den „Lehrern“ war nicht bekannt, dass die Schüler in Wahrheit Schauspieler waren, die ihre Reaktionen auf die Elektroschocks nur spielten und in Wahrheit keine Stromstöße verabreicht bekamen. Über eine Sprechanlage konnten sie die Schüler zwar hören, da diese allerdings in einem Nebenraum saßen, während des Experiments nicht sehen.
Um den „Lehrern“ einen Eindruck der körperlichen Empfindung eines Elektroschocks zu vermitteln, wurden ihnen vorab Beispielschocks von 45 Volt verabreicht (Schlüter 2015, S. 246). Offiziell stieg die Stromstärke der Schocks ausgehend von 15 Volt mit jedem Fehler um 15 Volt, bis zu einer potenziell lebensgefährlichen Dosis von 450 Volt. Die Stufen waren auf dem Stromstoß Generator unter anderem wie folgt gekennzeichnet: „leichter Stromstoß“, „Gefahr: schwerer Stromstoß“ und am Ende der Skala „XXX“ (Aronson et al. 2014, S. 292).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Gehorsamsphänomens ein und stellt die Verbindung zwischen historischen psychologischen Experimenten und heutigen Herausforderungen in der Arbeitswelt her.
2 Das Milgram-Experiment: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext, den Versuchsaufbau sowie die zentralen Befunde von Stanley Milgram und setzt sich kritisch mit deren Interpretation auseinander.
3 Das ethische Problem: Hier wird die ethische Problematik des Milgram-Experiments bewertet und es werden alternative, vertretbare Forschungsdesigns vorgestellt.
4 Gehorsam in der Unternehmenspraxis: Dieses Kapitel analysiert anhand praktischer Szenarien, wie sich autoritärer Gehorsam in Unternehmen manifestiert und welche Faktoren dieses Verhalten begünstigen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zur ethischen Forschung und zum Umgang mit Gehorsam in der Praxis zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige Sensibilisierungsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Gehorsam, Milgram-Experiment, Autorität, Unternehmenspraxis, Ethik, Forschung, Verantwortungsdelegation, situativer Einfluss, Sozialpsychologie, Unternehmensführung, Fehlentwicklung, Hierarchie, Moral, psychischer Stress, Verantwortungskultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem psychologischen Phänomen des Gehorsams gegenüber Autoritäten, basierend auf dem Milgram-Experiment, und dessen Auswirkungen auf ethische Forschung und unternehmerisches Handeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der kritischen Auseinandersetzung mit dem Milgram-Experiment, der Diskussion ethischer Standards in der Forschung sowie der Übertragung dieser Erkenntnisse auf die Prävention von Fehlverhalten in der Unternehmenswelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu verstehen, wie Gehorsam zustande kommt, wie dieses Thema ethisch einwandfrei erforscht werden kann und wie negative Auswirkungen autoritärer Strukturen in Unternehmen unterbunden werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die eine Literaturanalyse von psychologischen Studien und Konzepten nutzt, um diese auf spezifische Fallbeispiele in der Unternehmenspraxis anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Milgram-Experiments, die ethische Problematik solcher Studien und die Darstellung von Gehorsamsprozessen in betrieblichen Hierarchien, etwa in Steuerberatungskanzleien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gehorsam, Milgram-Experiment, Autorität, Unternehmenspraxis, ethische Forschung und Verantwortungsdelegation.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Jerry Burger von dem Milgram-Experiments?
Jerry Burger implementierte bei seiner Replikation strikte Ausschlusskriterien für Teilnehmer und brach den Versuch frühzeitig ab, um die psychische Belastung zu minimieren, während Milgrams Originalversuch ethisch hochgradig bedenklich war.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Entstehung von Gehorsam?
Eine Kultur, die Eigenverantwortung fördert und flache Hierarchien pflegt, reduziert die Neigung zu blindem Gehorsam, da Mitarbeiter seltener dazu neigen, Entscheidungen kritiklos an Vorgesetzte zu delegieren.
Warum wird im Kontext von Fehlverhalten in Firmen von der „Fragmentierung der Tat“ gesprochen?
Dieser Begriff beschreibt, wie durch hierarchische Arbeitsteilung die individuelle Verantwortung für eine Fehlentscheidung verschleiert wird, was es Einzelpersonen erleichtert, fragwürdige Anweisungen auszuführen.
- Quote paper
- Larissa Kviring (Author), 2020, Gehorsamkeit gegenüber Autoritätspersonen. Das Milgram-Experiment und Ableitungen für Forschung und Unternehmenspraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1041909