Ritual und Gewalt im Film am Beispiel "The Purge: Election Year". Kostümierung und Maske


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

The Purge - Ein kleiner Einblick

Die Gewalt im Film

Die Gewalt in „The Purge: Election Year“

Ritual im Film

Das Konzept der Maske

Fazit

Literaturverzeichnis

Filmverzeichnis

Einleitung

Stellen Sie sich vor das Gesetz, wie wir es kennen, wird fur eine Nacht fur 12 Stunden auBer Kraft gesetzt. Alles ist erlaubt. Jeder Mensch darf alles machen was eigentlich verboten ist und nach diesen 12 Stunden wird es keine Nachwirkungen, geschweige denn Strafen, geben. Stellen Sie sich dieses Szenario einmal vor. Was wurden Sie tun? Wahrscheinlich denken Sie gerade daran einen Laden auszurauben und alles mitzunehmen, was Sie schon immer haben wollten. Sie konnten sich bestimmt vorstellen in dieser Nacht eine Straftat zu begehen. Doch Sie sind nicht der einzige Mensch der von den Gesetzen des Landes befreit ist. Alle anderen sind es auch, das ganze Land ist es. Fur 12 Stunden ist einem jeden Menschen des Landes jegliche Straftat erlaubt. Worin besteht die Gefahr? Auch wenn Sie es womoglich nicht in Betracht ziehen wurden einen schlimmeren Gesetzesbruch als beispielsweise einen Ladendiebstahl zu begehen, andere wurden es hochstwahrscheinlich schon. Eine Nacht ohne Grenzen zieht vor allen Dingen eines mit sich: Mord. Die StraBen sind unsicher, auf ihnen wuten tausende von Menschen, welche nur eines im Sinn haben, Ihre Wut auszuleben. Vielleicht haben sie es auf eine bestimmte Person beziehungsweise bestimmte Personen abgesehen, vielleicht aber auch nur auf zufallig irgendwen, nur des Mordes wegen. Sind Sie nun derjenige, der in die Schlacht zieht, derjenige, der seine Liebsten beschutzt oder doch der, welcher das ganze Spektakel auf der Kinoleinwand verfolgt? „The Purge“ so heiBt der Film, welcher mit dieser Idee spielt. Fur 12 Stunden in einer Nacht des Jahres ist in Amerika alles erlaubt. Der Film, welcher so fern der Realitat scheint, aber vielleicht so fern gar nicht ist. „The Purge“ ist eine Filmreihe bestehend aus mittlerweile vier Filmen. In dieser Arbeit soll es um den dritten Teil „The Purge: Election Year“ (DeMonaco 2017) gehen. Der Film behandelt Gewalt. Denn das Toten wird Legalisiert. Doch wie wirkt die Gewalt auf den Zuschauer, wie wird sie dargestellt und wieso uberhaupt ist die Gewalt ein erfolgreiches Mittel in der Filmindustrie? Dies sind wichtige Fragen im Hinblick auf die Gewalt im Film „The Purge: The Election Year“ (DeMonaco 2017). Des Weiteren ist es essentiell die rituellen Formen in diesem Film zu betrachten, denn diese treten hier stark hervor. Alleine schon aus dem Grund, dass ein Land sich den moralischen Richtlinien einer Menschheit wiedersetzt, nur aus dem Grund, dass es fur eine Nacht erlaubt ist. Die Purge- Nacht wird namlich wie ein Feiertag betrachtet, den man nun mal auslebt, so wie die Kolner ihren Karneval. Wenn wir schon einmal beim Karneval sind. Dieser teilt sogar viele Aspekte mit der Purge- Nacht. Denn bei beiden Ereignissen verkleiden sich die Teilhabenden mit Kostumen, Masken etc. Dieses Motiv spielt eine wichtige Rolle im Film und wird noch genauer erlautert. Um besser verstehen zu konnen worum diese Filmreihe eigentlich handelt, wird im Folgenden eine Zusammenfassung, eher ein kleiner Einblick, in die Reihe und vor allem in den Film „The Purge: Election Year“ (DeMonaco 2017) widergegeben. Danach wird die Gewalt, dann das Ritual im Film betrachtet. Daruber hinaus das Konzept der Maske beziehungsweise der Kostumierung im Allgemeinen.

The Purge - Ein kleiner Einblick

Das Prinzip der Purge ist einfach zu verstehen. Die Ubersetzung schafft schon eine Zusammenfassung des Sinnes hinter dieser Nacht. Denn „Purge“ bedeutet „Sauberung“. Dies ist so zu verstehen, dass die Menschen in dieser Nacht von ihren sundenhaften Seelen gesaubert werden und nicht nur das. So wird im Film verdeutlicht, dass die Kriminalitatsrate und Arbeitslosenquote in Amerika ziemlich hoch sei. Aus diesem Grund findet die Purge- Nacht einmal im Jahr fur 12 Stunden statt. Erfolgreich werden dadurch die Raten niedrig gehalten. Das, was dem Land also nicht gut tut, wird gesaubert und entfernt. Aus diesem Grund leiden vor Allem die Obdachlosen an der Purge, welche den gewaltsamen Taten der Menschen gnadenlos ausgesetzt sind. Dies jedoch zum Gluck der Regierung, denn so kann die Unterschicht Stuck fur Stuck minimiert beziehungsweise gesaubert werden. AuBerdem sind in dieser Nacht die Notrufsysteme der Polizei, Feuerwehr und Krankenhauser nicht erreichbar, sodass keine Hilfe zur Verfugung steht. Wer verletzt wurde, kann, wenn er es uberlebt, erst am nachsten Tag behandelt werden. Da man sich die Uberfullung in den Krankenhausern nach dieser Nacht jedoch allzu gut vorstellen kann, muss man davon ausgehen, dass fur einen Schwerverletzten kaum noch Hoffnung besteht. Diese Nacht steht unter dem Motto: Alles ist erlaubt. In dem Film „The Purge: Election Year“ (DeMonaco 2017), welcher den dritten Teil der Reihe darstellt, wird das Jahr der Wahlen beschrieben. Dies ist das erste Jahr, in welchem auch Politiker mit einem hohen Rang nicht der Purge ausgeschlossen sind, bisher hatten diese durch eine Regelung einen besonderen Schutz. Dieser wird nicht mehr geboten und auch hohe Regierungsbeamte setzten sich der Gefahr aus. Dies hat einen wichtigen Grund, welcher spater genauer erlautert wird. Der Film beginnt mit einer Ruckblende von vor 18 Jahren. Ein maskierter Mann sitzt in einem Sessel einer blutuberstromten Familie, Mutter, Vater, Sohn und Tochter gegenuber. Mit den Worten „Wir haben eine Menge Purge Spiele gespielt“ (TC: 00:02:07) wird deutlich, dass er die Familie bis hierhin mit Spielen gefoltert habe. Dann sagt er, dass es nur noch ein Spiel gabe und zwar, dass die Mutter entscheiden durfte wer uberlebe. (TC: 00:02:10 - 00:02:23). Wie sich spater herausstellt, hat sich die Mutter fur ihre Tochter Charlene entschieden und 18 Jahre spater kandidiert diese fur das Amt des Prasidenten. Zunachst fand die Senatorin keine Unterstutzer, doch mit der Zeit hat sie sich zu einer ernstzunehmenden Konkurrentin entwickelt. Ihr Trauma und Verlust leitet sie dazu sich als erste Veranderung ihrer Amtszeit die Purge vorzunehmen. Die Senatorin trifft dabei auf taube Ohren ihres Mitstreiters dem Minister Edwidge Owens, welcher nur Positives an der Nacht sieht und diese mit allen Mitteln beibehalten mochte. Die Wahl findet jedoch nach der Purge statt und so nutzt die NFFA, die neuen Grundungsvater Amerikas, diese Umstande, um die Senatorin aus dem Weg zu raumen. Diese geplante Intrige setzt als Voraussetzung, die bisherige Regel aufzuheben, dass Politiker der Purge ausgeschlossen sind. Doch „Election Year“ (DeMonaco 2016) befasst sich nicht nur mit der Geschichte der Senatorin, sondern auch mit Weiteren. Die sogenannte „Purge Versicherung“, eine Versicherung fur die Purge- Nacht, steigt bei einem Ladenbesitzer namens Joe, um eine ihm nicht erschwingliche Summe und das kurz vor Beginn der Purge. Joe kann das geforderte Geld nicht aufbringen und hat in Folge dessen keine Versicherung fur seinen Laden. Deshalb gibt es fur ihn nur eine Losung, welche in Frage kommt. Er wird seinen Laden in der besagten Nacht eigenhandig und wenn es sein muss, mit seinem Leben beschutzen. Eine Freundin des Ladenbesitzers hat fur die Nacht einen ganz anderen Plan, welchen sie nicht zum ersten Mal ausfuhrt. Sie, Laney, fahrt namlich mit einer weiteren Frau in einem Van durch die StraBen. Diese beiden versuchen Verwundeten zu helfen. Die drei verschiedenen Geschichten, die von Joe, der Senatorin und Laney treffen nach einer Weile zusammen und alle versuchen gemeinsam die Nacht zu uberleben und die Senatorin vor der NFFA zu beschutzen.

Die Gewalt in diesem Film ist sehr ausgepragt. Es gibt kaum Grenzen, alles wird gezeigt und das aus nachster Nahe. Wieso Gewalt im Film so gut bei einer Zuschauerschafft ankommt, wird im Folgenden beschrieben.

Die Gewalt im Film

Zunachst sollte die Definition von Gewalt beziehungsweise Gewalttatigkeit geklart werden. Paul Hugger beschreibt in seinem Buch „Gewalt - kulturelle Formen in Geschichte und Gegenwart“ (1995) diese wie folgt:

Das Wesen der Gewalt besteht darin, daB einem Individuum oder einer Gruppe ein Willensakt aufgezwungen wird, ungeachtet eines Einverstandnisses, und zwar aufgrund des Machtverhaltnisses, das zugunsten der gewaltausubenden Instanz oder des gewaltausubenden Individuums ausfallt. Gewalttatigkeit ware dann das bewuBte oder unbeabsichtigte Zufugen eines korperlichen oder seelischen Schadens, ohne daB eine gesellschaftliche Legitimation vorliegt. (22)

Bei dieser Definition geht Paul Hugger davon aus, dass Gewalttatigkeit von einer gesellschaftlichen Legitimation abhangt. Das bedeutet man geht von Gewalt aus, wenn ein Akt gesellschaftlich nicht Akzeptiert ist. Bezieht man das auf den Film „The Purge“, dann wurde es heiBen, dass die Gewalt sogar politisch Legalisiert wurde und ein groBer Teil der Menschen damit einverstanden ist, folglich ware es zumindest teilweise gesellschaftlich legitim. Was bedeuten wurde, dass die brutalen Morde, Foltermethoden, Vergewaltigungen etc. nicht unter den Begriff Gewalttatigkeit fallen wurde. Daruber lasst sich streiten, doch fur einen Zuschauer dieses Filmes sind all diese Akte nicht gesellschaftlich legitim und vor allem beschreiben diese alle das Zufugen von seelischen und korperlichen Schaden. Somit bleibt die Gewalttatigkeit der Morde zumindest fur den Zuschauer ein solcher Akt. Doch wieso mochte ein Betrachter solche grausamen Tatigkeiten auf einer Leinwand mitverfolgen? Dafur gibt es mehrere Erklarungen. Gewalt fasziniert und das schon seit Jahrzehnten, denn ein Film, kann anders als ein Buch die Realitat sehr gut darstellen. Ein Zuschauer sieht, wenn er einen Film schaut, eine Realitat die seiner sehr nahe kommt. Diese Verbindung lasst einen Betrachter mitfuhlen. Doch nicht nur das. Gewalt ist etwas, was zum menschlichen Leben und auch gewissermaBen zum Alltag dazu gehort. Gewalt ist nichts Abwegiges und schockierendes mehr. Es passiert und gehort auf dieser Welt dazu. (Fellner 2006, 42f.). Wird nun Gewalt im Film behandelt, bekommt der Zuschauer ein reales Bild zu sehen, in welches er sich hineinversetzten kann. Wenn diese gezeigte Gewalt zudem eine bedeutsame und wertvolle Reflexion des Lebens widerspiegelt, fasziniert sich der Betrachter dafur. So wird beispielsweise mit der Purge Reihe auch ausgesagt, dass wir Menschen zu allem in der Lage sind und uns das sogar SpaB machen kann. Diese Gefahr und Angst vor solch einem Szenario im echten Leben, die der Film darstellt, lasst den Menschen die Gewalt auf dem Bildschirm ertragen und sogar als wichtig empfinden. AuBerdem ist dies nicht das einzige Erfolgskonzept der Gewalt im Film. Denn es gibt vor Allem unter den jungen Leuten und mannlichen das Phanomen des „sensation seekers“. Diese Personen suchen eine intensive Gefuhlserfahrung. Sie wollen Filme sehen, welche unter die Haut gehen und sie auch selbst etwas spuren lassen. Ob diese Erfahrung nun positiv oder negativ ist, ist nicht von groBer Bedeutung. Es geht nur darum etwas intensiv zu spuren. Davon ganz abgesehen gehort Aggression zum menschlichen Wesen dazu und aus diesem Grund mochte er Gewalt im Film einfach sehen. (Jimenez 2013). Zudem beschaftigt sich ein Film nicht damit wie Zuschauer das Gezeigte verarbeiten, ob sie es schaffen damit umzugehen, sondern er beschaftigt sich mit dem Werk an sich, der Wirkstrategie und der Ausdrucksweise (Hugger 1995, 126). Somit ist die Gewalt im Film nicht etwas schlechtes, was als Aufgabe hat, das Leben der Zuschauer negativ zu beeinflussen. Ein Film ist ein in sich geschlossenes Werk, welches die Gewalt mit einbaut. Ein Zuschauer kann sich selbst dazu entscheiden sich dieses Phanomen anzugucken oder nicht.

Doch wie genau pragt sich die Gewalt im Film aus? Womit lassen die Bilder und Tone uns Zuschauer mitfuhlen, mit welchen Elementen also werden wir fasziniert oder erschuttert? Diese und andere Fragen werden nun in Bezug auf den Film „The Purge: Election Year“ (DeMonaco 2017) beantwortet.

Die Gewalt in „The Purge: Election Year“

Der Film wird mit dem Lied „20th Century Boy“ von T-Rex eingeleitet. Man hort im Hintergrund gedampfte Schreie und bekommt das elektronische Gerat zu sehen, von welchem das Lied abgespielt wird. Der Titel von der Playlist wechselt dann zum Nachsten: „Give Up The Funk“ von Original P. Der Zuschauer bekommt daraufhin langsam das ganze Szenario zu sehen. Zunachst wird der Maskierte vom Zuschauer erblickt. Dieser nickt zur Musik. Als nachstes wird eine blutuberstromte Frau gezeigt. Sie schaut auf ein eingerahmtes Familienfoto im Hintergrund. Der Geiselnehmer schwankt nun starker zur Musik und sagt, dass er sich Gedanken, um seine Purge Playlist gemacht habe, da er besonders das letzte Lied gut auswahlen wollte. Das ware nach ihm das einzige, was er fur sie tun konne. Der Zuschauer sieht in der Zwischenzeit eine ganze Familie, bestehend aus Mutter, Vater, Tochter und Sohn, gefesselt auf einer Couch sitzend. Alle sind mit Blut bedeckt und geben leise Tone von sich, da sie geknebelt sind. Der Mann auf dem Sessel beginnt zu erzahlen, dass sie alle genug Spiele gespielt haben und nun das letzte Spiel folgt: Die Mutter darf entscheiden, wer die Nacht uberlebt. Der Maskierte steht dann auf und die Mutter versucht zu schreien und bewegt sich auf dem Sofa hin und her. Die Szene endet mit einem schwarzen Bild. (TC: 00:01:00 - 00:02:38).

Der Zuschauer baut direkte Empathie mit der Familie auf, denn umso mehr eine Figur in den Blick tritt, desto mehr Empathie hat ein Zuschauer mit dieser (Hugger 1995, 127). So unterstutzen beispielsweise das Blut, das gedampfte Stohnen, das vor- und zuruck StoBen auf der Couch und die verangstlichen Augen die Anteilnahme der Zuschauer an den Opfern. Als die Frau auf der Couch gezeigt wird, kann man ihre Augen sehen und dass diese wohl etwas erblickt haben. Daraufhin wechselt die Kamera die Perspektive und der Betrachter kann zunachst das Gerat von welchem die Musik stammt wahrnehmen. Dann wird der Hintergrund scharf gezogen und man sieht ein eingerahmtes Familienfoto. Da das Kamerabild zudem nicht ruhig, sondern leicht schwankend ist, kann man davon ausgehen, dass der Zuschauer gerade das sieht, was die Frau zu erblicken schien. Er hat die Perspektive des Opfers eingenommen und kann dadurch noch mehr Mitgefuhl aufbauen beziehungsweise kann er sich in die Lage des Opfers versetzten. Das Familienfoto unterstutzt dies naturlich ungemein. Denn diese auf dem Foto glucklich scheinende Familie findet nun wahrscheinlich ihr Ende. AuBerdem wird das Gesicht der Frau in GroB- beziehungsweise Detailaufnahme gezeigt. Das schafft eine Verbindung mit der Realitat. Paul Hugger (1995) schreibt, dass solche Aufnahmen der Wirklichkeit ahneln (128). Damit wird das Empfinden des Zuschauers verstarkt, sei es in diesem Moment die Angst, das Mitgefuhl oder beides. Mit den Worten: „Wir haben eine Menge Purge Spiele gespielt“ (TC: 00:02:07) wird zudem auf den Folter Profi Jigsaw aus den Filmen „Saw“ hingedeutet. Da die meisten Zuschauer sich etwas unter diesen Filmen vorstellen konnen beziehungsweise nur mal gehort haben mit welcher Brutalitat es dort vor sich geht, konnen sie sich denken, dass der maskierte Geiselnehmer die Familie auf schreckliche Art und Weise gefoltert haben muss. Den Satz, welcher der Maskierte ausspricht, ist eine deutliche Anlehnung an die „Saw“ Horrorfilme. Diese Verbindung, die mit der Anlehnung aufgebaut wird, lasst den Zuschauer also zusatzliche Anteilnahme verspuren. Die Anteilnahme geht so weit, dass der Betrachter auch Angst verspurt, genau wie die Opfer. Mit der Frage „Wer von euch wird die diesjahrige Purge uberleben?“ (TC: 00:02:19) adressiert an die Mutter der Familie wird die Kaltherzigkeit des Taters nur noch mehr unterstrichen. Anstatt, dass dieser wie erwartet jeden einzelnen der vier Personen totet, tut dieser etwas auf mehreren Ebenen Schlimmeres. Denn die Mutter ist nun die Verantwortliche, welche uber Leben und Tod entscheidet. Der Tod an sich ist schon grausam genug, doch zu Uberleben und das alles miterlebt zu haben, die Familie von einem Unbekannten ermordet zu wissen, alles mit eigenen Augen gesehen zu haben, ist schon fast grausamer. Die Mutter muss nun eine moralisch fragwurdige Entscheidung treffen und der Rest der Familie will eigentlich nicht uberleben und dabei gleichzeitig erleben wie die restliche Familie unbarmherzig ermordet wird. Er, der Purger, schikaniert die Familie. Die ganzen Spielchen, welche er mit seinen Opfern spielt, lasst ihn als einen Psychopathen dastehen. Dieser Wahnsinn einer Person macht etwas moglich, was ohne diese Begrundung nicht denkbar ware: die Tat! (Kaufmann 1990, 65). Denn solche kaltblutigen Psychospielchen kann sich ein durchschnittlicher Mensch nicht vorstellen, schon gar nicht in der Realität. Doch betrachtet man die Figur, bemerkt man, dass diese wohl wahnsinnig ist und aus diesem Grund kann man ihr alles zutrauen. Die Angst, welche der Zuschauer vor diesem Wahnsinnigen verspürt wird unter anderem durch filmische Mittel erzeugt. Zum einen ist das Kamerabild nicht zentriert, sondern meist ein wenig schräg. Dies hat eine beängstigende Wirkung und steht für den Wahnsinn, den man als Zuschauer im Bild sieht. Doch nicht nur das, denn das Bild schwankt und verzerrt sich. All das betont den Schrecken und die Angst. Doch auch andere Sinnesorgane des Zuschauers werden angeregt. So ist ein wichtiges filmisches Mittel natürlich die Musik. So zu Beginn die Rock, Pop Musik, welche eigentlich nicht in solch ein Szenario passt. Doch nur den Effekt hat den Zuschauer zu verwirren und zu beängstigen. Denn augenscheinlich genießt der Purger die Lieder, denn er schwankt dazu und sagt sogar, dass er diese Playlist extra für diese Nacht angelegt hat. Dieser Wahnsinn, dass ein Mann vor einem Mord den Opfern gegenüber sitzt und dabei Musik hört und zu dieser tanzt, weil er sie genießt, ist furchteinflößend. Des Weiteren bedient sich diese Anfangsszene den typischen Horroreffekten. So wird zwischendurch ein weißes Bild kurz eingeblendet, ein hoher Ton untermalt diesen Effekt. Dies sorgt für einen kurzen Schauermoment, bei dem der Zuschauer gegebenenfalls erschreckt wird. Umso mehr sich die Szene zu Ende neigt, desto intensiver werden diese Effekte. Dadurch wird dem Zuschauer deutlich gemacht, dass der Maskierte bald seine Opfer ermorden wird, es also ernst wird. Intensiviert werden diese Effekte indem sie schneller aufeinander folgen und weitere für den Horrorfilm typische undefinierte synthetische Töne hinzugefügt werden. Diese werden zudem immer lauter und die Bilder werden härter aneinander geschnitten. Der Zuschauer wird regelrecht in Angst und Schrecken versetzt. Außerdem werden die Kamerabilder immer zittriger und auch der Kopf des Maskierten schwankt so schnell hin und her, dass er verschwimmt. Dies soll den Zuschauer den Wahnsinn noch deutlicher spüren lassen. Der Film hat mit dieser Einleitung schon solch eine Grausamkeit geschaffen ohne auch nur direkte Gewalt zu zeigen. Denn dieses Undurchschaubare und Unbarmherzige macht diese erste Szene so bedeutungsvoll. Vor allem, weil dieser Psychopath am Morgen sein wahrscheinlich ganz normales Leben fortsetzten kann und ihn keiner als einen Wahnsinnigen sehen würde. Dieses Abnormale ist das, was dem Zuschauer unter anderem solch eine Angst macht. Zudem es so nah an der Realität ist, denn der Film hilft sich nicht mit Fantasy Elementen. Er ist so aufgebaut, als könnte all das, was der Zuschauer dort auf der Leinwand sieht, in Wirklichkeit passieren. Diese 10 Nähe zur Realität löst Angst aus. Somit fasst diese Einleitung sehr gut die noch folgende erbarmungslose Brutalität in diesem Film zusammen.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ritual und Gewalt im Film am Beispiel "The Purge: Election Year". Kostümierung und Maske
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Medienkultur und Theater)
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V1041926
ISBN (eBook)
9783346468451
ISBN (Buch)
9783346468468
Sprache
Deutsch
Schlagworte
The Purge, Election Year, The Purge: Election Year, Gewalt im Film, Ritual im Film, Säuberung, Filmanalyse, The Purge Analyse, The Purge Die Säuberung, James DeMonaco
Arbeit zitieren
Jelena Vujicic (Autor:in), 2018, Ritual und Gewalt im Film am Beispiel "The Purge: Election Year". Kostümierung und Maske, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1041926

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