Sakramente sind Zeichen des heilend handelden, also lebendigen Gottes, der mit uns so umgehen will, wie Jesus es getan hat, als er Menschen berührte, mit ihnen zusammen war, Mahl hielt und redete. Deshalb sind auch die Sakramente nicht als statische Zeichen zu sehen, sondern sie bilden kommunikative Handlungen.1Dazu gehören nonverbale und verbale Anteile. Das Nonverbale, also z.B. das Salben mit Öl, das Austeilen des Brotes, das Waschen der Füße, das Handauflegen und das Handreichen, ist nicht etwas Nebensächliches, sondern konstitutiv, weil hier das Beziehungshandeln Gottes und der Kirche auflebt. Dazu kommt das Wort, das das Nonverbale nicht einfach nur klarstellt, sondern komplementär ergänzt. Handlung und Wort legen sich gegenseitig aus. Beziehungs- und Inhaltsaspekt sind auch bei der Kommunikationsform der Sakramente nicht voneinander zu trennen. Und auch hier gilt, was von jedem Heilvorgang zu sagen ist: Ohne gelungene Kommunikation keine Heilung [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Heilende Sakramente - heilende Liturgie
1.1 Zeichen der Kommunikation
1.2 “Ich habe keine anderen Hände als die eueren”
2 Handauflegung im Alten Testament
2.1 Bevollmächtigung für ein Amt
2.2 Tieropfer
2.3 Sündenbockritus
2.4 Bezeugung einer Gotteslästerung
2.5 Segen
3 Handauflegung im Neuen Testament
3.1 Handauflegung als Heilungs- und Segensgestus
3.2 Amtliche Bevollmächtigung
3.3 Christliche Initiation
4 Handauflegung in der Liturgie
4.1 Taufe
4.2 Firmung
4.3 Eucharistie
4.4 Bußsakrament
4.5 Krankensalbung
4.6 Weihe
4.7 Ehe
5 Handauflegung als alternatives Heilverfahren
5.1 Begriff und Wesen der Geistheilung
5.2 Therapeutic Touch
5.3 Reiki
6 Handauflegen in der pastoralen Praxis
6.1 Die “Geschichte des Beichtstuhls”
6.2 Wiederbelebung alter Formen des Handauflegens
Beispiel 1: Die Feier der Versöhnung für Einzelne
Beispiel 2: Der Segen am Ende des Gottesdienstes
Beispiel 3: Kommunionfeiern mit Kranken
Beispiel 4: Firmerneuerung
Beispiel 5: Handauflegung als katechetische Einheit
Beispiel 6: Abschiednehmen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Ritus der Handauflegung in seiner biblischen Fundierung, liturgischen Bedeutung sowie als Ausdrucksform für Heilung. Das primäre Ziel ist es, den Wert dieses nonverbalen Gestus als Zeichen der heilenden Nähe Gottes aufzuzeigen und praktische Wege für seine Anwendung in der pastoralen Praxis zu entwickeln.
- Historische und biblische Fundierung der Handauflegung im Alten und Neuen Testament.
- Liturgische Einordnung des Handauflegens in den Sakramenten der römisch-katholischen Kirche.
- Analyse von alternativen Heilverfahren wie "Therapeutic Touch" und "Reiki" in ihrem Bezug zur Handauflegung.
- Integration verloren gegangener Formen der Handauflegung in den modernen pastoralen Dienst.
- Praktische Anwendungsbeispiele für die Handauflegung in der Versöhnungsfeier, Krankenseelsorge und bei Begräbnissen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Zeichen der Kommunikation
Das Handauflegen, diese einfache, über die ganze Erde hin bekannte Geste, gehört zu den großen, bedeutungsvollen Zeichen der Kommunikation zwischen Menschen. Wo zwei nebeneinanderstehende Menschen sich grüßen oder verbinden, legen sie ihre Hände ineinander. Im profanen Bereich wird durch die Hand die Beziehung zwischen Person und Sache (Besitzergreifung) oder zwischen Person und Person (Schutz- bzw. Untertanenverhältnis) zum Ausdruck gebracht. Religiös gesehen weist das Handauflegen auf den Übergang einer Kraft bzw. einer Vollmacht von dem einen zum anderen hin. Es kann mit einer oder mit beiden Händen geschehen, wobei der Empfangende in der Regel kniet oder sitzt, der die Hand Auflegende steht. Für die Handauflegung wesentlich ist neben der Herstellung persönlicher Verbundenheit, die bei der Segnung einer größeren Menschenmenge durch Aufheben der Hände ersetzt wird, das Gebet, durch das Kraft und Segen Gottes übertragen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Heilende Sakramente - heilende Liturgie: Die Einleitung definiert Sakramente als kommunikative Handlungen, bei denen nonverbale Gesten wie die Handauflegung konstitutiv für das heilsame Beziehungshandeln Gottes sind.
2 Handauflegung im Alten Testament: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen biblischen Bedeutungen der Handauflegung, von der Bevollmächtigung für Ämter über Opferrituale bis hin zur Segensgeste.
3 Handauflegung im Neuen Testament: Hier wird untersucht, wie Jesus die Handauflegung als Ausdruck seines göttlichen Heilshandelns einsetzt und wie diese Praxis von den Jüngern zur Krankenheilung und Ämtereinsetzung übernommen wurde.
4 Handauflegung in der Liturgie: Eine Übersicht über die Einbettung der Handauflegung in die verschiedenen Sakramente der heutigen römisch-katholischen Kirche, von der Taufe bis zur Weihe.
5 Handauflegung als alternatives Heilverfahren: Das Kapitel vergleicht den christlichen Ritus mit esoterischen oder naturheilkundlichen Methoden wie "Therapeutic Touch" und "Reiki" unter dem Aspekt der bioenergetischen Heilung.
6 Handauflegen in der pastoralen Praxis: Der Autor reflektiert über das Verschwinden der Handauflegung durch die historische Entwicklung des Beichtstuhls und plädiert für eine bewusste Wiederbelebung dieses Gestus.
Schlüsselwörter
Handauflegung, Sakramente, Liturgie, Heilung, Geistheilung, Pastorale Praxis, Segensgestus, Therapeutische Berührung, Reiki, Altes Testament, Neues Testament, Kommunikation, Versöhnung, Symbolik, Gebet
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Handauflegung als ein zentrales, nonverbales Kommunikationszeichen zwischen Gott und Mensch sowie innerhalb der zwischenmenschlichen Seelsorge.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der biblischen Exegese, der liturgiewissenschaftlichen Einordnung, dem Vergleich mit modernen Heilmethoden und der konkreten pastoralen Anwendung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Gestus der Handauflegung als kraftvolles und heilsames Element des Glaubens neu zu entdecken und durch praktische Handreichungen wieder stärker in die kirchliche Praxis zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus biblisch-theologischer Untersuchung, liturgischer Analyse sowie einer vergleichenden Betrachtung aktueller alternativer Heilformen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biblische Fundierung, die liturgische Standortbestimmung, eine Auseinandersetzung mit Naturheilkunde und eine ausführliche Sammlung praxisnaher Beispiele für Seelsorger.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Handauflegung, Heilung, Liturgie, Sakramente, pastorale Praxis und Gebet definiert.
Warum wird die Geschichte des Beichtstuhls thematisiert?
Die Geschichte des Beichtstuhls dient als Beispiel für eine kirchliche Fehlentwicklung, die durch die Trennung von Beichtvater und Pönitent den leibhaftigen Kontakt und damit die Geste der Handauflegung verdrängt hat.
Wie wird der Bogen zwischen christlicher Tradition und alternativen Methoden geschlagen?
Der Autor untersucht das zugrunde liegende Bedürfnis nach heilsamer menschlicher Zuwendung in beiden Bereichen und sucht nach Wegen, wie christliche Traditionen von modernen Erkenntnissen zur Energiearbeit und körperlichen Zuwendung profitieren können.
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- Markus Frohn (Author), 2000, Die Handauflegung als Zeichen der heilenden Nähe Gottes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10419