Machtstrukturen im elektronischen Raum


Seminararbeit, 2001

22 Seiten


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Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

1.1 Computer und Netzwerke

1.2 Veränderung der Kommunikationsformen

1.3 Entstehungsgeschichte des Internet

1.4 Das individualisierte Massenmedium

2. Polarisierungen

2.1 Hacktivism

2.2 New Economy

3. Elektronischer Raum und Macht

3.1 Reale Standorte

3.2 Neue Geographie der Zentralität

3.3 Cyber-Segmentierungen

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Literatur

6. Links

7. Fussnoten

1. Einleitung

Telekommunikation wird vielfach als Motor der Globalisierung betrachtet. Durch das globale Kommunikationswesen komme es zu einem Austausch und zu einer Veränderung von Werten und zur Vernetzung von Kulturen. Hoffnungen auf die weltweite Durchsetzung von Demokratie und Menschenrechte gründen auf den Vermittlungsleistungen von Kommunikationsmedien. In dieser Hausarbeit für das Seminar "Kulturelle Globalisierung" soll das Internet, als Teilbereich von Telekommunikation in dieser Hinsicht beleuchtet werden. Gerade in der Debatte um das Veränderungspotential des Neuen Mediums existieren völlig unterschiedliche Visionen - Enthusiasten und Kritikern stehen sich extrem polarisiert gegenüber. Nach einer Einführung zur Entstehungsgeschichte und technischen Interpretationen des Internet sollen exemplarisch die Position von Computer-Hackern und "New Economy" charakterisiert und verglichen werden. Eine differenziertere Analyse des elektronischen Raums und seiner Machtstrukturen bildet als Synthese den dritten Teil.

1.1 Computer und Netzwerke

Der Computer hat das moderne Leben revolutioniert wie kaum eine andere Maschine; er hat alle Bereiche von Arbeit, Kommunikation und Information so sehr verändert, daß sie ohne ihn schlicht unvorstellbar geworden sind. Ohne Zweifel ist er eine der zentralen Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Mit der rasanten Entwicklung des Computers innerhalb der letzten 50 bis 60 Jahre war auch ein stetiger Wandel der gesellschaftlichen Wahrnehmung der "Universalmaschine" (Alan M. Turing) verbunden.

1936 hat der englische Mathematiker Turing in einer berühmten These die Behauptung aufgestellt, daß jedes Handeln, das einer klaren Vorschrift folgt, auch von einer Maschine ausgeführt, d.h. mechanisiert werden kann. Diese "algorithmische" Verwurzelung in der Mathematik und Mechanik sollten das Bild des Computers als "Rechenmaschine" bis weit in die 70er Jahre definieren. Der "Rechner" sollte die manuellen Rechentätigkeiten ergänzen bzw. deren Fehlerhaftigkeit korrigieren. Das Prädikat übermenschlicher Rationalität und Unfehlbarkeit der tonnenschweren, unnahbaren und anonymen Großrechner spiegelte sich damals unter anderem in Stanley Kubricks Sience-Fiction-Film "2001: Odyssee im Weltraum" aus dem Jahre 1968. Gleichzeitig manifestierte sich die wachsende Angst vor einem intelligenten und emotionalen, den Menschen überflüssig machenden Computer in "HAL 9000", dessen Initialen um jeweils einen Buchstaben im Alphabet nach hinten versetzt, IBM ergeben.

In der neuen Epoche der Personal Computer seit Mitte der 70er Jahre, als beispielsweise der "Apple II", als erster Computer mit einer graphischen Oberfläche direkt die individuellen Arbeitsplätze zu kolonialisieren begann, verstärkte sich bei weiten Teilen der Betroffenen der Eindruck einer ungleichen Konkurrenzsituation. In den 80er Jahren verkörperte der allmächtige und dominante Computer allgemein die Bedrohung durch technische Rationalisierung. Seine zunehmende Präsenz im Alltag schuf so eine Art neues "abstrakt-technisches" Feindbild. In den Kinofilmen "War Games" von John Badham aus dem Jahre 1983 und "Terminator" von James Cameron von 1984 wird die Angst vor einem zunehmenden Kontrollverlust an bzw. über die Computer mit eigenem intelligenten Bewußtsein thematisiert und zu einem unausweichlichen Überlebenskampf zwischen den Menschen und autonomen computergesteuerten Killermaschinen hochstilisiert.

Mit der vorerst letzten absehbaren Etappe der Computerentwicklung, der Vernetzung der "Rechner" und dem Durchbruch des Internet Anfang der 90er, Jahre entsteht ein neues Bewußtsein gegenüber der Universalmaschine: der Computer als Medium, mit eher neutralen und wertfreien Eigenschaften, ähnlich dem Telefon oder Telefax. In dieser neuen Rolle wird der Computer endgültig aus seiner mathematisch- ökonomischen Herkunft herausgelöst, vom Untersuchungsobjekt der Arbeitssoziologie zum Gegenstand von Kommunikationswissenschaft und Ästhetik. In einer eher positiven Konnotation wird der Computer im Zuge der neuen Technikbegeisterung zum Symbol einer neuen Wissens- und Informationsgesellschaft.

1.2 Veränderung der Kommunikationsformen

Mit der Interaktivität des Cyberspace, die tendenziell traditionelle Macht- und damit gesellschaftliche Verhältnisse fundamental in Frage zu stellen scheint - denn "die Tatsache, daß die Bürger die gleichen Möglichkeiten technischer Kommunikation besitzen wie die sie Regierenden, trägt [...] anarchistische Züge" 1 - gehen Diskussio- nen um die Veränderung öffentlicher und privater Kommunikation einher. So werden die Computernetzwerke in jüngster Zeit vor allem im Zeichen der Globalisierung auch Forschungsgegenstand der Soziologie und der Politikwissenschaft. 2

Spekulative Trendanalysen, historische Quellenforschungen und phänomenologische Szenarien konturieren deutlich den von manchen Sozialwissenschaften zunächst nur widerstrebend akzeptierten Sachverhalt, daß es der medialen Vermittlung durch Technologien eigen ist, den Wandel von Kultur und Gesellschaft zu prägen, zu befördern oder gar zu begründen. Die Frage nach dem Status der (neuen) Medien verdichtete sich in den letzten Jahren zu einer kulturwissenschaftlichen Problemstellung ersten Ranges. 3

So identifizierte der renommierte Medienphilosoph Vilém Flusser in den Computerterminals mit reversiblen Kabeln die Portale eines Kommunikationsschaltplanes, in dem jeder Beteiligte das Zentrum des Dialogs darstellt. Für Flusser waren "nicht der Mensch, und auch nicht die Gesellschaft, sondern das Beziehungsfeld, das Netz der intersubjektiven Relationen, [...] das Konkrete." 4 Kommunikation galt als Infrastruktur jeglicher Art von Gesellschaft. Aus dieser dialogischen, d.h. informationserzeugenden Kommunikation der Netzstruktur resultiere die Verwirklichung einer gleichberechtigten Informationsgesellschaft. In technischer wie auch sozialer Hinsicht ist "das Netz [...] sozusagen Anfang und Ende aller Kommunikation." 5

1.3 Entstehungsgeschichte des Internet

Das Internet wird als die Mutter aller Computernetze bezeichnet. Im Jahre 1962 wurde die Advanced Research Project Agency (ARPA) als eine interne Unterabteilung des US-Verteidigungsministeriums ins Leben gerufen. Deren Aufgabe war es, Verfahren zur Verbindung voneinander entfernt stehender Computer und zum Teamwork von an verschiedenen Orten befindlichen Mitgliedern von Arbeitsgruppen zu entwickeln. Als fünf Jahre nach dem russischen Sputnik-Start die Raketen-Krise um Kuba die Angst vor einem Nuklearkrieg wachsen ließ, tauchte die Frage auf, wie im Falle eines nuklearen Angriffs die militärisch und politisch notwendige Kommunikation gewährleistet werden könne.

Die Antwort darauf war die Idee, die in den Netzwerken versandte digitalisierte Information in einzelne "Pakete" aufzuteilen und sie, jeweils mit den Zielinformationen versehen, auf den Weg zu schicken, von Knotenpunkt zu Knotenpunkt, bis sie, auf unterschiedlichen Wegen zum Ziel gelangt, dort wieder zusammengesetzt werden konnten. Der zwischenzeitliche Ausfall eines oder mehrerer Knotenpunkte würde so nicht zu einem totalen Informationsverlust führen. Mit der Entwicklung eines gemeinsamen "Protokolls" (IP) zum Datenaustausch, wurde es möglich, daß einzelne Rechner in verschiedenen Netzwerken miteinander kommunizieren. Anfang der 70er Jahre waren diese technischen Standards verwirklicht und damit das Internet - also die Vernetzung von Netzwerken - geschaffen.

Als Kind des kalten Krieges ursprünglich auf die USA konzentriert, breitete sich das Internet auch international immer weiter aus. Das rapide Wachstum des Internet führte zu seiner Zivilisierung, längst ist es dem militärischen Bereich entschlüpft: Die Möglichkeit der Übermittlung persönlicher Nachrichten und Daten - "electronic mail" - war ursprünglich nur ein kurioses Nebenprodukt, das bald jedoch zu einem Hauptanliegen der Betroffenen wurde. Dieses Bedürfnis nach individuellem Datenaustausch war besonders bei international kooperierenden Wissenschaftlern ausgeprägt. So ist es auch kein Zufall, daß die Idee zum "World Wide Web" im europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf geboren wurde, wo das Bedürfnis nach internationaler Kommunikation besonders stark vorhanden war. Das "Web" machte es möglich, Informationen abzuspeichern und über das Internet abzurufen. Seine Hypertext-Struktur erlaubt das Erstellen nicht-hierarchischer Querverbindungen zu anderen Informationsquellen. Damit war die Faszination des "Web" mit seiner Einladung zum "Surfen" geschaffen. Die Entwicklung des "Web", technisch gefördert durch die Bereitstellung immer einfacher zu benutzender Anwenderprogramme, schuf die kritische Masse an Informationen und NutzerInnen für die wahre Explosion des Internet in den 90er Jahren.

Schaubild 1: Wachstum der DE-Domains

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Erklärung: Für Electronic Mail ist lediglich ein sog. Mail-eXchanger-Dienst (MX-Einträge) notwendig, ohne als Nameserver registriert sein zu müssen. Quelle: DENIC eG (http://www.denic.de).

1.4 Das individualisierte Massenmedium

Das Internet bietet sich als globales Computernetz für verschiedene mediale Interpretationen an: Wolfgang Coy, Professor für Informatik an der Humboldt- Universität in Berlin unterscheidet drei wesentliche Eigenschaften des neuen Mediums: 6

- Das Internet als globales Archiv und universelles Speichermedium, das alle bisherigen medialen Formen simuliert und umfaßt: Hier bestehen Zugriffsmöglichkeiten auf Texte, Bilder, Graphiken, Animationen, Töne, Sprache, Musik, Video, Film. Somit ist es "der Stoff aus dem die Medien sind."7
- Das allseits zugängliche vernetzte Speichermedium kann gleichzeitig als kommunikatives Medium dienen: Nicht nur als Massenmedium, wie Rundfunk oder Zeitung, sondern auch als zeitweilig schaltbare Punkt-zu-Punkt- Verknüpfung wie das Telefon oder ein Brief.
- Technisch sind auch völlig neue mediale Formen realisierbar: die relativ kleinen Schreib- und Lesezirkel der E-mail-Listen, die Mitglieder von Newsgroups und die MUDs (Multi-User-Domains), wo sich eine ständig wechselnde Anzahl, in Echtzeit verbundener, TeilnehmerInnen treffen kann. Sie sind originäre Schöpfungen des Netz. In diesen gleichzeitigen, aber weltweit verteilten Chat-Gruppen mag man das Global Village von Herbert Marshall McLuhan sehen. 8

So erscheint das Netz als Cross-Over-Medium, das zum offenen Fernsehkanal wird, der gleichzeitig als Telephon, Schreib- oder Briefmaschine, Bibliothekskatalog, Plattenspieler, Fotoalbum, Rundfunkstation, Nachrichtenkanal oder Spielkonsole nutzbar gemacht werden kann. Coy spricht von einem interaktiven und "individualisierten Massenmedium, das auf Wunsch so intim wie ein Brief oder ein Telefongespräch wird." 9

Indem das Internet als individualisiertes Massenmedium die Kapazitäten der alten Informations- und Kommunikationstechnologien bündelt, kann es alles, was diese können und genau diese Synergie ist es, die das "Mehr" ausmacht. Wie und wohin sich das Netz der Netze in Zukunft entwickeln wird, ist allerdings ein Prozeß mit offenem Ausgang. Die Zahlen, die über Nutzer und Nutzung im Umlauf sind, weichen stark voneinander ab und die Szenarien, die Voraussagen für zwei, fünf oder gar dreißig Jahre zu treffen versuchen, weisen naturgemäß große Fehlerquellen auf. Die Zahl der Anschlüsse, Hosts und Nutzer veranschaulicht zwar das exponentielle Wachstum des Internet, sagt aber vergleichsweise wenig über zukünftige sozio- technische Entwicklungen aus.

Schaubild 2: Wachstum des Internet

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Erklärung: Das Internet Software Consortium entschied 1997, die Zählung der Internet-Hosts nach einem genaueren Verfahren (blauer Kurvenverlauf) durchzuführen. Quelle: Internet Software Consortium (http://www.isc.org).

2. Polarisierungen

Die neuen Medien gehören ohne Zweifel zu den wichtigsten Schrittmachern der wirtschaftlichen und kulturellen Globalisierung. "Die Innovationen im Bereich Telekommunikation schaffen eine Grundlage für die Globalisierung insbesondere der Wirtschaft." 10 Gleichzeitig lassen die neuen kommunikationstechnischen Potentiale hoffen, "daß Ideen - politischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Art - immer schneller diffundieren und Wissensvorsprünge erodieren." 11 Die Debatte um die Veränderungen von Kommunikationsstrukturen durch die neuen Medien, beispielsweise in bezug auf ihren Einfluß auf die Demokratie zeichnet sich jedoch durch einen hohen Grad an Polarisierung aus: Enthusiasten wie Kritiker sehen alle möglichen Versprechungen und Gefahren durch die neuen Medien heraufziehen. Es existieren völlig unterschiedliche Visionen über die Zukunft den neuen Informationstechnologien, insbesondere der elektronischen Netzwerke:

- Auf der einen Seite sind die neuen Instrumente aufregende und unvergleichliche Mittel, die helfen können, den uralten Traum von menschlicher Solidarität und individueller kultureller Bereicherung zu verwirklichen: Technologie ist jener Schlüsselfaktor, der pädagogische, kulturelle und soziale Bedürfnisse in bisher unbekanntem Ausmaß befriedigen kann.
- Die zweite Vision ist rein kommerziell ausgerichtet: Die Nutzung der neuen Informationstechnologien verspricht auf globaler Ebene enorme wirtschaftliche Vorteile. Die Vertreter dieser Meinung brechen angesichts der spektakulären grenzenlosen Möglichkeiten und neuen Vermarktungschancen in einen regelrechten Enthusiasmus aus. 12

Im folgenden sollen diese Polarisierungen anhand der gegensätzlichen Positionen von Computer-Hackern und VertreterInnen der "New Economy" verdeutlicht werden.

2.1 Hacktivism

Nach und nach trennten sich die drei Kulturen, die die Anfänge des Internet prägten - die militärische, die akademische und die sogenannten Computer-Freaks. Der militärische Bereich ist nach wie vor rudimentär mit dem Netz verbunden, allerdings unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Die Computer-SpezialistInnen bastelten weiter und schufen mit atemberaubender Innovation die Kultur und vielen Werkzeuge, die das Netz zu dem gemacht haben, was es heute ist - ein Netzwerk von Netzwerken.

Hacker, ForscherInnen und AkademikerInnen bildeten so die erste Generation der Netzbürger. Die Bezeichnung Hacker wurde ursprünglich für die StudentInnen des MIT geprägt, die besonders komplexe Programme schrieben. Indem Hacker später angeblich sichere Computersysteme knackten, machten sie eine breitere Öffentlichkeit auf Probleme des Datenschutzes aufmerksam. Als Mitte der 80er Jahre ein Vorstandsmitglied des Hamburger Chaos Computer Clubs wegen Industriespionage angeklagt (und freigesprochen) wurde, etablierte sich in Deutschland das Bild vom Hacker als "Computerspion".

Das Hacken und die Hacker-Moral haben das Netz aufgebaut: Hacken ist im Grunde genommen das Herumbasteln mit etwas, das bereits existiert, mit dem Ziel, es zu verbessern. Praktisch die gesamte Software im Netz ist das Ergebnis jahrelangen

Hackens von ProgrammiererInnen aller verschiedenen Talentstufen. Im ursprünglichen Sinn aber ist jeder ein Hacker, der eine PC-Tastatur bedient. Von Anfang an war mit dem Hacken auch die Demonstration der eigenen Fähigkeiten und Macht verbunden. Um Ruhm und Ehre zu erhalten und sich in der Szene einen Namen zu verschaffen, wurden und werden immer wieder Internetsites und Computersysteme "gecrackt". 13 Dabei ging es eher selten um politische Botschaften. In jüngster Zeit ist jedoch eine gewisse Politisierung von Teilen der Hacker-Szene zu verzeichnen.

Exemplarisch sei hier die Electronic Frontier Foundation erwähnt, die von John Perry Barlow und Mitch Kapor als Beitrag zur Kultivierung des elektronischen Datenraums gegründet wurde. Dabei nahmen sie Anleihen bei der Mythologie des Wilden Westen, der historischen Grenze zwischen Wildnis und amerikanischer Zivilisation und modifizierten diese für den neuen elektronischen Grenzbereich:

"Die EFF wurde gegründet um zu einer Zivilisation der elektronischen Grenzbereichs beizutragen, um ihn nicht nur für eine technische Elite, sondern für jedermann zugänglich und nützlich zu machen, und dies unter Berücksichtigung der besten Traditionen unserer Gesellschaft im Hinblick auf freie Information und Kommunikation." 14

Konkret war damit gemeint, daß die Interessen und Rechte der BenutzerInnen des elektronischen Raums durch Aufklärung und Rechtsbeistand gegen Übergriffe staatlicher und wirtschaftlicher Mächte geschützt und die neuen interaktiven Medien der breiten Masse zugänglich gemacht werden sollten.

Radikalere VertreterInnen des neuen politisch motivierten "Hacktivism" rufen aber auch offen zu Attacken gegen Ziele im Regierungs-, Militär- und Wirtschaftsbereich auf. So organisierten 1998 und 1999 Online-AktivistInnen, die mit den Zapatistas und ihrem Freiheitskampf im mexikanischen Chiapas sympathisieren, "virtuelle Sit-ins", bei denen mexikanische Regierungs-Sites lahmgelegt wurden. 15 Zu diesen Aktionen wurde im Internet öffentlich aufgerufen, um eine möglichst große Anzahl von "Cyber-DemonstrantInnen" zu erreichen. Auch bei den Distributed-Denial-of- Service-Attacken (DDoS) 16 Anfang diesen Jahres auf kommerzielle Sites wie Yahoo.com, Buy.com oder CNN.com werden als Hintergründe Proteste gegen die fortschreitende Kommerzialisierung des Internet vermutet. Jedoch verliefen diese Proteste nach traditioneller Hacker-Manier, aus dem Verborgenen mit dem Schutz der Anonymität.

Die technische Struktur des Internet und ihre Gestaltung, der "offene Quellcode" reflektiert also die romantischen Vorstellungen der "HacktivistInnen" von grenzenloser Freiheit, basisdemokratischer Gleichberechtigung, Machtverteilung und offenem Zugang zu und freier Nutzung von Information. Der Traum der Pioniere und Hacker von der undomestizierbaren Anarchie der Netze und der universalen Verbundenheit aller mit allen entstand aus ihren Erfahrungen in der ersten frühen Ära des Internet, verkörpert in der "Declaration of the Independence of Cyberspace" durch John Perry Barlow. 17

2.2 New Economy

Anfangs waren digitale Inhalte im Netz ohne Einschränkungen von jedem Ort der Welt abrufbar, kopierbar, zitierbar und nutzbar. Für WissenschaftlerInnen, die mit als erste das Web nutzten, machte das Sinn - lebt doch Forschung letztlich von der freien Verfügbarkeit ihrer Ergebnisse, die so geprüft, ergänzt und korrigiert werden können. Diese freie Verfügbarkeit der Inhalte ist aber der Alptraum aller Unternehmen, die mit Inhalten ihr Geld verdienen wollen.

Diese Unternehmen, sog. "Content-Provider" werden also ein großes Interesse daran haben, die Technologie so zu gestalten, daß das Netz zu einem perfekten ökonomisch-ausgerichteten Distributionsmittel für alle Inhalte wird. "Es ist kein Zufall, dass in den vergangenen Jahren Technologien zur eindeutigen Identifizierung von Nutzern und für sichere Geldtransfers im Netz boomen." 18 In diesem Kontext gilt also auch: Die Struktur des Internet beruht nicht auf einem Naturgesetz, der Code ist veränderbar. "Im Laufe der letzten Jahre scheint sich das Netz mit dem quasi über Nacht entstandenen World Wide Web seinen eigenen Markt geschaffen zu haben, und es ist jetzt, trotz des Gejammers vieler Alteingesessener, bereit für das Geschäft." 19

In diesem Zusammenhang verwundert auch die wachsende Lobbyarbeit der neuen Medienunternehmen bei der Politik nicht. Diese Einflußnahme zeichnet sich zur Zeit beispielsweise deutlich im US-amerikanischen Wahlkampf ab. Die Spitzenkandidaten beider großen Parteien versprechen, alles für die "New Economy" zu tun, "die Politik rund um Fragen der Netzregulierung und zur Förderung der New Economy ist ein Thema, dem beide Kandidaten und ihre Parteien eigene Kapitel in ihren Programmen widmen." 20 So sollen auf der einen Seite der "Jobmaschine Internet" durch Regierungen keine neuen und unnötigen Regulierungen, bürokratische Prozeduren oder neue Zölle und Steuern aufgebürdet werden, damit sich die kommerziellen Aktivitäten weiter frei entfalten können. Andererseits soll gleichzeitig gegen "Cybergefahren", wie sie von bösartigen Crackern und VirenprogrammiererInnen ausgehen, vorgegangen werden und straffere Gesetze zur Regelung des "intellektuellen Eigentums" und Urheberrechts durchgesetzt werden. "Überall gibt man sich Business freundlich und übersieht gleichzeitig im Kampf gegen Netzpiraten, Hacker und Cyber-Terroristen, dass durch neue Überwachungsmaßnahmen Bürgerrechte in Gefahr geraten. Filter werden trotz ihrer umstrittenen Wirksamkeit als Regulierungsmaßnahmen in Kauf genommen." 21 So scheinen die jeweils geplanten Regulierungen bzw. Nicht-Regulierungen weitgehend an den Interessen der "Dot-Com-Ökonomie" orientiert. Der Politik scheint hierbei nicht mehr die Rolle des unmittelbaren Zensors zu zukommen; statt dessen dient sie der Medienindustrie als Steigbügelhalter, indem sie einen straf- und urheberrechtlichen Rahmen für die zensierenden Eingriffe der Wirtschaftsgrößen schafft.

Einen Vorgeschmack auf das durchregulierte Internet des Zukunft gibt Lawrence Lessig, Cyberlaw-Professor an der Harvard University zufolge, der Online-Dienst AOL: 22 Das Unternehmen zeichne jeden Platz auf, den ein Abonnent besucht, registriere den gesamten E-mail-Verkehr, überwache die Kommunikation in den Chat-Rooms und führe Buch darüber, was jemand wo einkaufe. Es gebe bei AOL auch keinen öffentlichen Versammlungsort, keine Agora, keinen zentralen Ort des Protests: In den Chat-Rooms könne man sich zwar mit anderen Usern unterhalten, mehr als 23 passen aber nicht gleichzeitig in einen Raum. Zahlreiche Nachrichtenbretter und Diskussionsforen seien ebenfalls zugänglich - aber kein einziges beschäftige sich mit Themen, die AOL selbst betreffen. Metakommunikation ist innerhalb des Dienstes nicht erwünscht. Den Managern der "Kleinstadt", als die sich AOL gerne definiert, kommt damit eine enorme Regulierungsmacht zu. 23

Ein Vorteil der Struktur des Online-Dienstes ist die Möglichkeit, eindeutig zu erfassen, wer welche Inhalte wie verwendet:

"Es ist für AOL einfacher, die Nutzer zu identifizieren als für andere Nutzer. Es ist für sie einfacher, zu allen Mitgliedern zu sprechen, als für die Mitglieder, sich gegen AOLs Sichtweise und Regulierung zur Wehr zu setzen. Es ist für AOL einfacher, Produkte zu vermarkten als für den einzelnen, sich zu verstecken." 24

Durch die Umgestaltung des Codes verschwindet die "eingebaute Freiheit" des Netzes, es Netz verwandelt sich in einen Ort, an dem Kontrolle noch perfekter als in der realen Welt möglich ist. Als besonderes Problem erscheint dabei, daß die Ausübung dieser Kontrolle nicht durch demokratisch legitimierte Instanzen, sondern durch große Unternehmen wahrgenommen wird. Benjamin R. Barber, Professor für Politikwissenschaft an der Rutgers University in New Brunswick betont in diesem Zusammenhang den Umstand, daß Unternehmen generell einzig und allein auf die Sicherstellung maximalen Profits ausgerichtet sind und erklärt: "Eine kommerzielle Kultur wird notwendigerweise eine kommerzialisierte Technologie ausbilden." 25

3. Elektronischer Raum und Macht

Eine differenziertere Analyse, die neben den Chancen auch mögliche Risiken und Fehleinschätzungen identifiziert, leistet Saskia Sassen, Professorin für Stadtplanung an der Columbia University in New York, in einem Essay über elektronische Räume und Macht. 26 Ausgangspunkt für ihre kritische Untersuchung ist die weitverbreitete Auffassung, der elektronische Raum sei ein rein technologisches Ereignis und damit selbstgenügsam und neutral. Nach Sassen übersieht eine solche technologische Auffassung, wie sehr der elektronische Raum in eine größere gesellschaftliche Dynamik eingebettet ist, die durch Macht, Konzentration und Wettbewerb, aber auch durch Offenheit und Dezentralisierung geprägt ist.

"Zwar wissen wir mittlerweile, dass die spezifischen Eigenschaften des Internets teilweise das Ergebnis jener frühen Hacker-Kultur sind, deren Software die Offenheit und Dezentralisierung des Netzes zu stärken und universal verfügbar zu machen versuchte. Zugleich aber können wir in den letzten Jahren, seit die Geschäftswelt das Netz entdeckt hat, deutlich ihre Versuche beobachten, es zu kommerzialisieren, z.B. durch Software-Entwicklungen, welche die Eigenschaften des Netzes ökonomisch ausnutzen sollen oder durch die Ausdehnung des Urheberrechts - und wir erkennen darin, mit anderen Worten, das genaue Gegenteil der frühen Hacker-Kultur." 27

Diese Entwicklungen erforderten ein neues Denken des elektronischen Raums: Die Polarisierung zwischen Internet-RomantikerInnen auf der einen Seite und der Logik von Markt und Geschäft auf der anderen Seite führe zu einer parallelen Polarisierung in Richtung eines utopischen Ansatzes, der die Dezentralität und elektronische Demokratisierung durch das Netz betont und einen dystopischen Ansatz, bei dem die globale Macht der Großkonzerne im Mittelpunkt steht. "Neither account is adequate today." 28 Beide gründen auf Annahmen, die die Möglichkeiten einer kritischen Einschätzung des zukünftigen Potential der digitalen Netzwerke behindern.

Der elektronische Raum wird als Ort wahrgenommen, der durch Machtverteilung und die Abwesenheit von Hierarchie charakterisiert ist. Diese Wahrnehmung fußt auf den besonderen Merkmalen des Internet: Dezentralisierung, Offenheit, die Möglichkeit der Ausdehnung, das Fehlen von Hierarchie und Zentrum und die Unmöglichkeit autoritärer oder monopolistischer Kontrolle. "Doch die Netzwerke verteilen die Macht nicht nur - sie ermöglichen auch neue und andere Formen der Macht." 29 Als Beispiel hierfür eignen sich die internationalen Finanzmärkte und ihre privaten Netzwerke. Durch die drei wichtigsten Eigenschaften elektronischer Netzwerke, Geschwindigkeit,

Gleichzeitigkeit und Konnektivität werden Größenordnungen und Konzentrationen möglich, die dem globalen Finanzmarkt die Macht gibt, nationale Regierungen zu disziplinieren, was bei der sog. Mexiko-Krise im Dezember 1994 exemplarisch deutlich wurde. 30

Saskia Sassen formuliert die These, "daß der elektronische Raum weder selbstgenügsam noch neutral, sondern ‚eingebettet‘ ist." 31 Um diese These zu untermauern, untersucht sie das, was sie als "Cyber-Segmentierung" 32 bezeichnet. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem elektronischen Raum der Wirtschaft und der Digitalisierung einer wachsenden Anzahl ihrer Komponenten und dessen gleichzeitiger Einbettung:

- "Es gibt weder ein vollständig virtualisiertes Unternehmen, noch vollständig digitalisierte Industrien." 33 Sie benötigen strategische, "reale" Standorte mit Infrastruktur, Arbeitskraftressourcen, Kompetenzen und Gebäuden.
- "Die sich verschärfende Ungleichheit der Aufteilung der Infrastruktur für den elektronischen Raum [...] trägt hinsichtlich der Zugangsbedingungen [...] zu einer neuen Geografie der Zentralität [...] bei." 34
- "Die Kommerzialisierung öffentlicher Netzwerke und die hierarchische Konzentration von Macht in privaten Netzwerken produzieren [...] ‚Cyber- Segmentierungen‘ [...] Momente der Dynamik von Ungleichheit und Macht." 35

3.1 Reale Standorte

Für Saskia Sassen stellt die neue ökonomische Topographie, die durch den elektronischen Raum entstanden ist, nur einen Ausschnitt, ein Fragment einer viel größeren ökonomischen Kette dar, die zu weiten Teilen im nicht-elektronischen Raum eingebettet ist. Selbst die fortschrittlichsten Informationsindustrien wie beispielsweise die Finanzwelt, sind nur teilweise auf elektronischem Raum errichtet. Gleichermaßen sind auch die Software-Industrie und Multimedia-Unternehmen auf "reale", materielle Ressourcen wie neueste telematische Infrastruktur, ausgebildete Fachkräfte oder Gebäude angewiesen.

"Trotzdem haben sich Telematik und Globalisierung als fundamentale Kräfte herausgestellt, welche die Organisation des ökonomischen Raums neu gestalten." 36 Diese Kräfte bewirkten im elektronischen Raum neue organisatorische und strukturelle Veränderungen. Die Telematik maximiere das Potential für die geographische Ausbreitung, und die Globalisierung schließe eine ökonomische Logik ein, die die Einträglichkeit einer solcher Ausbreitung maximiert. Es kommt in dieser Hinsicht zu einer gewissen Neutralisierung von Ort und Zeit.

Mit dieser Ausweitung der ökonomischen Aktivitäten mit der weltweiten Integration der Telematik ergibt sich jedoch auch eine neue strategische Rolle der größeren (Welt-) Städte. Sie fungieren mit der entsprechenden Infrastruktur als Produktionsstätten der führenden Dienstleistungsunternehmen und es kommt zu einer Ballung in diesen Zentren, die als Schlüsselorte, als strategische Befehlszentralen für die führenden Industrien dienen. Die Städte werden so "erneut zu strategischen ‚Produktions‘-Stätten, eine Rolle, die sie verloren haben, als Massenproduktion in großem Umfang der dominante Wirtschaftszweig wurde. Durch Produktionsprozesse, die auf Information beruhen, wird Zentralität konstituiert." 37

Für Sassen ist dies kein bloßes Fortführen alter Muster der Agglomeration, sondern eine neue Logik der Machtanhäufung, indem diese Ballung neue Geographien der Zentralität erzeugt. Mit der Ausbreitung von Netzwerken und darauf ausgerichteter Dienstleistungen erhöht sich also die Komplexität und damit die Bedeutung zentraler Funktionen. Die weltweit agierenden Unternehmen werden nicht nur immer größer, sondern benötigen gerade wegen ihrer geographischen Zerstreuung und ihrem Bedarf an spezialisierten Dienstleistungen, die oft nicht mehr im eigenen Haus erbracht werden, einen zentralen Standort der Kontrolle. So werden neue Strukturen ökonomischer Aktivitäten und ökonomischer Macht errichtet, in die der elektronische Raum in "realen" Standorten eingebettet ist, und mehr ist als ein Raum simpler Übertragungskapazitäten. 38

3.2 Neue Geographie der Zentralität

Diese neue Geographie der Zentralität schlägt sich in einer "Verräumlichung der Ungleichheit" 39 nieder: So sind die globalen Städte vernetzte Hyperkonzentrationen an Infrastruktur und damit verbundenen Ressourcen, denen weite dürftig versorgte Landstriche in weniger entwickelten Regionen gegenüberstehen.

Tabelle 1: Beispiele für neue Geographie der Zentralität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser ungleich verteilte Zugang zu den Netzwerken erklärt sich über den Bedarf an enormen Geldmengen für die Infrastruktur: "Das Niveau technischer Entwicklung, das von unterschiedlichen Regionen, Ländern und sogar von ganzen Kontinenten erreicht wird, hängt von der Verfügbarkeit öffentlicher und privater Ressourcen ab und von der Logik, welche diese Entwicklung steuert." 40

Was es bedeutet, daß der elektronische Raum in die gesellschaftliche und vor allem wirtschaftliche Dynamik eingebettet ist, verdeutlicht in diesem Zusammenhang das Schaubild 3:

Schaubild 3: Internet-Rechner je 10.000 Einwohner

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Der Spiegel, Nr. 11/ 1996, S. 70.

Die Verteilung der Internet-Rechner scheint die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder zu reflektieren. Ein Großteil der weltwirtschaftlichen Handelsbeziehungen und der weltweiten Kapitalströme zirkulieren innerhalb der drei hochindustrialisierten Regionen Westeuropa, Nordamerika und Südostasien während andere "unrentable" Regionen zunehmend vom Weltmarkt abgekoppelt werden. Es scheint also zutreffender, von einer Triadisierung anstelle einer Globalisierung der Weltwirtschaft zu sprechen, die zudem mit einer Marginalisierung wirtschaftlich schwächerer Regionen einhergeht. 41 "Mapping the Power" 42: Die neoliberale Logik des kapitalistischen Weltmarkts spiegelt sich analog in der Geographie der Kommunikationsinfrastruktur wie auch der entstehenden Geographie des elektronischen Raums selbst.

Auch "das enorme Wachstum des weltweiten Handels von Kommunikationsdienstleistungen und -produkten hat sich auf diesem Hintergrund großer Ungleichheiten in der Infrastruktur ereignet und diese Ungleichheiten insofern verschärft, als vieles davon wieder an die technologisch ‚Besitzenden‘ fließt." 43

Gleichzeitig wurde für manche dieser Industriesektoren die Nachfrage der Geschäftswelt in wachsendem Maße wichtiger als die Nachfrage von gewöhnlichen VerbraucherInnen. Die wachsende Wirtschaftlichkeit und der potentielle Profit der Telekommunikation erzeugen einen enormen Druck hinsichtlich Deregulierung und Privatisierung. Die führenden Unternehmen brauchen stets die aktuellsten Kommunikationssysteme, was den Bedarf an weiterem Kapital und Spitzenforschung erzeugt:

"Das hat für staatliche Telefongesellschaften auf der ganzen Welt dazu geführt, dass sie sich zwischen dem Druck zur Privatisierung, den der private Bereich ausübt, und einer für die Entwicklung neuester Systeme ungenügenden Ausstattung mit öffentlichen Mitteln wiederfinden." 44

Was sogar für die ehemaligen staatlichen Kommunikationsmonopole Frankreichs oder Deutschlands gilt, muß erst recht für weniger entwickelte Länder gelten. Die Zauberformel lautet, daß die Privatisierung ihnen helfen wird, Zugang zu ausländischem Kapital und zu dem Fachwissen zu erhalten, das benötigt wird, um eine nationale Infrastruktur auszubauen. Das erinnert an den Bau der Eisenbahnstrecken in den ehemaligen Kolonialländern, der eher darauf abzielte, den Handel der Weltreiche als die territoriale Eingliederung der Kolonie zu erleichtern. Die Investoren prägen also die Beschaffenheit der Infrastruktur.

Deregulierung und Privatisierung der Wirtschaft erleichtern gleichzeitig die Bildung von Großkonzernen und weltweiten Allianzen:

"Die weltweit agierenden Konzerne und die jeweils neueste Infrastruktur und Technologie, zu der sie Zugang haben werden, können den Abstand zwischen den Technologie-‚Besitzern‘ und den ‚HabeNichtsen‘ unter den Unternehmen und Verbrauchern nur vergrößern." 45

Schließlich werden die NutzerInnen des Cyberspace genauso ungleichen Zugangsverteilungen gegenüberstehen: Wer es bezahlen kann, wird Hochgeschwindigkeits-Service haben und wer das nicht kann, wird sich auf langsameren Datenbahnen wiederfinden. "Die Welt ist zu globalem Markt geworden, der von relativ wenigen transnationalen Unternehmen beherrscht wird, die darauf hinarbeiten, eine weltweite, privatisierte Kommunikationssphäre zu schaffen." 47

3.3 Cyber-Segmentierungen

Diese Entwicklungen führen nach Sassen zu einer Strukturierung des elektronischen Raums, zu Segmentierungen des Cyberspace. Deutlich sichtbar wird dies bei der Kommerzialisierung des Zugangs. Hier besteht die Gefahr, daß sich Standards etablieren, die separate Räume im Netz erschaffen können, die beispielsweise jeweils nur mit der entsprechenden Software eines Unternehmen zugänglich sind. Dabei kommt eine typische unternehmerische Vorgehensweise zum Einsatz, die zuerst auf strategische Vorteile abzielt, beispielsweise eine möglichst große Verbreitung über die Verteilung von Gratis-Software zu erreichen, um später Gebühren für den standardisierten Zugang erheben.

"Wir können kaum das Ausmaß der Suche nach neuen Wegen der Kontrolle, Privatisierung und Kommerzialisierung überschätzen." 48 Der Versuch, Kontrolle zu gewinnen, geht über strategische Partnerschaften. Fusionen und Ankäufe haben sich in der Medienbranche und bei der Informationstechnologieindustrie drastisch erhöht. Das jüngste Zusammengehen von Time/ Warner und AOL, die mittlerweile fast die Hälfte aller Internet-NutzerInnen online bringen, steht exemplarisch für diese Entwicklung. Das Konzept, das die Fusionsbesessenheit der neuen Medien antreibt, heißt "Synergie": Dahinter steckt die strategische Absicht, die produzierenden Firmen, die die Software herausbringen, die Telefon-, Kabel- und Satellitenunternehmen, die sie verbreiten, und die Fernseh-, Computer- und Multiplexsysteme, mit denen sie der Öffentlichkeit präsentiert werden, alle in denselben Händen zu bündeln. "Synergie erweist sich so als höfliche Umschreibung für Monopol." 49

So haben "die Kulturindustrien eine bislang nie dagewesene Konzentration und Konvergenz erfahren." 50 Riesige, im Kulturbereich tätige Konglomerate umfassen nun Verlage, Radio- und TV-Stationen, Kabel-TV, Film- und Musikindustrie sowie Satellitensysteme. Diese Mediengiganten strecken ihre Fühler nach Software-, Telekommunikations- und Telefon-Gesellschaften aus oder werden ihrerseits von diesen inkorporiert. "Deregulierung ist der wichtigste Schritt in Richtung auf eine Expansion von flächendeckendem Service und zur Bildung globaler Allianzen." 51 Es erscheint als sehr wahrscheinlich, daß nach einer Phase harten globalen Wettbewerbs eine kleine Anzahl großer globaler Unternehmen das Geschäft monopolisieren werden.

Für Saskia Sassen ist die Bildung privater Intranets im Web eine der signifikantesten neuen Entwicklungen durch die Nutzung des Internet durch Unternehmen und zugleich einer der irritierendsten Momente der Cyber-Segmentierung. 52 Die privaten Intranetze nutzen die Infrastruktur und den Standard des Internets und des WWW, sind aber durch Firewalls strategisch nach außen abgeschottet und vor unautorisierten NutzerInnen und unbekannten Programmen geschützt. Die Intranets können durch ebenfalls abgeschottete "Tunnels" verbunden sein oder gar keine Verbindung zur Außenwelt haben. Intranets dienen somit als digitale Festungen im Cyberspace.

4. Zusammenfassung und Fazit

Mit ihrer differenzierten Analyse des elektronischen Raums zeigt Saskia Sassen auf, daß er nicht nur ein bloßes Mittel der Informationsübertragung ist, sondern auch als neuer Schauplatz der globalen Kapitalakkumulation und der Operationen mit diesem Kapital in Erscheinung tritt und so in eine größere Dynamik eingebettet ist, die eine Gesellschaft und vor allem die Wirtschaft organisiert. Einerseits erscheint der elektronische Raum als Ort der Machtverteilung und Einschränkung autoritärer und monopolistischer Kontrolle. Andererseits ist im Laufe der letzten Jahre gleichfalls deutlich geworden, daß das Internet ein Raum des Wettbewerbs und Segmentierung und damit Machtkonzentration und Hierarchieproduktion geworden ist.

Auch die Struktur, der Code des Internet trägt diesen Entwicklungen Rechnung. Exemplarisch steht der neue Multimedia-Standard FLASH4 für Wettbewerb und Segmentierung im Netz: HTML-Code, Texte und Bilder sind als digitale Inhalte von jeder Website jederzeit kopierbar und können modelliert und in einen neuen Kontext gestellt werden. Dies ist aber bei multimedialen Inhalten, die mit FLASH4 erzeugt wurden nicht mehr möglich, da kein Quelltext offengelegt wird. Neben den unerreichten Design-Möglichkeiten des Programms scheint auch dieser technische Kopierschutz bei seiner Durchsetzung als derzeit erfolgreichstes Multimedia-Tool beigetragen zu haben. Die so erzeugten Inhalte werden zu geschützten Waren.

Der Gerichtsprozeß gegen NAPSTER, eine Software, die den Tausch von Musikdateien im Netz ermöglicht, muß ebenfalls in diesem Zusammenhang betrachtet werden. Die Lobby der Musikindustrie wirft den Betreibern von NAPSTER Umsatzeinbußen beim Absatz von Musik-Cds vor, da diese urheberrechtlich geschützte Musik zum freien Kopieren bereitstellen würden. Auch hier bietet sich ein erster Vorgeschmack auf die zukünftige Regulierungsmacht der Multimedia- Unternehmen: Steve Heckler, Vizepräsident von Sony Pictures Entertainment machte in bezug auf NAPSTER deutlich: "Die Musikindustrie wird alle Schritte, welche auch immer nötig sein mögen, unternehmen, um ihre Einkünfte zu sichern. Sie wird diesen Einkommensstrom nicht verlieren, geschehe was wolle [...] wir werden aggressive Schritte unternehmen, [denn] es steht zu viel auf dem Spiel" 53 Konzerne wie Sony oder AOL-Time/Warner verfügen in einem Ausmaß über wirtschaftliche Macht, daß sich diese durchaus in Zensurmacht ummünzen läßt: Da viele Internetprovider die Kosten eines Prozesses mit den finanzkräftigen Konzernen scheuen, sperren sie freiwillig Webseiten, Benutzer oder Ports, auch wenn noch keine tatsächlichen Rechtsverletzungen vorliegen. Allerdings erzieht Zensur immer auch zu ihrer Umgehung.

"Der überwältigende Einfluß, den globale Unternehmen und Märkte in den letzten Jahren auf die Erzeugung, Ausgestaltung und den Gebrauch des elektronischen Raums gewonnen haben, hat gemeinsam mit der schrumpfenden Rolle der Regierungen ein politisches Vakuum erzeugt." 54

Dieses Vakuum kann durch eine stärker werdende Präsenz der Zivilgesellschaft kompensiert werden. Bei der Organisation von Protesten und Kämpfen für Menschen rechte, Umweltschutz oder eine Demokratisierung des IWF und der WTO erscheint das Netz als mächtiges weltweites Medium für Basisgruppen, Unterprivilegierte und Subkulturen. Eine stärkere Ausgestaltung dieser Bereiche ist erforderlich, um das Internet tatsächlich zu einem Werkzeug für Entwicklung und Partizipation zu machen, da diese Aspekte sich kaum aus der Logik des Marktes ergeben werden. Der Weg für diese Ausgestaltung und die Stärkung zivilgesellschaftlicher Positionen im Internet wird über Streit und Widerstand gegen seine Kommerzialisierung führen. Ansonsten wird das wachsende Interesse der Wirtschaft bestehende Ungleichheiten noch verschärfen und sich die Dominanz multinationaler Konzerne zum Nachteil von Bildung, Gesundheit und anderer öffentlicher Güter auswirken.

Daher kommt der Betonung der Einbettung des elektronischen Raumes durch Saskia Sassen und die Beobachtung der Machtverteilung im Netz eine zentrale Bedeutung zu, da es sonst leicht als universelle Projektionsfläche zu einer gigantischen Wunschmaschine verkommt. 55

5. Literatur

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6. Links

Wahlkampf-Site von Al Gore: http://www.algore2000.com/.

Online-Dienst AOL: http://www.aol.com/.

Angegriffene Site von Buy.com: http://www.buy.com/.

Chaos Computer Clubs Deutschland: http://www./.

Angegriffene Site von CNN: http://www.cnn.com/.

Registrierung der DE-Domains: http://www.denic.de/

Homepage der Electronic Frontier Foundation: http://www.eff.org/.

Zapatistas im Internet unter: http://www.ezln.org/.

Wahlkampf-Site von George W. Bush: http://www.georgewbush.com/.

Telepolis des Heise-Verlages: ttp://www.heise.de/tp.

Filmarchiv im Internet: http://www.imdb.com/.

Web-Erhebungen des Internet Software Consortium: http://www.isc.org/.

Testversion von FLASH4 bei: http://www.macromedia.com/.

MP3-Filesharing unter: http://www.napster.com/.

Angegriffene Site von Yahoo: http://www.yahoo.com/.

7. Fussnoten

1: Jürgen W. Brückmann: Datennetze, in: Stefan Bollmann (Hg.): Kursbuch Neue Medien, Trends in Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur, Reinbek bei Hamburg 1996, S. 183. zurück

2: Exemplarisch sind hier die folgenden Aufsatzsammlungen: Claus Leggewie/ Christa Maar (Hrsg.): Internet und Politik, Von der Zuschauer- zur Beteiligungsdemokratie?, 1998 Köln; Stefan Bollmann/ Christiane Heilbach (Hrsg.): Kursbuch Internet, Anschlüsse an Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur, Mannheim 1996. Martin Rost (Hg.): Die Netz-Revolution, Auf dem Weg in die Weltgesellschaft, Frankfurt/ Main 1996. zurück

3: Vgl. hierzu u. a. Stefan Bollmann (Hg.): Kursbuch Neue Medien, Trends in Wirtschaft und Politik, Wissen-schaft und Kultur, Reinbek bei Hamburg 1996. zurück

4: Vilém Flusser: Verbündelung oder Vernetzung?, in: Stefan Bollmann (Hg.): Kursbuch Neue Medien, Trends in Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur, Reinbek bei Hamburg 1996, S. 16. zurück

5: Ebd.: S. 23. zurück

6: Wolfgang Coy: turing@galaxis.com II, in: Martin Warnke/ Wolfgang Coy/ Georg Christoph Tholen: Hyper-Kult, Geschichte Theorie und Kontext digitaler Medien, 1997 Frankfurt/ Main, S. 15-32. zurück

7: Ebd.: S. 22. zurück

8: Marshall McLuhan/ Bruce R. Powers: The Global Village, Der Weg der Mediengesellschaft in das 21. Jahr-hundert, Paderborn 1995. zurück

9: Coy: turing@galaxis.com II, S. 22. zurück

10: Heinz Kleger: Direkte und transnationale Demokratie, Die neuen Medien verändern die repräsentative Demo-kratie, in: Claus Leggewie/ Christa Maar (Hrsg.): Internet und Politik, Von der Zuschauer- zur Beteiligungsde-mokratie?, Köln 1998, S. 104. zurück

11: Stefan Brüne: Zwischen High- Tech und Low Budget, Die ehemalige Dritte Welt und die Neuen Medien, in: Nord- Süd aktuell, 4/ 1996, S.683. zurück

12: Herbert I. Schiller: Die Kommerzialisierung von Information, in: Claus Leggewie/ Christa Maar (Hrsg.): In-ternet und Politik, Von der Zuschauer- zur Beteiligungsdemokratie?, Köln 1998, S. 134. zurück

13: Cracken bedeutet, sich unerlaubten Zugriff auf geschützte digitale Datenbestände zu verschaffen und diese zu verändern. Für das Cracken von Internetseiten ist charakteristisch, daß die Cracker auf den manipulierten Seiten ihre Signaturen, Stempel oder Logos als Referenz hinterlassen. zurück

14: Einleitung der EFF-Publikation Robert B. Gelman/ Stanton McCandlish: Protecting Yourself Online, The Definitive Resource on Safety, Freedom and Privacy in Cyberspace, 1998 New York, S. 12. zurück

15: Zur technischen Vorgehensweise und politischen Motivation Ricardo Dominguez, Vertreter des Electronic Disturbance Theatre (EDT) im Interview mit Stefan Krempel: Die Zukunft des zivilen elektronischen Wider-stands, am 18.02.2000 veröffentlicht bei Telepolis unter http://www.heise.de/tp/inhalt/te/5809.html. zurück

16: Bei diesen Attacken werden gleichzeitig auf verschiedenen Internet-Computern Programme installiert und gestartet, die durch eine automatisierte Reload-Funktion immer wieder den Inhalt der attackierten Internetsite abfragen und so den Server der Site zum Zusammenbruch bringen. zurück

17: John Perry Barlow: A Declaration of Independence of Cyberspace, in: Edeltraud Stiftinger/ Edward Strasser (Hg.): Binary Myths: Cyberspace, The Renaissance of Lost Emotions, Wien 1997. zurück

18: Konrad Lischka: Digital ist unfair, am 29.09.2000 veröffentlicht bei Telepolis unter http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/8819.html. zurück

19: Stefan Bollmann: Barmherzig untechnische Einführung, in: Stefan Bollmann/ Christiane Heibach (Hrsg.): Kursbuch Internet, Anschlüsse an Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur, Mannheim 1996, S. 14. zurück

20: Stefan Krempel: Alles für die New Economy, am 24.08.2000 veröffentlicht bei Telepolis unter http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/8601.html.) zurück

21: Ebd. zurück

22: Lawrence Lessig: Code and Other Laws of Cyberspace, New York 2000. zurück

23: Stefan Krempel: Good Bye Internet, welcome Disney.net, Der CyberlawProfessor Lawrence Lessig stimmt den Abgesang auf das originäre Netz an, veröffentlicht am 13.02.2000 bei Telepolis unter http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/5784.html. zurück

24: Lessig zitiert nach Lischka: Digital ist unfair. zurück

25: Benjamin R. Barber: Wie demokratisch ist das Internet? Technologie als Spiegel kommerzieller Interessen, in: Claus Leggewie/ Christa Maar (Hrsg.): Internet und Politik, Von der Zuschauer- zur Beteiligungsdemokratie?, Köln 1998, S. 123. zurück

26: Jüngst auf deutsch erschienen Saskia Sassen: Machtbeben, Wohin führt die Globalisierung?, Stuttgart Mün-chen 2000. Darin enthalten die Übersetzung des Aufsatzes Saskia Sassen: Digital Networks and Power, in: Mike Featherstone/ Scott Lash (Hrsg.): Spaces of Culture: City, Nation, World, London 1999, S. 49-63. zurück

27: Sassen: Machtbeben, S. 141. zurück

28: Sassen: Digital Networks, S. 50. zurück

29: Sassen: Machtbeben, S.144. zurück

30: Ende 1994 kam es zu einer dramatischen Währungskrise, in deren Verlauf der mexikanische Peso über 60 % seines Wertes verlor. Nur durch erhebliche finanzielle Hilfe der USA (deren außergewöhnliche Hilfsbereitschaft nicht zuletzt auf Mexikos Mitgliedschaft in der NAFTA zurückging) und anderer Industrieländer wurde es möglich, die Krise zu überwinden. zurück

31: Sassen: Machtbeben, S. 145. zurück

32: Ebd. zurück

33: Ebd., S. 146. zurück

34: Ebd. zurück

35: Ebd. zurück

36: Ebd., S. 147. zurück

37: Ebd., S. 167. zurück

38: Für eine detailliertere Diskussion dieser Zusammenhänge siehe Saskia Sassen: Metropolen des Weltmarktes, Die neue Rolle der Global Cities, Frankfurt/ Main 1996. zurück

39: Sassen: Machtbeben, S. 150. zurück

40: Ebd. zurück

41: Ankie Hoogvelt spricht in diesem Zusammenhang von einer Implosion des globalen Kapitalismus, die die koloniale und neo-koloniale Expansion abgelöst hat, und sieht den Großteil der Dritten Welt nicht mehr in einer Position der strukturellen Abhängigkeit (Dependencia), sondern in einer der strukturellen Irrelevanz. Ankie Hoogvelt: Globalization and the Postcolonial World, The New Political Economy of Development, Baltimore 1997, S. 84ff. zurück

42: Geert Lovink/ Pit Schulz: Anmerkungen zur Netzkritik, in: Stefan Münker: Mythos Internet, Frankfurt/ Main 1997, S. 341. zurück

43: Sassen: Machtbeben, S. 167. zurück

44: Ebd., S. 152. zurück

45: Ebd., S. 153. Spätestens hier drängt sich dem kritischen Beobachter der globalisierten Weltwirtschaft die Analogie zu den neoliberalen Strukturanpassungsmaßnahmen des IWF und der Weltbank auf, die mittels Privati- sierung und Deregulierung ebenfalls den Entwicklungsländern stets eine marktwirtschaftliche Ausrichtung ihrer Produktionssektoren und den Rückzug des Staates auferlegen. Es liegt in der Natur des Marktmechanismus, bestehende Ungleichheiten immer weiter zu vergrößern. Unter den Bedingungen eines Weltmarkts, der weitge-hend von monopolistischen Tendenzen und übermächtigen Konzernen geprägt wird, gilt dies in ganz besonde-rem Maße. Hinzu kommt, daß die drei mächtigsten Institutionen der Weltwirtschaft, IWF, Weltbank und WTO - als "Schiedsrichter" auf dem Weltmarkt - nicht unbedingt das sind, was man unparteiisch nennen könnte. Ihre Struktur, ihre Regeln und ihre Vorgehensweise orientieren sich in hohem Maße an den Interessen der Regierun-gen und Konzerne der Industrienationen und sind maßgeblich von der Freihandelsideologie geprägt. Um die bestehenden Ungleichheiten abzumildern, wird schon lange über die Besteuerung der weltweiten Kapitalströme diskutiert ("Tobin-Steuer"). Saskia Sassen verweist in einer ähnlichen Stoßrichtung darauf, daß Glasfaserkabel ganz materiell seien, und den Regierungen hier Möglichkeiten zur Verfügung stehen, regulierenden Einfluß auszuüben. Detaillierte Diskussion dieses Punktes in: Saskia Sassen: Losing Control? Sovereignity in an Age of Globalisation, New York 1996. zurück

46: Die existierende digitale Kluft zwischen West und Ost sowie Nord und Süd und spiegelt so das Einkommens-gefälle deutlich wieder. zurück

47: Schiller: Die Kommerzialisierung von Information, S.136. zurück

48: Sassen: Machtbeben, S. 154. zurück

49: Benjamin R. Barber: Wie demokratisch ist das Internet?, S. 125. zurück

50: Schiller: Die Kommerzialisierung von Information, S. 138. zurück

51: Sassen: Machtbeben, S. 155. zurück

52: Vgl. Ebd., S. 156. zurück

53: Zitiert nach Peter Mühlbauer: Internet-Zensur durch Medienkonglomerate?, am 24.08.2000 veröffentlicht bei Telepolis unter http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/8600.html. zurück

54: Sassen: Machtbeben, S. 161. zurück

55: Vgl. Lovink/ Schulz: Netzkritik, S. 341f. zurück

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Machtstrukturen im elektronischen Raum
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Seminar Kulturelle Globalisierung
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V104213
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machtstrukturen, Raum, Seminar, Kulturelle, Globalisierung
Arbeit zitieren
Stephan Köhler (Autor), 2001, Machtstrukturen im elektronischen Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104213

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